Das Totschweigen der Presse

22.03.2014: netzwerkB Pressemitteilung

86% der Deutschen sind laut einer Umfrage von infratest dimap der Meinung, strafrechtliche Verjährungsfristen für Sexualstraftaten an Minderjährigen sollten generell aufgehoben werden.

Liebe Mitstreiterinnen von Presse, Funk und Fernsehen,

Für Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)163 1625091
presse [at] netzwerkb.org
www.netzwerkB.org

 

 

 

6 Kommentare

  1. Anna M. schreibt am :

    Berechtigte Fragen

    Versuch einer Erklärung:
    – das Thema ist für die Medien „durch“ (seit 2010 genug durchgekaut, was muß passieren, damit es wieder in die Schlagzeilen kommt?)
    – auch Journalisten sind „nur“ Menschen, die sich vor dem unangenehmen Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder lieber drücken, weil sie selbst Täter sind oder waren oder/und weil sie selbst Opfer waren und ihre Traumata lieber verdrängt halten

  2. Kirsten schreibt am :

    Das Unvorstellbare das jedes Opfer erlebt zu negieren, zu verharmlosen und nicht anzuerkennen,
    ist einfacher als es anzunehmen. Eine Verarbeitung des Mißbrauchs, wäre für jedes Opfer nur möglich wenn die Gesellschaft angemessen darauf reagieren würde.Die Gesellschaft eine Möglichkeit bieten würde, das Erlebte angemessen zu verarbeiten. So aber ist jedes Opfer gezwungen das Unaussprechliche zu reinszenieren , abzukapseln und folglich mit seinem Unvorstellbaren Leid in seinem Körper alleine zu bleiben. Die Politik schützt durch dieses unangemessene Verhalten die Täter. Das Unglaubliche des Erlebten, wird hinter das absurde Verhalten der Täter gestellt.
    Die Reaktionen der Umwelt, sofern ich über das Erlebte gesprochen habe, sind unglaublich gewesen. Von Scham, über Nichtbeachtung, Interesselosigkeit, „ist doch so lange her“ und vielen anderen Dingen, das es mich jedes mal erneut geschockt hat, was teilweise retraumatisierend wirkt.
    Und inzwischen bin ich überzeugt davon, das die Politik aus ihrem eigenem Interesse gar keine Aufarbeitung haben möchte, und Opfer mit Ihrem Leiden lieber alleine lässt. Ich selbst habe jahrelang so unvorstellbar gelitten, bis es mir möglich war dezent und immer wieder, in einer guten Traumatherapie, Vertrauen zu finden und meine zerbrochenen Sprache, zusammenzufügen und vor allem nie mehr zurück zu schauen.

  3. hildegard schreibt am :

    … für Medien „durch“ – oder fürchten sie es? Ja, sie fürchten es, das Thema.
    Im Volk ist es angekommen, und den Medien muss jetzt klar geworden sein: Überlebende fühlen sich von PolitikerInnen verraten.
    Medien, denen die Deutung von Tabellen etwas bedeuten sollte – die deutlicher als Regierende aber nie werden reden und drucken dürfen – sie müssen massive Medienschelte (von oben) meiden …

    Vermutlich wirkt sich dort gerade der Totschweig-Reflex aus, bevor er in Schockstarre übergeht. Allzu überwältigend, diese Zahlen bei genauerem Hinsehen. Die Tabelle S.11 in http://netzwerkb.org/wp-content/uploads/2014/04/2014.03.20-infratest-dimap_netzwerkB_Sexualstraftaten-GRAF_TAB.pdf – sie spricht eine unmissverständliche Sprache.

