Ein paar Tempotaschentücher

14.03.2013: netzwerkB Pressemitteilung: ZDF heute journal

Am 14. März 2013 hat der Deutsche Bundestag ein Gesetz namens StORMG verabschiedet – SPD, Linke, Bündnis90/Grüne haben sich enthalten.

Norbert Denef, Sprecher des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt, kurz netzwerkB, erklärt hierzu:

„Da kriegt man vielleicht ein bisschen Therapie, vielleicht ein Malkurs oder vielleicht ein paar Tempotaschentücher die man kaufen kann um seine Tränen zu trocknen und danach ist wieder Schluss – das ist doch kein Konzept!“

Norbert Denef wird weiter kämpfen. Für ihn werden die Täter immer noch zu sehr geschützt und die Opfer im Stich gelassen.

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17 Kommentare

  1. anonym schreibt am :

    Notwendige Forderungen, die das Ausmaß von (sexueller) Gewalt, sichtbar machen,
    wären die Abschaffung psychiatrische Diagnosen, mit denen Betroffene oft stigmatisiert, katalogisiert und pathologisiert werden.
    Derartige Diagnosen verschleiern und verdecken Gewalttaten.
    Darüber hinaus übergehen sie die Ursachen. Das die Krankenkassen nur zahlen, wenn entsprechende psychiatrische Diagnosen an den Haaren herbeigezogen werden ist nicht das Problem der Opfer, die hierdurch erneut großen Belastungen ausgesetzt sind.

  2. Tanja schreibt am :

    Auch wenn Sie jetzt die Verjährungsfristen verlängert haben, ist das nur ein Tropfen auf dem heissen Stein. Das man als Betroffene zb von den Krankenkassen fast gar keine Unterstützung bekommt, um als Beispiel einen Therapeuten zu suchen. Oder die Therapiestunden sind genau festgelegt, wer alle aufgebraucht hat, hat halt Pech.

  3. Eva schreibt am :

    @ anonym

    Ihre Forderung finde ich interessant:
    „Abschaffung psychiatrische Diagnosen, mit denen Betroffene oft stigmatisiert, katalogisiert und pathologisiert werden.Derartige Diagnosen verschleiern und verdecken Gewalttaten“

    Ich habe bislang immer gedacht, dass durch sexuelle Gewalt psychische Schwierigkeiten ausgelöst werden und eigentlich eine Körperverletzung sind. Aber die Strafverfolgungsbehörden haben kein Interesse, die Ursache und Folgen in einem Zusammenhang zu sehen.

    Und ich habe „zusehen müssen“, wie eine Person durch sexuelle Gewalt schwer psychisch leidet und die Diagnose schizophrene Psychose bekam, die für das weitere Leben verheerend ist. Denn als das Opfer ein Kind bekam, hat man ihr Kind im Krankenhaus sofort wegenommen, weil sie die Diagnose hatte. Für die Ursache hat sich das Jugendamt nicht interessiert !

    Wenn man diese Diagnose richtig oder falsch einmal bekam, darf man bestimmte Berufe auch nicht mehr ausüben !

    Anscheinend kann keiner diese einmalige verheerende Diagnose korregieren. Das ist fast noch schlimmer als die sexuelle Gewalt.

  4. anonym schreibt am :

    @ Eva
    Ja, so ist es leider.
    Durch eine Klage gegen den Psychiater wäre eine Änderung möglich.
    Das wäre sehr belastend und kostenintensiv.
    Wer es geschafft hat, trotz schwerster Traumatisierungen in Kindheit und Jugend
    sein Leben zu organisieren, kann plötzlich in ein Räderwerk geraten in dem sich kein
    Mensch mehr für Ursachen und Hintergründe für nicht genormtes Verhalten eines
    Menschen interessiert.
    Psychiater fragen die Menschen nicht nach Ursachen, nach Lebensgeschichte. Sie setzen
    biologische nicht bewiesene Behauptungen voraus und versuchen Verhalten
    zu ändern. Sie helfen mit, die Ursachen zu verdecken, Täter zu schützen, weil
    Opfer nicht so können, wie sie sollen.
    Es wäre interessant die Insassen von Psychiatrien und Altenheime/Pflegeheime in
    Bezug auf traumatische Erlebnisse zu untersuchen, anstatt sie nur aus dem
    Alltagseben zu entfernen und einzuschließen.
    Traurig finde ich, wenn Therapeuten zugeben, wie gravierend die Bevölkerung
    durch Traumata (Gewalt, sexuelle Gewalt, Vernachlässigung …)
    beschädigt ist. Sie wissen es!
    Da neige ich dazu, vorsätzliche Vertuschung durch Psychiater anzunehmen (Ausnahmen gibt es immer).
    Nur in wessen Interesse?

