Täter im Priesterrock sind nur selten pädophil

08.12.2012: DIE WELT

Geistliche, die Kinder missbrauchen, sind nicht zwingend pädophil. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten im Auftrag der katholischen Kirche. Betroffene forderten eine kirchenunabhängige Aufarbeitung. Von Gernot Facius

…Betroffene kritisieren interne Untersuchungen

Der Gründer und Vorsitzende des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt (netzwerkB), Norbert Denef, forderte eine unabhängige Kommission zur Aufklärung der sexuellen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Nur so könne den Opfern Gerechtigkeit widerfahren, sagte Denef. In einem solchen Gremium müssten kirchenunabhängige Mitglieder den Missbrauch in der Kirche systematisch aufarbeiten. „Man würde ja auch nicht die Mafia bitten, ihre eigenen Verbrechen aufzuklären“, sagte Denef mit Blick auf die kircheninternen Untersuchungen.

Überdies brauche man eine Melde- und Anzeigepflicht bei Missbrauchstaten von Priestern. Damit könne eine strafrechtliche Verfolgung der Verbrechen sichergestellt werden. Außerdem sollte die Kirche auf die gesetzlich verankerte Verjährung der Taten verzichten, da viele der Opfer Jahre oder gar Jahrzehnte brauchen, um ihr Schweigen über das Erlittene zu brechen.

„Ich will ein klares Schuldeingeständnis“

„Es geht mir nicht darum, die Kirche kaputt zu machen“, sagte Denef. Bislang aber werde für die Opfer sexuellen Missbrauchs nichts getan. Das Angebot der Kirche, jedem Betroffenen 5000 Euro zu zahlen, sei „ein billiges Freikaufen aus der Verantwortung“. Das Leben der Missbrauchten sei aber in aller Regel nachhaltig zerstört, sie lebten zumeist am Existenzminimum.

Neben Geld brauche es vor allem ein klares Bekenntnis zur Verantwortung. „Ich will ein klares Schuldeingeständnis der Kirche“, sagte Denef, der in seiner Kindheit selbst über Jahre von einem Pfarrer missbraucht worden war. Stattdessen spekuliere die Kirche auf eine kurze Aufmerksamkeitsspanne für das Thema in der Öffentlichkeit und habe kein echtes Interesse daran, reinen Tisch zu machen.

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15 Kommentare

  1. michaela glaser schreibt am :

    Natürlich sind kirchenvertreter, die sich an kindern vergehen, nicht pädophil. Besagte personen zeigen den kindern nur die liebe gottes und wir sollten dankbar sein, dass sich jemand die zeit nimmt, dies zu tun. Das ist in den augen der kirche die einzig geduldete sexuelle praktik ausser zum arterhalt. Sexuelle beziehungen zwischen erwachsenen, wo sowas wie liebe, zuneigung, vertrauen als basis dient, ist abartig und pervers.
    Das ist es, was uns die bischofsvertreter damit sagen wollen.
    Ich bin für ein absolutes religionsverbot.

  2. hildegard schreibt am :

    … und ich bin für die absolute Entflechtung von Staat und Kirche – Heuchelei, Lügenmärchen und Rückgratverkrümmungen würden überflüssig …

  3. Esther schreibt am :

    Hallo Michaela,
    ich „höre“ den tiefen Sarkasmus aus Seinen Zeilen…
    Manchmal kann „man“ die Welt nur mit Sarkasmus ertragen… Natürlich sind weder „Kirchenvertreter“, noch „andere Täter“ krank,im Sinne von krank.Die Täter wissen sehr genau, was sie tun. sie wählen ihre Opfer gezielt aus und manipulieren ihre Opffer gezielt. Dazu gehört eine Portion Intelligenz und Unverfrohrenheit.Die Täter sind schlau und haben auch in „Sachen Verschleierung“ gute Taktiken. Solche Menschen sind, meiner Meinung nach NICHT KRANK und müssen voll zur Verantwortung gezogen werden. Aber die S…- Kirche FINDET IHRE ENTSCHULDIGUNGEN.
    Und IHRE MACHT IST: Menschen Schuldgefühle einzureden!!!

