Deckte die britische Regierung Kinderschänder?

08.07.2014: Frankfurter Allgemeine

Die Regierung in London schützte Anfang der achtziger Jahre möglicherweise einen Pädophilenring. Mehr als hundert Akten sind verschwunden. Ein Abgeordneter, der Recherchen angestellt hatte, wurde mit dem Tod bedroht.

Sind Kinderschänder, die der Regierung nahe standen, von staatlichen Institutionen geschützt worden? Das ist die Frage, die Großbritannien seit dem vergangenem Wochenende umtreibt. Politiker aller Parteien fordern, dem Vorfall, der mehr als dreißig Jahre zurückliegt, nun auf den Grund zu gehen. Am Montag kündigte Innenministerin Theresa May eine umfassende Untersuchung an. Weiter lesen…

36 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    Während die Eiserne Lady Krieg spielte, „bespielten“ ihre Mitarbeiter Heimkinder!
    Angesehene, reiche, einflussreiche, mächtige, wichtige, „richtige“ Männer, die sich an den sozial Schwächsten „stark“ fühlten. Erbärmlich!
    Und ihr Innenminister ließ das brisante „Kavaliersdelikt“-Dossier über diese feige Kinderschänderbande verschwinden. Wie zu ALLEN Zeiten glaubte man, das jeweilige System müsse geschützt werden …

    Es gibt viel zu tun – nicht nur für Großbritannien. Eine Aufgabe für ganz Europa, für die Welt. Die Regierungen haben ihre Hausaufgaben zu machen – so schnell wie möglich.

    ‚Rechte Hand auf’s linke Herz‘ :-), Herr Maas:
    Die Sümpfe in Deutschland müssen SIE jetzt trockenlegen. Jetzt, oder nie.

  2. Prospero schreibt am :

    Sehr interessant dabei ist, dass der anglikanische Bischof von Durham Paul Butler eine vollständige öffentliche Untersuchung über institutionellen sexuellen Missbrauch fordert.

    „But he said that in order to get to the truth, people may need to give evidence under oath.“

    Die positiven Erfahrungen aus der australischen Royal Commission Untersuchung werden nun ausgeweitet.

    Könnten Sie sich deutsche Bischöfe vorstellen, die unter Eid beweiskräftige Aussagen zu institutioneller sexualisierter Gewalt in der Öffentlichkeit machen müssten, rein hypothetisch?

  3. hildegard schreibt am :

    @Prospero … ja, ich könnte mir deutsche Bischöfe vorstellen, die unter Eid beweiskräftige Aussagen zu institutioneller sexualisierter Gewalt in der Öffentlichkeit machen müssten, rein hypothetisch? – allerdings unter der Voraussetzung, dass Franz. selbst seinen Worten Werke folgen lässt: Er müsste die vatikanische Gerichtsbarkeit an zuständige Staatsanwaltschaften abgeben, die Archive öffnen und den geweihten Händ-lern im Tempel ihre Tische umschmeißen.
    Wie wüst und düster auch bisher klerikale Dominoeffekte um die Welt liefen – so heilend und erhellend wird auch diese radikale Umkehr sein können!
    Falsche Systeme dürfen nicht länger geschützt werden …

  4. Richard schreibt am :

    Der Hintergrund des hohen öffentlichen Drucks , der jetzt aufgebaut wird, ist natürlich dass es in Großbritannien keine Verjährung von Straftaten gibt. Mit anderen Worten, ein Ergebnis dieser Untersuchungen von Vorgängen in den 1970er und 1980er Jahren kann sehr wohl sein, dass Täter vor Gericht gebracht werden. Man kann sicher sein, dass es einige Leute gibt, die jetzt genau davor zittern. In Deutschland wäre das wohl nicht möglich. Dieser zentrale Unterschied wird in den deutschen Medien zu wenig hervorgehoben.

  5. Eva Phoenix schreibt am :

    „…dass es in Grossbritannien keine Verjaehrung von Straftaten gibt.Mit anderen Worten, ein Ergebnis dieser Untersuchungen von Vorgaengen in den 1970er und 1980er Jahren kann sehr wohl sein, dass Taeter vor Gericht gebracht werden. Man kann sicher sein, dass es einige Leute gibt, die genau davor zittern. In Deutschland waere das wohl nicht moeglich..“

    Nein, in Deutschland ist das nicht moeglich, Deutschland ist ein Rechtsstaat.

    Im Rechtsstaat Deutschland ist alles sehr zaeh. Dort werden paedophile Straftaten nicht verfolgt, wenn nur genuegend Zeit vergangen ist, in Deutschland erhalten Paedophile, die sich mit ihren Uebergriffen gebruestet haben, Ehrungen und Preise. In Deutschland steht „Rechtsstaat “ auf der Fahne. (Wie’s darunter aussieht geht niemand was an)In Deutschland sind manche gleicher als andere, die Rechte der Straftaeter sind wichtiger als die Rechte der Opfer.