  5. Wilma schreibt am :

    @Eva und @anonym
    Gegen den Psychiater kann die Dame, der das Kind weggenommen wurde, nicht klagen. Diagnosen sind persönliche Meinungsäußerungen. Sie kann sich zwei Gegengutachter nehmen, die das Gegenteil feststellen und dann gegen das Jugendamt klagen. In diesem Zuammenhang möchte ich ein ganz hervorragendes Buch empfehlen: Vera Stein. „Mit dem Rücken zur Wand. So setzen sie ihr Recht im Arzthaftungsrecht durch“.
    Vera Stein landete mit fünfzehn Jahren unschuldig in der Psychiatrie mit einer falschen Diagnose. Sie hat später sämtliche Kliniken verklagt, in denen sie gewesen ist und fünf Bücher geschrieben. Mehrere Prozesse hat sie gewonnen.
    Eine absolute Katastrophe ist der neue DSM 5 (gültig ab 1. Mai 2013). Da werden völlig normale Befindlichkeiten als „Störungen“ klassifiziert. Jeder der länger als 14 Tagen um einen Angehörigen trauert, gilt als psychisch/geistig krank. Wenn man den Artikel liest, kann man es wirklich mit der Angst bekommen.
    Nachzulesen im Spiegel Nr. 13 Wahnsinn wird normal. Meiner Meinung nach müsste es heißen: Normal wird Wahnsinn.

  6. anonym schreibt am :

    Danke für die Richtigstellung.
    Die Kontrolle der Menschen wird immer wichtiger. Die Psychiatrie ist dabei
    eine wichtige Säule. Der neue DSM 5 macht mir auch Angst. Obwohl, dass
    soll ja erreicht werden. Nachbarn oder unbequeme Mitmenschen sind so noch viel
    einfacher zu denunzieren. Die Menschen werden aufeinander orientiert, beschäftigt
    und vom Wesentlichen weggeführt. Das ist nur so ein Gedanke. Sicher gibt es noch viel mehr
    Auswirkungen.
    Das Buch werde ich mir besorgen.

    Viele Grüße

  7. hildegard schreibt am :

    … auch die Abschaffung herkömmlicher Psychiatrien ist fällig!
    Mit ihren unsäglichen Diagnosen, Sedierungen und anderen entsetzlichen Behandlungsmethoden wird erlittene Gewalt als WAHRE URSACHE der psychischen Auffälligkeiten nur verschleiert.
    Das verschlimmert das seelisch-geistig-körperliche Befinden und kostet die gesamte Gesellschaft nicht nur viel Geld.
    Wie viele Fähigkeiten gehen an diesem System wohl zugrunde?
    So erhält, pflegt und züchtet man sich [von oben herab!!] Probleme – statt notwendige Hilfen zum eigenständigen Leben-Können zu erfinden.

    Soll auch das bei uns ewig so weiter gehen? – Es bräuchte doch nur gute Gespräche mit weiten Herzen, offenen Ohren und Mitgefühl …

    * Einen „Gesellschafts-Plan“ ließ man schon 200 Jahre lang verstauben.
    * Einen „Erdkinderplan“ nimmt man nach 100 Jahren noch nicht ernst.
    * Unsere Verbesserungsvorschläge verschwinden bereits seit drei Jahren in den Schubladen vom UBSKM …

    Wie lange noch?

