Heiliger Vater, helfen Sie den Opfern!

22.01.2014: netzwerkB: DIE ZEIT

Ein Betroffener sexueller Gewalt schreibt an Papst Franziskus

Sehr geehrter Heiliger Vater Papst Franziskus,

der Vatikan hat in der letzten Woche vor dem UN-Kinderrechtsausschuss in Genf erstmals zum Skandal des Missbrauchs Minderjähriger innerhalb der katholischen Kirche ausgesagt. Papst Benedikt XVI. versetzte 384 Priester wegen Missbrauchs in den Laienstand, im Jahr 2012 waren es etwa 100, im Jahr 2011 etwa 300. Danach forderten Sie Ihre Kirche zu mehr Schuldbewusstsein auf. Wir Betroffenen haben mit großer Freude zur Kenntnis genommen, dass Sie die Taten als »Schande der Kirche« geißeln.

Aber genügt das? Jahrzehntelang wurden die Täter von ihren Vorgesetzten geschützt. Anstatt die Verbrechen aufzuklären und den Opfern zu helfen, wurden die Täter stillschweigend in immer neue Gemeinden versetzt. Fast 400 Priester weltweit wurden wegen Missbrauchs in den Laienstand versetzt – aber was passiert mit den Amtsträgern, die die Täter jahrzehntelang schützten?

Immer wieder geht es um die Täter, und die Opfer geraten aus dem Blick. Was werden Sie tun, um den Opfern wirklich zu helfen?

Ich nenne ein Beispiel von vielen. Der Fall des Serientäters Pfarrer Alfons Kamphusmann war bereits Ihrem Vorvorgänger Papst Johannes Paul II. bekannt. Er wurde vom Bistum Magdeburg viele Male versetzt, sobald in der jeweiligen Gemeinde seine Verbrechen bekannt wurden. So konnte er immer neue Opfer finden und sich zum Serientäter entwickeln: von 1950 an war er Vikar in Gerbstedt, dann in Hettstedt, 1952 Vikar und Kurator in Halle, im selben Jahr wurde er Vikar in Droyßig, 1959 Vikar in Delitzsch, 1967 Vikar in Nordhausen, 1970 Pfarrvikar in Langenweddingen, 1974 Pfarrer in Hecklingen, 1989 Pfarrer in Piesteritz, 1990 wurde er Geistlicher Rat, 1992 Subsidiar in Wanne-Eickel, 1992 Subsidiar in Niedertiefenbach (Bistum Limburg), 1996 Subsidiar in Berus (Bistum Trier), 1997 in Magdeburg.

Kamphusmann starb 1998 in Magdeburg. Im Nachruf der Kirche stand: »Freundlich und hilfsbereit tat er seinen Dienst. Manche bleibende Bekanntschaft und Freundschaft zeugen von seiner Menschenfreundlichkeit und Beliebtheit.« Dieser Mann hat auch dem Verfasser dieses Briefes sexuelle Gewalt angetan, viele Jahre lang.

Deshalb frage ich Sie: Wieso weigert die römisch-katholische Kirche sich, auf die Opfer und ihre Angehörigen zuzugehen? Wieso weigert sie sich, uns Hilfe bei der Aufklärung zu gewähren, medizinische Unterstützung zu ermöglichen und Entschädigungen zu leisten, die für die Schäden im Leben der Betroffenen einen Ausgleich bringen könnten? Offenbar werden Vorgesetzte, die die Täter schützten, weiterhin vor allen Konsequenzen geschützt. Nach wie vor werden Akten systematisch vernichtet – das konnten Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen und andere Gutachter aufdecken.

Ich bin Sprecher des deutschlandweiten Vereins Betroffener netzwerkB. Wir fordern die Aufhebung der Verjährungsfristen bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung – damit endlich Schluss ist mit dem Täterschutz. Wenn sexuelle Straftaten passieren, sollte es für jeden Bürger verpflichtend sein, Anzeige zu erstatten. Schweigen müsste strafbar sein.