    Die Tatsache, dass in England Straftaten sexualiserter Gewalt gegen Kinder auch nach ueber 40 Jahren gerichtlich verfolgt werden koennen, und dass damit die Opfer Hoffung auf Gerechtigkeit haben koennen, und dass nach all den Jahren immer noch eine Beweisfuehrung moeglich ist, die mit Rechtsstaaatlichkeit vereinbar ist, und dass diejenigen demokratisch gewaehlten Volksvertreter, die ihr Amt dazu missbraucht haben, paedophile Verbrecher und Paedophilenringe zu schuetzen, auch nach mehreren Jahrzehnten noch gerichtlich zur Rechenschaft gezogen werden koennen – das muss ja wohl (nach deutscher „Rechtsstaat“-Logik) heissen, dass England KEIN Rechtsstaaat ist; waehrend Deutschland, wo keine dieser Gegebenheiten geschehen koennen, ein Rechtsstaat ist, gerade weil die Rechte der Straftaeter geschuetzt werden. ( Dass dies auf Kosten der Rechte der Opfer geht scheint nicht relevant zu sein) . Wenn England , das keine Verjaehrungsfrist hat,- und die Schweiz, die USA und Australien – ein Rechtsstaat ist, wieso ist nur in Deutschland Rechtstaatlichkeit und Null- Verjaehrungsfrist nicht vereinbar ?

    Sind vielleicht auch in Deutschland (genau wie in Gross britannien) Schuetzer von Paedophilen ringen in regierungsnahen Positionen, seit vielen Jahrzehnten, (genau wie in Grossbritannien) in strategischen Schluesselpositionen, und hauptsaechlich sie sind es, die „Rechtsstaatlichkeit“ vermarkten, um sich hinter den ethisch aufrechten Kollegen zu verstecken und der Tabu scheuen Bevoelkerung Sand in die Augen zu streuen ? Weil man ja sonst auch sein ganzes Leben lang „… jetzt genau davor zittern muesste“.

    Ich wuerde sagen, in Grossbritannien greift die echte Rechsttaatlichkeit wirklich durch ( auch wenn mit grosser Verspaetung), und in Deutschland nicht. Da wird hauptsaechlich schoen getoent. Es gibt Mauern des Schweigens, hinter denen man etwas verbergen kann oder Uebeltaetern Schutz geben kann , es gibt aber auch Mauern der schoenen Toene, hinter denen man genau so gut etwas verbergen und vertuschen kann oder Kollegen schuetzen kann. Ist nicht die Verjaehrungsfrist die letztendliche Mauer des Schweigens? Und richten nicht alle Systeme, in denen Mitglieder ihre Stellung missbrauchen, um sich an Kindern oder anderen Schwaecheren zu vergehen, solche Mauern auf, um ihre Mitglieder und/oder das System zu schuetzen? (Katholische Kirche, die die Bischoeffe schuetzt; Belgische Regierung, die Doutroux schuetzte; Penn State, die Sandusky schuetzte; Internate, die Lehrer schuetzten; Ministerien in Irland, die Lehrer schuetzten; usw. usw. )

    Abschaffung der Verjaehrungsfrist heisst nicht Abschaffung der Beweispflicht. Es heisst nur Abschaffung der a-priori Unterbindung des Beweisrechts. Die Beweispflicht bleibt bestehen.

    Wenn es in England geht und den USA und der Schweiz und Australien – wieso geht es nicht in Deutschland?
    Nach welcher Logik?

    Eva Phoenix

  6. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    @Eva Phoenix:Sehr guter Kommentar!Wenn man alleine die Namen der netzwerke der oDENWALDSCHULE LIEST(von Weizäcker …..Cohn-Bendit..Augstein-um nur einige wenige zu nennen- und viele mehr-angeblich wussten alle natürlich von nichts)dann hat das sicherlich solche Ausmaße wie in England..d.H. Täter und Täterschützer sitzen seit Jahrzehnten in Regierungen und regierungsnahen Positionen.Über solche Positionen können solche Kreise Einfluß auf Gesetzgebungen und Staatsanwaltschaften nehmen!Und das führt unter anderem zur Verjährbarkeit und Nichtverfolgung von pädosexueller Gewalt in Deutschland.Mich erinnert der Fall Odenwaldschule immer mehr an Den Fall Dutroux in Belgien wo bis heute wenig bis nichts aufgeklärt wurde.Rund um die Odenwaldschule gab es auch seit dem Versuch der Aufklärung-also seit ca 1999-ungeklärte Todesfälle von Altschülern(angeblich alles Suizide und Unfälle) und Fälle wo von sexueller Gewalt betroffene Altschüler in dubiose Verkehrsunfälle verwickelt wurden und auch schuldig gesprochen wurden um sie im Vorfeld schon mal zum Schweigen zu bringen.Andere wurden via Verleumdungsklagen zum Schweigen gebracht.Soviel zum Rechtsstaat !!!

  7. hildegard schreibt am :

    Die Logik liegt gleich neben den Leichen in den Kellern der Mauerbauer, denen die Friedliche Revolution offenbar zu urchristlich und damit suspekt erschien, denen damals die Öffnung der Fenster im Vatikanischen Konzil bereits zu weit ging, denen starke Opfer Angst machen, denen äußerer Machterhalt viel, denen innere Freiheit wenig gilt.
    Sie wollen wenigstens hinter ihren unsichbaren Mauern verbergen, was kein Tageslicht verträgt: Täter bauen am Recht auf Mauern. Mauern werden undurchdringlicher. Opfer mutieren mit großer Mühe zum Mauerspecht …

    Dass Wahrheit frei macht, davon haben heute Mächtige nie gehört, auch wenn sie selbst mittendrin das Wunder des Aufbruchs äußerer Mauern erlebten. Merkel und Gauck sagen auffällig wenig zu unserem Recht als Kinder aufgrund der Verfassung. Um so emsiger kümmern sie sich ums Wirtschaftswachstum. Gauck glaubt sogar, militärische Einmischungen seien eine Option …
    Haben wir nun Kalten Krieg und Zensur überwunden oder nicht?
    Was haben Merkel und Gauck nur vor, wenn sie 2014 nicht im Sinne der Menschenrechte allererst einmal für FORTSETZUNG der ’89er Revolution vor Ort sorgen?

