Ein Opfer klagt an: „Der Staat schützt die Täter“

14.11.2013: netzwerkB: Schleswig-H Zeitungsverlag

Norbert Denef wurde als Messdiener vom Pfarrer missbraucht. 45 Jahre später kämpft er mit dem „netzwerkB“ gegen die Verjährung solcher Taten.

VON KLAUS-PETER LOHMANN

Sein Leidensweg begann 1959 in seinem Heimatort Delitzsch bei Leipzig. Norbert Denef war zehn Jahre alt und wollte Messdiener werden. Nach dem Gottesdienst nahm ihn der Geistliche K. mit ins Pfarrhaus. Dort schloss er die Tür ab, setzte sich in einen Sessel und nahm den Jungen auf den Schoß. Dann fing er an, den Kleinen auszuziehen und ihn im Intimbereich zu berühren. „Mit seinen Händen, mit denen er kurz zuvor die heilige Kommunion ausgeteilt hatte. Nach 20 Minuten hatte ich das Gefühl, auf die Toilette gehen zu müssen und wollte auch gehen. Doch K. hielt mich auf seinem Schoß fest und machte weiter bis mein Geschlechtsteil angeschwollen war.“ Die perversen Handlungen wieder- holten sich unzählige Male. „Mit zehn Jahren hat mir dieses widerliche Schwein seine ekelerregende Zunge in meinen kleinen zärtlichen Kindermund gesteckt. Seitdem habe ich starkes Brennen der Haut um den Mund herum. Besonders stark ist es nach dem Essen. Und das die letzten 45 Jahre nach jeder Mahlzeit.“

Vor der Schule war Norbert oft in der Frühmesse als Messdiener, wenn diese vom Seelsorger K. gefeiert wurde. „Bei der heiligen Wandlung kam es vor, dass ich mir in die Hose machte. In Panik bin ich dann nach Hause gerannt und habe meine Hose weggeschmissen. Niemand hat gemerkt, wie viele Hosen ich in die Toilette geworfen habe. Wenn ich nachts ins Bett gepinkelt habe, hat es meine Mutter am Tag wieder getrocknet. Ich sollte mich schämen, sagte sie. Am nächsten Tag weckte sie mich wieder, um als Messdiener zum Gottesdienst zu gehen. In der Schule war ich geistig immer abwesend, ein Außenseiter.“ Das Martyrium dauerte sechs Jahre, bis der Pfarrer versetzt wurde. „Mein Seelenmord war vollzogen!“

Der Junge schloss sich mit 16 dem Kirchenchor an. Bei gelegentlichen Feierlichkeiten „fing die Scheiße neu an“, so der 64-Jährige. „Nie wieder habe ich ein solches Vertrauen zu einem Menschen gehabt wie zum Chorleiter und Kantor Rolf K. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben einen richtigen Freund, meinen Rolf.“ Bei dem Chorleiter war immer Haus der offenen Tür, so Norbert. Viele Jugendliche hätten sich dort getroffen und auch geschlafen. „Nach einem Treffen war ich der Letzte und er bot mir an, bei ihm zu schlafen. Nachdem ich mich hingelegt hatte, legte er sich neben mich, fing an mich am Bauch zu streicheln und missbrauchte mich sexuell auf verschiedene Weise. Die gleiche Scheiße ging weiter bis ich 18 Jahre alt war, mehrere Male in der Woche.“ Die Bilder haben sich bei Norbert, der heute in Scharbeutz lebt, eingebrannt. Er zeigte seine Peiniger an. „Erst nach 45 Jahren war ich in der Lage, den sexuellen Missbrauch von Rolf K. beim bischöflichen Ordinariat in Limburg anzuzeigen. Beide haben die Verbrechen schriftlich gestanden. Die Kirche bot 25 000 Euro Schweigegeld an. Abgelehnt.

Stattdessen gründete Norbert Denef das „netzwerB“, eine unabhängige Interes- senvertretung. Er sagt: „Betroffene setzen sich für die Rechte Betroffener ein, indem sie das gesellschaftliche Schweigen brechen, über Auswirkungen und Ursachen sexueller Misshandlung informieren, beraten und sich für konkrete Veränderungen stark machen.“ netzwerkB ist in Lübeck als gemeinnütziger Verein eingetragen. Spenden sind steuerbegünstigt.

Was er vor allem will, sagt Norbert Denef so: „Die Aufhebung der Verjährungsfrist von sexuellem Missbrauch. Der Staat schützt die Täter, nicht die Opfer“, so seine Sichtweise.

