taz streicht kritischen Bericht einer Sozialarbeiterin über Prostitution

29.08.2013: netzwerkB Pressemitteilung

Zuletzt mit der Pressemitteilung vom 22. Juli 2013 kritisierte netzwerkB den unkritischen Umgang der Grünen mit der Prostitution, insbesondere durch den menschenrechtsrechtspolitischen Sprecher Volker Beck. Volker Beck schreibt auf seiner Homepage: “Mit sexuellen Dienstleistungen verdientes Geld ist ehrlich verdientes Geld.”

Tatsache ist, dass die rot-grüne Liberalisierung der Prostitution 2001 zu den Fehlschlägen zählt. Der Spiegel berichtete am 27. Mai 2013: „Inzwischen sind viele Polizisten, Frauenorganisationen und Politiker, die Prostitution aus der Nähe kennen, überzeugt: Das gutgemeinte Gesetz ist ein Förderprogramm für Zuhälter und macht den Markt für Menschenhändler attraktiver.“

Penis als Kult?
Kunstwerk am taz-Gebäude in Berlin:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Friede_sei_mit_Dir.7562.jpg
Fotograf: Franz Richter, 2009, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die taz veröffentlichte am 17. August 2013 einen zynischen Kommentar der Prostituiertenorganisation Donna Carmen in der „taz“ gegen Prostitutionsgegner.

Danach fragte die Zeitung bei Sabine Constabel an, ob sie auf den umstrittenen Beitrag antworten wolle. Die Sozialarbeiterin Sabine Constabel, die mit Prostituierten in Stuttgart arbeitet, verfasste einen Kommentar, der zu großen Teilen empirisch belegt, wie die Realität aussieht. Das wollte die taz dann doch nicht veröffentlichen.

Offensichtlich ist der taz nun auch dieses Thema zu heikel geworden. Die taz hängt ebenso wie die Grünen und andere der Idee einer „Befreiung der Sexualität“ nach, die in einer Tradition der Deutschen Linken seit 1968 steht. Diese Liberalisierung muss aber nicht die Preisgabe des Schutzes der Betroffenen umfassen.

Statt sich mit der Realität von über 90 Prozent Armuts- und Zwangsprostituierten in Deutschland auseinander zu setzen, steht wieder einmal das Gerede von „Einvernehmlichkeit“ und „Freiwilligkeit“ an.

Über „den Sklavenmarkt, der sich mitten unter uns ausbreitet und eine Schande ist“ schreibt Sabine Constabel. „Er betrifft uns alle.“ netzwerkB schliesst sich der Kritik von Sabine Constabel voll an.

Der Beitrag von Sabine Constabel ist auf den Seiten von EMMA nun verfügbar: http://www.emma.de/news-artikel-seiten/kritik-an-prostitution-wird-von-taz-nicht-veroeffentlicht/

Für Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)163 1625091
presse [at] netzwerkb.org
www.netzwerkB.org

10 Kommentare

  1. Camilla schreibt am :

    Die Prostituiertenorganisation Dona Carmen ist eine(ein-Frau?)Organisation, die in Frankfurt eine mächtige Lobby hinter sich zu haben scheint und auch selbst umfassende Lobbyarbeit für eine Prostitutionspolitik im Sinne der Bordellbetreiber und Zuhälter macht, frei von jeglicher Reglementierung. Danebenen bietet sie eine Anlaufstelle für Prostituierte und übernimmt die Qualifizierung von Neueinsteigerinnen. Man hört, dass der Verein sich hauptsächlich durch Spenden aus dem Milieu finanzieren soll. Dona Carmen scheint fest ins Frankfurter Stadtmarketing eingebunden zu sein und veranstaltet demnächst die 2. Frankfurter Prostitutionstage, eine Tagung mit Referenten aus Wissenschaft, Juristerei und natürlich auch aus dem Milieu. Diese Tagung wird von der gewerkschaftsnahen „Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt“ bezuschusst. Auch sonst scheint die Vernetzung mit dem gewerkschaftlichen Umfeld recht recht gut zu sein. Regelmäßig bietet die GEW Hessen Führungen durch die Frankfurter Bordellszene mit Dona Carmen als anerkannte Lehrerfortbildung an. So viel zu der Herkunft des Taz-Kommentars.

