Der Murks mit der Vergebung

16.12.2012: netzwerkB

Geschichten aus dem Leben

von Marion Klesse

Ein kleines Kind erfährt erst in der Grundschule, dass andere Kinder allein baden dürfen. Alle Handlungen des Vaters in der Badewanne bedeuten Angst und Schrecken. Den Begriff „Missbrauch“ kennt es nicht. Es weiß nur, dass immer wieder etwas Schlimmes mit ihm geschieht. Dass die Mutter nicht hilft, sondern mit Gleichmut das Geschehen billigt, bedeutet für das Kind, dass es das wohl verdient hat. Es gibt keine Rettung, keine Hilfe!

  • Wenn dieses Kind irgendwann überredet wird zu vergeben, was bleibt ihm dann? Die tiefe Überzeugung, dass es selbst Schuld sei am Geschehenen festigt sich, und das Kind wird ein weiteres Mal zum hilflosen Opfer, und der Täter gewinnt ein weiteres Mal.

Der Vater hat seine Freunde eingeladen! Mehrere Männer pokern um ein Kind. Wer gewinnt, darf es „haben“. Diese Grausamkeit geschieht einmal wöchentlich! Scham und Verzweiflung hindern das Kind am Reden. Es ist froh, wenn der einzige Mann, der nicht ganz so brutal und schrecklich ist, gewinnt. Alle diese Männer laufen als  biedere  Familienväter durch die Welt. Niemand weiß etwas, niemand schöpft Verdacht, weder im Fußballverein noch in der Familie!

  • Kann dieses Kind durch Verzeihen das furchtbare Erleben verarbeiten? Muss es nicht lernen, dass die Täter grausam waren und dass es keinerlei Schuld trifft, dass es sich für nichts schämen muss, dass es diesen Männer niemals wieder begegnen muss? Dieses Kind muss lernen, dass es viel wert ist und keine Chance hatte, dem zu entgehen.

Ein Vater missbraucht seine Tochter unter dem Deckmantel der Liebe! Er umschmeichelt sie, macht ihr Komplimente, sie sei wie ein Engel, sie sei wunderschön, und dann nähert er sich ganz subtil sexuell. Das Mädchen weiß nicht, wie es sich wehren soll, ohne den Vater, den es eigentlich liebt, zu verletzen. Es lässt in seiner Hilflosigkeit vieles zu, fühlt sich schuldig, eben weil es nichts dagegen unternimmt!

  • Dieses Mädchen muss erkennen lernen, dass ein erwachsener Mann es auf bösartigste Weise willfährig gemacht hat. Es hatte keine Chance, sich zu wehren. Vergebung würde bedeuten, ihre Schuld zu untermauern und seine zu minimieren! Wie grausam!

Die Eltern fahren mit der Tochter in ihrem VW-Bus in den Grunewald. Sie fahren so weit es geht in den Wald hinein, wo keine Spaziergänger mehr sind. Der Vater stellt den Motor ab. Die Mutter bleibt im Auto sitzen, Vater und Kind steigen aus. Der Vater schlägt auf das Kind ein. Hier hört niemand die Schreie. Das Kind begründet dieses schreckliche Geschehen, das sich immer wieder und wieder abspielt, mit den Worten: “Ich war ja auch böse. Darum schlägt er mich!“

  • Wenn dieses Kind vergeben soll, dann lernt es endgültig, dass der Vater im Recht ist. Man hat ihm beigebracht, dass der Vater so handeln müsse, weil das Kind böse war. Nicht vergeben heißt nicht automatisch hassen! Es wird ein langer Weg sein, dem Kind klar zu machen, dass es nicht böse ist! Kein Kind ist böse. Und kein Mensch auf der Welt hat das Recht, einem Kind Gewalt anzutun!

_

Helfen Sie mit Ihrer Mitgliedschaft Gesetze zu ändern und Kinder in Zukunft besser zu schützen.

Je mehr Mitglieder, desto größer der Druck auf die Politik.

Werden Sie netzwerkB Fördermitglied – auch beitragsfrei!

35 Kommentare

  1. Hubert schreibt am :

    Vergeben in solchen Fällen, bedeutet die Last auf Betroffene abwälzen. Ich glaube nicht, daß Vergeben immer der richtige Weg ist. Und vergeben ohne entsprechenden Ausgleich geht schonmal garnicht.
    Da sich eine solche Schädigung eigentlich garnicht ausgleichen läßt, ist somit eine Vergebung im Grunde hinfällig.
    Von quäkerhaften Religionseinstellungen halte ich recht wenig, dienen sie doch nur der Ruhigstellung der Betroffenen, damit die Täter ihre Ruhe haben.

  2. David schreibt am :

    Der Artikel ist mir zu unpräzise. Die hier aufgeführten Beispiele beschreiben eine erzwungene Verdrängung beim Missbrauchsopfer und haben nichts mit dem Begriff „Vergebung“ in einem therapeutischen Kontext zu tun. Vergebung in der Therapie beschreibt eine vom Missbrauchsopfer selbstbestimmt erlangte und erarbeitete innere Einstellung/Grundhaltung, die auch nicht vom Beisein des Täters abhängig ist und die das Missbrauchsopfer aus der Opferrolle herausholen kann. Ein wichtiger Baustein für den Therapieerfolg. Das wichtigste Merkmal aber ist, dass Vergebung in der Therapie niemals dem Opfer eine Mitschuld gibt, sondern diese vollständig beim Täter belässt.

  3. Sarah Mohn schreibt am :

    @David
    Ich sehe Vergebung keinstenfalls als einen wichtigen Baustein für einen Therapieerfolg, sondern viel mehr das Ziel einer Therapie, sich aus der Opferrolle eines Tages, nachdem alle Gefühle ihren berechtigten Platz und Raum bekommen haben, durch autark werden zu befreien. Das ist ein sehr langer Weg, und hat zunächst mit dem Täter an sich überhaupt nichts zu tun, sondern einzig und alleine mit den Taten und den daraus entstandenen Langzeitschäden, mit dem Erlangen der Erkenntnis, dass beides miteinander kausaliert und man nun als Erwachsene viele Verhaltensweisen, Schutzmechanismen heute nicht mehr benötigt, je stärker man von innen her aufgebaut wird. Der Täter ist nicht Thema in einer Therapie, nicht der Mittelpunkt einer Therapie, ergo kann er auch nicht ein wichtiger Baustein für eine Therapie sein. >Mittelpunkt ist immer – ausnahmslos – einzig und allein der – die Betroffene, das Opfer!!!