Heiliger Vater, wir würden es sehr begrüßen, wenn Sie unsere Forderungen unterstützen und der Vatikan hier eine Vorreiterrolle einnähme. Die Opfer leiden oft ein Leben lang. Sicherlich werden Sie uns recht geben, dass solche Verbrechen nicht verjähren dürfen, denn das, was man Kindern hier antut, sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Im Mai 2013 habe ich Ihnen persönlich geschrieben und Sie um einen Akt der Versöhnung gebeten. Wir benötigen Ihre Unterstützung, um eine gemeinnützige Stiftung zu gründen mit dem Ziel, Personen auszuzeichnen, die sich in der Öffentlichkeit gegen das Verschweigen und Verleugnen von sexualisierter Gewalt einsetzen. Dieser Einsatz erfordert Mut. Ihn gilt es zu unterstützen. Die ganze Welt würde erfahren, dass künftig Menschen geehrt werden, die sich für die Opfer sexualisierter Gewalt einsetzen.

Ein Akt der Versöhnung ist dringend geboten, um über Brücken zu gehen, wo die Wege bisher versperrt sind. Wir müssen den Opfer-Täter-Opfer-Täter-Kreislauf durchbrechen. Die Stiftung könnte der Anfang eines gemeinsamen Weges sein.

Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung

NORBERT DENEF

Norbert Denef, 64, ist Sprecher von netzwerkB.org. Er wurde als Kind von einem katholischen Priester und einem Kantor missbraucht. Beide Täter gestanden, wurden aber nicht belangt, weil ihre Taten verjährt waren. Das Bistum Magdeburg wollte Denef 2003 mit 25 000 Euro zum Schweigen bringen. 2005 erwirkte er einen Verzicht auf die Schweigeklausel. Er erhielt als erstes bekanntes Opfer von der deutschen Kirche eine Entschädigung. Seit 20 Jahren kämpft er für die Rechte der Opfer

Quelle: ZEIT_2014_05_00054

Akt der Versöhnung – N. 555.086

Hier können Sie netzwerkB unterstützen… 

17 Kommentare

  1. prof.dr.gernot lucas schreibt am :

    anfang der 50ger jahre, – und drei jahre weiter ! -, musste ich bittere erfahrungen machen durch sexuellen missbrauch auf dem aloisius-kolleg
    in bonn durch einen zudem überaus hässlichen und ekligen jesuitenpater.
    ich bin jetzt 75 jahre alt, aber das lässt einen nie los ! nie ! man leidet bis
    ans lebensende. und hilfe oder unterstützung durch die täter oder deren
    oberhäupter und institutionen erfährt man nie. eiskaltes schweigen und
    fortsetzung bei der jüngeren generation ! siehe die ausführungen hierzu
    von r.virchow im preussischen landtag von 1860.

  2. wolfgang schneider schreibt am :

    Danke für diesen Artikel. Was ich bis heute jedoch nicht verstehen kann, ist, daß hier nur der sexuelle Missbrauch angeprangert wird. Bei mir gab es über fast 15 Jahre den sogenannten Kriegskindermissbrauch, d.h. mein Vater, ein Kinderarzt hat mich nach seiner
    Rückkehr aus russischer kriegsgefangenschaft immer wieder fast krankenhausreif geschlagen, ob ein Missbrauch vorliegt, weiß ich bis heute noch nicht, aber viele Symptome sprechen dafür. Auch ich bin schwerstens taumatisiert, aber das interessiert niemanden so wirklich.

