Ein absehbarer Eklat bei der Aufklärung

16.01.2013: Frankfurter Allgemeine

Nach dem Zerwürfnis mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer stehen die Bischöfe wieder als Vertuscher da. Es war ein absehbarer Eklat, der ihrem Willen zur echten Aufklärung nicht gerecht wird.

Von DANIEL DECKERS

Professor Christian Pfeiffer war schnell, wie immer. Kaum sah sich die katholische Kirche in Deutschland im Winter 2010 nach den Berichten über sexuelle Übergriffe von Ordensleuten am Berliner Canisius-Kolleg dem Vorwurf ausgesetzt, Täter in ihren Reihen um jeden Preis geschützt zu haben, war der langjährige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) zur Stelle….

…Mal schien Pfeiffer einsichtig, mal nahm er Zugeständnisse, die er kurz zuvor gemacht hatte, umgehend wieder zurück. Zugleich drohte er den Bischöfen damit, dass Medien und Opferverbände nur auf ein Signal von ihm warteten, um die skandalöse Zensur und Beschränkung der Wissenschaftsfreiheit bekanntzumachen.

Im Herbst 2012 galt eine Mediation unter Leitung eines von beiden Seiten anerkannten Schlichters als letzte Möglichkeit, sich in einer vollkommen verfahrenen Sache halbwegs gesichtswahrend zu einigen. Nach zwei Gesprächsrunden unterzeichnete Pater Langendörfer um die Jahreswende eine Mediationsvereinbarung. Als Pfeiffer sich aber auch am Morgen des 8. Januar, dem letzten Tag der Einigungsfrist, noch nicht gerührt hatte, begann man im Sekretariat der Bischofskonferenz in Bonn zu ahnen, dass Pfeiffer gewitzter gewesen sein könne.

Bischof Ackermann war nach Israel gereist, Pater Langendörfer in die Schweiz. Im politischen Berlin war kein Signal angekommen, dass „die Bombe“ bald platzen könnte. Als Matthias Kopp, der Pressesprecher der Bischofskonferenz, Hals über Kopf für den Abend jenes Tages zu einem Hintergrundgespräch nach Berlin trommelte, hatte Pfeiffer längst schon mehrere Redaktionen mit seiner Version der Ereignisse munitioniert. Am nächsten Morgen standen die Bischöfe wieder so da wie vor drei Jahren: als Vertuscher, Trickser und Täuscher.

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3 Kommentare

  1. Sarah Mohn schreibt am :

    Hilfe, die FAZ überschlägt sich förmlich in Frömmigkeiten und Kniefällen zur Kirche.
    Wie dooof halten die eigentlich die Leser und Bürger? Als würde die Institution Kirche nicht haargenau wissen, worauf sie sich eingelassen haben bzgl. des Vertrages mit Prof. Pfeiffer. Eine Institution, die bis ins kleinste Detail durchstrukturiert ist und bestens ausgestattet ist mit allen Fachdisziplinen!!!
    Die FAZ hat sich blenden lassen von dem „angeblich vorgetäuschtem Willen“ der Kirche, irgendetwas aufklären zu wollen. Das war von Anfang an nie die Absicht der Kirche. Ihr Ziel war lediglich, mit dieser Aktion die Bürger zu beruhigen, ihren „RUF“ wieder mit allen Mitteln vorläufig herzustellen.
    In der Hoffnung, dass dies nun inzwischen von Statten gegangen war, zogen sie nun mit fadenscheinigen Gründen ihr ach so „gutgemeintes“ Angebot wieder zurück. Mehr ist da nicht dahinter. Diejenigen, die jetzt neu beauftragt werden, dürfen wieder ganz von vorne anfangen, das kostet Zeit und damit rechnet die Institution eiskalt! Ich sag nur: Verjährungsfristen!!!
    Ich habe mir die Kommentare der verschiedenen Online – Zeitschriften bzgl. des Skandal, dass Pfeiffer gekündigt wurde, durchgelesen.
    Es steht nicht gut für die Institution :-). 99% der Leser sind empört über die Scheinheiligkeit der Kirche und haben für sich die Konsequenzen gezogen. Nämlich AUSTRITT aus diesem scheinheiligem Verein.
    ERGO! Die Bürger haben die Schnauze voll von dieser Hinhaltetaktik der Moralaposteln, die selbst nicht ein Stück Moral besitzen.
    Die Bürger haben die wahren Ziele der Kirche durchschaut und empfinden sie für widerlich und abstossend.

