Missbrauch: Opfer brachen das Schweigen

12.04.2013: Salzburger Nachrichten

Ein Vereinsobmann soll zwei Kinder missbraucht haben. Es könnte weitere Opfer geben. Ein Beschuldigter bestreitet die Vorwürfe.

Ein 31-jähriger Flachgauer sitzt in U-Haft, weil er einen Buben (12) und ein Mädchen (14) sexuell missbraucht haben soll. Die SN berichteten. Der Verdächtige ist Obmann eines historisierenden Vereins.

Marcus Neher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, sagte, es werde wegen des Vorwurfs des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und des Vergehens pornografischer Darstellungen von Minderjährigen ermittelt.

Rechtsanwalt Stefan Rieder vertritt die Opfer. „Es besteht der Verdacht, dass unter dem Deckmantel des Vereins systematisch Kindesmissbrauch betrieben wurde“, sagte Rieder.

Der Fall kam ins Rollen, weil die Kinder darüber gesprochen hatten. Die Polizei sei eingeschaltet worden. Dann habe sich gezeigt, „wie groß die Sache ist“. Auch gegen zwei weitere Vereinsfunktionäre werde ermittelt. Laut Opferanwalt könnten sie Kinder „zu Missbrauchshandlungen zugeführt haben“. Sie sind auf freiem Fuß.

Einer von ihnen, er war Materialwart, meldete sich Donnerstag bei den SN. Er bestritt jede Beteiligung an Übergriffen: „Ich kam erst im November 2012 zum Verein und kannte die zwei Kinder nur flüchtig. Hätten wir gewusst, was unser Obmann da macht, hätten wir sofort eingegriffen.“ Der Verein werde jetzt aufgelöst.

Laut Rieder besteht außerdem der Verdacht, dass der Obmann noch ein drittes Kind und mindestens eine erwachsene Person missbraucht habe.

Der Anwalt des Hauptbeschuldigten wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Rieder, der häufig Opfer sexuellen Missbrauchs vertritt, plädiert dafür, die Verjährungsfristen in Fällen von schwerem sexuellen Missbrauch abzuschaffen. Die Täter setzten ihre Opfer oft unter Druck und drohten ihnen, dass einem nahen Verwandten etwas passieren würde, wenn sie ihr Schweigen brächen. „Die Verjährungsfrist wurde zwar ab der Volljährigkeit schon verlängert. Aber es gibt Opfer, die jahrzehntelang schweigen, weil diese Drohungen nachwirken. Wenn sie ihr Schweigen brechen, ist die Enttäuschung groß, wenn sie hören, dass die Tat verjährt ist.“ Ein Strafverfahren sei für die Betroffenen oft ein Bestandteil der Traumaverarbeitung.
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3 Kommentare

  1. Anna M. schreibt am :

    Zitat aus dem Artikel:
    „Rieder, der häufig Opfer sexuellen Missbrauchs vertritt, plädiert dafür, die Verjährungsfristen in Fällen von schwerem sexuellen Missbrauch abzuschaffen.“

  2. hildegard schreibt am :

    Im Nachbarland SORGT man dafür, „dass die Opfer oder ihre Angehörigen, die Anzeige erstattet haben oder dies erwägen, Anspruch auf kostenlose psychosoziale und juristische Prozessbegleitung haben.“

    HIER stehen Betroffene allein im Regen, verlieren sich im “emotionalen Wahnsinn” – chronisch, ausweglos, lebenslänglich.

    Flächendeckend wären jetzt offene Rückzugs-Räume als Treffpunkte für Gewaltgeschädigte fällig – zur Besinnung, zur Traumaverarbeitung, zum Austausch, zur Vermeidung von Psychiatrie-Aufenthalten …
    Gibt es das – irgendwo?

  3. Margarete schreibt am :

    @da muss ich dir recht geben, Hildegard…Psychiatrien sind überwiegend nur Aufbewahrungsstadionen von Angehörigen,für die kein
    Platz ist in der Familie und zu dem gemacht wurden.. (siehe „weisse Folter“)
    Dieszüglich haben wir unangenehmes erlebt, weil sich zwei Psychiatrien in unseren angrenzenden Landkreisen unterschwellig bekämpften !!..die
    eine, eine sogenannte „gute“ patientenfreundliche war, die aber der anderen nicht „geschäftschädigend“
    ins Handwerk pfuschen durfte. So wurde ich mit den Jahren eine sogenannte „Psychiatrieerfahrene“….
    Wenn es um therapeutischen Betrug geht,bei dem auch die JÄ im Fall von Kindern die Hand im Spiel haben, dann ist plötzlich genug Geld vorhanden…..

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