Sein zweites, ebenso wichtiges Ziel ist ein „Akt der Versöhnung“, wie er sagt. „Ich beabsichtige eine gemeinnützige Stiftung zu gründen. 35 Jahre habe ich geschwiegen und war nicht in der Lage, über die sexualisierte Gewalt, die man mir angetan hat, zu sprechen. Das Tabu, das auf dem Thema sexualisierter Gewalt lastet, behindert massiv die Aufarbeitung für diejenigen, die sie erlebt haben. Ziel der Stiftung soll es sein, die Schweigemauer zu durchbrechen. Das schaffen die Opfer nicht allein und sind deshalb auf Hilfe angewiesen – auf Personen, die sich in der Öffentlichkeit gegen das Verschweigen, Verleugnen und Vertuschen von sexualisierter Gewalt einsetzen. Das erfordert Mut, und diesen gilt es zu unterstützen. Genau das soll die Stiftung leisten, indem sie einen Preis ausschreibt, der an Personen vergeben wird, die außergewöhnliches leisten, um Opfern zu helfen, ihr Schweigen zu brechen.“

Die Stiftung soll Transparenz fördern, besonders bei Berufsgruppen, die viel mit Kindern und Schutzbefohlenen zu tun haben wie Erzieher, Lehrer, Geistliche, Ärzte, Psychotherapeuten, Anwälte und Richter. Bei denen die Gefahr einer Vertuschung besteht, weil aus Korps-Geist Täter geschützt und Opfer bei der Aufarbeitung ihres Traumas behindert werden, so Norbert Denef.

Der Akt der Versöhnung bestünde darin, dass „nicht nur die Täter-Organisationen in die Stiftung einzahlen, sondern wir alle unseren Teil dazu beitragen“, sagt Denef. So würde bekannt, dass Menschen mit der Stiftung geehrt werden, die sich gegen das Verschweigen einsetzen. Zudem würden Betroffene und die Angehörigen „die Anerkennung finden, die sie so sehr zum Überleben brauchen.“

netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt
Scharbeutz, Tel. 04503/892782, www.netzwerk.org

Quelle:
Ein Opfer klagt an: „Der Staat schützt die Täter“
sh:z/Schleswig-Holstein Journal, 19.10.2013, Text: Klaus Lohmann

Mehr auf netzwerkB:
Akt der Versöhnung – N. 555.086

 

11 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    … der Staat und die gesamte infizierte Gesellschaft!

  2. Rüdiger Kreissl schreibt am :

    Die Gesellschaft erträgt diesen unhaltbaren Zustand, der es Tätern durch Verflechtungen in alle Bereiche möglich macht, sich an Kinder und Jugendliche zu vergehen, ohne spürbare Konsequenzen. Wie ist es überhaupt möglich, dass sich unsere Volksvertreter erlauben Kindern und Jugendlichen den Schutz zu versagen den es braucht, um deren Zukunft vor sexueller und körperlicher Gewalt zu schützen.
    Doch wir alle sind der Staat, legitimieren diesen Zustand und machen ihn mangels Widerstand erst möglich. Wir geben und suchen gerne die Schuld beim anderen, ohne sich seiner eigenen Möglichkeiten bewusst zu werden.
    Niemand kann unsere stummen Schreie hören, noch nicht einmal der, der selbiges erfuhr. So dient das Schweigen nur den Tätern, die sich der verursachten Wirkung auf ihre Opfer nicht nur bewusst sind, sondern viel mehr Justiz und Politik in ihrem Sinne beeinflussen.
    Auch wenn die Errichtung einer Opferstiftung einiges bewirken würde, könnten wir mit lauten Forderungen nach Opferschutz und Opferentschädigung erreichen, dass sich mehr von uns trauen ihre Stimme zu erheben. Den vor lauten, nicht schweigen wollenden Opfern haben sie Angst, denn wer seine Ängste besiegen will muss ihnen begegnen. Zusammen könnten wir das aushalten und teilhaben an Veränderungen unserer Gesellschaft.

    Eine Stimme ein Tropfen, viele Stimmen ein Meer.