    Und Ziel ist es, die verloren geglaubte Würde und Selbstbestimmtheit wieder eines Tages zu erlangen, sich wieder einigermaßen GANZ zu fühlen, wieder selbst das Leben in die Hand nehmen zu können, sich nicht mehr fremdbestimmt zu fühlen. Und bei alle dem ist es mir ziemlich schnuppe, wie es dem Täter geht, es interessiert nicht! Es geht um meine Heilung und nicht um die der Täter!!!
    Vergebung: Therapeuten, die das zum Ziel einer Therapie machen, haben ihren Beruf verfehlt, dürften eigentlich gar nicht mit Opfern, Betroffenen arbeiten, sondern sollten schnellsten die Seite wechseln, damit sie ihre volle Empathie den Tätern zukommen lassen.

    Vergeben? Wichtig ist doch nur, dass ich meine Kindhheit eines Tages „befrieden“ kann, um wieder Zukunft erspüren zu können, dass ich die Traumen eines Tages wandeln kann und sie in meine Biographie integrieren kann, dass sie nicht mehr meinen Alltag komplett bestimmen.

    Denn auch Täter haben die Chance, sich therapieren zu lassen, wenn sie nur wollten. Täter haben in unserer gesamte Kindheit unser „Leben“ bestimmt, uns zu ihren Opfern gemacht. Heute erlaube ich ihnen nicht einen Millimeter mehr, mein Leben zu bestimmen – und sei es damit, dass ich mir ein schlechtes Gewissen machen lasse, weil ich ihnen niemals vergeben werde.
    Therapieziel kann nur sein, dass ich MIT MIR eins, einig werde, aber sicher NIEMALS mit den Tätern.

    Sarah Mohn

  4. Anna M. schreibt am :

    Hallo David,
    auf welche wissenschaftlichen Forschungen beziehen sich denn therapeutische Konzepte, die Vergebung als Mittel zum Ausstieg aus der Opferrolle ansehen?

  5. Leonore schreibt am :

    Vergeben ist der völlig falsche Weg, wie auchschon im Artikel erwähnt. Ich beschäftige mich gerade mit den Büchern von Alice Miller und sie spricht sich nicht nur ausdrücklich gegen Vergebung und Versöhnung aus, sondern auch für das Gefühl des Hasses und des Zornes. Mir haben ihre Bücher sehr im Umgang mit den Tätern geholfen. Hier ein kleiner Ausschnitt und der Link zur Website:www.alice-miller.com (Auf der Website finden sich ausserdem zahlreiche Leserbriefe)

    Ein Interview mit Alice Miller an Katharina Micada

    8 Oktober 2009

    1. Wie definieren Sie den Begriff „Kindesmisshandlung“?
    1. Ich spreche von Kindesmisshandlung auch da, wo das Kind nicht respektiert, erniedrigt, verwirrt, betrogen und sexuell missbraucht wird. In allen diesen Fällen wird mir übrigens kaum widersprochen. Hingegen gelingt es mir oft nicht, Menschen zu informieren, dass das Schlagen der Kinder eine folgenschwere Misshandlung ist, weil dies seit Jahrtausenden praktiziert wird und als Erziehung zum Besten des Kindes bezeichnet wird. Fast alle heute lebenden Eltern wurden als Kinder geschlagen und mussten leider sehr früh von ihren Eltern lernen, dass diese Praxis als harmlos und richtig anzusehen ist. Dieses falsche „Wissen“ ist also in ihrem Gehirn gespeichert und bei vielen kaum zu entfernen. Das Gegenteil zu begreifen, würde bedeuten, ihre Eltern in Frage zu stellen, und das macht den meisten Menschen Angst. Sie erwarten Strafen, gerade WEIL sie als Kinder für die Wahrheit mit Schlägen bestraft wurden.

    2. Wie sehen Sie die Rolle der Religionen/Kirchen im Bezug auf die Kindesmisshandlung?
    2. Ich sehe in allen mir bekannten Religionen die Forderung, die Eltern und Ahnen in hohen Ehren zu halten, auch wenn diese noch so brutal mit dem Kinde umgegangen sind. Fast alle Menschen halten sich daran, auch wenn sie mit ihrer Gesundheit dafür bezahlen müssen, weil der Körper die Moral nicht versteht. Er kann nicht lügen, er hat die Erinnerung an die erlittenen Qualen gespeichert und drängt uns dazu, seine Wahrheit zu respektieren. Ohne uns zu belügen, können wir nämlich nicht Menschen wirklich lieben und ehren, die uns viele Jahre lang gequält haben.

    3. Welche Erfahrungen haben Sie mit Vertretern der Kirche im Bezug auf diese Thematik gemacht?
    3. Wie Sie wissen, habe ich etliche Briefe an die beiden Päpste und auch an manche Kardinale, unter anderem an Kardinal Lustiger, geschrieben, doch entweder keine oder ausweichende Antworten erhalten. Ich bat um das Informieren junger Eltern, dass das Schlagen kleiner Kinder gefährlich sei, weil es bereits wissenschaftlich erwiesen sei, dass es das Gehirn schädigt. NIEMAND zeigte an dieser Information das geringste Interesse oder die Spur der Barmherzigkeit für die Abermillionen von geschlagenen kleinen Kindern. Mir war es, als hätte ich ein Rezept für ein komisches, exzentrisches Gericht empfehlen wollen. Die Einzelheiten dieser Korrespondenzen beschreibe ich in meinem Buch „Ewas Erwachen“

    4. Wie wirkt sich die Misshandlung von Kindern auf die Gesellschaft aus?
    4. Die Kinder von heute sind die Bürger von morgen. Sie durften sich gegen die Angriffe ihrer Eltern nicht wehren, waren hilflos, mussten ihren Zorn tief unterdrücken, um weitere Strafen zu vermeiden, aber sobald sie erwachsen werden, meldet sich dieser Zorn und richtet sich vor allem gegen die eigenen Kinder, aber auch gegen andere Menschen, die man straflos als Sündenböcke benutzen kann. An hohen Positionen angelangt, kann man ganze Völker dafür benutzen, um den in der Kindheit aufgestauten Zorn an Millionen abzureagieren. In meinem Buch „Abbruch der Schweigemauer“ habe ich am Beispiel von Ceausescu mit Hilfe von vielen Details aufgezeigt, wie dies in Rumänien unter seiner Herrschaft funktionierte. Sehr viele Menschen reagieren diesen unterdrückten Zorn nicht an anderen ab, sondern bestrafen sich selbst für das, was ihnen angetan wurde, wie sie es in der Kindheit gelernt haben und wie es ihre Religion verlangt. Sie werden krank, abhängig von Drogen oder Medikamenten und leiden an Depressionen. Sie nehmen das alles in kauf, um ja niemals ihre Eltern anzuklagen.

