Aufarbeitung und wie diese aussehen könnte

18.09.2013: netzwerkB Pressemitteilung

Offener Brief an Grünen-Spitzenkandidaten Göring-Eckardt (als PDF herunter laden)

Sehr geehrte Frau Göring-Eckardt,

Ich habe Ihr Interview in Spiegel online vom 17. September 2013 gelesen.

Sie werden dort zitiert: „Sehr geehrte Frau Bär, sollte es Ihnen tatsächlich um Nulltoleranz gegenüber Kindesmissbrauch und Gewalt gegen Kinder gehen, schlage ich Ihnen gern eine gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte der letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts vor.“

Eine Aufarbeitung und wie diese aussehen könnte, hat ja mehrfach netzwerkB gefordert. Hier müssen Sie einfach nur mit der Aufarbeitung beginnen.

Ich bin sehr erstaunt über Ihre Kritik. Denn Ihre Parteifreundin, Frau Ministerin Steffens in NRW verhindert, dass Ärzte sich bei Verdacht auf Kindesmisshandlung interkollegial austauschen dürfen. Ihre Partei hat explizit darauf bestanden, dass Bundesländer auf keinen Fall die Erlaubnis bekommen, gestalterisch zum Wohle der Kinder tätig zu werden.

Die Landes CDU NRW hat im Landtag NRW einen Antrag eingebracht, dass Ärzte sich in NRW bei Verdacht auf Kindesmisshandlung austauschen dürfen. Frau Ina Scharrenbach wurde bei der Landtagsdiskussion sehr kompetent von Herrn Hafke, FDP unterstützt. Trotz Weigerung von Frau Ministerin Steffens wurde der Antrag in 2 Ausschüsse verwiesen.

Da Sie und Ihre Partei es bisher versäumt haben, gegen Gewalt für Kinder einzutreten, versucht dies nun die Landes CDU NRW am 10. Oktober 2013. An diesem Tag findet zu diesem Thema eine Experten-Anhörung im Düsseldorfer Landtag statt. Wenn Sie es ernst meinen, nicht nur die Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern auch für die Rechte der Kinder in Zukunft einzutreten, dann sollten Sie Ihre Ministerin Steffens davon überzeugen, dass sie dem interkollegialen Austausch von Ärzten bei Verdacht auf Kindesmisshandlung in NRW zustimmt.

Es gibt auch einen Antrag auf Rederecht für einen betroffenen, Herrn Norbert Denef im Landtag NRW für den 10.10.2013. Es würde den Grünen und auch der SPD gut anstehen, wenn beide Parteien dem Antrag zustimmen würden.

Für mich ist diese Diskussion, ob Ärzte sich bei Verdacht auf Kindesmisshandlung überhaupt interkollegial austauschen dürfen, sowie der Widerstand Ihrer Partei im Landtag unfasslich. Damit Sie sich zu dem Thema informieren können, empfehle ich Ihnen die wichtigen Informationen auf www.riskid.de zu lesen.

Sollte Ihre Partei und Frau Steffens am 10. Oktober 2013 den Antrag der Landes CDU NRW, dass sich Ärzte bei Verdacht auf Kindesmisshandlung interkollegial austauschen dürfen, ablehnen, dann werde ich Sie an Ihr Interview vom 17.09.2013 erinnern und bundesweit Ihren Rücktritt fordern. Denn dann bin ich nicht bereit, mit meinen Steuern Ihre Abgeordnetenrente zu finanzieren.

Hochachtungsvoll Hannelore Thomas

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14 Kommentare

  1. Karl Görtz schreibt am :

    Ich persönlich fühle mich durch diesen ausartenden Wahlkampf wieder mal „verarscht“ und missbraucht. Ekelhaft! Nach der Wahl sind wieder alle dement, wetten?
    Wolfgang Lieb von den NachDenkSeiten bringt es in meinem Sinne auf den Punkt:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=18664#more-18664

  2. I.S. schreibt am :

    Liebe Frau Thomas,

    vielen Dank, das Sie auch Frau Göring-Eckardt persönlich ansprechen!
    Das ist ganz in meinem Sinne.

    Viele Grüße aus Stuttgart!

