Kinder schweigen nicht

19.06.2013: netzwerkB

Von der Gewalt, der Blind- und Taubheit der Erwachsenen

von Beate Lindemann-Weyand

Für Überlebende sexualisierter, aber auch nicht sexualisierter Gewalt, existieren zahlreiche und sehr unterschiedliche Gründe für ein Schweigen. Ein Schweigen das manchmal bis zum Tod gelebt wird.

Manchmal trifft der Tod früh ein, dann kann oft nicht mehr nachvollzogen werden, warum der mitunter auch junge Mensch den Suizid seinem Leben vorgezogen hat. Vielleicht hat er einen Abschiedsbrief, ein Tagebuch hinterlassen? Oder sogar Worte, Worte, die vielleicht auch schon während der Kindheit fielen, aber nie ankamen, weil sie  von den Umstehenden einfach fallen gelassen wurden. Sie wollten, sollten, konnten nicht verstehen?

Sind es vielleicht die Erwachsenen, die keine Ohren haben um zu hören, keine Augen um zu sehen? Sind es wirklich die Kinder, die nichts sagen? Sind es die Kinder, die lernen müssen? Oder sind es die Erwachsenen, die sich nicht eingestehen können oder wollen, dass sie blind und taub sind?

Das kleine Kind hatte vielleicht gesagt, dass der grosse Bruder „komisch“ sei,  es schrie vielleicht dass es nie mehr mit dem Nachbarn alleine schwimmen gehen wollte, oder dass es nicht gerne zur Tante ginge, weil die sie immer so festhalten würde. Daraufhin fielen vielleicht die Antworten Erwachsener auf die zarten Worte des Kindes „ die meinen das nicht so. Die sind doch nett… was Du immer hast… Du bist einfach schwierig..…“ und Ähnliches.

Oder das Kind spielte mit seinen Puppen das nach, was es erfahren musste: es presste die Unterleiber aneinander, entblösste seinen eigenen Unterleib. „Was machst Du denn da?“ Die Blicke der Mutter griffen peinlich berührt um sich, drückten den Rock des Mädchens panisch hinunter. „Du spinnst wohl.“ Vielleicht folgte eine Ohrfeige ob des ungebührlichen Verhaltens.

Gebilde, vielleicht Himmelskörper, wurden von dem Jungen aufs Papier gebracht, die merkwürdige Fontänen in die Luft spritzten. Seile wurden abends an der Türe aufgespannt. Als die Mutter das zwischen Stühlen aufgespannte „Chaos“ von Stühlen und Schreibtischbein reisst und brüllend fragt „warum ist Dein Zimmer nur immer so ein Schweinestall“ antwortet er leise „Es ist eine Falle für Verbrecher“.

„So ein Unsinn, Verbrecher!“ Nie wird er den schmalen Strich vergessen, der der Mund im zornigen Gesicht seiner Mutter war, mit dem sie aus dem Zimmer ging, die Seile in den Händen. Kein Blick auf die Bilder, auf seinem Schreibtisch, sondern streng die Türe zu und „Ruhe“.

Kann man das Schweigen nennen?? Oder ist das eines von vielen Schweigen brechen gewesen und ein weiteres nicht Hören und zum Schweigen verurteilen?

Schweigen existiert in unserer Gesellschaft auch über nicht sexualisierte Gewalt. Nicht nur, dass aktuell die Gewalt gegen Kinder immer noch als Privatsache der Eltern an ihrem „Eigentum Kind“ behandelt wird, es existieren auch- fragt man z.B. ganz unkompliziert bei Menschen im Umfeld nach- zahlreiche Mythen wie „ das hatte ich auch verdient, ich brauchte das, ich war ein schwieriges Kind, oder das Berühmte „es hat mir nichts geschadet“.

Das alles dient unter anderem zur Rechtfertigung der damaligen Erwachsenen und dem Verdrängen des Schmerzes, den das Kind in dieser ungleichen Macht-Situation erfuhr.

Auch bei mir selbst existieren immer noch Überreste dieser Verdrängung. Nachdem ich viele Jahre erst einmal einen Teil meiner erfahrenen sexualisierten Gewalt aufarbeiten musste, um überhaupt weitermachen zu können, und nicht nur irgendwie jeden Tag zu überleben – stellte ich nach und nach fest: ja, auch ich bin geschlagen worden.

Auch diese Gewalt ist teilweise unter Bergen von Schutt vergraben, auch hier habe ich verdrängt. Da wo ich nicht verdrängt habe und ich das Geschlagen werden wie Bilder eines Films vor meinem inneren Auge sehen kann, taucht jedoch ein „Phänomen“ auf, das mir damals half den Schmerz nicht zu spüren: ich ging einfach aus meinem Körper heraus.

Erinnern kann ich mich an höchste körperliche Anspannung, in die ich geriet, sobald ich spürte, dass es gleich dazu kommen würde, wieder an den Haaren gezogen oder geschlagen und brutal gezwickt und gedrückt zu werden, und dann machte es „schwupp“ und ich spürte den Schmerz nicht mehr.

Mein Inneres schützte mich auf diese Weise den körperlichen Schmerz nicht zu spüren, er wurde per Dissoziation in andere Bereiche meines Seins geschoben.

Ja, denn es hätte mir wehtun müssen.

Auch die seelische und emotionale Qual wurde abgespalten. Denn eigentlich hätte es mir unerträglichen Schmerz bereiten müssen von den Personen, denen ich vertraute, und die ich liebte, geschlagen zu werden.

Auch die Angst, die ich damals heftig aufflammen spürte, die ich beim Erinnern immer noch als ganz kurze Sequenz wahrnehme, muss sich irgendwo anders hin begeben haben.

Was war stattdessen meine Reaktion auf diese plötzlichen Gewalt-„Anfälle“ von Bezugspersonen? Ich erinnere mich an körperliche Erstarrung, und die Wahrnehmung von Hitze auf meiner Haut- nicht von Schmerz. Bis es vorbei war.