    5. Eine amerikanische Studie hat nun nachgewiesen, dass geschlagene Kinder einen niedrigeren Intelligenzquotienten aufweisen. Ebenso hat die neuere Hirnforschung nachgewiesen, dass durch Gewalteinwirkung in den ersten drei Lebensjahren die Gehirnareale, die für Empathie zuständig sind, geschädigt werden. Sie schreiben schon seit 30 Jahren in Ihren Büchern, dass das Schlagen von Kindern – entgegen der gesellschaftlichen Meinung, dass „ein Klaps noch niemandem geschadet habe“ – extrem schädlich ist. Wie kamen Sie schon damals zu dieser Erkenntnis?
    5. Ich habe 20 Jahre lang als Psychoanalytikerin ohne Freud’sche Scheuklappen meinen Patienten zugehört und habe mit Verblüffung feststellen müssen, dass sie ALLE misshandelte Kinder gewesen waren, aber diese Tatsache leugneten und ihre Eltern vor jedem Vorwurf in Schutz nahmen. Dieser Mechanismus hat mich damals sehr beschäftigt, ich las für meine weiteren Forschungen viele Lebensläufe berühmter Menschen und fand fast ohne Ausnahme überall das gleiche Muster: Die vollständige Verleugnung des eigenen in der Kindheit erfahrenen schweren Leidens, sowohl bei Massenmördern, Diktatoren, als auch bei Künstlern, Schriftstellern und Philosophen. Das zeigte ich später in meinen Büchern „Der gemiedene Schlüssel“ und „Die Revolte des Körpers.“

    6. In Ihrem Buch „Am Anfang war Erziehung“ (Suhrkamp 1980) haben Sie die Gräueltaten von Adolf Hitler in Bezug auf seine Kindheit untersucht. Zu welchen Schlüssen sind Sie gekommen?
    6. An Hitlers Biographie habe ich wohl zum ersten Mal die unheimliche Gefährlichkeit der Verleugnung einer extrem grausamen Kindheit entdeckt. Das lässt sich nicht so kurz erklären, man muss die Beweisführung schon im Buch nachlesen.

    7. Sie haben auch die Werke berühmter Schriftsteller wie Schiller, Nietzsche, Proust, Rimbaud, Kafka u.a. zu deren Kindheitserlebnissen in Beziehung gesetzt und festgestellt, dass die Literatur eine verschlüsselte Darstellung der verdrängten Kindheitsdramen darstellte. Das ist eine neue und ungewohnte Sicht auf Kunst. Sehen Sie diese Zusammenhänge auch bei anderen Künstlern und Kunstformen?
    7. Ja, ich sehe sie in allen mir bisher zugänglichen Biographien. Weil es ganz logisch ist: Kinder lernen sehr früh alles, was die Eltern ihnen vormachen. Wenn sie also Gewalt erleben, lernen sie diese. Da es ihnen verboten ist, das Gelernte zu zeigen, mögen sie zunächst als besonders brave Kinder mit Gehorsam brillieren, wie der Auschwitzkommandant Rudolf Höss es selber bezeugt. Erst später zeigen sie die Brutalität, die sie bei ihren Eltern gelernt haben. Künstler zeigen meistens unbewusst das einst Erfahrene und Verdrängte verschlüsselt in ihrer Kunst. Dies scheint leider noch ein verbotenes Wissen zu sein, denn bisher hat niemand noch meine Forschungen aufgenommen. Bei den Amokläufern beteuern ALLE unisono, ohne zu zögern, dass sie die Motive der Täter ABSOLUT nicht verstehen. Deren Kindheit wird in der Presse kaum jemals erwähnt. Die Eltern werden in allen Fällen geschont. Wie sollen denn Leser verstehen, wie Gewalt gelernt wird, wenn niemand ihnen hilft?

    8. Sie sind auch selbst Malerin und haben in Ihren Bildern, die in Ihrem Buch „Bilder meines Lebens“ (Suhrkamp 2006) sowie auf Ihrer Internetseite veröffentlicht sind, Erlebnisse Ihrer Kindheit verarbeitet. Wie ging die Kunstwelt mit dieser unverschlüsselten Form von Kindheitsbewältigung um?
    8. Niemand ist bisher darauf eingegangen. Man lobte nur meine künstlerische Leistung. Als gäbe es eine Verschwörung, dass man über die Kindheit nicht sprechen darf. Dahinter vermute ich die Angst des Kindes, die in jedem von uns lebt, die Angst vor der Strafe der Eltern, wenn wir uns erlauben würden, deren Taten in Frage zu stellen.

    9. Erwachsenen, die als Kinder misshandelt wurden, wird meist geraten, ihren Misshandlern zu vergeben. Die Religionen lehren das, sowie die meisten psychotherapeutischen Ansätze. Diesem Ansatz widersprechen Sie in Ihren Büchern. Warum?
    9. Wie ich schon sagte: Der Körper versteht nichts von Religion und Moral. Wenn wir seine Erfahrungen der Grausamkeiten ignorieren, bezahlen wir unseren Selbstverrat mit Krankheiten oder lassen unsere Kinder ihn bezahlen, oder tun beides. Das Vergeben heilt nicht die Wunden, diese können nur durch das Zulassen der schmerzhaften Wahrheit ausgeheilt werden, nicht aber durch den Selbstbetrug. Um zu heilen, müssen die Wunden aufgedeckt werden und nicht verborgen bleiben. Manche Priester gebrauchen fremde Kinder für ihre sexuellen Wünsche, WEIL sie es niemals wahrhaben wollen, dass auch sie in der Kindheit so missbraucht wurden. Sie vergeben jeden Morgen global ihren Sündigern und wissen nicht, dass sie vom Zwang getrieben werden, das einst Erfahrene zu wiederholen und zu verleugnen. Würden sie sich mit der Geschichte der eigenen Kindheit konfrontieren und in einer aufdeckenden Therapie mit Zorn auf das ihnen Zugefügte protestieren, würden sie nicht zwanghaft das Leben ihrer Ministranten gefährden. Dieses Konzept der Therapie beschreibe ich in meinen beiden letzten Büchern, vor allem in „Dein gerettetes Leben“.

    10. Seit einigen Jahren gibt es angeblich eine neu entdeckte Krankheit, das sog. „False-memory-syndrome“, zu deutsch „falsche Erinnerungen“ oder „Pseudoerinnerungen“. Halten Sie es für möglich, dass sich jemand einbildet, als Kind misshandelt worden zu sein?
    10. Nein, weil unser Organismus eher die Schmerzen flieht und sie niemals erfindet. Sollten wir mal eine Geschichte erfinden, dann wird sie IMMER harmloser sein als die bittere und verdrängte Realität. Bei der False Memory Stiftung handelt es sich um eine reine Interessengemeinschaft von vermögenden Eltern, die sich in den 80er Jahren in den USA gebildet hat und Therapeuten gerichtlich verfolgte, als ihre erwachsenen Kinder den einst erlittenen sexuellen Missbrauch durch die eigenen Eltern in den Therapien erinnern konnten. Leider sind viele Therapeuten durch diese Prozesse eingeschüchtert worden, und das mag dazu beigetragen haben, dass heute die Realität der Kindheit in den meisten angebotenen Therapien kaum angeschaut wird.