  3. Lisbeth schreibt am :

    An Karl Görtz:
    Wie darf ich diesen Text, den sie verlinkt haben, verstehen? Also richtige Probleme sind die im Text aufgelisteten – hauptsächlich wirtschaftlicher Art. Gewalt gegen Kinder, die Vertuschung derselben, das Faktum, dass keiner verantwortlich sein möchte, dass alle nur so viel zugeben, wie sie müssen (egal ob Kirche, Kinderschutzbund oder wie jetzt eben die Grünen) das sind keine echten Probleme? Na, dann unterhalten sie sich mal mit Betroffenen. Hören sie sich deren Lebenswege an. Dann müssten sie überlegen, was sie mit ‚richtigen Problemen‘ meinen.

  4. Kal Görtz schreibt am :

    Was ich noch sagen wollte. CDU/SPD/FDP/GRÜNE hinken der Realwirtschaft geistig um ca.10 Jahre hinterher. Sich einzugestehen, dass sie gar nicht mehr in der Lage sind Deutschland in dieser globalisierten Welt zu regieren, dass verschweigen sie ihren Wählern, die, wie diese Altpolitiker die es noch mal wissen wollen, auch von der alten Garde sind. Merkel hat erst kürzlich das Internet als Neuland entdeckt. Für mich war es vor 15 Jahren Neuland. Ich gehe mal davon aus, dass 90 % der CDU Wähler, die Sonntag wieder Merkel an die Macht bringen werden, mit dem Internet nichts anfangen können, weil sie zu alt sind und das digitale Zeitalter an ihnen vorbeigezogen ist. Das soll kein Vorwurf sein. Das ist nun mal so. Auch ich werde bald im Altersheim, wenn nicht im Grab, liegen, wo mir vielleicht meine Kinder dreidimensional in der Luft vorführen, wie sie twittern, facebooken oder sonst was digital anstellen.
    In Deutschland gibt es derzeit eine Zweiklassenwählerschaft. Das sind zum einen die „Alten“, die Gott und die CDU wählen und zum anderen die „Jungen“, die lieber das Tablet und das Iphone wählen. Von der alten Wahltradition bzw. der „Wahlurne der Alten“ wollen die „Jungen“ gar nichts wissen. Wahlabstinenz. Wir werden es Sonntag sehen. Und dann werden sich die Gewählten noch mal auf die Brust schlagen, Sektkorken knallen lassen, auch wenn nur höchstens 75% der Wahlberechtigten gewählt haben werden. Eine Wahlära aus dem ausgehenden 20 Jahrhundert, hinübergerettet ins 21.Jahrhundert wird es bald so nicht mehr geben. Dafür ist das Neuland bereits zu weit fortgeschritten.

  5. hildegard schreibt am :

    Die oben verlinkten „NachDenkSeiten“ betonen:
    „Bitte bedenken Sie: Am Wahlabend hätte Ihre bewusste Nichtwahl keinerlei Belang. [!] … Wahlen sind immer ein Vertrauensvorschuss für die Gewählten in die Zukunft.“

    Folgerichtig bleiben wir nur dann am Ball, wenn wir so mitmischen, wie Frau Thomas es tut – besonders dann, wenn die Gewählten gerade die Zukunft unserer Kindeskinder vermasseln …

  6. Karl Görtz schreibt am :

    „Na, dann unterhalten sie sich mal mit Betroffenen.“

    Ich führe schon tagtäglich Selbstgespräche, sollte ich lassen, tut mir nicht gut.
    Mit zerstörten Kinderseelen betreibt man keinen Wahlkampf um an die Macht zu kommen. Das ist politische Gewalt an Opfern. So ist der Link zu verstehen. Schauen wir doch mal, ob die scharfen Debatten nach der Wahl weitergehen.

  7. hildegard schreibt am :

    Ganz wider meine Erwartung lässt mich die Initiative von CDU-Frauen hoffen, dass es sich nicht um Wahl-Wellen handelt.
    Behandelnde Ärzte sind diejenigen, die mit ihrer Achtsamkeit vielen heutigen Kindern unser damaliges Elend ersparen können. – WAS wäre uns alles erspart worden!!
    Und welche Grünen-Politikerin will nach dem DCB-Debakel diesen Ärzten noch ihre Vernetzung versagen???

    Bleiben Sie dran, um die Zukunft dieser Kinder retten zu helfen, Frau Thomas, Frau Scharrenbach und auch Herr Hafke!
    DANKE, im Namen der Kinder!