Ich weinte sogar- nachdem ich etwas Routine hatte, älter war- extra, damit man mich loslässt, aufhört, erinnere mich aber, dass ich das nicht auf Grund von Schmerzen tat. Eine weitere Reaktion war das Gefühl um mich schlagen zu wollen, was ich aber unterdrückte, ebenso wie meine Wut, die ich in den Momenten austauschte gegen totale Anpassung, denn nur so, das wusste ich, würde es irgendwann enden.

Nachdem das Trommelfeuer, das „übers Knie legen, die Haar – Zieherei, vorbei waren, folgte die nächste Stufe: ich war an allem schuld, ich hatte Erwachsene so weit gebracht und ich musste mich bessern. Gut erinnere ich mich an viele Stunden weinend in meinem Zimmer, an die schluckende Angst nicht mehr geliebt zu werden weil ich mich wieder schlecht benommen hatte, weil ich ein schlechter Mensch war. Nicht umsonst wurde ich „der Tyrann, Monster, Nervensäge, Despot….“ genannt. Sowieso waren immer die Kinder an allem schuld, und je jünger, desto mehr. Das böse Kind, das seine Eltern zu Grunde richtet. Vermengt mit der vorhandenen Religiösität um mich, fühlte ich mich wie eine Sünderin, die immer Schuld hat.

Weitere Gebote und Verbote waren unter anderem, bloss nicht zu zeigen, wer man wirklich ist, denn das ergab in dem Familiensystem eine explosive Mischung, die darin gipfelte, für echte authentische Gefühle geschlagen oder veräppelt oder erniedrigt zu werden und sich danach schuldig fühlen zu müssen, dass man durch das blosse DASEIN und so sein wie man war „provoziert“ hatte und zur Sünderin auf der Suche nach Buße wurde.

Viel Zeit verbrachte ich weinend in meinem Zimmer, immer mit der Angst im Nacken, dass ich nicht mehr geliebt und daraufhin wieder (ich bin ein Adoptivkind in dieser Familie gewesen) verstossen werde. Ich wartete und hoffte und ich betete, dass man mich wieder in die menschliche Gemeinschaft, in die Familie aufnehmen würde und ich wurde sehr wütend, auf mich, weil ich so ein schlechtes Kind gewesen war.

Um das alles zu überstehen, passte man sich so gut an wie nur möglich, entsprechend der Rolle die einem zugewiesen wurde. Wie diese gestaltet war und wie und wer ich auf Grund dessen „sein“ durfte, musste ich jeden Tag wieder aufs Neue herausfinden, um nur ja nicht wieder die lebende Provokation zu sein.

Geschwiegen habe ich als Kind nicht! Oft überfielen mich Wutanfälle, auch in Situationen, die für die anderen lustig waren, wenn Worte fielen, die ich nicht verstand, wenn ich aufgezogen wurde, wie „sensibel“ ich sei, und vieles mehr, das ich auf Grund meines Alters nicht intellektuell, sehr wohl aber emotional verstehen konnte. Dieses gefühlsmässige Verstehen, diese bodenlose Ungerechtigkeit, die ich sehr wohl bemerkte, gegen die ich aber wie gegen eine Wand, machtlos war.

Meine Wut brach mein Schweigen, meine Wut brachte mir Bärenkräfte, meine Wut war meine Hilfe noch am Leben zu sein, denn ohne sie hätte ich nicht mehr existiert, wäre ich überwiegend ein erniedrigtes „Ding“ gewesen- aber das war ich nicht, auch wenn sich meine wilde, lebendige Persönlichkeit tief in mein Innerstes zurückgezogen hatte, um dort die Zeit bis zum Erwachsenenalter zu überleben.

Durch die Diskussionen um das Schweigen, durch das mutige Verlassen des Schweigens und des Sprechen Lernens ausgelöst, fiel mir nach und nach auf, wie oft ich in meinem Leben nicht geschwiegen habe, wie oft aber von mir eine andere Sprache erwartet wurde, die ich auf Grund der Gefährlichkeit von dieser Sprache für meine Existenz, aber nicht sprechen wollte.

Das Misstrauen war nicht nur deshalb tief eingebrannt, weil die Menschen, die es betraf es verdient hatten, sondern auch deshalb, weil es, wenn ich mein Schweigen auch wortlos brach, wieder und wieder bestätigt wurde.

Nicht zu Letzt ist die Reaktion auch der heutigen Umwelt, der Gesellschaft in der wir leben, den politischen Vorraussetzungen, die geschaffen wurden, alles andere als hilfreich!

Was kann passieren, wenn das Schweigen gebrochen wird, real, im Heute, in unserer Gesellschaft?

Ich zähle einige Möglichkeiten der von Aussen auf einen zukommenden „Risiken“ auf:

Verlust des Jobs

Verlust der Familie

Verlust von Freundinnen und Freunden

Verlust der Freundlichkeit von Nachbarn

Alleine diese vier Möglichkeiten können den Verlust des kompletten Sicherheitsnetzes bedeuten!

Weiter wären da:

Keine Möglichkeit mehr ein Mindestmass an Rechtsprechung, auch zur Sicherung der Existenz, auf der eigenen Seite zu haben, da Taten verjährt,

Riskieren von Anzeigen, da Taten verjährt,

Herzlose , eiskalte Sprüche „..ist doch so lange her… gib doch endlich Ruhe… hör doch auf….

Jetzt vergib doch endlich, das macht Dich heil…..“

oder auch

SCHWEIGEN, ignorieren….

Etikettierungen, Erniedrigungen

Oder überbordendes, entmündigendes Mitleid

Haltloses Unverständnis wenn man kein „angenehmes“ Opfer ist,

sondern über Eigenschaften verfügt, die ein armes, bedauernswertes Opfer nicht haben darf!

Sonst kann es nämlich wirklich nicht schlimm gewesen sein…..

