Jahrmarkt der menschlichen Eitelkeiten

30.04.2014: netzwerkB

Die Odenwaldschule hat angeblich einen neuen Verdachtsfall. Offenbar soll es sich dabei um denselben Lehrer handeln der erst vor wenigen Tagen zugegeben hatte, „kinderpornografisches Material“ besessen zu haben. Schüler hatten sich schon 2013 über den Pädagogen beschwert. Den Fall öffentlich gemacht, hat aber die Schule erst als die Medien berichteten.

Ein Kommentar von Hamlet

Abseits von den Fragestellungen, die der Odenwaldschule nun sowieso unumgänglich auferlegt sind (drückt sich im kindeswohlgefährdend aus), ist es inzwischen eine pädagogische Fahrlässigkeit, um nicht zu sagen ein pädagogisches Verbrechen, junge Menschen, – viele sind durchaus glücklich dort, waren auch viele zu unserer Zeit -, “abgestempelt” auf ihre weitere Reise zu schicken. Die Odenwaldschule war bis vor ein paar Jahren nur der Kulturelite unseres Landes ein Begriff, ein positiver, nun ist sie, auch durch ihr wiederholtes Versagen bis in den letzten Winkel Synonym für den unerträglichsten Umgang mit Pädosexualität stehender Begriff. (Nicht mehr ins Heim, auf die Odenwaldschule schicken wir dich…)

Diese Einsicht hätte schon 2010 zumindest zu einer Neuorientierung und Neugründung führen müssen, wenn man glaubt, dass es solche Eliteschulen mit Jugendamtsfutter überhaupt braucht. Die Perspektive der Schüler, unter welchem Gesichtspunkt auch immer man die jüngste Geschichte betrachtet, hat jedoch erneut kaum bis gar keine Rolle gespielt. Auch die aktuelle Schülergeneration trägt nun einen enormen Sozialisationsschaden mit sich durch’s weitere Leben. Muss das wirklich sein? Die Verantwortlichen heute waren gewarnt, gerade die vielen Ehemaligen die aus obskuren emotionalen bis eitlen Gründen dort ihre “heile” Vergangenheit wieder auferstehen lassen wollten.

Die Spitze der Absurditäten in dieser Hinsicht war der Vorschlag des Kommunarden Tilman Jens im Deutschlandradio, dass nun der Opferverein gefordert wäre, bei der Rettung der Schule mitzuhelfen. Und der Jahrmarkt der menschlichen Eitelkeiten ist so gewaltig deppert und der Köder der “Anerkenntnis” so gross, man muss befürchten, auch da fällt der eine oder andere drauf rein, bitterer Abgrund auch das.

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“Sperrt den Laden endlich zu!”

13 Kommentare

  1. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Es geht,ging und wird immer nur um die Rettung der Odenwaldschule gehen.Die kinder und Jugendlichen waren egal,wenn nicht gerade der Vater ein VIP war.Dann musste man vorsichtig sein.Ausserdem wollen diese eitelen Menschen ihre Biographie nicht getrübt wissen.Nicht selten ist die einzige eigene Leistung im Leben ein Abitur an der Odenwaldschule und ein berühmter Vater… und das will man sich nicht kaputt machen lassen.

  2. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Ich hoffe nicht das Glasbrechen auf diesen Vorschlag eingeht!!!!!!!Glasbrechen ist eher noch zu zaghaft was die Opfervertretung gegenüber der Odenwaldschule angeht!

  3. Gertrud Tammena schreibt am :

    Auch die Präventionsstrategie nach der primären Entlarvung war grundverkehrt: man hätte zur Aufarbeitung / Prävention für die Reformschulinternate als Vertrauensleute keinesfalls verbandseigene „Altbürger“ einsetzen dürfen schon wegen der zu erwartenden Loyalitätskonflikte und unmöglicher Objektivität, Distanz, fehlender Erfahrungen.

  4. Anna M. schreibt am :

    Vision:
    Das Internat wird geschlossen und ein VÖLLIG NEUES dort eröffnet. Neues Personal, von mir aus die gleichen SchülerInnen.

  5. Hamlet schreibt am :

    @Anna M. Das ist ein langer Prozess und für einen solchen braucht’s klare Einsicht und Entscheidung, vor allem müssen die Verantwortlichen das als Denkmöglichkeit zulassen. (Nur so wären sie übrigens überhaupt in der Lage die Betroffenen ansatzweise zu verstehen und nur so ist überhaupt Gespräch möglich, wenn sie beginnen, die Schule nicht über alles zu stellen.)

    Was das Schliessen betrifft: Zuerst muss geordnet geschlossen werden, ein Prozess, der sich über zwei, drei Jahre hinzieht. Dafür muss mit dem Schulamt, Schulen vor Ort zusammengearbeitet werden.

