Plädoyer für einen „Runden Tisch Psychotherapie-Opfer“

03.10.2013: netzwerkB

Aus Anlass der Fachtagung „Persönliche Stile in Psychoanalysen“ an der „International Psychoanalytic University“ in Berlin, Allerheiligen 2013

von Klaus Schlagmann

Professor Otto F. Kernberg eröffnet an Allerheiligen 2013 die Fachtagung „Persönliche Stile in Psychoanalysen“ am Berliner Privatinstitut „International Psychoanalytic University“ (IPU). In seinen Therapien hat er es mit Menschen zu tun, die schwerstes Leid erfahren haben: Sie ha- ben eventuell Folter, KZ-Haft, politischen Terror, Vergewaltigung oder sexualisierte Gewalt im Kindesalter überlebt. Inwiefern ist nun gerade Kernbergs „persönlicher Stil“ dazu angetan, solche KlientInnen vor weiterem Leid, vor Verzweiflung oder gar Suizidimpulsen zu bewahren?

Wenn Kernberg von einem Opfer von Folter, KZ-Haft oder Vergewaltigung gefragt wird: „Glauben Sie mir nicht? Sind Sie nicht meiner Meinung? War das nicht entsetzlich?“ – was, glauben Sie, ist aus seiner Sicht die therapeutisch korrekte Antwort?

Möglichkeit A: „Ja, natürlich glaube ich Ihnen! Und ich bin ganz Ihrer Meinung! Die entsetzlichen Erlebnisse, die Sie schildern, erschüttern mich selbst zutiefst! Ich empfinde aufrichtiges Mitleid!“

Möglichkeit B: „Warum brauchen Sie meine Meinung, anstatt eine eigene zu haben?“

Im Rahmen seiner mit Fortbildungspunkten honorierten Lehre empfiehlt Kernberg die (wörtlich zitierte) Antwort B. Begründung: „Es ist wichtig – ich zitiere da Freud in einem Brief von 1916 an Pfister – dass wir uns vor Mitleid schützen. Wie Sie wissen, ist Mitleid sublimierte Aggression.“

Und nicht nur das: Während es (angeblich) ein Zeichen von Aggression sein soll, mit KlientInnen Mitleid zu haben, ist es umgekehrt – nach Kernberg – heilsam, wenn sich TherapeutInnen mit TäterInnen identifizieren: „Wir müssen uns also mit dem Kommandanten des Konzentrationslagers, mit dem Folterer in der Diktatur, mit dem inzestuösen Vater, mit der sadistischen Mutter identifizieren können. Wir müssen so auch die Lust verspüren am Zerstören, die Lust, eine Brandbombe zu werfen, die Lust sadistische Aggressionen zu verspüren, …“

Und, halten Sie sich gut fest, für Kernberg ist es Ausdruck einer gelungenen Therapie, wenn er selbst, als Therapeut, solche Täter-Aggressionen gegenüber seinen PatientInnen empfindet. Originalton: „Wenn alles gut geht, dann gibt es Momente, in denen wir sie [unsere KlientInnen; K.S.] am liebsten aus dem Fenster werfen würden, besonders wenn unser Büro im 80. Stock liegt, und dann langsam und freudevoll lauschen, bis wir unten ein leises ‚Plopp’ hören.“ – Lautes Gelächter im Publikum. – „Ich meine das ganz ernst!“ Das fürchte ich auch. Aber die Voll- versammlung von über eintausend „ExpertInnen“ bei den „Lindauer Psychotherapiewochen“ von 1997 lacht erneut. Das entlarvende Tondokument ist bis heute bei „Auditorium Netzwerk“, Müllheim, erhältlich. 1999 wurde der Vortragstext (leicht abgeändert) unter der Überschrift „Persön- lichkeitsentwicklung und Trauma“ in der von Kernberg mit herausgegebenen Fachzeitschrift „Persönlichkeitsstörungen – Theorie und Therapie“ (PTT), 1, 5-15, beim Verlag Schattauer publiziert. Sämtliche hier angeführten Zitate – mit Ausnahme der obigen, von mir selbst formulier- ten „Möglichkeit A“ – sind wörtlich diesen beiden Publikationen entnommen.

Warum sollte es aber wichtig sein, dass PsychotherapeutInnen sich mit Unmenschen wie KZ- Kommandanten, Folterknechten, inzestuösen und sadistischen Eltern zu „identifizieren“ verste- hen? Nun, es ist angeblich aus irgendeinem – mir von Kernberg nirgendwo plausibel gemachten – Grund erforderlich für die Heilung von Opfern extremer Gewalt, „sich mit dem Täter zu identifizieren“. Anscheinend sollen TherapeutInnen mit gutem Beispiel vorangehen, um KlientInnen diesen Prozess zu erleichtern.

Ein Fallbeispiel von Kernberg: Er erzählt von einer Frau, die von Seiten ihres Vaters, einer „anti- sozialen Persönlichkeit“, sexualisierte Gewalt erlebt hatte, und zwar im Alter von unter zehn Jahren. (Das Alter wird nicht näher konkretisiert, als wäre es völlig unerheblich, ob Derartiges im Alter von 2, 6 oder 8 Jahren geschieht.) „Sie hatte in typischer Weise das Verhalten des Vaters in vielfältiger Art erlebt, als brutalen Eingriff und Verletzung ihrer physischen Identität, … und als einen sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter. Dieses letztere Element war natürlich vollkommen unbewusst und mit schweren Schuldgefühlen verbunden, die in ihrer masochistischen Persönlichkeit zum Ausdruck kamen und sie sich so ihr ganzes Leben wegen dieser ödipalen Schuld opfern ließ. Von dem Moment an, als sie sich nicht mehr als Opfer sehen musste, konn- te sie sich auch mit ihrer eigenen sexuellen Erregung in diesem unbewussten und jetzt bewussten Sieg über die ödipale Mutter zurechtfinden und ihre Schuld tolerieren.“

Eine Grundschülerin erlebt die Vergewaltigung durch ihren Vater also als einen „sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter“; dabei lädt sie „(ödipale) Schuld“ auf sich, die sie später „tolerieren“ muss; ihr Triumphgefühl ist ihr zunächst „unbewusst“; und nur ein geschulter Psychoanalytiker wie Otto Kernberg versteht sich darauf, ihre unbewussten Impulse zu entschlüsseln; die Aufgabe der Psychoanalyse ist es, ihr ihre alten Schweinereien bewusst zu machen. Das soll ihr helfen, sich mit den eigenen Verfehlung zurechtzufinden; dadurch kann sie sich endlich selbst als Handelnde erleben und die Opferrolle verlassen: Mit dem Zauberwort „unbewusst“ versucht die Psychoanalyse seit über 100 Jahren selbstzufrieden, ihre unselige Pseudo-Argumentation gegen jeden Widerspruch und jede Kritik von außen zu immunisieren.

Das (angeblich) fruchtbare Ergebnis seiner Arbeit mit diesem Opfer frühkindlicher Erfahrung von sexualisierter Gewalt sieht Kernberg so: „Sie erlangte so die Fähigkeit, sich mit dem Täter zu identifizieren, nämlich mit der sexuellen Erregung des sadistischen, inzestuösen Vaters, und so wurde es ihr auch möglich, den Hass gegen den Vater mit dem Verstehen seines sexuellen und ihres sexuellen Verhaltens zu verbinden.“ Mit welchem Trick es Herrn Kernberg tatsächlich gelungen ist, seine Klientin dazu zu bewegen, sich „mit der sexuellen Erregung des sadistischen, inzestuösen Vaters“ zu identifizieren (was auch immer das heißen möge), das hat er nicht wirklich verraten. Er offenbart auch nicht, ob und wie lange die Frau diese Art von „Therapie“ überlebt hat, oder ob sie sich nicht vielleicht danach in noch größerer Verzweiflung umgebracht hat.

Suizid während einer psychoanalytischen Behandlung scheint übrigens keine Seltenheit zu sein. Dörte v. Drigalski beschreibt in ihrem Buch „Blumen auf Granit“ die Erfahrungen ihrer Lehranalyse (= psychoanalytische Behandlung, die ein Mediziner oder Psychologe erfolgreich über sich ergehen lassen muss als eine von mehreren Voraussetzungen, um selbst diese Art von Therapie durchführen zu dürfen). Sie erwähnt dort, dass sich während ihrer Ausbildung insgesamt vier ihrer AusbildungskollegInnen das Leben genommen hatten. Ihre Appelle an AusbilderInnen, diese Suizide einmal gründlich zu untersuchen, wurden nicht aufgegriffen.

V. Drigalskis Bericht ist geradezu quälend zu lesen. Sie muss eine Kette von Missverständnis- sen, Missdeutungen oder Entwertungen von Seiten ihres Lehrtherapeuten über sich ergehen lassen. Da, wo sich v. Drigalski – sie arbeitet damals als Kinderärztin – z.B. mustergültig für das Wohl ihrer Klientel engagiert und dagegen aufbegehrt, dass ihr Appell an ihren Vorgesetzten zum Einschreiten abgeschmettert wird, da wird ihr dies von ihrem „Lehrtherapeuten“ – in permanenter Umdeutung und Opferbeschuldigung – als Rivalisieren oder Kastrationswunsch ge- genüber dem Chef ausgelegt. Am Ende war die ganze kostspielige „Ausbildung“ (für zigtausende von DM) wertlos. Der Ärztin wurde nach ca. fünf Jahren das Scheitern ihrer Lehranalyse attestiert, die entsprechende Lizenz zum Durchführen von Psychoanalysen wurde ihr nicht erteilt.

In einem jüngst erschienen Artikel von Günter Bittner „Psychoanalyse als Bildungserfahrung“ (in Boothe & Schneider [Hg.]: „Die Psychoanalyse und ihre Bildung“, 2013) geht dieser etwas näher auf die „Blumen auf Granit“ ein. Ohne ein wirkliches Verständnis für die dort geschilderten Zustände zu entwickeln, resümiert Bittner: „Bildungserfahrungen in meinem Verständnis sind ja nicht nur positive, sondern alle, die den Weg eines Lebens bestimmt haben.“ Statt sich ernsthaft mit den Mechanismen schädigender Psychoanalyse auseinanderzusetzen, verpasst Bittner dieser katastrophalen Geschichte ein Etikett, das das Geschehen brutal verharmlost: „Bildungserfahrungen“! Wer sich ein wenig in der Literatur oder im Internet umsieht, wird leicht mehr Material zu solchen makaberen, den Lebensweg prägenden „Bildungserfahrungen“ vorfinden.

Als Kernberg von einer solchen „Bildungserfahrung“ berichtet, die mit dem Selbstmord der Pati- entin seiner Klinik endet, da bringt er sein Publikum zweimal zu herzhaftem Lachen. Es geht um eine Frau mit (angeblich) antisozialer Persönlichkeit, die (Originalton) „unter Inzest litt, dessen [sic] Vater sie sexuell missbrauchte, mit schweren Depressionen und Selbstmordversuchen, die ihren Therapeuten sexuell verführte. Sie rief ihn zu sich nach Hause unter Bedrohung schwerer Selbstmord [sic], empfing ihn im Negligé, und nur er konnte sie retten – ein junger Psychiater in Ausbildung mit schweren narzisstischen Problemen, und eh“ – explosives Gelächter im Publikum, erheiterte Nachfrage von Kernberg: „Ist das hier ungewöhnlich?“, erneut schallendes Ge- lächter – „Und ehm – äh – hahh – und äh, äh – der – nach – sie schrieb – sie hatte ein Tagebuch, und sie hatte auch eine homosexuelle Freundin, sie beging Selbstmord, sandte das Ta- gebuch mit einer genauen Beschreibung des sexuellen Verkehrs mit ihrem männlichen Therapeuten dieser homosexuellen Freundin, die dann ein Gerichtsverfahren gegen den Therapeuten und gegen unser Spital einleitete. Also, Sie sehen, wie sie im Tode sich noch r…[ächte?; K.S.], wie sie Opfer und Täter zugleich wurde.“

Es ist schon ein sehr persönlicher – oder wohl besser: ein ganz miserabler – Stil, in dem Kernberg seine „Analyse“ hier vorträgt, bei der m.E. erst einmal jede Menge Fragen aufgeworfen werden, die unbeantwortet bleiben. Es fehlt dabei jeglicher Ansatz, das Verhalten des „jungen Psychiaters in Ausbildung“ tiefergehend kritisch aufzuarbeiten. Die Hauptschuld an dem verhängnisvollen Geschehen wird nicht etwa dem „Fachmann“ zugemessen, der sich in Ausübung seines Berufes befindet und dafür bezahlt wird, sondern vor allem der Klientin selbst.

Diese Fallanalyse greifen Gerhard Dammann und Benigna Gerisch in ihrem Artikel „Narzissti- sche Persönlichkeitsstörung und Suizidalität: Behandlungsschwierigkeiten aus psychodynami- scher Perspektive“ noch im Jahr 2005 unkritisch auf (Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie, 156, 6, 299-309). Frau Prof. Gerisch ist Dozentin am „International Psychoanalytic Institute“, Berlin, das Kernberg als Eröffnungsredner zu Allerheiligen eingeladen hat. Unter der Zwischenüberschrift: „Destruktiver Narzissmus – ein Sonderfall“ (S. 302) texten die AutorInnen: „Eine 34jährige Patientin mit einer destruktiv narzisstischen Persönlichkeitsstörung begann we- gen Leeregefühlen, zeitweiligem Alkoholabusus, Beziehungsproblemen mit ihrer lesbischen Freundin und rezidivierenden suizidalen Phasen eine tiefenpsychologisch fundierte Psychothe- rapie. Nach bereits kurzer Zeit ging es ihr, ihrem Gefühl nach, viel besser, und sie setzte sich zum Ziel, mit ihrem Psychotherapeuten eine Affäre zu beginnen. Seine offensichtliche Unkorrumpierbarkeit, seine intakt erscheinenden Familienverhältnisse und die Tatsache, dass er für sie wie nicht erreichbar schien, reizten sie und ihren Neid dabei besonders. Bald sah sie nur noch in diesem Ziel, ihn zu gewinnen, den einzigen Grund in die Therapiestunden zu kommen. Die Patientin unternahm relativ drastische und eindeutige Anstrengungen, um den Therapeuten zu verführen, bis ihr dieses schließlich auch gelang. … Allerdings beendete der Therapeut bereits nach kurzer Zeit die Beziehung zu ihr, aus Angst davor, seinen familiären Rückhalt zu verlieren, aber auch infolge eigener ethischer Bedenken, nachdem er bereits zuvor die Therapie beendet hatte. Die Patientin geriet darauf hin in eine schwere Krise, fühlte sich verraten, weg- geworfen und von ihrem Therapeuten missbraucht. Sie unternahm dringliche Versuche, ihn als Liebhaber oder zumindest als Therapeut zurückzugewinnen. Nachdem diese Versuche nicht fruchteten, tyrannisierte sie ihn mit Telefonterror. Schließlich suizidierte sie sich und hinterließ einen Abschiedsbrief an ihre geschockte Freundin, aus dem hervorging, dass sie von ihrem Therapeuten sexuell missbraucht worden sei, was sie dadurch belegte, dass sie dem Schreiben den einzigen Liebesbrief, den sie von dem Psychotherapeuten erhalten hatte, beilegte.“

Im anschließenden Abschnitt heißt es: „Dieser von Otto F. Kernberg beschriebenen Patientin war es offensichtlich unerträglich, die unabhängige Existenz des Analytikers und die eigene be- dürftige Abhängigkeit von ihm anerkennen zu müssen, was sich in dem intensiven Neid zeigt. Statt sich damit auseinanderzusetzen, suchte sie jedoch im Agieren Bestätigung, wobei der Therapeut sich auf eine dramatische, skandalöse und suizidbegünstigende Art und Weise mit der Patientin verstrickt hatte, eine Gefahr, die gerade bei diesen Patienten besonders groß ist. Der Suizid ist hier Ausdruck des destruktiven Hasses gegen andere und gegen sich selbst.“ Der Halbsatz zum Versagen des Therapeuten und zu seiner „dramatischen“ (?), „skandalösen“ und (abschwächend) „suizidbegünstigenden“ Art und Weise der „Verstrickung mit der Patientin“ hat wohl reine Alibifunktion, sonst wäre er nicht mit Sätzen eingerahmt, die das Opfer weiter diffamieren („intensiver Neid“, „bedürftige Abhängigkeit“, „destruktiver Hass“).

In dem Absatz, der dieser Falldarstellung unmittelbar vorausgeht, wird zum einen auf Kernbergs „Severe Personality Disorders“ (dt.: „Schwere Persönlichkeitsstörungen“) von 1984 Bezug ge- nommen, zum anderen geben die AutorInnen in dem gerade zitierten Nachsatz an, dass es sich um eine „von Otto F. Kernberg beschriebene Patientin“ handelt. Aber in dem Referenzwerk von Kernberg (1984) finde ich unter den (wörtlich gemeint) von A bis Z durchbuchstabierten Fallbeispielen kein einziges, das von einem solchen Suizid und seinen Begleitumständen berichtet. (Allerdings werden dort durchaus Patientinnen „beschrieben“, z.B. unter L bis N, denen im weiteren Verlauf ihrer „Behandlung“ das geschilderte Elend widerfahren sein könnte.) Auch in zwei anderen Kernberg-Werken, auf die sich die AutorInnen an anderer Stelle ihres Aufsatzes bezie- hen, habe ich eine entsprechende Falldarstellung nicht gefunden. Es würde mich nun also interessieren, woher sie all ihr „Wissen“ beziehen über die (angeblichen) Beweggründe der Klientin bei ihrer fiesen Attacke auf den bedauernswerten Therapeuten. Und ich würde gerne etwas näheren Aufschluss über die Gegenseite bekommen, z.B. über den Inhalt dieses Liebesbriefes des Therapeuten von „offensichtlicher Unkorrumpierbarkeit“. Darüber hinaus wüsste ich gern, wie der Therapeut seine „ethischen Bedenken“ genau formuliert hatte. Zusammen mit Informationen zu etlichen anderen offenen Punkten könnte ich dann vielleicht besser beurteilen, ob ich mich mehr mit dem (angeblichen) „destruktiven Narzissmus“ der Klientin, oder aber mit dem massiv schädigenden, verantwortungslosen Verhalten des Therapeuten beschäftigen sollte. Bezüglich der für mich wissenswerten Details hüllen sich jedoch die AutorInnen in Schweigen, obwohl sie über die Hintergründe präzise informiert zu sein scheinen. Stattdessen befleißigen sie sich einer gänzlich unprofessionellen Diffamierung und Verhöhnung eines Menschen, der sich während seiner Therapie suizidiert hat. Angesichts dieser Umstände gehe ich davon aus, dass die geschilderte Frau nur wegen einer völlig missratenen, unangemessenen „Behandlung“ zu ihrem Selbstmord getrieben worden ist, und dass ihr Therapeut weit davon entfernt war, sein Bestes zu tun, um ihrer Verzweiflung effektiv entgegenzuwirken.

Übrigens: Im Bericht der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter in den psychiatri- schen Diensten Thurgau an den Regierungsrat des Kantons vom 17.11.2010, verabschiedet am 12.04.2011, werden die Zustände in der Klinik Münsterlingen untersucht, in der Gerhard Damm- mann als Spitaldirektor und Ärztlicher Direktor tätig ist. In dem Bericht wird von einer Häufung von Suiziden zwischen September 2009 und März 2010 berichtet: Insgesamt hatten sich in ca. einem halben Jahr 8 PatientInnen das Leben genommen (sonstiger Durchschnitt: 2-4). Es wäre interessant zu ergründen, ob das so offensichtlich abschätzige Umgehen des Münsterlinger Spitaldirektors mit Patientensuizid, wie er es in seinem Fachartikel dokumentiert, diese Entwicklung begünstigt hatte.

Aber noch einmal zurück zu dem sehr „persönlichen Stil“ von Professor Kernbergs Psychoanalysen: „Ich spreche hier von einem Mann, der als einziger Überlebender seiner ganzen Familie als Kind im Alter von 12 Jahren [im mündlichen Vortrag heißt es: 8 Jahren; K.S.] aus dem Kon- zentrationslager befreit wurde, in dem seine ganze Familie vor seinen Augen ermordet wurde“ (Kernberg, 1999, S. 9). Wer könnte unberührt bleiben von dem, was sich hinter dieser lapidaren Schilderung an Elend und Leid verbergen muss, wenn man sich aufgrund dieses einen Satzes nur für einen kurzen Moment in die Situation dieses Kindes hineinversetzt?

Ohne jedoch näher auf die massiv traumatisierende Erfahrung dieses Kindes einzugehen, glei- tet Kernberg mit wenigen Worten zu dessen Auffälligkeiten im Erwachsenenalter über, was im folgenden Satz mündet: „Die Untersuchung dieses Patienten und seiner Familie ergab ein erschreckendes Bild eines Mannes, der ein absoluter Diktator seiner Familie war, seine Tochter in ihrer Kindheit sexuell vergewaltigt hatte, verhinderte, dass sich seine Söhne von ihm unabhängig machen konnten und seine Frau wie eine Sklavin behandelte“. [Im Vortrag ist von zwei Töchtern und einem Sohn die Rede.] Sehr gut kann ich mir vorstellen, dass die geschilderten Extremerfahrungen im KZ das Seelenleben dieses Jungen und sein (offenbar problematisches) Verhalten geprägt haben, dass diese Erfahrungen noch viel später sein Leben überschattet und auch seine Familie in Mitleidenschaft gezogen haben. Mit keiner Silbe wird jedoch der Dynamik einer solchen Entwicklung im Detail nachgegangen. Vielmehr zieht Kernberg ein plumpes Re- sümee: „Ich übertreibe nicht, wenn ich meinen Eindruck wiedergebe, dass dieser Mann sich seiner Familie gegenüber so verhielt, als ob er der Kommandant des Konzentrationslagers sei, in dem seine ganze Familie ermordet wurde.“ Verhöhnt nicht eine solche Gleichsetzung von Opfer und Täter in unerträglichem Maß alle Menschen, die die Hölle eines KZs nur mit schwersten seelischen Blessuren überlebt haben?

Die Argumentation ist aber noch perfider: Ein Schlüsselbegriff ist für Kernberg die „chronische Aggression“. Er weiß (angeblich), wie sie sich entwickelt: Nämlich allein aus der „oralen Wut“ bzw. aus dem „oralen Neid“ des Säuglings. So ist es für Kernberg im Fall dieses Klienten erwie- sen (der ja seiner Familie gegenüber solch „chronische Aggression“ zeigt), dass er seine Verhaltensstörung nicht etwa im KZ bei der Ermordung seiner ganzen Familie entwickelt hat, son- dern als Säugling, während des Gestillt-Werdens. Seinen Hass und seine chronische Aggression bringt er als Kind in das KZ mit hinein.

Während Kernberg die Situation an der Mutterbrust bedenkenlos für lebenslange massive Ver- haltensstörungen verantwortlich macht, sieht er die Wirkung einer ganz anderen Klasse von Ereignissen – „Konzentrationslager, Kriegsneurosen [sic], schwere Unfälle, Vergewaltigung, Geiselnahme, politischer Terror, Folter, andere Formen schwerer physischer und sexueller Misshandlung, besonders in den frühen Kinderjahren, in den ersten zehn oder fünfzehn Jahren des Lebens“ – als vergleichsweise harmlos an. Die Wirkung solcher Traumata, so will Kernberg uns einreden, sei relativ überschaubar: „Das posttraumatische Stresssyndrom ist ein Syndrom, das allen schweren Traumata [den gerade aufgelisteten; K.S.] gemeinsam ist.“ Es sei charakterisiert durch „Angstzustände, Einschränkung der Ich-Funktionen, Wutausbrüche, wiederkehren- de Alpträume und Flash-backs“. Originalton: „Und dieses Syndrom dauert im Allgemeinen zwei bis drei Jahre und hat die Tendenz, langsam zu verschwinden.“ Der aus dem KZ befreite Acht- jährige hätte also – so der „Fachmann“ – eigentlich spätestens ab seinem elften Lebensjahr wieder ein ganz normales Leben führen können – wenn, ja, wenn er nicht als Säugling so schrecklich darin versagt hätte, seine orale Wut zu bezähmen!

Interessant, dass eine ähnliche Argumentation schon der Psychiater Ernst Kretschmer gepflegt hatte. Kretschmer und andere dem Nationalsozialismus nahe stehende Psychiater hatten im schönen Lindau die dortigen Psychotherapiewochen begründet. In Philipp Mettauers Studie „Vergessen und Erinnern“ (2010) über die Gründungsväter der Lindauer Psychotherapiewochen heißt es: „1955 attestierte Ernst Kretschmer als Gutachter in einem ‚Wiedergutmachungsverfah- ren’ eines an Depressionen leidenden Verfolgten des NS-Regimes, ohne diesen jemals gese- hen zu haben, dass es keine verfolgungsbedingten Neurosen gäbe, da die ‚Ausgleichsfähigkeit des Organismus bei schweren psychischen Traumen’ unbegrenzt sei.“ Schwerste Gewalterfahrungen führen also nicht zu Depressionen. Sie sind vielmehr aufgrund entsprechender Konstitution von Geburt an angelegt. (Das Gericht sei zwar der Position Kretschmers nicht gefolgt, sein Gutachten habe jedoch Eingang in juristische Kommentare gefunden.)

Es bestärkt also eine Lindauer Tradition, wenn Otto Kernberg ausgerechnet hier seine Lehren präsentiert. Auch das Jahr, in dem er die „Lindauer Thesen“ verkündet (1997), ist sicherlich mit Bedacht gewählt: In diesem Jahr feiert Sigmund Freuds „Ödipuskomplex“ sein hundertjähriges Bestehen. Offensichtlich soll Kernbergs Vortrag damals bekräftigen, was Freud 100 Jahre zuvor als angeblich universelle Kinderperversion aus dem antiken Mythos abgeleitet und zum Dogma erhoben hatte. (Im selben Jahr wird Kernberg zum Präsidenten der „Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung“ gewählt, also gewissermaßen zum Nachfolger auf Freuds Thron.)

Eine Aufarbeitung dieses düsteren Kapitels systematischer, therapeutisch verbrämter Opferbe- schuldigung, auf das ich – neben anderen AutorInnen – seit bald 20 Jahren innerhalb der psy- chotherapeutischen Zunft hinzuweisen versuche, wurde bislang strikt verweigert. Die Ungeheu- erlichkeit dieser Vorgänge übertrifft m.E. den Skandal um die Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Kirchen, Internaten und Heimen bei weitem: Selten – mit Ausnahme vielleicht in der Ideologie der Wandervögel (Christian Füller: „Päderasten in der Jugendbewe- gung. Wandern und vögeln“, taz v. 11.06.2013) – wurden so offen die Urheber von (sexualisierter) Gewalt gegen Kinder und Jugendliche so drastisch entschuldet. Kaum anderswo werden Opfer von brutalster Gewalt ausdrücklich auf sich selbst zurückgeworfen. Wohl nirgendwo sonst wird eine solche Einstellung als heilsame Therapie verkauft, wird ein solch brutaler geistiger Sadismus als „persönlicher Stil“ oder „Bildungserfahrung“ schöngeredet.

Nun soll Otto Kernberg an Allerheiligen eine Fortbildung an der Berliner „International Psycho- anlytic University“ eröffnen. Für die lernbegierigen Besucher gibt es fürs Zuhören Fortbildungspunkte von der Ärztekammer. Viele Menschen gedenken an diesem Tag ihrer Toten. Manche davon gingen an einem sehr persönlichen Stil ihrer Psychotherapie zugrunde. Kernbergs geplanter Auftritt in Berlin könnte der Öffentlichkeit Anlass geben, der Opfer verfehlter Psychothe- rapie zu gedenken. Er sollte ein Anstoß sein, in einer Art und Weise all dieser Verletzten und Toten zu gedenken, wie es in Bezug auf die Opfer von „sexuellem Kindesmißbrauch“ und „Heimunterbringung“ versucht worden ist – damit in Zukunft weiteres Elend möglichst weitgehend vermieden wird.

Und ich wünsche mir, …

… dass die PsychotherapeutInnenschaft in einen umfangreichen Diskurs über Fehler und Ver- schlechterungseffekte eintritt bzw. bestehende Ansätze vertieft;

… dass sie weiter und verstärkt an der Entwicklung effektiver, hilfreicher, menschenfreundlicher Methoden arbeitet;

… dass sie die Opfer von therapeutischem Fehlverhalten aufrichtig betrauert, die sich oft genug zu Wort gemeldet haben, in den weitaus überwiegenden Fällen jedoch wohl eingeschüchtert, stumm, resigniert und/oder unbeachtet geblieben sind;

… dass sie klare Maßnahmen ergreift, die ;

… dass meine Einwände und Kritiken – sofern sie nicht geteilt werden – eine ernsthafte Erwide- rung erfahren, die hinausreichen sollte über ein: „Sie haben wohl Ihre eigenen Probleme noch nicht richtig aufgearbeitet! Ich kann Ihnen einen guten Psychoanalytiker empfehlen!“ Oder: „Sie haben wohl nicht verstanden, dass es hier um das Unbewusste geht!“ Oder: „Sie haben offensichtlich von Psychotherapie keine Ahnung!“ (Alles schon erlebt.)

… dass die hier zitierten AutorInnen sich meine Kritik durchlesen und zu Herzen nehmen;

… dass innerhalb unserer Zunft Kernbergs Vortrag – durchaus kontrovers – diskutiert wird;

… dass mir die Organisatoren der „Lindauer Psychotherapiewochen“ endlich meine wiederholt vorgetragene Bitte gewähren, an genau dem Ort, an dem Otto Kernberg seine fatalen Thesen vor sechzehn Jahren in die Welt gesetzt hat, eine Plattform für eine kritische Diskussion der „Lindauer Thesen“ zu erhalten;

und dass die Bundesregierung einen „Runden Tisch Psychotherapieopfer“ ins Leben ruft, bei dem ExpertInnen das verhängnisvolle Wirken sadistischer PsychotherapeutInnen aufarbeiten und wirksame Maßnahmen zur Abhilfe vorschlagen.