Das Schweigen brechen können bedeutet, viel mehr Mut aufzubringen als viele andere Menschen es jemals tun müssen oder sich vorstellen können. Noch dazu ist Fakt, dass man etwas offenbart, für das man selbst gar nicht verantwortlich ist, sondern als Opfer eines Verbrechens! Behandelt wird man aber als wäre man selbst daran schuld!

Dieses Schweigen zu verlassen bedeutet sich unabhängig machen zu können von dem Sicherheitsnetz, bedeutet, dass man irgendwo anders einen Halt finden kann, und muss, der ausserhalb dessen liegt, was heute unsere Gesellschaft überwiegend immer noch ausmacht. Leider ist das eine Erfahrung die viele schon machen mussten und machen.

Durch die politische Arbeit von netzwerkB, die Mündigkeit, den Mut, die ich spüre, habe ich persönlich noch mehr Hoffnung bekommen, mein Schweigen zu brechen. Von Heute auf Morgen ist aber auch das nicht geschafft, denn meine eigene Sprache wiederzufinden bedeutet Vielfältiges.

Durch die lieben Menschen in meinem Leben und durch das netzwerkB und den Menschen, die netzwerkB sind, fühle ich mich gestärkt.

Das ist es nicht alleine, denn die grösste Solidarität erfahre ich von mir selbst, das ist mein starker Grundstein in mir, den ich immer hatte!

Aber ich brauche die Unterstützung von anderen, zu sehen, zu spüren, wir können etwas bewegen, für uns Betroffene, wir bewegen uns, wir ändern etwas! Damit das Schweigen zu brechen, unsere individuelle ureigene Sprache zu finden und zu sprechen, wie jeder Einzelne sie sprechen mag und kann, leichter wird! Zusammen ist vieles möglich!


Jetzt netzwerkB noch stärker machen …

 

25 Kommentare

  1. Lisbeth schreibt am :

    Liebe Beate,
    Lieben Dank für deinen so ehrlichen und persönlichen Beitrag.
    Ich kriege immer wieder die Krise, wenn irgendwelche Organisationen oder die Regierung oder wer-auch-immer mit noch einer weiteren Kampagne herauskommen, mit der im Grunde genommen nur eine Variation des Themas angeboten wird, dass Kinder doch ‘Nein’ sagen können.
    Ich sehe das als Verhöhnung von kindlichen Opfern an. Solche Kampagnen (und da kommt richtig Geld rein) sind auch ein komplettes Armutszeugnis dafür, dass diejenigen, die sie ersinnen, sich nicht wirklich mit der Thematik der Gewalt in Familien auseinandergesetzt haben.
    Der Verdacht drängt sich dann immer auf, dass sie sich eben mit der Familienthematik gar nicht auseinander wollen. Dann verkommen solche Präventionskampagnen zu einem Selbstschutz der Politik: man habe sich doch jetzt des Themas angenommen und die Betroffenen mögen wieder Ruhe geben.
    Da müssen wir alle gemeinsam dranbleiben, dass das mit dieser Ruhe nix wird!

  2. Eva schreibt am :

    Liebe Beate,
    Du hast die Gefühswelt sehr klar dargestellt, die andere verleugnen wollen.

    Wenn starke Persönlichkeiten auf Missstände hinweisen, gibt es eine starke Lobby der Täter im Bereich außerhalb der Familie , die alles leugnen.

    Zitat aus http://www.bucer.org/resources/details/bonner-querschnitte-232013-ausgabe-259a.html
    Resolution an den Bundestag

    „Menschenhandel und Sklaverei sind verboten. Trotzdem schätzen Experten, dass weltweit rund 27 Millionen Menschen nicht frei leben können und unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen. Europa ist dabei ein wichtiger Umschlagplatz und ein Zentrum des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Ca. 400.000 junge Menschen, vorwiegend Frauen, davon ein Viertel Minderjährige, werden jedes Jahr allein in Europa in der Zwangsprostitution vergewaltigt und versklavt. Es liegen hier Freiheitsberaubung, Folter oder Vergewaltigung vor, die Menschenrechte werden verletzt. Wir fordern, die Opfer bedingungslos zu schützen, ihnen Aufenthaltsrechte zu geben, die Sicherheitsbehörden besser für den Kampf gegen Menschenhandel auszustatten, Beratungsorganisationen finanziell abzusichern, die Täter härter zu bestrafen und den Menschenhandel endgültig zu beenden“.

    —-
    Hier ein Kommentar dazu von Prof Schirrmacher, dem Botschafter für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, die etwa 600 Mio. evangelische Christen vertritt,

    Der Norddeutsche Rundfunk hat heftige Kritik an dem „Tag gegen Menschenhandel“ während des Kirchentages geübt. Unfaßbar !

  3. Anna M. schreibt am :

    Daß Deutschland ein Paradies für solche organisierten Verbrechen ist, liegt an der von rot-grün verbrochenen Gesetzgebung, die Prostitution legalisiert, neulich gab es im Spiegel einen ausführlichen Bericht.
    Es ist löblich, daß sich der Kirchentag damit auseinandersetzt. Aber an das Thema Gewalt an der Familie wagen sich auch die Christen nicht, weil sie da mit dem 4.Gebot in Konflikt kämen.

    Vielen Dank, Beate für den fundierten und bewegenden Beitrag.
    Besonders bestätigen möchte ich folgende Sätze:
    „Das Schweigen brechen können bedeutet, viel mehr Mut aufzubringen als viele andere Menschen es jemals tun müssen oder sich vorstellen können. Noch dazu ist Fakt, dass man etwas offenbart, für das man selbst gar nicht verantwortlich ist, sondern als Opfer eines Verbrechens! Behandelt wird man aber als wäre man selbst daran schuld!

