Das Gehirn zeigt Erlittenes

22.07.2013: Frankfurter Allgemeine

Traumata in der Kindheit, etwa sexueller Missbrauch, führen zu gravierenden Umbauten des Hirngewebes. Wie genau sich das Gehirn verändert, zeigt jetzt eine Studie der Charité. Von NICOLA VON LUTTEROTTI

Erschütternde Kindheitserlebnisse hinterlassen in der Regel bleibende seelische Wunden. Die Folgen können etwa Depressionen, Angsterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen sein. Ursächlich sind hierfür einerseits epigenetische Steuerungssysteme, die bestimmte Gene dauerhaft aktivieren oder abschalten. Wesentlich beitragen könnten hierzu aber auch strukturelle Anpassungsprozesse im Gehirn. Denn Traumata führen offenbar zu ganz spezifischen Veränderungen der Hirnarchitektur. Hierfür sprechen unter anderem die aktuellen Erkenntnisse einer internationalen Forschergruppe um Christine Heim vom Institut für Medizinische Psychologie an der Charité in Berlin. Der neuen Studie zufolge scheint die Hirnrinde von Frauen, die in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch oder emotionale Qualen ertragen mussten, an bestimmten Stellen ungewöhnlich dünn zu sein – und zwar in Bereichen, die von den einschneidenden Erfahrungen unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen wurden. Weiter lesen…

33 Kommentare

  1. Anni Rock schreibt am :

    Ja, aber was bringt das jetzt für Betroffene?
    Irgendwie doch nix außer kontrollierbar erkrankt zu sein und wenn nicht diesem Muster entsprochen wird, dann wird man als Spinnerin veruteilt, oder wie?
    Kann das eine/r mal erklären? wir verstehen das nicht.

  2. klaraklara schreibt am :

    Ich finde es schon intereessant. Die Leute von der ´gesellschafftlichen Abwehrfront` tun immer so, als ginge es nur um eingebildete oder aufgeblasene Probleme, wenn die Misshandlungsopfer klagen. Das Leid ist aber REalität. Wäre es auch ohne die Folgen im Gehirn, aber mit diesen ist halt die Realität der MIssbrauchsfolgen noch schwerer zu leugnen (was natürlich hartnäckige Täterloyale nicht beeindrucken wird).

    Ich weiß nicht, ob mein oder dein Gehirn so ähnlich aussieht, wie das von den Betroffenen in der Studie, und davon sollten auch juristische Folgen von sexueller Ausbeutung nicht abhängig gemacht werden.

  3. Eva Phoenix schreibt am :

    @ Anni Rock

    Jemand, der einen anderen Menschen als Spinner bezeichnet oder einstuft, , insbeosndere einen Traumatisierten, ist nicht wissenschaftlich und ist hartherzig. Insbesondere wenn dies jemand ist, der sich als Helfer fuer Traumatisierte ausgibt. Wenn Sie so jemandem begegnen, vermeiden Sie am besten diese (n) Menschen. Menschen die so fuehlen,denken und sprechen sind im Mittelalter gefangen und sind keine zu respektierende Ansprechpartner.

    Ich wuensche Ihnen bessere Erfahrungen mit anderen Menschen, einschliesslich Helfern.

    Betreff: Gehirnveraenderungen durch Trauma

    Zu den von der Gruppe um Christine Heim (CHarite) gefundenen Schaedigungen der Cortex durch Trauma ,kommen auch andere , bereits frueher identifizierte Gehirnschaedigungen und hormonelle Schaedigungen.

    Der Amerikanische Wissenschaftler Dr. Thomas Insel (heute Leiter des Amerikanischen National Institute of Mental Health)
    hat vor Jahren bereits den sogenannten PTBS Regelkreis identifiziert. Zu diesem Regelkreis gehoeren Praefrontale Kortex, Amygdalen, Hippocampus.
    Trauma beschaedigt diesen Regelkreis (d.h. es verursacht einen nachweisbaren physiologischen Gehirnschaden in diesem Teil des Gehirns) , es verdichtet die Amygdalen, und vergroessert den Hippocampus, so dass diese nicht mehr richtig funktionieren koennen. Nicht traumatische Ereignisse werden ueber die Amygdalen, die sie entweder mit emotionalem Stellenwert behaften oder nicht, an den Hippocampus weitergeleitet, der diese dann als Erinnerungen in ein Zeitgeruest einfuegt und in Sprache umsetzt. Wenn diese zwei Dinge erfolgt sind, koennen die Erinnerungen ueber den Hippocampus archiviert (oder fallengelassen) werden, und nach Wunsch dort abgerufen werden. Traumatische Erinnerungen bleiben sozusagen in den Amygdalen stecken (ich stelle mir das so vor, dass die Amygdalen sozusagen vom Blitz getroffen jetzt einen Kurzschluss haben); die traumatischen Ereignisse koennen dann nicht ueber den Hippocampus verzeitlicht und versprachlicht werden, sondern brechen unkontrolliert bei bestimmten Konstellationen von Erinnerungsfetzen in das Bewusstsein (Flash Backs), einschliesslich nachweisbarer und messbarer koerplicher Veraenderungen wie Blut druck, Puls rate, u.a.

