Preis für Cohn-Bendit – Kretschmann attackiert CDU

10.04.2013: DIE WELT

CDU und FDP halten Daniel Cohn-Bendit für eine „persona non grata“, die keinen Preis erhalten dürfe. Grund sind seine 40 Jahre alten Bekenntnisse zu Intimitäten mit Kindern.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat der Opposition im Streit um die Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an Daniel Cohn-Bendit eine grundlose Skandalisierung vorgeworfen. „Auch wenn man sich empört, muss man bei den Tatsachen bleiben“, sagte Kretschmann am Rande der Landtagssitzung in Stuttgart. Die CDU hatte Kretschmann im Plenum aufgefordert, der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an den grünen Europaabgeordneten Cohn-Bendit am 20. April in Stuttgart fernzubleiben.

9 Kommentare

  1. Realmenschin schreibt am :

    Es hat mich persönlich geschockt, dass der schwäbische Kretschmann sich so äussert. Solcher Einsatz hinterlässt Spuren im Gedächtnis einer Gesellschaft, führt dazu, dass sie abstumpft, wegschiebt…
    Auch aus persönlicher Erfahrung ggü. meinem s. Missbrauch kenne ich solche Verschleierungen “ das war damals die Zeit….man hat eben experimentiert….“ Bei mir war es noch nicht Mal ein „Hippie“- sondern CDU Wähler, und dennoch kam er in den Genuss des Schutzes solcher Aussagen!WIe sonst lässt sich auch erklären, dass ein Kinski seine Sprüche ungestraft sagen durfte?
    Auch auf diese Weise fanden die „Geheimnisse“ MITTEN und Parallel in der Öffentlichkeit statt- die Isolation der Opfer wie ein Vakuum, Glaswände, denn wie soll man an die Luft kommen, wenn die Gesellschaft um einen herum die „Spinnerei“ eines „Hippies“ abnickt.
    In Auszügen der Autobiographie Cohn-Bendits, die ich in einem anderen Artikel las steht eindeutig sexueller Missbrauch, denn was ist es anderes, sich von Kindern berühren zu lassen und weil sie das ja so toll finden auch weiter zulassen…. KEIN Schuldbewusstsein, keine Verantwortung, denn die Kinder sind es! Wie kann Kretschmann so reagieren, das nicht SEHEN. Oder SIEHT er es?
    Nur EIN Moment der Einfühlsamkeit gegenüber diesen Kindern und er würde es wissen.
    In diesem Artikel fragt Klaus Kinkel Anfang der 2000er Jahre Cohn-Bendit, ob er sich heute davon distanziere, Kinder missbraucht zu haben.
    Kinkel setzt sich gegen MIssbrauch ein!
    Aber die Frage ob Cohn-Bendit sich distanziere, kann nur so beantwortet werden wie es Bendit tat, denn die Passagen in seinen Büchern zeigten sexuellen Missbrauch. Er hätte aus meiner Warte nur die Möglichkeit zu sagen, dass er den damaligen begangenen sexuellen Missbrauch bereut, aber nicht, dass er damals den Missbrauch nicht getan hat, weil das ja eindeutig aus seinem Buch hervorgeht, dass er es tat!
    Das muss doch ganz eindeutig klar sein, was das ist!
    Ich bin empört, dass immer noch dieses Vakuum herrscht, und für einen der Kinder missbraucht hat, Verständnis aufgebracht wird! Wo ist der Aufschrei bei den Grünen, wie es den Kindern von damals ergangen ist? Sauer, wütend bin ich! Ich meinte als Kind, dass die Grünen MEINE Partei sind, ich habe sie bewundert und stelle nun immer wieder fest, dass sie es nicht mehr sein können!

  2. Doro schreibt am :

    Ich halte Daniel Cohn-Bendit auch für eine Person, die keine Ehrung erhalten dürfte.

    Aber dass und wie sich hier CDU und FDP positionieren, ist doch klar politisches Kalkül! Der Fall wird missbraucht, um den politischen Gegner anzugreifen und sich selbst als „Kämpfer für das Gute“ zu inszenieren. Und das geht mit dem „Schmuddelthema“ sexueller Kindesmissbrauch offenbar besonders leicht. Tatsächlich aber zeigen sich die beiden Parteien bislang wenig aktiv wenn es um den Einsatz für Verbesserungen für Betroffene, für mehr Anlaufstellen und Therapieplätze vor Ort, für Fachberatungsstellen, bessere Qualifikation der involvierten Professionen, Abschaffung der Verjährungsfristen, höheren Strafverfolgungsdruck, eine Novellierung des Opferentschädigungsgesetzes, usw. geht.