    Beide würden vor aller Welt dem damaligen Wunder sehr glaubhaft entsprechen können, wenn sie diese friedliche Linie weiter verfolgen und von Wirtschaft und Banken ebenso die Neuausrichtung fordern würden.
    Es gibt sie, die Alternative zur Gier. Es gibt ethisches Handeln. Auch heute.
    Gute Chancen dazu bieten sich schon am Abend – zur WM fliegen sie hoffentlich nicht nur um Siege zu feiern …

  8. Eva schreibt am :

    Eva Phoenix

    „Wenn es in England geht und den USA und der Schweiz und Australien – wieso geht es nicht in Deutschland? Nach welcher Logik?“

    Eva Phoenix.
    Gesetze kommem nur zustande wenn Mehrheiten da sind.
    Die fehlen in der BRD.

  9. Prospero schreibt am :

    @ Eva Phoenix

    Und es fehlt seit Jahren der Zusammenhang, die gemeinsame Organisation der Opfer / Überlebenden und nicht x Gruppen und Vereine, jeweils auch noch nach Geburtsland, Familienherkunft, Behinderungsproble-matik,Religion usw. aufgespalten und gelegentlich sich auch noch spinnefeind.

    Und es wird in Berlin Betroffenenpolitik betrieben, ohne dass wir Überlebenden davon großartig etwas erfahren 🙁

  10. Gertrud Tammena schreibt am :

    … und wie sollte das gehen, wenn doch Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus,Herkünften, Weltanschauungen, ideologischen Prägungen zu den Betroffenen zählen ? Missbrauch als Solcher führt ja gerade zur Vereinzelung, Absonderungen, Dissoziierungen im einzelnen Menschen von sich selbst: Seele wird abgespalten von Körper und Geist und kann kaum wieder intakt reintegriert werden – wie denn dann in funktionierende soziale Gebilde und zuletzt noch in ein einheitlich harmonisches Betroffenengefüge? Es ist ein frommer Wunsch und wäre ja eine große kraftvolle Bewegung, aber ist per se durch die Destruktivität der Missbrauchsverstörung, wie wir lernen, schier unmöglich.Wer Sybille Berg aushält „Danke für dieses Leben“ kann nachvollziehen, wie es (eben nicht mehr) funktioniert.So muß man sich eben individuell oder grüppchenweise weiterhin doch engagieren.

  11. eliana schreibt am :

    Dank an Eva Phoenix für diese brillante Analyse – fast schon eine Satire auf den sogen. deutschen Rechtsstaat. Es irritiert und beunruhigt, dass sich in Deutschland keine politische Mehrheit für die Abschaffung der täterschützenden Verjährungsfrist auf dem Gesetzesweg finden lässt. Womöglich hängt das zusammen mit einer fehlgeschlagenen bzw. zu lange verdrängten, breit geführten kritischen gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit allen Facetten des NS-Unrechtsstaates. Aus Bequemlichkeit versteht man unter „Rechtsstaat“ Täterschutz. Die Opfer werden als Kollateralschaden dieses Rechtsstaatsprinzips behandelt.

  12. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Der Historiker Götz Aly vertritt die Ansicht das die 68 im Ductus ihren Eltern letztendlich sehr ähnlich sind.Wer waren Ihre Eltern?Nichts anderes als die Generation der Nazis!!!Die Odenwaldschule war voll 68er.Wer sitzt heute in den Parlamenten und hat die Macht?Die 68er.Wir stecken auch heute was die Justiz angeht noch mehr im braunen Geist als wir ahnen,

  13. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Es gibt eine Kontinuität im Umgang mit sexueller Gewalt in diesem Land seit den Nazis…..ich erinnere hier ua an das KZ Ravensbrück!!!

  14. Eva Phoenix schreibt am :

    „es gibt eine Kontinuitaet im Umgang mit sexualiserter Gewalt in diesem Land seit den Nazis..“

    Darunter liegt, dass es eine Kontinuitaet im Umgang mit GEWALT in diesem Land seit den Nazis gibt, und wahrscheinlich schon davor. Gewalt ist ein Thema
    , das die Ueberlebenden des zweiten Weltkriegs und der Nazizeit in der grossen Anamnese – des Traumas und der Schuld-, die sich wie eine grosse GLocke mit dem Zusammenbruch ueber das Land gestuelpt hat, unter den Tisch gekehrt haben, hinter den Mauern des tiefsten Schweigens und des Denial weggeschlossen ,wie hinter Schwarzbart’s Tuere.

    Die Gewalt, die die Nazis und die Deutschen Anderen angetan haben UND die Gewalt, die den Deutschen von Anderen angetan wurde.(Unser Feind
    ist nicht der Andere, unser Feind ist die Gewalt).