    Die Wissenschaft weiss inzwischen auch, dass auch die HPA achse (Hypothalamus-Hypophyse-Nebennieren/Stress achse) von Trauma geschaedigt wird, und langzeitig kompromitiert wird. Auch sie kann dann nicht mehr richtig funktonieren , weshalb Menschen mit PTBS zwischen einem Zustand mit zuviel Cortisol oder zuwenig Cortisol hin und her flippen koennen, und der natuerliche diurnale Cortisolrhythmus gestoert sein kann. Auch der Schwellwert (set point) fuer das Anspringen der Stressachse kann geschaedigt sein, weshalb Menschen mit einem PTBS wenig balastbar sind (bei allen Formen von Stress egal ob koerperlich, seelisch, emotional, mitmenschlich, in Belangen der Lebenssicherung, selbst Weltbild und -sinn)

    Wenn mit dem Trauma grosse physische Schmerzen verbunden waren, dann kann auch das Zentrale Nervensystem langzeitig kompromittiert sein.

    Neuere Forschung hat nachgewiesen, dass (im Gegensatz zu der frueheren Annahme) Neurogenese im Gehirn waehrend des ganzen Lebens moeglich ist. Neurogenese wird insbeosndere durch Sport und Bewegung angeregt, insbesondere in den Amygdalen und dem Hippocampus.
    Deshalb sollte fuer jeden Menschen mit einem PTBS
    ein lebenlanges Programm taeglicher aerobischer Uebungen Teil des Behandlungsprotkolls sein.

    Ein solches Program wirkt auch der Kompromitierung der Stress achse entgegen und hilft dem Koerper, die Stress hormone besser und schneller zurueck zu metabolisieren.

    Die Langzeitfolgen einer misfunktionierenden Stressachse sind: Herzkreislaufkrankheiten (50 % erhoehtes Risiko einer Herz attacke), Immunsystemkrankheiten und -schwaeche (Autoimmunkrnakheiten, , weniger Widerstandkraft bei Infektionen, moeglicherweise hoeheres Tumor risiko), Schlaf stoerungen, Erkrankungen des Verdauungstrakts und des Metabolism einschliesslich Diabetes.

    Trauma verusacht seelische, kognitive und koerpliche Schaeden, einschliesslich Gehirn und Hormone. Es verursacht unmittelbare und lebenslange chronische Schaeden. Zudem Schaeden in der menschlichen Bezugsfaehigkeit, in der Sinngebung, und wenn das Trauma in der Kindheit passierte des Entwicklungspfades. Und wenn das Trauma durch menschliche Boeswilligkeit verursacht wurde, wird die Natur als soziale Spezie (der mensclichen Vertrauensvertrag, der der menschlichen Spezie ueberhaupt erst das Ueberleben auf diesem Planeten moeglich macht) verletzt, d.h. der Mensch als Wesen mit eingeborenen Rechten wird in seinem eigentlichen Menschsein verletzt.

    Zusaetlich koennen Trauma schaeden koennen in utero und ueber die Erziehung an die naechste Generation weitergegeben werden

    Wann wacht der Gesetzgeber endlich auf und bringt die Erkenntnisse der modernen Neurowissenschaft endlich mit der Jurisprudenz und dem Konzept des Rechtsstaates auf einen Nenner und schafft die Verjaehrungsfrist bei schwerer sexualiserter Gewalt gegen Kinder – oder zumindest bei nachgewiesenem PTBS aufgrund dieser Gewalt – ab und fuehrt die Anzeigepflicht ein? Das Alter der Aufklaerung hat anscheinend noch nicht in allen Gremien angefangen, obwohl in einer Demokratie es eigentlich ihre Aufgabe waere, sich auf dem Stand des Wissens zu halten, und dieses in Entscheidungen einfliessen zu lassen.

    Eva Phoenix

  4. Bärbel schreibt am :

    zu Eva,
    wie gefährlich sind Menschen ,die Zivilcourage zeigen,
    so gesehen mit dem Amerikaner,der immer noch im Transitbereich des Moskauer Flughafens weilt……..

    Ich bin keine Heldin,
    wollte aber bei dem Ministerium —-Landesamt für Jugend Familie in Mainz —usw.für die Rechte der Bewohner (u.a.mein Tochter) in den Heimen sorgen,wandte mich auch an den Bürgerbeauftragten
    nur ein erneutes Verfahren gegen mich war die Folge——-
    Unser Rechtssystem ist so ausgerichtet,Irrtum ausgeschlossen!!!!

  5. Bärbel schreibt am :

    zu Eva Phönix,
    das Gehirn ist so erstaunlich,
    ich kann mich nicht so gut artikulieren,meine Erfahrungen
    habe ich durch die Behinderungen meiner Tochter im Alltag erhalten,unser Gehirn ist nur zu 5% AUSGELASTET,der Rest liegt brach,so können bei Massnahmen stets eine erstaunliche Verbesserungen erreicht werden——————————
    Gleichwohl speichert das Gehirn auch traumatische Ereignisse,
    und so können diese negativen Erlebnisse, das Gehirn verändern,die Folgen sind unabsehbar,
    und belasten mcih bis Heute

  6. Eva schreibt am :

    Ich denke, dass was der Amerikaner gemacht hat, darf nicht sein. Das hat nichts mit Zivilcourage zu tun.

    Jede streng geheime Sache, die in die Öffentlichkeit getragen wird,schadet der ganzen Nation.

    Man darf nicht vergessen, dass es viele Staaten gibt, die mit ihrer Menschenverachtenden Ideologie ( viele fundamentalistische religiöse Staaten oder erzkommunistische Staaten oder Staaten mit Diktaturen ) jegliche Demokratie ablehnen.

    Für Russland und südamerikanische Staaten, die weit entfernt sind von Demokratie und Menschenrechten, ist es ein gefundenes Fressen, dass der Ammi geheime Dinge publik gemacht hat.