    Was die Vision betrifft: Sinnvoller wär’s, eine andere Verwendung anzustreben, da der parallele Aufbau einer neuen Schule nur zu Konflikten führen wird, welche Lehrer werden übernommen, welche nicht, etc., etc. Die weitergehenden Probleme mit vielen dieser pompösen Projekte lass ich mal aussen vor.

    Eine Erfüllung des Vermächtnisses des Schulstifters (Finanziers), die hundert Jahre zu spät kommt, ist’s ein Sanatorium einzurichten. So war’s angedacht, falls die Schule scheitert. Und das scheint mir auch nach mehr als hundert Jahren, die vernünftigste Idee.

    Das hätte zudem den Vorteil, dass genügend Geld für Abwicklung, Hilfen und Entschädigungen zur Verfügung steht, sowohl für die Betroffenen als auch für Arbeitnehmer und deren Familien. Und angesichts der Flaute im Internatsgeschäft gibt’s für Eltern und Schüler, die partout Internat wollen oder brauchen, genügend Angebote.

    Mit dem Land Hessen als Garant und Treuhänder, solange kein Investor gefunden ist, könnte schon morgen mit dem Schliessen begonnen werden. Letztlich würden sich alle „Verantwortlichen“ damit einen Gefallen tun. Die Schule jetzt ist vergiftet, für lange Zeit, vielleicht für immer. Das ist kein Klima für einen Schulbetrieb. Die kürzlich erschienenen Kommentare im Spiegel und in der Zeit erfassen das richtig.

    Gemäss Schulleiter jedoch muss die! Schule erhalten werden, auf Teufel komm raus wie er verstehen lässt. (Und der zeigt sich bekanntlich in vielerlei Gestalt und nimmt derart ausgesprochene Einladungen dankend an…)

  6. albert schreibt am :

    Hallo Hamlet,

    auch ich war in einem Internat. Ein `Eliteinternat`der katholischen Kirche. Neben einem sadistischen Direktor (der war letztendlich dann Weihbischof) gab es prügelnde Präfekten und `mobbende `Mitschüler.

    Trotz allem, Hamlet, gab es auch sehr schöne Zeiten mit einer wirklich tollen Präfektin, netten Mitschülern und einem vielfältigen Freizeitangebot.

    Für mich und meine Brüder war diese ´gute Zeit` sehr hilfreich; bei einem Elternhaus mit viel Missbrauch.
    Dies hat uns allen sehr geholfen.

    Für viele geplagte Kinderseelen dürften Kindertagesstätten, Ganztagesschulen etc. die einzige Rettung sein.

    Alle abschaffen wegen dieser ´kranken Gestalten `?
    Ich glaube dies wäre falsch!

    Diese Pädokriminellen aus der Odenwaldschule wären dann in einem Sportverein, Jugendheim oder wo auch immer.
    Aus Opfern werden Täter! Können wir diese heilen(Rückfallquote)!?

    Wo beginnen wir ,Hamlet, wo hören wir auf!?
    Beginnen wir doch bei uns! Welche innere Instanz hat uns geholfen, keine Täter zu werden!?

    Fangen wir doch damit an, Bewerbungsunterlagen anders zu definieren!? Zählen nur Noten!?
    Kein einfaches Machwerk!

    Wir haben gerade einen neuen Hund! Wir machen mit ihm die Begleithundeprüfung; bei uns ist diese Rasse ein Listenhund. Ein Lamm im Vergleich zu unserer Labradorhündin aus dem Tierheim. Ich habe Mitarbeiter, die mit wechsejnden Frauen immer wieder neues Kinderleid erzeugen!

    Die Gesellschaft muss sich verändern!

    Ich möchte auf viele Erlebnisse im Internat nicht verzichten, Hamlet! Trotzdem bin ich mit Überzeugung aus der Kirche ausgetreten! Manchmal frage ich mich, ob ich damit allen was Gutes getan habe!?

    Ich höre dann Hans Söllner und trinke ein Bier mit Brotzeit und besuche mit meiner Frau meinen Mitarbeiter ´und ´ bringe seiner Tochter ein Geschenk mit. Ein Buch!!

    Auch kleine Schritte helfen!

    LG

  7. Hamlet schreibt am :

    @Hallo Albert.
    Ich spreche nicht davon alle Schulen oder Internate abzuschaffen. Hier geht es ganz konkret um ein Internat, dass seinen heutigen Schülern zu viel Mitverantwortung aufbürden muss, weil es zur rechten Zeit versagt hat, fortwährend, über so lange Zeiträume, dass die Institution selbst immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, werden muss. Und meine Frage ist einfach, kann, soll und muss ein Internat unter solchen Bedingungen weitergeführt werden. Meine Antwort ist nein. Viele andere kommen zur gleichen Antwort.