    Als die gefolterten Gerippe aus den KZ wankten und Gerechtigkeit verlangten, haben die Deutschen Gerichte sie erst einmal abgewiesen, mit der Begruendung, dass die Symptome des PTBS (damals hatte es noch keinen Namen, aber das war es) in Wahrheit Charakterschwaeche der Opfer seien – und somit kein Regressanspruch bestuenden. Und die Gewalterfahrungen und Leiden am eigenen Leibe -die Millionen Frauen,die vergewaltigt wurden, der Hunger, die Bombenangriffe, Flucht, Vertreibung, Tod, Verstuemmelung,Verzweiflung, all das Verlieren, Zerstorte, Schrecken, usw. usw, – all das wurde als radioaktives Buendel von unverarbeitbarer indiviueller, familiaerer und kollektiver Traumatisierung, Scham , Verzweiflung,und Schuld, im tiefsten Brunnen versenkt – man musste ueberleben. Daraus wuchs die „stumme Generation“. Nur hat es im Brunnen das Wasser verseucht. Deshalb kann Gewalt nicht benannt werden, oder nur wenn man dafuer die Schuld traegt. Und wenn Gewalt nicht benannt werden darf, dann wird im Namen der Rechtsstaatlichkeit denen, die den Schwaechsten sexualisierte Gewalt antun, die Verjaehrungsfrist als Zuflucht angeboten, hinter der sie sich verstecken koennen. Wenn Gewalt nicht benannt werden darf, weil sie zu heiss ist, dann gibt es ethische Verwirrung – im Jahr 1968 an kleinen Kindern rumfummeln, ist das jetzt grosse Freiheit und Ende der spiessbuergerlichen Knebelung der Sexualitaet, und damit mehr Demokratie oder ist das Gewalt an denen, die sich nicht wehren koennen, und damit ein Angriff auf Demokratie,? Ich glaube, diese Dynamik ist mit ein grosser Grund, warum Rechtstaatlichkeit und Abschaffung der Verjaehrungsfrist plus Meldepflicht in anderen Laendern miteinander vereinbar sind, in der Deutschen Politik jedoch nicht. Und andere Laender grosse Fortschritte machen waherend in Deutschland alles sehr zaehe ist, mit Tischen und Kommissionen, wo die Taeterorginasationen (mit) das Sagen haben.

    Die Zaehigkeit in Deutschland ist ein Erbe der Nazizeit, UND der individuellen und kollekitven Mega-Traumatisierung durch den Krieg. Trauma selbst ist radioaktiv, man naehert sich ihm nur unter LEbensgefahr. Die Generation der Kriegsueberlebenden hatten keinerlei Werkzeuge, damit umzugehen, ja Trauma hatte noch nicht einmal einen Namen, war noch kein Konzept. Dazu kommt, dass Trauma von Generation zu Generation weitergegeben wird, und Deutschland hat 2 Generationen ,die zwei Weltkriege durgemacht haben, gefolgt von einer Dritten, die einen noch schlimmeren Weltkrieg durchgemacht hat. Die Megatraumatisierung hat die Nazierfahrung durchtraenkt, , jedes einzlene dieser Themen ist hoch toxisch, aber zusammen sind sie potenziert, vermutlich triggern sie sich auch gegenseitig.

    Die weitere Aufarbeitung der Nazi zeit ist ein notwendige Bedingung, aber nicht ausreichend. Die Aufarbeitung – kollektive und historische Traumatherapie sozusagen –
    der eigenen Traumatisierung ist die andere notwendige, (jedoch fuer sich allein auch nicht ausreichende ) Bedingung. DIe beiden sind synergistisch durchtraenkt und muessen beide aufgearbeitet werden.

    Der Umgang mit Gewalt, der das Erbe der Nazizeit und der Mega-trauamtisierung durch den Krieg ist – naemlich vor Gewalt die Augen zuzumachen und davon zu laufen, ( was ich nicht weiss macht mich nicht heiss ) ist verinnerlicht worden und damit unbewusst, und vielleicht, unter der Gausschen Glocke, fast schon ein Kulturzug. Wir survivors, die keinen Anspruch auf Gerechtigkeit haben, in diesem Rechtsstaat, weil es uns zu lange die Sprache verschlagen hat, zahlen mit dafuer.

    @ Gertrud Tammena „Missbrauch als solcher fuehrt ja zur Vereinzelung, Absonderung ..“

    Wir haben aber, glaub ich, alle eine gemeinsame Sprache, wir alle sind durch das Tal des Todes gewandert, oder doch durch seine Schatten. Wir alle wollen Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Wir alle fuehlen, dass wenn ein Verbrechen an einem Wehrlosen diesem fuer viele Jahre die Sprache verschlaegt, und er/sie durch diesen Sprachverlust seinen/ihren Anspruch auf Gerechtigkeit verliert, dass dann die Verjaehrungsfrist eine grosse Ungerechtigkeit ist, schone (fast ) eine MEnschenrechtsverletzung.