  4. michaela glaser schreibt am :

    Hallo esther,
    wer seine opfer gezielt aussucht, handelt instrumentell-dissozial, das fällt in den bereich „persönlichkeitsstörung“ und hat eindeutig krankheitswert. Solche personen haben keinen leidensdruck und fallen nach aussen nicht auf. Das ist die gefahr bei der sache. Ich halte die kirchen (beide) für sehr gefährlich, aber spitzenreiter sind nun mal die katholiken, wenn es um gehirnwäschen geht. Mein sohn wurde in einer kirchl einrichtung opfer sexueller gewalt eines anderen jungen. Die einrichtung in bayern ist ziemlich mächtig. Man erklärte mich für psychisch krank und ich verlor das aufenthaltsbestimmungsrecht, das traumatisierte kind kam in ein heim. Inzwischen stellte sich heraus, dass in bayreuth an der akte manipuliert wurde. Mein sohn ist wieder zuhause. Wir wohnen nun in berlin. Hab den fall nur bruchstückhaft geschildert. Wir sind beide traumatisiert. Die einrichtung hat mehrere ähnliche fälle, keiner traut sich ran.
    Ich konnte von amtsärtzin nachweisen, nicht psychisch krank zu sein. Unser kampf ist noch nicht zu ende. Kampf den kirchen!!! Wo ist gott?

  5. Esther schreibt am :

    Michaela, ich verstehe nicht, was Du mir sagen willst? Du sprichst mich namentlich an und sagst, daß diese Täter eindeutig krank sin? Bei „Deiner Geschicht“ kannst Du das nicht Ernst meinen, oder?

  6. michaela glaser schreibt am :

    Hallo esther und alle,
    bei unsrem fall, in dem ein anderes kind „täter“ (und vermutl. selbst opfer) war, handelten die verantwortlichen (einrichtung, jugendamt) rigoros gegen meinen sohn und mich. In den meisten anderen fällen sind erwachsene die täter. Obwohl ich meine, dass diese täter krank sind, heisst das nicht, dass es schonung bei der bestrafung geben darf. Bestraft werden sollten ausserdem nicht-täter, die vom missbrauch wissen und dies vertuschen (verletzung der garantenstellung). Die ganze frage nach gesund oder krank, dies erstmal festzustellen, lenkt evtl. vom eigentlichen verbrechen ab, das begangen wurde.
    Die opfer werden als psychisch krank dargestellt, damit man ihnen nicht glaubt.
    Gesund wäre lückenlose aufklärung ohne wenn und aber.

  7. Alex schreibt am :

    The Show must go on. Die Vertuscher-Mafia hat wieder eine neue Rakete gezündet. Verlogen und beschönigend spricht der selbstgefällige Wichtigtuer Ackermann von Grenzverletzungen, aber es sind und waren Verbrechen an Kindern und Schutzbefohlenen, die lebenslänglich damit kämpfen müssen. Wenn von 27 Bistümern nur 21 mitmachen, wenn von tausenden Fällen nur 78 untersucht werden, wenn Hunderte von Fällen durch Ordensleute in Schulen und Internaten überhaupt nicht herangezogen werden – welch tolle Untersuchung, die doch nur die Täter und der Täterorganisation schützen soll.

    Den Opfern ists doch völlig egal, ob der Täter pädophil ist oder nicht. Die Täter hatten ihre Lustmomente, die Opfer haben lebenslänglich. Ekelhaft!!!

    Hier ein guter Kommentar auf Deutschlandfunk:

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1944209/

  8. Anna M. schreibt am :

    @Michaela,
    sicherlich ist es müßig, darüber zu diskutieren, ob die Täter nun krank sind oder nicht.
    Oftmals bekommen aber „kranke“ Täter vor Gericht mildernde Umstände. Wenn jetzt aber die Bischöfe darauf beharren, daß die Priester nicht krank sind, müssen sie logischerweise auch voll bestraft werden. Hier handelt die Kirchenspitze seltsamerweise ohne Rücksicht auf den einzelnen Täter. Es ist wichtiger, das Image zu wahren („keine Kranken bei uns“), als dem einzelnen Täter vielleicht mildernde Umstände zu ermöglichen.
    Andererseits sind sie ja Weltmeister im Vertuschen. Da kommt sowieso kaum was ans Licht.