    Möglicherweise liegt – mit dem Einsetzen der Verjährungsfristen ab dem 30. Lebensjahr – für die Zukunft die Koalition 2014 nicht ganz falsch; das BEWUSSTSEIN für die Auswirkung sexueller Straftaten HAT sich ja offensichtlich gewandelt.
    Allerdings MÜSSTE für Altfälle fairerweise jede Frist rückwirkend aufgehoben, MÜSSTEN alle gesellschaftlichen Folgen angemessen zurecht gerückt werden …

    WIR, die Betroffenen, möchten uns auf akzeptable Rechtmäßigkeit der Gesetze verlassen können!!!

    Wir wollen Recht und Gerechtigkeit.
    Wir wünschen keine Gnadengaben aus Hinterstübchen.
    Wir fordern die Rehabilitierung aller bisher politisch tabuisierten Opfer.

    Wie wäre es, Frau Merkel, mit einem gehörigen Respekt vor der Überlebens-Leistung zahlloser ÜberlebenskünstlerInnen? Der Respekt für einen gewissen Herrn H. fiel den Regierungschefs neulich allzu leicht – bestachen Sie die mutmaßlich 600 Mio. €?
    Schon klar: Geld regiert die Welt …
    Und welchem Rechtsverständnis sollen wir das denn nun wieder zuordnen?
    Sie wünschten schon 2010 ‚Wahrheit und Klarheit‘. Runde Tische drehten sich um sich selbst. Volkes Wille liegt vor. Wir warten auf Worte UND auf Taten. Wir erwarten Ihre Entscheidung, zur Chefsache zu erklären was Chefsache ist.
    Falsche Gesetze verführen notorische Gesetzesbrecher – egal, ob gerade Geld oder Kind verspielt wird – das KIND aber darf SIE nicht länger kalt lassen! Sie bestimmen die Richtlinien der Politik.
    Sie sollten MIT den Betroffenen nach vorn schauen – der bisherige Umgang mit Opfern ist ethisch absolut verwerflich gewesen, menschlich eine einzige Murkserei.

  4. Prospero schreibt am :

    Meines Erachtens ist das Thema „sexualisierte Gewalt an Kindern / Jugendlichen“ weder ´durch´ noch fürchtet es die Presse, denn es bringt Klickzahlen.

    Nur war ab der Odenwaldschule zu beobachten, dass das Thema parteipolitsch ausgeschlachtet wurde:
    contra 68er, Linke, SPD, Grüne – personalisiert dann durch DCB, Trittin, Edathy etc.

    Ein großer Fehler für unsere Ziele.

    Wer sollte jetzt bei der GroKo die Verjährungsfristen-Umfrage gegen wen benutzen können?
    Also: Schweigen

  5. Veronika schreibt am :

    Die GroKo hat sich im Koalitionsvertrag den sog. „Großkirchen“ verschrieben. Da muss alles „aussen vor“ bleiben, was hinderlich sein könnte, um diese Kirchen weiterhin „Opium für das Volk“ sein zu lassen.

  6. Karsten schreibt am :

    Natürlich werden auch in unserm Staat große Teile der Presse von Machteliten gesteuert, deren wirtschaftliche u.politische Interessen stets Vorrang vor der Vermeidung und Bestrafung von Menschenrechtsverletzungen haben.
    Insofern verkörpert sich gerade in der „Großen Koalition“ weniger subtil als zuvor ein Bündnis der 14% Täter gegen die 86% Opfer jedweder Art von
    Machtmißbrauch.
    Immerhin haben (selbst nach Abzug der Nichtwähler) viel zu viele demokratiegläubige Opfer derartiger Machtstrukturen diese Regierung gewählt.
    Ein Justizminister Maas wird ähnlich wie die Kirchenkommission bestenfalls dazu beitragen, dass öffentlichen „außerparlamentarischen“ Protesten gegen
    jedwede weitere Machtmißbrauchspolitik deren gefährliche Spitze gebrochen wird.
    Jedes Bündnis mit anderen humanistischen, insofern „unterpriviligierten“ Gruppen im Land bringt uns somit weiter als ohnmächtige Appelle an Minister und Kirchenfürsten.

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