  7. Eva schreibt am :

    @ Bärbel,
    ich habe schmerzhaft lernen müssen, dass wenn man Mißstände aufklären will oder es in die Öffentlichkeit trägt, ohne Rechtsanwälte, in Fettnäpfchen fällt. Jede Behauptung muß belegt sein.
    Ohne harte Beweise, steht man sonst häufig bei Mißständen allein da.

  8. Sabine schreibt am :

    Leider trifft man auf seinem Rettungsweg Viele, die das Thema Missbrauch, Gewalt …und und… bagatelisieren und heruter spielen.
    Missbrauch und Gewalt gerade in der Kindheit ist für mich das Schlimmste, was man einem Kind antun kann.
    Ich weiß, das ich nie ganz frei sein werde, von dem was ich erlebt habe.

  9. Hubert schreibt am :

    Das ganze Thema ist zu einem großen Forschungsgebiet geworden, womit viele sich beschäftigen können.
    Scheint ja auch alles sehr interessant zu sein.
    Nur was haben am Ende Betroffene davon?

  10. hildegard schreibt am :

    @ Eva Ph. … vom Blitz getroffen jetzt einen Kurzschluss haben – so fühlt es sich ein Leben lang an, wenn wir es nur wahrnehmen wollen würden. Wollen wir aber nicht, weil dann nichts mehr funktioniert – auch nicht in dieser Demokratie, die eigentlich keine ist …

    Aufrechte Demokraten sollten wissen, wie Gerechtigkeit funktioniert – wollen aber wieder gewählt werden. Gerechtigkeit ist (gerade in der Demokratie!) definierbar – und sie wird nicht gewünscht wegen der Konsequenzen …

    Aufwachende Gesetzgeber will deshalb keiner – bei den ca. 90% (NICHT selbst betroffenen!) sind die ca. 10% Überlebenden von s.G. immer irgendwie „gespeichert“. Jeden unserer lieben Mitmenschen wird also dieses unangenehme Gefühl beschleichen, das er /sie lieber nicht wahrhaben möchte …

    Die logische Folge ist die – vorläufig – mental wie emotional verseuchte Gesellschaft, die vorläufig lieber vor Schreck erstarrt verharrt, bevor sie viel zu spät aus einem noch fürchterlicheren Alptraum erwacht …

    Aber unsern Platz am „Katzentisch“ konnten und wollten und durften wir nicht annehmen.
    Als Nestbeschmutzer sind wir ohne Lobby geblieben und fürchten uns alle und will uns niemand.
    Und Kinder leiden leider weiter …

  11. hildegard schreibt am :

    @ Eva, ein interessanter Hinweis („Das Freiheitsrecht der Menschen ist ein eminent wichtiges Gut. Es darf in einem Rechtsstaat nur eingeschränkt werden, wenn es gar nicht anders geht und die gesetzlichen Voraussetzungen dafür vorliegen. … Das geht rechtlich nur über eine Wiederaufnahme.“ Beate Merk) – und dann:

    „Ihren Mut zur Freiheit haben die Geschwister Scholl und vier ihrer Freunde mit dem Leben bezahlt. Wohin es führen kann, wenn die Dritte Gewalt im Staate ihre Unabhängigkeit verliert, zeigt die Dauerausstellung Willkür „Im Namen des Deutschen Volkes“ – http://www.justiz.bayern.de/ministerium/veranstaltungen/dauerausstellung/

    Wer weiß wie wenig unabhängig Nachfolger jener Wahnsinnsjustiz noch nach ’49 Urteile fällten?

    Wer würde wohl für uns Wiederaufnahme wagen? Wer die gesetzliche Anzeigepflicht einführen? Wer rückwirkend die Verjährungsfristen aufheben? Wer künftig schnell und unbürokratisch helfen …?

    Uns geht es um unsere Freiheit UND unser Menschenrecht UND um Gerechtigkeit. (Merke: Im Westen darfst du Finanzsünden von bayrischen Bankern nicht anprangern und kommst schon in die Psychiatrie und im Osten müssen Kremlkritiker_innen immer noch in sibirischen Arbeitslagern büßen …)

    Motto der nächsten Stillstehdemo für den Erhalt des demokratischen Rechtsstaates:
    Wiederaufnahmeverfahren bei Seelenmord – eine logische Konsequenz.

  12. klaraklara schreibt am :

    @ Hubert
    Es ist interessant für Betroffene, die sich auch für Forschung interessieren. Wenn man sich nicht für Forschung interessiert, muss man es nicht lesen.

  13. Simone schreibt am :

    @Hubert: Grade die Betroffenen haben was von dieser Forschung. Sie belegt, dass wir uns nicht „anstellen“,das unser Leid, das wir viele Jahre nach dem Verbrechen, das an uns verübt wurde immer noch gezeichnet sind von dem, was uns angetan wurde. Und sie belegt, dass Mißbrauch und Vergewaltigung schwere Körperverletzung ist mit irreversiblen Schädigungen, unter denen die Betroffenen ein Leben lang Leiden. Diese Belegbarkeit ist für uns Betroffene eine Anerkennung unseres Zustands. Früher wurde das als Hysterie abgetan. Je mehr über die Spätfolgen geforscht wird um so mehr wird irgendwann auch verstanden…

  14. klaraklara schreibt am :

    Mit dem Forschungsstan können Behandlungseisen für Betroffene, die im mediziniscxhen System HIlfe suchen, begründet oder abgelehnt werden. Sehr viel Forschung wird von der Pharmaindustrie betrieben, und diese findet rein zufällig immer Belege dafür, dass psychnische Störungen nicht durch die Umwelt, also auch nicht durch Psychotrauma bedingt seien sondern biologisch. Die Krankheit gehe vom Gehirn aus. Hier sieht man mal, wie stark das Gehirn auf die Umwelt reagieren kann.

