Davon haben wir gewusst

29.06.2013: DIE WELT

Andreas Huckele machte den Missbrauchskandal an der Odenwaldschule öffentlich. Jetzt fragt er: Was ist seither besser geworden?

Im vergangenen Jahr wurde Andreas Huckele mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. Wenn man weiß, was ihm widerfahren ist, wünscht man sich, das wäre ihm erspart geblieben: Denn die Auszeichnung für sein „seltenes Beispiel von Mut“ galt einem Buch, in dem Huckele – noch unter dem Pseudonym Jürgen Behmers – detailliert von dem sexuellen Missbrauch erzählte, der ihm und anderen an der Frankfurter Odenwaldschule angetan wurde.
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2 Kommentare

  1. Realmenschin schreibt am :

    So ein mutiger Mensch, Andreas Huckele! Nicht nur mutig, auch ganz klar und klug! Warum machen sich die Politiker, all die Zuständigen, aber auch wir, die wir im Täglichen mit anderen Menschen, mit Kindern zu tun haben, egal in welcher Weise, warum machen wir uns diese Gedanken nicht und ziehen die vor uns auch in Andreas Huckeles Buch so klar aufgezeigten Konsequenzen??
    Mehr klare und deutliche und praktisch umsetzbare Hilfen zur konkreten Veränderung kann es kaum geben!
    Ein Zitat aus dem wunderbar beherzten und aufrüttelnden Artikel über Huckeles Buch : „Man weiss auch mit fest verschlossenen Augen“ !
    Ich möchte noch anfügen: verschlossene, vereiste Herzen! Diese Schlüssel zu finden, in die Hand zu nehmen, die Schlösser vom Rost des Schlafes der Verdrängung befreien und dann zu öffnen! Die Augen würden automatisch aufgehen!
    Da möchte man einfach immer wieder aus dem Schlaf rütteln und immer wieder sagen: AUFWACHEN! Das ist auch unsere Aufgabe, die, die wir wach -geworden- sind! Immer wieder! Egal wie lange es andauert!

  2. Anna M. schreibt am :

    Ich finde den Titel „Davon haben wir gewußt“ sehr gut gewählt von dem „Welt“-Journalisten, weil er Assoziationen herstellt zu „Wir haben nichts gewußt von der Judenvernichtung“.
    Es ist das gleiche Wegschauen, Wegducken.
    Verbrechen geschehen, WEIL weggeschaut wird. Im Schutz der Millionen WegschauerInnen.
    Es ist gut, diese Mechanismen immer wieder klar zu machen.

    Wegschauen ist TÄTERSCHUTZ!

    Und warum haben Millinen WegschauerInnen nicht den Mut, hinzuschauen? Weil sie in der Angst vor ihren gewalttätigen Eltern steckengblieben sind, Taucht dann im Erwachsenenalter wieder ein (Gewalt) Täter auf, kommt die alte Angst zum Wirken und führt zum Wegschauen. Im Bezug auf den Nationalsozialismus wurde dieser Hintergrund sehr gut im Film „Das weiße Band“ gezeigt: Hitler konnte direkt an die gewalttätigen Eltern seiner ganzen Anhänger anknüpfen und seine gewalttätigen Pläne durchsetzen.

    Daher führt leider kein Weg daran vorbei, sich mit autoritären Erziehungsstrukturen auseinanderzusetzen, wenn man eine „Kultur des Hinsehens und Beistehens“ pflegen will.
    Am Anschauen des eigenen biographischen Horrorfilms kommt niemand vorbei. Leider.
    Und da sich die meisten Menschen weigern, diesen Horrorfilm anzuschauen, habe ich auch nicht viel Hoffnung, daß sich da von innen heraus, aus der Gesellschaft selbst etwas verbessert an der Hinsehkultur. Diese Kultur braucht Impulse von der Gesetzgebungsseite.
    Schweden ist hierfür ein gutes Beispiel. Dort wurde jegliche Gewalt gegen Kinder konsequent 1980 gesetzlich verboten und gleichzeitig aufgeklärt. Die nachfolgende Generation ist mit einem ganz anderen Bewußtsein aufgewachsen. Mit einem AUFGEKLÄRTEN Bewußtsein.
    Schweden geht noch weiter mit der Bekämpfung von Gewalt, und das ist mindestens genau so bemerkenswert:
    Prostitution wurde 1999 per Gesetz verboten. Und zwar werden nicht die Prostituierten sondern die Freier bestraft. Das ist der einzig wirksame Weg, das Problem auf Dauer zu lösen. Seit 1999 wachsen Kinder, besonders Jungen mit dem Wissen auf, daß Prostitution verboten ist und daß man einfach nicht zu Huren geht.
    In Deutschland hingegen wird daran gearbeitet, Prostitution weiter zu legalisieren und den Beruf zu einem „normalen“ Beruf zu machen. Wie sich das wohl prägend auf einen kleinen Jungen auswirkt?
    Mindestens 73 % der Prostituierten haben in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt erfahren und setzen dieses Trauma als Erwachsenne mit dieser „Berufswahl“ (die keine freiwillige Entscheidung ist) fort.
    Daher ist es absolut konsequent gleichzeitig gegen Gewalt an Kinder und Prostitution politisch vorzugehen.

    Achtet also auf die PolitikerInnen, die eine weitere Legalisierung der Prostitution fordern! Wählt sie bzw. ihre Partei nicht!

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