    Dieses Schweigen zu verlassen bedeutet sich unabhängig machen zu können von dem Sicherheitsnetz, bedeutet, dass man irgendwo anders einen Halt finden kann, und muss, der ausserhalb dessen liegt, was heute unsere Gesellschaft überwiegend immer noch ausmacht. Leider ist das eine Erfahrung die viele schon machen mussten und machen.“

  4. hildegard schreibt am :

    Das Dilemma fängt an im faktisch rechtsfreien Raum, in den „heilig gesprochenen“ Familien, in denen Gewalt jeder Art herrscht.
    Kein Mensch will den Fakt wahrhaben: Kinder haben keine Lobby, nicht in Deutschland und auch außerhalb nirgendwo – außer in Schweden. Staaten sparen am Schutz ihrer Kinder zugunsten einer florierenden Wirtschaft …

    Schulen (auch Ganztagsschulen!) OHNE AUSREICHENDES PERSONAL sind für viele überforderten Eltern eine Entsorgung ihrer Kinder, sind Alibi der Bildungs- und der Sozialpolitik. Über die Folgen bei angeschlagenen Kindern und Jugendlichen wird seit der Gründung der BRD nicht wirklich nachgedacht, wird tunlichst geschwiegen …

    Gewalt gebiert Gewalt, über Generationen …

    Die Botschafterinnen und Botschafter der Menschenrechte sagen es zwar auf Kirchentagen: Bordelle würden seltener kontrolliert, weil es zu wenig oder überlastetes Personal gebe …

    An der Humanität wird gespart. Das „Stimmvieh“ darf wieder einmal „wählen“ – und wer fordert mit uns ernsthaft die Konsequenzen aus dieser verfehlten Politik ein?

  5. klaraklara schreibt am :

    Danke Karl Görz für den Link.
    Dank meines mittlerweile gesellschaftlich schon etwas integrationsfähigeren Zynismus-Levels habe ich geschafft, den ganzen TAz-Artikel und die Unterseite „KOnzept“ auf der Webseite der Haasenburg zu lesen.

    Das ist jetzt also das staatliche Angebot für Jugendliche, bei denen die erlittene Vernachlässigung und Gewalt schon zu massiven Fehlentwicklungen geführt haben sollen. Übrigens gehört laut Webseite der Haasenburg zu den AUSSCHLUSSKRITERIEN: „massive, kriminelle Handlungen, die Strafvollzugsmaßnahmen erfordern“.

    In diesem Angebot scheint es vor allem darum zu gehen, die Unterwerfung unter die gesellschaftlichen „Autoritäten“ sicherzustellen. Sollte es dort wirklich Phasen mit längerfristiger Fixierung und Verbot, aus dem Fenster zu sehen, geben, beteiligen sie sich selbst noch an der Traumatisierung der Kinder. Rein athmosphärisch wird die Situation dort schon äußerst quälend sein und befragte Jugendliche bezeichneten rückblickend die Zeit dort als schlimmste Zeit in ihrem Leben.

    Auch im Falle von gewaltbereiten Jugendlichen frage ich mich, was das alles bringen soll, damit diese sich innerlich von Gewalt und Brutalität distanzieren und mit den Opfern der Gewalt Mitleid entwickeln könnten. ABer Gewalt ist halt keine Gewalt, wenn von den Mächtigen ausgeübt…
    MIr kommt es auch eitel vor – Erzieher werden vor Widerworten geschützt, der Gründer der Heime verewigt den Namen seiner Herkunftsfamilie … Auch auf pädagogische Fehlbehandlungen in anderen Einrichtungen wird angespielt … hoffe, zumindest diese Überheblichkeit wird der Haasenburg bald vergehen.

    Aber wichtiger ist mir:
    –> –> Es bräuchte mal eine Analyse der Probleme in der Jugendhilfe und Ansatz für eine Gegenbewegung aus „unserer“ Perspektive. Als Prämissen würde ich vorschlagen:
    – dass es auf Erfahrungen von Vernachlässigung und Gewalt angemessene Antworten/Angebote geben muss, zum Beispiel die Förderung des Erlebens eigener Handlungsfähigkeit, wie Judith Hermann empfahl, und auch sorgfältig überlegtes Eingehen auf Flashbacks und die Folgen der durch TRauma hochgetriebenen (oder dissoziierten) Emotionen, ob als Problem im zwischenmenschlichen Bereich oder als Schlafstörung. Schutz vor Tätternachstellungen etc..
    – Menschen können nicht dahin geschoben werden, wo Erzieher sie haben wollen. Sobald in Freiheit entscheidet jede(r) wieder selbstt, ob eine gewaltbereite Gang oder die Ausbildungsstelle attraktiver ist. Pädagogische und psychologische Konzepte müssen diese Realität berücksichtigen.
    – die Erfahrungen von „milden“ wie auch schweren MIsshandlungen sind in der Bevölkerung, in allen Altersgruppen, höher als man es oft wahrhaben will. Dies prägt das Aufwachsen der Kinder und Jugendlichen wie auch die Grundeinstellungen und Fähigkeiten, auf Trauamfolgen einzugehen, bei MItarbeiter_innen der Jugendhilfe. Aus- und Fortbildung sollten dazu beitragen, diese Umstände zu reflektieren, hilfreiche zwischenmenschliche Erfahrungen für traumatisierte Kinder und Jugendliche fördern und einer Weitergabe von selbst erlittenem TRauma im Rahmen der Jugendhilfe weiteren raumatisierung der nächsten Generation entgegenarbeiten.
    – dass das Bedürfnis von Kindern nach respektvoller Zuwendung und individuellem Eingehen größer ist, als eine Vernachlässigungskultur wahrhaben möchte
    – und vieles mehr

    Ausgehend von solchen Prämissen und unter Zuhilfenahme von Betroffenen- und Praxiserfahrungen und Forschungsstand würde ich gerne Zustände in der Jugendhilfe analysieren und Forderungen im Interesse der Betroffenen aufstellen.

    Zu diesem Themenbereich überlege ich, mich mit Leuten in einer AG zusammen zu tun. Ich möchte NeztwerkB eine Mail-Adresse mitteilen, unter der ihr euch dann hoffentlich bei mir melden könnt, wenn ihr Interesse habt.