    Wenig einfühlsam ist allerdings auch die Haltung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann (Grüne), der hier eine „grundlose Skandalisierung“ erkennen will. Zwar ist CDU und FDP eine „Skandalisierung“ vorzuwerfen, sie allerdings „grundlos“ zu nennen, zeugt von wenig Einsicht in die Provokation, die die Preisverleihung ausgerechnet an jemanden wie DCB darstellt. Zumindest für Betroffene von sexualisierter Gewalt gerade im Kontext dieser so genannten „sexuellen Revolution“, für die DCB mit seinen Aussagen ja stellvertretend steht.

    DCB und seine Generation von „sexuellen Befreiern“ (?) mag sich und sein Handeln bis heute politisch verstehen – für diejenigen, die für deren (!!) „sexuelle Befreiung“ herhalten mussten, also instrumentalisiert bzw. missbraucht wurden, sieht die ganze Angelegenheit weit weniger heroisch aus. Für sie bleiben diese sexuellen Annäherungen von Erwachsenen während ihrer Kindheit verstörende Traumen mit derselben Wirkung, wie wenn sie von gänzlich unpolitischen Tätern erfolgt wären.

  3. Doro schreibt am :

    Zur Ehrung Cohn-Bendits mit dem Theodor-Heuss-Preis schreibt u.a. Alice Schwarzer: „Einige wenige fanden das unangemessen, da der zu Ehrende lange den sexuellen Missbrauch von Kindern nicht nur verharmlost, sondern regelrecht propagiert hatte. Und zwar in Zeiten, in denen linke Postillen wie konkret oder Pflasterstrand (dessen Chefredakteur der rote Dany war) sich mit nackten Minderjährigen auf dem Cover verkauften. Und in denen die SPD-Regierung den Pädophilen-Paragraphen streichen wollte, im Namen der sexuellen Freiheit. Im Ernst. Dann wäre sexueller Missbrauch von Kindern in Deutschland noch nicht einmal mehr strafbar gewesen.“

    Cohn-Bendit übrigens zeigt sich bezüglich seiner Aussagen wenig reumütig: Das sei in einer „Zeit, die so was geduldet hat“, gewesen, ist alles, was ihm dazu einfällt. „Er leugnet und verharmlost die von ihm propagierte und praktizierte Hemmungslosigkeit im Umgang mit Kindern bis heute. Erst im vergangenen Jahr habe ich [A.S.] im französischen Fernsehen folgende Szene gesehen: Im Zuge des Wahlkampfes wagte ein konservativer Abgeordneter den einstigen Helden der 68er-Barrikaden an diese dunklen Seiten seiner Geschichte zu erinnern. Ha! Der redegewandte, bis heute auch in Frankreich nostalgisch verklärte Barrikadenkämpfer wies hohnlachend die Argumente des bürgerlichen Spießers zurück. Da gibt es keine Nachdenklichkeit und schon gar kein Bedauern. Selbstgerechtigkeit ist angesagt. Selbstgerechtigkeit war schon immer die stärkste Seite dieser Herren“, schreibt Schwarzer.

    (Der gesamte Artikel ist sehr interessant und unter http://www.aliceschwarzer.de/publikationen/blog/?tx_t3blog_pi1%5BblogList%5D%5BshowUid%5D=133&tx_t3blog_pi1%5BblogList%5D%5Byear%5D=2013&tx_t3blog_pi1%5BblogList%5D%5Bmonth%5D=04&tx_t3blog_pi1%5BblogList%5D%5Bday%5D=05&cHash=5ec409c495 zu lesen)

  4. Hubert schreibt am :

    Also ich weiß nicht was ich davon halten soll.
    Die Vorwürfe zu den „Bekentnissen“ sind umstritten und es soll sich um Missverständnisse gehalten haben.
    Die damaligen Aussagen von Cohn-Bendit sollen ironisch gemeint gewesen sein aufgrund einer Unterstellung, geht aus einem Bericht hervor.
    Wenn man sich nicht absolut sicher ist, sollte man zumindest vorsichtig sein mit derartigen Anschuldigungen, finde ich.
    Ich selbst kenne die Infos dazu auch nur aus einigen Presseberichten und nichts Genaueres.
    Mit fällt es daher schwer, irgendeine Partei zu der Sache zu ergreifen.