  15. Hubert schreibt am :

    @Simone @klaraklara
    aber wenn vorher bereits feststeht, daß man am System nichts ändern will, braucht man auch keine Forschung dahingehend zu betreiben. Man bedenke, daß Forschung zudem sehr belastend für Betroffene ist – gerade bei dieser sensiblen Thematik.
    Die Frage stellt sich dann, wer von der Forschung wirklich einen Nutzen hat?

  16. Simone schreibt am :

    @Hubert: wenn man pauschal davon ausgeht, dass es so ist, dann magst du Recht haben. Aber dann würde sich zumindest für mich die Frage stellen, warum ich mich überhaupt gegen solch ein System zu wehren versuche. Ich hätte eh keine Chance und könnte das bisschen Energie das ich noch habe besser in irgend etwas anderes investieren als nach Wegen zu suchen, wie man als Betroffene was an der Situation verändern kann. Das würde ich nicht wollen.
    Als Kind war ich ausgeliefert, heute will ich das nicht mehr sein. Und auch wenn es dauert bis sich auch nur im Ansatz etwas verändert, ich werde so unbequem sein, wie es mein Zustand erlaubt. Und ich bin fest davon überzeugt, dass Forschung eines der Mittel ist, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und zu motivieren auch hinzusehen. Je mehr wir über über die Folgen (auch körperlicher Art) sexuellen Missbrauchs erfahren und diese auch bildhaft sichtbar machen können um so mehr Menschen werden sich irgendwann gegen dieses System aufbäumen. Das wird nicht heute passieren und wohl auch nicht morgen oder in den nächsten Wochen und Monaten. Aber irgendwann wird es soweit sein. Daran glaube ich.

  17. klaraklara schreibt am :

    Hallo Hubert,
    ich muss auch zugeben, dass die Geschichte der Psychiatrie voller Übergriffe und Zwangsmaßnahmen und KOoperation mit politisch Mächtigen ist. Ich würde mir selbst auch gut überlegen, ob ich für so eine Untersuchung mein Gehirn scannen lasse.
    Andererseits, wenn solche Fragen nicht wissenschaftlich untersucht werden, bekommen religiöse und esoterische Einrichtungen nochmehr Macht, dazu Stellung zu beziehen und ihre Art „HIlfen“ anzubieten. Und ich persönlich finde halt denZusammenhang zwischen Umwelterfahrungen und Gehirn schonsehr interessant.

  18. klaraklara schreibt am :

    zu meinem letzten KOmmentar:
    „KOoperation mit politisch Mächtigen“ ist verharmlosend. Gemeint sind Geheimdienste, und ich meine hier nicht die sowjetischen, obwohl ich ja als WEstkind über deren Machenschaften schon früh zu hören bekam, aber die US-Psychiatrie und Psychotherapie war (und ist vermutlich noch) mit den dortigen Geheimdiensten auch verwickelt, (ein Zufall, dass ich nix KOnkretes über Deutschland weiß?)

  19. Hubert schreibt am :

    @Simone
    Es ging mir darum, daß selbst wenn die Traumata bewiesen sind, die Betroffenen davon so gut wie nichts haben. Denn aufgrund der jetzigen Gesetzeslage ist Betroffenen kaum damit geholfen, denn vielfach konnten diese bisher bewiesen werden, und trotzdem gab es kein Ausgleich, Entschädigung usw.
    Das eigentliche Manko liegt doch in der Abwehrhaltung der Verantwortlichen, diese Ausgleichsmittel freizugeben. Nur in wenigen Einzelfällen passiert das exemplarisch.
    Und dieses Manko bekommt man doch nicht beseitigt durch weitere Forschung an Betroffenen.
    Das was dazu nötig ist und war, wurde doch längst ausgeforscht. Man weiss doch alles Nötige dazu, handelt aber meist nicht angemessen – das ist der Kern.

  20. Simone schreibt am :

    @Hubert: das ist der „ist-Zustand“, da gebe ich ihnen Recht. Aber wenn wir nicht an mögliche Veränderungen glauben, bräuchten wir z. B. kein netzwerkB! Ich glaube daran, dass wir irgendwann was verändern können. Und zum Thema Forschung, ich glaube, dass gar nicht genug geforscht werden kann auf diesem Gebiet denn jede weitere Erkenntnis kann helfen. Ich glaube nicht, das die Forschung schon ausgeschöpft ist. Mein Gehirn darf gerne gescannt und meine psychologischen Tests ausgewertet werden. Damit kann mich heute niemand mehr verletzen oder das gegen mich verwenden. Es wird kein Mensch gezwungen, an solchen Studien teilzunehmen.

  21. Eva Phoenix schreibt am :

    @ Hubert und @ Anni Rock

    „Was bringt das (die EInsichten der Neurwissenschaft) fuer die Betroffenen?“

    Sehr viel.

    Es bringt uns sehr vieles direkt und es bringt uns sehr vieles indirekt.

    Direkt bringt es uns, dass Trauma und Trauma- zusammenhaenge langsam sehr viel differenzierter erkannt werden koennen, dass Traumabehandlungen langsam auch sehr viel differenzierter und wirksamer werden, dass angesichts der wachsenden Erkenntnisse Stigma abgebaut wird, dass die Nicht-Fach Umwelt langsam mehr Verstaendnis aufbringt, dass diejenigen innerhalb unserer Famliien ,die guten WIllens sind, uns besser verstehen koennen, und uns besser beistehen koennen, dass es dem EInzelnen beim Umgang mit dem PTBS direkt helfen kann, und dass es Diskursmoeglichkeiten eroeffnet und den Diskurs erweitert. .