Diplom-Psychologe/Psychotherapeut
Klaus Schlagmann
Scheidter Str. 62
66123 Saarbrücken
0681/375 805
KlausSchlagmann [at] t-online.de
http://www.oedipus-online.de

124 Kommentare

  1. Hubert schreibt am :

    Eine anonyme Beschwerdestelle in Sachen Therapiemissbrauch muß endlich her.
    Ein Patient befindet sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zum Therapeuten.
    Es wäre dringlich zu überlegen, wie das aufgehoben oder vermindert werden könnte.
    Es kann nicht angehen, dass ein Hilfesuchender sich nach und während einer Therapie schlechter fühlt aufgrund dises Machtgefälles.
    Zudem wurden schon mehrer Fälle bekannt, wo es mächtig daneben ging mit der Therapie.
    Mit einer anonymen Beschwerdestelle könnte sowas verhindert werden.

  2. noch-ein-Leserkommentar schreibt am :

    Mit diesem Text kann ich weitgehend mitgehen.

    Die reale Erfahrung, dass sich Bekannte oder Freunde umbringen, obwohl (oder muss man sich fragen, vielleicht sogar weil) sie in Psychotherapie waren, kann man kaum in Worte fassen. Wenn man sich daran erinnert, tut es auch nach Jahren noch weh.

    Bei manchen Psychotherapeuten sind Ungeduld bis hin zum aggressives Anraunen oft nicht nur ein Ausdruck des Unwohlseins, sondern Signal der eigenen Unsicherheit. Sie wollen Respekt einfordern und Macht. Es gibt da Therapeuten, die üben gezielt Druck aus, bewußt und unbewußt. Wenn man solche Aggressionen spürt: Bloss weg da und weg bleiben.

    Mit einer Sache gehe ich nicht mit, und ich halte sie auch für einen grösseren Fehler in diesem Text. Das Thema „Runder Tisch“ sollte nach den Erfahrungen mit dem Runden Tisch der Bundesregierung für KZ-Opfer und Zwangsarbeiter, dem Runden Tisch für ehemalige Heimkinder (unter Antje Vollmer) und dem Runden Tisch für Missbrauchsopfer (zum Beispiel mit dem Kinderschutzbund, aber ohne Opfer) doch nun durch sein. Diese Polit-Veranstaltungen verhalfen den Betroffenen NICHT zu ihrem Recht. Man kann sogar eher sagen, es war ein zweites Verbrechen.

    Ich denke, wer etwas Glaubwürdiges organisieren soll, muss auch selbst glaubwürdig sein. Und das ist die Bundesregierung für mich nicht mehr, siehe etwa die Beschneidungsdebatte, in der CDU/CSU/FDP-Abweichler sogar gezwungen wurden, den Aussprachen im Bundestag fern zu bleiben (so berichtet es Marlene Rupprecht, SPD, in einem Interview). Auf so eine Regierung kann man auch gerne pfeifen.

    Darum tendiere ich zu der Meinung: Müsste es nicht vielmehr eine dauerhafte Zusammenkunft der Wissenschaft selbst geben, um das zu evaluieren und zu hinterfragen, wie man die Entdeckung des Unterbewußtseins und des Über-Ichs, aber eben auch Freuds Schlussfolgerungen und Vorgehensweisen seit über 100 Jahren als Monstranz vor sich herträgt?

    Und dann wäre zu klären: Wer wird dies organisieren? Es müsste ein Kreis von Personen sein, die wissen worum es geht, und die den Mut haben, einen Fortschritt anzustossen. Ich frage mich allerdings, ob die Psychotherapeuten das mehrzahlig wirklich wollen.

    Die Alternative wäre, dass eine kleinere Anzahl von Experten ein Manifest anfertigen und veröffentlichen. Und vielleicht könnten andere Sichtweisen und Erfahrungen auch mal in einem Sammelwerk als Buch veröffentlicht werden.

    So Herr Schlagmann, jetzt sind Sie wieder am Zug! 🙂

  3. Gesine Sempf schreibt am :

    Das Hauptproblem ist nicht die Psychoanalyse an sich, sondern der verzweifelte Versuch – ähnlich der katholischen Kirche oder anderer Sekten – das Dogma aufrecht zu erhalten. Hier DAS Unbewusste! Dort DER Gottesbeweis!

    Das Unbewusste in die führkindliche Phase zu verlegen muss zwangsläufig zur absoluten OhnMACHT der Klienten führen. Was also liegt näher, es dort immer und immer wieder zu verorten.

    Die Psychoanlalyse hatte ihre Verdienste. Die Zukunft kommt weder aus der katholischen Kirche selber noch aus dem Kreis der Psychoanalytiker.

    Es ist sinnlos ein totes Pferd zu reiten. Sorgen Sie für eine zügige Bestattung. Jede weitere Behandlung verlängert die Leiden.

  4. Sarah Mohn schreibt am :

    Wie krank muss eigentlich dieser Kernberger sein, um von seinen perfiden Verdrehungen so dermaßen selbstverliebt überzeugt sein zu können???

    Nicht wenige sog. Psychotherapeuten bräuchten dringend jahrelang selbst Therapie!!! Aber ganz sicher keine Psychoanalyse!!! Sondern eine wahrhaftige ohne Verdrehungskünste!!!
    Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, dass derartige „Fachleute“, denen es an jeglicher Empathie fehlt, auf Traumatisierte losgelassen werden. Mitleid ist sicher KEIN guter Begleiter für Betroffene, denn was hab ich von einem Therapeuten, der mit mir LEIDET? Das würde mir erneut ein schlechtes Gewissen bereiten und mir vermitteln, ich darf meiner Therapeutin MEIN LEid nicht zumuten.NEIN!!! Empathie heißt das Zauberwort!!! Ohne diese ist KEINE Therapie möglich für Traumatiserte!!!

    Wann kapiert eigentlich endlich DOOF – Kassenärztliche Vereinigung, dass Psychoanalyse aus den Leistngskatalog gestrichen werden muss für Traumapatienten und – klienten???

    entsetzte Grüße von Sarah Mohn

  5. kristina schreibt am :

    bravo!
    dazu gibt es sicherlich noch viel mehr zu sagen und zu schreiben. ich kann nicht mit allem mitgehen, empfinde nicht alles als verhöhnung und beleidigung der Patientinnen, aber vieles. ich realisiere beim lesen ein jahrelanges unglaubliches verstricktsein und ausagieren zwischen therapeutInnen und PatientInnen. alle jahre lang war und ist es bei den einen der aufrichtige versuch zu helfen. bei anderen ein (unbewußtes) manipulieren und untermauern der machtverhältnisse der gesellschaft. und dabei ist leider katastrophal viel Gewalt verübt worden. wie oft höre ich von therapeutischen übergriffen. von der machtmißbrauchenden psychologisierung des hilfesuchenden. habe es selbst erlebt. habe es in meiner eigenen ausbildung und als berufsanfängerin selbst gelegentlich getan. immer dann, wenn ich überfordert war. ich habe meine grenzen erkannt und habe damit aufgehört. wie ein ehemaliger kommilitone der psychologie einst schlicht sagte: bei allem geht es doch um die liebe. ja. (natürlich meinte er nicht die sexualisierte) nur wer in aufrichtiger liebe einem menschen gegenüber bleiben kann, kann zur heilung beitragen. wenn sie weg ist, sollte sich der heilende erstmal um sich selbst kümmern. denn im subtext schießen die eigenen emotionen rüber und richten schaden an. der mensch und die seele ist so fragil. meine meinung und erfahrung. – schön, zu lesen, dass frau drigalski ihre erfahrungen publik gemacht hat. ich bin nämlich mit ihrer hilfe vor 15 Jahren in eine wirklich heilsame psychosomatische Klinik gekommen, wo ich bei aller Kritik, echte hilfe fand. es war ein psycho-/sozio-/theologisches konzept, was auch wieder am aussterben ist, leider. sie hatte damals den einfachen aufmunternden satz zu mir gesagt, dass es für alles eine lösung gibt. daran konnte ich zwar in meiner verzweiflung nicht glauben. aber ich hab oft dran gedacht. und mittlerweile erfahre ich es immer öfter. ich freue mich, wenn fachleute selbst das tabu brechen und offen über die vielen unsäglichen und unverantwortlichen fehler ihrer arbeit sprechen. über die machtverhältnisse. und wenn die furchtbare verhöhnung und abwertung der hilfesuchenden aufhört. das habe ich in meiner ausbildung als psychologin auch erfahren. es sollte bei vielen endlich respekt einkehren! hier höre ich erstmal auf. danke für diesen thread.

  6. kristina schreibt am :

    … und ich ergänze noch: patch adams, amerikanischer mediziner und clown berichtet, dass er in seinen (auch deutschen) ärzte-fortbildungen für heilungsmethoden von 8 stunden ganze 5 stunden lang „selbstliebe“ lehrt. denn nur ein sich liebender mensch kann andere heilen. (eine seiner methoden heißt clowning und meint etwas wie love in action and play!) danke. :O)

  7. kristina schreibt am :

    nachsatz 2: ergänzend wünsche ich einen runden Tisch zum Thema Sexismus. Unterpunkt: Sexismus in der Psychotherapie sowie in der Ausbildung von PsychotherapeutInnen.
    Der ganz normale Sexismus in Deutschland – eigentlich überall. Besonders verheerend in der Psychotherapie! Blinde Flecken… und Tabus.

  8. Hubert schreibt am :

    an diesen runden Tischen wird doch nur diskutiert.
    Geändert wird anschließend so gut wie Nichts!
    Was bringt das dann?
    Und ich vermute sogar, dass das Zusammenstellen von 1000-seitigen Studien zu den Problemfällen zum Ziel hat, das Thema in der Informationsflut zu versumpfen. Das hat doch System.

  9. @ alle

    Vielen Dank an alle für das engagierte Aufgreifen meines (neuerlichen) Vorstoßes gegen eine sadistische, opferbeschuldigende „Psychotherapie“!

    @ Eva:

    Vielen Dank für den Tipp. Habe Herrn Sponsel angeschrieben. Er wollte auch auf seiner Seite auf meinen Appell hinweisen.

    @ Hubert

    Ja, genau, eine solche anonyme Beschwerdestelle könnte ein Teil der Gegenaßnahmen sein. Es gab schon mal Ansätze für solche eine Plattform, z.B. auf der Antipsychiatrie-Seite von Peter-Lehmann. Auch die Verbraucherschutzzentrale in Hamburg hatte sich m.W. ein wenig intensiver mit schlechten Therapien beschäftigt.

    Dass ein „Runder Tisch“ allein keine dauerhafte Abhilfe schafft, das befürchte ich auch. Aber immerhin würde auf diese Weise das Thema – zumindest für einen Moment – doch sehr viel mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangen.

    @ Godehard Pötter

    Vermutlich würde sich die UPD nicht so sehr als Beschwerdestelle verstehen, sondern eher als Instanz, die allgemeine Empfehlungen ausspricht. Als ich vor einigen Jahren – unter ausführlichem Hinweis auf Kernberg – Kontakt zur UPD in Saarbrücken aufgenommen hatte, da wurde eher abgewunken: Man wolle nicht zu einem speziellen Ansatz Stellung beziehen; es gebe in der Medizin eben auch immer wieder sehr konträre Behandlungsansätze. Aber ich danke für die Anregung und unternehme noch einmal einen Anlauf. Die damals verantwortliche Person scheint heute dort nicht mehr tätig zu sein.

    Genauer nachfragen möchte ich zu folgendem Punkt: Was genau soll es heißen, dass „diese unsägliche Geschichte aus 1955 … schon vor fast 40 Jahren aufgearbeitet und abgestellt worden“ sei? Offenbar wird im Jahr 1997 daran gearbeitet, die „aufgearbeiteten und abgestellten“ Unsäglichkeiten wieder neu zu etablieren und zu festigen. Jedenfalls haben über eintausend „Fachleute“ in Lindau zu solch unsäglichen Geschichten – dass z.B. die psychischen Folgen von schwersten Gewalterfahrungen nach 2-3 Jahren von selbst wieder abklingen würden – applaudiert. Die Aufarbeitung war also m.E. offenbar nicht gründlich genug. Deshalb plädiere ich für’s Nachlegen.

    @ noch-ein-Leserkommentar

    Ehrlich gesagt: Die Forderung nach einem „Runden Tisch“ soll in erster Linie ein Aufhänger sein, um das öffentliche Bewusstsein für die Problemsituation zu schärfen. Natürlich würde ich mir als Mindestergebnis dabei wünschen, dass ein Gremium zu dem Schluss kommt, dass Kernbergs Therapie-Empfehlungen unhaltbar sind. (Dann könnte ich mich endlich darauf berufen und müsste mir nicht so blöde Kommentare anhören: Wenn Kernbergs Thesen so schrecklich wären, dann müsste man doch schon von eiem Protest dagegen gehört haben.

    Ja, meine Erfahrungen mit meiner Kollegenschaft sind ziemlich betrüblich. Die Lust am Streiten über so offensichtlichen Irrsinn wie „Ödipuskomplex“ (und das, was damit gemeint ist) oder die (angeblich) minimalen Auswirkungen von massivster Gewalt auf die psychische Verfassung von Menschen gibt es fast nicht. Experten-Manifest bzw. ständige offene Diskussionen (z.B. über „Kunstfehler“) wären sehr zu begrüßen. Aber vielleicht fiele ja dazu auch dem „Runden Tisch“ etwas ein. 

    @ Gesine Sempf

    Nein, ich persönlich glaube nicht, dass es zwangsläufig zur Ohnmacht eines Klienten führen muss, wenn man auf „unbewusstes“ (ich sage lieber: „unterbewusstes“) Geschehen in der (auch frühen) Kindheit zurückgeht. Wenn man die Betroffenen respektvoll und vorsichtig behandelt, dann kann genau aus einem solchen Ansatz m.E. so etwas wie Befreiung aus alten, automatisch ablaufenden Verhaltensmustern gelingen. Ich zweifle nicht daran, dass es unterbewusste – also unterhalb der Schwelle der bewussten Aufmerksamkeit ablaufende – Prozesse gibt. In Bezug auf „Gott“ habe ich da bei Weitem nicht diese Sicherheit oder „Beweise“ (wie andere das für sich durchaus zu haben glauben).

    @ Sarah Mohn

    Ja, Empathie ist ein wichtiger, zentraler Begriff. Dabei ist für mich auch „Mitleid“ nicht verkehrt. (Natürlich keineswegs so, dass man dann gemeinsam im „Leid“ versinkt und dort verharrt.) Wenn man „Mit-Leid“ ins Griechische übersetzt, dann kommt „Sym-Pathie“ dabei heraus. Das Einfühlen in Betroffene sollte ja auch vor dem Einfühlen in erlittenes Leid nicht halt machen. Von einem der frühesten Dissidenten von Freuds Lehre, seinem „Schüler“ Sandor Ferenczi, ist der Satz überliefert: „Ohne Sympathie keine Heilung.“ Da ist m.E. viel Wahres dran.

    @ kristina

    Vielen Dank für die Zustimmung. Ich werde den Dank an Dörte v. Drigalski weitergeben.

    Vielen Dank auch für den Hinweis auf Patch Adams! Beim googeln nach ihm stieß ich u.a. bei Wikipedia auf folgende Passage:

    „Adams spielt hier eine führende Rolle im Kampf gegen die von Präsident George W. Bush vorgeschlagene ‚Neue Freiheits-Kommission zur mentalen Gesundheit’. Eines der Hauptziele dieser Kommission ist es, sicherzustellen, dass eine ‚Früherkennung durch Massentests, Einschätzung und Einweisung in Einrichtungen allgemeine Praxis ist’ sagt der Leiter des Programms, David Oaks, und fügt hinzu, dass ‚Präsident Bush jeden Amerikaner auf ‚geistige Gesundheit‘ untersuchen lassen möchte’. Adams antwortete, indem er sich anbot, Bush zu untersuchen: ‚Er braucht jede Menge Hilfe. Ich werde ihn gratis empfangen.’“

    @ alle

    Inzwischen habe ich – auf elektronischem Weg – eine Petition im Deutschen Bundestag eingereicht (Nr. 46110, noch nicht veröffentlicht), in der ich um die Einrichtung des „Runden Tisches“ bitte. Wenn diese Petition die ersten Hürden nimmt, also angenommen und veröffentlicht wird, dann wird – bei einer Zustimmung von mindestens 50.000 Personen – dieses Anliegen zumindest einmal im Bundestag behandelt. Deshalb: In diesem Fall würde ich mich sehr über jede Unterstützung freuen.

    Parallel habe ich sämtliche Bundestagsabgeordneten aus dem Saarland und die einzelnen (Noch-)Fraktionsvorsitzenden kontaktiert und um Unterstützung gebeten.

    Für weitere Anregungen bin ich offen. Leider habe ich bislang wenig Erfolg damit, irgendwelche Medien für die Thematik zu interessieren. („zu Komplex“, „kein Aufhänger“, …). Wenn jemand eine Idee hat: Gerne.

  10. Blueprint schreibt am :

    Therapie ist eine Ware, deren perfekteste Werbung darin besteht, zu verschleiern, überhaupt eine Ware und ein Geschäftsfeld zu sein. Wenn Therapien zusätzlich „Fan – Artikel“ wie Bücher oder Kassetten absetzen, dann bringt das mehr Geld.

    In therapeutischen Ausbildungen werden LehrkandidatInnen der jeweiligen „ therapeutischen“ Marke angepasst. Das, was nicht
    „ markenkonform“ ist, wird abgeschliffen und egalisiert.So entsteht der therapeutische „Kadavergehorsam“ . Wer das „ Corporate Design“ seiner oder ihrer therapeutischen Schule perfekt beherrscht, bekommt einen Abschluss. Den gibt es nicht für selbstständiges Denken und Fühlen, sondern für eine möglichst perfekte Anpassung an die jeweilige, therapeutische Marke.

    Wie bei jedem Warenhandel, gibt es gute und schlechte VerkäuferInnen. Gute, therapeutische VerkauftsstrategInnen sind nicht immer gleichzeitig gute BehandlerInnen. Wer gewinnbringend Kochtöpfe verkaufen kann, muss selber nicht unbedingt gut kochen können.

    Wer sich selber wirklich frei denken und fühlen will, ist in jeder Stadtbücherei mit einer Vielzahl von Büchern und dadurch bedingten, unterschiedlichen Denkansätzen und Weltbildern viel besser aufgehoben.

  11. Eva schreibt am :

    @Schlagmann

    Viele Sekten machen Menschen psychisch kaputt. Dass danach die Opfer von schlechten Psychiatern unter Umständen noch kränker werden, dürfte die folgende Organisation auch interessieren.

    http://www.fecris.org/

  12. Eva schreibt am :

    @Schlagmann

    Noch eine Ergänzung zu dem obigen Posting über Sekten. In nicht wenigen Sekten grassiert auch der sexuelle Mißbrauch durch Sektenhäuptlinge und wird totgeschwiegen.

  13. Blueprint schreibt am :

    Unter

    http://phase-zwei.org/hefte/artikel/psychoanalyse-und-nationalsozialismus-31/

    findet sich ein Artikel über die Anpassung der Psychoanalyse an den Nationalsozialismus in Form einer Selbstgleichschaltung.

    Unter
    http://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie_und_Psychotherapie_im_Nationalsozialismus

    kann jeder nachlesen, dass viele Analytiker der NS – Zeit die Selektion und das Menschenbild des Nationalsozialismus in ihr analytisches Weltbild eingeordnet haben. Diese Analytiker lehrten noch bis 1970 an deutschen Hochschulen.

    Bei Veröffentlichungen über Therapiemissbrauch wird dagegeso gut wie nie erwähnt, wie die politischen Verflechtungen zwischen Politik, Journalismus und Psychoanalyse funktionieren, als ob es sie nie gegeben hätte und bis heute nicht geben würde.

  14. Eva schreibt am :

    @ Schlagmann

    Noch eine interessante Broschüre der Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus e.V. Bayerische Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise e.V. München/Pfaffenhofen
    ( Kinder sind in diesen besprochenen Gruppierungen besonders schlimm dran. )

    Seelennot und Seelenriss Wirkungsmechanismen in
    totalitären Organisationen sowie bei dubiosen Therapie-und Heilungsangeboten

    http://www.sektenwatch.de/drupal/sites/default/files/files/2013.pdf

  15. Hubert schreibt am :

    Es geht doch längst garnicht mehr darum, daß das Thema publik und die Problematik verstanden wird. Das alles ist doch schon über zig Jahre hinweg hinreichend geschehen.
    Man sollte die Betroffenen bezüglich Forschung endlich mal in Ruhe lassen und sich mehr für
    notwendige Gesetzesänderungen einsetzen, welche längst begründet sind.
    Jetzt doch bitte mal weniger Forschung, sondern mehr Veränderungen im System zum Wohle der Betroffenen!
    Alle dazu erforderlichen Kriterien sind doch schon vorhanden bzw. erforscht.
    Forschung kostet sehr viel Geld, welches man lieber Betroffenen zukommen lassen sollte, damit viele dieser ein würdiges Leben führen können. Was nutzt Therapie, wenn der Grundsockel zur Existensbasis nichtmal gegeben ist?
    Ich bin mir sicher, daß sehr viele Betroffene mit der Existensbasis ein riesen Problem haben.
    Die jetzige Gesetzeslage gibt für diese ein Leben in Würde einfach nicht her, und stellt somit eine zusätzliche Belastung dar.

  16. @ Hubert

    Einerseits möchte ich darauf hinweisen, dass ich in der Begründung meiner Petition u.a. auch auf die ungenügende Entschädigung hinweise.

    Andererseits geht es aus meiner Sicht nicht um ein „entweder – oder“, sondern eher um ein „sowohl – als auch“. Wenn die Sache, um die es mir geht, schon längst allgemein bekannt wäre, dann bräuchte ich dafür nicht einzutreten. Und da ich das tue und für wichtig halte, höre ich nur ungern, wenn mir jemand dies als quasi „unwichtig“ abspricht. Wer dies anders sieht, der mag gerne sagen: „Ich sehe dies anders …“, „Mir selbst geht es darum, dass …“. Bei solchen Stellungnahmen aus der Ich-Perspektive können andere Meinungen leichter daneben bestehen bleiben.

    Im Grunde dürften wir uns doch beide einig sein, dass in nächster Zeit weder für das Eine (Entschädigung), noch für das Andere (Forschung) viele Mittel ausgegeben werden. Mir geht es im Moment nur darum, für das Thema eine möglichst große Öffentlichkeit herzustellen. Vielleicht können dann – unter besseren Umständen, z.B. bei einem Ausbau von Volksabstimmungen – vernünftigere Regelungen auch durchgesetzt werden. Solange jedoch keine vernünftige Politik betrieben wird, bei der der Staat sich auch die Mittel verschafft, die er dringend bräuchte, um Gerechtigkeit und Ausgleich zu schaffen (z.B. durch Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer), solange wird mit dem Hinweis auf die Unbezahlbarkeit weder das Eine, noch das Andere verwirklicht werden. Leider. Bis dahin lohnt es sich aber wohl trotzdem, auf Missstände laut und unmissverständlich aufmerksam zu machen, finde ich.

    Und es kann dabei gar nicht oft genug wiederholt werden, dass Opfer von Verbrechen leider oft genug aufgrund der seelischen Folgewirkungen auch in ein riesiges Existenzproblem geraten sind. Das ist m.E. ein sehr wichtiger Aspekt.

  17. Realmenschin schreibt am :

    Aufmerksam habe ich in vielen Jahren immer wieder auch Menschen, darunter auch Psychologen kennengelernt, ob real oder in Büchern und Zeitungsartikeln, von denen sich gar nicht wenige für Veränderungen einsetzen. Die Mühlen mahlen langsam- das gilt für jeden Bereich. Mit Schnelligkeit ist das nichts zu erreichen. Der Mensch und seine Vernetzungen brauchen einfach diese Zeit. Wichtig ist mir auch darauf hinzuweisen, dass Kernbergs Thesen in einigen Teilen in meinen Augen schwer verständlich sind, weil es einfach brutal klingt. Und auch Opfer können Täter werden- und man muss sich dem eigenen Tätergebaren stellen. Als Patient und als Therapeut. Dass sich ein Therapeut mit einer Patientin einlässt, ist eine schlimme Überschreitung jeglicher wichtiger Grenzen, auf die man sich als Patientin verlassen können muss!
    Und einiges mehr, das ich auf diese Weise wiedergegeben erschreckend finde, dass dies Eingang in Therapien fand.
    Da vieles in dem Beitrag teilweise nicht differenziert ausgearbeitet wurde, oder möglicherweise schon in den Urtexten vieles zusammengestellt wurde, ist es nicht ganz leicht das alles auseinanderzudröseln. Das finde ich schade- denn klarer ausgeformt würde man sich auch klarer damit auseinandersetzen können und verstehen, was das eine und das andere meint, und was nicht…
    Es gibt ganz klar Dinge, die ich nachvollziehbar finde:
    -ein Therapeut sollte nicht mitleiden, und wäre für mich ein Grund diese Therapie zu verlassen!
    Mitfühlend ja, aber nicht mitleidend.

    -ein starker eigener Mensch, der weiß wovon er spricht, und der nicht umfällt bei dem was der Patient erzählt.
    -auf Therapeuten wird Furchtbares übertragen, und der Therapeut muss oft als Täter herhalten, weil auf ihn übertragen wird, was man erfahren hat. So kann eine gute Therapie stattfinden. Es geht nicht darum, dass der Therapeut dann der Täter wird und als solcher agiert(das wäre traumatisch pur!) sondern dass er die heftigen Gefühle von damals als Übertragung auffängt.
    DASS der Therapeut sich dann wie ein Täter fühlt entsteht DURCH die Übertragung! Kernberg allerdings geht da so weit diese Gefühle durchzuspüren und wie ich es gelesen habe, dass er daran sozusagens sich weidet. DAS geht aus meinen Laien-Augen natürlich zu weit, das ist doch ganz klar.
    Aber man sollte nicht der Illusion erliegen, dass der Therapeut dasitzt und nicht mit brutalen Gefühlen umgehen muss, die ihm vom Patient entgegenstrahlen.
    Ich habe selbst oft genug in vielen Jahren erlebt, dass ich TherapeutInnen mit diesen an mir ausgelebten Gefühlen und Taten als Kind, konfrontierte, auf die TherapeutInnen übertrug. Durch die Erfahrung, dass der Therapeut völlig anders reagiert, als ich es als Kind erfahren habe, konnte vieles sich in mir beruhigen und nach-heilen. Das ist zwar nur ein Teil von Traumatherapie, aber ein sehr wichtiger. Dass Therapeuten mit diesen heftigen Gefühlen, die auf sie übertragen werden, umgehen müssen, und zwar nicht dem Patienten gegenüber als Täter- sagt einem alleine schon der gesunde Menschenverstand. Jeder, der schon einmal von einem anderen in eine nicht passende Schublade gesteckt wurde, oder ettikettiert, wird das Gefühl- in sehr abgeschwächter Form kennen. Nur werden wir nicht dafür bezahlt;-) diese starken Gefühle eines anderen, der auf uns überträgt z.B. in einer Supervision, abzutragen… Ich finde vieles in dem obigen Artikel wichtig, dass es angebracht wird- aber, ich finde vieles auch zu pauschal und weiß, dass es längst nicht so einseitig ist und da auch viel Bewegung und im Gange ist, und sicherlich, es gibt viel zu tun. Generalanklagen finde ich nicht gut und viel zu angriffig. Ich finde es wichtig, immer und immer wieder zu differenzieren. Klar in der Sache zu sein, aber nicht aufhören die zu sehen, und das zu sehen, was sich ganz klar auch distanziert. Vielleicht nicht von allem- denn nicht ALLES war schlecht. Teile davon ganz sicher, und Manches wurde inzwischen sehr verwandelt und sicherlich braucht es noch Zeit, bis sich die Traumatherapiewelt innerhalb ihrer selbst mehr die Hand gibt, aber auch Traumatherapie/Analyse, etc… Und dass nicht alles für alles gut ist, und dass aber einiges auch gut ineinander greift. Kritik ist richtig und Klarheit, aber wichtig ist auch, die bunten Zwischentöne zu sehen und sich für sie einzusetzen, nicht in schwarz-weisse Frontan abzudriften, das bringt keine Welt einer anderen näher. Man muss keine Kompromisse machen, auch wenn man auf den anderen zugeht. Offenheit heißt nicht, sich selbst nicht mehr treu zu sein und Prinzipien herzugeben, es heißt nur vielleicht etwas mehr einander zuhören, und vielleicht kommt so auch mehr sowohl auf der einen als auf der anderen Seite an, und auch auf den Seiten die sich nicht gegenüber, sondern nebeneinander stehen.

  18. Hubert schreibt am :

    @Klaus Schlagmann
    Es sollte keine Kritik an Sie sein, sondern allgemein verstanden werden. Stimme mit ihren Überlegungen weitgehensd überein.
    Kurz gefasst:
    Es besteht längst kein Mangel mehr an Begründungen,
    sondern ganz einfach die Bereitschaft, die Ergebnisse aus den Forschungsergebnissen sinnvoll und zeitnah umzusetzen.
    Und diese pauschal fehlende Bereitschaft zieht sich schon über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte hin.
    Abhilfe wird daher auch kaum erneute Forschung schaffen.

  19. @Realmenschin

    Für kritische Rückmeldung bin ich gerne zu haben. Allerdings wünsche ich mir dazu konkrete Hinweise. „Da vieles in dem Beitrag teilweise nicht differenziert ausgearbeitet wurde, oder möglicherweise schon in den Urtexten vieles zusammengestellt wurde, ist es nicht ganz leicht das alles auseinanderzudröseln. Das finde ich schade- denn klarer ausgeformt würde man sich auch klarer damit auseinandersetzen können und verstehen, was das eine und das andere meint, und was nicht…“ Diese Aussage ist mir wiederum zu wenig differenziert. Was genau ist an meinem Beitrag nicht „differenziert“ genug? Was genau ist „zu wenig klar ausgeformt“? Wenn ich das genauer wüsste, dann könnte ich auch vielleicht sinnvoll darauf antworten.

    Darüber hinaus: Ich präsentiere mich hier mit meinem vollen Namen und mit meiner Webseite. Dort wiederum sind zig weitere Texte zum Thema frei zur Verfügung gestellt. Es ist nicht sinnvoll, all diese Informationen in diesen Blog zu stellen. (Der hier eingestellte Beitrag scheint mir schon im Grunde viel zu lang.) Es gibt doch häufiger das Problem: Zu viel Text kann nicht mehr gut gelesen werden, zu knapper Text wirkt eventuell „undifferenziert“. Aber, wie gesagt: Auf meiner Webseite finden sich eine Fülle von Details, bis hin zum Original-Artikel von Kernberg nebst eingehender Analyse.