  3. Schaaf Dr.Dr. Michael Joseph schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Denef,
    sexueller Missbrauch – ganz gleich mit wem – ist ein scheußliches Verbrechen und darf nicht verjähren; darüber gibt es kein Streit! Als selbst erfahrenes Kind im Internat bekam ich von meinen Eltern die Mitgabe – wen Dich jemand berührt und du willst das nicht – dann wehr Dich laut und teile dies uns oder Deiner Umgebung mit; das hab ich getan. Mir geschah nichts. Ich konnte sehr gut mit meinen Eltern über die Annäherungsversuche eines Erziehers sprechen; was eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass sich ein Kind dem sowas – schon vor dem sexuellen Missbrauch – passiert sich an seine Eltern wenden muss, um Hilfe bzw. Abhilfe zu bekommen. Ein Junge, der solche Vorfälle dem Direktor meldete wurde von den 5 Missbrauchsopfern „im Regen stehen gelassen“ und stritten diese wiederholten Verbrechen ab, so dass der Anzeiger sogar entlassen wurde, weil die Missbrauchsopfer nicht dazu standen. Ich bin da sehr im Zwiespalt! Die Eltern sind die ersten Anwälte ihrer Kinder; ich und andere haben uns gewehrt, weil unsere Eltern uns aufgeklärt haben über solche Menschen. Die scheinbaren großen Pädagogen wie von Hentig und Becker, die in der Odenwaldschule tätig waren, waren in meiner Zeit die maßgeblichen Pädagogen und Beschützer der Täter – sie wussten, was sie taten. Sie propagierten die „unbedingte Nähe“ zum Kind. Ebenso ihre irrige Meinung, dass Pädophilie heilbar sei; jeder der dem widersprach war nicht befähigt als Psychologe. Es hat sich sehr gerächt diese Einstellungen. So erging es den Verantwortlichen in der Kirche; sie glaubten auch dies sei nach einer Läuterung heilbar, was ein sträflicher und vll auch für sie ein bequemer „Ausweg“ darstellt. Erzbischof Ratzing war schon in seiner Zeit als Bischof in München und Freising gegen solche eine Sichtweise und entließ einen Pfarrer aus dem Klerikerstand. Als Präfekt der Glaubenskongregation war er konsequenmter Verfechter dieser Sicht – doch Papst Johannes Paul II verbot jede Öffentlichkeit und Entlassung. Als er dann Papst Benedikt XVI war reagierte er sofort und entließ er im Laufe von 2 Jahren fast 400 Geistliche, die sich diesem scheußlichen Verbrechen schuldig gemacht hatten aus dem Klerikerstand. Es war ein Skandal, dass Jahrzehnte so gehandelt wurde – ebenso aber ist es ein Skandal, dass sich Kinder die missbraucht wurden nicht an ihre Eltern haben wenden können, damit sie Hilfe bekamen. Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg für Ihre Arbeit.

  4. Eva schreibt am :

    Guter Brief.

  5. Gertrud Tammena schreibt am :

    @wolfgang schneider – Auch diese (komplexen) Traumata und schwersten Kindesmisshandlungen werden inzwischen benannt und beschrieben, so Sigmar Gabriel in seinem outing vor 2 Jahren, Martin Miller und auch die Kriegskinder-Bewegung. Betroffene, denen das Vertrauen und Rückgrat zerschlagen wurde, fühlen sich meist allein und isoliert, aber es sind doch viele, die ein ähnliches Schicksal haben; das tröstet nicht, aber es bestätigt die Wahrheit der inneren Verzweiflung.Und eine PTBS sollte ärztlich begleitet werden – lebenslang.Mein ehrliches Mit-Fühlen und Zuversicht trotzdem !

  6. hildegard schreibt am :

    Es handelt sich hier um sexualisierte Gewalt im Kindes- und Jugendalter.
    Abhängige Kinder und Jugendliche wurden von den Tätern zum Schweigen verhaftet. Mitwisser in den eigenen Familien verweigerten sich den Hilferufen. Die jungen Betroffenen wurden gesellschaftlich eiskalt isoliert – aus feigem Eigennutz und Selbstschutz von Eltern, Verwandten, Nachbarn, Lehrern, Klerikern …

    Diese Untaten konnten über Jahrzehnte verheimlicht und ungestört an weiteren Opfern verübt werden. Unter dem Schutzschild falscher Gesetzgebung. Die gesamte Gesellschaft vereiste.

    Gewalt an Kindern ist Auswirkung von erlittenem Unrecht, besonders in und nach Kriegen. Kriegsfolge. Um an verdrängtem Frust nicht selbst zu ersticken, werden Kriege von traumatisierten Erwachsenen gern auch in Kinderzimmern stellvertretend fortgeführt.

    Wirksame Gesetzgebung ist Aufgabe der Justiz – 8 Mio. Betroffene in Deutschland lassen einen massiven Justizirrtum vermuten:

    VERJÄHRUNG IST BESTANDTEIL DES PROBLEMS !

  7. hildegard schreibt am :

    Der Präfekt der Glaubenskongregation und Papst musste nicht bis 2011 mit der Entlassung krimineller Mitarbeiter warten …

    An dieser Stelle möchte ich die Lektüre von Erwin Hilbert mit seinem „Papst Tuschfinger“ wärmstens empfehlen – Norbert Denef schrieb dazu das Vorwort. Das gesamte Buch ist unter folgendem Link als KOSTENLOSER Download programmiert.
    http://www.himmelscafe.de/kratzfuss/main/pdf/eduard_kratzfuss_2012.pdf (KEIN KINDERBUCH & NIX FÜR ZARTE SEELCHEN!)

