Papst Franziskus möge handeln

12.04.2014: netzwerkB Pressemitteilung


(Foto: Straßenkünstler in Rom)

Papst Franziskus hat die Opfer von Kindesmissbrauch durch Priester in der katholischen Kirche um Vergebung gebeten. „Ich fühle mich berufen, mich der Sache anzunehmen, des Bösen, das einige Priester getan haben (…), und um Vergebung zu bitten, für den Schaden, den sie angerichtet haben, für den sexuellen Missbrauch an Kindern“, sagte der Pontifex am Freitag bei einem Treffen mit Kinderschützern im Vatikan.

Auf den ersten Blick wirkt Papst Franziskus fortschrittlich und realistisch. Das bisherige Ergebnis spricht jedoch eine andere Sprache.

Norbert Denef, Sprecher des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V., kurz netzwerkB, nimmt hierzu wie folgt Stellung:

Nach wie vor verweigert die römisch-katholische Kirche den Schritt, auf die Opfer und ihre Angehörigen zuzugehen, ihnen Anerkennung zuteil werden zu lassen, ihnen Hilfe bei der Aufklärung zu gewähren, die medizinisch erforderliche Unterstützung zu ermöglichen und die Entschädigungen zu leisten, die für den tatsächlichen Schaden im Leben der Betroffenen einen Ausgleich bringen würden.

Die verantwortlichen Täterschützer der katholischen Kirche werden nach wie vor nicht zur Rechenschaft gezogen. Und die Täter selbst – sofern sie überhaupt ermittelt werden – sind in vielen Fällen durch die bestehenden Verjährungsfristen für sexuelle Straftaten geschützt.

Laut einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap meinen 86 Prozent der Deutschen, Verjährungsfristen für Sexualstraftaten an Minderjährigen sollten aufgehoben werden. Das Volk spricht hier eine klare Sprache. Politik und Kirche hinken hinterher. Die Kirche sollte hier eine Vorreiterrolle übernehmen – und nicht versuchen, der Gesellschaft mit leeren Worten, so wie es Papst Franziskus auch am vergangenen Freitag wieder einmal getan hat, zu suggerieren, dass sie angeblich etwas für die Opfer tut. So lange diese mit 5.000 Euro abgespeist und nicht angemessen entschädigt werden, die Täter und Täterschützer aber von Kirche und Staat nicht zur Rechenschaft gezogen werden, kann von einer Aufarbeitung nicht die Rede sein.

Papst Franziskus möge handeln und nicht von Vergebung reden – das erwarten die Opfer.

Akt der Versöhnung – N. 555.086

86% der Deutschen für Aufhebung von Verjährungsfristen

Für Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)163 1625091
presse [at] netzwerkb.org
www.netzwerkB.org

6 Kommentare

  1. Veronika schreibt am :

    Bitte RICHTIG LESEN:

    „…, das EINIGE PRIESTER GETAN HABEN …“
    Der Mann verkennt die Lage massiv. Es waren nicht „einige Priester“, es waren tausende, wenn nicht abertausende Kirchenangestellte, darunter auch tausende kath. Priester, Bischöfe, Kardinäle. Noch nicht mitgezählt alle diejenigen Täter, die bislang immer noch nicht bekannt sind, weil die Opfer den Freitod gewählt hatten, oder anderweitig ruhiggestellt wurden.
    Mittlerweile wird das Ganze zu einer Farce, und die Katholische Kirche zeigt sich meiner Meinung nach vollständig als „Täter-Organisation“.

  2. Veronika schreibt am :

    Man sollte es der Katholischen Kirche zeigen, dass eine solche „Kirche“, eine solche Organisation in ganz Europa, auf der gesamten Welt nicht erwünscht ist, ausser es wird jetzt einmal zügig aufgeklärt. Denke, da lagern im Vatikan jede Menge Personalakten(kopien), aus denen auch bislang noch im Dienst befindliche Priester, Bischöfe, Kardinäle als möglicher Täter hervorgehen. Wann kümmern sich die demokratischen Staaten Europas und der Welt endlich einmal um diese Sache, bei der deren Staatsbürgerinnen und -bürgern Schaden zugefügt wurde? Braucht man die Katholische Kirche wirklich als Droge für die Dummen?

  3. hildegard schreibt am :

    Je länger Kleriker und Politiker keine echte Verantwortung auch für die immensen Zusatz-Schäden von Verschweigen und Verjährung übernehmen, wachsen in der Gesellschaft mit dem Machtmissbrauch die Fantasien wild weiter. Und unbewusstes Misstrauen vor Mächtigen in Staat und Kirche wird weiter wuchern.
    Versöhnung würde menschliche Größe voraussetzen …

    Täter und Täterschützer wissen sich Einfluss zu erschleichen. Die Lobby scheint übermächtig. Rechtsabteilungen entdecken Schlupflöcher und verdrehen Gottesgebot, Menschenrecht und Grundgesetz zur Farce. Wer als Täter unentdeckt bleibt, wartet getrost die Verjährung ab …

    Obrigkeiten streuen das Gift zum Machterhalt. Vergiftungen wirken nachhaltig. Almosen sind vergiftete Geschenke. Die Furcht vor der Wahrheit verhindert Transparenz und Klarheit. Die Angst vor den Schatten behindert die Sicht auf ein Leben im Licht.

    Gläubige fallen vom Glauben ab, suchen ihr Heil in Sekten, verlieren sich selbst, verkaufen ihre Seelen.
    Und dass Protestwählen auch mit unglaubwürdiger Politik zu tun hätte, davon will die Regierung nichts wissen.

  4. hildegard schreibt am :

    Ja, „EINIGE PRIESTER“ das sagt dieser hohe Oberpriester mit voller Absicht, und jeder spürt: Er kennt die Realität, darf nicht deutlicher werden, wählt das für vatikanische Optik kleinere Übel, müsste sonst den Eklat wagen oder einknicken.

    Nach einem Jahr im Amt geistlicher Eitelkeiten bleibt ihm keine andere Wahl. Politik pur, eine „Droge für Dumme“ …

  5. Veronika schreibt am :

    Jetzt fährt Hitlers einstiger Lieblingschor und Hort sehr vieler pädokrimineller Geistlicher nächste Woche erst einmal in die Staaten, um im BibleBelt Tempe, Phoenix Az. aber auch Washington, NewYork Werbung zu machen.
    http://www.domspatzen.de/de/chor/aktuelles/detail/article/regensburger-domspatzen-starten-zur-usa-tournee.html
    Wer Kontakte in die Staaten hat, möge diese bitte zur Info an Presse und Medien dort benutzen, damit wenigstens dort berichtet und nachgefragt wird, warum die vielen Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen immer noch nicht geklärt wurden.
    http://www.regensburg-digital.de/uber-50-jahre-vertuschungsgeschichte/11052013/

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