    Rüdiger

  3. Beate schreibt am :

    Eine sehr schöne und hoffnungsvolle Botschaft lieber Herr Kreissel.
    Jedoch möchte ich anmerken, dass Betroffene schon in rein praktischen, alltäglichen Angelegenheiten oft genug wahnsinns Kraftanstrengungen zu bewältigen und zu versprachlichen haben, so dass ich denke, es wäre sicherlich vor allem an den Menschen, die nicht u.a. in ihrem Sprachzentrum schwer verletzt wurden, sich vermehrt der Interessen der Betroffenen und der Kinder, anzunehmen. Natürlich kann man nicht dastehen und nur hoffen- aber leider haben die Täter ja genau in diesen Bereich geschlagen, es ist oft ein Überleben von Tag zu Tag- nur wenige schaffen es, so laut zu werden, und das ist absolut verständlich, und es ist keine Schwäche, wenn man das nicht tut, im Gegenteil, Schutz und ein Erreichen von Wohlbefinden müssen vorgehen, denn genau das hat man ja früher nicht erfahren. Manches ist nicht, oder erst zu einem viel späteren Zeitpunkt wie auch immer in Sprache umzusetzen. In einem getriggerten Zustand kann das menschliche Gehirn nicht dazu lernen, es ist wichtig zu verstehen, warum vieles nicht geht, wie man sich das wünscht, dann hat man Vertständnis für sich und das ist unglaublich wichtig. Herr Denef beweist unglaublichen Mut und hat einen sehr langen, sehr mühsamen Weg hinter sich, und sich entschieden auf diese Weise sein Schweigen zu brechen- und ist damit Vorbild, dass man es tun kann, jeder auf seine Weise. Das macht wirklich Mut.
    Für die meisten Betroffenen heisst es, wenn in gewisser Weise und vorher, traumatische Erstarrung und Vorsichtsmaßnahmen(denn das Schweigen war ja oft erst Mal ein Schutz oder/und Konsequenz aus der Nichtreaktion des Umfeldes, oder/und Drohung, etc….)aufgelöst wurde kann man Sprache üben. Erzwingen und aus Schuldgefühlen sprechen wollen ist das Gegenteil von heiler werden.
    Von der Stifung halte ich sehr viel, weil wir Betroffenen und die Kinder brauchen Fürsprecher. Nicht weil wir klein sind, sondern weil wir als wir klein waren schwer verletzt wurden- und es gibt auch viele Dinge, die kann man nicht in dem Maße verändern wie man sich das wünschte, es gibt einfach leider noch keine Zauberei(und wenn es sie gäbe müsste man erst Mal lernen mit all den Veränderungen umzugen)- aber es gibt doch einige gangbare, längere Wege, wie sich viel Leid lindern lässt und man in die Handlungsfähigkeit kommt- auch Schweigen brechen kann ohne Worte stattfinden!
    Man kann sich nicht wie eine Maschine verändern, alles ist mit etwas verbunden und hat Auswirkungen und viele Folgen haben absolut Sinn gemacht als Reaktion- sie kamen ja nicht um zu schaden, sondern das innere System versucht sich ja irgendwie zu schützen und mit etwas umzugehen, mit dem man eigentlich nicht umgehen kann. Es ist wichtig, sich nicht zu denken, dass man versagt oder nicht mutig genug ist, weil man manches nicht versprachlicht, es sind Folgen, und wenn man die sexualisierte Gewalt nicht erlebt hätte, wäre man genauso mehr oder weniger in der Lage dazu! Es liegt nicht an einem selbst! Man bekam es zugemutet und das hat starke Auswirkungen!

  4. Akt der Versöhnung ist eine Handreichung an die Kirche, doch sie wird sich dazu nicht bekennen, jedenfalls glaube ich das …

    Das Problem fängt doch schon in unserem Umfeld an. Alle schauen weg. Niemand will mit diesem Thema in Verbindung gebracht werden. Lieber wird geschwiegen. Das Opfer darf weiter leiden.

    Kommt ein Missbrauch an die Öffentlichkeit schon kommen die Stimmen wie: ich habe es mir gedacht, war misstrauisch usw.

    ach ja? Warum wurde dann geschwiegen? Warum wurde nicht Anzeige gemacht? Feige Gesellschaft. Dann aber kommen mit Wissen das so nicht stimmt.

    Und die Presse? Es wird berichtet über den Täter ohne Ende. Dann kommen Vermutungen wie: war das Opfer nicht auch Schuld? Das Opfer wird zum Täter gemacht.

    Missbrauch zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten, Aus diesem Grund wird sich auch nichts ändern. Die, die es ändern könnten machen nichts. Das eigene Nest wird nicht beschmutzt.

    Es darf niemals eine Verjährungsfrist für Missbrauch geben.

    Der Täter, wenn angeklagt, kommt für wenige Jahre ins Gefängnis, bekommt alle Therapeuten zur Verfügung gestellt. Kommt er raus dann heißt es: Er hat seine Strafe verbüßt, du darfst nichts mehr sagen ….