    11. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass dieses Krankheitsbild keineswegs wissenschaftlich überprüft worden ist. Warum erfährt es dennoch so große Verbreitung?
    11. Genau deshalb, weil es sich eben um die Verleugnung der Wahrheit handelt. Dafür hat man immer dankbare Abnehmer. Die Tätigkeit der Stiftung wird jetzt auch in Deutschland und Frankreich bekannt und begrüßt. Das erinnert an die Zeit, als Sigmund Freud seine Entdeckung der sexuellen Misshandlungen der Kinder begraben und seinen Schülern den Oedipuskomplex angeboten hat, um seinen Vater „der vielleicht auch zu den Perversen gehörte“ (zitiert nach Freud, in meinem Buch „Du sollst nicht merken“), , nicht fürchten zu müssen.

    12. Ihre Bücher haben hohe Auflagen und wurden in 30 Sprachen übersetzt. Warum setzen sich Ihre Erkenntnisse trotzdem so langsam durch?
    12. Weil ich nichts anzubieten habe, als den Rat, sich die eigene Kindheit anzuschauen, und jeder tut lieber alles andere als dies. Aber Menschen, die den Mut haben, dies zu tun, und sich nicht durch Eltern schonende Theorien aller Art verwirren lassen, entdecken tatsächlich Goldminen in ihren Geschichten, die bisher verborgenen Schlüssel zum Verständnis ihres ganzen Lebens. Dank der Entdeckung ihrer Wahrheit und dem Erlebnis der emotionalen Reaktion darauf verlieren sie die Symptome wie Depressionen und Essstörungen. Natürlich bedeutet das oft eine sehr schmerzhafte Arbeit, die sich aber lohnt.

    13. Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind notwendig, damit die Weitergabe der Gewalt von Generation zu Generation beendet wird?
    13. Vor allen Dingen die Verbreitung des Wissens über die Dynamik der Gewalt und die Aufklärung der Massen über die Art, wie sie die Tendenz zur Gewalt in ihren Kindern produzieren. Mit der Aufklärung der Päpste habe ich erhofft, ein AHA Erlebnis und den Wunsch, Kinder zu beschützen, zu bewirken. Ein einziger Satz aus dem Vatikan hätte die jungen Eltern aufhorchen lassen. Doch nichts dergleichen geschah. Indessen bewirkt das Schlagen der Kinder enorm viel Unheil, ein striktes Verbot dagegen sollte endlich das Bewusstsein der Massen wecken, dass jedes Kind von seinen Eltern respektiert werden MÜSSE und dass es das Recht auf den Schutz des Staates hat, um später keine Kriege organisieren zu wollen. Denn das geschlagene Kind verliert den natürlichen Kompass und agiert später höchst irrational, wie wir es heute bei Diktatoren beobachten können.

    14. Haben wir uns nicht diesem Ziel genähert in der letzten Zeit?
    14. Leider nicht. Noch 20 Staaten der USA erlauben körperliche Strafen in den Schulen. Das steht im scharfen Gegensatz zur humanen Konstitution der Vereinigten Staaten, die JEDEM Bürger Sicherheit und Schutz garantiert. Dass es trotzdem erlaubt ist, Kinder in den Schulen zu schlagen, stellen nur sehr Wenige in Frage. Weshalb stehen die Kinder nicht unter dem gleichen Schutz wie andere Bürger? Zumal die an ihnen verübten Verletzungen Schäden im Gehirn bewirken, während der verletzte Erwachsene bereits über ein fertig ausgebildetes Gehirn verfügt und somit weniger Schaden nimmt als das Kind? Die Reflexion über diese Fragen steht uns noch bevor.

  6. hildegard schreibt am :

    Ja, „Die Reflexion über diese Fragen steht uns noch bevor“, denn eigentlich steht alles in Frage in Bezug auf Kinder.

    Vergebung für gesetzlich geschützte Erwachsene, die eiskalt berechnend sich unterm staatlichen Rettungsschirm der Verjährung vor ihrer persönlichen Verantwortung verstecken? Sie alle wissen sehr wohl, was sie tun! Sie alle kennen sehr genau die Folgen von Drohen und Verstummen.

    Frau Merkels Forderung nach Wahrheit und Klarheit ist vergessen, Verjährung ist gewollt. Transparenz lassen Parlamentarier unter gar keinen Umständen zu – zu viele haben sich mit schuldig gemacht, parlieren von angeblichem Rechtsfrieden und versinken immer tiefer im selbst gemachten Sumpf.

    Kinderrechts-Konvention? Kinder bleiben allein – rechtlos im rechtsfreien Raum.
    Kinder lernen – gesund sei, was sie hart macht.
    Kinder werden verdächtigt, den Täter verführt zu haben.
    Kindern lädt man die Verantwortung für einen mehr als fragwürdigen Zusammenhalt in der Familie auf.

    Lebenslänglich kostet es diese Kinder Lebens-Kraft ohne Ende beim vergeblichen Versuch, auf den „Geschmack des Lebens“ zu kommen.
    Überall die Mauer der Verjährung, verordnetes Maulkorb-Schweigen.
    Arroganz erstickt den Atem.
    Ignoranz schließt den Teufelskreis.
    Schutz und Schonung für Täter.
    Spott und Häme für Opfer.

    Therapeuten enttäuschen, Therapien zerstören hoffnungsvolles Vertrauen – Betroffene fühlen sich verraten, verkauft, bleiben fassungslos und verwirrt auf der Strecke …
    Warum?

  7. Max schreibt am :

    Vergeben.
    Der unnötige -weil von den Tätern hervorgerufene- Weg der Vergangenheitsbewältigung, den ich gehen muss, konfrontierte mich oft in den vielen Jahren mit der Frage: Muss ich vergeben?
    Erst einmal wäre das ein schöner Gedanke! Vergeben.
    Wie viel leichter und einfacher wäre mein Leben,wenn ich mich von der Last dieser schweren Erfahrungen befreien könnte, in dem ich sie „wegwische“ mit Vergebung.
    Konsequenterweise müsste ich dann zu einem Täter auch sagen können: „Gräm dich nicht, – das ist vergeben“ oder „Keine Endschuldigung bitte, das ist bereits vergeben „oder „ Ich habe dir vergeben“
    Kann oder will ich das? Nein!
    Ich bin froh und ich gebe zu, ich bin irritiert, dass ich nach 40 Jahren plötzlich Hassen kann, wo bisher immer nur Leere und Taubheit herrschten.