  5. Anna M. schreibt am :

    Das entlarvende Video, in dem DCB im französischen Fernsehen von der „Erotik“ mit 4-6-Jährigen spricht ist hier (mit deutschen Untertiteln):
    http://www.youtube.com/watch?v=UxAQJmLY8I4 (ab 0’37)
    Wie er begeistert von der „Erotik“ der Kinder spricht ist widerlich!
    Enthemmt war er in dieser Sendung übrigens nach eigener Aussage durch einen Haschkeks.

    Nicht vergesssen darf man bei der Problematik, daß DCB in der Odenwaldschule war, wo sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in großem Umfang stattfand. Es ist davon auszugehen, daß er die ihm zugefügte Gewalt an die nächste Generation weitergegeben hat. Arschloch!

    Kretschmann ist ein eiskalter Katholik. Er leugnet, was geschehen ist, will „Tatsachen“. Selbst vor Gericht wäre Cohn-Bendits Geständnis aus dem Fernsehen vermutlich ein Beweis für seine Verbrechen.

  6. hildegard schreibt am :

    … es ist nicht die Frage des Parteibuchs.
    Die gesamte Gesellschaft ist chronisch krank an passiver Abstumpfung, an Nicht-Wahrnehmung schrecklichster Missstände frei nach dem Motto: Warum soll es den Kindern besser gehen? Uns hat man nicht besser behandelt … – und aktiv geht sie mit dieser Schuld um wie schon Kain mit seinem Bruder Abel …

    Daher konnte selbst bei höheren Söhnen und Töchtern in der OSO u.a. renommierten Privatschulen Verantwortungsbewusstsein nicht wachsen …

    Ergo: Unwissenheit und Ignoranz müssen ausgerottet werden, damit sich Bewusstheit und Empathie bilden können.

  7. Doro schreibt am :

    @ Hubert

    Natürlich soll sich jede und jeder ihre/seine eigene Meinung bilden.
    Natürlich soll sich jede und jeder ihre/seine eigene Meinung machen.

    In seinem 1975 erschienenen Buch „Der große Basar“, in dem Daniel Cohn-Bendit seine Erfahrungen als Kinderbetreuer vorgelegt hatte, heißt es: „Mein ständiger Flirt mit allen Kindern nahm bald erotische Züge an. Ich konnte richtig fühlen, wie die kleinen Mädchen von fünf Jahren schon gelernt hatten, mich anzumachen. Es ist kaum zu glauben. Meist war ich ziemlich entwaffnet. [. . .] Es ist mir mehrfach passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme. Ich habe sie gefragt: „Warum spielt ihr nicht untereinander, warum habt ihr mich ausgewählt und nicht andere Kinder?“ Aber, wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt. Da hat man mich der Perversion beschuldigt. [. . .] Eins der Probleme im Kindergarten war, dass die Liberalen die Existenz der Sexualität allenfalls anerkannten, während wir versucht haben, sie zu entwickeln und uns so zu verhalten, dass es den Kindern möglich war, ihre Sexualität zu verwirklichen.“ (Quelle: Bettina Röhl)

    Ich persönlich kann darin weder „Ironie“ erkennen, noch ein „Missverständnis“.

    1975 war es offensichtlich kein Problem, bzw. Mainstream, solche Äußerungen zu machen. Erst als die Journalistin Bettina Röhl 25 Jahre später (2001) Cohn-Bendit scharf wegen dieser Passage angriff, erklärte DCB, dass der Text „schlampig formuliert“ war und bat darum, ihn im Kontext der sexuellen Revolution der 1970er Jahre und der Provokationen dieser Zeit zu verstehen. (Quelle: Wikipedia)

    Insofern klingt DCBs „Erklärung“ in meinen Ohren nicht anders als die „Erklärungen“ von Tätern, wenn sie erwischt werden. Es sind Versuche, eigenes Fehlverhalten zu verschleiern mit dem einzigen Ziel, dafür nicht zur Verantwortung gezogen zu werden. Dass zahlreiche Medien dieses Spielchen bis heute mitmachen, zeigt, wo wir in Sachen Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt an Kindern stehen.

  8. Hubert schreibt am :

    Gibt es dazu irgendwo das ungekürztes Video?
    Ich wüsste gern, was die anderen Diskussionsteilnehmer zuvor gesagt hatten, bevor er das so von sich gab.
    So rausgeschnitten wirken seine Aussage-Passagen wirklich unglaublich widerlich – keine Frage. Aber dass einige der Teilnehmer darüber so sehr lachen, stimmt mich schon etwas nachdenklich und skeptisch.
    Was wurde zuvor gesagt in der Runde?

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