    Der erste Punkt, an dem die Kritik konkreter wird, bezieht sich auf das Mitleid. Hier geht es mir jetzt überhaupt nicht um einen Streit, ob jetzt „Mitleid“ sein darf oder nicht. Mir wäre es an diesem Punkt recht, wenn es zur persönlichen Sache gemacht würde. Wer – als Therapeut – glaubt, dass „Mitleid“ für seine Therapie hilfreich sei, der möge sie in sein therapeutisches Handeln einfließen lassen. Wer glaubt, dass mitleidlose Therapie besser/effektiver sei, möge es auf die mitleidlose Tour machen. Wenn Betroffene mit „Mitleid“ in der Therapie nichts anfangen können, dann sollen sie eine solche Therapie verlassen. Wenn Betroffenen das „Mitleid“ in der Therapie gut tut, dann sollen sie sich dort wohl fühlen.

    Zu Bedenken geben möchte ich lediglich: „Mit-Leid“ ins Griechische übersetzt heißt „Sym-Pathie“. Ein alter „Schüler“ und Kritiker von Freud, Sandor Ferenczi, hat einmal in einer sehr zugespitzten (m.E. völlig berechtigten) Kritik an einer mitleidlosen, ausbeuterischen Psychoanalyse geschrieben: „ohne Sympathie keine Heilung“. (Mir persönlich gefällt dieser Satz gut.)

    Die Behauptung, dass Mitleid eine Form von Aggression sei, ist eine typisch Freud’sche (falsche) Behauptung. Er hat z.B. – ganz ähnlich – einer jungen Frau (in seiner Behandlung) einmal unterstellt, ihr „Nein“ bedeute offensichtlich ein „Ja“, ihre Nicht-Zustimmung zu seiner Deutung bedeute eigentlich eine Zustimmung. Gegenüber dem Schriftsteller Wilhelm Jensen hat er behauptet, dass das in dessen Novelle dargestellte besonders schöne Gangbild einer Relieffigur („Gradiva“) eigentlich einen besonders hässlichen Gang bedeute (Hervorgerufen etwa durch eine körperliche Behinderung mit einem Spitzfuß). Nach Freud – und so sieht es bis heute seine Gefolgschaft – handelt es sich hier um eine „Verkehrung ins Gegenteil“, die der „Abwehr“ der Betroffenen diene, nämlich der Abwehr anstößiger Impulse.

    Ich kenne deinen/Ihren Hintergrund nicht. Bei dem Satz – „auf Therapeuten wird Furchtbares übertragen, und der Therapeut muss oft als Täter herhalten, weil auf ihn übertragen wird, was man erfahren hat. So kann eine gute Therapie stattfinden.“ – frage ich mich: Woher kommt dieses (vermeintliche) Wissen, dass der Therapeut „oft als Täter herhalten muss“? Wie oft genau? Und was genau heißt es: „als Täter herhalten“?

    Freuds Enkelin Sophie hatte mir im März 2007 geschrieben: „Ihre Entrüstung gegen Kernberg scheint mir sehr berechtigt. Der Kerl hat so viele aggressive Klienten weil sein Verhalten solche Gefühle herausfordert, und er sieht die Aggressionen nicht als Antwort auf sein Benehmen, sondern interpretiert sie ganz anders.“ So sehe ich es auch. Aus meiner Praxis kann ich nicht sagen, ich müsste oft „als Täter herhalten“. Mit dieser Behauptung kann ich also nichts anfangen.

    „DASS der Therapeut sich dann wie ein Täter fühlt entsteht DURCH die Übertragung!“ Die Psychoanalytiker nennen das dann „Gegenübertragung“. Wann immer PsychoanalytikerInnen irgendein Gefühl gegenüber ihren KlientInnen empfinden, und sei es auch noch so abwertend und gemein oder aggressiv und entwertend, dann behaupten sie, es sei die „Gegenübertragung“, also bloß eine Gegenreaktion auf das, was die Betroffenen DURCH IHRE ÜBERTRAGUNG bei ihm ausgelöst hätten. Eine sehr bequeme Möglichkeit für TherapeutInnen, für den eigenen Sadismus, für die eigene Kleingeistigkeit, für die eigene schlechte Laune oder für welches ungute Gefühl auch immer die KlientInnen und ihre (angebliche) „Übertragung“ verantwortlich zu machen. Davon halte ich persönlich so gut wie ÜBERHAUPT NICHTS.

    Dass es tatsächlich möglich ist, dass Betroffene auch in ungute Gefühle hineinrutschen und sie in der Therapie auf das Gegenüber projizieren, das mag durchaus vorkommen. Meine Erfahrung ist jedoch eher: Wenn ich die Menschen, die zu mir kommen, respektvoll behandle, dann bekomme ich auch in den allermeisten Fällen entsprechende Reaktionen zurück.

    Zu der Aussage: „ich finde vieles auch zu pauschal und weiß, dass es längst nicht so einseitig ist und da auch viel Bewegung und im Gange ist, und sicherlich, es gibt viel zu tun. Generalanklagen finde ich nicht gut und viel zu angriffig. Ich finde es wichtig, immer und immer wieder zu differenzieren.“ – würde ich noch einmal das hervorheben, was ich zu Beginn gesagt hatte: Auf solche „Kritik“ kann ich nichts antworten, wenn ich nicht wenigstens zwei oder drei Beispiele genannt bekomme für das, was angeblich „zu pauschal“ oder „zu einseitig“ u.s.w. sein soll. Vielmehr halte ich mir zugute, dass ich sehr ausführlich wörtlich zitiert habe (ich schätze mal, dass mein Text zu ca. 40-50 % aus wörtlichen Zitaten der „wissenschaftlichen“ Literatur stammt, die ich kritisiere; die Zitate sind in den Quellen nachzulesen bzw. nachzuhören). Das ist m.E. eine sehr ausführliche Basis für meine Kritik. Und diese Kritik fokussiert sich sehr stark auf Herrn Kernberg und seine unmittelbare Gefolgschaft (Gerisch, Dammann). Und ich schildere – grob zusammengefasst – die Reaktionen des Publikums bzw. der mit meiner Kritik konfrontierten Instanzen. Was daran „zu pauschal“ sein soll, verstehe ich nicht.

    Übrigens gehört es sicherlich zu meinen Stärken, mich um eine Verständnis von anderen Positionen zu bemühen. Allerdings scheue ich mich auch nicht, bestimmte Positionen zurückzuweisen, die einer scheinbar allgemein anerkannten Weisheit entstammen. In dieser Welt wird m.E. viel zu viel unbesehen für bare Münze genommen. (Denken wir nur an die „alternativlosen“ Maßnahmen in der europäischen Wirtschaftspolitik, die sich über kurz oder lang noch bei sehr viel mehr Menschen in ihren zerstörerischen, unheilvollen Wirkungen zeigen werden, als sie es bisher sowieso schon tun.) Ich hätte kein Problem damit, mich mit Menschen bis hin zu Kernberg in einem Podium sehr gründlich über seine „Lindauer Thesen“ und die darin fortgesetzt enthaltene Opferbeschuldigung auszutauschen. Allerdings ist die Bereitschaft zu einem wirklich differenzierten Austausch dazu bei denjenigen, die neben mir stehen bzw. auch mir gegenüber stehen m.E. i.d.R. nicht gegeben. Das ist jedenfalls meine Erfahrung der letzten langen 13 Jahre. 13 Jahre, in denen die Opfer von massivster Gewalt immer wieder auf ihre (angeblichen) eigenen Verfehlungen zurückgeworfen worden sind. Diese systematische Opferbeschuldigung ist über hundert Jahre alt. Jedes einzelne Jahr davon ist eines zuviel.

  20. Realmenschin schreibt am :

    Lieber Herr Schlagmann, Ihre Ansichten seien Ihnen unbenommen.Ebenso wie meine gemachten langjährigen Erfahrungen- wie ich bereits erwähnte, mit Therapeuten, nicht in der Analyse. Ich finde es einfach sehr pauschal und muss da ihren ganzen Beitrag einschließen. Wie ich schon ausdifferenzierte- was Sie meiner Ansicht nach übersehen haben- habe, geht es mir z.B. darum, dass der Therapeut MITGEFÜHL haben sollte, ohne das geht es nicht. Aber Mitleid, ist etwas anderes, und das sollte kein Therapeut, das wäre wenig professionell, und für beide Seiten ungut.
    Schauen Sie, ich finde es gut, dass Sie sich dem Thema widmen- auch ich habe große Probleme mit Freud/Kernber, was ich erwähnt und ausdifferenziert habe. Aber auf ich halte generell wenig von schwarz-weiss, weil das zu nichts führt, ausser zu Fronten. Natürlich muss man hinweisen auf Misstände- und dass Sie das tun, finde ich richtig- aber die Art und Weise stößt auch Menschen ab, die sich wirklich kritisch damit auseinandersetzen wollen- weil man sofort ALLES übernehmen muss, was Sie kritisch anmerken, und wenn nicht, ist man nicht dagegen. Das stimmt so einfach nicht- da fände ich es wirklich besser mehr auch kritischen Geistern einen Zugang zu erlauben, auch wenn man einigem das Sie kritisieren so, oder nicht auf diese pauschale Art, zustimmen kann. Schauen Sie, sie wehren alles ab, was ich geschrieben habe, statt zu sehen, welchen Punkten ich zustimme. Und da fühle ich mich ehrlich gesagt nicht eingeladen mich auf Ihre Kritik einzulassen. Das wäre aber doch wichtig, oder? Das finde ich einfach schade, denn ich würde mich sehr gerne kritisch zu vielem einlassen, aber nicht um den Preis allem zustimmen zu sollen, das tue ich einfach nicht. Ich will Sie ja auch nicht umstimmen, sondern lediglich meine Ansicht neben die Ihre stellen- in aller Unterschiedllichkeit aber auch allen Schnittpunkten. Und auch Dingen, da haben Sie mit Sicherheit mehr Einblick- da positioniere ich mich aber auch nicht. In diesem Sinne, ich finde Punkte, die ich- wenn ich sie aufdrösel für mich durchaus ähnlich wie Sie sehen kann, aber das was ich schon erwähnte ist nun einmal ebenso eine gereifte Ansicht aus einem anderen Blickwinkel und mit viel Traumatherapie-Hintergrund . Ich spreche hier nicht für die Analyse.

  21. Eva schreibt am :

    Für mich stellt sich die Frage, ob pyschische Schäden durch Gewalt und oder sexuelle Gewalt überhaupt heilbar sind, egal nach welcher Therapie überhaupt, wobei sicherlich durch „grobe Therapie“
    Retraumatisierungen auftreten. „Opferbeschuldigung“ egal durch wen ist für mich ein Verbrechen.

    Herr Denef hat berichtet, dass er Jahre lang über das Geschehene nicht reden konnte.

    Mit geht es ganz anders. Fast jeden Tag taucht bei mir das Geschehene im Gedächtnis auf und habe dass Bedürfnis es in die Welt herauszuschreien, was ich aber nicht darf, weil der Täter nicht angeklagt bzw. verurteilt wurde, mangels harten Beweisen.

  22. @ Realmenschin,

    es bleibt Ihnen unbenommen, „es einfach sehr pauschal“ zu finden, was ich geschrieben habe, oder auch für problematisch zu halten, wenn ein Therapeut „Mitleid“ empfindet. Und ich weiß nicht, was Sie genau meinen, wenn Sie sagen, „man“ müsste „sofort ALLES übernehmen“, was ich kritisch anmerke: Von solch einem Anspruch bin ich weit entfernt. „Schauen Sie, sie wehren alles ab, was ich geschrieben habe, statt zu sehen, welchen Punkten ich zustimme.“ Wenn Sie meine Antwort als „Abwehr“ deuten, dann dürfen Sie das ebenfalls tun. Es motiviert mich meinerseits nicht wirklich, Ihnen weiter zu antworten, außer mit einem: „Wenn Sie eine wirkliche Antwort auf irgendwelche Fragen wollen, dann werden Sie bitte konkret!“

    In meinen Augen reagieren Sie weiterhin mit relativ pauschalen Satzhülsen. Mit diesen kann ich – wie bereits ausgeführt – nichts anfangen. Und darauf werde ich auch künftig nicht mehr antworten, es sei denn, ich hätte den Wunsch, einem groben Missverständnis oder einer wahrgenommenen Kränkung ausdrücklich zu widersprechen.

    @ Eva
    für die Frage der Heilbarkeit: Ich selbst glaube daran. Leider fehlt hierbei – seit und durch Freud – mehr als 100 Jahre ernsthafte Forschung.

    In einer Therapie sollte es sicherlich den Rahmen geben, um ein traumatisches Geschehen in die (beschränkte) Welt des Therapiezimmers hinauszuschreien. Dieser Aufschrei kann z.B. durch die Unterstützung bestimmter Organisationen, wie z.B. NetzwerkB, dauerhaft unterstrichen werden. Und sicherlich besteht ein nicht unwichtiger Schritt darin, mithilfe geeigneter Methoden einen Weg zu finden, das Geschehen als einen Teil der eigenen Lebensgeschichte radikal zu akzeptieren (es war nun einmal so, wie es gewesen ist), mit einzelnen Techniken einen Weg zu finden, die abgespeicherten Bilder und Erinnerungen in den Griff zu bekommen, zu verändern, zu entschärfen, sich in der Fantasie eine angemessene Bestrafung des oder der Verantwortlichen auszumalen, am Ende sich bei dem Teil, der dabei geholfen hat, dieses Martyrium zu überstehen, zu bedanken, ihn zu trösten, wertzuschätzen, ganz unter die eigene Obhut zu nehmen, ihn zu integrieren.

    Und ich erlebe in meiner Praxis viele Formen des Leidens, denen ich selbst – zum Glück – niemals bzw. nicht in diesem erschreckenden Ausmaß, ausgesetzt war: Sexualisierte Gewalt, körperliche Misshandlung, radikalen Beziehungsentzug, Unterbringung in Heimen, Konfrontation mit extrem körperfeindlicher Erziehung, massive Drangsalierung durch ältere Geschwister oder Horden von Mitschülern, Erleben massiver körperlicher Krankheit, Verlust von Körperfunktionen (z.B. aufgrund von Krankheit), … u.s.w. Da habe ich – als Nicht-Betroffener – natürlich „gut reden“. Und trotzdem bin ich überzeugt, dass es einen Weg zu einem Umgehen damit geben kann. Beispiele für solche großartigen – natürlich keineswegs selbstverständlichen – Leistungen gibt es zum Glück auch.

    Die Möglichkeit zur guten persönlichen Kompensation solcher „Ungerechtigkeit“ erspart einer Gesellschaft natürlich nicht, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie das Leid der vielen Opfer – durch Mobilisierung einer Solidarität der Gesamtheit – ein wenig zu lindern vermag.

  23. Realmenschin schreibt am :

    Lieber Herr Schlagmann, Sie brauchen auch nicht mehr antworten, da wir Beide im Moment eine unterschiedliche Sprache sprechen. Das kommt vor. Damit kann ich gut leben, und Sie machen den Eindruck, dass es Ihnen ebenso ergeht. Alles Gute weiterhin. Meine Unterstützung für die Teile Ihrer Anliegen, die sich mir als für mich stimmig erschlossen haben, haben Sie.

  24. anonym schreibt am :

    Mitleid/Mitgefühl; Beides steht doch im Zusammenhang, oder?
    Ich kann mitfühlen, wenn sich jemand freut und ich kann mitfühlen, wenn jemand
    leidet. Ersteres baut mich selbst auf und tut gut. Fühle ich jedoch Leid, ist das sehr
    ernüchternd und belastend. Es treibt aber auch zum handeln, zu einer Position. Ich könnte es auch lassen, ich meine mitleiden. In diesen Fällen
    ziehe ich mich emotional zurück, habe Abstand, bin aber gleichzeitig nicht mehr erreichbar für
    diesen Menschen. Es entsteht ein „Gefälle“ zum Leidenden.
    Ich bin der Meinung, mitleiden macht Angst, die Distanz ist Sicher.
    Die Psychoanalyse selbst habe ich als permanente Manipulation, absurde Deutungen, Demütigungen, zerstörerisch erlebt. Deshalb meinen Dank an Klaus Schlagmann.

  25. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Schlagmann,es gab in den 80er des letzten Jahrhunderts missbrauchte Odenwaldschüler und Schülerinnen,die sich z.bsp. wegen Angstzuständen und Panikattacken in Behandlung von Therapeuten des Sigmund Freund Institutes in Frankfurt begaben-also zu einer Zeit wo bereits die nächste Schülergeneration an der Odenwaldschule (so auch Andreas Huckele)sexuelle Gewalt angetan wurde!Keiner der Psychotherapeuten schritt gegen die Vorgänge an der Odenwaldschule ein oder ermutigten ihre Klienten dazu.Vielmehr wurde einem dabei „geholfen“ die Schuld bei sich selbst zu suchen,sich damit abzufinden und zu schweigen.Wenn man weiss wer unter anderem die Geldgeber für das Sigmund Freud Institut waren oder sind(?)nämlich z.b. Freudenbergstiftung-Herr Freudenberg saß ua in der relevanten Zeit im Trägerverein der Odenwaldschule im Vorsitz wird so manches klar.Ideologie der Psychoanalyse und finanzielle Potenz einer Oberschichts-Pädophilenclique und deren Freunde und Helfer arbeiteten und arbeiten hier sehr erfolgreich zusammen um Srafverfolgung zu entgehen und problemlos an ihre Opfer zukommen.

  26. Doro schreibt am :

    Lieber Herr Schlagmann,

    vielen Dank für diesen Satz: „Die Möglichkeit zur guten persönlichen Kompensation solcher „Ungerechtigkeit“ erspart einer Gesellschaft natürlich nicht, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie das Leid der vielen Opfer – durch Mobilisierung einer Solidarität der Gesamtheit – ein wenig zu lindern vermag.“

    (und natürlich für Ihren Einsatz überhaupt!)

  27. Karl Görtz schreibt am :

    Die Wurzel allen Übels ist die Politik, die Opfern nicht helfen will. Sie empfindet kein Leid für Opfer. Und genau deshalb findet man in der Politik die Kandidaten, die sich bevorzugt in psychotherapeutische Behandlung begeben müssten. Das tun die aber nicht freiwillig, weil sie glauben, nicht betroffen zu sein. Es fehlt die Empathie. Und weil sie ihnen fehlt, können die auch über Leichen gehen. Oder die USA diktiert ihnen die fehlende Empathie. Keiner von denen wird jetzt auf mich zukommen und mich dafür anklagen, wie ich so was behaupten könnte. Denn das Netz ist weit und war notwendig, um Revolutionen zu vermeiden. Aggressionsabbau im Netz ist halt besser als der Aggressionsabbau auf der Strasse. Wo werden heute eigentlich noch Nägel mit Köpfen gemacht? Nirgendwo! Schwammige Diskussionen sind In. Abhörskandal II Merkel wurde aufgelegt und Jauch wird unter seiner Goldkuppel antworten, wenn es nicht zuvor schon der Tatort gemacht hat. Tebartz-van Elst ist raus, medial. Die Verjährungsfristen sind raus, medial, und viele andere Skandale ebenfalls. Viele Skandale wurden von Jauch bereits abgehakt, aber nur medial. Konsequenzen daraus? Nichts. Die Order muss lauten: Mal gut, dass wir wieder mal über den aktuellen Skandal gesprochen haben. Das Volk ist beschäftigt. Das lenkt ab von der größten Wirtschaftskrise seit 29.

    PS:
    Zwangspsychiatrische Behandlung diktiert der Staat erstmal nur denjenigen, wo sie vermuten, dass die sich nicht wehren werden. Sie probieren es halt. Deutschland hat noch einen sehr hohen Bedarf an offenen prekären Stellen. Da muss die Politik heute schon mit dem Psychologen/Psychiater drohen, um diese zu besetzen.

    http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-behoerde-wollte-psychotherapie-erzwingen-90015858.php

  28. @ alle:

    Herzlichen Dank für den weiteren Zuspruch!

    @ Ex-Odenwaldschüler:

    Ihre Angaben sind ein prägnanter Beleg für die Lobbyarbeit der Psychoanalyse für solche Verbrechen wie sexualisierte Gewalt gegen Kinder! Es wäre für mich natürlich besonders interessant, solche Fallberichte im Detail und mit konkreten Beispielen beschrieben zu bekommen, damit vielleicht auch für kritische MedienvetreterInnen zusätzliches Material bereitgestellt werden kann. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie entsprechende Personen ermuntern würden, Kontakt mit mir aufzunehmen, z.B. auch gerne über meine direkte Email-Adresse.

    (Auch Herrn Huckele wollte ich bereits früher einmal kontaktieren, aber mein Brief an die Adresse, die ich recherchieren konnte, kam leider zurück. Wenn also jemand weiß, wie Herr Huckele zu erreichen ist, dann würde es mich sehr freuen, wenn ihm mein Kontaktwunsch vermittelt würde.)

    @ Karl Görtz:

    Ja, das politische Geschehen. Ich selbst bin eher etwas ratlos in der Frage, wie denn einen vernünftige Politik gefördert werden kann. Internet und Straße müssen sich nicht ausschließen.

  29. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Schlagmann,wie sie wahrscheinlich wissen ,gibt es bei den Odenwaldschul-Betroffenen eine grosse Dunkelziffer, die sich aus Angst und Scham nach wie vor nicht outen können.Außerdem gibt es Verurteilungen von Opfer(z.b. G. Roese)weil sie offen sprachen.Es wurden Opfer in dubiose Verkehrsunfälle verwickelt-z. T. mit nachfolgender strafrechtlicher Verurteilung von denen man annehmen muss das sie damit zum endgültigen Schweigen gebracht werden sollten.Denn welcher jetzt Vorbestrafte wird noch weiter öffentlich über die Causa Odenwaldschule sprechen.Es wird also schwierig sein Betroffene dazu zu bewegen sich bei Ihnen zu melden.Diese Menschen haben nach wie vor grosse Angst .Im übrigen gab es im Umfeld der Odenwaldschule auch noch in jüngster Zeit einige Suizide!

  30. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Bei Herrn Roese war es laut Presse wohl eine Unterlassungsklage!

  31. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Und manche Betroffene und Mitwisser der sexuellen Gewalt und des massiven Mobbings an der Odenwaldschule sind heute in etablierten Positionen und wollen das nicht gefährden.

  32. Anonym schreibt am :

    Als zweimalig massiv therapiegeschädigt habe ich danach jeweils vergeblich versucht, Hilfe bei einem Folgetherapeuten zu finden. Niemand war willens oder in der Lage, mit mir die traumatischen Erfahrungen aufzuarbeiten. Man wollte vom Fehlverhalten der Kollegen einfach nichts wissen, geschweige sich damit befassen. Herr Schlagmann ist da eine rühmliche Ausnahme, wohnt für eine Therapie leider zu weit entfernt.
    Meine Forderung ist, eine Ethik der Fehlerkultur bei den Institutionen der Psychotherapeutenausbildung und den Kammern zu etablieren.
    Man sieht nur Balken in den Augen der Geschädigten, in den eigenen noch nicht einmal Splitter. Hilfesuchende werden immer wieder neu verletzt, wenn man ihnen ihre Erfahrungen nicht glaubt oder sie nicht ernst nimmt.
    Wer wagt schon, ohne eine starke therapeutische Hilfe im Rücken einen Therapeuten anzuzeigen?

  33. Eva schreibt am :

    Experten schätzen, dass jedes Jahr zwischen 300 und 600 Patienten von ihren Psychotherapeuten sexuell missbraucht werden. Bei den Tätern handelte es sich oftmals um langjährig praktizierende Psychotherapeuten, die teils hohes Ansehen genießen, berichtet Christiane Eichenberg von der Universität zu Köln in der aktuellen Ausgabe des Magazins Gehirn und Geist (7-8/2013).

    http://www.gehirn-und-geist.de/alias/missbrauch-in-der-therapie/missbrauch-in-der-psychotherapie-taeter-sind-oft-aeltere-maenner/1197964

  34. klaraklara schreibt am :

    Ich denke, dass sich die eigentliche Front nicht zwischen Therapierichtungen auftut – ich habe selbst auch EINE sehr integre Psychoanalytikerin kennengelernt, neben mehreren „Katastrophen-Analytikern“ – sondern zentral geht die Front zwischen zwei Gruppen von Psychiatern und Psychologen. Die eine Grupppe aus Psychiatern und Psychologen erkennt das Verletzende, Traumatisierende, massiv Schädigende am sexuellen MIssbrauch an, die andere verleugnet es oder bagatellisiert das Ausmaß. Bitte, Herr Schlagmann, sehen Sie sich dazu auch den Link von Prospero unter

  35. klaraklara schreibt am :

    Fortsetzung:
    … dem aktuellen Artikel über einen straffälligen Erzieher an:
    http://julioseveroindeutsch.blogspot.de/2013/10/homosexuellen-gesetze-bereiten-das-feld.html

    Und hier, da soll es um Pädaphilie-Verharmlosung auf Wikipedia mit Hilfe von Veröffentlichungen von Psychologen gehen:
    „…Wikipedia Aritkel die Sexualität
    betreffend werden eindeutig von Päderasten und Pädokriminellen dominiert.
    Die Artikel „Kinderschutz“ Sexueller Missbrauch, Missbrauch mit dem Missbrauch,
    „Kinderpornografie“, „Pädophilie“ und „Infantile Sexualität“ werden eindeutig von einem Päderasten dominiert,
    der sich „Mondlichtschatten“ nennt …
    Seine Thesen untermauert er mit anglo-amerikanischen Sexualwissenschaftlern wie
    Unterwager und Krivacska, wer immer das sein mag, in seitenlangen englischen Texten.
    Leider fehlen mir die Möglichkeiten dagegen vorzugehen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderschutz
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderpornografie
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kindliche_Sexualit%C3%A4t
    http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Mondlichtschatten
    …“
    (Kommentar von darkcorner unter dem Link http://netzwerkb.org/2013/10/09/padophile-fanden-bei-pro-familia-eine-plattform/#comment-119327 ).

    Des weiteren sind doch wohl Kinderschutzbund und Pro Familia wichtige Arbeitgeber für Psychologen, und auch hier würde ich nicht alle Mitarbeiter über einen Kamm scheren, aber es gab in Veröffentlichungen des Kinderschutzbundes ganz offensichtliche Verharmlosung von Pädophilie, und die Konzepte des Kinderschutzbundes für Familienberatung nach Inzest finde ich auch sehr „befragungswürdig“. Den Täter zusammen mit dem betroffenen Kind unter einem Dach zu belassen, weil ja der Zusammenbruch der Familie fürs Kind „noch viel schlimmer sein könnte“ – auch darin sehe ich eine Verharmlosung der sexualisierten Gewalt. Dasselbe gilt, wenn ein Psychiater niemals bereit ist, nach dem traumatischen Ursprung psychischer Krankheit zu fragen und immer nur Psychopharmaka gibt (s. Klaus Dörner!).

    Nun habe ich eigentlich zwei Phänomene in den Raum gestellt:
    a) ganz offensichtliche Verharmlosung von „Pädosex“, meist in Form der Behauptung, an diesem könne sich ein Kind aus freiem Herzen beteiligen
    b) Behandler, Institutionen, Therapieschulen, die so tun, als wären sie auf der Seite der Opfer, und es aber, wenn man ihr konkretes Handeln in einer Therapiesituaion ansieht, nicht sind. Hier wird mit allerhand kognitiven und sprachlichen Manövern gearbeitet, um den Opfern sexualisierter Gewalt Sand in die Augen zu streuen, so dass sie sich immer noch mehr Verletzungen einhandeln und Zeit verlieren, bis die Verjährungsfristen verstrichen sind. Diesbezüglich finde ich auch Klaus SChlagmanns Kritiken an der Psychoanalyse sehr wichtig.
    Zwischen der Gruppe a) und b) sind Querverbindungen anzunehmen, wie aus den KOmmentaren von Ex-Odenwaldschüler einhergeht – aber: „so offen werden sie diese Querverbindungen heutzutage und auf längere Sicht, nicht mehr offentbaren“ –
    dachte ich, bis ich auf o.g. Links von prospero und darkcorner traf.

    Was soll man tun?
    könnte es vielleicht eine Allianz unter Fachleuten geben, die sich wenigstens von den ganz offensichtlichen Verharmlosungen der sexualisierten Gewalt öffentlich und klar abgrenzen? Und der Geselschaft, zum Beispiel auf Wikipedia, mitteilt: „und es schadet den Kindern doch!“?

    Was die Gruppe b) unter den Psychotherapeuten angeht, kennen Sie sich, Herr Schlagmann sicherlich sehr gut aus, ich möchte nur an Sie appellieren, auch auf entsprechende Probleme in anderen Therapieschulen oder der staatlichen Jugendhile zu sehen und evtl. auch nach dem Wirken der Täter-Lobby im größeren, gesellschaftlichen Zusammenhang zu schauen, von dem die „psychologischen Wahrheitsverdreher“ auch nur ein Teil sind.

  36. klaraklara schreibt am :

    ehm doch noch ein Nachtrag:
    darkcorner schrieb von Sexualwissenschaftlern, nicht direkt von Psychologen. Aber mit „Unterwaker“ müsste der amerikanische Psychologe Underwager gemeint sein, der zu der Riege der Pädosex-Vermarmloser dazugehört.

  37. klaraklara schreibt am :

    @ Ex-Odenwaldschüler: ich habe die Bücher von Huckele und Füller über die Odenwaldschule gelesen und auch auf einer Internetseite von Ehemaligen dieser Schule ein Hörspiel angehört, weil mich das Thema irgendwie sehr berührt. Ich wünsche allen, die sich nach erlittener Gewalt vor Gericht wagen, viel Glück. Sie schreiben von erneuten Suiziden im Umfeld der Odenwaldschule – betrifft das „Schüler von heute“ oder Ehemalige?

  38. klaraklara schreibt am :

    noch ein Nachtrag betr. Klaus Schlagmanns Artikel und der Diskussion darüber: ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass es auch in Psychoanalysen zur ganz offenen Verleugnung der in Pädosex enthaltenen Gewalt und des Traumas beim Opfer kommt. Wird dann halt geschickt mit Nebelkerzen vermischt werden.