  8. I.S. schreibt am :

    Ich bin auch der Meinung von Hildegard, das wir es möglich machen können das sich was ändert. Alle denen noch zu wenig passiert können, die einzelnen Politiker anschreiben oder ansprechen und sie um eine angemessene Haltung bitten, oder falls jemanden um Hilfe dabei bitten. Bitte nicht aufgeben!
    Super die Info und der offene Brief von Hannelore! Danke!
    Wir können alle einzeln Frau Göring-Eckardt anschreiben, so das sie nicht das Gefühl hat sie hat es mit einer einzelnen Person zu tun!
    Und zusätzlich gemeinsam!

  9. Hannelore Thomas schreibt am :

    ich würde mich freuen, wenn die Menschen, die mein Schreiben gut finden, auch an Frau Göring-Eckardt schreiben würden und eine Kopie ihres Schreibens an die Medien verschicken würden. Vielleicht haben noch einige Zeit, das morgen zu tun, bevor die Bundestagswahl zu Ende ist, vielleicht auch twittern und in Facebook veröffentlichen. Ziel ist: Norbert Denef muss am 10.10.2013 Rederecht bekommen, weil sich dann von der Politikern niemand wagen wird, die Legalisierung zu verweigern. Weiter soll die Grüne Dame sich dazu bekennen, dass sich Ärzte bei Verdacht auf Kindesmißhandlung interkollegial austauschen können, damit Frau Steffens, Gesundheitsministerin der rot/grünen Koalition im Landtag NRW keine Chance hat, die Forderung zu boykottieren.
    Hannelore Thomas

  10. I.S. schreibt am :

    Das war meine e-mails an das Büro von Frau Göring-Eckardt:

    20.09.2013:

    „Liebes Team von Frau Göring-Eckardt,

    ich wünsche mir von Ihnen Ihren Einsatz gegen eine Verjährung von sexuellem Missbrauch!

    Auch ich bin der Meinung von Hannelore Thomas (veröffentlicht bei netzwerkB) aus Ihrem offenen Brief an Frau Göring-Eckardt:
    „Für mich ist diese Diskussion, ob Ärzte sich bei Verdacht auf Kindesmisshandlung überhaupt interkollegial austauschen dürfen, sowie der Widerstand Ihrer Partei im Landtag unfasslich. Damit Sie sich zu dem Thema informieren können, empfehle ich Ihnen die wichtigen Informationen auf http://www.riskid.de zu lesen.“
    “ Es gibt auch einen Antrag auf Rederecht für einen betroffenen, Herrn Norbert Denef im Landtag NRW für den 10.10.2013. Es würde den Grünen und auch der SPD gut anstehen, wenn beide Parteien dem Antrag zustimmen würden.“
    Also Im Sinne des Kindeswohls fordere ich sie alle und Frau Göring-Eckardt sich für den Austausch von Ärzten bei dem Verdacht auf Missbrauch einzusetzen!
    Auch werde ich nicht die Grünen wählen, solange sich an ihrer Haltung zum Thema Aufarbeitung der grünen Vergangenheit zum Thema Kindesmissbrauch was ändert.
    Mir gefällt nicht, das zum Beispiel Herr Trittin und Herr Beck noch nicht zurück getreten sind.
    Und das ist für mich kein Wahlkampfthema, sondern eine moralische Frage.
    Mit freundlichen Grüßen,…“

    Es gabe eine Antwort, die hieß das Thema läge den GRÜNEN am Herzen und die rühmte sich einen besseren Gesetzentwurf gemacht zu haben als die Regierung zum Thema Verjährung.

    Meine Erwiederung :

    „Liebes Team von Frau Göring-Eckardt,

    mir geht es nicht darum was sie besser machen wollen würden, als die Regierung, oder andere Parteien.
    Sondern mir geht es hier um eine ÜBERPARTEILICHE Zusammenarbeit!
    Es muß eine Grenze geben was moralisch zu verantworten ist und was nicht mehr.
    Das ist kein Wahlkampfthema, sondern eine moralische Frage.
    Für mich geht es in erster Liene um das Kindeswohl!
    Wie ist ihre Haltung zum Thema der Zusammenarbeit von Ärzten bei Verdacht auf Kindesmissbrauch? Wie http://www.riskid.de es vorschlägt?
    Und mir geht es um Gerechtigkeit und um die Wiedergutmachung an den Opfern von sexuellem Missbrauch!
    Mich interessiert nicht was andere Parteien schlechter machen, als die Grünen.
    Bitte keine Rechtfertigungen, sondern eine Haltung für das Wohl unserer Gesellschaft! Danke!…“

    Daraufhin bisher keine Antwort…

  11. klaraklara schreibt am :

    eine Frage noch zum Verständnis, worum es geht: haben die Ärzte auch dann kein Recht, sich über Fälle mit Verdacht auf Kindeswohlgefährdung auszutauschen, wenn sie dabei den Fall anonymisieren, also die Kollegen nichts wissen lassen, was auf den Namen und genauen Wohnort der betreffenden FAmilie schließen ließe?