    INdirekt hilft es uns UEberlebenden, dass wir ein Wwerkzeug haben, das Strukturen andern kann. (langsam aber sicher, vielleicht mit glazialer langsamkeit, aber es bewegt sich) , dass oeffentliche Gelder zur Traumaforschung aufgebracht werden, dass fuer VIele, sowohl privat als auch fuer demokratische Vertreter die Einsicht in die Dynamik der sexualsierten Gewalt gegen Kinder erleichtert wird, und dass:

    uns ein ganz starkes Argument in unsere Argumentation vor Gerichten, und vor allem dem Gesetzgeber in die Hand gegeben wird. Das Konzept des Rechtsstaats, einer Verjahhrungsfrist fur sexualisierte Gewalt gegen Kinder, und die Erkenntnisse der Neurowissenschaft lassen sich nicht unter einen Hut bringen. Eines davon muss aus der Gleichung herausgenommen werden. Es ist unsere Aufgabe, dafuer zu sorgen, dass das dies Verjaehrungsfrist ist. Es ist auch unsere Aufgabe, genugend aufrichtige und rechtdenkende und -fuehlende Menschen zu finden, die uns zur Seite stehen, bis unsere Anstrengungen genugend Momentum haben. Dabei helfen usn die Erkenntnisse der Neurowissenschaft.

    Die Zaehigkeit der Bureaukratie ,des Gesetzggebers, der Politik (was ich den Kaugummi nenne (genaus so zaeh wie kalter, ausgekauter und ausgespuckter Kaugummi)) wird solange Uebermacht haben, und den Status Quo aufrecht erhalten, wie wir diesen erlauben, sich vor den Erkenntnissen der Wissenschaft hinter Ausfluechte und mittelalterliche Mythen zu verstecken.

    Mir persoenlich helfen die Erkenntisse, mein C-PTBS besser zu managen. VOr ein paar Monaten ist es mir dank dieser Erkenntnisse gelungen, ein Flash Back kalt zu stoppen. (Gerne erklaere ich dies in einem fuer Alle zugaenglichen „Thema“ des netzwerkB)

    Als wir klein und hilflos waren, wurden unsere Rechte mit Fuessen gtrampelt und wurden wir an Leib und Seel verletzt.

    Wir sind aufgewachsen und mussten uns Tag ein Tagaus mit den Folgen herumschlagen. Wie schwer ist es, ja wie trifft es einen in den Solar Plexus, wenn man nun als Erwachsener erkennen muss, Du hast nicht nur eine seelische Verletzung, ein PTBS. davongetragen, OMG, Du hast zusaetzlich auch eine physiologische Verletzung Deines Gehirns erlitten, zusaetzlich zu dem Leiden und den seelischen Schmerzen und Deiner reduzierten Funktionsfaehigkeit, und all den Verlusten , die diese nach sich ziehen, (und anderweitigen moeglichen koerperlichen Folgen). Wie schwer trifft es einen, den vollen Umfang unserer Verletzungen erkennen zu muessen.

    Wir koennen uns mit Entsetzen davon abwenden und unser Schaudern auf etwas anderes projizieren. Wir koennen aber auch diese emotionale Energie auf die Arbeit verwenden, die die Dinge fuer uns selbst, fuer unsere Mitleider und Mitstreiter, und fuer die Kinder der heranwachsenden und der zukuenftigen Generationen zum Besseren veraendern werden. Wir koennen unseren Verlust, aufrichtig erkennen, aber statt unsere Vitalitaet in Verzweiflung und Defensmechanismen und ins Zurueckschauen fliessen zu lassen, koennen wir sie als kreative Kraft in unsere Arbeit fuer das gemeinsame Ziel einbringen. Wir muessen die Tatsachen kuehl mit unserem Geist und Intellekt anschauen, sie verstehen, daraus Folgen ziehen, daruas lernen , aber die emotionale Energie verwenden wir am gewinn bringendsten zum Veraenderen der Notstaende im Umfeld.

    @ Simone, ich stimme voll mit Dir ueberein: es wird sich aenderen und wir werden dies noch sehen. Die naechste Generation wird es besser haben, dank uns, ja wir werden es besser haben, dank uns,. Jahrtausende lang war die Erde flach,
    dann wurde Mythos mit Realitaet und WIssen ersetzt und heute fliegen wir um eine runde Erde.

    Nicht klein kriegen lassen und ein froehliches Herz bewahren. Lasst Euch dieses nicht auch noch weg nehmen. Es ist Eures. Wie die Holocaust Ueberlebenden sagen: „Die beste Rache ist ein gutes Leben“. Und es gibt vieles, das trotz Allem gut ist. Dort koennen wir unsere Kraft herholen.

    Eva Phoenix

  22. klaraklara schreibt am :

    Ich für meinen Teil gehe davon aus, dass sich mein Gehirn in eine gesündere oder so-gut-wie gesunde Richtung entwickeln kann, wenn ich dasselbe auf der psychosozialen Ebene tue. Es gibt schon eine gewisse Plastizität des Gehirns. Bei Kindern ist sie noch sehr hoch, als ausgereift gilt das GEhirn erst ab dem 25. Lebensjahr, und es kommt auch bei Erwachsenen vor, dass neue Gehirnzellen wachsen (Forschungsstand seit ca 7 Jahren), abgesehen von dem schon länger bekannten Umstand, dass sich jene Bahnen im Gehirn, die häufig benutzt werden, verstärken. Mich würde auch intereessieren, ob es ein Zusammengehen von Spaltung versus Integration in der Psyche mit dem Gehirn gibt, sprich, sich Zellen neu oder wieder verbinden können. Für positive Entwicklungen nach Trauma sind allerdings ein günstiger Umgang mit der Situation durch BEtroffene und Umwelt nötig. Hier geht es um Psychoedukation, für die jeweilige Person geeignete Traumatherapie, private Beziehungen und Arbeitsleben. Aufgrund meiner eigenen Situation finde ich in dem Zusammenhang wichtig, zwei möglichen Fallen zu entgehen oer möglichst früh zu entkommen: Bindung noch an Erwachener an eine Herkunftsfamilie, in der es INzest oder allgemein üble GEwalt gab, sowie die „Behindertenrolle“, wenn Psychotrauma sich auf irgendeine Weise auf den Leistungsbereich auswirkt aber von niemandem der Zusammenhang mit dem Trauma gesehen wird.