  39. Karl Görtz schreibt am :

    Ich finde schon, dass jeder Psychologe, Psychotherapeut und Psychiater den folgenden Link lesen sollte. Aber auch jedeR Betroffene. Es werden immer mehr.

    http://www.jjahnke.net/rundbr101.html#3000

  40. klaraklara schreibt am :

    Hier noch ein Nachtrag. Dass ein Psychoanalytiker ganz offen Pädosex legitimiert – ich kann es mir nicht nur vorstellen, ich hatte vor wenigen Tagen ein entsprechendes Zitat wiedergegeben! Allerdings stammte der Spruch aus den Achziger-Jahren.
    GANZ offen ist der Psychoanalytiker natürlich auch da nicht – tut so, also ginge es nicht um sexuelle Bedürfnisse des Erwachsenen sondern um unbefangene Körpererkundungen und -spiele eines Kindes … Und schon wieder ist mein Gehirn gründlich vernebelt.

  41. kristina schreibt am :

    danke an klaraklara für den Satz „b) Behandler, Institutionen, Therapieschulen, die so tun, als wären sie auf der Seite der Opfer, und es aber, wenn man ihr konkretes Handeln in einer Therapiesituaion ansieht, nicht sind. Hier wird mit allerhand kognitiven und sprachlichen Manövern gearbeitet, um den Opfern sexualisierter Gewalt Sand in die Augen zu streuen, so dass sie sich immer noch mehr Verletzungen einhandeln und Zeit verlieren, bis die Verjährungsfristen verstrichen sind. Diesbezüglich finde ich auch Klaus SChlagmanns Kritiken an der Psychoanalyse sehr wichtig.“ – ich glaube – wenn mein hirn durch das nebeldickicht steigt – dass ich das erlebt habe. zweifach. und deshalb nicht mehr nach therapeutischer hilfe suche. nicht mehr vertraue. zumindest, wenn es „therapie“ heißt, besonders tiefenpsychologisch. das hast du gut benannt, danke dafür. (zum glück finde ich Hilfe beim frauennotruf, die klar parteilich position beziehen – FÜR mich). aber dennoch: die Aufarbeitung stockt und die verjährungsfrist ist verstrichen. zack. das ist eine katastrophe!

  42. Karl Görtz schreibt am :

    @Klaus Schlagmann

    „Internet und Straße müssen sich nicht ausschließen.“

    Darf ich Ihnen etwas sagen?

  43. klaraklara schreibt am :

    Hallo Kristina,
    danke ebenfalls für die Resonanz. Was du über deine Therapiegeschichte erzählst – ich könnte da durchaus Parallelen in meiner Geschichte finden. In meinem Falle finde ich hochprobematisch, was alles an Zeit für MEIN LEBEN verstrichen ist. Und jetzt weiß ich nicht, ob ich mich nochmal auf die Suche nach einer hilfreicheren Therapeutin machen soll, oder ob ich diese Zeit lieber in etwas anderes investieren sollte.

  44. Hubert schreibt am :

    In Sachen anonymer Beschwerdestelle hat sich wohl auch noch nicht viel geändert.
    Therapeuten und insbesondere auch Gutachter können,
    sodann sie das warum auch immer wollen, sich an Patienten regelrecht austoben. Wie bitte soll sich ein Patient dagegen wehren können, ohne Gefahr zulaufen, in große Schwierigkeiten in Sachen Beweisführung zu kommen?
    Am Ende bekommt dann ein zusätzlich geschädigter Patient womöglich noch Paranoia oder ähnliches bescheinigt. Es gibt dazu genügend Fälle, und sicher noch viel mehr bisher unbekanntte Fälle.
    Das muß aufhören. Wo bitte ist die anonyme wirksame Beschwerdestelle für Patienten?

  45. Stefan Finke schreibt am :

    Hallo Herr Schlagmann,

    ich unterstütze die Forderung nach einem Runden Tisch ausdrücklich, eine Enquete-Kommission wäre allerdings noch besser.
    Es muss endlich in Politik, Gesellschaft und betroffene Wissenschaften (Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften, Medizin) hineingetragen werden, was in der real existierenden Psychotherapie, insbesondere Psychoanalyse wirklich geschieht.

    Noch aus den Zeiten von Freuds Anfängen, als die Psychotherapie sich gegen Unverständnis und das Denken eines spießigen 19. Jahrhunderts durchsetzen musste, verfügt die Psychotherapie über ein Arsenal an aufklärerischen Argumenten, das sie auch heute noch gegen Kritiker einsetzt – allerdings wird dabei übersehen, dass die Psychotherapie heute kaum noch gegen rückständiges Unverständnis ankämpft. Heutige Kritiker werfen eher umgekehrt der Psychotherapie vor, dass sie rückständig und anti-aufklärerisch ist.
    Man muss sehr gut aufpassen, dass man da nicht in den falschen Topf geworfen wird.

    Besonders die Psychoanalyse wird allgemein idealisiert, und wer ihr – speziell im aufklärerisch links-liberalen, akademischen Milieu, dem z.B. ich mich zurechne – mit Kritik begegnet, der erntet oft Hohn und Unverständnis.
    Kritik gilt dann als Zeichen des Widerstandes, und wer von seinen eigenen Erfahrungen berichtet, erntet Feindseligkeiten, von denen können andere nur träumen.
    Da heißt es entweder “mir könnte das nicht passieren” (doch, könnte es) oder, schlimmer, “da musst du selbst ein Problem haben” (Opferbeschuldigung).

    Ich selbst hatte eine Zeitlang einen Blog, “Psychoanalyse-Kritik” – eine Flirtfreundin las eine Stunde darin herum und blockte dann jedweden Kontakt mit mir. Kritik an der Psychoanalyse trifft in unserem Milieu allzu oft auf Verständnisblockaden.
    Schon hatte ich dadurch, dass ich offen (und wohlfundiert) die Psychoanalyse kritisierte, eine Beziehungsmöglichkeit verloren.

    Die Psychoanalyse als Heilungstechnik wird schon in der Schule gelehrt, sie hat sich in der Gesellschaft durchgesetzt, fast jede Woche darf in der ZEIT oder im SPIEGEL irgendein berühmter Psychoanalytiker ein Interview geben – erst kürzlich H.J.Maaz, der einfach einmal totalitär behauptete “Wir sind alle gestört” (alle!, was für ein trauriger Gesundheitsbegriff muss das sein, dem offensichtlich niemand entspricht); Bücher wie von Yalom (“Die rote Couch”), Filme wie “Good Will Hunting” oder Serien wie “In Treatment” (in Deutschland auf arte ausgestrahlt) zeichnen ein Bild von Therapie und Therapeuten, Durchbrüchen und Heilungserfolgen, dem sich kaum jemand entziehen kann.

    Das Ergebnis ist Idealisierung und ungefiltertes Vertrauen. Ohne jede Kontrolle können die Analytiker sich ihr persönliches Süppchen auf der Psyche ihrer Patienten kochen – und tun das auch.
    Wer das kritisiert, gilt als rückständig.

    Seit den 68ern gilt die Psychoanalyse als Vehikel der Selbstbefreiung – und wer etwas dagegen sagt, der hat wohl seinen Adorno nicht gelesen …
    Kurz, die Psychoanalyse hat sich längst allgemein durchgesetzt und wird als Folgeinstitution der Kirche (Beichte, Kritiklosigkeit, Stellung des Priesters) angebetet – mit den gleichen Folgen (seelischer und körperlicher Missbrauch durch den Beichtvater).
    Hier wäre Aufklärung über die idealisierte Institution “Psychoanalyse” dringend erforderlich.

    Ich selbst gehöre ebenfalls zu den Psychotherapie-Opfern. Ich hatte Schriftstellerei in drei (!) Studiengängen akademisch studiert (Uni Tübingen, ETH Zürich, Uni Leipzig), erfolgreich Hörspiele (produziert von WDR, BR, SWR und anderen Sendern), Theater (Einladung zu den Berliner Festspielen), Prosa (mehrere Preise gewonnen) veröffentlicht, habe aber eine Psychoanalyse begonnen und – ohne es zu wissen – meine Kreativität, meinen inneren Reichtum, mein Talent mit einem eisernen Schwamm abbürsten lassen.
    Der Folgetherapeut, mit dem ich die Beschädigungen durch den ersten bearbeiten wollte, war noch schlimmer. Er hat mit Dekonstruktionen und anderen technischen Mitteln der manipulativen Zerstörung tief in mein Talent eingegriffen. Als ich ihm sagte, dass er mich verletze und mich inzwischen soweit habe, dass ich nicht mehr schreiben könne, fing er an zu leuchten und sagte zufrieden: Na, also! – Da erst wurde mir klar, dass die Zerstörung Absicht war.
    Und erst im Nachhinein wurde Vieles, was ich für eklatantes Missverständnis gehalten hatte, mir deutlich als Teil einer therapeutischen Strategie, die mich von meiner Begabung “heilen” wollte.
    Später sagte er mir noch, er hätte außerdem gehofft, dass ich ihn zum Schriftsteller machte (über die Zerstörung meines Talents??). Das ist ein psychischer Missbrauch – für den es aber vor Gericht oder anderen keine Beweise gibt.
    Mit anderen Worten: Ich habe mir mein Talent, meine Persönlichkeit, meine Emotionalität, meine Intelligenz, meine Leidenschaft für Literatur stehlen lassen – von Menschen, die eine erfolgreich beruflich ausgeübte schriftstellerische Begabung für eine Krankheit halten.
    Zwölf Jahre schwere PTBS waren die Folge, schlimme Schlafstörungen bis heute, ich kann keine Musik mehr erleben, freue mich nicht mehr an Landschaften oder überraschenden Vollen, ich kann mich beim Lesen nicht mehr konzentrieren (geschweige denn beim literarischen Erzählen, das für mich heute völlig außer Reichweite liegt), und nachdem mein letztes Theaterstück, das ich vor Beginn der “Therapie” geschrieben hatte, zu den Berliner Festspielen eingeladen worden war und in Klagenfurt einen Preis gewonnen hatte, habe ich, durch die Therapien iatrogen gestört, nie wieder etwas geschrieben.
    Die Folge: Berufsunfähigkeit in meinem angestammten, erlernten Beruf, Zerstörung meiner Erwerbs-Biographie, Verlust von Sozialbeziehungen, Absturz auf ein ungemein niedriges Niveau.
    Nachweisen kann ich nichts, und – man kennt ja die Staatsanwälte – ein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht nicht.

    Seitdem habe ich gelegentlich bei anderen Therapeuten Rat gesucht. Die jedoch derselben Verständnissperre unterliegen – eine Kritik an anderen Therapeuten gilt dann als Abwehr gegen den Berufsstand, und statt Therapie erntet man Aggression.

    Daher unterstütze ich Ihre Forderung nach einer öffentlichen Diskussion über notwendige Neu-Regelungen:
    a) Es müssen Institutionen geschaffen werden, die Psychotherapie-Geschädigte auffangen.
    Die Kammern, die sich als Ständevertretungen der Ärzte bzw. Psychotherapeuten verstehen, sind diesbezüglich ein Witz. Ohnehin ist es ein Fehler, dass einerseits Psychologen mit Zusatzausbildung bei der Psychotherpeutenkammer, andererseits Mediziner mit Zusatzausbildung bei der Ärztekammer sitzen. Hier muss erst einmal zusammengelegt werden, was zusammengehört – und in einem zweiten Schritt entsprechender kritischer Sachverstand entwickelt werden.
    Die Schiedsstellen der Kammern sind nominell neutrale Instanzen, in der Realität sind sie nicht neutral – dazu müssten sie aber erst noch gemacht werden.
    b) Die Psychotherapie muss kontrolliert und dokumentiert werden – nicht durch persönliche Niederschriften der Therapeuten, die hinterher nicht angefordert werden können, da diese Niederschriften immer auch persönliche Bemerkungen enthalten; sondern durch Tonaufnahmen, die archiviert und auf Verlangen herausgegeben werden müssen.
    c) Die institutionellen Verflechtungen von Ausbildungsinstituten, Kliniken, Praxen und Universitäten, die eine kritische, offene Aufklärung befördern sollten, in der Realität aber behindern, muss ergänzt werden durch einen Lehrstuhl, noch besser ein “Institut zur kritischen Erforschung der Psychoanalyse”.
    d) Das Bild der Psychoanalyse in der Öffentlichkeit bedarf dringend der Korrektur. Erst kürzlich schlug in der ZEIT ein Interviewer dem Weltschriftsteller und Nobelpreiskandidaten Haruki Murakami vor, seine gelegentlichen Schlafprobleme mit einer Psychoanalyse heilen zu lassen. Sichtlich hatte der Interviewer Beispiele geglückter Analysen vor Augen – wusste aber ebenso offenbar nicht, wie schädlich und gefährlich so eine Operation an offener Psyche sein kann. Dass echte schriftstellerische (oder allgemeiner: künstlerische) Begabung bei vielen – rückständigen! – Therapeuten als pathologisch und heilungsbedürftig gilt, ist wohl auch in der Qualitätspresse nicht bekannt.
    Der Umgang mit Künstlern in der real existierenden Psychoanalyse ist auch für Nicht-Künstler wesentlich: Er verrät, wie sie mit psychischem Vermögen umgeht. Die Antwort ist: Verheerend.
    Und das müsste endlich allgemein bekannt werden.

    Daher also Runder Tisch oder Enquete-Kommission.
    An einer solchen Diskussion müssten unter anderem betroffene Patienten teilnehmen; Ärzte, die mit den psychosomatischen Folgen verfehlter Therapien konfrontiert sind; engagierte Therapeuten, die sich nicht automatisch mit fehlbehandelnden Kollegen identifizieren; Vertreter von Beratungsstellen für Therapie-Opfer, die Erfahrungen mit den Beschädigungen durch Therapie haben; Juristen, welche die Lücken im Gesetz aufzeigen, durch welche fehlbehandelnde und missbrauchende Therapeuten immer wieder entwischen; Politiker und beschlagene Journalisten, die sich kritisch-aufklärerisch mit der Materie beschäftigen.

    Damit wäre schon viel gewonnen.
    Was ist denn der aktuelle Stand der Dinge auf Ihrer Seite?

    Beste Grüße,
    Stefan Finke

  46. Stefan Finke schreibt am :

    PS.: Übrigens auch die Patientenbeauftragten der Länder und des Bundes müssten dringend zur Diskussion eingeladen werden – denn auch dort besteht noch zu geringes Problembewusstsein. VG

  47. Hallo Herr Finke,

    zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre Unterstützung der Forderung nach einem „Runden Tisch Psychotherapie-Opfer“!

    Zu Ihrer letzten Frage nach dem Stand der Dinge: Nun, die Petition war ein voller Erfolg. Nachdem sich ihr rasch mehrere Zigtausend Betroffene angeschlossen hatten, konnte der Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, Herr Maas, kaum anders, als sich von den Plänen zur Einrichtung eines „Runden Tisches“ sehr angetan zu zeigen. Auch der Bundesminister für Gesundheit, Herr Gröhe, wollte nicht zurückstehen und hat sich dem Projekt angeschlossen. Die Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bzw. für Bildung und Forschung, Frau Schwesig und Frau Wanka, wollen sich der Sache womöglich ebenfalls annehmen. Gemeinsam soll dann demnächst tatkräftig daran gearbeitet werden, dass die bestehenden Missstände ein für alle mal ausgeräumt werden …

    … ja, so etwas wäre zu schön, um wahr zu sein. Es ist natürlich nichts passiert. Die Petition hat knapp 500 Interessenten erreicht. Die Politik hat im Moment andere Sorgen. Europa muss aufgerüstet, demokratische Gepflogenheiten, Bürgerrechte und Bürgerschutz müssen weiter abgebaut werden. Da ist kein Platz und keine Zeit für Opferschutz!

    Ihrem Text entnehme ich, dass Sie verantwortlich waren für die Seite „Psychoanalyse-Kritik“. Nach einem Hinweis auf diese Seite hatte ich mehrmals versucht, sie aufzurufen, konnte jedoch jeweils nur die erste Seite (durch einen Grauschleier hindurch) lesen. In einer Meldung hieß es, die Seite würde überarbeitet. Schade, ich hätte mich gerne einmal dort gründlicher umgesehen. (Gibt es die Texte noch? Ich würde sie gerne mal in Ruhe lesen.)

    Sie schreiben in diesem Zusammenhang von der Reaktion einer „Fllirtfreundin“, die nach der Lektüre dieser Seite den Kontakt zu Ihnen unmittelbar abgebrochen hätte: „Schon hatte ich dadurch, dass ich offen (und wohlfundiert) die Psychoanalyse kritisierte, eine Beziehungsmöglichkeit verloren.“ Hier würde ich – in Anlehnung an eine Szene aus „Jenseits von Afrika“ – sagen: Nicht Sie haben eine Beziehungsmöglichkeit verloren, sondern Ihrer „Flirtfreundin“ ist dies geschehen. (Sie hat sich das aber selbst zuzuschreiben. Kein Mitleid.)

    Dass Sie dem veröffentlichten Psycho-Geplärre in den Mainstream-Medien nichts abgewinnen, kann ich gut verstehen. Ja, Herr Maaz scheint sich seine eigenen Größe dadurch beweisen zu wollen, dass er ständig irgendwelche Verallgemeinerungen offenbart: „Wir sind alle narzisstisch.“ „Wir haben alle einen Lillith-Komplex.“ „Wir sind alle gestört.“ … Talentlose Wichtigtuerei, die über die Medien gerne noch verbreitet wird.

    Ihnen selbst gratuliere ich zu Ihrem schriftstellerischen Talent, zu den Preisen und Auszeichnungen, die Sie damit errungen haben! Leider waren Ihnen bei der Aufnahme Ihrer Psychoanalyse die „Risiken und Nebenwirkungen“ nicht bewusst. (Die Aufklärung über schädigende Wirkung von Psychotherapie ist leider miserabel.) Psychoanalytische Kleingeister können es nicht ertragen, wenn ihr Klientel ihnen an Kreativität und Vitalität haushoch überlegen ist. Jedes Mal, wenn Sie als Klient Erfolge und Preise erwähnen, wird eine typische psychoanalytische Fachkraft hierin einen Kastrations- oder Depotenzierungsversuch wittern, in der Überzeugung, hier Ihrem „Ödipuskomplex“ dicht auf der Spur zu sein.

    „Mit anderen Worten: Ich habe mir mein Talent, meine Persönlichkeit, meine Emotionalität, meine Intelligenz, meine Leidenschaft für Literatur stehlen lassen – von Menschen, die eine erfolgreich beruflich ausgeübte schriftstellerische Begabung für eine Krankheit halten.“ Ja und Nein.

    Nein: Ich glaube nicht, dass Ihnen jemand Ihre Intelligenz, Emotionalität und Leidenschaft für die Literatur wirklich stehlen konnte. Die zwei armen Wichte, mit denen Sie zu tun hatten, haben Sie gehörig verunsichert, irritiert, aus dem Konzept gebracht. Erlauben Sie diesen Menschen nicht, solch eine Macht über Ihr künftiges Leben auszuüben! Schütteln Sie die bösen Gespenster ab! Haben Sie den Mut, diesen widerwärtigen Fratzen in ihre glasigen Augen zu sehen! Sie haben dabei dann die Möglichkeit, ziemlich genau zu verstehen, wie KRANK das System der Psychoanalyse ist. Und Sie verstehen dann vielleicht auch besser, dass es für die Mächtigen nichts besseres gibt, als den Opfern von Gewalt immer wieder zu attestieren, dass sie ja an all dem Elend nur selbst schuld sind. (Daraus könnte doch noch ein gehöriges Maß an Inspiration für weitere Stücke und Texte erwachsen!) Sie haben damit am eigenen Leib erlebt, was z.B. etliche Opfer von sexualisierter Gewalt in ihren „Therapien“ ebenfalls erlitten haben und können damit wohl die überwältigende, lähmende Kraft ermessen, die von solchen falschen Helfern ausgeht!

    Ja: Tatsächlich glaubt der alte Freud, dass sich Neurosen, Träume und schriftstellerische Werke aus ein und derselben Quelle ergießen: Aus perversen Phantasien, die verdrängt werden müssen. Beim Neurotiker werden daraus Symptome, beim Träumer Träume, beim Schriftsteller Romane und Novellen. Lesen Sie die Protokolle der Mittwochsgesellschaft. Egal, welcher Schriftsteller dort besprochen wird: Inzestwünsche, Homosexualität, Exhibitionismus, Selbstbefriedigung sind die zentralen Motive der jeweiligen Dichter. Jedenfalls in den höchst eingeschränkten Köpfen der Psychoanalytiker. (Man erörtert in der Mittwochs-Runde einmal, welches denn die am wenigsten neurotische Berufsgruppe sei. Das sind – für diesen Kreis aus überwiegend Ärzten – die Ärzte. Als Arzt darf man dann auch schöne Fallberichte schreiben.) Wenn Sie als Schriftsteller tätig sind, dann ist das nur ein Beleg dafür, dass Sie nicht gelernt haben, sich Ihrer Neurose zu stellen. Deshalb verzeichnet es Ihr Analytiker wohl allen Ernstes als Erfolg, wenn Sie berichten, dass Sie nicht mehr schreiben können. Er glaubt dann wahrscheinlich, dass es nun mit der Therapie endlich losgehen könnte.

    Lesen Sie z.B. die völlig grotesken Thesen, die Stekel (Dichtung und Neurose, 1909) über die Motive der Schriftsteller entwickelt. Er ist, genau wie Freud, völlig fixiert auf perverse Triebe und völlig blind für alles andere. In einer jüngsten Arbeit („Gradiva. Wahrhafte Dichtung und wahnhafte Deutung.“, 2012) habe ich die groteske Literaturdeutung von Freud selbst in Bezug auf die Novelle „Gradiva“ (1902) und ihren Schöpfer, Wilhelm Jensen, ausführlich auseinandergenommen. Man sollte nicht für möglich halten, mit welcher Systematik selbst nach über einhundert Jahren von der Freudschen Anhängerschaft simple Fakten einfach ausgeblendet werden. Ein Flaggschiff dieser Ignoranz ist die im SPIEGEL gerne zitierte Frau Roudinesco, die in einem dreiseitigen Beitrag zu dieser Deutungsgeschichte neunfachen Unsinn verbreitet. Und wenn Sie dieser Zunft dann im Detail nachweisen, an wie vielen Stellen sie sich als unfähig erwiesen hat, die Realität wahrzunehmen, dann wird das als „Freud-bashing“ abgetan.

    Dabei bin ich allerdings fest davon überzeugt, dass den führenden VertreterInnen dieses Irrsinns voll und ganz bewusst ist, dass es Irrsinn ist, was sie da propagieren. Sie propagieren ihren Mist jedoch weiter, weil diese Opferbeschuldigungs-Ideologie den Mächtigen sehr gut in den Kram passt. Als Mitglied der Propaganda-Clique genießt man das Privileg, sich am Hof der Mächtigen tummeln zu dürfen. Die fleißigen Wahrheitsverdreher sonnen sich gerne im Glanz der ganz Großen und Starken.

    Die Opferbeschuldigungs-Ideologie ist gewollt. Es gibt in unserer Gesellschaft kein konsequentes Engagement gegen sexualisierte und nicht-sexualisierte Gewalt, gegen Vernachlässigung, gegen Ausbeutung, gegen soziale Ungerechtigkeit. Dazu müssten ja – heute mehr, denn je – die Grundlagen dieser Gesellschaft massiv in Frage gestellt werden. Diese Gesellschaft benötigt konsequente Verdrängung. Die weitestgehend gleichgeschalteten Medien spielen bei dieser Verdrängung eine herausragende Rolle. Den Opfern von Gewalt wird nicht gestattet, konsequent ihr erlebtes Elend zum Ausdruck zu bringen und damit wahrgenommen zu werden.

    Deshalb bin ich eigentlich eher skeptisch, was die Einrichtung einer Enquete-Kommission in Bezug auf Psychotherapie-Schäden betrifft. Oder einen angemessenen Umgang mit sexualisierter Gewalt. Oder mit Fragen von Gewalt in Familien, Heimen, Institutionen. Trotzdem sollten wir nicht aufhören, uns dafür zu engagieren. Ich selbst bin seit Anfang des Jahres Mitglied im erweiterten Vorstand der „Walter-von-Bayer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V.“ (GEP) (http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpgepde/). Hier widmet man sich, Fachleute und Betroffene gleichermaßen vereint, seit vielen Jahren diesem Thema, bislang jedoch mit dem Schwerpunkt Psychiatrie. Das Thema „Psychotherapie“ oder „psychologische Gutachten“ rückt derzeit etwas stärker in den Bereich der Aufmerksamkeit.

    Eine Auseinandersetzung mit der Thematik halte ich für überaus wichtig. Mit Ihrem Text haben Sie einen sehr wichtigen Beitrag geleistet. Dafür nochmal meinen herzlichen Dank! Lassen Sie uns gerne diese Auseinandersetzung fortsetzen. Ich lade auch alle Therapie-Opfer, die sich nicht in einem offenen Forum zu Wort melden wollen, ein, sich direkt an mich zu wenden (KlausSchlagmann [at] t-online.de). Die Aussichten, etwas Entscheidendes zu erreichen, sind zwar minimal, wir sollten jedoch nichts unversucht lassen.

    Herzlicher Gruß
    Klaus Schlagmann

  48. Stefan Finke schreibt am :

    [Und schon wieder eine 2. Version. Trotzdem, diese hier ist die Bessere:]

    Hallo Herr Schlagmann,

    vielen herzlichen Dank für Ihre eingehende Antwort!
    Ihre Hinweise sind nützlich, und ich danke Ihnen besonders für Ihre Ermutigung.

    Als Publizist habe ich natürlich einen etwas anderen Blick auf die Qualitätspresse – die ihre Aufgaben (u.a. Kontrollfunktion) meines Erachtens in der Regel ziemlich gut erfüllt, denkt man z.B. nur daran, was etwa die Süddeutsche für Gustl Mollath getan hat.
    Aber dies am Rande.
    Ganz abgesehen davon, dass wir die Öffentlichkeit als Partner brauchen, wenn wir über die Wildwüchse der Psychotherapie aufklären wollen.

    Was mich erschüttert, ist der neidische Hass der Psychoanalyse auf Kunst und Literatur, dessen Entwicklung Sie skizzieren.
    Darauf war ich nicht gefasst. Bisher hatte ich angenommen, dass ich schlicht das Opfer schlechter Therapeuten geworden wäre.
    Schlimm genug!

    Nach Ihren Hinweisen aber sehe ich das nun sehr viel kritischer.
    Der psychoanalytische Diskurs pflegt, wenn ich Sie richtig verstanden habe, in der Tat einen Traditionsstrom der giftigen Abwehr von Hochbegabung, Kreativität und intellektuellem Vermögen.
    Ich hielt das für teilweise geklärt und aufgearbeitet – wenn etwa einflussreiche Analytiker in ihren Lehrbüchern zur Technik schon vor Jahrzehnten darauf drangen, dass Zerstörung kein Mittel der Therapie sein könne.
    Andererseits wird diese Abwehr jedoch in den Praxen auch heute noch weitergetragen (vgl. mein Beispiel) – und zur Grundlage eines beschädigenden Missbrauchs therapeutischer Mittel im Namen des Guten.
    Das ist nicht mehr Wissenschaft, das ist Ideologie.
    Eine Theorie nämlich, welche die vorsätzliche Zerstörung von Talent rechtfertigen – und das noch als “Therapie” verkaufen – will, hat sich schon längst von der Realität verabschiedet.
    Anders gesagt: “Beschädigung als Therapie” – da unterliegt die Psychoanalyse, die sich doch aufs Schild geschrieben hat, verborgene Wahrheit(en) zu erkennen, nun selbst einer pathologisch wahnhaften Verzerrung der Realität.
    Es gibt keine Rechtfertigung für die vorsätzliche Zerstörung von Talent. Es gibt sie schlicht nicht.
    Wer eine solche Rechtfertigung aber durch pseudo-dialektische Wendungen herbeifabriziert, die dann auch noch handlungsleitend sein sollen, der produziert Wahn.

    Das Fatale ist, dass jene Therapeuten, die einen gewissen kleinbürgerlich-neidischen Hass auf Kunst und Hochkreativität hegen, in der analytischen Tradition – wie Sie beschreiben – genug Material finden, ihre rigide Voreingenommenheit mit einer pervertierten, letztlich anti-intellektuellen Version der Psychoanalyse zu bemänteln.
    Da tarnt der Hass sich als Wissenschaft – und das Problem findet sich auch bei der eminent wichtigen Thematik des sexuellen Missbrauchs in der Therapie, die Sie so sehr beschäftigt.

    Und jetzt weiß ich nicht weiter. Ich hatte dreimal zu einer Antwort angesetzt, und habe dreimal festgestellt, dass sie mir zu lang gerät.
    Wohl, weil ich auf der einen Seite auch gute Therapie-Erfahrungen gemacht habe (vor der fehlgeschlagenen Analyse) und die Therapie nicht in toto verwerfen will. Und weil ich auf der anderen Seite einen gewissen Widerwillen gegen undifferenzierte Gesamt-Urteile spüre.
    Ich will die Psychotherapie mit ihren Chancen nicht aufgeben. In mir schreit alles: Verbieten!
    Oder: Wenigstens nicht mehr von der Kasse bezahlen lassen! Kassenfinanzierte Zerstörung von Talent, das geht ja auch nicht!

    Zugleich fällt es mir aber als jemandem, der aus den Geistes- und Sozialwissenschaften kommt, welche der Psychoanalyse so ungeheuer viel zu verdanken haben, sehr schwer, dies ernsthaft zu fordern. Eben weil es ja auch die liberalere, fruchtbringende Gegenströmung innerhalb der Psychoanalyse gibt.
    Ich versuche daher, immer wieder abzuwägen – was allerdings als traumatisiertes Opfer der ganzen Angelegenheit nicht eben leicht fällt.

    Ich neige daher sehr dazu, neben dem von Ihnen skizzierten Traditionsstrom (eine Katastrophe!) auch den liberaleren, intellektuelleren Gegenstrom zu sehen und immer noch zu glauben, dass die Psychoanalyse sich über Aufklärung, Transparenz, Kontrolle, Öffnung des Diskurses (auch in die Qualitätspresse hinein) und verbesserte Informationen vom teilweise wahnhaften und daher beschädigenden Glaubenssystem reformieren lässt hin zur faszinierenden, mitreißenden Erkenntnis-Wissenschaft.
    Was wir dafür leisten müssen, ist, die Psychoanalyse aus der Idealisierungsecke herauszuholen, sie dem Missbrauch zu entziehen, sie der Kontrolle zugänglich zu machen, kurz, sie für Patienten steuerbar und demokratischer zu machen.
    (Hier münde ich wieder ein in meine Forderungen aus dem letzten Kommentar.)
    Ein Pfad allerdings, und da sind wir uns hier wohl alle einig, den die Analyse schon vor langer Zeit verlassen hat.