  2. Realmenschin schreibt am :

    Unglaublich, aber wahr! Es ist nicht zu fassen, dass dieses Gesetz existiert, was ja den Grünen laut Volker Becks Aussage immer noch zu harmlos ist!

    http://www.volkerbeck.de/artikel/120915-prostitutionsgesetz-weiterentwickeln-statt-verschaerfen/
    Wer war da im Winterschlaf, dass das alles einfach so durchgekommen ist? Es ist doch nicht erst seit heute bekannt, dass Prostitution einfach kein „Beruf wie jeder andere“ sein KANN! Es ist doch bei gesundem Menschenverstand und Gefühl einfach nicht möglich zu glauben, dass gar erwähnte „Flatrate-Bordelle“ in irgendeiner Weise mit Menschenwürde und menschlicher Fürsorge zu vereinbaren sind! Auch der Menschenhandel, die vielen – von ihren Aufpassern- abhängigen oft sehr jungen Frauen- das sind alles Dinge, wie kann man da hergehen und sagen, wie Volker Beck das tat, mit Prostitution verdientes Geld ist ehrlich verdientes Geld. Wie kann man nachts noch schlafen, wie kann man sich im Spiegel ansehen, wie kann man das, in Kombination mit der extremen Bremsung der Aufarbeitung auch der sexualisierten Gewalt-Bestrebungen von früher, wie kann man so eigentlich da stehen und als wäre nichts, Wahlkampf machen?? Hier geht es um Menschenleben, hier geht es um Würde, um männliche und weibliche Prostituierte, Frauenhandel, Kinderhandel von Mädchen und Jungen! Mir ist das unbegreiflich! Ich hoffe zudem, dass das mit der „taz“ so nicht weitergeht!

  3. Karl Görtz schreibt am :

    Dazu passend und u.a von den Grünen abgesegnet:

    Horizontal ǀ (Zwangs)Prostitution durch Hartz IV — der Freitag

    „Arbeitsagenturen können Arbeitssuchenden jeden offiziellen Job anbieten, auch Prostitution (nicht nur Getränke an der Bar ausschenken) und bei Ablehnung dies durch Streichung der Bezüge sanktionieren. Es liegt im Ermessensspielraum (interne Anweisung) der Arbeitsagentueren, dies zu tun oder zu lassen.
    Manchen reicht der freie Ermessensspielraum, sie überlassen die Betroffenen der Willkür der Arbeitsagenturmitarbeiter, die in anderen Fällen ohne Bedenken bei geringfügigen „Verfehlungen“ bis zu 100% sanktionieren – und das rechtswidrig, was viele verlorene Prozesse zeigen.
    Mir reicht das nicht. Hartz IV muss weg.“

    http://www.freitag.de/autoren/mopperkopp/zwangsprostitution-durch-hartz-iv

  4. klaraklara schreibt am :

    Ich glaube nicht, dass Jobcenter-Vermittler direkt in die Prostitution treiben. ES ist aber alles schlimm genug. Für uns Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kindheit sowie mit Alg-2-Anspruch, dass wir nicht menschlich unterstützt werden, sondern das Mobbing das Ich noch kleiner werden lässt, statt dass man eine innere Stärke aufbauen könnte, die ja nötig wre, um sich im Arbeitsleben durchzusetzen. Ich glaube auch, dass im Zusammenhang mit der Hartz4-Reform und Agenda 2010 Menschen früher sterben und die Lebensqualität für viele Menschen niedriger ist, als es mit menschlicheren Strukturen im Sozial-und Wirtschaftssystem der Fall wäre. Dass sich eine narzisstischgestörte Sozialpädagogin in einer Arbeitsfrödermaßnahme austobt, das habe ich schon erlebt. Die Mobbingsttrukturen im Arbeitsleben generell – kann mir gut vorstellen, dass die sich seit 2000 verschlimmert haben.