    Es ist sicherlich sehr wichtig, die gegebenen Traumafolgen anzuerkennen, bevor man sich das bessere Leben schaffen kann.

  23. stephan may schreibt am :

    Die Spuren von traumatischen Ereignissen bleiben oft ein Leben lang. Als Betroffener muss oft auch erst lernen und fuer sich welche Spuren es sind. Und Betroffene brauchen Zeit und gute Begleiter.
    Menschen die Gedult haben.
    Ich habe es in den letzte Jahren fuer mich erkennen das es heute noch Spuren gibt.

  24. Eva Phoenix schreibt am :

    @ klaraklara

    Naurogenese (das Wachsen von neuen Gehirnzellen und Verbindugen zwischen ihnen) im Gehirn erfolgt ueber das ganze Leben, bis ins hoechste Alter, ja bis zur letzten Minute .

    Die wirkungsvollste Methode um die Neurognese im Gehirn anzuregen, ist aerobische Uebungen (hierzu gibt es eine grosse Zahl von fundierten wissenschaftlichen Studien, die das beweisen)

    Trauma beschaedigt insbesondere den PTBS Regelkreis im Gehirn. In allen Teilen des PTBS Regelkreises wird die Neurogenese durch ein taegliches, lebenslanges Program von aerobischen Uebungen angeregt, ganz besonders jedoch in den beiden am meisten geschaedigten Teilen.

    Das heisst, ein Program aerobischer Uebungen traegt entscheidend zu Heilung des Gehirns bei.

    PTBS ist eine multisystemische Verletzung. **Alle** funktions bereiche und -Systeme des Menschen werden davon in Mitleidenschaft gezogen (Gehirn-stressachse-kmetabolismus-koerper/ menschliche Beziehungen/ Kognitive Steuerung/ emotionaler Bereich/ Sinn gebung/ Entwicklungspfad wenn das Trauma in der KIndheit geschehen ist/ Rechtlichkeit wenn das Trauma durch ein Verbrechen verusacht wurde ). Da jedes einzelne der Funktionssysteme beschaedigt wird und nicht mehr richtig funktionieren kann, muss zu einer Heilung,( oder doch zumindest Managen des PTBS,) jedes einzelne dieser Systeme mit den speziell hierfuer erforderlichen Massnahmen angegangen werden. Da alle Syteme im Menschen integriert sind und in komplexen Regelkreisen miteineander und untereindander verbunden sind, muessen die Einzelmassnehmen fur jedes einzelne System, gleichzeitig integriert und synergistisch und koordiniert angegangen werden.

    Praktisch heisst dies:

    *Grundlage: lebenslanges Program taeglicher
    aerobishcer UEbungen
    Stress Mangement
    Stressfreier Lebensstil
    *Kognitives Verstehen der Grundzusammenhaenge (trauma, stress)
    *Traumaspezifische Therapy
    *Traumaspezifische Zusatzbehandlungen (Kunsttherapie/Schreiben/Massage/Meditation/ Yoga, Tai Chi/ etc)
    *Aufbau eines neuen intakten Sinnsystems
    *Schaffung eines guten sozialen Netz in privat Spaehre
    *gegebenenfalls Wiedergutmachung auf dem Rechtsweg
    (wenn das Trauma durch Verbrechen verursacht wurde)
    *Pro active, optimistische Lebenseinstellung
    *Arbeit in einer Gruppe, um ein Ziel zu erreichen, das ueber die eigenen Interessen hinausgeht, und zur Heilung/Wiedergutmachung anderer Menschen mit der gleichen Erfahrung beitraegt (wie zB netzwerkB)

    Die Arbeit an jedem einezelnen Bereich in Isolation ist „notwendig aber NICHT ausreichend“. Arbeit an jedem einzelnen Bereich gleichzeitig und auf integrierte und synergistische Weise ist “ notwendig UND ausreichend“, um das zu erzielen (oder doch zumindest nahezukommen) wonach wir uns alle sehnen und verzweifelt bemuehen: Heilung unserer Verletzungen, ein gutes volles Leben zu haben, ohne dass die Schatten unserer Kindheitsqualen uns das HIer nd HEute stehlen.

    Ja, es ist viel Arbeit, und nur Arbeit an einer Ecke reicht nicht aus, aber es ist die bessere von zwei nicht so guten Optionen.

    Und es funktioniert.

    Eva Poenix

  25. Hubert schreibt am :

    Ok, Traumaerfahrungen mag man nun in der Gerhirnstruktur nachweisen können.
    Aber dann stellt sich immer noch die Frage, ob das auch wirklich an dem Ereignis X liegt.
    Es gibt ja so viele Ereignisse, die ein Trauma auslösen können. Und wie will man das eindeutig beweisen? Und dann ist da noch diese genetische Disposition.
    Somit bleibt es letztenendes wieder bei einer subjektiven Abwägung.
    Was hat der Betroffene dann davon?