  8. Ich selbst bin 42 Jahre lang satanisch rituell missbraucht worden – ohne dass es mir bewusst war. Durch massive Bewusstseinsabspaltungen wurden bei mir alle Missbrauchserinnerungen gelöscht oder mit Tarnerinnerungen überdeckt. Was blieb war ein massiver innerer Schmerz, der mich schließlich zu Erinnerungen führte, die ich lange für unmöglich hielt. Diese ohnmächtige Wut und der Hass des Opfers in mir brannten lichterloh und drohten mich aufzufressen. Als ich vergeben lernte, fand ich meinen inneren Frieden und konnte endlich beginnen zu leben. So lange ich an „Schuld“ glaubte, war es mir unmöglich zu vergeben. Schuld ist ein Gedankenkonzept und wenn wir es loslassen, erlangen wir Freiheit. Die Ursache für den Missbrauch ist Unbewusstheit auf beiden Seiten. Wie kann ich jemanden oder mich selbst für etwas verantwortlich machen wollen, wovon er nicht wusste, was er tat? Jemand, der als Kind höchst wahrscheinlich die gleiche Behandlung erfahren hat und keine andere Realität kennt? Entscheidend ist für mich, dass ich als Opfer immer auch Täteraspekte in mir finde – und das befreit mich aus der unsäglich armen, hilflosen Opferposition. Vergebung ist Heilung und nur das ermöglicht Leben. Mein Missbrauch ist heute geheilt und ich helfe anderen Menschen den ihren ebenfalls zu erkennen und zu heilen.

  9. Sarah Mohn schreibt am :

    @Christel
    Wenn ich mir Ihre homepage ansehe, erweckt sie bei mir den Eindruck, dass Sie sich mittels Esoterik versuchen, andere zu „heilen“.

    Das wirkt auf mich suspekt, weil es das andere Extrem ist, das ebenso manipulativ ist wie die sat. rit. Seite, nur dass sie eben subtiler arbeitet, so dass Hilfesuchende nicht sofort erkennen, wie sie erneut fremdgesteuert werden und mit „Heile, Heile Segen“ und „wir haben uns alle lieb Phrasen“ verblendet und gechipt werden.
    Was bin ich froh, dass meine Therapeutin mich auf solche Gefahren von Anfang an hinwies, und mir riet, mich gerade während des Zusammenbruchs meiner Teilamnesie von jeglichen religiösen Firlefanz fernzuhalten. Sei es von gesellschaftlich „anerkannten“ Religion wie dem Christentum z.B. oder den „alternativen“ Richtungen.
    Ich kenne leider einige Betroffene sex. Kindesmissbrauchs, die diese hilfreichen Tipps nicht erhalten haben, und heute unter religiösen oder esoterischen Wahn leiden.

    Ich kann nur allen raten, vor allem sat. rit. Missbrauchten, sich fern zu halten von jeglicher Art Gehirnwäsche, egal ob sie als „Gut“ getarnt ist, oder nicht.

    Gehirnwäsche ist Gehirnwäsche, unabhängig, in welche Richtung sie Hilfesuchende manipulieren will.
    Sarah Mohn

  10. Doro schreibt am :

    Danke, Sarah Mohn, für diese Klarstellung!

  11. Sarah Mohn schreibt am :

    Gern geschehen :-). Das war mir ein inniges Bedürfnis!!!
    Sarah Mohn

  12. Eva schreibt am :
  13. Elisabeth schreibt am :

    Am Anfang meiner Therapie dachte ich auch, Ziel müsste doch irgendwie die Vergebung sein. Aber jetzt ist für mich klar: Ich werde nicht vergeben. Vergebung sollen sich die TäterInnen erst mal verdienen, und auch dann ist es keine Sache, die verlangt werden darf.
    @ Christel: Kann sein, dass es Ihnen geholfen hat. Bei vielen anderen, auch bei mir, ist aber das Gegenteil der Fall. Ich glaube an das Konzept der Schuld – an die Schuld des Täters / der Täterin, wohlgemerkt – und seitdem ich mir das zugestehe, geht es mir besser. Die TäterInnen wissen sehr wohl, was sie tun (Wieso sollten sie sonst versuchen, es geheim zu halten???). Und dass einige früher selbst Opfer waren – was bringt’s mir? Was ändert das an MEINEM Leid? Nix und wieder nix. Man kann sich entscheiden, wie man mit dem selbst erfahrenen Leid umgeht. Es ist sicher nicht für jeden leicht, sich von als Kind erlernten, kranken Verhaltensweisen zu lösen, aber es ist und bleibt eben die Entscheidung jedes einzelnen, ob er zum Täter / zur Täterin wird oder nicht. Das Opfer hat diese Entscheidungsfreiheit nicht. Und damit liegt die Verantwortung, die Schuld – beim Täter.
    Um es mit Emilie Autumn zu sagen, die selber mehrfacher Opfer wurde und ihr Trauma in ihren Liedern verarbeitet: „We never will forget and, no, we will not forgive. We fought hard not to die, yet we don’t know how to live“ (Wir werden nie vergessen, und, nein, wir werden nie vergeben. Wir haben hart gekämpft, um zu überleben, aber dennoch wissen wir nicht, wie man lebt).
    Für mich ist die Forderung nach Vergebung nur Vernebelung der Tatsachen, Opium für’s Opfer, quasi. Jemandem, der keine Reue für eine böse Tat empfindet, einfach zu vergeben, ist meiner Meinung nach nicht edelmütig und auch nicht hilfreich. Und aus der Opferrolle raushelfen tut’s auch nicht, im Gegenteil. Eine klare Sicht darauf, wer für das Leid verantwortlich ist – der Täter oder die Täterin, nicht das Opfer – macht einen hingegen stark. Eine Gratis-Vergebung hingegen führt nur zu einem: Die TäterInnen fühlen sich darin bestärkt, so weiterzumachen, wie bisher, und produzieren noch mehr Opfer. Deshalb sage ich: Vergebung – Nein Danke!

  14. Anna M. schreibt am :

    Christels Beitrag zeigt sehr schön die Täteridentifikation, um nicht zu sagen das Stockholm-Syndrom.

    Die Existenz von Schuld und somit auch Verantwortung zu leugnen zeugt von starker Gehirnwäsche.
    Selbstbezichtigung ist eine Fortführung der Bezichtigung durch den Täter.
    Das Nachteilige an diesem Konzept ist auch, daß das Opfer noch viel mehr in Gefahr ist, später zum Täter zu werden, wenn es dem Täter vergeben hat. Denn die VERDRÄNGUNG und VERLEUGNUNG der Verbrechen hat ja auch beim Täter dazu geführt, daß er gewalttätig wurde. Ein ewiger Kreislauf, der nur durchbrochen werden kann, wenn man dem misshandelten Kind in sich selbst zuhört. Gleichzeitig ihm zuhören und den „armen“ Täter verstehen geht nicht. Da muß man sich schon entscheiden.