    Dann gibt es noch viele Menschen, die, zum Beispiel weil sie nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben, niemals Alg 2 beantragen können, und die können auch als Erwachsene sexuelle Ausbeutung in einem grauenhaften Ausmaß erleben.

    Was die taz da macht, ist schwach. Ich habe schon lange keine tolle Meinung mehr von den Grünen, aber mit diesem Ausmaß an Unterdrückung von Konflikten hätet ich nicht gerechnet.

  5. klaraklara schreibt am :

    In einer krassen Familie kann ein Kind erleben: auf der einen Seite eine Mutter, die das Mädchen vernachlässigt oder Haß und psychische Demütigungen entgegenbringt, auf der anderen Seite ein Vater, der vielleicht für einige Zeit Wärme und Anerkennung verspricht, aber längerfristig zum sexuellen Ausbeuter wird.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass Hartz 4 indirekt zu sexueller Ausbeutung beiträgt. Jemand lässt sich sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gefallen, um nicht arbeitslos zu werden, usw. .

    In o.g. Arbeitsfördermaßnahme gab es noch eine andere Sozialpädagogin, die nicht so einen wirren Psychodruck verbreitetete, aber ich habe mal einen Moment erlebt, wo mir eine simple Berührung an den Händen stark erotisiert vorkam, und da ich auf diese Frau nicht wirklich stand, habe ich das wohl vor allem zugelassen, um zeitweilig der „Psychoterroristin“ unter den beiden Sozialpädagoginnen zu entkommen.

    Als Folge der damaligen Arbeitsfördermaßnahme und vermutlich auch meiner Kindheitstraumen habe ich jetzt einen Horror beim Gedanken an ein vom Jobcenter vermittteltes Coaching. Kürzlich empfahl mir ein Durchgeknallter mit Approbation, ich sollte mich vor dem Coaching aufstylen, dann würde mich der Coach mögen. Es sei auch ein Ausdruck von Selbstliebe, sich mehr zu stylen. Er empfahl in dem Zusammenhang auch einen Push-Up-BH.

    Also auf der einen Seite krasseste Formen von sexueller Ausbeutung, da gibt es noch nicht mal Schutz vor ansteckenden Krankheiten, auf der anderen Seite ganz subtile Formen, von jemandem zu verlangen, sich als Objekt für sexuelle Phantasien in die KOmmunikation zu begeben. Dazu noch die massiven Botschaften in Medien, bei Großveranstaltungen, in der Werbung, mit optisch zur Karikatur hingerichteten Frauen. Und nicht an letzter Stelle: viel zu wenig Schutz und Unterstützung für Kinder, die sexualiserte Gewalt erleben. Ich denke, dass sexualisierte Gewalt auch die Funktion hat, Machtverhältnisse zu bestärken, dem Opfer den letzten Eigensinn auszutreiben, und das ergänzt sich mit anderen Formen von Unterdrückung in Familien und der gesamten Gesellschaft.

  6. Realmenschin schreibt am :

    @Karl Görtze, Danke für das Aufmerksam machen. Das ist kein Fall von Satire gewesen, sondern REALITÄT. Solche Jobangebote sind rein sachlich gesehen nicht absurd, da es sich bei der Prostitution inzwischen um einen Job wie jeden anderen handelt, und “ ehrlich verdientes Geld“. Die gegenwärtige Prostitutionsgesetzgebung ist ein Beispiel dafür, was passiert, wenn man Menschenunwürdiges legalisiert. Das wird dann auch nach einer Weile von der Mehrheit als “ normal“ empfunden, weil es ja „legal“ ist, und was „legal“ ist, KANN ja nicht gegen die Menschenwürde sein! Man kann eine Gesellschaft an Dinge gewöhnen, und eine kollektive Verdrehung/Verdrängung herbeiführen, in dem man so tut, als sei das alles „ganz normal“ (so funktionieren übrigens auch „offene Geheimnisse“)und irgendwann folgen dann die nächsten Schritte…

