Akt der Versöhnung – Die Stiftung

11.06.2013: netzwerkB

Die Stiftung (als PDF herunterladen)

Mein Wunsch ist es, eine Institution zu schaffen, die sich gegen das Verschweigen, Verleugnen und Vertuschen von sexualisierter Gewalt einsetzt – ich beabsichtige eine gemeinnützige Stiftung zu gründen.

35 Jahre habe ich geschwiegen und war nicht in der Lage, über die sexualisierte Gewalt, die man mir angetan hat, zu sprechen. Zwei fundamentale Erkenntnisse sind das Ergebnis meiner Arbeit:

  1. Der Mensch wird seelisch krank, weil er dazu erzogen wird, nichts zu merken.
  2. Der Mensch verschweigt, verleugnet und vertuscht, weil er nichts merkt.

Das Tabu, das auf dem Thema sexualisierter Gewalt lastet, behindert massiv die Aufarbeitung für diejenigen, die sie erlebt haben und deren Leben dadurch geprägt wurde.

Ziel der Stiftung soll es sein, Opfern von sexualisierter Gewalt zu helfen, ihre Schweigemauer zu durchbrechen. Das schaffen sie nicht allein und sind deshalb auf Hilfe angewiesen – auf Personen, die sich in der Öffentlichkeit gegen das Verschweigen, Verleugnen und Vertuschen von sexualisierter Gewalt einsetzen. Das erfordert Mut und diesen gilt es zu unterstützen – genau das soll die Stiftung leisten, indem sie einen Preis ausschreibt, der an Personen vergeben wird, die Außergewöhnliches leisten, um Opfern von sexualisierter Gewalt zu helfen, ihr Schweigen zu brechen.

Die Stiftung möchte Transparenz fördern und fordern, insbesondere bei Berufsgruppen, die viel mit Kindern und Schutzbefohlenen zu tun haben (Erzieher, Lehrer, Geistliche, Ärzte und Psychotherapeuten, Anwälte und Richter) und bei denen
die Gefahr einer Vertuschung besteht, weil aus Korpsgeist Täter geschützt werden und Opfer dadurch bei der Aufarbeitung ihres Traumas massiv behindert werden.

Es könnte ein Akt der Versöhnung stattfinden, wenn nicht nur die Täterorganisationen in die Stiftung einzahlen, sondern wir alle unseren Teil dazu beitragen.

Die ganze Welt würde erfahren, dass zukünftig Menschen mit dieser Stiftung geehrt werden, die sich gegen das Verschweigen von sexualisierter Gewalt in besonderem Maße einsetzen.

Die Betroffenen von sexualisierter Gewalt und auch die Angehörigen der Opfer, die ebenfalls großen Schaden nehmen, würden Anerkennung in der Gesellschaft finden, die sie so sehr zum Überleben brauchen.

Sprechen Sie uns an: +49 (0)4503 892782

Hoffnungsvoll Norbert Denef

netzwerkB (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.) ist eine unabhängige Interessenvertretung – Betroffene setzen sich für die Rechte Betroffener ein, indem sie das gesellschaftliche Schweigen brechen, über Ursachen und Auswirkungen sexueller Misshandlung informieren, beraten und sich für konkrete Veränderungen stark machen. netzwerkB ist beim Amtsgericht Lübeck unter der Nr. VR3272HL als Verein eingetragen. Der Verein ist gemeinnützig, Spenden an ihn sind steuerbegünstigt.

netzwerkB
Schulstr. 2 B
23683 Scharbeutz
Germany
Telefon: +49 (0)4503 892782 Fax: +49 (0)4503 892783
http://www.netzwerkb.org

Jetzt netzwerkB noch stärker machen …

36 Kommentare

  1. Eva schreibt am :

    Die Idee so einer Stiftung ist zwar innovativ und interessant aber wie gehen Täter oder Täterorganisationen damit um. Wenn Opfer darüber öffentlich reden, hagelt es Unterlassungsklagen und Verleumdungsklagen.

    Es sei denn Opfer reden nur mit Therapeuten oder Oranisationen die zum Schweigen verdonnert werden, das schon ein großer Fortschritt wäre, um Manifestationen von psychischen Krankheiten zu verhindern.

  2. Realmenschin schreibt am :

    Eine wunderbare, eine hoffnungsspendende Idee! Es wird sich vieles ändern,davon bin ich überzeugt. Und es HAT sich schon vieles verändert. Alleine die Tatsache, dass netzwerkB mit so viel Mut, Entschiedenheit, Kraft und Klugheit aufgebaut wurde und die Idee der Stiftung Gestalt annimmt spricht Bände! Der Gedanke, dass Menschen für ihren Einsatz gegen sexualisierte Gewalt, eine Auszeichnung erhalten glänzt wie Gold in meiner Vorstellung, macht auch mir Hoffnung, schenkt mir Kraft! Ich bin dabei!!

  3. Godehard Pötter schreibt am :

    „Akt der Versöhnung“ als Überschrift? Was ist damit gemeint? Ein beiderseitiges Ziel, oder eher nur ein Appel an andere? Wenn es dem NetzwerkB gelänge, versöhnlichere Töne anzuschlagen, um zukünftig gemeinsame Wege zur Versöhnung zu suchen, dann (und nur dann) kann ich mir vorstellen, dass die Idee einer externen Unterstützung (z.B. in Form einer Stiftung) auf zuhörende Ohren trifft.
    _______________________________________
    Anmerkung von Norbert Denef:

    s. „Die Stiftung“:

    „Es könnte ein Akt der Versöhnung stattfinden, wenn nicht nur die Täterorganisationen in die Stiftung einzahlen, sondern wir alle unseren Teil dazu beitragen.“

  4. Eva schreibt am :

    Das passt zu dem Thema. War zwar in Östereich, aber bei und gab es ja auch so etwas 1000 fach.

    Die beiden Damen , die nach 40 Jahren das öffentlich gemacht haben sind sehr mutig. Aber alle haben geschwiegen und heute ist alles zu spät.