  8. Wilma schreibt am :

    Psychiatrische Diagnosen gehören grundsätzlich abgeschafft. Es handelt sich hierbei um Humbug-Diagnosen, die nicht messbar sind. In der Praxis sieht das leider so aus, das habe ich an einer ganzen Reihe von Beispielen beobachten können, dass da jeder medizinische Idiot da einfach irgendetwas hinschreiben kann. Leider kann man psychiatrische Diagnosen nicht einfach abschaffen, denn es hängt zu viel Geld daran. Die Kliniken wollen Diagnosen, um abrechnen zu können. Die Krankenkassen wollen diese Diagnosen, um Geld aus dem Gesundheitsfonds zu kassieren. Die Ärzte werden z.T´. auch unter Druck gesetzt, bestimmte lukrative Diagnosen zu stellen. Die Versorgungsämter wollen Diagnosen usw.
    Die Pharmaindustrie braucht auch Diagnosen. Je mehr erfundene Diagnosen, desto mehr Medikamente. Die Mehrzahl der Personen, die diese sogenannten „psychiatrischen Diagnosen“ erfinden, sind Mitglied einer pharmazeutischen Gesellschaft. Da man das System nicht so einfach abschaffen kann, wäre es wichtig, für Missbrauchsopfer einen Schutzraum aufzubauen und sie vor diesen Mühlen zu schützen. Missbrauchsopfer haben meiner Meinung nach nichts in der Psychiatrie zu suchen. Und wenn unbegrenzt Traumatherapie bezahlt würde, dann bräuchten sie da vielleicht auch gar nicht hin.

  9. anonym schreibt am :

    @Wilma
    Leider ist es so, wenn die Vergangenheit hereinbricht, ist ein Mensch
    sehr oft überfordert und weiß gar nicht was da so richtig passiert.
    Der Hausarzt ist meist der erste Ansprechpartner und hier kann es passieren
    in die Psychiatrie überwiesen zu werden. In diesem destabilisierten Zustand
    bleibt oft nichts anderes übrig, als dem Hausarzt zu vertrauen.
    Hier ist wahrscheinlich Aufklärung nötig. Hausärzte und auch andere Fachärzte,
    aber auch Betroffene wissen recht wenig über Traumatisierungen.
    Das Positionspapier von netzwerkB- Mythos der Vergebung- ist ein guter Anfang.
    Ich würde auch sagen, traumatisierte Menschen gehören nicht in die Psychiatrie.
    Die Psychiatrie ist, bei näherer Betrachtung eine Zwangseinrichtung, mit mal mehr und
    mal weniger Paternalismus.Nur weiß ich aus Erfahrung, wie selten geeignete Therapeuten sind. Nicht jeder
    hat die Möglichkeiten diese Therapien zu nutzen. Oft fehlt schon das Geld
    für das öffentliche Transportmittel um da hinzukommen.
    Ich habe 2x den Hausarzt gewechselt, weil beide Male enge Verbindungen zu
    Psychiatrie/Psychiater bestanden. Hausärzte sind oft voreingenommen und
    „gläubig“ was psychiatrisches Wissen angeht oder sie gehen den einfachsten Weg
    (für sich).

    Viele Grüße

  10. Doro schreibt am :

    Danke Eva für den Link/Hinweis!!

    Erstaunlich, dass es diese Konferenz offenbar schon zum 12. (!!!!) Mal gibt – und bisher offenbar niemand (schon gar nicht jemand von uns Betroffenen), davon erfahren hat…

    Frage: Weiß jemand, was die erwähnte „Konventionen von Lanzarote zum besseren Schutz vor sexuellem Missbrauch“ ist und warum Deutschland, das Land, das vor drei Jahren aufschrie, „alles“ zu tun, um Kinder vor sexualisierter Gewalt zu schützen, diese immer noch nicht ratifiziert hat????

  11. kar schreibt am :

    Hier sollte so langsam wirklich mal darüber nachgedacht werden, gerade da ja die etablierten Parteien die Grundproblematik wie eingangs dargestellt, kreativ verschleppen, verleugnen etc. eine eigenständige, die Grundproblematiken in ihrer Satzung konkret und realitätsbezogen in der Realität befindliche Partei zu gründen. Scheint angebracht zu sein!