  26. hildegard schreibt am :

    @Eva Phoenix
    Wo steht das geschrieben „PTBS ist eine multisystemische Verletzung. **Alle** funktions bereiche und -Systeme des Menschen werden davon in Mitleidenschaft gezogen“?
    Mit Quellennachweisen UND mit Wissenschaftlern an unserer Seite müssten wir so lange die Politik bearbeiten, bis ALLE es begriffen haben:
    DAS IST SEELENMORD.

    „Heilung unserer Verletzungen, ein gutes volles Leben zu haben, ohne dass die Schatten unserer Kindheitsqualen uns das HIer nd HEute stehlen.“ Viele Wege können zum Ziel führen, Menschen sind zu unterschiedlich für alternativlose (aerobische) Empfehlungen.

  27. Bärbel schreibt am :

    zu Eva P.

    meine Tochter ist u.a. durch SAUERSTOFFMANGEL hirngeschädigt,

    durch intensive und lebenslange Förderungen werden Reflexe an das Gehirn weitergeleitet,brachliegende Zellen des Gehirn werden so aktiviert,und übernehmen oftmals die Funktionen der abgestorbenen Hirnzellen,es ist ein mühevoller Weg,
    die Massnahmen sind vielfäftig,individuell,und wirken sich positiv auf alle Funktionen aus,
    die Frühförderung und das Alter sind ausschlaggebend,
    uns hilft seit Jahren auch zusätzlich noch die Musiktherapie

  28. Eva Phoenix schreibt am :

    @Hildegard

    „alternativlose aerobische UEbungen“ –

    Aerobische Ubungen sind die *Grundlage* fuer Jeden der Heilung traumatischer Verletzungen sucht (und , der koerperlich gesund genug ist, sie auszufuheren), sie sind nicht die Alternative zu traumaspezifischer Therapie. .

    Sie sind so „alternativlos“ wie das Atmen, Essen, Schlafen und Trinken.

    Trau mir, sie helfen wirklich beim Heilen. SIe sind kein Ersatz fuer andere Trauma behandlungen und Heilungs modalitaeten, sie sind die *Basis* auf der Heilung in den anderen Bereichen stattfinden kann. Oder kannst Du (Koennen SIe ???) sich vorstellen , eine erfolgreiche Trauma behandlung durch zufuehren, waehrend der der Patient hungert, nicht schlaeft friert, und bei Apendizitis nicht zum Arzt geht und bei Zahnschmerzen nicht zum Zahnarzt ?

    Ich stimme voellig und hundertprozent mit Dir/Ihnen ueberein: Die Grundlage unseres Arguements beim Gesetzgeber (und allgmein in unserem Kampf) muss, meiner Ansicht nach, die Erkenntnisse der NEurowissenschaft und Traumatologie sein. Diese sind nachweisbar, und nicht mit der Forderung nach Rechtsstaatlichkeit bei gleichzeitiger Verjaehrungsfrist vereinbar. Man kann sich nicht vor ihnen herausreden und Ausfluechte finden, im Gegenteil, irgendwann lauft man als Politiker dann die Gefahr, sich laecherlich zu machen oder nicht mehr ernst genommen zu werden. Die Erkenntnisse sind die Angel, um die sich die Tuer dreht, oder ueber die man die Welt aus den Angeln heben kann (um eine klapprige Metapher zu gebrauchen)

    „Wo steht das geschrieben?“ In verschiedenen einzelnen zum Teil von einander in Spezialisierungsecken isolierten Bereichen der Neurowissenschaft, Neurobiolgy und Traumatology. . Ich kann die FOrschungberichte im Moment und auf die Schnelle nicht heraus fischen, aber es gibt sie.
    Ich wollte ich haette mehr Zeit, diese Quellen fortlaufend beim netzwerB ins Netz zustellen. Ich nehme – in vielleicht einem halben Jahr – aber gerne Hilfe an, vielleicht koennen wir dann in Teamarbeit, eine kleine Sammlung zusammenstellen.

    Ausserdem, es ist meine persoenliche Einsicht nach vielen Jahren des Kampfes mit dem Drachen PTBS und weitreichendem Studium der Literatur (einschliesslich Evolution). Dass es mir geglueckt ist, ein Flash Back durch Anwendung meiner Einsichten kalt zu stoppen, laesst mich hoffen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

    Ich habe vor, hierueber eine Buch zu schreiben, wenn ich mal viel Zeit habe.

    Kleine peroenliche Herausforderung/Einladung an Sie/Dich (und alle Mitstreiter und Mitleider) :

    Mach ein Jahr lang ein korrektes aerobisches Program und dann sprechen wir wieder ueber dieses Thema. Einverstanden? Wenn es korrekt durch gefuehrt wird, kann es nirgendwo schaden und hat nur gute Haupt- und Nebeneffekte. Du/Sie gehst also keinerlei Risiko ein. Und ich gewinne nichts , ob Du/Sie jetzt meine Heruasforderung annimmst oder nicht, ausser vielleicht die Freude, dass sich jemand Anderes besser fuehlt als zuvor, und wieder ein Drachen geschwaecht wurde.

    Vielleicht is die Aussage „*Alle* Bereiche/multisystemische Verletzung“ Angst und Schmerzerregend ? Angst und Schmerz will ich auf gar keinen Fall erzeugen. So ziemlich alle , die im netzwerkB mitmachen, habe mehr als genug davon erleben muessen. Meine Absicht ist genau das GEgenteil.