    Wien – Kaum ein Kind überstand den Aufenthalt im städtischen Wiener Kinderheim Wilhelminenberg ohne schwere Traumata. Diesen Schluss hat eine Expertenkommission gezogen, die Vorwürfe ehemaliger Zöglinge aufarbeitete.

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/wien-kommission-bestaetigt-missbrauch-in-kinderheim-wilhelminenberg-a-905360.html

  5. Realmenschin schreibt am :

    „Eigentlich“, denke ich, müsste, wenn man all die Aufdeckungen allein nur der letzen 3 Jahre nimmt, eine ernsthafte, eine alles umwälzende, eine vor allem auch ehrliche Aufarbeitung stattfinden! Alle miteinander, Familie, Institutionen, Politik, Gesellschaft, müssten für einige Zeit vieles anhalten, und wirklich von vorne anfangen! Niemand, der wirklich ernsthaft etwas Neues anlegen möchte, legt einen Garten an auf einem Boden der nicht umgewälzt wurde, der nicht geklärt wurde! Nur darauf kann Neues wachsen, nur so! Ich kann nicht auf einem Teppich laufen, unter dem schwelende Vulkane/Verbrechen sitzen- ich muss den Teppich runtermachen, und mich mit den Vulkanen beschäftigen. Ich kriege die auch nicht weg, aber ich kann lernen wie ich MIT den Vulkanen umgehe, und keinen Teppich mehr darüber breiten, so als wäre da nichts. Jeder- mit geöffneten Augen- kann es sehen, fühlen, aber es wird erwartet, dass man drüber geht, ohne zu sehen und ohne Konsequenzen zu ziehen. Es kann nicht um Strafe gehen. Aber die Taten die geschahen waren Unrecht, und das muss aufgeklärt werden, es muss ermittelt werden, damit es sich aufklärt, und damit klar ist, was geschah, und wer die Verantwortung dafür trägt. Es kann nicht sein, dass Kinder hinnehmen müssen, was ihnen angetan wurde, das GEHT nicht. Auf der Basis der Aufklärung der- auch noch verjährten- Fälle, können Betroffene wie ich hoffe irgendwann auch finanziell ihre durch die Taten auch teilweise zerstörten beruflichen Existenzen etwas ausgleichen, nicht immer leben unter oder am Existenzminimum, ohne dass sie je eine andere Möglichkeit hatten, dies zu ändern, da man sie ja auch oft nicht als Opfer sexualsierter Straftaten anerkannte und sie im Kreislauf des sich ständigen REchtfertigens und schuldig fühlens für etwas, das IHNEN angetan wurde, gefangen waren/sind. Bis sie irgendwann sagen können und dürfen: das geschah mir, das war der Täter, ich habe ein Recht auf Ausgleich und Gerechtigkeit, denn mir wurde ein Verbrechen angetan, mir unschuldigem Kind und Jugendlichen!
    Es geht um gerechte Aufarbeitung. Darum, dass benannt werden kann, was war, darum, denen, die gelitten haben, wirklich zu helfen, und der Anfang MUSS das Zeigen und Benennen der Taten und Täter sein. DANN, und nur dann kann aufgearbeitet werden. Alles andere wäre wieder „Teppich ausbreiten“ über die Trümmer, die Trümmer der Kinderseelen. Auch eine Prävention, Verhinderung künftiger Seelenmorde, künftigen Schweigens und Vertuschens, kann nur auf aufgeklärtem Boden stattfinden. Nur wenn Täter oder zukünftige Täter wissen, dass gerecht geahndet und aufgeklärt wurde, merken, dass diese Gesellschaft es nicht duldet, dass Kindern und Jugendlichen Gewalt angetan wird. Vielleicht werden sie auch entdecken, dass auch ihnen einst Leid zugefügt wurde, und dass das nicht Rechtens war, dass das niemand durfte- AUCH wenn das damals(und heute durch die Nichtaufhebung der Verjährungsfristen z.B.)vertuscht und verheimlicht wurde, und sie NIE erfuhren, dass NIEMAND das darf!
    Eine Stiftung, die sich einsetzt dafür mutige Menschen auszuzeichnen, die sich für die Stimme der Opfer einsetzen, das empfinde ich als grosse Hoffnung, und auch als Akt der Versöhnung, denn, auf geklärtem Boden können wir alle wachsen, kann Versöhnung stattfinden!

  6. hildegard schreibt am :

    (Eine) ‚Realmenschin‘ sagt es in meinem, in unserem Namen:

    „… ich habe ein Recht auf Ausgleich und Gerechtigkeit, denn mir wurde ein Verbrechen angetan, mir unschuldigem Kind und Jugendlichen!“ – und Bundespräsident Gustav Heinemann bestärkt sie und mich und uns ALLE:

    „Das Recht ist die Waffe der Schwachen“!!!

  7. Hans-Peter Scheerer,88131 Lindau schreibt am :

    @ Godehard Pötter,
    Sie fordern versöhnliche Töne von den Missbrauchten ein.Dann soll zum xten mal weiter diskutiert werden,
    bis zum Nimmerleinstag, an diesem die Opfer die Augen für immer verschlossen haben.Ganz bestimmt kommt dann eine Gedenktafel für die Missbrauchten, deren Leben nur aus Schmerzen bestand.Das ist Ihre Vorstellung von Versöhnung, wie ich aus Ihrem Kommentar lese.
    Die Lobby der,Politiker,Wirtschaftsbosse,Justiz
    und Kirche ist so stark,dass die meisten Beschädigten nicht zu ihrer Entschädigung kommen werden.
    Solch ein Drama mit der Entschädigung hatten wir schon einmal mit den Juden. Da wird immer noch um Versöhnung gerungen.Eine Entschädigung zu Lebzeiten
    wurde den meisten Opfern vorenthalten.Man muss erst einmal diskutieren und versöhnliche Töne von den Opfern einfordern.Das ist Ihr Tenor!
    Mein Tenor lautet: Entschädigung sofort! Leere Worthülsen ergeben keine glaubwürdige Versöhnung.
    (Für die Redaktion; Mein Name und Wohnort darf und soll veröffentlicht werden)

  8. Hubert schreibt am :

    Eine echte „Aussöhnung“ kann es in dem Bereich eigentlich garnicht geben. Man kann versuchen, es sich einzureden durch innere Verknotung der Gedanken.
    Aber gelingen wird es wohl nie richtig. Dafür sich die Schäden einfach zu irreparabel – meine Meinung.