    Unterdessen besteht das Problem fort, in erster Linie für die Patienten:
    Zu Beginn der Psychoanalyse wissen die Patienten nicht, welchen Geistes Kind ihr Therapeut ist – einer, der Talent fördert, der intellektuell ist, der Eloquenz, Charme, Begabung nicht für Krankheiten hält? Oder ein Bauer, der nicht mehr kennt als sein Medizinstudium mit anschließender Zusatzausbildung (so einen habe ich erlebt), und der die Künste und Geisteswissenschaften für pathologische Auswüchse hält? Oder gar einer, der sich durch seine Machtstellung zum Missbrauch einladen lässt?
    Er wird es auch nicht erfahren. Es gehört ja geradezu zum psychotherapeutischen Handwerk, die berühmte “Leimrute” auszulegen, um den Patienten durch Verständnis und positive Bestärkung anzulocken – um danach, wenn die Therapievereinbarung erst einmal geschlossen ist, ganz anders zu agieren. Anders gesagt, Lügen ist in diesen Schulen Teil des psychotherapeutischen Handwerks.

    Auch hier wieder fehlt Kontrolle, Transparenz, Information.
    Es wird mitunter – sogar hier, bei einem Aufruf zu mehr Transparenz: http://www.aerzteblatt.de/archiv/50584/Misserfolge-in-der-Psychotherapie-Sinnvoll-waere-ein-eigener-Beipackzettel – darauf hingewiesen, dass eine transparente Patienteninformation den Patienten von der Therapie abhalten könne.
    Hinter solchen Wendungen (die im Kern den Patienten für ein unmündiges Bündel unkontrollierter Triebe halten, der sein eigenes Schicksal nicht entscheiden darf) versteckt sich dann die Feindseligkeit des Therapeuten. Dessen z.T. fatalen Grundsätze werden für den Patienten unsichtbar.

    Eine therapeutische Praxis aber, zu deren Prinzipien Intransparenz und Verweigerung der Aufklärung gehört, lädt diejenigen, welche von der daraus resultierenden Machtstellung profitieren, nämlich die Therapeuten, zu all den Korruptionen, seelischen und körperlichen Missbräuchen und Beschädigungen ein, die hier auf dieser Seite schon beschrieben wurden.

    Eine Reform also. Und wenn nicht über den runden Tisch, der ja bedauerlicherweise (noch) nicht zustande gekommen ist, dann eben über die Öffentlichkeit – und hier schließt sich der Kreis doch noch -, nämlich genau bei der Qualitätspresse, die man hier zum interessierten Partner gewinnen müsste.

    Viele Grüße!

    PS.: Meine Website Psychoanalyse-Kritik.de habe ich in der Tat abgemeldet, die Texte dazu mit. Das Konzept stimmte nicht mehr. Sobald ich Zeit habe, werde ich mich wieder dransetzen.
    Und zu jener „Flirtfreundin“ – klar ist sie selbst schuld! Aber das Beispiel zeigt, wie sehr die Idealisierung der Ersatz-Religion „Psychoanalyse“ im liberal-akademischen Milieu fortgeschritten ist. Eine Ebene unter möglichen Beziehungen habe ich auch Freunde verloren, die sich mit dem bereits zitierten „Das könnte mir nicht passieren“ von mir abwandten.
    Erzählen kann man nicht, was einem dort passiert ist, aber verschweigen möchte man es auch nicht. Das ist der Punkt.

  49. hildegard schreibt am :

    Ganz großer Dank den Herren Finke und Schlagmann!
    Von Ihrer Offenheit im öffentlichen Austausch werden viele so oder ähnlich Betroffene profitieren.

    Eine marode Ideologie gehört sachlich und fachlich an den Pranger gestellt.

    Ein Lichtblick an Pfingsten :-). Weiter machen!

  50. Gertrud Tammena schreibt am :

    Es ist auch hier wie überall, die Spreu vom Weizen trennen.
    Bei den negativen Auswüchslern in der Psychotherapie gibt es sicherlich auch ideologische Irrwege als auch persönliches Versagen.Ganz wichtig scheint mir die Frage nach der Motivation des Seelen“heilers“ – ist es der Wunsch nach Macht, nach Manipulation nach Überheblichkeit – dient es dazu, eigene Defizite oder Fehlprägungen ausgleichen zu wollen – oder ist es gar eine leichte Möglichkeit zum Ausagieren persönlicher Triebe am verzweifelt irrenden Opfer ? Auch hier ist es wie im Klerus – man kann sich sehr einfach negativ an einer hilfesuchenden Klientel bedienen. Sehr gerne wird auch an der Persönlichkeit herumgefuhrwerkt: z.B.
    Altruismus sei per se von Übel als eine Form der Kompensation. Ich halte die Stärkung von Selbstheilungskräften für eminent wichtig auch im Sinne eines Empowerments und Resilienzförderung und eine distanzierte Empathie des Therapeuten. Insofern finde ich die Formulierung „Seelenmord“ auch als fatal weil hoffnungslos, desolat, zwecklos,auf ewig unheilbar.Oftmals sind Qualitäten in der Kindheit durch bösartige Spiegelungen vermiest worden und es gilt gerade,diese wieder zu beleben.

  51. Marlis schreibt am :

    Hallo Herr Finke,

    Ihre Kommentare habe ich mit großem Interesse gelesen. Was Ihnen widerfahren ist, betrachte ich noch aus einem anderen Blickwinkel, den ich Ihnen gerne mitteilen möchte. Meiner Meinung nach entsteht in unserer Gesellschaft zunehmend ein weiteres Phänomen, oder vielleicht ist es auch alt und wird zusehendst offener.

    Hierzu sage ich Ihnen vorab kurz zu meiner Person, dass ich Betroffene rituellen Missbrauchs bin, durchgeführt durch Anhänger östlicher esoterischer Sekten. Bei Kennern dieser Materie, einigen wenigen Wissenschaftlern, ist schon seit langem bekannt, dass dort mit Hypnose gearbeitet wird, mit abgrundtief unethischer Hypnose. Die Folgen im Wachbewusstsein sind für den Betroffenen verheerend. Bei Betroffenen sexualisierter Gewalt findet übrigens Ähnliches statt. Auch wenn der Täter nicht bewusst mit Hypnose arbeitet, so ist das Unterbewusstsein bei der Tat aufgrund des dissoziativen Zustands, in den sich das Opfer begibt, offen wie ein Scheunentor, und Täterintrojekte und Anteile des Unterbewusstseins des Täters fließen nur so in das Unterbewusstsein des Opfers. Diese Täteranteile, die sich im Unterbewusstsein des Opfers verankern, nennt man auch „psychische Parasiten. Strömen diese ins Wachbewusstsein, kann es zu massiven mentalen Problemen kommen. Die Psychiatrie belegt das mit dem Etikett einer psychischen Krankheit, ich persönlich nenne so etwas andere Bewusstseinszustände ohne jeglichen Krankheitswert. Hat man diesen Dreck im Unterbewusstsein und u.U. dann auch im Wachbewusstsein, ist man nicht krank, sondern zutiefst verletzt und misshandelt.

    Aufgrund meiner Erfahrungen habe ich mich etwas näher mit Hypnose befasst, und das Internet ist bunt, und die Wissenschaftler sind sich nicht einig, was genau sie denn nun ist und vor allem nicht, wie genau sie funktioniert, wie die Übertragungen laufen. Eines ist sicher, sie laufen auch über Beziehung.

    Ihre Berichte haben mich an einen grauenvollen hypnotischen Rapport erinnert. Es gibt Wissenschaftler, die behaupten, man könne nicht gegen seinen Willen hypnotisiert werden. Man kann sehr wohl, wenn man nicht weiß, was passiert. Unter Hypnose stellen sich die meißten Menschen immer eine ganz bestimmte Situation vor, in der der Mensch vom Hypnotiseur langsam in eine Trance geführt wird und er aufgefordert wird, im Wachbewusstsein irgendetwas Ungewöhnliches zu machen.
    Das Problem sind die Suggestionen, die in verschiedenen Situationen mal flacher, mal tiefer verankert werden. Eine therapeutische Situation ist für mich zugleich auch eine hoch suggestive Situation. Es besteht häufig ein Vertrauensverhältnis zum Therapeuten, er wird als Helfer angesehen und manchmal sind auch die Erwartungen an ihn sehr hoch. Aufgrund eigener Therapieerfahrungen bin ich davon überzeugt, dass Therapeuten sich ihrer konkreten Einflussnahme auf ihre Klienten überhaupt nicht im Klaren sind. Wir wissen, dass die Medien uns manipulieren, die Werbung, ich schließe auch die Religionen, welcher couleur auch immer, nicht aus. Sie Alle bombardieren uns mit Suggestionen. Nur der Therapeut, der u.U. tief in unser Unterbewusstsein eindringt, schwebt über Allem.

    Das, was Sie erlebt haben ist in meinen Augen eine hoch suggestive Manipulation, aber ich glaube, das wissen Sie auch selber. Das hat mit Therapie aber auch rein gar nichts zu tun. Sie schreiben u.a.:
    „….habe aber eine Psychoanalyse begonnen und – ohne es zu wissen – meine Kreativität, meinen inneren Reichtum, mein Talent mit einem eisernen Schwamm abbürsten lassen.“
    Das ist der Kernsatz Ihrer ganzen Berichte. Genau das ist es auch, was die Religionen des Ostens tun. Sie arbeiten mit ähnlichen Methoden, auch wenn dies nach außen hin nicht immer offensichtlich ist. Dort nennt man es, das Ego abschleifen, keine Individualität mehr, kein Bezug mehr auf etwas. In der Quintessenz ist Alles nur Vorstellung und letztendlich sitzt der Mensch dumpf herum, seiner gesamten Qualitäten beraubt. Das ist Traumatisierung in ihrer ausgeprägtesten Form, das ist der Schlusspunkt eines Schleifweges, auf dem ständig der Selbstwert des Menschen niedergemacht wird.
    Ich bin in der Psychoanalyse nicht sehr kundig, und ich weiß nicht, warum sie sich diese „Behandlung“ von Menschen zu eigen gemacht hat. Aber wir sollten wissen, es ist ein alter Weg, ja, es ist ein esoterischer Weg, soviel wage ich inzwischen zu behaupten. Freud hat mit Sicherheit das Rad nicht neu erfunden.

    Hypnotisch suggestive Verfahren werden wir weder berufsständig, noch juristisch z.Zt. händeln können. Die Nachweise und damit verbundenen Wirkungen auf das Unterbewusstsein, auf das neuro-endokrine System und generell die Tatsache der Fähigkeit der Öffnung unseres Nervensystems, sind schlicht unmöglich, da das Thema überhaupt noch nicht öffentlichkeitswirksam ist und auch noch nicht entsprechend erforscht ist. Aber wir müssen diese Form der Einflussnahme mehr und mehr theamtisieren. Zwar wächst die Zahl von Hypnotherapeuten und hypnotischer Literatur rasant, aber dazu könnte man auch sehr platt sagen, Herr hilf, denn sie wissen nicht, was sie tun. Ich bin sicher, Geschädigte werden in den nächsten Jahren wie Pilze aus dem Boden schießen.
    Aber trotzdem, ein runder Tisch für Betroffene, keine Frage. Es wäre ein Anfang, wenigstens.

    Ich bin froh und danke Ihnen, dass Sie die Dinge so klar benannt haben. Aufklärung auf diesem Gebiet tut Not.

    Trotzdem wünsche ich Ihnen, dass Sie sich wenigstens einen Teil Ihrer Fähigkeiten, Ihrer Kreativität und einen Teil von dem, was Sie an Einzigartigkeit mit auf diese Erde gebracht haben, zurück erobern können. Es ist ein harter Weg aus dem Nichts-sein wieder ins Ich-bin zurück zu finden.

  52. Lieber Herr Finke,

    natürlich geht es mir nicht darum, Psychotherapie als Ganzes verbieten zu wollen. (Ich selbst lebe ja davon!) Die Unklarheit bei Diskussionen in diesem Bereich ergibt sich m.E. u.a. aus der Geschichte dieser Zunft, die bislang kaum korrekt dargestellt wird:

    Das, was an aufklärerischem und hilfreichen Potential in einer Psychotherapie drinstecken KANN, das ist etwas, das im Kern Josef Breuer ab 1880 beobachtet, entwickelt und systematisiert hat. Von IHM stammt die Entdeckung und Benennung der Seelenkur einer „Psych-Analyse“ (ja, damals noch ohne „o“), gedacht als überraschend schnell wirksame, präzise „rückwärtsgewandte Auflösung“. (Er bezog sich dabei übrigens auf die – von Schiller ausdrücklich so benannte – „tragische Analysis“ des Sophokles im „König Ödipus“. Dort geschieht nämlich genau dies: Ödipus löst – rückwärtsgewandt – mit beispielloser Offenheit, Klugheit, Geschwindigkeit und Präzision seine Lebensgeschichte auf, landet am Ende bei einer frühkindlichen TRAUMATISIERUNG.)

    Dies ist Josef Breuers zentraler Therapie-Ansatz (Katharsis-Prinzip): Er bemüht sich darum zu verstehen, in welcher Art genau Menschen mit psychischen und psychosomatischen Symptomen irgendwelche Formen von GEWALT erlebt hatten (wobei es hierbei keineswegs allein um Formen sexualisierter Gewalt ging, sondern auch um sonstige physische oder psychische Gewalt). Und er hilft den Betroffenen, ihr erlebtes Leid in Worte zu fassen, ihre dazugehörigen Emotionen zu benennen. Hierbei steht er ihnen rückhaltlos quasi wie ein Anwalt zur Seite. Aus diesem klaren Konzept strickt der von ihm freundschaftlich betreute jüngere Sigmund Freud 15 Jahre später (1896-1897) zunächst eine Väter-Vergewaltigungs-Theorie (die immerhin noch eine TRAUMA-Theorie ist, allerdings so völlig grotesk einseitig in der Behauptung, dass ALLEIN eine Vergewaltigung durch den Vater im 2.-8. Lebensjahr für jede psychosomatische Störungen verantwortlich sei), die er dann durch eine noch weitaus groteskere TRIEB-Theorie ablöst: JEDE psychosomatische Störung sei darauf zurückzuführen, dass die Betroffenen als Kinder im Alter von 2-8 Jahren aus angeborenem Hang zum Inzest die lebhafteste Wunsch-Phantasie entwickelt hätten, mit dem gegengeschlechtlichen Elternteil Sex zu haben – deswegen auch massive Mordphantasien in Bezug auf den gleichgeschlechtlichen Elternteil entwickelt hätten. Damit ist der „Ödipuskomplex geboren. Ein Konzept, das im Kern jede Therapie zu einer völlig grotesken Opferbeschuldigung macht. Gerade die Opfer sexualisierter Gewalt werden mit diesem Konzept in widersinnniger Weise selbst zu Tätern erklärt. Und darin steckt keinerlei Funke von Aufklärung und Befreiung, sondern nur Verdunkelung, Vertuschung und Verwirrung.

    Ein wenig ausführlicher habe ich das dargestellt in einem Artikel für die PDP 2009: „Ein markanter Freudscher Flüchtigkeitsfehler“ (http://vg06.met.vgwort.de/na/aadab71c97a44326bc3a0a26daa2769e?l=http://www.oedipus-online.de/SchlagmannREV_PDP_02_2009_S001_S014.pdf) bzw. in weiteren pdf-Dateien auf meiner Webseite (http://www.oedipus-online.de/PDF.htm).

    Und obwohl es immer wieder so markante Fälle von Fehlbehandlungen gibt, wie Sie es selbst hier ausführlich geschildert haben, und wie es andere hier bei NetzwerkB aus ihren eigenen Erfahrungen bestätigt haben, wie ich es aus meiner eigenen Praxis von Menschen mit schlechten Vorerfahrungen kenne, wie es auch zahlreiche andere Betroffenen schon publiziert haben: Ich warte immer noch darauf – seit nun 18-jährigem Engagement in dieser Sache -, dass sich die Medien für dieses Thema interessieren. Es hat an Bemühungen meinerseits jedenfalls nicht gefehlt, bei allen möglichen Anlässen entsprechende MedienvertreterInnen anzusprechen.

    (Dass die Medien im Fall Mollath z.B. – wenn auch sehr spät – anders reagiert haben, mag eine Ausnahme sein.)

    Herzlicher Gruß
    Klaus Schlagmann

  53. C.F. schreibt am :

    an Hr. Schlagmann,

    mich würde interessieren, ob Sie ihre Kindheit aufgearbeitet haben?

  54. An C.F.:

    Ob ich meine Kindheit „aufgearbeitet“ habe? Ich würde sagen: Ja. Da gab es auch zum Glück nicht allzu viel „aufzuarbeiten“.

    Warum genau fragen Sie das?

  55. Hubert schreibt am :

    Eine Therapie kann sicher eine ungenügende Gesetzesgrundlage zum Thema nicht ersetzen.
    Ich würde es eher so formulieren:
    Therapie würde viel mehr sinn machen, wenn die Gesetze entsprechend den Forderungen endlich geändert würden.
    Die Idee, Therapie gänzlich abzuschaffen ist ein Irrweg.

  56. Anna M. schreibt am :

    Hallo Herr Schlagmann,
    vielen Dank für die interessanten Erläuterungen zur (Geschichte der) Psychotherapie.
    Sicherlich kennen Sie die Quellen sehr viel besser als ich als Nicht-Fachfrau. Daher habe ich eine Frage zur Ihrer Bewertung der Freud’schen Entdeckung der sexualisierten Gewalt in Familien.
    Sie schrieben: “ Aus diesem klaren Konzept strickt der von ihm freundschaftlich betreute jüngere Sigmund Freud 15 Jahre später (1896-1897) zunächst eine Väter-Vergewaltigungs-Theorie (die immerhin noch eine TRAUMA-Theorie ist, allerdings so völlig grotesk einseitig in der Behauptung, dass ALLEIN eine Vergewaltigung durch den Vater im 2.-8. Lebensjahr für jede psychosomatische Störungen verantwortlich sei),…“

    Meinen Sie, Freud hätte gemutmaßt, daß JEDE psychische Störung auf sexualisierte Gewalt durch den Vater zurückzuführen sei
    oder
    daß sexualisierte Gewalt durch den Vater die alleinige Ursache von psychischen Störungen sein kann.

    Das erstere kann ich mir nicht vorstellen. Sollte er das zweite gemeint haben, so würde mich interessieren, was Sie daran grotesk finden. So wie ich es momentan verstehe, hat er nicht verallgemeinert, daß sexualisierte Gewalt durch den Vater zwangsläufig zu psychischen Störungen führen muß (wo ich als Betroffene anderer Meinung bin) sondern lediglich gemeint, daß sexualisierte Gewalt durch den Vater allein Ursache genug für eine psychische Störung sein kann.
    Es ist klar, daß innerfamiliäre sexualisierte Gewalt immer mit psychischer Gewalt einhergeht und oft mit körperlicher. Diese mangelnde Präzision würde ich Freud nachsehen, da er ein so lange bestehendes Tabu gebrochen hat.

  57. Stefan Finke schreibt am :

    Hallo,

    danke Ihnen allen (@hildegard !) für die Ermutigung.

    Inzwischen wurde mir außerhalb dieses Threads bedeutet, dass ich vom Thema des Forums abgekommen sei.
    Ich denke allerdings, dass unsere Kommentare hier durchaus zum Thema „Runder Tisch für Psychotherapie-Opfer“ gehören.
    (Interessanterweise wird ja oft genau das, über das gerade gesprochen wird, im Gespräch selbst wiederholt. Hier also, nachdem ich von dem Versuch der Psychoanalytiker berichtet hatte, mich mundtot zu machen: Dasselbe.)

    Doch noch ein Gedanke zum Thema:
    Der Missbrauch in der Psychotherapie (und m.E. besonders in der real existierenden Psychoanalyse) fängt schon lange vor dem sexuellen Missbrauch an, über den hier (@Marlis !) viel Erschütterndes und Richtiges gesagt worden ist – gerade der tiefe Einschlag therapeutischen Sprechens, das der Wirksamkeit der Hypnose gleicht und von außerhalb so schwer nachzuvollziehen ist, öffnet dem Missbrauch Tür und Tor. Der seelische Missbrauch ist noch schwerer nachzuweisen als der körperliche, aber gang und gäbe. Beides wird von Vertretern der Zunft verleugnet; beides ist verheerend.
    Für beides gilt es ein Bewusstsein auch (und gerade) außerhalb zu schaffen. Medienschelte (@Herr Schlagmann) ist der falsche Weg.

    @Hubert, Herr Schlagmann,
    ich habe an keiner Stelle gefordert, die Therapie zu verbieten. Im Gegenteil; das wäre ja auch Unsinn.
    Viele Grüße!

  58. Hallo Anna M.,

    nein, Freud mutmaßt nicht, dass jede PSYCHISCHE Störung auf die Vergewaltigung durch den Vater zurückgeht, sondern jede PSYCHOSOMATISCHE Störung. Im damaligen Sprachgebrauch war „PSYCHOSOMATISCHE Störung“ = „Hysterie“. Freud verfolgte von 1896 – 1897 ungefähr folgende Primitiv-Theorie: JEDE „Hysterie“ (d.h. psychosomatische Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Herzrasen u.a.) geht auf Vergewaltigung durch den Vater zurück. Auf der Grundlage dieser Theorie zieht er z.B. den Umkehrschluss: Weil seine Geschwister (und er selbst) an „Hysterie“ (= psychosomatischen Symptomen) litten, müsse auch sein Vater „leider … einer von diesen Perversen gewesen“ sein. (Das war 4 Monate nach dem Tod des Vaters. Später hat er diese – wohl tatsächlich völlig unberechtigte – Anschuldigung zurückgenommen.)

    Weitere „theoretische“ Glanzleistungen Freuds in dieser Zeit: Praktisch jede Angstneurose gehe auf coitus interruptus zurück. Praktisch jede Depression gehe auf Selbstbefriedigung zurück (evtl. auch auf die Benutzung von Kondomen). Zwangsstörungen seien auf Geschwisterinzest zurückzuführen.

    Das war das simple Diagnoseschema von Herrn Freud in der Zeit von 1896-1897. Weil ihm diesen Schwachsinn zurecht fast kein Kollege ernsthaft abgenommen hat (Ausnahme: sein verrückter, psychotischer Kollege Fließ), hat er seine Theorie nur ein klein wenig modifiziert: Ja, wie ich gesagt habe: Der Ursprung der „Hysterie“ liegt immer in sexuellen Erfahrungen. Ja, diese Erfahrungen erzeugen Hysterie nur, wenn sie im Alter von 2-8 Jahren erfolgt sind. Ja, es geht dabei immer um Inzest. Ja, es kommt nur zu den Störungen, wenn diese Szenen verdrängt sind. Aber nein – äh – das hat natürlich nicht real, sondern nur in der Phantasie der Kinder stattgefunden.

    Der Ödipuskomplex ist geboren.

    Etwas mehr im Detail in meinem Artikel, der – hoffe ich – allgemeinverständlich sein sollte.

    An der Verständnisweise Nr. 2, die Sie formuliert haben, fände auch ich nichts Groteskes. Aber es ist eben nicht das, was Freud postuliert hat.

  59. Hamlet schreibt am :

    Wenn Psychofritzen den Status einfältiger Schamanen hätten, prima. Voraussetzung wäre, dass sich „Berufene“ fast wie buddhistische Bettelmönche im realen Leben bewegen müssten, stets erkennbar, stets von nichts abhängig… andere Menschen als besonders einträglicher Broterwerb, das Brot schmeckt nicht, ist faule Religion, muss so sein. (Was nicht heisst, dass in Einzelfällen ein Mensch hilft, nicht weil er Therapeut ist… wohl eher, weil er/sie zuallererst nicht Therapeut ist… oder andersherum, in solch einer Profession ist stets zu vermuten, dass es um’s Verhältnis unfähiger Menschen zu menschlich grundsätzlich geeigneten Menschen, trotz Titulitis, noch schlechter bestellt ist, als bei Lehrern… und da sieht’s schon schlecht aus… allein dass das ein „Berufstand“ ist und keine vom ganz alltäglichen Umfeld immer wieder bestätigte Befähigung: ganz grosses BUHHHH, gerade angesichts der unzähligen „universitären“ (universellen) Schaumschläger, die zudem noch Schule machen (gemacht haben) und der fast willenlosen Jünger/innen, die dann im Gefolge durch die Lande schwappen und Kirche spielen.

    Der Kommentar, Stadtbibliothek aufsuchen war der Beste. Dass es leider in dieser, unserer Gesellschaft unzählige Menschen um uns herum, in nächster Nähe gibt, die nicht zurechtkommen, ja, das gilt auch und denen hilft eine Stadtbibliothek nicht immer, aber leider auch kaum ein Psychofritze / eine Psychofritzin.

  60. Hubert schreibt am :

    Die Frage stellt sich, ob sich eher eine betroffene Person ändern muss, oder vielmehr die Gesellschaft in ihrem Denken und Handeln.
    Fast alle Therapien sind doch so ausgerichtet, daß versucht wird, den Betroffenen zu ändern. Therapie basiert fast immer auf ein Zwiegespräch. Kaum etwas dringt dabei nach Außen. Zu sagen, der Betroffene müsse es selbst tun, scheitert im Ansatz schon an der Unfähigkeit bzw. Unzumutbarkeit.
    Da Therapeuten die Thematik von Betroffenen oft sehr gut kennen und sich auch gut und verständlich zum Thema ausdrücken können, leigt es doch nahe, daß Therapeuten sich vielmehr um das gesellschaftliche Umfeld kümmern müssten. Dazu gehört auch Durchsetzung von Aufhebung der Verjährungsfristen.
    Leider geschieht das kaum oder garnicht. Stattdessen wird Betroffenen gesagt „sie müssen es selbst tun“.
    Und genau das hat doch bisher maßgeblich zur zeitlichen Verschleppung des Problems geführt.
    Betroffene sind eben häufig zu ungeschickt in der Wortwahl, um den Verantwortlichen die Dringlichkeit der Anliegen verständlich zu machen.
    Vielleicht sollten insbesondere Therapeuten auf Wunsch von Betroffenen einfach eine etwas aktivere Rolle einnehmen, auch wenn deren Aufgabengebiet etwas unangenehmer werden könnte.
    Ich denke, dadurch wären wir schon längst einen großen Schritt weiter gekommen.

  61. Hamlet schreibt am :

    @Hubert, genau so, nur das wollen Psychofritzen nicht und wenn’s mal ein Einzelner, eine Einzelne wollen, dann sind sie zumeist ziemlich durchgeknallt oder werden von ihren Kollegen abgesägt, weil das stört das einträgliche Geschäft, das geht „systemimmanent“ nicht.

    Letztlich, der Vorwurf ist alt aber eben doch immer wieder berechtigt, geht’s Psychofritzen und Psychofritzinnen immer nur darum, ein Individuum wieder „leistungsfähig“ zu machen, in den Dienst genau der Gesellschaft und des Umfeldes zu stellen, die den Menschen krank gemacht haben. Mehr will und mehr kann der ganze Psychobetrieb nicht und meistens kann er nicht mal das. Ist ja rührend, was der Herr Schlagmann will, aber die Geschichte der Psychoanalyse zeigt, dass gesellschaftliche Einwirkung nicht gewünscht ist, seit Anbeginn. Und letztlich gilt das für das Gros der Psychologen, egal welcher Provinienz, ebenso. Ausnahmen, wie Herr Schlagmann, bestätigen das nur. Aus Binnensicht muss der ein ganz schwarzes Schaf sein…

    Dass es überhaupt so etwas wie „psychologische Schulen“ gibt, und dazu gleich mehrere Dutzend, die sich alle nicht grün sind, zeigt ja nur, wie zwangsläufig dogmatisch die Praxis sein muss, die sitzen alle in ihren „Buckets“, wenn’s sein muss jahrzehntelang und gegen weitergehende Erkenntnisse… und wo die menschliche Verhaltensbiologie, nach wie vor mehr Fragen als Antworten kennt. Nur für Erwerbszwecke muss man natürich so tun, als hätte man Antworten.