    Die Eltern dort sehen das anders, auch Schulamt, Landrat und die Schule selbst, die meinen das Beste für die Schüler heute zu tun und hoffentlich erweist sich das als richtig und nicht grob fahrlässig.

    Und ich trinke dann jetzt auch ein Bier im Namen der kleinen Schritte 🙂

  8. Karl Görtz schreibt am :

    Wenn Ihrer Meinung nach alle Opfer zu Tätern mit Ausrufezeichen werden, haben Sie sich hierher veriirt. Überprüfen Sie diesbezüglich noch mal Ihre feste Überzeugung, wonach Sie kein Täter geworden sind.

  9. Karl Görtz schreibt am :

    Noch mal zu der Aussage, dass Opfer zu Tätern werden:

    Diesen pauschalierten Expertenspruch „Opfer werden zu Tätern“ sollte man generell nicht äußern. Solch einen Vorverurteilungsspruch findet man auch in Aufklärungsbroschüren der Kriminalpolizei über sexualisierte Gewalt aus den 70’er Jahren. Dieser pauschalierte Vorverurteilungsspruch könnte auch in der Vergangenheit zahlreiche Opfer davon abgehalten haben, Strafanzeige gegen ihre Täter zu stellen.

  10. Saskia schreibt am :

    zu Karl Götz……

    für mich zählt stets, DER MENSCH;

    und jeder ist für sein Tun und Handeln verantwortlich,

    ich wurde vorverurteiit…..

    und trotzdem wurde ich nicht zum Täter

  11. albert schreibt am :

    An Hamlet, Karl und Saskia:

    Für mich ist sexualisierte Gewalt, schwerer Missbrauch und schwere Misshandlung von Kindern und unseren inneren Kindern (Erwachsenen) nur `Eines `aus iuristischer Sicht:
    Ein Kaptalverbrechen!
    Hier darf es keine! Verjährung geben, keine Haftstrafen mit Bewährung und unter fünf Jahren!
    Auch das Haftungsrecht/Schadensersatzrecht/Entschädigungsrecht bedarf einer gänzlichen Umarbeitung.
    Über Beträge von 20.000 Euro fange ich nur zum Lachen an!

    Meine ethische Bewertung:
    Wer vom Opfer zum Täter `mutiert` ist, hat bereits menschlich und ethisch verloren. Auch wenn ich hier nicht alle über einen Kamm scheren will.

    Ich kann hier nur die Feststellungen von Netzwerk B zu Tätern, sogenannten Opfern und dem Mythos der Vergebung unterschreiben!!!!!!

    Mich persönlich widern diese Menschen nur an.

    Nur können wir als Gesellschaft, die eine Befähigung für Hundehaltung, für das Führen von Kraftfahrzeugen etc. wichtiger nimmt als den `Umgang mit Kindern ` uns überhaupt noch ernst nehmen!?

    Ich und meine Frau haben uns entschieden, Kindern, denen wir helfen können, wie auch immer, ihr `Geburtsrecht` auf Liebe und Leben, so weit wir es vermögen, zu vermitteln.

    Wenn sich traurige Kinderaugen in fröhliche verwandeln gewinnen alle!!!! davon.

    Die Macht der kleinen Schritte!!!!

    Es gibt weniger Opfer und später auch weniger Täter!

    Liebe erzeugt Liebe! Hass nur Hass!

    Wenn Ihr wollt, ich würde gerne mit Euch allen über das Thema, warum Täter, warum Opfer, was gab uns die Kraft, ein hartes! Leben als Nichttäter und den Freitod (für leider Gottes viele!) vorzuziehen!?

    …..ein Mühlstein um den Hals, wer einem der Kleinsten…!

    Ich hoffe, ich konnte meinen Schriftsatz erläutern!

    LG und viel Kraft weiterhin!

  12. Saskia schreibt am :

    an Hamlett

    ich wollte mein Kind schützen…

    und bin in die Mühlsteine der Justiz geraten

    und alle wussten von Beginn,dass ich unschuldig bin und war,nicht ABER OHNE FEHLER

  13. Hamlet schreibt am :

    @Saskia, @Albert.

    Ich möchte Sie und Ihre Erwartungen nicht enttäuschen, aber mir fällt es schwer hier auf Ihre doch sehr persönlichen Themen einzugehen, zu denen man Dinge ihres privaten Lebens wissen müsste, die hier nicht verhandelbar sind.

    Den Wunsch Ihre Anliegen zu kommunizieren, finde ich prima, diese sind aber eher für ein Forum geeignet, nicht so sehr für die Kommentarseite eines Artikels.

    Vielleicht nimmt netzwerkb dies als Anregung auf und richtet ein Forum für Gespräche ein, falls dies von den Mitgliedern zu leisten ist. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass LeserInnen entsprechende Foren ausserhalb kennen, die einen Austausch über Ihre Themen erlauben.

    LG.
    hamlet

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