Was denken säkulare Humanisten über Papst Franziskus?

29.11.2013: netzwerkB: diesseits.de

Charmeoffensive aus der katholischen Kirche: Seit seiner Wahl zum Papst hat der Argentinier und Jesuit Jorge Mario Bergoglio Gläubige und Nichtgläubige gleichermaßen überrascht. Papst Franziskus gibt sich bescheiden und verzichtet auf Prunk, erinnert deutlich an das Leiden von armen und kranken Menschen. Humanisten sind trotzdem teilweise zutiefst skeptisch.

Einige Aufmerksamkeit erhielt Franziskus bereits vor mehreren Monaten, als er ein Gala-Konzert durch seine Abwesenheit würdigte – der leere Stuhl sollte laut Medienberichten das Zeichen setzen, dass er Besseres zu tun habe als pompöse Veranstaltungen durch seinen Besuch zu ehren. Mehr Zustimmung auch bei Außenstehenden weckte der neue Papst durch den Besuch der Flüchtlingsinsel Lampedusa, kurz nachdem das Kentern eines Flüchtlingsschiffes wenige Meilen vor der Küste den Tod Hunderter zur Folge hatte. Erhebliches mediales Aufsehen erregte Franziskus dann Anfang November: Während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz nahm er einen von einer seltenen Hautkrankheit gezeichneten Mann in seine Arme. Und vor wenigen Tagen gingen erneut Bilder um die Welt, auf denen der Papst zu einem stark entstellten Gläubigen spricht und ihn segnet.

Setzt der neue Papst Zeichen für einen wirklichen Wandel im Habitus der Kirche oder sind die  Auftritte nicht mehr als bloße PR? Norbert Denef, Gründer des Vereins gegen sexuellen Missbrauch netzwerkB, stieß mit seinen Plan zur Versöhnung von Missbrauchsbetroffenen und katholischer Kirche jedenfalls bisher auf taube Ohren: „Krankenhaus statt Papstaudienz“ betitelte der Journalist Christian Füller seinen Bericht zum erfolglosen Versuch von Norbert Denef am 6. November, ebenfalls mit Franziskus in das Gespräch zu kommen. Weiter lesen…

Mehr auf netzwerkB:
Akt der Versöhnung – N. 555.086

4 Kommentare

  1. Prospero schreibt am :

    Interessant auch, was der nicht gerade säkulare Humanist Hans Küng zum neuen Papst zu sagen hat:
    http://derstandard.at/1385169100430/Papst-Franziskus-ein-Steuermann-auf-Reformkurs

    ….und was die deutsche katholische Presse davon berichtet…….
    http://www.katholisches.info/2013/11/28/von-schamloser-heuchelei-und-verzerrter-wahrnehmung-die-realsatire-des-hans-kueng/

    Wir sollten die Hoffnung begraben, dass sich im Umgang mit klerikaler sexualisierter Gewalt in der RKK entscheidend etwas ändern wird.

  2. anonym schreibt am :

    Die Hierarchie wird nicht angetastet, was Frauen betrifft. Herrschaftsstrukturen bleiben bestehen. Anpassung an die Marktwirtschaft, mit Kritik am Kapitalismus („er sei in der Wurzel ungerecht“).
    Das schafft zwar Anhänger, hat aber ohne praktische Umsetzung keine Wirkung.
    Eine Reform der Kirche ist ähnlich wie die Reform des Kapitalismus. Alles bleibt wie gehabt, weil die „Wurzel“ nicht beseitigt wird, sie wird nicht einmal auf Krankheiten untersucht.

  3. hildegard schreibt am :

    … die Hoffnung begraben? – bevor Franz. auf N.D’s Versöhnungsangebot geantwortet hat (- sofern er es überhaupt kennt) …? Bei 50.000 Besuchern muss dem Papst der Mann mit dem Kinderfoto nicht unbedingt aufgefallen sein (- er hätte sicher anhalten lassen) …! Ein vatikaneigener „MAD“ [Müllers-Abschirm-Dienst] hat das Papamobil womöglich an ihm vorbei ferngesteuert. – Und denkbar wäre auch, die erkennbar aus Deutschland stammende Post wurde ihm im Mai und auch im November vom deutschen Glaubenswächter unterschlagen!
    Lässt sich das überprüfen? – vielleicht fällt jemand etwas Gutes dazu ein …

    Den Brüdern traue ich alles zu – Gegenwind reichlich wird gegen Bergoglio produziert von Leuten wie Francesco Colafemmina – Zit.: …Der Papst verlegt alles auf eine völlig unvorhersehbare und geistlich undefinierte Ebene, wo die Strukturen keine Bedeutung mehr haben und die Autorität auf ein Minimum reduziert sein wird. Eine Ebene, auf der die Bewahrung der Glaubenswahrheit und die Heilige Liturgie zu götzendienerischen Karikaturen eines Narzissmus und heuchlerischen Äußerlichkeiten reduziert sind. Eine Ebene, auf der das Zuhören und die Anerkennung des anderen und die dialektische Beziehung generell zum zentralen Angelpunkt der Evangelisierung aufsteigen. Zit-ende – aus http://www.katholisches.info/2013/11/27/franziskus-der-papst-der-das-papsttum-abschafft-die-revolution-die-die-kardinaele-wollten/
    Da hilft vermutlich nur noch BETEN :-)…

  4. hildegard schreibt am :

    „…Wenn er von Reaktionären im Vatikan daran gehindert würde, seinen von Barmherzigkeit und pastoralem Gespür durchdrungenen Worten und Gesten möglichst bald Taten folgen zu lassen, würde das Papst Franziskus‘ Glaubwürdigkeit immens schaden. Das enorme Vertrauenskapital, das der Papst in seinen ersten Monaten angesammelt hat, darf nicht von der Kurie verspielt werden.“ (Hans Küng im 1. Link von Prospero!)
    Wie umgehen oder verhindern Leute wie Küng von außen her solche „MAD“-Manipulationen?

Artikel kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Artikel aus den Medien

ARD BRISANT ARD Tagesschau Augsburger Allgemeine Badische Zeitung Berliner Morgenpost Berliner Zeitung DER SPIEGEL derStandard.at DER TAGESSPIEGEL derwesten.de DEUTSCHE WELLE Deutschlandfunk Deutschlandradio DiePresse.com diesseits.de DIE WELT DIE ZEIT FOCUS Frankfurter Allgemeine Frankfurter Rundschau Hamburger Abendblatt Hannoversche Allgemeine Humanistischer Pressedienst Kölner Stadt-Anzeiger Leipziger Volkszeitung Lübecker Nachrichten Mitteldeutsche Zeitung n-tv N24 NDR.de NDR Info Neue Zürcher Zeitung nordwestradio Publik-Forum Saarbrücker Zeitung SPIEGEL ONLINE stern.de SÜDWEST PRESSE Süddeutsche Zeitung taz TP Presseagentur Berlin WAZ WELT ONLINE ZDF heute ZEIT ONLINE