  62. Stefan Finke schreibt am :

    Hallo Frau Tamina,

    „Seelenmord“, ja, Sie haben recht, man sollte immer nach vorn sehen können. Ich selbst habe mich 10 Jahre lang geweigert, von „Zerstörung“ zu sprechen und es „Beschädigung“ genannt. Beschädigungen kann man ausgleichen, Zerstörungen nicht.
    Aber man muss wohl auch realistisch bleiben. Ich selbst habe nach 12 Jahren nun an nichts mehr Freude, ich sehe keinen Sinn mehr in den Künsten, ich kann nicht mehr lieben, und nichts ist mehr schön.
    Ich kann noch erkennen, dass ein gelungenes Kunstwerk ein gelungenes Kunstwerk ist – aber es ist nicht mehr für mich.
    Ich bin heute 51, mit 38 bin ich ermordet und in mir selbst begraben worden. Man hat meine Gefühlswelt und meine Intelligenz zerstört, mich seelisch zutiefst missbraucht und fertig gemacht.
    Das danke ich Therapeuten, denen ich mich anvertraut hatte, um meine inneren Türen zu öffnen – stattdessen wurden sie eine nach der anderen zugeschlagen.
    Meine innere Durchlässigkeit wurde benutzt, um eben diese zu zerstören.
    Der perfekte Mord: Es gibt keine Leiche.
    Aber auch keine Hoffnung auf eine zombiehafte Wiederkehr. Mein Zeithorizont lässt das nicht mehr zu. Mit 38 seelisch ermordet, mit 51 muss ich mir eingestehen: Das kriegst du nicht mehr repariert.
    Ich stehe jeden Tag auf mit meinen Zerstörungen durch die „Therapie“, ich gehe jeden Tag damit ins Bett. Ich träume davon und selbst, wenn ich etwas anderes tue, läuft die Demütigung, die Verachtung in der „Therapie“, die brutalisierte Fehldeuterei, das Anschreien, das Niedermachen permanent als innere Tonspur in mir mit.
    Kein Therapeut, der hörte, was ich erlebt hatte, konnte/wollte mir helfen. Eine Analytikerin empfand es als „Drohung“ (!), als ich davon sprach, dass ein anderer Therapeut mich zerstört hätte.
    Eine „Drohung“, wenn ich von der Qual erzähle, die ich einem anderen Therapeuten verdanke. Eine „Drohung“!!
    Ein Integrativer Therapeut (eine Schule, die sich immer wieder konkurrierend absetzt von der Psychoanalyse und behauptet, sie sei Ressourcen- und Resilienzen-orientiert), brüllte mich, als ich meinen IQ erwähnte, genauso an wie die Analytiker es gern tun. Dabei wollte ich niemanden depotenzieren – ich war schon längst in der Defensive und wollte nur begründen, warum ich immer noch glaubte, dass ich meine Kunst (wieder) ausüben könnte, wenn ich einen Therapeuten fände, der mich minutiös in meinem Verständnisbemühen unterstützte, statt solche, die mich niedermachten.
    Eine Traumatherapeutin unterbrach mich im dritten Satz und brüllte mich an, sie werde es nicht zulassen, dass ich ihren Berufsstand angriffe.
    Eine andere Traumatherapeutin war der Meinung, Kunst sei ohnehin eine schmarotzende Tätigkeit auf Kosten der Gesellschaft, und versuchte immer wieder und wieder in die Kerbe der Vernichtung zu schlagen.
    Ich versammle drei Eigenschaften in mir, die es Therapeuten unmöglich machen, sich auf mich einzulassen. 1. Schriftsteller, dazu hat Herr Schlagmann einige Hinweise gegeben. 2. IQ 169, da fangen sie sofort an zu hassen. 3. Therapieopfer. Wie geschildert, eine „Drohung“! (Ich sage ja, diese verrückten Deutungsverhaue sind wahnhaft.)
    Ich sehe in der Tat keine Hoffnung mehr, inzwischen bin ich auch übertherapiert und ertrage die Übergriffigkeit, die Brutalität, die paternalisierende Pathologisierung durch Therapeuten schon längst nicht mehr. Wie soll ich mit 51, nach 13 Jahren, in denen ich gegen die Zerstörung kämpfe, noch glauben, dass ich wieder auf beide Füße komme?
    Und dabei haben andere noch Schlimmeres erlebt, wie dieses Forum auf jeder Seite zeigt. Wie muss es denen erst gehen?
    Aber wenigstens werden sie, mit etwas Glück, fachlichen Beistand finden, der Verständnis für sie entwickeln kann.
    Für mich habe ich die Hoffnung aufgegeben. Ich nenne das „Seelenmord“, es hat meine Biographie, meine Karriere und mein Leben zerstört – und das nachhaltig. Mit 38 war mein Leben als Liebender, Hoffender, künstlerisch Wahrnehmender zu Ende.
    Wie sollte man das besser nennen als „Seelenmord“? Für mich stimmt es. Für andere vielleicht nicht, und das respektiere ich. Vielleicht haben andere noch andere Perspektiven.
    Mich als Intellektuellen und Schriftsteller hat das Erlebte umgebracht.

    Aber hier stoppe ich.
    Ich will andere, die ihr eigenes Kreuz zu tragen haben, nicht noch zusätzlich belasten.
    Mein nächster Schritt wird sein, dass ich (hier in Köln) eine Selbsthilfegruppe für Therapiegeschädigte gründe.
    Denn, wie gesagt, es gibt kaum eine Instanz, die einen auffängt.

    Wer daran Interesse hat, kann sich gern bei mir melden. Vielleicht lässt sich so herum etwas machen. Es ist nicht gut, dass die vielen, vielen Betroffenen sich nicht organisieren. Es muss endlich geholfen werden – und es muss dem Missbrauch und dem Schindluder, den Psychoanalytiker mit ihren Patienten treiben, endlich ein Riegel vorgeschoben werden.
    Und das, liebe Analytiker, können Sie langfristig durchaus als Drohung verstehen.

  63. Anna M. schreibt am :

    Hallo Herr Schlagmann,
    ich habe den Eindruck, daß Sie das hier ziemlich verzerrt darstellen.
    Bitte geben Sie die Quellen bei Freud an, so daß ich das nachprüfen kann.
    Es gibt Autoren, die das sehr anders als Sie sehen.
    Und damit meine ich nicht die Ödipus-Komplex-Gläubigen.

  64. hildegard schreibt am :

    … ‚wahnhafte Deutungsverhaue‘, entstanden aus Selbstrechtfertigung, nur so für Erwerbszwecke …

    Kein Mensch kann je fassen, WAS da in einem Kind zerstört worden ist. Außenstehend kann auch der einfühlsamste Therapeut nur versuchen zu ver-stehen, was da im Innernleben des Kindes passiert sein könnte, wenn sich die Auswirkungen von „Seelenmord“ so nachhaltig zeigen.

    Eigentlich bräuchte ein Überlebender viel weniger Theorie als Praxis:
    Praktische Arbeit. Kontakt zu Tieren. Stall ausmisten. Fellpflege. SEIN!
    Welcher Theoretiker rät ihm schon nach einem guten Gespräch, nun ganz buchstäblich für Bodenkontakt zu sorgen, seine neuen Erkenntnisse in seine Wirklichkeit zu integrieren, sich ab-zu-arbeiten, sich ganz konkret um Kontakte zu Menschen und zu Tieren in beschützter Umgebung in gewaltfreiem Umgang zu bemühen? Die Theoretiker kommen erst gar nicht drauf. Und ich muss es wiederholen:
    Das System müsste umgekrempelt werden.

    Wieso werden für sehr zeitaufwändige und oft scheiternde ‚Therapien‘ diese Unsummen gezahlt, statt auf die Befindlichkeit der Betroffenen selbst zu schauen.

    Muss man denn wirklich ein System subventionieren, in dem – wie am Beispiel Finke -solch unprofessionelle Zyniker gleich reihenweise nur „so tun, als hätte man Antworten“?

    Eigene Initiative zutrauen und Selbstheil-Kräfte wecken – das wären Zauberworte!

    Verrückte Gesellschaft!

    Irrwege einzugestehen braucht Zeit – aktuell hörten wir – 10 Jahre nach den NSU-Morden – von der Scham des Justizministers über einen Irrtum der Justiz.
    Wann wird er sich ähnlich zur Verjährungsrist äußern?

  65. hildegard schreibt am :

    Neue Wege sind fällig gegen die systemimmanente ‚Maroditis‘ 🙂 – der Selbsthilfegruppe für Therapiegeschädigte viel Glück!

  66. Gertrud Tammena schreibt am :

    Ich verwende den Begriff Seelenmord nicht, weil Ermordung eine
    absolute Ausschaltung der Person bedeutet, die in gar keiner Weise und nie mehr irgendwie rückgängig gemacht werden kann;solche Benennungen sind den so Vernichteten und ihren dadurch so schrecklich betroffenen Angehörigen zuzusprechen,brutale Verbrechen, die es ja schrecklicherweise bei Opfern von Folter und sexueller Gewalt gab und immer wieder, auch als Spätfolge, gibt.Das Weiterleben nach solchen Traumata ist und bleibt oft schwer und dauerhaft belastend wie mit einer schweren quälenden Verletzung – darum ist aber eben bei den Davongekommenen – doch nicht noch ein Mord geschehen – bewahre !, was das Allerschlimmste Verbrechen bleibt.
    Das Andere aber ist ein schlimmes Verbrechen an Körper und Seele mit bleibender Gesamtschädigung, das möglicherweise und hoffentlich in seinen schweren Auswirkungen erleichtert werden kann. Dabei kann das Nach Außen Gehen, das empathische Zwischen, das schmerzhafte Integrieren, das ehrliche Akzeptieren und Zuwenden hilfreich sein im Wissen einer schwärenden Wundheilung,die immer wieder aufbrechen und sich neu einfressen kann.Wer dies verantwortlich mittragen will, muß um die eigenen Grenzen und die des Verletzten wissen und behutsamst aufbauen, niemals zerstören – niemals.
    Hilfe und Trost können wir auch in der Literatur finden, in der nach Außen gewandten Selbstmitteilung oder im Lesen anderer Schicksalsbewältigungen, aber nur soweit es zum Verstehen beiträgt, nicht zum Verstören. Nach Martin Buber
    das ZWISCHEN leben.

  67. Anna M. schreibt am :

    Ich finde den Begriff Seelenmord gut, weil er die ungeheure Dimension dieses Verbrechens ausdrückt.
    Die Endgültigkeit des Seelenmords ist schon deshalb nicht gegeben, weil in unserem Kulturkreis im Allgemeinen die Seele als unsterblich angesehen wird.

    Man muß auch unterscheiden zwischen Begriffen, die dazu da sind, die Gesellschaft aufzurütteln – und das ist der Begriff Seelenmord – und Begriffen, die jede/r Betroffene für sich selbst findet.
    Natürlich ist meine Seele nicht ermordet worden, weil das ja auch gar nicht geht, ich sehe mich aber als schwer an der Seele geschädigt an.

  68. Hubert schreibt am :

    @Anna M.
    Ich sehe es so, daß, wenn jemand aufgrund eines Übergriffs nicht mehr die Seele Leben kann, die er vorher war, so ist das Seelenmord.
    Danach kann allenfalls ein anderes Seelenleben gelebt werden in Form einer anderen Persönlichkeit.
    Daher resultieren ja auch als Folge die zahlreichen Diagnosen mit dem Begriff Persönlichkeitsstörung.
    Vielleicht ist das jetzt etwas zu weit hergeholt. Aber dann müßte es so ähnlich sein.

  69. @ Anna M.:

    Es freut mich ja, dass Sie sich sehr ernsthaft für eine Auseinandersetzung mit der Thematik zu interessieren scheinen, würde mir dabei wünschen, dass Sie Ihre bewertende Vermutung – dass ich dies hier „ziemlich verzerrt darstelle[.]“ – zunächst einmal noch zumindest so lange zurückhalten, bis Sie meine Auskunft erhalten und nachgeprüft haben.

    Zwei zusammenfassende Darstellungen habe ich bereits angegeben, dort finden Sie auch jeweils Literaturangaben. Eine zusammenfassende Darstellung auch in http://www.oedipus-online.de/Analyse_Kernberg_Artikel_99.htm (dort im Kapitel: „Der Hintergrund – Sigmund Freuds Theorieentwicklung … Universalproblem Sexualität“ bzw. auch in meinem Buch (2005): „Ödipus – komplex betrachtet“, S. 446 ff).

    Die Quellen, auf die ich mich beziehe:
    – Freud (1895/1952): Über die Berechtigung, von der Neurasthenie einen bestimmten Symptomenkomplex als ‚Angstneurose’ abzutrennen. In: Gesammelte Werke. London, Imago Publishing. Bd. 1, S. 315-342;
    – Breuer & Freud (1895): Studien über Hysterie (darin: Schlusskapitel von Freud: „Zur Psychotherapie der Hysterie“);
    – Freud (1896/1952): Weitere Bemerkungen über die Abwehr-Neuropsychosen. In: GW. Bd. 1, S. 379-403;
    – Freud (1896/1985): Zur Ätiologie der Hysterie;
    – Freud (1898/1952): Die Sexualität in der Ätiologie der Neurosen. In: GW. Bd. 1, S. 491-516.)

    Eine weitere sehr wesentliche Quelle ist der unzensiert herausgegebene Briefwechsel Freuds mit seinem Kollegen Fließ (Masson, 1986).

  70. Stefan Finke schreibt am :

    Nur ganz kurz der Hinweis für diejenigen, die es interessiert – Teile der Diskussion auf dieser Seite, die aber nicht mehr allein zum Thema „Missbrauch in der Therapie“ passten, wurden auf Herrn Schlagmanns Anregung hin kopiert, gekürzt, erweitert bzw. werden fortgeführt auf der Website http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpgepde/psychoanalyse.

  71. Hubert schreibt am :

    was spricht eigentlich dagegen, wenn der Patient alle Gespräche mit Therapeuten und Gutachtern für sich aufzeichnen dürfte?
    Damit wäre doch ein Patient weitestgehend geschützt.
    Oder?
    Bei verbalen Übergriffen könnte das dann als Beweis gelten, worüber der Patient dann selbst verfügen könnte.

  72. hildegard schreibt am :

    @Stefan Finke Der heutige Link (2. Klaus Schlagmann zu Allerheiligen) ist sehr aufschlussreich. Analythiker Kernbergs Dogmatik verschlug mir den Atem.
    K.S. kommentiert z.B.: „Der aus dem KZ befreite Acht- jährige hätte also – so der „Fachmann“ – eigentlich spätestens ab seinem elften Lebensjahr wieder ein ganz normales Leben führen können – wenn, ja, wenn er nicht als Säugling so schrecklich darin versagt hätte, seine orale Wut zu bezähmen!“
    Wie können angehende Seelenheiler einem solchen Guru zustimmen und nachlaufen?

    Kein Wunder, wenn Dörte v. Drigalski von ihrer gescheiterten Lehranalyse berichtet, dass sich „… insgesamt vier ihrer AusbildungskollegInnen das Leben genommen hatten. Ihre Appelle an AusbilderInnen, diese Suizide einmal gründlich zu untersuchen, wurden nicht aufgegriffen.“ Die Methode scheint mir gemeingefährlich und damit ein Fall für eine „SoKo Psych-Logik“ zu sein …

    Herr Finke/Herr Schlagmann, Frau von Drigalski wird nicht der einzige „Durchfall“ geblieben sein. Leute wie sie werden inzwischen selbständig denken und handeln gelernt haben und heute sicherlich interessiert und in der Lage sein, mit Ihnen zusammen eine Graswurzelbewegung ‚Selbsthilfe‘ zu begründen, zu begleiten, anzuleiten – um möglichst flächendeckend zu retten, was noch nicht „verdorrt“ ist …

  73. Stefan Finke schreibt am :

    @hildegard Danke schön!! Noch ist Hoffnung. 🙂

    @hubert Offenes Aufnehmen – da reagieren Psychoanalytiker i.d.R. nach Standard: Abbruch des Gesprächs, Wahrnehmen des Hausrechts, Drohung mit Polizei.
    Heimliches Aufnehmen verletzt die Vertraulichkeit des Wortes. §201 StGB, bewehrt mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren (!), vgl. http://dejure.org/gesetze/StGB/201.html.

  74. Anna M. schreibt am :

    @ Herr Schlagmann
    als verzerrt finde ich ihre Bewertung von Freuds erstem Ansatz bezgl. der „Äthiologie der Hysterie“
    (die von ihm genannte Hysterie würde man heute wahrscheinlich als posttraumatische Belastungsstörung bezeichnen).
    Ich beziehe mich auf Ihre Anmerkungen zu Massons Forschungsergebnissen
    http://www.sgipt.org/th_schul/pa/misbr/wideru.htm#Eine%20Anmerkung%20von%20Klaus%20Schlagmann%20zur%20Position
    und verstehe Ihre Intention nicht, mit der sie Freuds Ansatz versuchen abzuwerten. Der Ansatz ist NICHT primitiv, sondern Freud hat schlicht und ergreifend seinen Patientinnen geglaubt und die richtigen Schlüsse gezogen. Daher sehe ich nicht, daß wie Sie schreiben, sich Freud „nicht für Wahrheiten interessierte“, denn genau das tat er, als er seinen Patientinnen glaubte.
    Sie schreiben: „So kommt er am 8. Februar 1897 z.B. dazu, aufgrund seiner Theorie – und nicht etwa aufgrund seiner persönlichen Erinnerungen! – seinen eigenen Vater als perversen Kinderschänder zu bezeichnen, weil einige Geschwister an hysterischen Symptomen litten. Da er sich selbst als „Hysteriker“ diagnostiziert, müsste er sich auch zu den Opfern des Missbrauchs rechnen. In seinen gesamten Erinnerungen findet sich jedoch kein einziger konkreter Hinweis darauf – nur die abgeleitete Mutmaßung aufgrund seiner Theorie. Ebenso liegen dem im Brief vom 8. Februar 1897 kurz skizzierte Fall einer weiteren mutmaßlichen Vergewaltigung durch den Vater höchst zweifelhafte Indizien zugrunde: „hysterischer“ Frostschauer, Kopfschmerz und Angst vor dem Fotografen.“
    Hätten Sie sich mit dem Thema sexualisierte Gewalt, und ihre Folgeschäden (besser) befaßt, so wüßten Sie, daß Betroffene ihre schreckliche Wahrheit nur scheibchenweise entdecken und oftmals nur über Umwege der Wahrheit ins Auge blicken können. Wenn sich kein „konkreter Hinweis“ auf sexualisierte Gewalt durch den Vater in den Schriften Freuds befindet, heißt das noch lange nicht, daß sie nicht stattgefunden hat bzw. haben kann. Wissen Sie eigentlich, wie stark das 4. Gebot wirkt? Und besonders zu Freuds Zeiten?
    Es besteht keine Veranlassung dazu, Freud als einen Therapeuten zu schildern, der seinen Patientinnen sexuellen Missbrauch einzureden versuchte. Genau das Gegenteil war ja der Fall! Er hat ihnen zugehört und geglaubt! Das meine ich mit Verzerrung!
    Auch Ihre Wertung „Freuds Herumreiten auf dem Thema Eltern-Kind Inzest“ suggeriert, als ob Freud irgendetwas erfunden hätte. Hat er nicht! Er hat etwas Wichtiges AUFGEDECKT! Und daß diese Aufdeckung mit seiner eigenen Familiengeschichte zusammenhängt ist wahrscheinlich und ziemlich sicher auch notwendig, da er sich als offensichtlich selbst Betroffener gut in seine ebenfalls betroffenen Patientinnen einfühlen konnte.
    Die von Ihnen vermutete „Verschiebung“ des Missbrauchs durch Freuds Mutter auf Freuds Vater berücksichtigt nicht die Tatsache, daß es durchaus vorkommen kann, daß BEIDE Eltern Täter sind.
    Auch macht es Sinn, daß Freud den Missbrauch durch den Vater erst nach dessen Tod aufdecken konnte. Die Angst vor dem Täter verhindert oft ein Aufdecken zu Lebzeiten. Besonders wenn körperliche Gewalt im Spiel ist, wie sie zu dieser Zeit von Vätern gang und gäbe war.
    Deshalb denke ich auch nicht, daß Freud irgendwas auf das Kind als Täter verschoben hat, sondern schlicht und ergreifend ANGST bekommen hat. Vor beruflichem Imageverlust und Isolation. Auch Angst vor der eigenen Zivilcourage. Das ist sehr typisch für Betroffene von sexualisierter Gewalt: Wenn sie die Erlebnisse aufgedeckt haben und durch den Tabubruch keinen Rückhalt in ihrer Umgebung bekommen, leugnen sie, was sie erinnert haben, weil sie die Spannung und Isolation nicht aushalten können. Durch die Identifikation mit dem Täter kommt es dann zur Selbstbeschuldigung bzw. hier generell Opferbeschuldigung (Ödipus-Theorie).
    Sie schreiben „Mir ist die Differenzierung der Darstellung wichtig, weil ich glaube, dass die Bedeutung von Beziehungen mit traumatischer Qualität (Entwertungen, Prügel, Missachtungen, Nicht-Beachtungen, …) quantitativ und vielleicht sogar qualitativ weit mehr Bedeutung haben, als sexueller Missbrauch, z.B. weil diese Erfahrungen auch schon relativ häufig in frühester Kindheit stattfinden können, und damit besonders nachhaltig wirken. Darüber hinaus sind Missbrauchserfahrungen in der Regel mit den genannten Beziehungsaspekten geradezu untrennbar verbunden.“
    Lieber Herr Schlagmann, bitte befassen Sie sich ausführlich mit dem Thema Trauma durch sexualisierte Gewalt. Es gibt genügend Literatur darüber. Sexueller Missbrauch kommt sehr häufig schon in frühester Kindheit vor (Säuglingsalter). Und sexualisierte Gewalt ist die schädigendste Form von Gewalt, die ein Mensch erleben kann.
    Sie schließen mit „ Aus diesem Blickwinkel erscheint mir Freuds Leistung mit seiner Missbrauchs-Theorie doch weitaus weniger bedeutsam: Seine Fixierung auf den sexuellen Missbrauch wäre dann weniger eine bedeutsame Entdeckung, als vielmehr die Ausblendung einer differenzierteren Sicht auf die Möglichkeit traumatischer Qualität von Beziehung bzw. Nicht-Beziehung. Sein vermeintlicher „Mut“, ein problematisches Thema offen anzusprechen, ließe sich dann eher als sein Bedürfnis verstehen, seine Zuhörer zu schockieren, vielleicht, um sich besondere Aufmerksamkeit zu sichern und/oder um die ZuhörerInnen eher am detaillierten Widerspruch zu hindern.“
    Ich verstehe Ihre Motivation nicht, Freuds Leistung dermaßen abzuwerten.
    Ihre Sprache erinnert an Theorien, die besagen, Missbrauchsopfer würden sich „nur wichtig machen wollen“ oder „Aufmerksamkeit erregen wollen“. Freud war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Missbrauchsopfer. Und wer Zugang zu seiner Wahrheit gefunden hat, will sie der Welt mitteilen. Freuds frühe Erkenntnisse WAREN bahnbrechend. Die Traumaforschung hat sie bestätigt.

  75. Gertrud Tammena schreibt am :

    Es gab in den 1980er Jahren in z.B. Norddeutschland sogenannte Selbsthilfegruppen von Opfern der Psychiatrie, die sektengesteuert waren mit besonderer Art des Brainwashings ! Wo es um Vertrauensbeziehungen geht, muß immer darauf geachtet werden, nicht in falsche Abhängigkeiten zu geraten.Das ist leicht dahin geschrieben – es ist die Crux zwischen Vertrauen und Ausnutzung und daher gerade für labile, angeknackste Menschen so schwierig,weil es um Heilung,Öffnung und Hoffnung geht.

  76. Freud war für die damalige Zeit sehr offen zum thema Sexualdelikte, seinen Patienten gegenüber verantwortungsvoll. Er hatte damals Kritiker, die wohl meist, wie auch heute, aus Täterkreisen kommen dürften.
    Es gibt wenige Ausnahmefälle, bei denen eine Vortäuschung von Sexualdelikten vorliegt, diese sollten aber ebenso hart bestraft werden, wie die zu Unrecht Verurteilten.

  77. Gertrud Tammena schreibt am :

    @ Herrn Finke.
    bei langen Veränderungen wie die gschilderten Blockaden sollte man auch körperliche Ursachen mit erwägen – nicht alles ist psychogen – Zwei- und Dritttmeinungen könnten hilfreich sein und notwendig. Eine schöne Phase des Schaffens kann irgendwann verändert wiederkehren – oder sie war eine wunderbare Erfahrung, der Neue folgen – mit 51 ist noch vieles möglich: Das Leben ist Fluß
    @ Anna M.:1. Ihre Hartnäckigkeit in der Diskussion, die bei Betroffenen Vieles triggert,ist bewundernswert und
    wichtig – 2. Auch um der öffentlichen Resonanz willen darf un sollte man nicht Übertreibungen einsetzen, sondern Schreckensbegriffe da verwenden, wo sie hingehören, sonst verwässert sich die Aufmerksamkeit und Abstumpfung droht:
    Eine Seelen-Verstörung,anhaltende Schädigung ist schlimm genug: Der Begriff -Mord- ist juristisch klar definiert

  78. Anna M. schreibt am :

    @Gertrud Tammena
    da kann man durchaus unterschiedlicher Ansicht sein.
    Widersprechen möchte ich Ihnen aber hinsichtlich der Einschätzung, daß die Gesellschaft durch drastische Begriffe abgestumpft wird. Die Abstumpfung rührt von Gewalt in der Kindheit jedes Einzelnen mit all ihren Auswirkungen auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft als Ganzes.
    Ich halte den Begriff „Seelenmord“ auch nicht für übertrieben, denn er drückt genau das aus, was geschieht.
    Gerade die juristisch klare Definition mache ja aus dem Begriff „Seelenmord“ genau das passende Aufklärungsinstrument:
    Planvoll und mit voller Absicht wird das Innere eines Menschen nach und nach zerstört. (Nicht Totschlag, nicht Notwehr)
    Warum sollte man „Mord“ mit „Seelenmord“ gleichsetzen? Schützt man nicht die Täter, indem man sie vor dem Vorwurf des „Seelenmords“ in Schutz nimmt? Derartige Verbrecher sind mindestens so schlimm wie Mörder! In der Gefängnishierarchie rangieren sie sogar noch unter den Mördern.
    Ich denke, daß der Begriff „Seelenmord“ intuitiv bei der Gesellschaft genau die Assoziationen weckt, die es braucht, um sich diese Verbrechen klarzumachen.

  79. Gertrud Tammena schreibt am :

    Ich halte pauschale Übertreibungen und drastische Sprache nicht für sinnvoll.
    Taatsächlich gibt es durch Verbrechen tote Menschen ja, und auch seelentote Menschen, die nie und niemand mehr erreichen kann,
    aber es gibt auch Betroffene,die durch verbrecherische Überwältigungen langnachwirkende Schäden erlitten haben, an denen sie leiden ud mit denen sie innerlich kämpfen müssen und dennoch bleibt das ein Unterschied, auch noch mal für den Täter – oder soll alles egal sein ? Auch die grausame Gefängnishierarchie gibt mir da keine Genugtuung für den Täter. Ich bin für Wahrheit und Wahrhaftigkeit und sehr genaues Hinschauen im Urteilen.

  80. Anna M. schreibt am :

    @Gertrud Tammena
    Es ist doch eine wichtige Frage, in welchem Zusammenhang man diese drastische Sprache verwendet.
    In öffentlichen Äußerungen von netzwerkB finde ich es absolut sinnvoll von Seelenmord zu sprechen.

    Weder ist das eine pauschale Übertreibung noch wird irgendjemand damit unrecht getan.
    Ich finde, wir Betroffene haben das Recht, die Dinge beim Namen zu nennen. Wir haben doch lange genug geschwiegen.

  81. Gertrud Tammena schreibt am :

    Liebe Anna M.,
    ich denke, es gebietet der Respekt gegenüber denen,die ermordet, in den Suizid getrieben oder in Stupor, Wahnsinn, Pseudodemenz geflohen sind und gegenüber den Nahestehenden solcher Menschenopfer, hier immer noch zu differenzieren.
    Wir haben sogar die Pflicht, die Dinge beim Namen zu nennen, wenn wir nicht mehr schweigen müssen.Und wir haben die Möglichkeit, das Leben irgendwie doch noch zu wagen. Ich will nicht streiten es geht mir um Gerechtigkeit und um das Leben.

  82. @ Anna M.:

    Bevor ich mich selbst in noch mehr Einzelheiten ergehe: Nennen Sie mir doch bitte – außer dem Fall „Katharina“ aus den „Studien über Hysterie“ – EINEN EINZIGEN weiteren Fall, in dem Freud einer seiner Klientinnen geglaubt hat, dass sie sexualisierte Gewalt erlebt hat, und schildern Sie ein wenig genauer die Umstände dieser Fallgeschichten.

    Und erläutern Sie doch bitte ein wenig, inwieweit er seinen Klientinnen Emma Eckstein, Ilona Weiß („Elisabeth v. R.“) oder Ida Bauer („Dora“) geglaubt hat bzw. seinem Freund Fleischl von Marxow oder dem Schriftsteller Wilhelm Jensen.

    Und Sie selbst: Wie sehr glauben Sie an das, was andere Ihnen sagen?

    Freud selbst bringt zum Ausdruck, dass sein Vater kein Kinderschänder gewesen sei. Aber Sie selbst glauben – nach 150 Jahren – es besser zu wissen. Wenn sich kein Hinweis darauf finde, dann heiße das noch lange nicht, dass es nicht solch einen Missbrauch gegeben habe. Glauben Sie also, dass Sie es besser wissen, als Freud? Woher genau nehmen Sie für sich diesen Anspruch, etwas besser ztu wissen, als der Betroffenen selbst?

    Glauben Sie dann vielleicht auch, dass eine Koryphäe wie Otto Kernberg ins Schwarze trifft, wenn er sich bei seinen KlientInnen ganz sicher ist, dass sie in ihrer Kindheit sexualisierte Gewalt eines Elternteils als einen „sexuell erregenden Triumph“ über den anderen Elternteil erlebt hätten, und dass sie „ihre [ödipale] Schuld tolerieren“ müssten, dass dieses Triumphgefühl sich nur dem Bewusstsein entzogen hätte, weil es eben hätte verdrängt werden müssen? Glauben Sie hier auch, dass Kernberg hier besser über sein Gegenüber Bescheid weiß, weil der Betroffene da bestimmte aspekte eben ins „Unbewusste“ abgeschoben hat?

    Und glauben Sie auch, dass der Mann aus Kernbergs Fallbeispiel tatsächlich die Aggression gegenüber seiner Familie nur deshalb entwickelt hat, weil er die – natürlich ebenso verdrängte – orale Gier an der Mutterbrust nicht bewältigen konnte, und dass demgegenüber das Miterleben der Ermordung der ganzen eigenen Familie in einem KZ (im Alter von 8 Jahren) für die Entwicklung dieser Aggression irrelevant gewesen sei? Glauben Sie auch hier, dass ein außenstehender Fachmann genauer über Verdrängtes orientiert ist, als dre Betroffenen selbst?

    „Freud hat schlicht und ergreifend seinen Patientinnen geglaubt und die richtigen Schlüsse gezogen“ – Sie dürfen dieses Märchen gerne weiter glauben, wenn Sie dies wollen. Gläubige kann man schlecht durch noch so gute Argumente und Fakten zu Ungläubigen machen.

  83. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Kernberg ist sicherlich ein Hauptschuldiger für die Propagierung der Schuldumkehr bei „Missbrauchs“opfern.Eines Tages wird das genauso obsolet sein wie die heilige Inquisition .Bis dahin ist allerdings noch ein langer Weg.

  84. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Genauergesagt:Kernberg liefert das ideologische Gerüst zur Schuldumkehr und beeinflusst damit auch Justiz.Seine Schüler sitzen mittlerweile wieder auf den entsprechenden Lehrstühlen und tragen seine Botschaft weiter.Tragisch ist es dann für das Opfer/Betroffner wenn es in solche Hände gerät wenn es Hilfe sucht.