    „Gewaltfreiheit ist bedeutungslos, wenn sie von einer hilflosen Kreatur ausgeht. Eine Maus wird einer Katze kaum vergeben, wenn sie es zulassen muss, von ihr in Stücke zerrissen zu werden.“ (Mahatma Ghandi)

  15. hildegard schreibt am :

    Machos. Macht missbrauchende Männer
    bestimmen die Zeiten.
    2000 Jahre bestimmt der Mann aus Nazareth
    die Zeitrechnung weltweit.

    Weltweit verbreiten
    unterwürfige amtsverpflichtete schwurgebundene
    Zölibatäre maßlos ihre IRRLEHREN
    unter weltlichen Machos
    entmündigen manipulieren traumatisieren
    abhängige Geschöpfe
    im Namen ihres „Gottes“
    unter dem Auge des Gesetzes.

    Fromme Untertanen dürfen den Schwindel nicht merken.
    Exkommuniziert wird gesunder Menschenverstand.
    Himmel und Hölle
    Belohnung und Strafe
    setzt Menschenrechte außer Kraft
    im Namen ihres „Gottes“
    unter dem Auge des Gesetzes.

    Moralinstanz ein Seuchenherd.
    Heilig gesprochene Familie ein Alibi.
    Ehrensold eine Ehrensache inklusive
    Seelenmord unschuldiger Kinder.
    Sie predigen Wasser sie saufen den Wein
    die selbst ernannten Vorbildfunktionäre
    im Namen ihres „Gottes“
    unter dem Auge des Gesetzes.

    Staat im Staate.

    Politiker versagen den Schwächsten die Grundrechte.
    Politiker lassen die Zersetzung des Grundgesetzes zu.
    Politiker verschließen die Augen zur Zerstörung der Grundordnung.

    Freie Presse? Fehlanzeige.
    Demokratischer Rechtsstaat? Justizirrtum.
    Vergebung ist Verrat!

  16. Elisabeth schreibt am :

    Gut geschrieben und absolute Zustimmung von meiner Seite, hildegard! Vielen Dank.

  17. Dr. Curt Asten schreibt am :

    Vergebung ist Verrat!
    Es gibt Dinge, für die es KEINE VERGEBUNG gibt.
    Missbrauch von Kindern ist eines dieser VERBRECHEN.
    Und diejenigen, die dies einem Kind antun, sind VERBRECHER.

  18. Sabine schreibt am :

    Ich kann und werde niemals vergeben, für das was mir angetan wurde und ein normales Leben vernichtet hat.
    Ich versuche damit klarzukommen, soweit ich das kann aber es schmerzt.
    Dennoch bin ich Norbert Denenf überaus dankbar, denn mit NetzwerkB hat er den Betroffenen eine Plattform geschaffen, um Allen für die bittere Welt da draussen, eine Stimme zu geben. Eine Stimme im Kampf gegen diesen Unrechtsstaat, der nur die Täter schützt und die Opfer verhöhnt.
    Hier kann ich mich mit den Inhalten der Seite identifizieren, erkenne mich wieder.
    Meine Hochachtung, weiter so, für die Täter empfinde ich nur Hass und Verachtung.

  19. JaneO. schreibt am :

    @Christel, auf Ihrer Website kann ich unter dem Punkt VITA lesen, dass Sie (Zitat):
    „Mutter zweier erwachsener Kinder und eines Enkels“ (Zitat Ende)
    sind.

    Es mag an meiner Haarfarbe liegen (blond)….
    aber ich bin verwirrt.

    JaneO.

  20. helga04 schreibt am :

    @Sarah Mohn
    Ich kann deinen Bericht hier nur bestätigen. Sehr oft bin ich auch Menschen getroffen die sich spirituell/esoterisch gereinigt vor kamen. Diese Erleuchteten machen auf mich den Eindruck der perfekten Verdrängung.

    Mit Menschen die dem Christentum anhängen, habe ich bereits seit Jahrzehnten mein Problem…o.k. gibt Menschen die wollen leiden…..ich nicht!

    @Christel
    Die kann ich nur raten, trink mal anderes Wasser. Das was du im Moment hast ist definitiv nicht gut. Wieso soll ich jemanden vergeben der eine Straftat an mir verübt hat? Der Ärmste hat vllt. eine ebensolche erlebt und deshalb unbewusst das Verhalten an mir wiederholt? Hallo….. Dann machen wir doch die Gefängnisse auf. So einen Quatsch habe ich lange nicht gelesen.

    Jeder ist für sich selbst verantwortlich! Jeder hat sein Handeln zu vertreten! Keiner hat das Recht einen anderen Menschen zu missbrauchen! Jeder muss mit seiner Sexualität umgehen, da gibt es keine Entschuldigung.

    Wenn es nach mir ging, würde ich jedem Sexualstraftäter die Sexualität nehmen. Die Opfer werden auch lebenslänglich damit leben müssen. Da bin ich für Gleichberechtigung.