    Muss dazu noch sagen, zu meiner eigenen Betroffenheit: diese besteht sowohl aus selbst erfahrenen Traumen der Kindheit als auch im Problem, in einem Helferberuf auf diesem Arbeitsmarkt bei den gegebenen Zuständen in Jugendhilfe und Psychiatrie, eine Arbeitsstelle zu finden, in der ich nicht die „permanente Aneckerin“ bin, und ich suche auch andere Arbeitslose oder sich beruflich schwer Tuende in einer ähnlichen Situation zur gegenseitigen Unterstützung.

  6. hildegard schreibt am :

    @ Karl Görtz
    … Deutschland im 21.Jahrhundert – aus den Augen von Lobbyisten springen $- und €-zeichen über in die der Politiker und trüben deren Blick aufs Ganze.

    Erzieher und Lehrerinnen, Sozial- und Pflegepersonal werden von der Politik „verbrannt“ für ein mehr als fragwürdiges Bruttosozialprodukt.

    Mit den überstrapazierten Erzieherinnen und Lehrern, dem unterbezahlten Sozial- und Pflegepersonal wird sich eines Tages ein großes Bündnis gegen Gewalt bilden müssen.

    Wer einst mit seinem Ideal im Herzen in den Erzieher-, Lehr-, Sozial- oder Pflegeberuf einstieg, der muss vor der gesellschaftlichen Gleichgültigkeit und den daraus folgenden Zwängen kapitulieren, wenn er/sie nicht krank werden oder kriminell entarten will.

    Lasst uns auf eine zentrale Still-Steh-Demo gehen, still stehen, sehen was aus einem Alltags-Protest gegen Grund- und Menschenrechtsverletzungen in diesen verantwortlichen Jobs mit all den verlorenen MENSCHEN wird.
    Der Pariser Platz der Hauptstadt wäre jetzt eine gute Adresse; das von Frau Schröder und Herrn Schäuble so sehr hoch-gelobte Familiensplitting kommt SICHER NICHT bei diesen bedauernswerten vernachlässigtsten Geschöpfen an!

    PolizistInnen werden sich solidarisch zeigen ohne den Einsatz von Pfefferstray und Wasserwerfern – sie dürfen derweil unterm Brandenburger Tor über ihre Ideale meditieren …

  7. klaraklara schreibt am :

    zu meiner Idee mit der AG: es müssten zwei Gruppen sein, jeweils Analyse und Forderungen aus Sicht von NetzwerkB sowie die von mir persönlich gewünschte Gruppierung zur gegenseitigen Unterstützung im Arbeitsleben. Beides sofern Interese vorhanden.

    Leider gibt es oft EInschränkungen in der verfügbaren Zeit, also stelle ich mir vor, irgendwie niedrigschwellig anzufangen, mit lockeren Verabredungen oder durch Auswahl eines kleinen Themenbereiches, den wir dann auch bearbeiten können.

  8. klaraklara schreibt am :

    Beates Beitrag hat mich übrigens auch sehr angesprochen. Mir erscheint ihre Denkweise in unserer Gesellschaft selten und es freut mich, dass sie in NetzwerkB so stark vertreten ist.

  9. klaraklara schreibt am :

    @ Hildegaard
    mir erscheint es nicht so klar, dass es da eine große Menge Idealismus unter Erziehern u. in den helfenden Berufen gibt, der nur in REaktion auf die äußeren Bedingungen geopfert wird. Bestimmt GIBT es das Aufgeben von Idealen und unterschiedliche Formen vor Kapitualation „an der Basis“ häufig, weil auch häufig die Vorgaben „von oben“ etwas anderes nicht mehr erlauben.
    ABer eine Rolle spielt aus meiner Sicht auch, dass Leute noch ihre eigenen Eltern idealisieren und dass ihre innere Abwehr davor, wie die Dinge aus der Perspektive der Kinder, der Betroffenen mit Hilfebedarf etc. erlebt werden, groß ist. Das haben sie oft auch mitgebracht ins Berufsleben, auch das prägt die Strukturen, die sich dann in den Institutionen bilden.
    Ist sicher immer wechselseitig das alles.

    Meine Vorstellung ist, dass wir Betroffenen und wir Menschen, die sich bemühen, mehr Empathie mit den inneren und äußeren Kindern zu entwickeln als es die Täterdominanz in der Gesellschaft erlaubt, uns erstmal selbst organisieren und Forderungen aufstellen. Dann können wir kucken, welche Gruppierungen es schon in der Jugendhilfe und verschiedenen helfenden Berufen gibt, die uns nahe stehen und mit denen wir uns dann verbünden können.

    Wie oft wohl die Kapitulation in den besagten Berufsgruppen darin bestand, das Leute das Feld ganz verlassen haben?
    Tja, Gruppierungen, Interessengruppen, behandelte Problembereiche lassen sich oft nicht so scharf eingrenzen …

  10. klaraklara schreibt am :

    @Hildegard
    Die Idee mit der Still-Steh-Demo gegen Menschenrechtsverletzungen in helfenden Berufsfeldern finde ich gut 🙂

  11. ellez wahr schreibt am :

    Stille Demo , finde ich eine wunderbare Aktion und ein sehr kreatives Werkzeug…ebenso ein Zeichen , der vllt weltweiten Verbindung der Menschen in diesen Zeiten, unabhängig von der Art des menschl/staatlichen Unrechts

  12. hildegard schreibt am :

    @klaraklara … mag ja sein, dass es auch andere Motivationen gab zu diesen Berufen …

    Mitfühlende, mitdenkende Beobachter wurden früher als Hexen und Ketzer verbrannt – heute unternehmen sie oft genug ‚Kopfstände‘ gegen den Oberflächen-Zeitgeist der satten Wohlstandsgesellschaft – ohne Rücksicht auf eigene Nachteile. Sie möchten ein Stück der Welt retten, in der sie leben und wissen um die schaurigen Abgründe menschlichen Geistes (der immer zu früh verwüstet wurde) …