  85. hildegard schreibt am :

    Es gab schon vor 42 Jahren ein Psychiater zu bedenken, Betroffenen werde nicht geglaubt – weder von Gutachterkollegen noch vor Gericht. Er hat energisch davon abgeraten Anzeige zu erstatten und dringend geraten, sich selbst zu retten, statt auf staatliche Einsichten zu warten.
    Kein Fortschritt!
    Es gab vor 22 Jahren einen Psychologen, der ernsthaft der Betroffenen einredete, der Täter habe ja wohl auch seine guten Seiten gehabt. Wie bitte?
    Was bleibt Überlebenden anders als auf-nimmer-wiedersehen-gehen und – SICH SELBST RETTEN.
    O ja, sie wissen alle was sie tun, die Täterschützer und Verbrecherversteher!
    Ohne die totale Abschaffung der Verjährungsfristen aber wird sich kein anderer Geist einstellen unter diesen verfilzten Vertuschern und besserwissenden Rechtsverdrehern.

    Es braucht radikale Transparenz für’s korrupte Obrigkeits-System der deutschen Untertanen-Demokratie.
    Sonst hilft genau gar nichts – auch nicht gegen Gottesfürchtige und Guru-Gläubige …

  86. klaraklara schreibt am :

    Liebe Hildegard,
    das würde mich interessieren, welcher Psychiater das sagte und wo ich es nachlesen kann.

  87. hildegard schreibt am :

    klaraklara, … erlebte Lebensgeschichte soll zeigen, wie sich die angebliche Grundrechte-Demokratie entwickelt hat bis hin zum Stillstand im deutschen Menschenrechts-Entwicklungsland …

  88. Anna M. schreibt am :

    @Klaus Schlagmann
    Wenn Freud seinen Patiennen ihre Missbrauchserfahrungen nicht geglaubt hätte, wäre er gar nicht auf seinen ersten Ansatz gekommen. So einfach ist das.
    Dazu KANN kommen, daß er selbst Opfer seines Vaters war, aber letztlich wissen können wir es nicht. Wir können auch nicht sicher ausschließen, daß er es nicht war, denn es ist bekannt, daß Mißbrauchsopfer, die in ihrem Umfeld keine Unterstützung bekommen, ihre Erinnerungen leugnen, weil sie unter der Isolation leiden. Dazu kommt, daß sich Freud durch Leugnen seines Opferseins der Selbstbeschuldigung entzogen haben kann, nachdem (oder währenddessen) er die Ödipus-Theorie (Beschuldigung des Opfers) entwickelte.
    Kernberg habe ich nicht thematisiert. Insofern werde ich auf Ihre provokativen (Suggestiv)fragen nicht eingehen.

    Meine Argumentation schließt das Wissen um sexualisierte Gewalt, ihre Mechansimen und Traumatisierung ein. Und diejenigen, die sich damit beschäftigt haben, werden dies auch nachvollziehen können.
    Wenn Sie nicht dazu gehören, kann ich damit leben.

  89. hildegard schreibt am :

    @Anna M. … ja, der gesellschaftlich fortgesetzte “Seelenmord” braucht diese Formulierung als passendes Aufklärungsinstrument für unsere abgestumpfte, ignorante Gesellschaft.
    Der hier geforderte Runde Tisch darf nicht länger von den heimlichen Zerstörern und deren juristisch bestens versierten Kumpanen gesteuert werden.
    Denn es ist wie es ist: Planvoll und mit voller Absicht wird das Innere eines Menschen nach und nach zerstört! Es handelt sich um einen ungeheuerlichen Flächenbrand mitten in der „freiheitlichen Demokratie“, um totale Fremd-Bestimmung junger Menschen mit oft genug tödlichem Ausgang, bzw. irreparablen Folgeschäden.

    Wir haben ‚alle Hände voll‘ zu tun, möglichst klug und konstruktiv mit dieser Problematik umzugehen. Und sollten alle hilfreichen Kräfte bündeln – auch die von Finke und Schlagmann!!!
    Wem nützt Kritik, die zwangsläufig mit Konjunktiven arbeitet? Da kann ich nur Gelassenheit empfehlen.

  90. @ Anna M.

    Halten wir also fest: Auf meine konkreten Fragen haben Sie keine einzige Antwort parat.

    Lassen Sie mich für die Mitlesenden hier noch einmal unterstreichen, warum Ihre kenntnislose Besserwisserei den Opfern sexualisierter Gewalt nicht gerecht wird.

    Sie schreiben z.B.: „Auch Ihre Wertung ‚Freuds Herumreiten auf dem Thema Eltern-Kind Inzest‘ suggeriert, als ob Freud irgendetwas erfunden hätte. Hat er nicht!“

    Hat er. Im Bewusstsein, eine fundamentale Entdeckung gemacht zu haben, war er (Ende 1896 bis September 1897) völlig fixiert auf sexualisierte Gewalt von Seiten des Vaters im Alter von 2-8 Jahren als einzigem Auslöser für die sog. „Hysterie“. Schon der Großvater kam für ihn offenbar als Täter nicht mehr in Betracht (28.04.1897). D.h. also, dass Freud sexualisierte Gewalt von LehrerInnen, TrainerInnen, PastorInnen, NachbarInnen, Stiefvätern/-müttern, Onkeln/Tanten, älteren Geschwistern usw. nicht wirklich in Betracht gezogen hat bei der Suche nach Auslösern für „hysterische“ (= psychosomatische) Symptome. Er ist in dieser Zeit ganz fixiert auf die „paternelle Ätiologie“ (= Auslösung durch den Vater).

    Freud ist vorsichtig genug, diese abstruse Theorie nicht allzu massiv in der Öffentlichkeit zu propagieren. Er entwickelt sie erst einmal nur im Briefwechsel mit seinem verrückten Kollegen Fließ.

    Aber auch das, was er vor Fachpublikum vorträgt (1896) – die Rückführung SÄMTLICHER „hysterischer“ (= psychosomatischer) Symptome allein auf sexuelle Kindheits-Erfahrungen – ist reichlich bizarr: „Ich stelle also die Behauptung auf, zugrunde JEDES FALLES von Hysterie befinden sich … ein oder mehrere Erlebnisse von vorzeitiger sexueller Erfahrung, die der frühesten Jugend angehören.“ Das Alter von 8 Jahren bilde eine entscheidende Grenze: „Wer nicht frühere Sexualerlebnisse hat, kann von da an nicht mehr zur Hysterie disponiert werden“ – heißt: Wer sexualisierte Gewalt in einem Alter über 8 Jahren erlebt, wird darauf nicht mehr mit „hysterischer“ (= psychosomatischen) Symptomen reagieren. Freud findet in seinem Kollegium schon allein wegen der bizarren Einseitigkeit – zu recht! – keinen Glauben.

    Und erst recht in Bezug auf seine insgeheim (mit Fließ) ausgetüftelte Spezialtheorie muss Freud sich nun mal sagen lassen: Natürlich ist sexualisierte Gewalt, die von einem Elternteil auf ein Kind im Alter zwischen 2-8 Jahren ausgeübt wird, für die Betroffenen fatal. Aber das heißt doch nicht, dass sexualisierte (elterliche) Gewalt außerhalb dieser Altersgrenzen von 2-8 Jahren keine schädigende Wirkung hätte! Und das heißt doch natürlich erst recht nicht, dass nicht auch sexualisierte Gewalt, die von Nicht-Eltern ausgeht (die noch dazu sehr viel häufiger stattfindet) irrelevant wäre für die Entwicklung von seelischen Störungen! Und darüber hinaus gibt es eine Vielzahl anderer Formen (nicht-sexualisierter) unangemessener Behandlung von Kindern, die für sie bis ins hohe Alter hinein fatale Folgen haben kann!

    Als Freud selbst dann von Zweifeln beschlichen wird, dass er mit seiner für gar so brillant gehaltenen Idee vielleicht doch unabweisbaren Widerspruch auslöst, da ändert er seine ganze Theorie nur um eine winzige Nuance: Die ganzen von ihm zu recht behaupteten Zusammenhänge hätten sich eben nur in der Phantasie der Kinder abgespielt („Ödipuskomplex“). Nun kann er sehr viel leichter mit seiner Besserwisserei hantieren, denn nun gibt es ja keine realen Zeugen mehr: Unbeirrbar redet er seinen KlientInnen fortan (ab September 1897) ein, sie hätten in ihrer Kindheit entsprechende Phantasien in Bezug auf den Eltern-Inzest gehabt, aber verdrängt.

    Dass wir uns richtig verstehen: Es kommt tatsächlich vor, dass Menschen etwas Erlebtes „verdrängen“. Und ich sehe es auch als wichtige Aufgabe einer Psychotherapie an, solche verdrängten Erfahrungen aus dem „Unterbewussten“ (sofern vorhanden und aufspürbar) wieder dem Bewusstsein zugänglich zu machen und zu integrieren. Aber mit dem „Verdrängten“ sollte ziemlich sorgfältig umgegangen werden. Selbstherrliche TherapeutInnen können leicht erklären, sie seien etwas „Verdrängtem“ auf der Spur und behaupten, dass es sich genau so verhalte, wie sie – als ExpertInnen – das eben „erkennen“. Für Freud war schon jeder Widerspruch gegen seine Deutung ein Hinweis darauf, dass er auf etwas „Verdrängtes“ gestoßen war, fasste also ein „Nein“ als „Ja“ auf, nahm einen Widerspruch als Zustimmung. Auf diese plumpe Weise kann sich auch ein Herr Kernberg versichern, dass er ganz präzise die (verdrängte) orale Wut oder die (verdrängten) sexuell erregenden Impulse seiner KlientInnen entdeckt hat.

    Sie selbst, Anna M., gefallen sich offenbar auch in der Rolle derjenigen, die Verdrängtes durchschaut und ans Tageslicht zu zerren versteht. „Meine Argumentation schließt das Wissen um sexualisierte Gewalt, ihre Mechansimen und Traumatisierung ein. Und diejenigen, die sich damit beschäftigt haben, werden dies auch nachvollziehen können.“ Soll wohl heißen: Weil ich Ihre Behauptungen NICHT nachvollziehe, habe ich mich wohl auch nicht mit „sexualisierter Gewalt, ihren Mechanismen und Traumatisierung“ beschäftigt. Diese Frechheit können Sie sich aus Ihrer Anonymität heraus gut erlauben. Eine solch plumpe Rhetorik könnte direkt der Feder Ihres Gurus Freud entstammen.

    Mündige Menschen werden sich solch besserwisserisches „ExpertInnentum“ weder von Fachleuten, noch von vermeintlichen Freunden oder selbsternannten SpezialistInnen aus dem Web gefallen lassen.

    Wie wollen wir nachvollziehen, welche Erfahrungen ein anderer Mensch gemacht hat? Was bedeutet es, sexualisierte Gewalt zu erleben; mit häufig streitenden, alkoholisierten Eltern zu tun zu haben; ganz auf sich allein gestellt zu sein; in bitterer Armut zu leben, oftmals nicht genug zu Essen im Haus vorzufinden und um das Wenige mit vielen Geschwistern konkurrieren zu müssen; immer wieder brutal geschlagen zu werden; in Heimen groß zu werden, in denen man keine Bezugsperson findet und gedrillt wird, seine Persönlichkeit und Individualität aufzugeben; mit Eltern zu leben, die ihren Kindern durch Wahn- und Zwangsgedanken das Leben zur Hölle machen; als Kind einen Fehler begangen zu haben, der von einem verständnislosen Umfeld unangemessen dramatisiert worden ist und dadurch zu einem beständigen Schuldgefühl führt; in der Schule als Außenseiter zu gelten und entsprechend schikaniert zu werden von Lehrern und Mitschülern; im Scheidungskonflikt der Eltern als Spielball benutzt zu werden? Ich selbst kann eigentlich nicht wirklich wissen, wie sich so etwas anfühlt, weil ich das Glück hatte, dass ich keiner dieser genannten Erfahrungen ausgesetzt war. Trotzdem bemühe ich mich, mich in jede Situation einzufühlen, die mir KlientInnen in meiner Praxis schildern. In meinen Bemühungen, Menschen mit ihren Erfahrungen zu helfen, die daraus entstandenen psychischen und psychosomatischen Störungen zu bewältigen, ist mir jedenfalls sehr wichtig: Dass ich ihnen als „Anwalt“ zur Seite stehe, für sie Partei ergreife, ihnen glaube. Und dass ich sehr behutsam umgehe mit dem, was sie mir erzählen. Da ist jede Form von anmaßender Besserwisserei fehl am Platz!

  91. Gertrud Tammena schreibt am :

    warum wird diese Diskussion als Schlagabtausch so hart geführt? ?

  92. Karl Görtz schreibt am :

    :Zitat

    „Es kommt tatsächlich vor, dass Menschen etwas Erlebtes „verdrängen“.

    :Zitat Ende

    Ich musste es einüben, diese Verdrängen, über Jahrzehnte. Hat übrigens mein Naturelles zerstört. Frei atmen und Sprechen zu können über Jahrzehnte war mir verwehrt. Ich hätte das Auto 1967 vor einem Baum fahren sollen. Mein Täter wäre tot, ich wäre tot und ich bräuchte hier heute nicht wieder zu schreiben. Diese ganze Quälerei in Schule und Ausbildung wäre mir erspart gewesen. Aber wissen Sie, ich sollte nur lenken, weil ich an das Gaspedal nicht rankam. Meine Beine waren zu kurz. Und: Bei meinem ersten Kontakt mit einer Psychotherapeutin (kurz vorher stand ich vor dem Suizid) habe ich ihr sofort gesagt was mir angetan wurde, nämlich mein Vertrauen missbraucht wurde. Das war 34 Jahre später. Heute lebe ich seit 2005 von Hartz IV und bin 57. Das sind die Folgen der Zerstörung in jungen Jahren.

  93. Anna M. schreibt am :

    Das frage ich mich auch, Gertrud.
    Und ich frage mich, warum solch ein Posting wie das letzte von Klaus Schlagmann freigeschaltet wird.

  94. Saskia schreibt am :

    ….ich habe auch über Jahrzehnte vieles verdrängt..
    meine eigene gegründete Familie ist zerstört,es ging über die andere Form einer Gewalt….
    manches Mal wollte ich auch nicht mehr leben,
    …von Freud weiß ich nicht so viel,——-
    er lebte in den letzten Jahren mit seiner (jüngsten?)
    Tochter im Exil in London,dieses Vater/Tochter Verhältnis bestand in einer großen Abhängigkeit vom Vater—-,und er war ein Kettenraucher,die Sucht bekam er nicht in den Griff,obwohl er viele OP DADURCH hatte,er zerstörte sich somit selbst

    —sich frei machen vom Erlebten der Vergangenheit und Gegenwart ist wohl die größte Herausforderung an uns selbst..sonst ,spreche nur von mir–die Zukunft neu gestalten,—
    ich lebe Heute ganz gut ,und versuche den Alltag zu bewältigen mit einer
    erwachsenen behinderten Frau,meinem Kind….

  95. Hamlet schreibt am :

    @Anna M. Ist vollkommen richtig, dass der Kommentar freigeschaltet wird. Sie sind in eine Debatte zu Thesen, die Klaus Schlagmann aufgestellt hat, eingetreten und negieren seinen Ansatz, mit Härte. Er antwortet hart, aber durchaus mit Argumenten. Ich bin ja noch radikaler als Klaus Schlagmann, mehr Scharlatane denn Schamanen, mehr Gurus denn wirklich aufrichtige Menschen findet man unter dem, was ich eher Gesocks oder Psychofritzen- und fritzinnen nenne.

    Argumentativ würde ich übrigens eher Klaus Schlagmann recht geben. Sie können auch die neuere französische Analytikerschule hinzunehmen, die solange in Mode waren, da wird’s dann noch spannender. Die unglaubliche Anzahl an durch Therapeuten mitverursachten Schädigungen ist ein erhebliches Problem, wenn wir dann noch die unglaubliche Anzahl von Selbstmorden hinzuziehen, dann wird das ganz heftig.

    Gerold Becker beispielsweise hat sich zwar „geweigert“ eine Therapie zu machen, (wurde allerdings auch nur sanft und höflich von seinem ersten Mentor drum gebeten und wird gewusst haben warum, wie auch sein Mentor wohl wusste, warum er nicht insistiert und lieber die Schüler ausliefert) -, war aber selbst Anhänger dieser Auslieferung, für andere… Das gehört auch mitreflektiert… Kann man ausweiten, auf solche Gestalten wie Erich Wulff aka Georg W. Alsheimer, eine Kultfigur der 68er, Psychiater und wohlmöglich Kinderficker in Vietnam, wenn man seinen Berichten glauben schenkt, was wohl auch ein wichtiger Grund war, dass seine Vietnamberichte aus den 60-er Jahren unter Pseudonym erschienen, da sein beruflicher Status als Psychiater da Schaden genommen hätte. Auf Felix Guattari, etc., etc.

    Der „Hauspädophile“ Christian Hennion der französischen linken Tageszeitung, Umfeld Satre, Guattari, war dann wiederum befreundet mit Daniel Cohn-Bendit und seinem Bruder, gemeinsame Urlaube wohl eingeschlossen, so schliessen sich halt Kreise. Und irgendwie im Hintergrund immer irgendwie Freud und Konsorten, die erste und zweite Generation dieser Gurus und Scharlatane. Nichts dagegen, dass die sich auf Papier austoben, nur diesen ungesicherten Thesenwust in gläubige Praxis umzusetzen, dazu gehört Grössenwahn und angesichts der Betroffenen dieses Umfelds, Odenwaldschule gehört da ganz klar dazu, ist diese Diskussion hier ziemlich absurd.

    Kann man/frau jetzt natürlich anfangen und von der Abkehr von der reinen „Freud’schen Lehre“ beginnen, nur was bleibt dann von der Psychoanalyse: Freud? Messias? Wissenschaft? Religion?

  96. Anna M. schreibt am :

    @Hamlet, @netzwerkB:
    soviel ich weiß, sind persönliche Angriffe hier im Forum nicht erlaubt. Aus diesem Grund hätte der Beitrag von Klaus Schlagmann nicht freigeschaltet werden dürfen, selbst wenn die Aggressivität und Projektion (Stichwort Besserwisserei) viel über den Autor aussagt.

  97. Hamlet schreibt am :

    @Anna M. Na ja, unterschwellig, und das ist manchmal schmerzhafter und lässt sich kaum entgegnen, haben Sie nichts anderes insinuiert, sich zur Kompetenz erklärt und Schlagmann zur Inkompetenz und sind dabei auch heftig auf der „persönlichen“ Schiene geritten. Ihre kategorische Abwehr zum Ende nun, ohne allzu viele Argumente, kann der Herr Schlagmann schon als persönlich entwertend auffassen und: er steht ja immerhin mit Namen und Anschrift für das was wer sagt ein. Wenn man/frau anonym und persönlich! austeilt, muss man/frau auch bereit sein, ein wenig einzustecken! Uns allen ist ja jetzt klar: Sie finden Freud so ein bisserl prima, Klaus Schlagmann findet Freud so ein bisserl beschissen. Wenn dann einer der Kontrahenten Gott Meta herbeizitiert und die Auseinandersetzung zur, noch unberechtigten, Anstandsfrage macht, dann ist das kein gutes diskursives Gebaren. Wie gesagt, Klaus Schlagmann reagiert hart, auf ihre harte und ihn auch persönlich diskreditierende Kritik, beleidigend wird er aber nicht. Sie müssen schon aushalten, dass er ihre Qualifikation (Argumentation) in Frage stellt, wo Sie die seine.

    Persönlich fände ich’s übrigens spannender etwas von den netzwerkb-Psychologen zum Thema zu hören… Für Sie: lesen Sie sich ihre Kommentare und Antworten durch, dann sollten Sie auch Verständnis für die Reaktion von Klaus Schlagmann haben…

  98. Gertrud Tammena schreibt am :

    Zitat der Homepage von netzwerkB
    netzwerkB:
    netzwerk Betroffener von sexueller Gewalt e.V. ist eine unabhängige Interessenvertretung
    Betroffene setzen sich für die rechte Betroffener ein

    Dies impliziert einen gewissen Schonraum: Wie man mit Gastbeiträgen und Belehrungen Nichtbetroffener gegenüber explizit als missbrauchsbetroffen sich Erklärten habenden hierin schonender umgeht, sollte deswegen ganz klar definiert sein.

  99. klaraklara schreibt am :

    Bitte nicht vergessen: für die Betroffenen von sexualisierter Gewalt ist es oft NICHT MÖGLICH, einen öffentlichen Beitrag namentlich zu unterschreiben! Ob man das beruflich oder privat durchstehen kann, sich geoutet zu haben, muss jeder selbst für sich wissen; unter juristischen Aspekten kann es verboten sein, öffentlich unter eigenem Namen zu bezeugen, dass man in der Herkunftsfamilie sexualisierte Gewalt erfuhr.

  100. Anna M. schreibt am :

    @Hamlet
    Es handelt sich hier offensichtlich um ein Missverständnis. Ich finde nicht Freud ein bißchen gut, sondern habe Schlagmanns Kritik an Masson infrage gestellt.
    Wenn ich hier für eine Freudianerin gehalten werde, kann ich die Aufregung ein bißchen verstehen. Bin ich nicht.
    Es ging mir darum, Freuds Umschwung von seinem ersten Ansatz hin zur Ödipustheorie (Opferbeschuldigung) im Hinblick auf sein eventuell persönliches Opfersein zu durchleuchten. Denn schließlich ist das hier ein Forum zum Thema sexualisierte Gewalt.
    Zum Thema „selbsternannte Spezialistinnen“ (Schlagmann) muß ich sagen: ja, Betroffene SIND SpezialistInnen im Bezug auf dieses Thema. ExpertInnen. Und es gibt keinen Grund, deren Meinung durch „Fachwissen“ ins Lächerliche zu ziehen, denn die Betroffenen-Experten haben oft einen Blickwinkel, der Fachleuten abgeht. Das ist der Hauptpunkt meines Anliegens.
    Was nützt ein gegen Missbrauch in der Psychotherapie engagierter Fachmann, der aber solche abenteuerlichen – und nicht wissenschaftlich gestützten – Behauptungen aufstellt wie:
    „Mir ist die Differenzierung der Darstellung wichtig, weil ich glaube, dass die Bedeutung von Beziehungen mit traumatischer Qualität (Entwertungen, Prügel, Missachtungen, Nicht-Beachtungen, …) quantitativ und vielleicht sogar qualitativ weit mehr Bedeutung haben, als sexueller Missbrauch, z.B. weil diese Erfahrungen auch schon relativ häufig in frühester Kindheit stattfinden können, und damit besonders nachhaltig wirken. Darüber hinaus sind Missbrauchserfahrungen in der Regel mit den genannten Beziehungsaspekten geradezu untrennbar verbunden.“
    Glauben ist nicht Wissen. Und wie gesagt findet ja sexualisierter Gewalt oft auch schon in frühester Kindheit statt. Und immer KOMBINIERT mit anderen Formen von Gewalt (immer psychische Gewalt, oft körperliche). Schon von daher kann sexualisierte Gewalt nicht „qualitativ“ weniger Bedeutung haben als die anderen Formen.
    Ja, ich messe die Glaubwürdigkeit eines Fachmanns, der in einem Forum für Betroffene von sexualisierter Gewalt schreibt an seinen Äußerungen zu genau diesem Thema. Deshalb griff ich zur Feder. Und ich bitte auch mir nachzusehen, daß ich heftig reagiert habe, da Schlagmann ins gleiche Horn bläst wie andere Missbrauchsleugner und -bagatellisierer.
    Im puncto aus der Anonymität heraus schreiben stehen übrigens Sie, Hamlet, mir in Nichts nach.

  101. Karl Görtz schreibt am :

    Sophie Scholl und ihr Bruder wollten auch erst anonym aufklären. Als sie dann gefasst, verhört und vor Gericht standen, vertraten sie ihren Standpunkt bis in den Tod. Es gibt nicht umsonst heute Geschwister Scholl Schulen.

    https://www.youtube.com/watch?v=fgEjbd5z7Jo

    Heute leben wir in anderen Zeiten, mit dem Unterschied, dass man heute das Regime öffentlich anklagen kann ohne unters Fallbeil zu landen. Das öffentliche Anklagen ignoriert das Regime heute einfach, siehe Petitionen, – egal ob anonym oder mit Klarnamen- und ebenso den Hinweis auf das Grundgesetz, das schon lange nicht mehr von der Politik beachtet wird, wohl aber gefeiert wird. Das Volk interessiert heute die politische Kaste nicht mehr. Die müssen sich alle einig sein um ihre Macht zu erhalten. Und wer nicht mitzieht, fliegt raus.

  102. Hamlet schreibt am :

    @Anna M.: Hab ich ja nichts gegen. Finde auch, dass gerade Betroffene viel zu wenig einbezogen werden. Die Runden Tische waren ja hervorragende Beispiele, wie angebliche Interessenvertreter unter Ausschluss ihre eigenen Interessen mehr gewahrt haben, als die von Betroffenen, sei’s in der Frage der Heime, sei’s im Zusammenhang mit sexueller Gewalt. Nur: hier hat Klaus Schlagmann einen Gastbeitrag eingestellt, der sich zuerst mal kritisch mit seiner Zunft auseinandersetzt, – ich frag mich mehr, warum er überhaupt dazu gehören will -, und Sie haben nicht nur inhaltlich oder wie ich sehr polemisch in Bezug auf die Zunft reagiert, sondern Herrn Schlagmann doch einige Male sehr persönlich abwertend kommentiert. Ich fange jetzt nicht an zu zitieren, das ist überflüssig…

    Was Schutzraum betrifft, das ist ok, sollten dann aber nicht die öffentlichen Kommentarseiten gerade des Autors, der ja auch angegriffen wird, sein und wenn ein Mensch auch als Betroffener hier austeilt, muss er auch einstecken können, allzumal ich nicht das Recht auf Anonymität in Frage stelle, sondern nur bezweifle, dass in eine Richtung ausgeteilt werden darf, aber die andere dann bitte nicht auch etwas heftiger antworten soll, weil man/frau sei ja Betroffene und deswegen besonders beschützenswert. Das geht nicht.

  103. Anna M. schreibt am :

    @Hamlet,
    ich weiß zwar nicht, warum Sie sich hier zur – anonymen – moralischen Beurteilung berufen fühlen, aber wenn schon Metadiskussion, dann präzise:
    Schlagmanns letztes Posting war eine totale Überreaktion und ist nicht zu rechtfertigen mit „wer austeilt muß auch einstecken können“
    Was Sie nicht wissen: ich hatte ein wesentlich harmloseres Posting geschrieben am 23.6., das von netzwerkB nicht freigeschaltet wurde mit der Begründung „Vermeiden Sie persönliche Angriffe“. Daher bin ich nach wie vor der Meinung, daß das fragliche Posting von Schlagmann mit derselben Begründung nicht hätte freigeschaltet werden dürfen.
    Zitat Hamlet: „… sondern nur bezweifle, dass in eine Richtung ausgeteilt werden darf, aber die andere dann bitte nicht auch etwas heftiger antworten soll, weil man/frau sei ja Betroffene und deswegen besonders beschützenswert. Das geht nicht.“
    Soll das heißen, wer hier unter Klarnamen schreibt, darf mehr austeilen als anonym schreibende? Das ist doch absurd! Gerade in einem Forum, in dem sich Betroffene durch Anonymität schützen MÜSSEN!
    Es geht hier nicht nur um den Schutz einzelner Betroffener, sondern auch um so etwas wie die Forumshygiene. In einem Schutzraum für Betroffene sollten solche fragwürdigen und triggernden Äußerungen und Haltungen bezgl. der Wertigkeit von sexualisierter Gewalt wie von Herrn Schlagmann (auf die Sie, Hamlet übrigens bisher nicht eingegangen sind) infrage gestellt werden dürfen. Wie gesagt messe ich die Glaubwürdigkeit eines Autors, der sich hier gegen Missbrauch im therapeutischen Bereich einsetzt (was an sich ja sehr löblich ist) an seinen Äußerungen zum Thema sexualisierte Gewalt, denn das ist das Thema hier.

  104. Hamlet schreibt am :

    @Anna M.: Sie wollen nun, was ich schreibe, so scheint’s, in den falschen Hals bekommen. Nochmal ganz klar, wer austeilt und Sie haben ausgeteilt, der muss auch einstecken können. Und wenn der Autor des Gastbeitrags sich nicht mehr wehren darf, wenn ihm ziemlich harte Dinger an den Kopf geknallt werden, wegen „Forumshygiene“ und weil jemand ruft: „Joker, Schutzraum, Ätschibätsch“, dann find ich das mehr als unfair. Herr Schlagmann hat Besserwisserin gesagt, nachdem Sie ihm zuvor Besserwisser gesagt haben. Der darf das nicht, aber Sie dürfen. Sie können mir gerne noch einmal antworten, ich werd’s damit gut sein lassen, da sich das im Kreise dreht. Nen schönen Tag.

  105. hildegard schreibt am :

    Im Umgang mit „Normal-Menschen“ werden häufig Einsichten mit Wut und Hass über die damals geklauten Potentiale frei (wie in diesen Kommentaren).
    Zunehmend werden individuelle Folge des Verbrechens klarer: Die abgebrochene Entwicklung ureigener Fähigkeiten. Das ausgelöschte Selbstbestimmungstalent. Der Chip der Tat. Verewigte Fremdbestimmung in unseren Hirnen.
    Wir verrennen uns in einer Idee. Wir drehen uns im Kreis. Wir wundern uns über die ekalierende Situation. Wir erleben OHNMACHT. Die ferngesteuerte Ohnmacht von damals …
    Weil uns WESENTLICHES fehlt, reagieren wir allergisch, aggressiv. Die Ursache für unser Verhalten wird uns zu spät klar. Die Wirkung legen wir dem Gegenüber zur Last. Opferlogik.

    Wir könnten es an unserem eigenen Verhalten erkennen, wenn wir es nur wahrhaben wollten, und wenn das nicht so verdammt weh tun würde …
    HIER muss not-wendig ‚Hygiene‘ einsetzen:
    Ich bin okay. Du bist okay.
    Und dann tu ich bewusst was für mich stimmt. Oder ich lasse es bewusst, weil das für’s ‚große Ganze‘ besser ist.

    Stall ausmisten kann helfen … 😉 !

  106. Gertrud Tammena schreibt am :

    1. Ich habe die schulmeisterliche Abkanzlung und Abfragung von Anna M. mit Ausdrücken wie „Frechheit“ etc. nicht als partnerschaftlich sondern als sehr gekränkt und von oben herab empfunden.Ich glaube,Anna M. hatte niemanden zu Gastbeiträgen aufgefordert.

    2. Auch in die Anonymität hinein darf man hier nicht mit Pseudodiagnosen über das durch den Missbrauch verletzte Kindheits-Ich eines anderen Users herfallen

    3.Wo, wenn nicht hier , gerade zählt doch wohl der/die Einzelne vor dem „großen Ganzen“ – und was bitte sollte das sein ?