  9. Rüdiger Kreissl schreibt am :

    Einen Akt der Versöhnung kann es nur geben wenn wir aufhören den Opfern das Gefühl von Verhöhnung zu vermitteln. Da braucht es sicher keine versöhnlichen Töne unsererseits an die Täter, sondern ein noch viel lauteres Aufschreien der Opfer. Es wäre auch das falsche Signal an die Verbrecher und könnte ihnen den Eindruck vermitteln, dass ja alles doch nicht so schlimm war. Es lebt sich als Täter doch gut in unserem Land, findet man sie doch in höheren Positionen und mit einer gesellschaftlichen Akzeptanz, die den Opfern wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen muss.

  10. Bärbel schreibt am :

    zu Rüdiger K.v.18.08.13

    ich stimme dem Kommentar wegen meiner Erfahrungen und meinem Erlebtem zu

  11. Wer angegriffen wird oder einen Vorwurf hört (auch wenn der absolut berechtigt ist!!!) schaut allein auf sich, geht in die Verteidigung, oder in Deckung, oder schießt zurück. Aber jedenfalls eines nicht – er schaut nicht auf den Schmerz des anderen! Man erreicht so also genau das Gegenteil von dem was man wollte. Unabhängig davon, ob der Vorwurf noch so berechtigt ist. So funktioniert nun mal die menschliche Psyche. Egal bei welchem Thema. Man hilft sich selbst, wenn man den Angegriffenen Luft zum Atmen lässt – die Chance lässt, Verantwortung übernehmen zu können. Wer denjenigen tötet, der ihm Unrecht getan hat, hat keine Chance, ein Bemühen um Wiedergutmachung je zu erleben. Das gilt auch für (verhandlungs)-tötende Worte.

  12. Karl Görtz schreibt am :

    „Wer angegriffen wird oder einen Vorwurf hört (auch wenn der absolut berechtigt ist!!!) schaut allein auf sich, geht in die Verteidigung, oder in Deckung, oder schießt zurück. Aber jedenfalls eines nicht – er schaut nicht auf den Schmerz des anderen!“

    Sehr gut Herr Pötter,
    Die Bundesagentur für Arbeit z.B., die von Frau Hannemann berechtigt angegriffen wird, ist hier als Beispiel zu nennen. Die haben sofort auf Frau Hannemann „zurückgeschossen“, weil sie nicht auf die Schmerzen ihrer „Kunden“ schauen wollen und können. Frau Hannemann lehrt gerade der Bundesagentur für Arbeit, welche Folgen die Schmerzen für die Betroffenen haben. Da auch ich einer derer bin, der diese Schmerzen der Bundesagentur für Arbeit in Folge meines Missbrauchs ertragen muss, schieße auch ich gelegentlich zurück. Sie glauben gar nicht, wie scheißegal mir dabei die Schmerzen der Bundesagentur für Arbeit sind. Wissen Sie, die sind so was von schmerzresistent.

    http://altonabloggt.wordpress.com/

  13. @ Karl Götz: Das ist Ihr gutes Recht! Insbesondere, da Sie wissen, welchen Preis Sie dafür bezahlen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Sie verstanden haben, was ich geschrieben habe…

  14. Rüdiger Kreissl schreibt am :

    @Godehard Pötter
    Auch wenn ich ihre Bemühungen um eine friedliche Lösung teile, sollten wir den Blick auf die Wirk- lichkeit der Opfer nicht schön reden.

    Wer angegriffen wird oder einen Vorwurf hört, schaut allein auf sich, geht in die Verteidigung, oder in Deckung, oder schießt zurück.
    Der erste Angriff ging vom Täter aus, daher verbietet sich meiner Meinung nach bei einer Anzeige oder anderen Aktion des Opfers, solange sie gewaltfrei ist, von einem Angriff zu sprechen.
    Meinen Schmerz nachempfinden oder zu begreifen würde bedeuten, fünf Jahre alt zu sein und der Befriedigung von sexueller und körperlicher Gewalt zu dienen.
    Doch mehr verletzt mich ihr letzter Absatz:

    Wer denjenigen tötet, der ihm Unrecht getan hat, hat keine Chance, ein Bemühen um Wiedergutmachung je zu erleben. Das gilt auch für (verhandlungs)-tötende Worte.

    Wer hat hier eigentlich wen getötet, meine Täterin (eine Nonne) wurde von mir körperlich nie in Mitleidenschaft gezogen, überhaupt habe ich in meinem Leben noch nie Gewalt gegen andere Menschen gelebt, war eher ein Gefangener meiner Angst, die man in mir pflanzte und die mich beherrschte bis zur Selbstaufgabe. Ich bin durch diese Erfahrungen in meiner Kindheit nie in dieser Gesellschaft angekommen, es gab ihn nicht diesen Boden in dem ich Wurzeln schlagen wollte. Seit elf Jahren lebe ich nun als Vater von drei Kindern, von denen meine Frau zwei mit in die Ehe einbrachte. Meine Kinder kennen keine Angst vor körperlicher oder sexueller Gewalt und leiden trotzdem, weil sie meine Ängste spüren, meine Unruhe und meinen täglichen Kampf um den nächsten Tag.
    Verhandeln mit den Tätern???!!! Nach ihrer Vorstellung ist der Täter also in der Position die Bedingungen zu diktieren. Was mir als Opfer also verdeutlichen soll, wenn ich mich etwas Täter freundlicher verhalte, gibt es eventuell eine vom Täter für richtig empfundene „Wiedergutmachung“.

    Sie mögen meine Einwürfe als (verhandlungs)-tötende Worte bezeichnen, auch wenn mir dafür das Verständnis fehlt, doch bleibt man Opfer wenn man dem Täter um etwas bitten soll. Wir haben Forderungen nicht nur gegen die Täter/in, viel mehr auch gegen den Staat als Fürsorger und gegen die Gesellschaft und ihr kollektives wegschauen.