    Hatte ich es schon mal erwähnt? Die Kirche erledigt sich ganz in Eigenregie :-).
    „An den Taten werdet ihr sie erkennen“ Yes!!!

  2. Uwe Werner schreibt am :

    @sarah, dem kann ich nur voll zustimmen!!! Seit 2000 Jahren lagern in den Archiven des Vatikans und in den Bistümern die angbl. Geheimakten. Warum also soll die Kath.Kirche jetzt einem Prof. Pfeiffer Einsicht in die Archive gewähren. Es ist eigentlich schon traurig genug, das eine so renomierte Zeitung wie die FAZ auf diese Masche reingefallen ist. Es heisst ja: „Geheimnis des Glaubens….“ nein mit dem Geheimnis ist in der Kirche immer gemeint gewesen, glaubt was ihr wollt, wir sind sakrosan(k)t.
    Es zeigt auch, wie die Kirche mit allen, ausser der eigenen, Gesellschaftsgruppen umgeht, das sie selbst den deutschen Journalismus täuschen kann. Eigentlich hätte ich erwartet, das die Medien jetzt erst recht noch viel stärker recherchieren und z.B. auch einige Prof.-u.Doktertitel auf Plagiate überprüfen, halt an den Stellen wo die Kirche ebenfalls angreifbar wäre und somit auch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verliert.
    Moralisch verfallen wir zurück ins Mittelalter und in die Inquisitationszeiten, siehe die Ernennung von Bischof Müller zum Präfekt der Glaubenskongregation (Inquisitionbehörde). Mich wpürde es nicht wundern, wenn von dort die Order an die Deutschen Bischöfe erging, den Vertrag mit Prof. Pfeiffer zu kündigen.
    Heute stand in den Nachrichten, das 2 Kath. Krankenhäuser in Köln einer vergewaltigten Frau und ihrer Notärztin eine ärztliche Untersuchung an dieser vergewaltigten Frau vorzunehmen, um Spuren dieser zu belegen. Wegen der „Pille danach“ wurden diese ärztl. Massnahmen nicht durchgeführt, siehe Kölner Stadtanzeiger. Also doch Mittelalter!!!
    Und es nimmt kein Ende und überall das grosse Schweigen im Walde von Medien, Gläubigen, Politikern und allen hoch Gelehrten in diesem unseren Staate. Kinderarbeit-u.missbrauch nehmen wir als Gegeben hin, kein Aufschrei, kein Wehklagen. Warum in Indien, wo tausende auf die Strassen gehen, warum nicht in Deutschland! Ja genau, warum geht in Deutschland keiner auf die Barrikaden, warum negiert man Hungerstreiks von Opfern??? Darum: Liebe Kirche, unser täglich Brot gib uns heute… und solange wir in Deutschland über die Runden kommen, interessiert uns das Schicksal anderer nicht. Die Kirche hat uns immunisiert und wir sind gefeit gegen jede Art von Übel und Misstände, so lange es uns selber nicht betrifft. Das ganze >Land< sollte sich schämen eine solche Kirche im Lande zu haben und ihre Scheinheiligkeit lassen sie sich auch noch alljährlich mit Aber-Millionen Spenden und Steuern finanzieren. Der erste Bischof, der wegen der Missbräuche in Sack und Asche und Barfuss geht, dem küsse ich persönlich die Füsse!!! Oder er tritt in "die Schuhe eines Fischers".

  3. Anna M. schreibt am :

    Für die Kirche ist dieser kleine Skandal immer noch das kleinere Übel. Sie wird alles tun, damit nicht die ganze Wahrheit ans Licht kommt, weil sicherlich auch noch Kirchenmänner in Amt und Würden an der Vertuschung beteiligt waren und sind. DAS wäre das ganz große Desaster und würde weit mehr Kirchenaustritte provozieren als jetzt.

    Dies hier ist eine über Jahrhunderte erprobte Taktik der Kirche. Aussitzen und Mauern. Funktioniert immer.

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