  107. hildegard schreibt am :

    … der/die Einzelne vor dem “großen Ganzen” – sehr richtig, und zwar genau in dieser Reihenfolge! – anders gesagt „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, denn kein Mensch kann allein für sich selbst denken, sein und sorgen …

  108. Anna M. schreibt am :

    @Hamlet,
    Durch Wiederholung wird auch nicht bedeutsamer, was Sie schreiben. Und es ist ja oft so: wenn die (inhaltlichen) Argumente ausgehen, wird gern auf Gemeinplätzen rumgeritten. Ich vermisse nach wie vor inhaltliche Einwürfe ihrerseits. Es ist mir unverständlich, daß Sie sich zum Anwalt von Schlagmann machen, da er sich doch selbst schlagkräftig wehren kann.
    Worum geht es Ihnen eigentlich? Um Moral? Drei mal „Wer austeilt muß auch einstecken können“. Wir haben es bereits beim ersten mal verstanden.
    Wenn Sie die Diskussion noch einmal aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, daß ich Schlagmann keinesfalls Besserwisserei vorgeworfen habe, sondern allenfalls Unkenntnis im Bezug auf Traumatisierung durch sexualisierte Gewalt. Und dies habe ich auch begründet. Und ich bin durchaus der Meinung, daß ein Fachmann sich so etwas von einer Expertin (weil Betroffene) in einem Fachforum anhören kann. Schlagmann hat MIR daraufhin Besserwisserei vorgeworfen. Womit er ja nicht einmal unrecht hat: im Bezug auf sexualisierte Gewalt und Traumafolgen habe ich sicherlich ein umfangreicheres Wissen als er und bezgl. Freud stellt er auch nur Vermutungen an, andere Autoren sehen das anders, zitieren andere Quellen (Masson, Alice Miller). Seinen Tonfall dabei fand ich ziemlich von oben herab. Und da ich gerne auf Augenhöhe diskutiere, ist mir die Lust auf die Diskussion mit Schlagmann da vergangen und ich brachte zum Ausdruck, daß ich mit der Meinungsverschiedenheit leben kann. Daraufhin kam ein Posting, das nicht sachlich, sondern ziemlich emotional – um nicht zu sagen wutschäumend – war und mich persönlich angriff (wie gesagt wurde ja zuvor ein Posting von mir zensiert) und z.B. auch von Userin Gertrud Tammena als „schulmeisterliche Abkanzelung“ und „von oben herab“ gesehen wurde.
    Unter der Prämisse „gleiches Recht für alle“ hätte wie gesagt dieses Posting nicht freigeschaltet werden dürfen.

  109. C.F. schreibt am :

    Was für ein Skandal! Ich forderte Einsicht in Behandlungunterlagen mit Frist,
    dann kam die Antwort von der ehemaligen Psychotherapeutin, Psychotraumatologin Fr. Dr. Becker-Fischer, Vorstand im Deutschen Institut für Psychotraumatologie e.V. in Much bei Köln
    Sie ließ über ihr Sekretärin ausrichten durch einen Kurzbrief
    Fehlzustellung, Bitte an die richtige Adresse senden.
    Und das, obwohl ich genau an die richtige Adresse geschrieben hatte
    Unfassbar, mal wieder und immer wieder, das schafft vielleicht Vertrauen!!
    Ich warne audrücklich vor dieser Psychotherapeutin!

  110. Hamlet schreibt am :

    @anna m.
    Um Inhalte ging’s zwischen uns nicht, sondern um ihren Aufruf, dass die metageheimpolizei aus hier! Falschem Mitleid mit ihnen einschreiten müsse, gegen Schlagmann und für sie.. Was ihre Inhalte betrifft, sind mir zu verallgemeinernd, ihr Vortrag zu kategorisch, das nur am Rande. Problem bleibt, wenn sie aller Welt, der nicht mit ihnen einer Meinung ist, Besserwisser zwischen die Zeilen schreiben, müssen sie mit leben, Besserwisserin genannt zu werden, oder auch das jemand ihren Stil als Frechheit empfindet. Gerüttelt Maß an Frechheit ist übrigens prima 🙂

  111. Anna M. schreibt am :

    @Hamlet
    Danke, gleichfalls!

  112. Hamlet hat hier am ausdrücklichsten sein Verständnis für meine Position in Worte gefasst. Herzlichen Dank dafür!

    Solange Anna M. nicht deutlich die Bereitschaft zur konstruktiven Auseinandersetzung zeigt, werde ich nicht mehr direkt auf sie antworten. Wenn sie schreibt, ich würde „in dasselbe Horn [blasen] wie andere Missbrauchsleugner und -bagatellisierer“, dann wird eine Diffamierung in einem Ausmaß betrieben, die für mich das Erträgliche übersteigt.

    Seit 1996 bemühe ich mich, innerhalb meiner Zunft auf die schädigende Beschuldigung von Gewaltopfern in psychotherapeutischen Ideologien hinzuweisen. Die Beschuldigung von Opfern sexualisierter Gewalt ist dabei sicherlich besonders augenfällig, wenngleich sich die Opferbeschuldigung keineswegs auf diese Opfer-Gruppe beschränkt. Es ist keineswegs so, dass sich mein Engagement dahingehend auswirkt, dass ich in der Fachwelt gelobt würde, Verständnis erführe oder besonderen Freizeitausgleich oder sonstige Vergünstigungen erhielte. Vielmehr werde ich ausgegrenzt, als seltsamer Kauz angesehen, bekomme attestiert, Therapiemethoden zu verunglimpfen, verbringe viel Freizeit damit, solche haarsträubenden Zustände wieder und wieder (meist vergeblich) schriftlich oder mündlich zu präsentieren, um Aufklärung, Widerstand oder Umdenken zu mobilisieren. Was meine KollegInnen betrifft, so schreibe ich im Grunde gegen eine Mauer des Schweigens an.

    Selbst KollegInnen, die sicherlich nicht dazu neigen, sexualisierte Gewalt zu verleugnen oder zu bagatellisieren, sind leider doch nicht mutig genug, zu einer „Koryphäe“ wie Otto Kernberg in ausdrücklichen und engagierten Widerspruch zu treten oder sich in entsprechenden Situationen – wie z.B. bei neueren Kernberg-Auftritten, bei Fegerts Lügen-Attacke oder bei Kirschs Dissertation – offen zu Wort zu melden. Insofern werden die meisten hier hoffentlich nachvollziehen können, dass ich kesse Aussprüche, die mich in die Nähe von „Missbrauchsleugnern und -bagatellisierern“ rücken wollen, als lächerliche und dümmliche Beleidigungsversuche in keiner Weise ernst nehme.

    Im Oktober letzten Jahres hatte ich diesen Beitrag hier eingestellt. Es ging einmal mehr um den Auftritt von Otto Kernberg in Berlin, einer von mehreren Nachfolgern auf Freuds Thron als Präsident der Internationalen psychoanalytischen Vereinigung. Es hatte sich damals eine Diskussion ergeben, ich hatte auch auf Fragen und Äußerungen geantwortet. Es hatten sich dann längere Zeit keine Beiträge zum Thema mehr ergeben.

    Im Juni war Stefan Finke auf meinen Text bei NetzwerkB aufmerksam geworden und hatte meinen Appell zum Anlass genommen, aufgrund seiner eigenen miserablen Therapieerfahrungen meine Forderung zu unterstützen nach Maßnahmen zum Schutz von Therapieopfern. (Er selbst ist kein Opfer sexualisierter Gewalt, hat jedoch aus seiner Therapie Erfahrungen massiver Demütigung, Entwertung und Verwirrung geschildert, die für eine „Psychoanalyse“ nicht untypisch sind.) Diese Stellungnahme hatte ich aufgegriffen und meine Darstellung ergänzt.

    Anna M. hatte mir dann am 10.6. eine Verständnisfrage gestellt, die ich beantwortet hatte. Als Antwort darauf kam eine weitere Nachfrage nach den von mir benutzten Quellen, mitsamt dem vorangestellten „Eindruck“, ich hätte „das hier“ „ziemlich verzerrt“ dargestellt. Daraufhin hatte ich Quellentexte angegeben und zusätzlich auf Texte von mir verwiesen (mitsamt link), in denen sich jeweils Literaturangaben finden.

    Auf das genannte Quellenmaterial geht Anna M. nicht näher ein. Jedoch behauptet sie, dass Freuds Ansatz NICHT, wie von mir vorgetragen, primitiv gewesen sei. Freud habe „schlicht und ergreifend seinen Patientinnen geglaubt und die richtigen Schlüsse gezogen“. Sie verstehe meine Intention nicht, mit der ich „Freuds Ansatz … abzuwerten“ versuche. Es geht dann auch verstärkt um die Frage nach Verdrängung, speziell in Bezug auf Freud: Hat er nun doch vielleicht sexualisierte Gewalt erlebt – und sie dann verdrängt?

    (In diesem Zusammenhang beschreiben andere NutzerInnen dann ihre persönlichen, sehr anstrengenden Erfahrungen mit der „Verdrängung“.)

    Anna M. verbindet ihre Aussagen mit Angriffen in meine Richtung: „Hätten Sie sich mit dem Thema sexualisierte Gewalt, und ihre Folgeschäden (besser) befaßt, so wüßten Sie, dass …“. Sprich: Offenbar – so Anna M. – habe ich mich mit sexualisierter Gewalt gar nicht oder nicht gut genug befasst.

    Also: Ohne irgendein Argument, ohne einen ansatzweisen Versuch, anhand der von mir frisch angegebenen Originaltexte den eigenen Widerspruch zu begründen, stellt Anna M. munter die Behauptung auf, ich würde Freuds Ansatz „abwerten“ (anstatt z.B.: analysieren, entlarven). Ohne sich offenbar mit Freuds Fallanalysen beschäftigt zu haben, ist sie von seinem Edelmut überzeugt („Patientinnen geglaubt“, „richtige Schlüsse gezogen“). Sie unterstreicht ihre eigene Position: „sexualisierte Gewalt ist die schädigendste Form von Gewalt, die ein Mensch erleben kann“. (Als Therapeut, der mit allen möglichen Formen von Gewalterfahrungen konfrontiert ist, frage ich mich, ob wirklich ein Wettstreit darüber entstehen muss darüber, ob nun sexualisierte Gewalt, oder das Miterleben der Ermordung der ganzen eigenen Familie in einem KZ oder etwa monatelange Folter in Gefängnissen von Terrorregimen die am meisten schädigende Form von Gewalt ist. Als jemand, der weder das eine noch das andere erlebt hat, und der generell damit beschäftigt ist, Gewaltopfern bei der Bewältigung des erlebten Elends zu unterstützen, habe ich eine größere Distanz zu den einzelnen Formen von Gewalt. Vielleicht komme ich deshalb weniger in die Versuchung, eine besondere Rangliste zu bilden.) Unbefangen spekuliert Anna M. weiter über „Verdrängtes“, konstatiert, dass Freud „mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Missbrauchsopfer“ gewesen sei, attestiert ihm „bahnbrechende Erkenntnis“.

    Meine dann konkretisierten Gegenfragen – In welchen Fällen hat Freud seinen Klientinnen die sexualisierten Übergriffe geglaubt? Wie hat er diese Fallgeschichten dargestellt? Und wie sieht seine Glaubensbereitschaft in Bezug auf eine Reihe namentlich genannter Personen aus? – sind bis heute nicht beantwortet. An dieser Stelle habe ich auch problematisiert, über die Köpfe von anderen hinweg zu behaupten, sie hätten irgendwas verdrängt. Wenn jemand aus eigener Erfahrung davon berichtet, dass ihm auf einmal bislang verdrängte Erinnerungen wieder ins Bewusstsein gelangt seien, dann habe ich großen Respekt davor. Wenn jemand von außen (z.B. Anna M) über jemand anderen (z.B. Freud) mit großem Nachdruck behauptet, er oder sie hätte (vielleicht leicht eingeschränkt: mit großer Wahrscheinlichkeit) irgendwas verdrängt, dann werde ich sehr misstrauisch. Die Geschichte der Psychoanalyse ist voll von solchen penetranten Behauptungen und Unterstellungen über andere Menschen – gestützt auf die Zauberworte „unbewusst“ oder „verdrängt“. Otto Kernberg ist ein Meister dieser plumpen Rhetorik.

    Anna M. führt wiederholt ihr Erfahrungswissen als Betroffene an. Hier zolle ich ihr ohne Wenn und Aber Respekt. Das ist etwas, das ich niemals angreifen oder in Abrede stellen würde.

    Jedoch: Eine solche Erfahrung qualifiziert nicht automatisch zur Expertin für Freudsche Biografie, Theorieentwicklung und Behandlungsansätze. Mit Äußerungen über diesen Themenbereich, bei dem es v.a. um konkrete Texte und Schriften geht, können sich Betroffene von sexualisierter Gewalt durchaus als unwissend, inkompetent oder sogar uneinsichtig erweisen.

    Dass ich selbst mich sehr genau mit den frühen Freudschen Theorieansätzen beschäftigt habe, darf ich wohl für mich in Anspruch nehmen. Die Entstehung der in ihrer Dreistigkeit und Wirklichkeitsverleugnung kaum zu überbietenden Opferbeschuldigungs-Thesen eines Otto Kernberg sind die logische Folge daraus.

    Bei meiner Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich übrigens durchaus nichts gegen engagierte Widerrede. Aber ich erwarte dann schon die Anführung von Argumenten, Belegen und Zitaten. Hier darf mir jedeR auch mit eigenen Behauptungen entgegentreten. Aber wenn dann meine sorgfältigen, i.d.R. mit Zitaten und Hinweisen versehenen Antworten darauf nicht etwa ernsthaft überprüft werden, sondern vielmehr mit entwertenden Unterstellungen in meine Richtung quittiert werden, dann reagiere ich entsprechend verärgert.

    Ein Verweis auf Jeff Masson oder Alice Miller greift bei der Kritik an meinem Ansatz übrigens zu kurz. Alice Miller hat eine enorme Bedeutung für die Psychotherapie, weil sie sehr klar dazu aufgefordert hat, die erlebte Gewalt, das Leid von Kindern ernst zu nehmen. Sie hat es leider (von mir wiederholt danach gefragt) abgelehnt, sich theoretisch mit z.B. Freud, Kernberg oder Psychoanalytikern generell auseinanderzusetzen. (Sie hatte jedoch auch einen meiner Texte auf ihrer Webseite eingestellt.) Das großartigen Verdienst von Jeff Masson besteht darin, dass er den Freud-Fließ-Briefwechsel 1986 unzensiert veröffentlicht hat und Material zu Freuds früher Zeit gesammelt hat – äußerst wichtige Quellen zum Verständnis von Freuds frühem Denken und Handeln. Jeff Masson selbst war ursprünglich Professor für Sanskrit und hat – über z.B. reichlich bizarre Schulung in seiner Lehranalyse (beschrieben in „Final Analysis“) und entsprechende psychoanalytische Kurse seine „Lizenz“ als Psychoanalytiker erworben. Sein Erfahrungshintergrund mit Psychotherapie war entsprechend schmal. Die Auseinandersetzung mit Freuds Theorie hat er später nicht weiter vertieft, sich nun vielmehr überwiegend dem Leben von Tieren zugewendet. Vor wenigen Jahren hatte ich das große Vergnügen, ihm zu begegnen, und wir haben ein wenig zum Thema Freud diskutiert, was ihn jedoch schon lange nicht mehr allzu sehr zu interessieren scheint. Er plädiert heute sehr grundsätzlich für eine Abschaffung der Psychotherapie – was ich nicht für angemessen halte.

    Insgesamt ist es sicherlich gut, dass diese Diskussion hier so engagiert geworden ist. Denn das hat den Anlass gegeben, dieses sehr düstere, bizarre Kapitel der Psychotherapiegeschichte, das an dieser Stelle untrennbar mit der Thematik von sexualisierter Gewalt verbunden ist, einmal etwas deutlicher auszuleuchten. Deshalb mein Dank an alle, die hier mitschreiben!

  113. Hamlet schreibt am :

    @Klaus Schlagmann.
    Ja, ich habe Verständnis für ihr Bemühen, auch Verständnis für ihre Verärgerung, übrigens mehr für die mit ihrer Zunft; die mit Anna M. finde ich berechtigt, aber überflüssig, wie auch das nachfolgende „Beleidigt-Sein“ von Anna M. über ihre berechtigte, aber doch ziemlich barsche Antwort. Dass die Auseinandersetzung hier nicht wissenschaftlichen Diskursregeln genügen muss, ist selbstverständlich, Peer-Review gibt’s hier nicht und das ist gut so. Da erwarten Sie zu viel. Die unterschwellige Wut auf „Psychofritzen und -fritzinnen“, mit ihrem Theoriewust angesichts der doch sehr mangelhaften Praxis kann ich gut verstehen, auch dass die Skepsis zu harten bis persönlichen Kommentaren führt, das finde ich nachvollziehbar.

    Inhaltlich, ohne das nun groß auszuführen, – polemisch hab ich das ja mehrmals zum Ausdruck gebracht -, würde ich das eher wie ihr „späterer“ Jeff Masson sehen und zumindest für eine Aussetzung, ein langjähriges Moratorium von psychoanalytischen Therapien plädieren (gilt auch für einige andere psychologische Schulen). Die Inkonsistenz, die ungesicherten theoretischen Behauptungselemente sind derart häufig, dass verantwortlich niemand ungesicherte Theorie in der Praxis ohne erhebliche Risiken anwenden kann.

    Zugleich gibt es kaum bis keine Möglichkeiten die „Behandlungen“ in irgendeiner Weise sinnvoll zu durchleuchten. Selbst fatale Behandlungen (bis hin zu Selbstmorden) werden dem und vom Behandelnden „gutgeschrieben“ als sinnvolle und „fachgerechte“ Intervention. Sie zeigen das ja selbst.. Was und wie wirklich behandelt wurde, bleibt dabei in einer unzugänglichen „black box“ verschlossen; Praxis und die Rechtfertigung der Praxis wird der Theorie gefügig gemacht, wird selbst zum einseitigen mythologischen Erzählkonstrukt der Analytiker…

    Dass ein Runder Tisch oder die Politik diesen fehlenden oder mangelhaften wissenschaftlichen und kritischen Diskurs über die eigenen Voraussetzungen und die eigene Praxis nachbessern kann, da habe ich meine Zweifel, schon weil dies zuallererst einmal Aufgabe des Wissenschaftsbetriebs selbst ist.

    Voraussetzung wäre allerdings, dass die Psychoanalyse selbst sich als eigenständiger und voraussetzungsfreier wissenschaftlicher „Bucket“ im Hochschulbetrieb einschreibt und nicht wie jetzt in Eigenregie die Spielregeln in sogenannten Instituten selbst festlegt, ein paar staatlich anerkannt, andere frei, aber alle verteilen Freibriefe, um mit Menschen und Menschenleben zu spielen. Nur: Im universitären Betrieb war die Psychoanalyse bereits angekommen und wurde nach und nach als zu einseitige, dogmatische und nicht kooperationsfähige Sackgasse hinauskomplementiert.

    Einfach formuliert: Molières Ärzte würde heute auch niemand Patienten behandeln lassen; und viele der heutigen SeelenklempnerInnen scheinen Molières Stücken entsprungen und die „Patienten“ scheinen mehr Versuchskaninchen der immer gleichen Schröpftechniken denn Objekt gesicherter Behandlungsmethoden, Erfolg und Misserfolg sind Frage von nichts mehr als Plausibilitätskriterien und diese sind über den Tellerrand der psychoanalytischen Schulen hinaus kaum bis nicht nachvollziehbar, sie funktionieren halbwegs nur, wenn man/frau an das zugehörige Lehr- und Erzählkonstrukt glaubt.

    Wenn eine ganze Zunft, wie Sie das ja auch ausführen, ihre Behandlungen auf widersprüchlichen bis dogmatischen Grundlagen ausführt und zugleich nicht den Mut aufbringt, darüber kritisch in eine umfassende und interdisziplinäre Auseinandersetzung einzutreten, dann kann eigentlich die Konsequenz nur lauten, die Zulassung für solch ein Treiben auszusetzen oder zu entziehen, selbst wenn Sie das nicht für sinnvoll erachten.

    Gerade weil dies die bedeutendste Konsequenz ihrer Kritik ist, der Sie sich selbst verschließen, müssen ihre Kollegen geradezu den öffentlichen Diskurs mit ihnen verweigern, selbst wenn viele insgeheim ihre Thesen ansatzweise oder weitgehend nachvollziehen können. Sie sehen auch die Gefahr ihrer Argumentation für sich selbst, bis hin zum Broterwerb und für die psychoanalytischen Schulen. Ihre Argumentation läuft ja darauf hinaus, einen dicken Aufkleber auf die Ware Psychoanalyse zu packen, so als handle es sich um den Genuss von Klimmstengeln mit erheblichem Risiko. Dass da nicht nur der Warenverband sondern auch die Warenverkäufer nicht so begeistert sind, ist klar; dass Sie das verwundert, lässt schmunzeln. (Prima finde ich, dass Sie ihre Zweifel und Kritik lautstark publik machen, nur mit viel Applaus oder Anerkenntnis können Sie nicht rechnen, wobei ihr weniger an Hochglanzverpackung mir als ein ehrlicheres Produktversprechen erscheint und da’s direkt um Menschen geht, korrekt und vernünftig, mehr als eine manchmal, durchaus selten gelingende Möglichkeit ist das nicht; und wenn’s scheitert, können die Konsequenzen dramatisch sein…)

    Ich bezweifle also nicht das einzelne Angehörige der Zunft anderen Menschen durchaus helfen, auch nicht, dass einige Denkfiguren und Theoriekonstrukte durchaus bedenkenswert und entwicklungsfähig sind oder ihr Quentchen Wahrheit besitzen, ein durchaus ironisches Beispiel für einen interessanten Einfluss wäre hier der Beitrag zur Warenästhetik, nur für eine verantwortliche und, das ist entscheidend, eigenständige, durchgängige und nachvollziehbare Praxis, die als „Heilberuf“ auf einzelne Menschen losgelassen wird, eignet sich das alles „noch“ nicht und „eigenständig“ wahrscheinlich nie und ohne entsprechende Produktwarnung schon mal gar nicht.

    So versteht sich auch, dass viele hilfesuchende Menschen dies als eine Lotterie beschreiben, ein halbwegs geeignetes Zunftmitglied zu finden und viele nie eins finden. Für Psychoanalytiker ist die Psychoanalyse jedoch die! moderne Erfolgsgeschichte. Bös zugespitzt die Quintessenz: Analytiker brauchen Märchen.

  114. hildegard schreibt am :

    Ein Mal mehr: Der Runde Tisch der Vernunft muss her! Licht muss ins Dunkel!

    Geschichtlich weit vor der Psychoanalyse haben zu diesem heute seuchenartig verbreiteten Machtmissbrauch ausgerechnet christliche Ideologen weltweit die möchte-gern-großen Kleingeister angestiftet. Sie wussten unter Berufung auf göttlichen Willen sehr wohl, was sie tun. Sie hatten ihre Mittel, die missbrauchten Untertanen trotz allem in ihre verweihräucherten Hochämter zu führen. Sie predigten gewaltig Gehorsam, sie drohten mit höllischem Untergang, sie sicherten sich volle Tempel mit der Masse hilflos Sicherheit suchender Zeitgenossen, deren Unwissen sie sich unter allen Umständen erhalten mussten. Ein teufliches Spiel.
    Woher der heutige Rückfall in irrationalen Kreationismus, der hier immer mehr ‚Land gewinnt‘? Woher die NSA als alleswissende Instanz, der man nur vertrauen müsse, trotz „Aufklärung“? (Wer’s genauer wissen will wie, der lese oder höre nach bei Bernhard Taureck in „Essay und Diskurs“ http://www.deutschlandfunk.de/nsa-die-paradoxie-der-ueberwachungsdemokratie.1184.de.html?dram:article_id=285795)

    Wir können nur auf weitere Lichtgestalten hoffen, die sich mit uns (als Kind bereits Geopferten) gegen die Verharmlosung aller Gewalt stellen. Gegen die Gewalt eines „Geheimimperiums“ Kirche mit seinem missgedeuteten, seinem verhängnisvollen, seinem angeblich göttlichen 4. Gebot …

  115. dolores schreibt am :

    ich lebe in münchen, gibt es leute die sich(inMünchen) treffen, also konkret nicht im netz um miteinander zu sprechen auszutauschen zu dem thema schief gelaufene psychotherapie?

  116. klaraklara schreibt am :

    Von Verhaltenstherapeuten habe ich auch schon wirklich durchgeknallte Sachen gehört. U.a. kam der Vorschlag, zu einem vom Jobcenter ‚aufgedrückten‘ und deshalb von mir gefürchteten Coaching einen Push-Up-BH zu tragen, dann würde der Coach mich unterstützen.

    Die Verbreitung von Kernbergs Ansatz unter Psychoanalytikern, insbesondere dass Paienten, die auf irgendeine Weeise nicht ins Konzept passen, ihre „orale Gier“ um die Ohren geschmiert wird, habe ich ebenfalls selbst erlebt und finde ich unsäglich. Dies prangert Herr Schlagmann zu Recht an.

    Aber es gibt auch noch andere Formen, Menschen emotional in die Enge zu treiben, und dazu kommt es sicherlich auch in Verrhaltenstherapien. Es hängt nicht nur an den Theorien. Sehr wichtig ist auch, welche Möglichkeiten die angehenden Therapeuten haben, sich in ihrer Lehrtherapie persönlich weiter zu entwickeln. Dies auch mit dem Ziel, das gesellschaftlich verbreite Bashing von Gewalt-Opfern nicht unreflektiert fortzuführen. Theoretiische Kenntnisse über Psychotrauma sind sehr wichtig aber genügen nicht, man muss auch von seinem persönlichen Standing her den sozialen Konflikten gewachsen sein, die damit einhergehen, wenn in Herkunftsfamilien sexuelle Ausbeutung stattgefunden hat.

  117. Karl Görtz schreibt am :

    Wann ist der Mensch ein Mensch? | NachDenkSeiten – Die kritische Website

    „Der „Fall Mollath“ sorgte im letzten Jahr bundesweit für Aufsehen. Gustl Mollath war jahrelang als „irre“ klassifiziert und zwangspsychiatrisiert worden – bis klar wurde, dass seine angeblichen Wahnvorstellungen bezüglich Schwarzgeldtransfers bei der Hypo-Vereinsbank offenbar doch der Wahrheit entsprachen und das Bundesverfassungsgericht seine Freilassung verfügte. Die Geschehnisse um Mollath zeugen von beängstigenden Zuständen im Kontext der deutschen Psychiatrie.
    Jens Wernicke sprach hierüber mit Stefan Baufeld. Der promovierte Jurist und vormalige Referent für Rechtspolitik der Linksfraktion im Hessischen Landtag vertritt als Anwalt Klienten, die dagegen kämpfen, wegen angeblicher psychischer Erkrankungen zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen oder unter Betreuung gestellt zu werden.“

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=22526#more-22526

  118. Mr Mindcontrol schreibt am :

    Das Grundübel der Psychoanalyse liegt viel tiefer ( auf dessen Grundlage sind auch solcher Opfer-Beschuldigungen erst möglich ) nämlich der Verdunklung/Verschleierung von Macht. „Neutrale Abstinenz“ in sog. humanistischen Schulen „nichtdirektiv“ bedeutet im Klartext dass der Thera den Patienten/Klienten so heilend beeinflussen soll ohne ihn aber beeinflussen zu dürfen. Das kommt eine Quadratur des Kreises gleich.
    Beispiel bei mir: Ich ich 2 Analytiker und einen weiteren Psychologen nach Hypnose fragte kam bei allen 3 Spontan die Deutung „Ich wolle einen Wunderheiler“ haben ( was angesichts meiner Verzweiflung tatsächlich gestimmt hat ). Also, erstmal bin ich auf eine ehrliche Frage mit einem blöden Spruch in gewisser Weise angepöbelt worden, 2. suggeriert dass Wort „Wunderheiler“ dass es sich bei Hypnose um eine unseriöse Therapieform halten muss was mich natürlich davon abhalten sollte zu so einen Therapeuten zu gehen damit er das Geld der KK einnimmt. Ansonsten wird einen erklärt, dass der Thera einen nicht heilen können man können das nur selbst und man müsse auch selbst wissen wie man das macht, Übungsanleitungen zur Stimutation der Selbstheilungskräfte Fehlanzeige, Fragen danach „infantil“. Da habe ich gegrübelt und gegrübelt ( meine eh schon viel zu starken Grübelleien wurden dadurch noch richtig angeheizt ) habe Lösungen vorgeschlagen, diese sind dann aber mit weiteren Wunschdeuteutungen pathalogisiert worden. Botschaft: Alle meine Ideen sind falsch. Dadurch wird man erst richtig in die Verzweiflung getrieben man wird ( was Erich Fromm offen in einen Buch zugegeben hat ) in eine Ecke getrieben aus der man ohne Hilfe des Analytikers nicht mehr raus kommt.
    Genau diese Szene dämonisierte sehr lange die Verhaltenstehrapie weil Sie direktiv „führt“ ( Hitler-Vergleiche eingschlossen „. Dabei werden direktive „Befehle“ als solche erkannt und weil man diese erkennt kann man Sie zumindest potentiell verweigern wenn man erkennt dass ein Folgen schlimme Folgen haben könnte. Wie das die PA mit Deutungen macht erkennt der Patient diese aber nicht als „Befehle“ er ist wehrlos ausgeliefert weil er die rethorischen Tricks nicht durchschaut.
    Genau dieses Thema zog sich wie ein roter Faden durch das Buch „Wenn Therapien schaden“ von Hans Jörg Hemminger.
    Es gibt noch sehr viel andere Verdrehungen der PA die ich nur posten werde wenn ich Feedback bekomme!
    Auch sind sog Übertragungsdeutungen ein ungeheures Machtinstument. Wenn man sich von Thera unfäir behandelt fühlt und wütend ist dann ist das natürlich kein Kunstfehler des Theras sondern die Wut richtet sich ja in Wirklichkeit gegen den Vater ( oder eine andere Person aus der Kindheit des Patienten ) und schon wird darüber diskutiert, womit die Kontrolle der Gesprächsführung tatsächlich beim Analytiker liegt und nicht wie vorgegaukelt beim „Klienten“.

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