    Hoffe dass es für sie nachvollziehbar ist, wenn es für mich im Bezug auf die Forderung, nach besten Schutz von Kindern und Jugendlichen, keine Verhandlungsbasis gibt. Auch im Bezug auf Umgang mit den Opfern in dieser Gesellschaft, fordere ich eine Wiedergutmachung, die zumindest die Verluste eines nicht selbst gewählten und durch Angst, Unsicherheit und mangelnden Vertrauen, ausgleicht. Da viele von uns beruflich ihre Möglichkeiten nie ausleben konnten, aufgrund der psychischen Schädigungen in der Kindheit, sollte ein ehemaliges Opfer zumindest keine Existenzangst mehr erleben müssen. Oder sehen sie das anders?

    Mich interessieren die Belastungen die die Täter durch meine Forderungen haben überhaupt nicht, sind mir meine Belastungen doch Bürde genug!

  15. Marlis schreibt am :

    @ Godehard Pötter
    auch ich möchte meiner Verwunderung über Ihre Haltung Ausdruck verleihen.
    Hier geht es nicht um einen „Dialog Opfer – Täter“, hier geht es um eine der schwersten Straftaten neben Folter und Mord. In einem Rechtsstaat werden Straftaten auf juristischer Ebene behandelt und nicht im „Gespräch“. D.h., es ist erste und wichtigste Verantwortung der Gesellschaft, für derartige Prozesse Voraussetzungen und Rechtsgrundlagen zu schaffen, damit Prozesse, unter Berücksichtigung der Komplexität dieser Art von Straftaten, überhaupt ermöglicht werden. Nebenbei bemerkt, die haben wir noch lange nicht. Ob der Täter in die Verantwortung geht, oder nicht, wäre mir als Betroffene ziemlich wurscht. Das ist seine ureigenste Entscheidung, die niemand herbeireden kann. Man sollte das „miteinander Reden “ nicht überschätzen. Die Hauptangeklagte im derzeitiigen NSU Prozess ist dafür das beste Beispiel. Die Angehörigen der Opfer leiden massiv, und sie werden noch mehr leiden, wenn sie letztendlich „verstanden“ haben, dass es Täter gibt, die keine Verantwortung übernehmen. Verantwortung übernehmen kann man nur vor seinem eigenen Gewissen und entweder man tut es, oder man tut es nicht.

    Wenn in einem Prozess alles abgearbeitet ist und darüber ein AUSGLEICH geschaffen worden ist, d.h., der Betroffene wenigstens einigermaßen auf Augenhöhe mit dem Täter angekommen ist, steht es jedem Täter offen, sich entsprechend einzubringen. Was daraus wird, entscheidet der Betroffene.

  16. @Rüdiger Kreissl

    Vielen Dank für Ihre Gedanken, die ich gut nachempfinden kann. Vor allem auch deswegen, weil ich selber Betroffener bin, nicht nur von sexuellem Missbrauch, sondern auch von Folter (mit bleibenden Schäden). Deshalb kann ich die berechtigte Wut und Verbitterung nicht nur gut verstehen, sondern geradezu nachempfinden, und verurteile sie nicht.

    Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es häufig nicht die Täter selber sind, mit denen wir heute über „Entschädigungen“ oder Anerkennung des Leids reden, sondern heutige Mitarbeiter der damaligen Täterorganisation. Klar muss sich diese auch dem Vorwurf von Organisationsverschulden stellen, z.B. wenn bekannt gewordene Täter nicht aus dem Dienst entfernt worden sind. Aber es ist und bleibt eine Stellvertreterposition, in der sich die meisten unserer Ansprechpartner befinden. Das wird oft übersehen, wenn sich die ganze Wut über die eigentlichen wahren Täter auf diese stellvertretenden Repräsentanten der Organisation entlädt.

    Ich habe es mehrfach erlebt, dass Missbrauchsbeauftragte zunächst selber menschlich ziemlich erschüttert waren und sich deswegen persönlich sehr motiviert zeigten, sich für das jeweilige Missbrauchsopfer einzusetzen. Wenn dann Grenzen der Langsamkeit des ganzen Organisationsgefüges sichtbar wurden, wofür dieser Mitarbeiter nix konnte, wurde er angegangen, als wäre er der Täter in persona. Die Folge war, dass er sich nur noch selber zu schützen versucht hat, indem er gemauert hat und abgetaucht ist, und das Opfer erneut Ohnmacht und Hilflosigkeit erlebt hat. Das hat dessen Wut nur gesteigert und die Erwartungshaltung bestätigt.

    Meine Frage – wem ist damit denn wirklich gedient? Wir wollen doch was von anderen, nämlich dass sie uns helfen, unsere berechtigten (!) Ansprüche gegen die Täter durchzusetzen. Andernfalls hätte ich hier die vielen Forderungen danach missverstanden. Es gibt sicher Betroffene, bei denen nun sofort Protest kommt, ihr Autonomiebedürfnis so stark ist, dass sie sagen „nein, ich will nichts“. Aber da bin ich mir nicht sicher, ob das stimmt. Denn dann bräuchten sie nicht öffentlich auftreten. Zumindest Anerkennung ihres Leids, was sie in den Ruf nach Bestrafung oder Konsequenzen für den Täter verpacken. Aber auch das schaffen sie nicht alleine, nicht einmal ein Zusammenschluss von vielen Betroffenen hat das erreicht. Also – auch dafür brauchen wir Unterstützung von anderen, die sich für uns einsetzen, weil sie denken, dass das richtig ist. Wie lange machen die das, wenn sie jederzeit Gefahr laufen, selber angegriffen zu werden, nur weil nicht alles so (schnell) funktioniert, wie wir uns das wünschen?

    Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man seine Position aufgibt, wenn man nicht aus allen Rohren feuert. Und dass man umso erfolgreicher ist, je krasser und pauschaler man verurteilt. Es gibt keinen schwerer wirkenden Vorwurf, als einem anderen ganz pur die blutenden Wunden hinzuhalten! Was soll der darauf entgegnen? Wenn ich dem aber eine Steilvorlage liefere, indem ich verwässere mit Pauschalurteilen und Generalisierungen, lenke ich auf einen Nebenkriegsschauplatz ab und schwäche meine Position. Diese Erfahrung beklagen doch viele hier seit 2010.

    Ich habe mit purem, vollkommen (!) unverwässertem Vorhalten meiner Verletzungen bei meinen Ansprechpartnern die Hilfe bekommen, die ich wollte, einen mehrfach fünfstelligen Betrag für eine sehr wirksam verlaufene Traumatherapie. Deshalb spreche ich heute davon, dass ich Missbrauchsopfer WAR, weil ich mich nicht mehr in der Opferrolle fühle, sondern meine positiven Erfahrungen anderen Betroffenen weitergeben möchte. Ich kann jedoch dazu nur einladen, es ebenso zu tun. Daher spreche ich hier allein nur für mich – ganz wichtig! Jeder hat das Recht, es völlig anders zu sehen. Diese Offenheit muss auch hier sein.

  17. Eva schreibt am :

    @Godehard Pötter

    „Ich habe mit purem, vollkommen (!) unverwässertem Vorhalten meiner Verletzungen bei meinen Ansprechpartnern die Hilfe bekommen, die ich wollte, einen mehrfach fünfstelligen Betrag für eine sehr wirksam verlaufene Traumatherapie.

    Wie schön , dass Sie einen Weg gefunden guten Weg gefunden haben zur Verarbeitung.“

    Was sollen aber die Menschen tun, die immer wieder dissozieren und über einen Zeitrauam von 10 Jahren und länger keine Besserung eintritt ?

  18. @Karl Görtz:
    Nein. Das haben Sie missverstanden.

  19. Karl Görtz schreibt am :

    @Godehard Pötter
    Da bin ich aber beruhigt. Ich warte jetzt nur noch auf einen mehrfach fünfstelligen Betrag um nach erfolgreicher Behandlung gelassener und somit wirkungsvoller gegen die Ungerechtigkeiten in diesem Deutschland kämpfen zu können.

  20. @Eva:
    Dissoziation ist eine in traumatischen Situationen wertvolle Schutzfunktion der Psyche, um zu überleben. Im Laufe des Lebens gewinnt dies jedoch eine Eigendynamik, die es schwer machen kann, auf die Gesamtheit seiner Persönlichkeitsressourcen zugreifen zu können. Betroffene leiden oft sehr darunter, nicht die Autonomie über ihr Sein zu haben, sondern Spielball von externen Triggern ausgelöster Automatismen.

    Mit einer (z.B. hypnotherapeutisch unterstützten) „EgoState“-Therapie können die voneinander mehr oder weniger getrennt in Erscheinung tretenden Persönlichkeitsanteile angesprochen, gewürdigt und ihre wertvollen Ressourcen miteinander in Verbindung gebracht werden. Es wäre zu schade, wenn so etwas Wertvolles „weggemacht“ werden soll. Denn das sind wichtige Anteile von einem selbst, die erst die ganze Kreativität und Schönheit der eigenen Persönlichkeit ausmachen.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein Zeitraum von einem halben Jahr realistisch ist, wenn man ein bis zwei Mal pro Woche (durchaus ambulant) daran arbeitet. Sowas muss keineswegs schmerzhaft sein, sondern kann eine sehr interessante Reise ins eigene Ich sein, bei der man Stück für Stück wieder die Autonomie über seine Gefühle und Verhaltensmuster zurück gewinnt. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen, weil ich selber „viele“ war…

  21. @Karl Görtz:
    Ich ständigen spitzen Bemerkungen gegen meine Postings – obwohl ich Sie darin weder angesprochen noch sonst Ihnen je etwas getan habe – empfinde ich als übergriffig. Betroffene sollten sich nicht gegenseitig beharken und wie Täter verhalten. Sondern mit ihren durchaus unterschiedlichen Erfahrungen unterstützen.

  22. Realmenschin schreibt am :

    Ein Akt der Versöhnung sollte aktiv von denen ausgehen, die geschädigt haben oder die die für diese zu handeln in der Lage wären. Sie könnten in die Stiftung einzahlen und es könnten Menschen geehrt und unterstützt werden, die sich besonders für das Brechen der so hohen Schweigemauer einsetzen! Ich als Betroffen wäre bereit die als einen kleinen und doch großen Schritt zu sehen. Als einen Anfang der Aufarbeitung, und Aufarbeitung bedeutet das Ende des Verschweigens, das Ende der offenen Geheimnisse, das Bröckeln der vielschichtigen Mauern, denen wir uns überall gegenüber sehen, auch gegenwärtig deutlichst. Es ist in meinen Augen KEIN Akt der Versöhnung, und noch nicht Mal im Mindesten ein Akt des ersten Erkennens und Eingstehens, was gegenwärtig in der Politik an „Aufarbeitung“ stattfindet. Hier wird keine Schweigemauer gebrochen, hier wird eine weitere vor unser aller Augen gepflegt. Es liegt nicht an den Betroffenen, es liegt an denen, die dafür verantwortlich sind und den vielen vielen bewußten oder unbewußten Helfern! Hier wird eine Stiftung als Akt der Versöhnung ins Leben gerufen: das IST ein Akt der Versöhnung. Aber es braucht für die Verwirklichung Diejenigen, die das Ganze verursacht haben, es braucht Leute, die Verantwortung übernehmen, es braucht Menschen die hinstehen und sagen: so wars, und es muß über alles offen geredet und aufgearbeitet werden, und so darfs nie wieder werden und deshalb brauchen wir Vorbilder! Das ist u.a. der Job der Politik, der Kirchen, der Internate, Heime, der Familien die ihre Kinder verraten haben anstatt zu ihnen zu stehen, und der weiteren Institutionen, derer, die verantwortlich SIND! Diese Schritte sind von Nöten, von denen, die es bisher nicht getan haben!