  21. Realmenschin schreibt am :

    Immer wieder begegnete ich Menschen, die sagten, man solle verzeihen. Vor allem im Umkreis der 12 Schritte-Gruppen ist das sehr beliebt. Es brauchte lange, bis ich mich demgegenüber konsequent abgrenzen konnte. Bis dahin tat es einfach immer nur weh, und ich hatte das Gefühl als wolle man mir mitteilen, so lange ich nicht verzeihen würde, wäre ich nicht ok. Ich hab mir immer wieder im Laufe vieler Jahre diese Fragen gestellt mit dem Vergeben, es ganz nah an mich rangelassen, habe aber immer wieder gemerkt, dass ich das innerlich nicht verstehe, denn ich sehe es nicht als meine Aufgabe. WENN jemand dem vergeben kann so ein Höheres Wesen- sofern man an eines glaubt. Ich bin aber nicht für das Vergeben verantwortlich. Angedockt hat die Diskussion oder auch Druck ausüben, an die Tatsache, dass ich wusste, dass einer der Täter eine furchtbare, wirklich furchtbare Kindheit hatte. Ich sah AUCH das Kind in ihm, das schwerst verletzt und zerstört worden war. Und mit diesem Kind ist tiefes Mitgefühl in mir, was ich auch nicht mehr ausblende. NUR: ein Kind wird grösser und erwachsen, und ein Erwachsener HAT die Verantwortung für seine Taten und kann sich IMMER entscheiden. Es gibt nicht “ reingeraten“. Das glaube ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass Leute, die so geprägt sind und diese Schwellen als Erwachsene überschritten haben wieder zurückkommen können, oder nur selten. Mit dem erwachsenen Mann, der seine Erektionen auf Grund seiner Macht- und Gewaltausübung Kindern gegenüber bekommt: wieso sollte ich mit diesem Mann Mitgefühl haben und Vergeben?
    NEIN.
    Es geht um die Kinder, es geht darum, dass die Kinder Anwälte an der Seite haben und das sind wir Erwachsenen, und es ist nicht unsere Aufgabe, uns mit dem Vergeben zu beschäftigen, sondern damit, diese Gesellschaft kinderfreundlich und sicher für Kinder zu machen. Eine gescheite Prävention, die Jugendlichen hilft, die gefährdet sind auf Grund z.B. ihrer Kindheit und weiteren Prägungen und angemessene Unterstützung für Betroffene, die es einfach immer noch nicht gibt!
    Vergebung:
    Wut können sich Betroffene als Kinder oft gar nicht leisten. Wut ist ein lebenswichtiges Gefühl, es zeigt einem wo etwas nicht stimmt, und gibt einem die Kraft, sich aus dieser Situation zu befreien. Da das als Kind bei mir nicht möglich war, da ich spürte, dass die Konsequenzen noch schlimmer sein würden, habe ich sie vedrängt. Es war ein langer Weg sie wiederzufinden, und im Nachhinein sie an die richtige Stelle zu rücken! Und das hat mir viel Gesundheit und auch Freiheit wiedergebracht! Auch wenn es immer noch schwer ist, und nicht immer spürbar. IN Mitleid mit dem Täter zerfliessen ist mir nicht unbekannt, und ich weiss, dass das ein Schutzmechanismus ist, der mir als Kind half um zu überleben. Als Erwachsener aber überflüssig und schädlich, denn: an wen wird hier wieder gedacht und bekommt die Aufmerksamkeit und letzendlich Solidarität und Schutz, die eigentlich dem Kind/Betroffnen zustehen muss??

  22. Froggy schreibt am :

    Auch ich glaubte an die heilende Kraft der Vergebung. Ich stamme aus einer Kindsmisshandlungsfamilie. Immer und immer wieder habe ich meinen Eltern vergeben. Mit dem Ergebnis, dass sie immer frecher wurden. Die glaubten (zu Recht), dass sie sich mir gegenüber nahezu alles herausnehmen können, weil ich doch immer und immer wieder vergebe….
    Nun versuche ich, seit fast 10 Jahren vergeblich, den Kontakt zu ihnen abzubrechen. Nun, das ist bis jetzt im wahrsten Sinne „vergeblich“. Die nehmen mich nicht mehr ernst. Mit unglaublicher Hartnäckigkeit und Dreistigkeit versuchen sie immer wieder an mich ranzukommen und erneute Vergebung zu erzwingen. Natürlich, jetzt wäre ich ihnen zu allerhand nützlich, jetzt wo sie alt sind.
    Das ist ein zusätzliches Problem mit dem Verzeihen, Vergebung provoziert Wiederholungstäter. Der Täter hatte ja einen gewissen Gewinn von seinem Tun. Und Dank der Vergebung hat dieses Tun nun gar keine negativen Konsequenzen für ihn. Der Täter hat also nichts als positive Erfahrungen mit seiner Tat gemacht. Da ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er genau dieses Tun wiederholt. Meiner Meinung nach verhindert die Vergebung, dass der Täter aus seinen Fehlern lernen kann.
    Auch für mich war das Vergeben keineswegs die erhoffte seelische Wohltat. Da war keine Erlösung, kein innerer Frieden nach der Vergebung. Es fühlte sich falsch an, wieder lieb und lustig mit meinen Peinigern zu sein. Es blieb ein schales Gefühl von Selbstbetrug. Natürlich werden mir jetzt einige Leute entgegnen, dass ich es einfach nicht ganz richtig angegangen bin, dass ich nicht verstanden habe, was Vergebung wirklich, wirklich, WIRKLICH bedeutet. Aber wenn man eine Theorie so diffizil auseinanderklamüsern muss, dann drängt sich mir der Verdacht auf, dass damit grundsätzlich etwas nicht stimmt….

  23. hildegard schreibt am :

    Froggy, dass damit grundsätzlich etwas nicht stimmt, erkennst du an deinem fiesen Gefühl von Selbstbetrug. Vermutlich war deine Verwandtschaft kirchlich ferngesteuert, glaubte aus versimpeltem Machterhalt an die Einseitigkeit des 4. Gebots und verlangt nun wieder dein Nachgeben, gegen dein deutliches Empfinden.
    Auch auf ihre alten Tage sollten diese ‚Eltern‘ ihre Falschheit erkennen, sollten ihrerseits sich bei dir entschuldigen, bevor es zu spät ist. Vergebung (ver-)führt zu Respektlosigkeit.
    Lass dir nichts von Pflichten einreden!

  24. Eva schreibt am :

    Froggy es gibt verschiedene Täter.

    1.) Täter , die nie ihre Taten zugeben und auch keine Vergebung annehmen. Hier hilft nur ein totaler Kontaktabbruch notfalls mit einer Kontaktsperre über einen Anwalt / Gericht. Viele Sektenaussteiger sind diesen schweren Weg gegangen.
    Sie haben so ihre Angehörige „bewusst“ verloren.

    2.)Wenige Täter, die ihre Taten zugeben und um Vergebung bitten und sich auch wirklich ändern.

    ——
    Menschen müssen sich selber verändern wollen. Man kann Menschen nicht verändern !

  25. Froggy schreibt am :

    Wenn man die Kultur der Vergebung wirklich konsequent durchziehen wollte – dann müssten gute Taten ja eigentlich auch vergeben werden. Dann dürfte man keine Dankbarkeit und keine Liebe mehr für Menschen empfinden, die einem Gutes getan haben. Dann dürfte man das Gute schon gar nicht mehr vergelten, denn man muss ja vergeben, auch gute Taten dürften dann keinerlei Konsequenzen nach sich ziehen. Dann würde es gar keine Rolle mehr spielen, wie ich mich den Mitmenschen gegenüber verhalte, meine Taten würden ja alle vergeben, vergessen, weggewischt. Deshalb funktioniert eine Kultur der Vergebung meiner Meinung nach nicht wirklich.

  26. Gertrud Tammena schreibt am :

    Vergeben ist ein langer Prozess – keine einfache einmalige Handlung oder Auslöschung. Es bedeutet niemals : wegwischen. Es sollte im Gegenteil eine dauernde beidseitige Bewußtheit um das geschehenen Unrecht bewirken im Sinne einer „Bewährung“.
    Es bedeutet nicht, daß das Opfer dem Täter auch noch die Schuld abnimmt und selber mit allen Folgen erträgt. Vergebung ist widerrufbar, wenn sie sich als Täuschung erweist.Es ist kein Vertrag sondern eine innere Haltung.
    Vergebug kann niemals von außen eingefordert werden, sie kann im Betroffenen und im Täter als Einstellung wachsen.
    Sie kann eine Erleichterung bedeuten gegen Haß und Ohnmachtsgefühle.Sie kann Gelassenheit bewirken.