  12. Hannelore Thomas schreibt am :

    Hallo klaraklara
    ich bitte vielmals um Entschuldigung, dass ich erst jetzt mich melde. Natürlich können sich Ärzte anonym über alles austauschen. Aber das würde einem Kind, dass wirklich mißhandelt würde, nicht helfen. Im Frühwarnsystem wird nichts über die Familie eingetragen, nur über die Art des Verdachts, und ob Geschwisterkinder schon mal auffällig geworden sind, Name Jugendamt, Name Hebamme. Es gibt ja das doctor-hopping und Familien ziehen auch in andere Stadtteile oder sogar in andere Städte um nicht aufzufallen. Wenn also so eine Datei anonym geführt würde, würde das nichts bringen und kein Arzt wüsste dann bei einem Austausch, um welches Kind es sich handelt. Es werden ja auch keine anonymen Patientenakten angelegt. Wenn Sie weitere Fragen haben, melden Sie sich bitte.

  13. noch-ein-Leserkommentar schreibt am :

    Liebe Hannelore Thomas,

    zu allererst: Ich finde es gut, dass Sie sich für den Kinderschutz engagieren.

    (1) Zunächst einmal würde ich Sie gerne fragen: Sind Sie bei Ihrem Engagement in eine Initiative eingebunden, arbeiten Sie bei RISKID, Duisburg, beispielsweise selbst mit?

    (2) Zum anderen: Nach meiner Kenntnis monierte ein Rechtsgutachter ausdrücklich in den Anfängen von RISKID eine Einwilligung der Eltern nicht eingefordert werde. Dem wurde dann durch das Einholen einer Einwilligung der Eltern der an RISKID beteiligten Kinder- und Jugendärzte abgeholfen.

    Verlangen Sie nun eine Erweiterung von RISKID für NRW mit einer oder ohne eine Einwilligung der Eltern?

    (3) Verlangen die an RISKID beteiligten Kinderärzte nunmehr eine Abschaffung der Einwilligung?

    (4) Wie oft wurde in Duisburg in den vergangenen Jahren einem Kind konkret geholfen? In wie vielen Fällen wurden welche Maßnahmen konkret ergriffen?

    (5) Die überwiegende Mehrzahl von Eltern in NRW geht mit ihren Kindern zu den Vorsorgeuntersuchungen. In wie vielen Fällen wurden welche Maßnahmen konkret ergriffen, weil ein Verdacht bestand, dass einem Kind psychisch, physisch oder sexuell Gewalt angetan werde oder der Eindruck von Verwahrlosung bestand? Inwieweit üben hier Kinder- und Jugendärzte ein Korrektiv für Mißstände in NRW aus, obwohl die breite Mehrheit ihre Kinder zu den Frühuntersuchungen bringt?

    (6) Aufgrund des Melderegisters für Vorsorgeuntersuchungen wurden in den vergangenen Jahren Kinder von Mitarbeiter/innen der Jugendämter aufgesucht, für die keine Meldung vorliegt. Wie viele Besuche fanden statt? Wie oft wurden Mißstände entdeckt, so dass auch Maßnahmen ergriffen wurden?

    (7) Wenn ein landesweiter Austausch zwischen Kinderärzten und von diesen wiederum möglicherweise auch noch ein Austauch mit den Jugendämtern stattfindet, droht doch auch die Gefahr, dass Eltern eine ärztliche Betreuung für ihre Kinder und Jugendliche ganz ablehnen – aus verschiedenen Gründen. Wie gehen Sie mit dieser Gefahr um?

    (8) Welche Position soll netzwerkB denn ergreifen?

    Für die Beantwortung dieser acht Punkte schon jetzt vorab vielen herzlichen Dank.

  14. klaraklara schreibt am :

    Danke für die Information, Frau Thomas.

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