HUNGERSTREIK – DEMO Tag 10

07.03.2013: netzwerkB Pressemitteilung

Sehen Sie noch eine Chance auf Aufklärung der Missbrauchsfälle?

Norbert Denef: Nein, eine Aufklärung ist ohne Gesetzesänderung unmöglich. Sie ist unmöglich, wenn wichtige Akten, aus denen hervorgeht, wer wann wofür verantwortlich oder mitverantwortlich war, geheim gehalten werden und die Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen zensiert oder verboten wird. Es bedarf einer staatlichen Kommission für die Wahrheitsfindung, die mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet ist.

Wollen Sie auch dafür in den Hungerstreik treten?

Norbert Denef: Mit einem Hungerstreik kann man nur um Hilfe rufen, aber nicht eine ganze Gesetzesreform durchzusetzen.

Zur Durchsetzung Ihrer Forderungen ist er doch auch gedacht gewesen.

Norbert Denef: Aber der 46tägige Hungerstreik, in dem ich mich vom 8. Juni bis zum 24. Juli 2012 befand, und den ich seit Beginn dieses Jahres an jedem Freitag fortsetze, hat auch eine Geschichte – und damit meine ich nicht nur meinen Bezug auf den gewaltlosen Widerstand Ghandis.

Und zwar? 

Norbert Denef: Ich wollte ein Signal an die Gesellschaft setzen, der Politik einen Spiegel vorhalten. Die Bundestagsfraktion der SPD war nicht bereit, sich im Deutschen Bundestag für eine Aufhebung der Verjährungsfristen einzusetzen, obwohl sich die Delegierten des Bundesparteitages am 6. Dezember 2011 einstimmig dafür ausgesprochen hatten.

Auf diesem Parteitag haben Sie eine aufwühlende Rede gehalten.

Norbert Denef: Ulli Nissen, die Vorstandsvorsitzende der SPD-Frauen Hessen Süd hatte den Antrag zur Aufhebung der Verjährungsfristen sexualisierte Gewalt eingebracht, den ich als Gastredner unterstützt habe. Ich war sehr dankbar für die Möglichkeit, dort sprechen zu dürfen.

Was haben Sie den Delegierten erzählt? 

Norbert Denef: Ich habe ihnen anhand meiner eigenen Geschichte erzählt, weswegen die Verjährungsfristen im Zivilrecht und im Strafrecht unbedingt abgeschafft werden müssen, auch wenn immer wieder betont wird, dass diese Fristen dem sogenannten Rechtsfrieden dienten.

Das heißt, dass juristisch irgendwann mal Ruhe sein muss.

Norbert Denef: Ja, genau. Aber Ruhe haben nur die Täter, die Opfer werden von den Taten und den Erinnerungen daran, nie in Ruhe gelassen, aber für immer zum Schweigen verurteilt, wenn sie die Taten nicht rechtzeitig anzeigen konnten. Auch dann, wenn viele Zeugenaussagen und Geständnisse der Täter selbst vorliegen. Die Opfer und auch deren Angehörige bleiben lebenslang mit den Belastungen konfrontiert und erfahren niemals Gerechtigkeit.

Und wie haben die Delegierten reagiert?

Norbert Denef: Es war überwältigend! Eine Welle von Betroffenheit und Mitgefühl. Da war so etwas wie Aufbruchsstimmung spürbar. Die Delegierten nahmen den Antrag, wie gesagt, einstimmig an, und Ralf Stegner, der SPD-Landesvorsitzende aus Schleswig-Holstein, versprach, er werde sich der Sache annehmen. Seitdem ist über ein Jahr vergangen: http://youtu.be/j3sUibSUnu0 

Und was ist seither passiert?

Norbert Denef: Nichts.

Weitere Teilnehmer der HUNGERSTREIK – DEMO:
Marcella Becker
Christine Kubacha
Maren
Susanne Jensen
Gerborg Glanz
Katharina M.
Stefan Scharmach
Anita Birke
Bettina Mai
Sonja
Jasmin Klett
Ela Badewien
David Farago
Andrea
Prof. Dr. Gernot Lucas
Petra Broder
Helen Vogel
Josef Mehl
Sabrina Främke
Anna-Maria Oeser
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Für Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)163 1625091
presse [at] netzwerkb.org
www.netzwerkB.org
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Ein Kommentar

  1. Christian schreibt am :

    Bewundernswert, wie diese Menschen (Denef und die anderen) sich für eine Sache einsetzen. Das sind noch Menschen mit Überzeugungen.

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