    NOCH nennt uns kein Machthaber „Terroristen“. Noch weist die Schutz-Polizei nur auf Bannmeilen hin und verhängt Verwarnungen an netzwerkB. Noch setzen Nationen nur in anderen Staaten Drohnen gegen (vermeintliche) „Terroristen“ ein …

    Die Sprachenverwirrung über Begrifflichkeiten trübt den Verstand, beraubt Menschen ihrer Rechte, bringt Menschen um, kann leicht eine Welt in Brand setzen …

  13. mareen schreibt am :

    „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen. Es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei!“ – (unbekannter Verfasser, kompletter Liedtext und Hintergrund)
    „Ich kann mit meiner Familie und Freunden über Gott und die Welt reden, aber nicht mit Gott und der Welt über meine engsten Verhältnisse.“ – Mathias Richling
    „Privatsphäre ist wie Sauerstoff – man schätzt sie erst, wenn sie fehlt“ – John Emontspool

  14. Karl Görtz schreibt am :

    Man kann noch einmal neu anfangen, sagte mir einmal eine Vertraute. Das war vor ca. 13 Jahren. Ja, das stimmt. Aber es schmerzt, nicht als die Persönlichkeit in meinem Umfeld wahrgenommen worden zu sein, die ich wirklich war. Ich war der Schweigsame, der, der seinen Mund nicht aufmachte, und so kannten sie mich auch nur. Arbeitgeber waren für mich ein gefundenes Fressen, unbewusst meines Leidens. Arbeit half mir bestens zu verdrängen, jedenfalls in jungen Jahren und das seit Jahrzehnten. Wurden so schon immer schweigsame Sklaven gemacht? Ich versuche bis heute jeden Tag zu verdrängen. Das Erlebte als einen Teil meines Lebens zu akzeptieren geht einfach nicht, liebe Experten. Die Politik hofft darauf, sie spielt auf Zeit und braucht nur abzuwarten bis ich dement bin, alles vergessen habe und im Altersheim oder im Grab liege. Das ist deren Strategie. Abwarten, bis ich wieder ruhiger werde, bis ich wieder schweige. Bis jetzt jedenfalls noch nicht, liebe Experten. Und wenn ihr Politstrategen mich später im Altersheim besucht, werde ich euch meine Briefwahlstimme als Ablass für ein Himmelreich jedenfalls nicht geben.

  15. Realmenschin schreibt am :

    Lieber Karl Görtz, Danke!
    Wie gut auch ich das kenne: nicht als die Persönlichkeit wahrgenommen zu werden, die man eigentlich ist!
    Das bringt es sehr auf den Punkt, was einen doppelt festlegt, ettikettiert, und man hat nicht, oder sehr lange nicht, die Möglichkeit diese vielen anderen Eigenschaften zu zeigen, weil man von der sexualisierten Gewalt und aller Gewalt immer noch daran gehindert ist!
    ENTFALTUNG der Persönlichkeit, was ein Ding der Unmöglichkeit war. Sprachlosigkeit, nicht nur ein Fehlen der Sprache, sondern auch des kostbaren Vertrauens, das einst da war und von Erwachsenen zermalmt wurde. Wiedererlangen kann ich es in der Form nicht- aber manches wächst wie eine zarte Pflanze, trotzdem schaue ich mehr als viele andere um mich, ob da wieder riesige Treter kommen, die sie unter sich begraben werden. Dieses durch reale Taten verursachte Misstrauen wird nie ganz verschwinden.
    Ja, in der Politik muss und wird sich noch vieles tun, durch unsere Stimme und Bewegung!

  16. Bärbel schreibt am :

    zu Karl Görtz——
    die Familie—–Heute ist mir durch Erlebtes der vergangenen Woche bewußt geworden,

    vieles lernen und lernten wir,und Fehler machen wir Alle,
    es müßte auch Unterrichtsfächer geben ,auch für das Miteinander und Füreinder,
    alte Strukturen und Systeme,Traditionen müßten überdacht werden,Religonen sind nur dann gut,wenn sie die Werte nicht nur schreiben sondern auch umsetzen,

    nun bin ich 70 Jahre und lerne jeden Tag hinzu,
    vieles aus meiner Kindheit habe ich bis Heute übernommen,
    so entstand ein Fehlverhalten ,
    so frage ich mich denn jetzt,warum konnte mir das alles passieren!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Mit 11 Jahren war ich ein angepasstes Kind,
    und dieses Verhalten habe ich mitunter Heute noch,
    bin oft verunsichert,
    fange an mich zu wehren,
    Familien müssten gestärkt werden,in jeglicher Hinsicht,
    damit ein kindgerechtes Umfeld entstehen kann und bleibt,
    starke Eltern ,starke Kinder,
    ach ,mit so wenigen Mitteln und unterstützenden Massnahmen
    könnte so vieles vermieden werden,
    das Fehlverhalten zieht sich auch in meiner eigenen Familie fort,so geschieht es in der 4.Generation,
    dass meine Kinder vor Gericht über mich gerichtet hatten,
    und beantragt hatten,dass mir meine Tochter wegnehmen soll,
    dazu hatten sie auch Vorbilder durch die Familie,
    so wurden sie mir entfremdet,und so ist diese psychische Gewalt als Vorbild an der eigenen Mutter umgesetzt worden,
    Es ist nicht leicht,jeden Tag das Gute und Schöne zu geniessen,Menschen die ich seit Kurzem kenne,
    nehmen mich so an wie ich bin,auch mit meiner behinderten
    Tochter,die nun wieder bei mir lebt——-
    ich ziehe Grenzen,denn die Bemühungen um ein Miteinander mit den älteren Kindern war vergebens….,
    so versuche ich ,in kleinen Dingen ,Anderen eine Freude zu bereiten,manchmal sind es die Menschen in unserem Umfeld,
    und es kommt viel Freude zurück

  17. Sabine schreibt am :

    Ja, es ist so.
    Ich habe alles verloren, Familie, vermeintlich gute Freunde, arbeiten kann ich schon lange nicht mehr, die kleine befristete Rente für mein versautes Leben, was ich so nicht haben wollte, weil es mir Andere zerstört haben.
    Geblieben sind mein Mann auf den ich unendlich stolz bin, der zu mir steht wie ein Fels in der Brandung, meine beiden alte Hunde und 2 – 3 Freunde, die auch wirklich solche sind und zu mir halten.
    Meine Familie habe ich abgeschrieben.
    Schon mit 5 Jahren sagte ich immer wieder, das ich kein Mädchen sein will. Ich hatte meine Gründe aber das hat niemanden interessiert. Egal, Schwamm drüber, ich muss mein eigenes Ding hier machen.