  9. michaela glaser schreibt am :

    Mit bischofsvertreter ackermann hat man den bock zum gärtner gemacht.

  10. Hallo!

    Es geht doch in der Schuhle schon los! sechtes Gebot(Ich habe
    Unkeuschheit getrieben) (Beichtstuhl) wie offt? 20 Vaterunser,
    jetzt sind Dir deine Sünden vergeben.Habe den ganzen Mist
    lange genug mitgemacht,deshalb glaube Ich nur wass Ich für
    richtig halte.

    Ps.Beichte gehört abgeschafft!

    Gruß Heinz

  11. michaela glaser schreibt am :

    Ich bin mal gespannt, was das satiremagazin titanic dazu schreibt.

  12. Eva schreibt am :

    Die Glaubensgemeinschaften sind so stark , dass jetzt sogar Körperverletzung ( Beschneidung ) offiziell per Gesetzentwurf „empfohlen“ wird. Was ist da schon Missbrauch an Kindern ! Missbrauch / Seelenmord ist ja nicht einmal Körperverletzung und wenn es verjährt ist, ist es nach 30 Jahren gar nichts in den Augen der Kirchen und vieler Politiker. Dafür kommen dann alle Priester in den Himmel und die Opfer erleben die Hölle auf Erden mit ihrem Seelenmord.

  13. Lurschy schreibt am :

    @Heinz Meng
    „Nicht besonders pädophil“, so die Studie, das heißt in Wahrheit: Sie wusten und wissen auch heute noch ganz genau, was sie tun. Oh wie Recht du hast Heinz, nach jahrelangem Missbrauch in verschiedenen „Erholungsheimen“ sollte auch ich fast wöchendlich meine Sünden gestehen. Welche Sünden, welche Vergehen? Ich glaube die haben sich dabei hinter dem Gitter eher einen …….. Oh welch ein verlogener Abschaum unserer Spezie. Damit muss ich versuchen zu überleben und es fällt mir immer schwerer.
    Lurschy

  14. Sarah Mohn schreibt am :

    Dass das Problem der Kirchen“dienerInnen“ weder Pädophilie noch psychische Krankheit ist, konnte man gerade die letzten Tage in einem Vierteiler mit anschließenden Dokus sehen.
    http://www.sat1.de/tv/die-tore-der-welt

    Der Kirche ging und geht es auschließlich um Machtausübung. der Unterschied zum Mittelalter liegt einzig und allein darin, dass die Kirche heute auf suptiler Art und Weise ihre Macht ausübt. Gewalt und Terror, extreme Machtausübung, sex. Gewalt an Frauen und Kinder hat Tradition bei denen.

  15. Bärbel schreibt am :

    zu Gislind,
    als das SCHLIMMSTE was mir passierte,ich zitiere,dass eine Zerrüttung eigener Bedenken…
    Werte und Wahrheiten aus Scham usw…..

    und zu vermeintlicher Eignverantwortlichkeit führte…
    diese Worte treffen mich bis ins Innerste,
    es war nicht ein Priester,
    es war meine eigene gegründete Familie,
    lange hat es gedauert,bis ich es erkannte,
    nach Jahrzehnten,wie man Menschen manipulieren kann,
    heil werde ich nicht mehr,
    musste lernen damit zu leben und überleben,
    jeden Tag ,sage ich es erneut ,ich bin ein wertvoller Mensch,Worte ,Verleumdungen ,bis zu mehreren gerichtlichen Verfahren standen an,
    die Last trägt schwer,nichts konnte man beweisen,
    ich wurde durch die Behörden erpresst,brauchte über vier Jahre ,bis ich meine behinderte Tochter wieder bei mir habe.
    Nur ein Richter stand hinter mir,
    mein Sohn hat sich öffentlich entschuldigt ,
    und wir feiern Heute gemeinsam Sylvester,
    das lässt uns hoffen ,auf einen Neubeginn,
    zu spät ist es nie,
    in diesem Sinne ,alles Gute für die Zukunft

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