  27. Anna M. schreibt am :

    @froggy:daß deine Missbraucher den Kontaktabbruch nicht akzeptieren und den Kontakt immer wieder herstellen bedeutet eine Fortsetzung der Gewalt. Denn der Kontaktabbruch wäre ein deutliches Zeichen für sie, daß sie etwas Unrechtes getan haben. Umgekehrt bedeutet oft eine Kontakt-Behalten mit den Tätern ein Signal, daß ihre Verbrechen in Ordnung sind.
    Zur Not kannst du den Abbruch, wie hier schon geschrieben gerichtlich erzwingen. Sie haben kein Recht auf Kontakt und auch die Hilfe im Alter können sie nicht einfordern. Ihr Recht darauf haben sie moralisch UND juristisch verwirkt. Im Zweifelsfall (Verarmung der Eltern) müßtest du nicht mal finanziell für sie einstehen.

    Das mit dem Vergeben von guten Taten verstehe ich nicht ganz. Soll das deutlich machen, daß Vergebung dazu dient Taten auszulöschen?

  28. Eva schreibt am :

    Hier ein Beispiel, dessen religiöser Verfasser sich wie ein Gott darstellt, der unfehlbar ist und sich heiliger als alle aufgeführten Religionen und Religionsgruppen sich darstellt.

    In wieweit seine Behauptungen der Wahrheit entsprechen, mögen die Leser selber recherchieren.

    http://www.zelem.de/aktuelles/191/BNI%20191%20Wirtschaftsbericht.pdf

  29. Froggy schreibt am :

    @ Anna M.
    Liebe Anna, du schreibst: „Das mit dem Vergeben von guten Taten verstehe ich nicht ganz. Soll das deutlich machen, daß Vergebung dazu dient Taten auszulöschen?“
    Nein, das soll deutlich machen, dass Vergebung meiner Meinung nach gar nicht funktioniert.
    Taten lassen sich durch Vergebung nicht auslöschen, weder gute noch schlechte.

  30. hildegard schreibt am :

    Froggy, eine „Kultur“ der Vergebung…? Autoritäre Systeme führen mit der Rede von der Vergebung Menschen in die Irre, Werte verschieben sich unbemerkt, oder sie werden willkürlich verfälscht. Kirchen bringen daher noch heute Kindern ver-kehrte Werte bei. Religiöse Moralvorstellungen erzeugen Abhängigkeiten, die Machtmissbrauch wie in alten Zeiten festschreiben. Im Namen eines jenseitigen Rachegottes. Konflikte entstehen durch diese bewusste Fremdbestimmung mit Absolutheits-Anspruch, wie deine Schilderung zeigt.

    Im Staat braucht es für die funktionierende Demokratie verantwortliche, unabhängige, entscheidungsfreudige, innerlich freie Mitarbeiter, die solch alte Verwirrungen und Abhängigkeiten aufspüren und die Gesellschaft aufklären, die Kinder erziehen. Zu demokratischer Bildung braucht es folglich nur Regeln, Grenzen, Konsequenzen. – Belohnungen/Bestrafungen müssen daher – wie Vergebung – ernsthaft hinterfragt werden …
    Kirchen stehen alldem im Wege. Nach meiner Überzeugung muss JEDES religiöse Konzept die demokratischen Grundideen eines Staates integrieren.

    Leider ist der deutsche Staat viel zu sehr auf Handel und Banken fixiert, als dass er positive und negative Einflüsse seiner Kirchen am eigenen Tropf[!] noch unterscheiden und die Auswirkungen wahrnehmen könnte …

    Ich wiederhole mich: Das System leidet an Maroditis.

  31. Froggy schreibt am :

    @Hildegard
    Da bin ich absolut gleicher Meinung wie Du.
    Der Mensch lernt am ehesten durch Konsequenzen!
    Keine Aktion ohne Reaktion!

  32. Gertrud Tammena schreibt am :

    Es ist für Aussenstehende kaum nachzuvollziehen, wie schwer es ist, sich (ohne moralische Unterstützung) dauerhaft großfamiliären Verstrickungen und (gefühlten) Verantwortlichkeiten zu entziehen, auch im Falle von alternden Eltern. Man muß sich die Zusammenhänge immer wieder rational klar machen und auf Selbstschutz achten.Heute gibt es viele außerfamiliäre Hilfesysteme,die alternde Eltern in Anspruch nehmen können, wenn sie es nur wollten. Vergebung zur Heilung der Täter ist dabei aber gar nicht nötig; sie bedürfte eigener innerer Stärke, weitestgehender Klärungen und kann auch posthum entstehen – oder eben nicht.Aber der Schritt aus mitmenschlichen Verantwortlichkeiten ist sehr schwer zu vollziehen.

  33. hildegard schreibt am :

    Wie kam es dazu, dass kirche uns suggerierte, wir hätten mit der Vergebung eine Verantwortung für (oder gar die Heilung der) Täter zu übernehmen?

    Mir kommt der Verdacht, das „VATER UNSER“ hat mit seinem „wie auch wir vergeben …“ das fatale Gefälle zwischen den Menschen betoniert:

    Fromme Machtmenschen schufen sich aus der Bitte an „Den Herrn“ die missbräuchliche Umdeutung in eine tückische Unterwerfungs-Floskel für den eigenen Umgang mit Untertanen – für alle Obrigkeiten Rechtfertigung und Gewohnheitsrecht mit den bekannten Folgen über Jahrhunderte hinweg …

    Ein Etikettenschwindel.

  34. Froggy schreibt am :

    Danke für Dein Verständnis, Gertrud!

Artikel kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Artikel aus den Medien

ARD BRISANT ARD Tagesschau Augsburger Allgemeine Badische Zeitung Berliner Morgenpost Berliner Zeitung DER SPIEGEL derStandard.at DER TAGESSPIEGEL derwesten.de DEUTSCHE WELLE Deutschlandfunk Deutschlandradio DiePresse.com diesseits.de DIE WELT DIE ZEIT FOCUS Frankfurter Allgemeine Frankfurter Rundschau Hamburger Abendblatt Hannoversche Allgemeine Humanistischer Pressedienst Kölner Stadt-Anzeiger Leipziger Volkszeitung Lübecker Nachrichten Mitteldeutsche Zeitung n-tv N24 NDR.de NDR Info Neue Zürcher Zeitung nordwestradio Publik-Forum Saarbrücker Zeitung SPIEGEL ONLINE stern.de SÜDWEST PRESSE Süddeutsche Zeitung taz TP Presseagentur Berlin WAZ WELT ONLINE ZDF heute ZEIT ONLINE