  18. Bellady schreibt am :

    Zum Thema „moderne Sklaverei“ Diese schafft unser
    Gesundheitssystem selbst, indem es sich benimmt wie die drei Affen, weil die Täter wegen allem zum Arzt
    gehen, nur nicht wegen ihrer Haupterkrankung, der
    Depressionen, die ihre Leistung beinträchtigt und diese dann von andere eingefordert wird !

    Lasst euch also nicht so sehr durch eure Therapien
    blenden……

  19. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Bis heute habe ich nicht verstanden warum wir beim Brechen des Schweigens heute wieder ausgegrenzt werden und dadurch Freunde,Familie und Job etc. verlieren. Ist es wirklich so das man uns immer noch die Schuld für die sexuelle Gewalt gibt und deshalb so mit uns umgeht?Eine andere Erklärung habe ich dafür nicht wirklich.

  20. hildegard schreibt am :

    Alle Gewalt hat es an sich totgeschwiegen zu werden, das Opfer für die Tat verantwortlich zu machen, den Sündenbock in die Wüste zu schicken und/oder umzubringen.

    Machtmissbraucher haben es an sich auf Kosten der Unterdrückten sich selbst zu behaupten, über Leichen zu gehen, und die müssen unbedingt in den Kellern bleiben.

    Das Schweigen zu brechen wird als Nestbeschmutzung wahrgenommen, heißt Tätern und Mitwisserinnen die Maske abzureißen – und bloßgestellt schlagen sie ungehindert zurück, weil keiner die nötigen Grenzen setzt, weil falsche Gesetze existieren, weil der Staat versagt.

    Die neuesten Zahlen sagen ja alles über diese verkommene Gesellschaft (s. http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2013-07/kinder-misshandlung-statistik-jugendaemter)

    Gerechtigkeit hatte er sich als Kanzlerkandidat vorgenommen – Steinbrück wird viel Arbeit vorfinden, wenn er das Thema wirklich ernst nehmen wollte und könnte mit sehr klugen Köpfen und Konzepten vielleicht für uns glaubhaft und wählbar werden. Er braucht dazu eigentlich nur in unsere Forderungskataloge zu gucken … 🙂 – wir befinden uns voll auf sozial-demokratischer Linie und bringen unsere freiheitlichen Wertevorstellungen gleich mit … – worauf warten Sie noch, Herr Steinbrück?

  21. Eva Phoenix schreibt am :

    „das mir damals half…ich ging einfach aus meinem Koerper raus“
    „und dann machte es „Schwupp“ und ich spuehrte… nicht mehr“:

    Auch ich endeckte ,dass ich da „was in meinem Kopf machen“ konnte und „schwupp“ gingen mich meine Schmerzen gar nichts mehr an.

    „..unertraegliche Schmerzen, von den Menschen denen ich vertraute und die ich liebte, … Gewalt zu erleben.“:

    Und „schwupp“ ging ich da aus meiner Seele raus, and mich gingen meine seelischen Agonien (das nicht gewuenscht werden, das nicht geliebt werden, das gehasst werden, das verlassen werden, das verraten werden, das zum Gegenstand gemacht werden, das mein Leiden uebersehn, das meine Schreie nicht hoeren wollen, , das Mitleid versagt werden, das Gerechitgkeit versagt werden, das zusaetzlich in die Rippen getreten zu werden, wenn man als halbverhungertes 7 jaehriges Kind zu Tode verletzt auf dem Boden liegt) gar nichts mehr an. Der Teil von mir liegt noch heute tief unter dem Gestein der groessten Burgruine Deutschlands. Sie atmet noch ist, aber in einem tiefen Koma.

    Ich selbst, der andere Teil von mir, den es mir geglueckt ist zu retten, meine seelische und koerperliche Aussenhaut sozusagen, jedoch ist zweigespalten durch das Leben gehumpelt, amputiert. Wie ein Salamander, der den Schwanz verloren hat, aber einen Ersatzschwanz nachwachsen lassen konnte, hab ich mir ein zweites „Selbst“ aufgebaut, (ohne mein vorheriges Selbst, das ja immr noch tief unter dem Gestein liegt, alterslos und bleich) Das ist die Eva, von der alle meinen sie sei die gleiche Eva, die sie „zuvor“ gekannt haben. Selbst ich habe das lange geglaubt. Bis ich entedeckt habe, dass das der Teil ist, der mir fehlt und der Teil ist, der mir weh tut und der mich immer wieder zum Stolpern bringt. Wer bin ich eigentlich, ohne die Eva die im Gestein verschuett gegangen ist? Wer Bin Ich ? Die Eva ist auf der anderen Seite eines tiefen, unueberwindlichen Abggrunds gefangen . Und ich bin auf dieser Seite, ich esse, ich fahre Auto, ich beantrage OEG, ich fuettere meine Katze, ich maile, ich spreche mit Leuten aber die andere Eva. Mein anders ich jedoch liegt unbewusst woanders.

    Wer Bin Ich ?

    Ich habe Himmel und Hoelle bewegt, um sie dort rauszuholen, um uns wieder zu vereinigen. Aber sie liegt immer noch unter dem Gestein, mit geschlossenen Augen und ihre Brust hebt sich und senkt sich immer noch ein bisschen.