  8. Wenn Du nicht ein Teil der Lösung bist, dann bist Du ein Teil des Problems. (Eldridge Cleaver)

  9. Anna M. schreibt am :

    Herr Dr. Dr. Schaaf,
    es ist gut, den Fokus auf die Familie als Wurzel der Gewalt zu lenken. Dabei sollte man aber KEINESFALLS den Fehler machen, den Fokus von den Verbrechen der Kirche abzulenken, wie Sie es tun!
    Das ist ja fast schon Geschichtsklitterung, was Sie hier betreiben, Herr Dr.Dr. Schaaf!
    Die Beweihräucherung von B16 ist hier völlig deplaziert. Denn das genaue Gegenteil ist der Fall: Herr Ratzinger hat in seiner Zeit als Kardinal wesentlich zur Vertuschung der Verbrechen beigetragen, indem er angeordnet hat, daß alle derartigen Verbrechen direkt und AUSSCHLIESSLICH nach Rom gemeldet werden sollen. Damit konnten die Fälle nicht genau untersucht und sehr gut vertuscht werden.
    Auch hat B16 erst MONATE nach dem Aufdecken der Missbrauchsfälle HALBHERZIG reagiert. D.h. er hat sich öffentlich geäußert, aber die nötigen Konsequenzen wurden nicht gezogen, nämlich mit der Vertuschung aufzuhören und die Opfer angemessen zu entschädigen.
    „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus 7,20)

  10. andrea schreibt am :

    hallo

    wurde von nonnen missbraucht,auch alles ,verjährt,ich will das die katholische kirche dazu steht,die haben eh zu viel geld…

    andrea

  11. Prospero schreibt am :

    Aber er hilft uns doch schon: hier Vorschläge für Österreich…bald auch bei uns?

    Bischof Scheuer:…..Vor Klerikalismus – „dem priesterlichen wie dem der Laien“ – habe Franziskus ausdrücklich gewarnt. Und: „Er hat uns auch aufgefordert, mit laisierten Priestern ins Gespräch zu kommen und – mit Klugheit und Unterscheidung – zu prüfen, wie diese ins kirchliche Leben eingebunden werden können.“
    http://goo.gl/wJ5SfV

  12. Manchinger schreibt am :

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Schaaf,

    danke für Ihre Ausführungen. Wie aber um Himmels Willen kommen Sie zu dieser Ausssage
    „Erzbischof Ratzing war schon in seiner Zeit als Bischof in München und Freising gegen solche eine Sichtweise und entließ einen Pfarrer aus dem Klerikerstand. Als Präfekt der Glaubenskongregation war er konsequenmter Verfechter dieser Sicht – doch Papst Johannes Paul II verbot jede Öffentlichkeit und Entlassung.“
    Unter intern-at.de, regensburg-digital.de und vielen weiteren Veröffentlichungen finden Sie Hinweise, ja deutliche Aussagen dahingehend, dass ein Joseph Ratzinger massivst Missbrauchsfälle verschwiegen und vertuscht hat, in Regensburg in den 1970er Jahren sogar in seinem und seines Bruders unmittelbarem Umfeld. Wer unbestritten so intelligent ist wie ein Joseph Ratzinger, der konnte wissen dass Pädofilie nicht heilbar ist und Opfer sehr oft auch Täter werden (können).
    Dieser frühere Papst Benedikt XVI. hat hier auf breiter Linie versagt, und dieser neue Papst ist nur Marionette von BXVI..

  13. Manchinger schreibt am :

    Vielleicht doch noch das Eine:

    DIE RÖM.-KATH. KIRCHE WIRD NIE UM ENTSCHULDIGUNG BITTEN, DENN DAS FORDERT NUR SIE VOM GEGENÜBER, um DIESEM DANN EIN LEBEN LANG DIESES „UM ENTSCHULDIGUNG BITTEN“ VORWERFEN ZU KÖNNEN.
    —————————-
    Man sollte es nutzen, dass die RKK derzeit stark in Bedrängnis ist, sich um Wettbewerb zu anderen Religionen durchsetzen zu können. Denen bleiben die Jungen weg, und dies ist die Chance sich von dieser Organisation schon bald endgültig verabschieden zu können.