    Fuer mich war es eine Erloesung, herauszufinden,
    dass das was mich quaelt, und mir das Leben stiehlt, einen Namen hat und dass ich dieses Ungeheuer beschreiben und verstehen kann. Je besser ich den Drachen, der sich da in meinem Leben breit macht, und den ich -nolens volens – zu bekaempfen habe, um mir moeglichst viel volles Leben zurueckzuerobern, kenne und verstehe, desto besser kann ich ihn bekaempfen und desto mehr gutes und volles Leben kann ich ihm abringen. Ich weiss, dass ich schwer verletzt wurde, an Seele, Koerper and Geist, aber das benennen und Verstehen bringt fuer mich Licht ins Dunkel. Die Verletzungen sind da, sie schmerzen , ob ich sie nun verstehe oder nicht; da erscheint es mir persoenlich besser, sie benennen und verstehen zu koennen , so dass ich wenigstens eine Chance habe, selbst zu meiner Heilung bei zu tragen was immer ich kann; ich musste soviele jahre allein gegen den Drachen kaempfen, weil es die Traumatologie und die Erkenntnisse der Neurowissenschaft einfach noch gar nicht gab, dass mir die Fortschritte in beiden wie das Paradies vorkommen. EIn Arzt kann nicht heilen, wenn er/sie keine umfassende Diagnose machen kann, wozu er die Krankheit gut kennen muss und ein weitreichendes Instrumentarium haben muss.

    Gerade die Tatsache, dass bei Trauma, und speziell der Traumatisierung durch sexualisierte Gewalt in der Kindheit, *alle * Bereiche schwer verletzt werden, kann als Argument helfen, fuer den an uns begangenen Seelenmord, Wiedergutmachung zu gewinnen. Es gibt unserem Argument Gewicht und Durchdringungskraft. Ich werde mich bemuehen, so schnell wie moeglich die Quellen zu finden, da ich aber im Moment und fuer einge Zeit, in ziemlich engem Nahkampf mit dem Drachen stehe , wird dies einige Zeit dauern.

    Wir brauchen ja nicht nur Wiedergutmachung – alle Wiedergutmachung in der Welt hilft dem Betroffenen Nichts, wenn der Seelenermordete nicht wieder zum Atmen kommt und von seinem Bett aufstehen kann und „es nehmen und wandeln “ kann. Wir brauchen Heilung, rechtliche, finanzielle, koerperliche seelische, auf dem Gebiet der mitmenschlichen Beziehungen , auf dem Gebiet der Sinngebung und der Funktionsfaehigkeit.

    Wege zu Heilung is es, was ich versuche, mit meinen Mitstreitern aus eigener Erfahrung und Wissen zu teilen und aufzuzeigen, in der Hoffnung, dass sie doch dem Einen oder Anderen helfen koennen.

    Eva Phoenix

  29. Realmenschin schreibt am :

    Bewegung tut mit Sicherheit gut und kann tatsächlich auch zu positiver Veränderung beitragen. Aber nun ein Hinweis aus eigener tiefgreifender Erfahrung: sportliche/aerobische Betätigung kann stark auslösend wirken, bei bestimmten Traumata. Da sollte man wie bei allem sehr gut auf das eigene Gefühl hören, und sehr vorsichtig sein, wenn man merkt, dass es einem nicht gut tut. Das heißt nicht, dass sich das nie verändert- aber es kann für einen eventuell langen Zeitraum wichtig sein, da sehr umsichtig mit sich selbst zu sein.

  30. Simone schreibt am :

    Liebe Eva Phönix, es mag sein, dass dir die von dir so angepriesenen aerobischen Übungen helfen und vielleicht auch einigen deiner MitstreiterInnen. Dennoch empfinde ich es als anmaßend, diese aerobischen Übungen als (All-)Heilmittel oder zumindest unabdingbare Grundlage zur Heilung von PTBS zu verkaufen. Das hat für mich was von der katholischen Lehre des allmächtigen Gottes. Wer nicht dran glaubt kommt in die Hölle (wer keine aerobischen Übungen macht ist selbst dran schuld, wenn er\sie nicht gesund wird…?)
    Du fragst, ob eine erfolgreiche Traumabehandlung möglich ist, wärend der Patient Hungert, nicht schläft, friert, Ei Appendizitis nicht zum Arzt geht und bei Zahnschmerzrn nicht zum Zahnarzt? Ja, es ist möglich, denn du beschreibst da … mich … und zwar 1:1.
    Dennoch bin ich in traumatherapeutischer Behandlung, habe wärend dieser Behandlung mich soweit festigen können, dass ich eine therapeutische Ausbildung machen konnte und in diesem Beruf dann auch mehrere Jahre gearbeitet habe. Ich habe Trigger entschärft und konnte mich aus vielen Flashs wieder rausholen. Und das ganz ohne aerobischen Übungen.
    Zwar hatte ich vor ein paar Jahren einen Rückfall und bin derzeit arbeitsunfähig, aber mal ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass das am den fehlender aerobischen Übungen lag sondern eher daran, dass mich meine Herkunftsfamilie ausfindig gemacht hat.

  31. hildegard schreibt am :

    @Eva Phoenix Dank für deine Mühe. Mir wurden schon relativ früh Missionierungen und Verallgemeinerungen ALLER Art gründlich zuwider, als ich in meinem Überlebensprogramm mich gegen religiöse Festlegungen wehren musste und damit anfing den „aufrechten Gang“ zu gehen.
    Lass‘ einfach – ganz gelassen – jedem Menschen seinen eigenen Zugang zu „seinem Heil“.
    Wenn wir auch alle immer wieder dabei in Fallen tappen können – HIER sind wir in guter Gesellschaft.
    Ich sehe netzwerkB auf einem guten Weg, gerade weil es sich nicht festlegen lässt …

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