    Kuerzlich habe ich das Schreiben entdeckt. Ich schreibe, wie mir es in den Sinn kommt. Ich zensiere mich nicht. Es schreibt sich ganz von allein. Meine Stimme in mir weiss genau was sie sagen will. Und ich schreibe was sie sagen will, egal ob andere , meine Hoerer, das gut oder schoen finden oder hoeren wollen oder nicht. Ich bin ein flinker und williger und geschmeidiger Amenhotep. Ich, die Aussenhaut Eva, folge meinen Impulsen, und sage was ich will und zu sagen habe, und Eva im Gestein, ihre Wangen fangen an, sich zu roeten, sie bewegt einen Arm. Wir kommen uns naeher, ja, sie sitzt neben mir und sie fluestert mir ein, solange ich meinen Impulsen folge und mich nicht selbst zensiere, und wir schreiben gemeinsam. Lippizaner und Reiter gehen durch die Hohe Schule, eine Einheit . SIe ist noch stumm, aber ihr innere Stimme teilt sich mir mit. Vielleicht sind ihre Impulse und meine Impulse die gleichen, vielleicht sind sie eines.

    Und dann fing ein Wunder an, zu geschehen. Ein paar Menschen wollten eigentlich hoeren, was ich da zu sagen habe. SIe wollen es unzensiert hoeren. Grad so wies mir in den Sinn kommt. Sie habens gehoert, sie habens aufgenommen, Sie wollen mehr davon hoeren.Sie antworten mir. Sie sprechen mich an.

    Meine Worte sind kein Echo mehr, das im Wald tot verhallt. Meine Worte werden aufgenommen von anderen, lebenden, atmenden Menschen, und die Menschen haben Worte , die aus ihrem eigenen inneren Selbst kommen, und die auf mein Gemeintes antworten.

    Meine Eva fangt an, rosig zu werden. Vielleicht kann ich ihr bald die Hand geben und dann steht sie auf . Und dann sind wir Eins. Dann sind Aussen und Innen das Gleiche. Und dann sind wir zuhause.

    Danke, Beate

    Fuer Deine Worte, Deine Klarheit, Dein Ueberleben ohne verdorben zu werden. Du hast Dein innerstes Sein gut geschuetzt ,Du bist ihm treu geblieben, Du hast es bewahrt. Deine Worte fliegen wie Tauben, und sie finden die trockene Bergspitze, mit einem Zweig im Schnabel.

    Eva Phoenix

  22. Bärbel schreibt am :

    Liebe Eva,
    gerade habe ich über das Leid in Ihrer Kindheit erfahren,es hat nich berührt,traurig gemacht,ob der Grausamkeit an dem Kind…….
    ich war ein schwieriges Kind,ich denke ,dass mein Umfeld ob der Kriegsjahre und der Nachkriegszeit überfordert war,mit etwa 10 Jahren war ich ein angepasstes Kind…………..
    Dieses Verhalten hat mich bis Dato in schwierigen Situationen nicht verlassen,diese Schutzmassnahmen,sind sehr stark,so ist man zerrissen,
    was mich zunächst stumm machte ist,als Erwachsene,und Mutter von 4 Kindern,war,das zu Erkennen,dass man von den Menschen.die man doch liebt,so verletzt werden kann,wenn es doch nicht die körperliche Gewalt war,
    doch die zerstörende seelische Gewalt,also ,die nicht tätliche Gewalt,so wurde ich wieder zu dem Kind ,von 10 Jahren,hilflos,erschreckend stumm,nach aussen ,hin funktionierend,das liebe brave Kind,
    aus diesem Loch heraus zu finden,war ein mühevoller langer und schmerzvoller Weg,der zum totalen Zusammenbruch führte,
    die Erkenntnis ,dass es meine eigene gegründete Familie war,und meine älteren Kinder,die vor Gericht Klage erhebten,mir meine behinderte Tochter weg zu nehmen,dass konnte ich hier im Forum schreiben,diese älteren Kinder waren dazu fähig,im Trauerjahr ihrer Schwester,diese Kinder ,die ich liebte,die ich nach ihren Suizidversuchen,aufnahm und pflegte,daran bin ich zerbrochen…..sie handelten an ihrer Mutter weil sie Vorbilder hatten,im Umgang mit mir,

    Heute bin stolz,hier den Weg gefunden zu haben,auch meine Gedanken in Worte zu fassen,
    und bedanke mich erneut ,ich habe die Kraft gefunden ,aufzustehen,und für die Rechte der Kinder/Schutzbefohlene/Behinderte,zu kämpfen ,
    ja es ist toll,dass es den Verein gibt,
    es ist nie zu spät,nächste Woche werde ich 71 Jahre,
    ich fühle mich.als wenn ich Flügel bekommen hätte,
    mein Leben in die Hand zu nehmen,und nach vorne zu schauen,
    denn ich bin ein liebevoller und wertvoller Mensch

  23. hildegard schreibt am :

    Eva Ph., danke für deine persönliche Darstellung!
    Wie gut du dir deine ursprüngliche Empfänglichkeit bereits zurück erobert hast zeigt deine Beschreibung des Zustandes von zerrissenen Kinderseelen, hier von „Eva im Gestein“. Ein sehr zutreffendes Bild für das, was die schrecklichen Verbrechen in uns zerbrachen:
    Den Zugang zu uns selbst, das Vertrauen in die Mitmenschen – und oft genug auch den Glauben an eine gute Gottheit, eine in jedem Kind angegelegte quasi-religiöse Dimension, die dies alles zusammenhält!
    Wenn das nicht MORD ist an der Kinderseele – was dann?
    Wie viele wohl diese Brüche, den Seelenmord nicht überlebten – wer weiß …

    Wir stehen staunend vor einem perfekten Zerstörungswerk, das die Kirchen nicht nur zuließen, mit dem die Religionen und die Staaten sich ABHÄNGIKEITEN schaffen konnten – auch noch in den Demokratien, bei angeblich freien Bürgern und Bürgerinnen …

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