    „Mein“ Straftaeter hat mir damals dieses weggenommen und jenes, unwiederbringlich. Ich lasse mir von ihm nicht auch noch Anderes wegnehmen. Ich kaempfe jede Minute fuer das, was mir gehoert: meine Hoffnung, mein Anrecht auf Gerechtigkeit, mein Faehigkeit, HEUTE meinem Trauma gute Erfahrungen beizustellen, meine Resilienz, meine Liebesfaehigkeit, mein Bemuehen, das Trauma zu managen, meine Funktionsfaehigkeit, meine Anstrengung, Beziehungen zu knuepfen und aufrechtzuerhalten, meine Suche nach mir selbst und nach Heimat. Resilienz kann man ueben ,wie einen Muskel. So, Kopf hoch, Gertrud Tammena, sollte ich da etwas Verzagen gehoert haben. Wut ist eine Kraft, die man konstruktiv gebrauchen kann, sie kann als Benzin im Wagen dienen. Sich mit anderen zusammentun und gemeinsam daran arbeiten, systemische Veraenderungen zum Besseren zu schaffen, zum Wohl anderer Menschen, (und wenn es sein muss, sich darum alleine zu bemuehen) – die Forschung weiss heute, dass dies zur Heilung von Trauma beitraegt, und ein Ausdruck von und ein Beitrag zur Resilienz ist. Es gibt denen, denen der Sinn des Lebens zerschlagen wurde, damals als sie klein und wehrlos waren, neuen Sinn.Ich glaube, es ist eine Form der Integrierung des Traumas, in die persoenliche Geschichte und in die Persoenlichkeit.. Du hast Recht, man hat die Tendenz, sich „unter einen Busch zu verkriechen“, aber das muss man in sich selber bekaempfen. („Das lasse ich mir nicht wegnehmen“)

    „Es ist ein frommer Wunsch und waere ja eine grosse kraftvolle Bewegung aber ist per se durch die Destruktivitaet der Missbrauchsverstoerung, wie wir lernen, fast eine Unmoeglichkeit.“

    Das stimmt, – aber nur FAST. ‚Ich lasse mir das nicht wegnehmen‘, freiwillig gebe ich keinen Millimeter her. Es ist unsere Entscheidung, den Fokus auf den Raum zu richten, den uns das „fast“ gibt und diesen Raum auszudehnen. Und ich wuensche Dir, dass Du Dir das auch nicht wegnehmen laesst. Die Tat war damals und das Heute is meine Zeit (und Deine, und aller,die wir hier kommentieren) Und wenn wir nur kleine Schritte machen, dann machen wir nur kleine Schritte, dann machen wir halt viele Schritte.(Nein, ich versuche nicht, das Damals zu ignorieren und zu delegitimisieren, ich versuche nur, es in seinen Platz zu verweisen und mir ein Heute zu erkaempfen ). netzwerkB, wir alle, Norbert Denef – wir sind da, wir sind zwar noch nicht am Ziel, aber ich finde netzwerkB hat sehr vieles Zustande gebracht, wir haben eine gewisses Momentum geschaffen. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist ein Thema geworden, und man kann sich nicht mehr ungestraft damit bruesten oder in seiner Naehe sehen lassen. Ich glaube auch, dass der Wind international dabei ist, sich zu drehen, und dass er uns in die Segel fallen wird.

    Eva Phoenix

  15. Gertrud Tammena schreibt am :

    … und davor. Auch in den 1920iger Jahren gab es schon rassistische „pädagogische“ Bewegungen/Vereinigungen für Freikörperkultur . –
    Das Brechen der Persönlichkeit hat in den Kinderlandverschickungen und NS -Jugendorganisationen,(vermutlich auch NaPoLa) stattgefunden, funktioniert, systematisch und aus persönlicher Begierde und wurde nachkriegs weiter verübt, auch im kleinen familiären Kosmos. Ich vermute hier eine noch tabuisierte Aufarbeitungserfordernis.
    Die Forschung zu Folgen und Weitergabe von Gewaltmechanismen muß sehr viel deutlicher und dringlicher erfolgen zur Abhilfe unserer, gesellschaftlicher, weltweiter aktueller Übel.Ein Muß auch der Friedens-und Konfliktforschung.Der Missstand der Gewalt durch Seelenbrechung ist viel weitreichender als angenommen wird.

  16. Gertrud Tammena schreibt am :

    Götz Aly beschreibt auch, wie Wegschieben, Vernachlässigung und fehlender familärer Beistand der Euthanasie den Weg geebnet haben: durch Ignorieren macht man es den Tätern leicht, man unterstützt ihr Vorhaben.

  17. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Mein Vater gehörte auch dieser Napola Gereration an und hat auch als Mitglied in der Elternvertretung gewusst was an der Odenwaldschule passierte-auch mir.Er unternahm nichts und sagte mir nur vor kurzem am Telefon-es besteht praktisch kein kontakt mehr-ich habe den Übergriff also die Vergewaltigung selber gewollt,also bin ich selbst Schuld daran.Nebenbei habe ich noch erfahren,das ich enterbt bin.

  18. Prospero schreibt am :

    Danke für die sehr guten Beiträge zu diesem Gewalthintergrundsthema.
    Ich selber bin noch nach den Prinzipien von
    Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind. Lehmanns, München 1942. aufgezogen worden und weiß, wovon Sie beide sprechen, auch beim Missbrauch….

    Das Dachau-Institut
    http://www.dachau-institut.de/psychologie
    /seelische_auswirkungen.html
    bringt sehr gute Beiträge zu der Thematik.