  7. Karl Görtz schreibt am :

    Wie recht ihr doch habt. Selbst die abscheulichsten Grausamkeiten werden heute von der Politik mit einem Lächeln im Gesicht der Öffentlichkeit als Erfolge verkauft. Und die nachfolgende Generation wächst damit auf und gibt diese Grausamkeiten wiederum an ihre Nachkommen weiter. Das erinnert mich übrigens an einen Text aus dem Buch „Ein Totmacher“ mit einem fast gleichnamigen Autorentitel „Die Totmacher“ von Ulrich Wockelmann. Hier zu finden in der Leseprobe, wenn man etwas nach unten scrollt: „ Papi, Peter hat gesagt, Du machst seinen Onkel tot…“ (

    http://www.amazon.de/Hartz-IV-Ein-TOTMACHER-ebook/dp/B00895GZ98#reader_B00895GZ98

  8. Was soll dieses ekelhafte Bild in der Startseite (www.netzwerkb.org) mit der Verlinkung auf diese Seite? Ich dachte, dass ist eine Seite von Missbrauchsbetroffener?
    _____________________________
    Anmerkung vom netzwerkB Team:

    „Das Relief Friede sei mit Dir, auch bekannt als der Pimmel über Berlin ist ein Kunstwerk des Bildhauers Peter Lenk an der Ostwand des Rudi-Dutschke-Hauses in Berlin. Die provozierende Plastik wurde am 15. November 2009 an die Fassade des Redaktionsgebäudes der taz montiert….“

    Über den „Pimmel über Berlin“ mehr dazu unter:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pimmel_%C3%BCber_Berlin

  9. naichwersonst schreibt am :

    Schön, dass ich diese Seite hier gefunden habe.

    Wenn es schon um Gewalt, Penisverehrung oder Erniedrigung der Frau durch die Medien geht, muss ich hier unbedingt etwas loswerden: Ich habe schon seit Tagen sowas von ein Hals!!!
    Kennt ihr das vielleicht? Man geht so durch die Straßen und sieht plötzlich ein Plakat: Ein roter geschminkter weiblicher Mund, der an einem Lolli, Finger, Eis, Löffel oder was auch immer lutscht. Das kotzt mich mittlerweile sowas von an!!! Vor kurzem habe ich in einem Geschäft eine Dose gesehen, Abgebildet waren zwei Menschen, in der Art wie die Männchen bei den Toiletten oder eben auf den Ampeln. Er stand und sie (es was unverkennbar eine Frau) kniete vor ihm nieder!!! Alles nur Andeutung, klar, doch in gewissen Kreisen, besonders bei den Jungs gilt sowas als lustig, und Mädchen haben es ebenfalls lustig zu finden, wenn sie nicht ausgeschlossen oder ausgelacht werden wollen. Und klar, müssen sie „es“ auch irgendwann selbst machen, sexuelle Befreiung-Blabla, und mehr noch bestehen Männer gern darauf, dass „es“ den Frauen auch noch Spaß machen soll, wenn nicht, sind sie ganz klar „frigide“…
    Es ist wirklich eine interessante Frage, ab wann eine Prostitution beginnt. Ob man nicht schon in einem Bekanntenkreis etwas in Kauf nimmt um nicht ausgestoßen zu werden und „verkauft“ sich? Tragen wir Frauen nicht ohnehin das ganze Leid der Welt, ob bewusst oder unbewusst? Und egal, ob Männer ebenfalls leiden oder nicht, landet auch ihr Leid irgendwann bei Frauen…

    Unsere tolle neue Zeit und die angebliche „Freiheit“ sind nur gespielt um das abartige und langsam auf die Nerven gehende Patriarchat aufrechtzuerhalten. Und im Patriarchat gibt es keine Gleichheit und die Menschenrechte sind ein Witz… Das Prinzip des Patriarchates zielt darauf ab, die Frau untertan zu machen egal, um welchen Preis. Dabei muss man doch bedenken, dass es in solch einem System kaum Gewinner gibt und solche sich nicht zu erkennen geben würden…

  10. hildegard schreibt am :

    naichwersonst hat SO WAS VON RECHT „Unsere tolle neue Zeit und die angebliche “Freiheit” sind nur gespielt um das abartige … Patriarchat aufrechtzuerhalten.“!!!
    Wie wär’s mit einer app = anti-patriarchat-partei?:-)!

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