Männer kämpfen gegen Verjährung nach sexuellem Missbrauch

06.04.2014: WAZ

Mit Materialien des Vereins netzwerkB klärte die Selbsthilfegruppe „Sexueller Missbrauch in der Kindheit“ in der Bottroper Innenstadt über Verjährungsfristen auf.

Bottrop.   Die Selbsthilfegruppe „Sexueller Missbrauch in der Kindheit“ informierte am Samstag in der Innenstadt über die Verjährungsfristen nach sexuellem Missbrauch. Die Männer ernteten Anerkennung für diesen Schritt in die Öffentlichkeit.

Infostände über dieses und jenes Thema gibt es wie Sand am Meer. Die Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch ist hingegen immer noch ein Thema, über das die Öffentlichkeit sehr wenig weiß. Daher stellten sich am Samstag Peter Timmer, Karl Görtz und Markus Elstner von der Selbsthilfegruppe „Sexueller Missbrauch in der Kindheit“ an den ehemaligen Mensing-Brunnen und informierten die Passanten, die es an diesem Vormittag in die Innenstadt zog.

Die Drei sind selbst betroffen von der Verjährungsfrist. Vor rund dreißig Jahren wurden sie missbraucht. Als sie endlich den Mut fanden, ihre Peiniger anzuzeigen, hieß es, die Tat sei verjährt.

Viele Gespräche geführt

„Als Kind vertraut man sich in so einer Situation niemandem an. Man weiß selbst nicht, was mit einem passiert und was es für Folgen nach sich ziehen könnte einen Mann, der mitten im Leben steht, anzuzeigen“, so Elstner, der die Selbsthilfegruppe vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. „Viele Passanten, mit denen ich heute schon gesprochen habe, wissen überhaupt nicht, dass so eine Verjährungsfrist überhaupt existiert und sind geschockt“, so Timmer. Sogar mit einem Juristen redeten die Männer an diesem Tag. Dieser kannte zwar die juristische Seite, sei aber dennoch überrascht gewesen, dass auch Jungen und Männer missbraucht werden. „Der Missbrauch von Frauen ist allgegenwärtiger als der von Männern“, sagt Timmer.

Vor zehn Jahren wäre es für die drei Männer, die sich selbst als „Überlebende“ bezeichnen, unvorstellbar gewesen, sich in die Öffentlichkeit zu stellen und Aufklärungsarbeit zu leisten. „Für uns ist das Ganze auch ein Stück Eigentherapie. Es ist ein gutes Gefühl jetzt hier zu stehen und die Leute aufzuklären“, so Görtz.

Oberbürgermeister Bernd Tischler, der an diesem Tag den Infostand besuchte, schätzt die Arbeit der Männer: „Sie sind hier mit einem berechtigtem Anliegen. Es ist ein wichtiger Schritt für sie, aus der Anonymität herauszutreten.“

Das Wichtigste für die drei mutigen Männer war an diesem Tag aber nicht die Anerkennung, die sie für ihre Aktion ernteten – sondern ihrem Ziel, die Verjährungsfrist aufzuheben, einen Schritt näher zu kommen und die Menschen in ihrer Umgebung darüber zu informieren. Weiter lesen… 

Mehr auf netzwerkB:

86% der Deutschen für Aufhebung von Verjährungsfristen

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8 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    Super! – War die Resonanz so gut, dass die Aktion in anderen NRW-Städten wiederholt werden könnte?

  2. Nicole schreibt am :

    Hochachtung an Herrn Timmer, Herr Görtz und Herr Elstner. Sehr mutig und lobenswert. Es müssten noch viel mehr Ihren Beispiel folgen.
    Ich wünschte Überlebende/Betroffene in meinem Einzugsgebiet würden sich daran ein Beispiel nehmen. Leider höre ich viel zu oft das Überlebende/Betroffene lieber anonym bleiben wollen. Aus Angst, vor Ausgrenzung im sozialen Umfeld. Einerseits verständlich, aber andererseits für den Kampf um Gerechtigkeit, für den Schutz unserer Kinder kontra Produktiv. Doch ich gebe nicht auf. Wie auch viele Betroffene und Angehörige nicht aufgeben sollten. Es lohnt sich wie die Aktion in Bottrop zeigt. Bitte weiter so die Herren, Ihr macht Mut nicht aufzugeben. Danke!

  3. Markus E. schreibt am :

    Hallo Hildegard,
    auf jeden Fall.Heut hab ich in Köln angerufen.Auf die Domplatte dürfen wir leider nicht.Ich werde aber versuchen einen Platz ganz in der Nähe zu bekommen.

  4. hildegard schreibt am :

    … oder „Papst Eduard“.

  5. Markus E. schreibt am :

    @Hildegard…der war gut 😉
    es wäre gut wenn uns aus dem Raum Köln jemand weiter unterstützen könnte der sich mit den Gegebenheiten in der Innenstadt auskennt.Wir hätten gern einen Platz in der Nähe des Domplatzes um auf diesem wenigstens…unbeabsichtigt ein paar Ballons zu verteilen;-). Heut hab ich erfahren das der Neumarkt wohl am nächsten und gut besucht ist.Ist das so??Ich würde gern selbst schnell gucken fahren um mir ein Bild zu machen,aber ca 100 km sind ein bisschen weit.

  6. Kirsten schreibt am :

    @Markus
    schön, ich freue mich für Euch über die gelungene Aktion und hoffe, dass sich viele Jungen und Männer anschließen können.
    Habe selbst einen Sohn, der bis heute nicht den Mut gefunden hat, zu reden,was mir selbst unendlich weh tut.

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