  14. Pia Survivor schreibt am :

    Hallo Norbert

    um dem Skandal des Missbrauchs Minderjähriger innerhalb der katholischen Kirche, hast du viele wahre, kluge, schmerzhafte Dinge erwähnt, ich schliesse mich dir an.

    Pia

  15. Esther schreibt am :

    Zu Prof Dr.Gernot Lucas:
    Ich selber Opfer sexueller Gewalt, kann nur bestätigen,daß “ Es ein Leben Lang dauert und schmerzt „. Wir müssen dafür kämpfen, daß SEELENMORD nicht verjährt. Alles Gute für Sie.

  16. Hubert schreibt am :

    Vielleicht schafft es schließlich doch noch Irgendjemand, den Opfern doch eine gewisse Schuld für das Ganze einzuräumen.
    Versuche in der Richtung gab es dazu in der Vergangenheit bereits, soweit ich mich erinnere.
    Zumindest wäre man dann das Finanzierungsproblem von immensen Entschädigungszahlungen los, und man hätte dann endlich einen plausiblem Grund gefunden, das nicht zu zahlen, weil ja selbst Schuld.
    Hätte da jemand eine Idee? (ironisch)

  17. gregmann schreibt am :

    ‚OFFENER BRIEF AN DAS ERZBISTUM KÖLN!

    Ihr Schreiben vom 10.02.2014/Offener Brief/Erzbistum Köln

    Sehr geehrte Frau Pesch!

    Hiermit nehme ich ausführlich Stellung zu Ihrem Schreiben vom 10.02.2014. Die Aussage, mein Großvater sei nur ein Aushilfe gewesen ist eine ungeheuerliche Frechheit. Sie entspricht nicht der Wahrheit und wird von mir massiv bestritten. Er war ein hauptberuflicher Küster. Wieder eine von diesen typischen und widerlichen Lügen, mit denen Sie sich aus der Affäre ziehen wollen.
    Bereits in Ihrem Schreiben vom 26.05.2011 haben Sie auf inpartinente Weise die Tatsachen verdreht. Sie haben damals geschrieben, es wäre sicherlich sehr schmerzhaft gewesen, dass mir in der Vergangenheit von der Familie niemand geglaubt hättte. Die Familie weiss gennau Bescheid, aber leugnet, verleumdet und vertuscht seit mehr als 40 Jahren auch mit der Hilfe von Anwälten die Wahrheit. Sie helfen Ihr dabei.
    Legen Sie Beweise für Ihre Behauptung vor, mein Großvater sei nur eine Aushilfe gewesen. Aus den fünfziger, sechziger, siebziger und achtziger Jahre des 20. Jh. haben Sie doch überhaupt keine Unterlagen mehr. Das hat Ihnen doch meine Familie als Gegendarstellung geliefert um zu verhindern das mir Gerechtigkeit widerfährt. Wenn Sie Kontakt zu meiner Mutter und zu meiner Familie hatten, verlange ich hierzu eine schriftliche Auskunft und Bestätigung. Sie haben dann einen sehr schweren Fehler begangen. Ich bin das Opfer und Sie sind auf mich zugekommen und haben mir einen Ausgleich angeboten.
    Sie sollten diesen Ausgleich zahlen. Ich werde keinen Abstand von meinem Antrag nehmen. Ich fordere 50.000 £ Schmerzensgeld und eine Bescheinigung, in der Sie mich als sexuelles Missbrauchopfer der katholischen Kirche anerkennen und mir dafür ein Schmerzensgeld nach $ 253 Abs. 2 BGB zahlen. Ich werde nichts anderes akzeptieren. Wenn Sie ablehnen oder mich mit ein paar Therapiestunden abspeisen wollen, so lehne ich dies ab. Wenn Sie meinen Antrag, so wie er von mir gestellt wurde, und das ist gerechtfertigt, ablehnen, so wird dies schwerwiegende familiäre Konsequenzen haben. Anschließend werde ich das Erzbistum Köln in einem spektakulären Medienprozess dafür verantwortlich machen und sehr schwere Vorwürfe erheben.
    Sie haben in Ihrem Schreiben vom 19.11.2013 mir ein Gespräch mit einer Verantwortlichen für Küster,- und Folgeberufe sowie dem Leiter der Präventionsstelle angeboten. Daraus wurde nun plötzlich nur noch eine Diplom Psychologin. Sie haben es mir also zum Nachteil ausgelegt, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht reiseuntauglich bin. Das kann ich nicht akzeptieren.
    Sie versuchen sich rauszuwinden. Ich fordere Fr. Hübner und Hr. Vogt auf nach Hamburg zu kommen. Ich werde nicht nur mit einer Psychologin sprechen, die von Ihnen vermutlich dazu beauftragt wurde mich zu begutachten und dazu umzustimmen mit ein paar Therapiestunden zufrieden zu sein, bzw. Ihnen die Empfehlung aussprechen soll, mich mit Therapiestunden abzuspeisen. Das ist inakzeptabel. Sie haben die Sache begonnen, nun bringen Sie sie anständig zu Ende und bewilligen meinen Antrag. Ein Gespräch nur mit dieser Psychologin würde einen völlig anderen Charakter haben, abgesehen davon das es ohnehin nur in Beisein meines Anwalts stattfinden würde.
    In Ihrem Schreiben vom 19.11.2013 haben Sie mich aufgefordert meine persönlichen Vorwürfe gegenüber dem Erzbistum Köln darzulegen. Nun, da Ihre Verantwortlichen kneifen, nicht nach Hamburg kommen wollen – dies ist eine Schande für Ihre Kirche, darüber werde ich Bischof Ackermann informieren – und eine Psychologin nicht gerade die geeignete Person hierfür ist, werde ich dies per Mail tun. Es ist doch offensichtlich, in welche Bahnen Sie das Gespräch mit einer Psychologin lenken wollen. Ich werde nicht akzeptieren, dass Fr. Dipl. Psychologin Gabriele Anders mich im Auftrag des Erzbistum Köln diskreditiert und dann die Empfehlung ausspricht, mich mit Therapiestunden abzuspeisen. Fr. Anders ist weder zuständig für Küster,- und Folgeberufe noch leitet Sie eine Präventionsstelle.