    Zahlungsmoralanstalt
    „….Ist deutsches Leiden billig? Sind 5000 Euro im Vergleich angemessen? „Da handelt es sich um unterschiedliche Kulturen“, sagt Thomas Busch (Pressesprecher der Jesuiten Anm. Prospero). Die Entschädigung hat sich nach der für Holocaust-Überlebende gerichtet. Es schien undenkbar, dass es für sexuelle Gewalt einen höheren Betrag geben sollte…“
    http://www.christundwelt.de/themen/detail/artikel/die-zahlungsmoralanstalt/

    ohne weiteren Kommentar

  19. Prospero schreibt am :

    Ex-Odenwaldschüler schreibt am 15.07.2014:

    Es gibt eine Kontinuität im Umgang mit sexueller Gewalt in diesem Land seit den Nazis…..ich erinnere hier ua an das KZ Ravensbrück!!!

    Darf ich das mit KZ Uckermark präzisieren?
    http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Uckermark

  20. Gertrud Tammena schreibt am :

    @ex-odenwaldschüler

    Es ist schlimm, daß Vater oder Mutter ihre Mitschuld auf das eigene betroffene Kind abwälzen. Es mag helfen das System zu kapieren, wie solches Elternverhalten entstanden ist.Es ist wichtig, sich selber von diesem Doppelt-im Stich-gelassen- werden zu distanzieren. Ich hoffe, es gibt für Sie bessere Bezugspersonen und Verständnis.

  21. Gertrud Tammena schreibt am :

    @prospero – Das ist ein wichtiger Hinweis auf die Ausführungen von Dr. Jürgen Müller-Hohagen (Fortsetzung von NS-Täterpraktiken nach dem Krieg im Kleinen)

  22. Gertrud Tammena schreibt am :

    @ Eva Phoenix
    Sie sprechen in Ihrem vielschichtigen Beitrag wichtige bedenkenswerte Aspekte an und strahlen dabei viel positive Kraft und Optimismus aus.Das ist gut !
    Jede/r hat andere Erfahrungen machen müssen und Strategien versucht,beendet oder weiterentwickelt,was ich hier nicht ausführen will.
    Ich für mich halte den Gelassenheitsspruch der AA für sehr hilfreich.Oder auch den Text des Prediger Salomo 3,1-8
    „Alles hat seine Zeit“ – auch die meine.

  23. eliana schreibt am :

    Ich danke allen, besonders auch Eva Phoenix, für diese hoch interessanten Kommentare. Hier werden weitere und neue Gewaltfacetten und ihre (Nach)wirkungen im Zusammenhang mit dem Nazifaschismus und des 2. Weltkrieges beleuchtet. Ich werde eure Hinweise nachverfolgen und mich hier in wenigen Wochen wieder zu Wort melden.
    In meiner deutsch-französischen Großfamilie gibt es alles: NS-Täter, Mitläufer, eine herausragende deutsch-französische Widerstandsgeschichte gegen den Nationalsozialismus sowie eine Missbrauchs-Opfergeschichte.
    Was die 68er betrifft, so folge ich nur in Teilaspekten der Analyse von Götz Aly.
    Ich war selber aktiv in der Studentenbewegung und der Bewegung gegen den Vietnamkrieg. Es war ein harter politischer Kampf unserer Generation (Jg. 1945) gegen die verrotteten Nach-Nazi-Strukturen in der BRD notwendig gewesen, NS-Schwerverbrecher, Menschenschinder und Blutrichter haben munter ihre Freiheit genossen im neuen „Rechtsstaat“.
    Dieses historische politische Verdienst der 68er ist m.E. unbestreitbar.
    Leider wird es konterkariert von der unseligen Übertreibung – bei gewissen Fraktionen der 68er-Bewegung! – in Fragen der sexuellen Liberalisierung. Das führte dann geradewegs in die Befürwortung bzw. Verharmlosung sexualisierter Gewalt gegen wehrlose Kinder. „Gewalt“ wurde grundsätzlich und mit schwerwiegenden Folgen falsch definiert. Das war bequem für die Täter und hat den Zugriff auf die Opfer quasi legalisiert. Was besonders den „Grünen“ hoffentlich noch schwer auf die Füße fallen wird, die ihre diesbezügliche Verantwortung weitgehend abschieben wollen auf die Göttinger Forschungsgruppe, wie mir scheint.

  24. eliana schreibt am :

    @Ex-Odenwaldschüler:
    Was Sie über Ihren Vater schreiben, ist ungeheuerlich und schrecklich für Sie als Opfer. Ich wünsche Ihnen viel Kraft!
    Ich würde gern wissen, ob Ihr Vater sich von seiner Nazi-Karriere losgesagt hatte oder ob eine simple Kontinuität in Denken und Handeln vorlag.