    Das Opfer wird allein gelassen.
    Das Opfer leidet ein ganzes Leben.
    Das Opfer zählt nicht mehr.

    Bitte weiter machen – die Verjährungsfrist gehört aufgehoben, und zwar sofort – lasst die Opfer nicht länger leiden … sie leiden genug ..

    DANKE

  5. hildegard schreibt am :

    „Wie ist es überhaupt möglich, dass sich unsere Volksvertreter erlauben Kindern und Jugendlichen den Schutz zu versagen den es braucht, um deren Zukunft vor sexueller und körperlicher Gewalt zu schützen.“
    Politiker des „Wahren Christentums“ glaubten damals noch in ihrem verschrobenen Glauben an eine Heilung in der Jenseitswelt, Menschen mit schwersten Traumata vertrösten zu dürfen, die all ihre Kraft zur Bewältigung ihres Alltags benötigen, die keine Energien übrig haben als die für ’s blanke Überleben – in ihren verseuchten Familien und Familien-Ersatz-Heimen, auf Jahrzehnte in Schockstarre und mehrfach fremdbestimmtem Schweigen.
    Und deren politische Nachfolger heute? Wo bleibt denn die Stellungnahme des Verfassungsgerichtes? Verjährung war und ist Unrecht. Laut GG muss unsere Rechtsprechung sich der mundtot gemachten Kinder immer noch annehmen. Die Justiz steht in der Pflicht, das Recht der Schwachen einzufordern. Das GG will es so. Seit 1949.

    TOP 1 für eine GROßE KOALITION:
    Sorgt schleunigst für die Klärung dieses ‚ewigen Justiz-Irrtums‘, für die komplette Rücknahme der Verjährungsfristen! Rettet unser Grundgesetz. Die Menschenwürde. Die Rechte der Schwächsten. Bevor die gesamte kontaminierte Gesellschaft an dieser Seuche krepiert!

  6. hildegard schreibt am :

    @ Beate …In einem getriggerten Zustand kann das menschliche Gehirn nicht dazu lernen, es ist wichtig zu verstehen, warum vieles nicht geht, wie man sich das wünscht, dann hat man Verständnis für sich [SELBST] und das ist unglaublich wichtig.

    N.D. ist die absolute Ausnahme! Unser Glück, dass er all seine Lebenskräfte aufwenden KANN, den Tiefschlaf von Klerikern und Politikern mit immer neuen Tönen zu stören …!

    So lange nicht EIN Mensch an der Spitze der heutigen Politik diese Problematik versteht, durchschaut und erkennt, dass dieses „diplomatische“ SCHWEIGEN aus Scheu und Scham nichts anderes ausdrückt als Verleugnung und Verlogenheit zugunsten von Machterhalt – so lange kann es keine Lösung für die rechtlos fremdbestimmten Schweigeopfer geben, so lange wird der „Schönheitswettbewerb“ der Parteien um ein Jährchen mehr oder weniger Verjährungsfrist und der Kampf der Länder untereinander um Zahlungs-Zuständigkeit weiter gehen.

    Denn:
    „Nur wer die Vergangenheit versteht, kann Zukunft gestalten.“ So formulierte es neulich ein sehr gescheiter Sprecher für die Opfer der Nazis …

  7. klaraklara schreibt am :

