Schläge als pädagogisches Mittel

07.03.2013: Süddeutsche Zeitung

Es war eine Institution, aus der es kein Entrinnen gab. Im Internat des Benediktinerklosters Ettal herrschte bis in die achtziger Jahre hinein „ein System der Unterdrückung“. Das geht aus einem Untersuchungsbericht hervor, der der SZ vorliegt. Auch sexuelle Übergriffe seien Teil dieses Gewaltsystems gewesen.
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3 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    “ …die Geistlichen seien für ihre pädagogische Tätigkeit auch völlig unzureichend qualifiziert gewesen. Diese Überforderung sei ein wesentlicher Grund für die damaligen Gewaltexzesse.“
    Eine faule Ausrede, wie “ …wenn die ZEIT halt so war wie sie war“!!
    Ein klägliches Ergebnis angeblicher Aufklärung.
    Vergeblich warten wir alle mit den Ettalern und mit anderen Betroffenen auf das klare Bekenntnis: ICH HABE VERSAGT oder WIR HABEN VERSAGT.

    Seelenmord erträgt keine Verjährung!

    Vom Kopf her stinkt er – aber:
    Wie faul ist der Fisch eigentlich?

    Wie glaubhaft war diese Regierung im Januar:
    „Leutheusser-Schnarrenberger appellierte an die Kirche, die Missbrauchsfälle extern aufarbeiten zu lassen. „Es ist ein notwendiger und überfälliger Schritt, dass sich die katholische Kirche öffnet und erstmals kirchenfremden Fachleuten Zugang zu den Kirchenarchiven ermöglicht.“ Die dramatischen Erschütterungen des Jahres 2010 dürften nicht in einer „halbherzigen Aufarbeitung versickern“, sagte die Liberale. Sie mahnte, sich ein Beispiel an anderen Ländern zu nehmen, in denen die Kirche sich unabhängiger wissenschaftlicher Aufarbeitung geöffnet habe.“ http://www.sueddeutsche.de/politik/missbrauchsskandal-in-der-katholischen-kirche-leutheusser-schnarrenberger-warnt-vor-halbherziger-aufarbeitung-1.1568530 ???

    Wie glaubhaft ist diese Regierung, die bis heute nicht der sexualisierten (Medien-)Gewalt vorgebeugt hat, der sie jetzt pünktlich zum 8.März mit der „Hilfs-Hotline“ über alle Medien glaubt begegnen zu können? Was sollen wir glauben?

    Sind es professionelle Traumatherapeuten, die akut betroffene Traumatisierte dort rund um die Uhr wirksam beraten?
    Betroffene Ehrenamtler in allen Ehren, aber Gewalt braucht Konsequenzen:

    Seelenmord erträgt keine Verjährung!

    Wirksamen Schutz für schwächere MitbürgerInnen kann die Politik nur mit konsequener VERfolgung der Täter unter strikter BEfolgung der gültigen Grundrechte bieten – nicht aber mit (immer noch!) falschen Gesetzen, die (immer noch!) tödlich sind.
    Betroffenheit hilft nicht. Wir brauchen Transparenz und Teilhabe.

    Die Damen im Kabinett schminken sich ihre Ämter schön. Wahrheit und Klarheit braucht mehr als Tünche:

    Seelenmord erträgt keine Verjährung!

    Sollen BürgerInnen an den sozialen Rechts-Staat glauben?

    Eine heute gestartete Kampagne könnte über Leuth.-Sch’s und über Schröders Legislatur hinaus langfristig vielleicht mehr bewirken: https://www.change.org/petitions/die-bundesfrauenministerin-der-brd-sch%C3%BCtzen-sie-frauen-vor-sexistischer-werbung-3 – unterschreiben dürfen übrigens auch Männer :-)!

  2. Doro schreibt am :

    Ja, mich ärgert dieses vorauseilende Täterverständnis („Überforderung“) auch! Nicht, dass es nicht sein kann, dass Gewalt aufgrund von Überforderung eingesetzt wurde (und wird), aber zunächst einmal war es anerkanntes „Erziehungsmittel“ – nicht nur in Ettal. Wäre es nicht so, hätte die Gewalt aufgrund „erzieherischer Überforderung“ ja viel früher auffallen müssen.

    Am meisten ärgert mich dieses vorauseilende Täterverständnis aber, weil wir Betroffenen nicht annähernd solches Verständnis und Einfühlungsbereitschaft in unser Erleben, unsere Lage (damals wie heute), unsere Überforderung (wir waren KINDER!) erfahren.

    Ich halte es für symptomatisch, dass die Aufdeckung der schweren und wie sich jetzt herausstellt systematischen und absichtlichen Gewalt gegen Kinder, regelmäßig mit solchen „Einblicken in die Täterseele“ abgeschwächt werden. Vermutlich ist die nackte Wahrheit (also ohne die Abschwächung durch eine „Erklärung“ für das Täterverhalten) für die meisten Menschen sonst nicht erträglich. In diesem Zusammenhang weise ich dann gerne darauf hin, dass die kindlichen Opfer nicht die Wahl hatten, ob sie die nackte Wahrheit (ihrer kindlichen Realität!) aushalten können und wollen. Sie mussten.

    Was ich im Zusammenhang mit Ettal als „Eliteschule“ aber noch erwähnen möchte: Ich frage mich, wie viele dieser „Elitezöglinge aus gutem Hause“ heute in entsprechenden (auch politischen) einflussreichen Positionen sitzen und ob nicht auch hierin ein Grund zu sehen ist, warum das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern und dessen Aufarbeitung in Deutschland so schleppend bis weiter verdrängend erfolgt? Nicht zuletzt muss hier natürlich auch die Frage gestellt werden, wie und ob die damaligen Opfer ihre Gewalterfahrungen entsprechend aufgearbeitet haben, oder ob deren Folgen (Verdrängung, Täteridentifikation, usw.) nicht bis heute wirksam sind und diese Opfer selbst zu Tätern hat werden lassen?

  3. hildegard schreibt am :

    Doro, das denk ich doch, dass „… viele dieser “Elitezöglinge aus gutem Hause” heute in entsprechenden (auch politischen) einflussreichen Positionen sitzen und […] auch hierin ein Grund zu sehen ist, warum das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern und dessen Aufarbeitung in Deutschland so schleppend bis weiter verdrängend erfolgt“ …!!!

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