  25. Gertrud Tammena schreibt am :

    Als wichtiger Hinweis nachzutragen ist der Hinweis auf Wilhelm Reich, der in „Die Massenpsychologei des Faschismus“ von 1933 die „Mystische Freiheitsideologie“ beschreibt als Möglichkeit, Aufforderung , Erlaubnis auch an „den Kleinen Mann“,seine sadistischen zuvor unterdrückte Impulse auszuleben gegen Schwächere. Bei den Massenerschiessungen sticht schrecklich ins Auge, daß die Opfer sich vielfach völlig entkleidet vor die Grube stellen mußten,oder in die Gaskammern gehen, auch dies Ausdrucke eines gängigen sexuellen Sadismus, an dem sich die Zugehörigen der Kompanien beteiligten.Vordergründig herrschte Prüderie im „Reinen Volke“ ,hintergründig wurden der Triebhaftigkeit der übelsten Art freier Lauf gelassen und damit Vasallenschaft erzeugt.Auch, wenn späte Forschungsarbeiten von Reich umstritten sind, ist es wert, sich mit seinen Erkenntnissen zu beschäftigen.

  26. Gertrud Tammena schreibt am :

    Nachtrag: Reich war nicht nur für die Nationalsozialisten gefährlich sondern auch für andere totalitäre Systeme. Wahrscheinlich wurde er im Exil wahnsinnig und entwickelte absurde Theorien. Das,was ihm als sexuelle Befreing „vorgeworfen“ wurde, muß auf dem Hintergrund der früheren Prüderie und Johanna Harer-Erziehung verstanden werden. Wichtig ist für uns seine Theorie des „Charakterpanzers“, eine Erstarrung aufgrund ungelöster Grundkonflikte die sich als Dauerblockede in Verhalten, Haltung und Ausdruck niederschlägt (vgl. den Begriff „Seelenmord“). Auch setzt er sich mit Abwehr und Widerständen in der Therapie auseinander.Reich selber war ein schwerst misshandeltes Kind.

  27. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    @eliana:Mein Vater hatte wie viele der Odenwaldväter eine Führungsposition in Deutschland inne.Heute ist er schon über 80 und pensioniert.Er war kein aktiver Nazi-Täter,dafür war er noch zu jung.Aber die Zeit und die Erziehung im Nationalsozoalismus haben ihn wie viele seine Generation erheblich geprägt.

  28. eliana schreibt am :

    @Gertrud Tammena:
    Wilhelm Reich und seine „Massenpsychologie des Faschismus“ war seinerzeit (1966/68) Standardlektüre im SDS (Soz. Studentenbund, aus dem die dt. Studentenbewegung der 68er hervorging). Die sexuelle Liberalisierung hat dann trotzdem die Kinder aus den Augen verloren – oder die Augen zugekniffen – wie konnte das geschehen? Irgendwo klafft da also eine Lücke im damaligen Verständnis des Nazi-Faschismus, sind da blinde Flecken…

  29. Gertrud Tammena schreibt am :

    … un-/ bewusste blinde Flecken … auch darüber diskutieren wir hier… wie sich Gewalt auch über Erkenntnisse hinweg dennoch fortsetzt, fortgesetzt wird … wie Erkenntnisse aus dem Kontext gelöst vereinnahmt werden oder nicht weiter fortentwickelt werden /sollen –
    Reichs Analyse entlarvt auch Methoden heutiger Terrorsysteme: des sadistische Neigungen Ausagierens.- Das wurde in Nachkriegsdeutschland nicht konsequent aufgedeckt

  30. hildegard schreibt am :

    Terrorismus und seine Ursachen wurden nicht nur im Nachkriegsdeutschland nicht konsequent aufgedeckt – die übrige Welt war kontaminiert, hatte hier das „schwarze Schaf“ gefunden und wollte nach den Weltkriegen weder tief-tauchen, noch die eigenen Scheuklappen abnehmen.

    Aussicht auf Veränderungen hat nur der Mut zu Transparenz, die wir hier von kirchlichen und staatlichen Obrigkeiten ständig einfordern.
    Die Schockstarre wird sich allmählich um so mehr lösen, je ehrlicher der Umgang der Individuen mit ihren persönlichen Abhängigkeiten wird.

  31. Gertrud Tammena schreibt am :

    Im Zusammenhang mit den hier zuvor diskutierten Thesen der Auswirkungen von despotischer politischer Instrumentalisierung sadistischer Neigungen in der Bevölkerung/Volk/Anhängerschaft auch für die Folgegenerationen hier ein Buchhinweis:

    Ernst Federn (2014) Versuche zur Psychologie des NS-Terrors.
    Herausgeber:Roland Kaufhold, Giessen,Psychologie Verlag,
    262 Seiten, 24,9o

    s.a. http://www.publikative.org/2014/08/26/ernst-federn-zum-100-Geburtstag-versuch-einer-psychologie-des-terrors/

  32. Eva Phoenix schreibt am :

    @ re mein Kommentar vom 16-7-2014 („es gibt eine Kontinuitaet…..“)

    Ich merke gerade, dass mir in diesem Text ein kleines Oops, nein zwei, und auch nicht klein, sondern gross, unterlaufen ist: im 2. Absatz muss es „Amnesie“ heissen, nicht „Anamnese“, und „Blaubart“ und nicht „Schwarzbart“:

    „……Gewalt ist ein Thema, das die UEberlebenden des zweiten Weltkriegs und der Nazizeit in der grossen Amnesie – des Traumas und der Schuld – die sich wie eine grosse Glocke mit dem Zusammenbrauch ueber das Land gestuelpt hatte, unter den Tisch gekehrt haben, hinter den Mauern des tiefsten Schweigens und des Denials weggeschlossen, wie hinter Blaubart’s Tuere“.