    Tja, ist nicht so einfach. Sicher dürfen und sollten die Betroffenen liebevoll mit sich selbst umgehen, inclusive der diversen Blockaden (ob jetzt eher innerlichen Hemmungen wie Trigger(gefahren) oder auch Einschätzungen der beruflichen Situation), die einen daran hindern, mit öffentlichen Forderungen gegen sexualisierte Gewalt laut zu werden.
    Aber wenn ich mir vorstelle, die Stiftung unterstützt beruflich Tätige, die sozusagen an unserer Stelle laut werden – dann hätte NetzwerkB seine Aufgabe abgegeben, es ginge dann nicht mehr darum, dass Betroffene für sich selbst einstehen.
    Jemand wie Herr Bracke oder auch der Psychiater Sachsse, (der die Traumatherapie für Opfer von schwerer GEwalt in der Kindheit fördert), ist aus meiner Sicht durchaus unterstützenswürdig und kommt für mich als BÜNDNISPARTNER in Frage. Aber eine Institution, die solche Unterstützung ‚der wenigen Starken, die sich klar auf die Seite der Opfer geschlagen haben‘, als HAUPTZWECK verfolgt – ich weiß nicht, ob ich da noch dahinter stehen würde. Ich sehe dabei die Gefahr, erneut Leute in den Himmel zu heben, vielleicht sogar, der Illusion von der vom Kind heiß ersehntene Elternfigur, die geholfen hätte, (leider gab es die für so viele nicht 🙁 ), erneut hinterherzulaufen.
    Ich will mich in den sozialen Konflikten rational und fair verhalten und somit keine Feindbilder hegen. Von der Kirchenptuzfrau bis zum katholischen Gemeindepfarrer – die Welt ist bunt, innerhalb der katholischen Kirche gibt es auch Konflikte – ich möchte also offen bleiben, zu erkennen, wenn es in den verschiedenen Täterinsitutionen Menchen gibt, die sich in ihrem Verantwortungsbereich integer verhalten und solidarisch mit den Opfern sein wollen.
    Allerdings: je höher jemand in einer Hierarchie aufgestiegen ist, für umso geringer halte ich die Chance, dass es sich so bei einem Menschen verhält oder dass er sich noch einmal in diese Richtung verändern könnte. Ist niemals ganz ausgeschlossen, aber ich halte es für selten.
    Eine Frage auch an Norbert Denef: würde die Stiftung auch die Erzieherin KLein-Erna aus Hintertüpflingen unterstützen, die ihren Job verlor, nachdem sie einen sexuellen Missbrauch beim Jugendamt meldete?
    ______________________________
    Anmerkung von Norbert Denef:

    „Klein-Erna“ würde bestimmt ganz oben auf der Preisliste stehen.

    Auch ein Journalist, der sich für uns den Arsch aufgerissen hat und deswegen einen Maulkorb verpasst bekam und weggemobbt wird, steht ganz oben auf dieser Liste.

    Die Jasager im Deutschen Bundestag sollten wir bei der Preisvergabe nicht grundsätzlich ausschliessen. Denn wenn dort jemand den Mut haben sollte, uns wirklich zu unterstützen, könnte man ihn mit dem Preis nicht mehr so schnell wieder in der Versenkung verschwinden lassen. Für Kirchen und sonstige Täterorganisationen trifft das ebenfalls zu.

    Vielleicht bekommt auch einmal eine mutige Person aus der Helferindustrie einen solchen Preis – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

  8. Tine schreibt am :

    zu: Der Staat schützt die Täter!
    Ich hab vor einigen Jahren einen Antrag auf Opferentschädigung gestellt. Habe mir gedacht, dass niemand für mich aussagen würde. Wollte aber wenigstens auf diese Art meinen beiden Eltern sagen, dass sie Täter und Täterin sind.
    Was passiert ist: Das Amt hat im Anschreiben an die Eltern meine Diagnosen mitgeteilt!
    Ich bin sofort zur Polizei und habe Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft hat mit einer fadenscheinigen Begründung eingestellt, die Oberstaatsanwaltschaft ebenso. Der Landesdatenschutzbeauftragte hat schriftlich bestätigt, dass das nicht rechtens war. Und ich? Wollte einen Amtshaftungsprozess führen, und schaffe jetzt noch nicht einmal, das außergerichtlich geltend zu machen. Habe mich schlau gemacht. 15.000 € könnte man da auch ohne weiteren nachweisbaren Schaden kriegen können. Und bald kann ich es nicht mehr, weil Amtshaftung nach 3 Jahren verjährt. Bin verzweifelt.

  9. klaraklara schreibt am :

    @Norbert Denef,
    danke für die Erläuterungen, so kann ich mir die Ziele der geplanten Stiftung besser vorstellen. Christian Füller, (nehme mal an, dass Sie den meinen), würde ich so einen Preis auch gönnen, auch wenn ich mir um seine Beschäftigung nach dem Ende bei der taz eher weniger Sorgen mache.
    Die Wirkung der Stiftung müsste jedenfalls nicht zwangsläufig auf eine Verehrung gesellschaftlich höhergestellter Personen hinauslaufen, was ich bei der ersten Beschreibung des Stiftungs-Projektes befüchtet hatte.
    Soweit zu diesem Teil der Diskussion.

  10. klaraklara schreibt am :

    @Tine,
    wieder mal so eine Geschichte, die mich fassungslos macht. Ich hoffe trotzdem, das Sie vielleicht noch einen Weg finden, das Amt haften zu lassen.

  11. Anna M. schreibt am :

    Ich schlage Christine Bussat vor, die in der Schweiz den „Marche Blanche“ initiiert hat, der letztendlich zu dem Volksentscheid für die Aufhebung der Verjährungsfristen führte.

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