  23. klaraklara schreibt am :

    @ Karl Görtz
    ich habe leider auch schon die Erfahrung gemacht, dass ich mit dem Vorsatz in ein JC-Gespräch gehe, mich absolut konstruktiv zu verhalten, sinnvolle Vorschläge zu machen und auch jegliche echte Hilfe durch den Vermittler anzuerkennen, aber dass der Vermittler dann lediglich Druck macht und „Hilfen“ anbietet, denen ich nicht so schnell zusagen kann oder die ich ablehnen muss, und sich im Gespräch auf eine Weise verhält, die mich sehr verletzt und offensichtlich auch verletzen soll, damit ich meine eigenen beruflichen Ziele aufgebe. Das Wort „Mobcenter“ verstehe ich mittlerweile.
    Vielleicht habe ich selbst mich in so einem Gespräch auch nicht nur konstruktiv verhalten, weil ich nicht mehr an mich halten konnte, aber ich hatte ja auch die Nacht vorher kaum geschlafen, und das hängt damit zusammen, dass mich die „offizielle Hartz-4-Deviese“, ständig für alles angeblich Zumutbare zur Verfügung zu stehen, und auch Erfharungen mit einem offensichtlich planlosen, unstrukturierten Vorgehen im Jobcenter schon vorher sehr verunsichert hatten.

    Ich möchte niemanden verunsichern, der zur Zeit nach einer gemeinsamen, konstruktiven Strategie mit seinem Jobcenter sucht, die Ausgangsbedingungen sind ja oft sehr unterschiedlich. Wer als Kind viel Gewalt – Machtanmaßung Stärkerer – erlebt hat, kann in dem Hartz-4-Design sehr getriggert werden, aber der entsprechend schreckliche emotionale Zustand bedeutet nicht zwangsläufig, dass man keine guten Chancen hätte.

    Aber ich glaube auch, dass die aktuelle Vermittlungspraxis und ihren direkten und indirekten Folgen vielen Menschen Schmerz bereiten und mit einer massiven Bräsigkeit einiger Verantwortlicher für den Schmerz von Alg 2 Betroffener zusammenhängen.

  24. Karl Görtz schreibt am :

    Sie, Herr Pötter, bitte ich um Entschuldigung wobei ich allerdings von einem praktizierenden Psychotherapeuten, der sich nicht mehr als Opfer sieht, und das meine ich jetzt nicht spitzfindig, mehr Standfestigkeit und Belastbarkeit erwartet hätte. Meine Sprache, die Sie mir als spitzfindig anheften wollen, ist meine hochsensible Sprache. Auch das hat seinen Grund aus meiner tiefen Vergangenheit. Es ist die Sprache, die mich aus Erfahrung schützt. Ich jedenfalls, werde Sie nicht mehr auf Ihre Postings ansprechen. Sie haben mir überdeutlich zu Verstehen gegeben, dass ich Sie nicht verstehen soll.

  25. Karl Görtz schreibt am :

    Ich kann mich einfach nicht mit diesen Menschen versöhnen, die mich schon wieder missbrauchen wollen.

    Es gibt Menschen, die fragen mich: Warum hast du keine Haftpflichtversicherung? Was ist, wenn was passiert?
    Es gibt Menschen die fragen mich: Warum zahlst du keine Beiträge in die Rentenversicherung ein?
    Es gibt Menschen, die fragen mich: Warum zahlst du keine Krankenversicherungsbeiträge? Was ist, wenn du krank wirst?
    Es gibt Menschen, die fragen mich: Warum hebst du Plastikflaschen auf?
    Es gibt Menschen, die fragen mich: Wovon lebst du heute?
    Es gab diese Menschen, die fragen jetzt nicht mehr. Ich habe Ihnen erklärt, dass der deutsche Staat einen Menschen heute bis in den Tod sanktionieren kann. Und sie hielten mich für irre und wählen immer noch die Selben.

    „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Franz Müntefering von der SPD

    Hier wird erklärt, wie der deutsche Staat, Menschen in den Suizid treibt, und das gewollt und gezielt!

  26. klaraklara schreibt am :

    Hallo Karl Görz,
    es tut mir leid, dass Sie in dieser absolut miesen Situation sind. Ich wünsche Ihnen, dass die Sanktion bald aufhört und Sie auch bald einen Weg finden, die Situation zu Ihren Gunsten zu wenden! Kann jetzt leider nix konkretes schreiben, muss zusehen, wie ich trotz dem ganzen Druck im Hintergrund diesen Tag nutze, um meine beruflicehn Ziele schneller zu erreichen, als mich JC in was auch immer stecken könnte. Morgen suche ich dann Beratung auf zu den Fragen:
    – wie kann ich mir miese Sprüche/Andeutungen verbitten?
    – was findet sich in meinem sehr spezifischen Fall (vielleicht, hoffentlich) noch an Gründen, einen Vermittlungsvorschlag abzuwenden, die das JC akzeptieren muss?

  27. klaraklara schreibt am :

    Liebes Netzwerk-Team, liebe Interessierte hier,
    jetzt komme ich zur von NetzwerkB geplanten Stiftung.
    Grundsättzlich finde ich die Idee super, Leute aus den helfenden Berufen und Anwälte etc., die sich mutig für die Opfer von sexualisierter Gewalt einsetzen, zu unterstützen.
    Ich möchte darauf hinweisen, dass das mutige Engagement schon lange vorher beginnt, bevor jemand in die Öffentlichkeit geht. Und dass es nicht nur der Ehrung von offensichtlich herausragenden Persönlichkeiten bedarf.
    Es kann schon SEHR viel Mut verlangen, wenn ein Erzieher, eine Therapeutin, eine Anwältign usw. sich bei einem einzigen Einzelfall von Vernachlässigung, Fehlbehandlung oder gar sexualisierter oder sadistischer Gewalt an einem Kind darum bemüht, sich für den Schutz oder die angemessene Unterstützung dieses einen Menschen einzusetzen. Entsprechende Aktivitäten müssen oftmals gut überlegt und somit vorbereitet werden, es kann ein Bedarf an Beratung, Erfahrungs-Literatur etc. bestehen. Die Konflikte können soweit gehen, dass jemand arbeitslos wird und der Arbeitsagentur erklären muss, warum es nicht an eigenem Fehlverhalten lag, dass die Arbeitsstelle verloren wurde.
    Ich glaube, dass auch in diesem Bereich SEHR viel Unterstützung nötig ist. Öffentliche Ehrung kann sicherlich etwas bringen, indem die Betreffenden dadurch nicht mehr als Looser sondern als „umstrittene aber sicherlich couragierte Persönlichkeit“ dastehen. Es können aber nur sehr wenige Menschen öffentlich geehrt werden, und es gibt vielleicht schon etwas mehr Personen, die – im Netz der psychischen Abwehr oder gar Täternähe von Kollegene – versuchen, in ihrem Alltag der Verantwortung für Kinder, Patienten, Clienten gerecht zu werden; oder die es gerne täten, wenn sie dabei auf Unterstützung hoffen könnten.