    Hier mein direkter persönlicher Vorwurf an das Erzbistum Köln:

    Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche ist ein Phänomen, das seit Mitte der 1990er Jahre weltweit größere öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Die Sensibilisierung für das frühere Tabuthema hat viele Opfer ermutigt, selbst noch 30 oder 40 Jahre nach den Vorfällen ihre traumatischen Erlebnisse öffentlich zu machen. Sie berichten sowohl über Fälle sexuellen Missbrauchs, insbesondere durch Priester, Ordensleute und ANGESTELLTE ERZIEHER innerhalb der römisch-katholischen Kirche an ihren SCHUTZBEFOHLENEN und Untergebenen, als auch über den damaligen Umgang kirchlicher Stellen mit den Tätern und Opfern.
    Auch ich habe in diesem Zusammenhang den Mut gefasst und bin 2008 in die Öffentlichkeit gegangen. Dafür wurde ich, auch von Ihnen nur mit Lügen und Verachtung abgestraft. Ihr Umgang mit den Opfern ist eine Katastrophe. Mein Großvater war ein hauptberuflicher Küster von 1955-1985. Er durfte die Kommunion austeilen. Er hatte das Sorgerecht an mir, bedeutet er war erziehungsberechtigt. Er war somit ein angestellter Erzieher in der katholischen Kirche und ich bin ein Schutzbefohlener gewesen.
    Unter schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern versteht das Gesetz, wenn der volljährige Täter in das Kind eindringt; wenn das Kind Gefahr läuft, eine schwere Gesundheitsschädigung oder Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung zu erleiden. So ist mir über die Dauer von drei Jahren zwischen meinem sechsten und neunten Lebensjahr geschehen. Diese traumatischen Erlebnisse haben seit 2005 zu einer totalen Arbeitsunfähigkeit geführt. Hierfür fordere ich 50.000 € Schmerzensgeld.
    Zu den Schutzbefohlenen zählen Kinder, die einer Person zur Erziehung, zur Ausbildung oder zur Betreuung in der Lebensführung anvertraut oder ihr im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet sind. Das legt § 174 des Strafgesetzbuches fest.
    Natürlich ist mir bewusst, dass ich nach mehr als 40 Jahren keinen rechtlichen Anspruch mehr habe, aber ich zählte damals zu diesen schutzbefohlenen Kinder und war einer Person zur Erziehung, zur Ausbildung und zur Betreuung in der Lebensführung anvertraut worden, die in einem hauptberuflichen Arbeitsverhältnis in der katholischen Kirche stand, nämlich meinem Großvater.
    Damit dürften meine persönlichen Vorwürfe gegenüber dem Erzbistum Köln ausreichend dargestellt sein. Ich fordere dafür einen fairen und gerechten Ausgleich in Höhe von 50.000 € oder sogar mehr.
    In meiner Familie herrscht seit mehr als 40 Jahren das ‚Schweigen der Quandts‘. Ich kann Sie nur eindringlich davor warnen die Lügen und falschen Darstellungen meiner Familie zu glauben. Sollten Sie das dennoch tun, beschmutzen Sie Ihre ohnehin nicht ganz saubere Kirche mit zusätzlichem großen Unrecht und Unheil.