  12. hildegard schreibt am :

    Zitat: … Lammert erinnert an ein Zitat Albert Einsteins, welches ein Leitspruch im Kampf gegen sexuellen Missbrauch sein könnte. „Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt“

    Herr Lammert, was hindert und hemmt Sie, den Parlamentspräsidenten und Sozialwissenschaftler, sich mit den Ergebnissen der 12 voran gegangenen Konferenzen JETZT an die Öffentlichkeit zu wagen und endlich Transparenz herzustellen – jetzt, nachdem Betroffene an den erbärmlichen Kompromissen der Koalition zu resignieren drohen?!

    Wo sind die 64.000 Unterschriften unserer Petition gelandet? Von Ihnen hörten wir kein Wort und auch Ihre VertreterInnen schweigen dazu.
    Warum sprechen Sie nicht mit VertreterInnen des Netzwerks Betroffener?
    Was gedenken Sie heute zu tun, die Kinder von damals zu rehabilitieren? In den Augen des Volkes stehen sie doch immer noch da als die kleinen Monster und/oder dumme/dreiste Deppen, die erwachsene Männer „verführten“.
    Wer, wenn nicht Sie, könnte, ja müsste mit der angeblich eigenen Schuld der Opfer aufräumen und fordern, dass es hier kein Pardon gibt für irgendeinen Verbrecher, dass es Verjährung für tabuisierte Übergriffe NIE hätte geben dürfen, dass grundrechtlicher Kinderschutz staatlich versagte, dass ein Lastenausgleich für viele dieser zehn Mio. Menschen als deren Recht längst überfällig ist?!!!

    Sorgen Sie, bitte, für den rechten Rechtsfrieden!

  13. kar schreibt am :

    „Wo sind die 64.000 Unterschriften unserer Petition gelandet?“

    Wahrscheinlich im Papierkorb. Die Bundesregierung weigert sich, eine Korruptionsrichtlinie der UN zu ratifizieren. In dieser Sache kann man sich durchaus fragen, ob die kath. Kirche Parteispenden tätigt, oder wie sonst so eine Realitätsverschiebung überhaupt erst möglich sein kann.

    Siehe: http://www.welt.de/wirtschaft/article6951734/Bundestag-scheut-haertere-Korruptionsregeln.html

  14. hildegard schreibt am :

    Das ist sehr gut zu wissen, wie die Lanzarote-Konvention UND die konsequente Haltung [und Handlungen] der Schweizer Politik sich positiv im Volk manifestiert hat, wenigstens in der Schweiz!!!

    Was also fehlt unserer Politik? – DIE TRANSPARENZ!

    „Peinlich“, findet das Christian Humborg von der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International. „Mit deutschen Steuergeldern soll anderen Ländern vermittelt werden, wie sie Korruption bekämpfen. Dabei schafft es Deutschland selbst nicht, den Anforderungen der UN-Konvention gerecht zu werden.“

    Seit drei Jahren zögert die hiesige ach, so christliche, liberale Regierung.

    Nein, wir brauchen weder das eine noch das andere ideologische Fähnchen und erst recht keine Angst erzeugenden Stellvertreter jenseitiger Instanzen –
    Angst produziert Gewalt!

    Wir brauchen die Transparenz, die Politiker + Kleriker uns verweigerten.
    Wir brauchen eine neue „Religion“ der achtsamen Zivilisation, die zum Frieden führt – bis in die letzten Winkel dieser geschundenen Schöpfung.

  15. Wilma schreibt am :

    Mein gestriger Anruf bei der Hotline in Berlin ergab, dass bis zum heutigen Tag niemand weiß, wofür aus dem Hilfsfonds Gelder gezahlt werden. Die Dame sagte mir, das sei „erst alles noch im Entstehen“ (zwei Tage vorher).
    Erst diese Woche könne man Genaueres sagen. Aus dem Hilfsfonds für Heimkinder sollen nicht alle Gelder abgerufen worden sein. Wenn das bei dem Fonds für Missbrauchsgeschädigte genauso sein sollte, dann gehört das „Restgeld“ meiner Meinung nach den Selbsthilfe-Opferinitiativen in Deutschland, die rechtzeitig Kontakt aufnehmen sollten zu den verantwortlichen Stellen. Den Satz: „Wir haben kein Geld“, können die Verantwortlichen dann als Ausrede nicht mehr gebrauchen.

    Hier noch der Link zum Fonds:

    http://www.fonds-missbrauch.de/

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