  28. Bärbel schreibt am :

    Klaraklara,es gibt sehr viele Menschen,die Kinder unterstützen,ich möchte nur hinzufügen,
    man sollte auch intakte und couragierte Familien unterstützen,
    die bei Auffälligketen im VERHALTEN ihrer Kinder nicht wegschauen

  29. Karl Görtz schreibt am :

    Hallo klaraklara,
    „Im schlimmsten Fall führt Hartz IV zu Suiziden, weil die Menschen den Druck nicht mehr aushalten“, sagt Inge Hannemann.

    http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2013-08/27811774-zankapfel-hartz-iv-heiner-geissler-trifft-auf-florian-gerster-bei-eins-gegen-eins-am-dienstag-27-august-2013-in-sat-1-007.htm

    Kommentar:
    Die Bundesagentur für Arbeit geht hier mit äußerst präziser subtiler Tötungsabsicht vor, (auch das kann ich schriftlich beweisen) wobei die Politik den Erfolg von unter 3 Millionen Arbeitslosen der nicht betroffenen und ahnungslosen Bevölkerung weiterhin als Erfolg der Hartz-IV-Reformen verkauft. Wenn ich in einem Jobcenter aufgrund eines von der Bundesagentur für Arbeit zuvor unerträglich ausgeübten Druckes ausrasten würde, stände am nächsten morgen in der Zeitung, dass es sich hier um einen psychisch kranken Menschen gehandelt hätte und das alles mit dem Ziel, die Agenda 2010 weiterhin als Erfolg der ahnungslosen Bevölkerung zu verkaufen. Hiermit sollen die von der Bundesagentur für Arbeit zuvor noch weiter psychisch krank gemachten Arbeitslosen außer Gefecht genommen werden und der Öffentlichkeit als „Mahnung“ verkauft werden. Wer schwer traumatisiert ist, sollte eigentlich umfassende Hilfen erwarten. Die Bundesagentur für Arbeit sieht stattdessen in Traumatisierte willkommene Opfer um die Arbeitslosenzahlen zu senken! Und da sitzen dann irgendwelche Handlanger, die unsereins unter Sanktionsandrohungen zu einem psychologischen Dienst schicken, ihr psychologisches Gutachten lesen, und nicht mal einen Neurologen von einem Psychologen unterscheiden können.

  30. klaraklara schreibt am :

    Hallo Karl Görtz
    hier nur kurz eine Info aus meinem Beratungsgespräch gestern. Habe keine Ahnung, ob diese SChiene für Sie persönlich in Frage käme, ob das überhaupt in IHrem Bundesland möglich ist. Mir wurde gesagt, dass ich über die Schiene „Beantragung von Lebensmittelgutscheinen“ womöglich erreichen könnte, dass ich nach der 3. Sanktion wieder in die Krankenversicherung komme.
    Zum Glück ist bei mir die 3. Sanktion bislang rein fiktiv. Das mit der Tötungsabsicht bei der BA muss ich mir nochmal ankucken.

  31. Karl Görtz schreibt am :

    @klaraklara

    Tippen Sie mal „Tote in Hartz IV“ ein.
    https://www.google.de/#fp=1643bda966ad7fb1&q=Tote+in+Hartz+IV&start=20

    und keine Sorge um mich bei dem letzten Satz meiner nachfolgenden Kurzgeschichte. Ich habe das überlebt, wie zu lesen ist.

    Ich betrete das Jobcenter, vernehme wieder diesen üblen Sanktionsgeruch, den ich seit 8 Jahren kenne. Ich nehme die Treppe zum ersten Stock, melde mich an, setze mich, und warte. Keine Gewalt im Jobcenter lese ich auf der Wand gegenüber in großen Lettern. Wie oft musste ich schon meine Frau und mich gegen diese Gewalt in diesem Jobcenter verteidigen? , denke ich und versinke …. 2005 dachte ich, die meinen das ernst mit meiner beruflichen Situation, bin dann freudig hin, und als ich wieder auf dem Heimweg war, wusste ich nicht, welche berufliche Situation eigentlich mit mir besprochen wurde. Ich unterzeichnete dieses Schreiben und konnte wieder gehen. Angst vor dieser Rechtsfolgebelehrung am Ende dieses Schreibens hatte ich da noch nicht, weil ich glaubte, die meinen das nicht ernst. Ich erinnere mich, wie schnell damals alles gehen musste mit den Jobcentern und Optionskommunen und deren Umstrukturierung als Schröder den Sanktionsstaat verkündete…… wie man noch einen Ombudsrat für Hartz IV installiert hat um Anlaufschwierigkeiten zu beseitigen…. Die Tür geht auf, Herr Görtz? Ich trete ein, setze mich wie gewohnt und weiß, was jetzt kommt, die berufliche Situation besprechen, ich weiß, und schweife wieder ab… fünf DIN A4 Ordner voll beruflicher Situationen aus 8 Jahren füllen mein Hirn. Manchmal landen diese beruflichen Situationen schon sehr früh am Morgen in meinem Briefkasten. Damals pochte mein Herz vor Freude, heute sind diese beruflichen Situationsbriefe für mich eine Bedrohung, die Angst am Morgen, die Angst am Abend vor dem Morgen. Und wie sie noch so redet, ziehe ich eine Waffe, halte sie an meine Schläfe, und drücke ab.
    ————–