    gez.
    Gregor Erdmann

    Betreff: Nachtrag zu meinem Schreiben vom 13.02.14 mit Bezugnahme zu Ihrem Schreiben vom 10.02.14.

    Sehr geehrte Frau Pesch!

    Wenn die Verantwortlichen für Küster,- und Folgeberufe sowie der Präventionstelle, Fr. Hübner und Hr. Vogt nicht nach Hamburg kommen wollen, so ist das beschämend. Ich werde auf keinen Fall nur mit einer Psychologin sprechen. Sie versuchen den Fall zu einem einvernehmlichen Ende zubringen, ohne zu zahlen. Dies ist absolut inakzeptabel. Wenn ich mit Fr. Anders spreche, dann nur, wenn die unten aufgeführten Mitglieder der Kommission im Erzbistum Hamburg ebenfalls anwesend sind.

    Ansgar Thim, Domkapitular
    Uwe Ladleif, Diplom-Sozialpädagoge, Hamburg
    Frank-Eckhard Brand, Rechtsanwalt, Lübeck
    Dr. theol. Klaus Kottmann, Offizialatsrat, Hamburg
    Mary Hallay-Witte, Geschäftsführung der Fachstelle für Prävention, Aufarbeitung und Opferschutz, Hamburg

    Von meiner Seite wird mein Anwalt dem Gespräch beiwohnen. Ort und Zeitpunkt werden aus gesundheitlichen Gründen nach Absprache von mir festgelegt.
    Ich habe inzwischen einen Kostenvoranschlag machen lassen. Ein sechswöchiger Aufenthalt in einer Privatklinik (ohne jegliche Kassenzulassung) speziell für Opfer sexuellen Missbrauchs kostet nochmal 12.000 €. Ich werde keinen Abstand von den 50.000 € und der Schmerzensgeld-Becheinigung (deren genauer Wortlaut von meinem Anwalt festgelegt wird) nehmen. Weiterhin fordere ich eine Bescheinigung, in der sie meinen Großvater namentlich als Täter nennen. Beide Bescheinigungen müssen von Bischof Stefan Ackermann unterschrieben sein.

    G. Erdmann

    Oliver Vogt, PräventionsbeauftragterLeiter der StabsstelleErzbistum Köln | GeneralvikariatStabsstelle Präventionsbeauftragter Gereonstr. 16 | 50670 KölnPostanschrift:Erzbistum Köln | 50606 Köln Telefon 0221 1642 1800Telefax 0221 1642 1501 oliver.vogt [at] erzbistum-koeln.dewww.erzbistum-koeln.dewww.praevention-erzbistum-koeln.de

    Sehr geehrter Herr Bischof Ackermann!

    Im Frühjahr 2011 hat die katholische Kirche einem damalig 9-jährigen Opfer, dass mehrfach vergewaltigt worden ist, 50 000 € gezahlt. Hierzu ist am 25.05.2011 im Berliner Tagesspiegel ein Artikel erschienen. Obwohl es bestimmt grausam gewesen ist, was diesem Opfer angetan worden ist, so wurde es bestimmt nicht halb mal sooft sexuell missbraucht, wie ich in diesen 3 Jahren meiner Kindheit.
    Ihre Aufgabe kann erst als aufgearbeitet, erledigt und abgeschlossen bezeichnet werden, wenn die katholische Kirche mir eine Entschädigung von 50 000 € gezahlt hat.

    G. Erdmann

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