    Hier haben bereits über 24000 Menschen unterschrieben:
    http://www.sanktionsmoratorium.de/

  32. klaraklara schreibt am :

    @ Godehard Pötter: dieser KOmmentar ist alt, aber zu Ihren wichtigen Äußerungen darin möchte ich Sie noch fragen, wie ich Sie richtig verstehe: „am 22.08.2013:

    @Eva:
    Dissoziation ist eine in traumatischen Situationen wertvolle Schutzfunktion der Psyche, um zu überleben. Im Laufe des Lebens gewinnt dies jedoch eine Eigendynamik, die es schwer machen kann, auf die Gesamtheit seiner Persönlichkeitsressourcen zugreifen zu können. Betroffene leiden oft sehr darunter, nicht die Autonomie über ihr Sein zu haben, sondern Spielball von externen Triggern ausgelöster Automatismen.

    Mit einer (z.B. hypnotherapeutisch unterstützten) “EgoState”-Therapie können die voneinander mehr oder weniger getrennt in Erscheinung tretenden Persönlichkeitsanteile angesprochen, gewürdigt und ihre wertvollen Ressourcen miteinander in Verbindung gebracht werden. Es wäre zu schade, wenn so etwas Wertvolles “weggemacht” werden soll. Denn das sind wichtige Anteile von einem selbst, die erst die ganze Kreativität und Schönheit der eigenen Persönlichkeit ausmachen.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein Zeitraum von einem halben Jahr realistisch ist, wenn man ein bis zwei Mal pro Woche (durchaus ambulant) daran arbeitet. Sowas muss keineswegs schmerzhaft sein, sondern kann eine sehr interessante Reise ins eigene Ich sein, bei der man Stück für Stück wieder die Autonomie über seine Gefühle und Verhaltensmuster zurück gewinnt. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen, weil ich selber “viele” war… “

    –> Nun meine Fragen:
    Verstehe ich Sie richtig – meinten Sie „weil ich selber “viele” war… “ so, dass Sie vor der Egostate-Therapie eine Borderlinestörung oder Dissoziative Identitätsstörung hatten?
    Handelte es sich bei IHren psychischen Problemen um eine Folge davon, dass Sie als Kind hatten dissozieren müssen, um zu überleben? Und wie langen haben Sie gebraucht, (oder werden Sie noch brauchen), um mit Hilfe der Egeostate-Therapie a) Ihre Symptome in den Griff zu bekommen, b) sich als geheilt anzusehen?

  33. Karl Görtz schreibt am :

    Deutschland gedenkt morgen wieder den Toten in Berlin auf dem Alexanderplatz, nur mit dem Unterschied, dass hier keine Glocken läuten, kein Kniefall stattfindet oder eine Gedenkrede seitens Gauck oder Merkel erfolgt. Ganz im Gegenteil: Genau die sind es, die jetzt noch schärfer die Messer wetzen und das soziale Elend mit Rechtsvereinfachungen im SGB II beschleunigen wollen.

    http://dieopferderagenda2010.wordpress.com/

  34. hildegard schreibt am :

    Vor der Agenda 2010 gab es noch ein Recht auf Arbeit – es fehlte bereits das Recht auf Leben.
    Es gab und es gibt kein Recht auf Leben.
    Kein Grundrecht für Kinder und Erwachsene auf ein menschenwürdiges Leben.

    Das Recht auf Leben kann nur eine Grundsicherung schaffen. Und eine gerechte Gesetzgebung.
    Ohne ein Recht für JEDEN auf menschenwürdiges Leben kann diese politische Kurzsicht nur „ins Auge gehen“:

    Zu all unseren (von den Nachkriegsgesellschaften selbst produzierten) Verarmten wird uns sehr bald auch die Völkerwanderung des Elends aus anderer Gesellschaften erreichen.
    Es werden hier überall die verfolgten Menschen aus Asien, Afrika, Osteuropa eintreffen, die ihr Leben retten möchten, exakt dasselbe Menschenrecht auf Leben besitzen wie wir alle.
    Es werden – auch für sie – keine Glocken läuten.
    Es gibt den latenten Rassismus.
    Es gibt Neid, Hass, Missgunst.
    Es gibt Kürzung und Einsparung an falschen Stellen.
    Wer kann unsere Gesellschaft noch zur Besinnung bringen?
    Ein „Kniefall“ ist für unsere Politiker_innen nur vor Reichen und Einflussreichen denkbar – nach wie vor …

  35. Saskia schreibt am :

    zu Hildegard….
    ich möchte noch hin zu fügen….
    wer möchte schon seinen enormen Reichtum teilen,
    wie sind sie/diese Personen/ zu dem Reichtum /Besitz /und der Macht gelangt,
    ich zitiere ,habe ich mal gelesen—
    die Gier,einiger weniger Menschen ist schier grenzenlos,in jeglicher WEISE
    die meisten Menschen arbeiten doch fürs das Leben und Überleben enorm,und oft reicht es eben nicht zum Überleben

Artikel kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Artikel aus den Medien

ARD BRISANT ARD Tagesschau Augsburger Allgemeine Badische Zeitung Berliner Morgenpost Berliner Zeitung DER SPIEGEL derStandard.at DER TAGESSPIEGEL derwesten.de DEUTSCHE WELLE Deutschlandfunk Deutschlandradio DiePresse.com diesseits.de DIE WELT DIE ZEIT FOCUS Frankfurter Allgemeine Frankfurter Rundschau Hamburger Abendblatt Hannoversche Allgemeine Humanistischer Pressedienst Kölner Stadt-Anzeiger Leipziger Volkszeitung Lübecker Nachrichten Mitteldeutsche Zeitung n-tv N24 NDR.de NDR Info Neue Zürcher Zeitung nordwestradio Publik-Forum Saarbrücker Zeitung SPIEGEL ONLINE stern.de SÜDWEST PRESSE Süddeutsche Zeitung taz TP Presseagentur Berlin WAZ WELT ONLINE ZDF heute ZEIT ONLINE