    Sorry, es ist lange her und ich bin etwas aus der Uebung.

    Wir alle hier ruetteln an Blaubart’s Tuere. Sie ist am aufgehn und die drei Brueder des Maerchens (wie zB netzwerkB, sie sind jedoch auchin USA< AUStralien und der Schweiz taetig) sind dabei , die dazugehoerige Kammer zu reinigen und zu befreien. Das Schreckliche ist, dass diese Kammer so gross ist, international. Wo es Menschen gibt auf diesem Planeten, da gibts Blaubart'sche Tueren, mit den entsprechenden Kammern dahinter. Es ist eine Sisiphusarbeit, sie alle aufzusprengen und den Stall dahinter auszumisten. (Ich wuensche mir den alten Griechen, der sich aufs Ausmisten von diversen Staellen spezialisierte). Der einzige Trost ist, dass unsere Aera die erste Aera ist , die diese Tuere systematisch aufmacht und den Mut hat, das Licht des Tages hineinscheinen zu lassen. Die Blaubaerter werden sich wehren wie sie nur koennen, offen, hintenrum, versteckt ,manipulativ, durch Faeden ziehen, das Beeinflussen von Gesetzen, Drohungen, am effektivsten und bevorzugt jedoch unter der Decke. Und die Apathie, Bequemlichkeit und fehlende Zivilcourage des Umfelds -der Bystander- geschickt ausnutzend.

    Ich hab grad nochmal Grimm's Blaubart Maerchen gegoogelt. Was fuer ein treffendes Bild fuer Seelenmord.

    Eva Phoenix

    PS
    Wenn ich den Juli Post heute schreiben wuerde, dann wuerde ich noch hinzufuegen: "und der Scham", naemlich der Scham des Besiegten:

    "…..des Zweiten Weltkriegs und der Nazizeit in der grossen Amnesie – des Traumas , der Schuld und der Scham -, die sich wie eine grosse Glocke ueber das Land gestuelpt …"

    Das sind wahrlich die drei Gesichter der Gorgonen,(ich weiss es gab nur eine, aber wir haben es hier nun mal mit dreien zu tun) denen man nur unter Lebensgefahr in die Augen sehen kann. Gibt es einen zwingenderen Grund zur Verdraengung als ein dreifaches Gorgonengesicht? Das ist keine literarische Frage, denn wir, die survivors und die Kinder der naechsten Generation(en) bezahlen fuer dieses Erbe. Andere Laender moegen nur ein Gorgonengesicht haben, mit dem sie sich auseindander setzen muessen, wir Deutschen haben jedoch drei.

    Hat die Forschung sich je mit diesem Punkt (der Gorgonen Triade als deutschem Erbe) beschaeftigt?

  33. Eva Phoenix schreibt am :

    @ Gertrud Tammena

    Danke fuer den Ernst Federn Link.

    Was fuer ein Mut, und was fuer Einsicht.

    In den 70 Jahren seit Dr. Federn’s Bemuehung um Verstehen, hat eine Revolution der Neurowissenschaft angefangen. Wie schade, dass der durchdringende und mutige Geist von Dr. Federn in dieser Revolution nicht mehr beitragen kann.

    „Ist doch die menschliche Natur ein dauernder Kampf mit unseren urpsruenglichen Trieben…“ (Federn)

    ,Inzwischen kann die WIssenschaft das „Boese“ differenzierter verstehen und dies muesste revidiert werden – In jeder POulation werden, egal wo and wann, ca 4 % als Soziopathen geboren.

    (Fuer mich sind die folgenden Buecher Aha!-Buecher und richtungsweisend:

    Martha Stout: “ Der Soziopath Nebenan“

    Barbara Oakley: „Evil Genes. Why Rome Fell, Hitler Rose and Enron Failed…“

    Barbara Natterson-Horowitz :“Zoobiquity“
    (Ich konnte nicht herausfinden, ob diese beidenBeucher bereits ins Deutsche uebersetzt worden sind))

    „Eben weil der Mensch eine besonders boesartige Spezies ist…“ (Federn) – , das ist vielleicht eine zu verallgmeinernde Aussage. Veilleicht ist es nicht die Spezies Mensch, die in ihrer innersten Natur besonders boesartig ist, sondern alle Individuen sind irgenwo in einem Spektrum von Soziopathie einzuordnen, nach dem Prinzip einer Normalverteilung. Verpersonifiziertes „Boese“ (die Hitlers dieser Welt,und ihre Henker) jedoch ist den 4 % zuzuschreiben, dem linken Auslaeufer der Gaus’schen Glocke. Diese 4 % koennen echt keine Empathie empfinden, (ihr Gehirn ist dafuer nicht ausgelegt; sie muessen sich statt dessen dauerenden Kitzel verschaffen und ewige Spiele spielen, die fuer Andere zerstoererisch sind). wahrend die 96 % dies sehr wohl koennen (Und aufgrund dieser Faehigkeit hat die Menschheit ueberaupt erst von der Evolution her ueberlebt).

    Diese muessen wir studieren, damit wir sie verstehen koennen, damit wir sie einzaeunen koennen und uns vor ihnen schuetzen koennen.

    Was mir die groesste SOrge macht, ist die absolute Zahl der SOziopathen . Als die Menschheit noch auf Baerenfellen lag und in Urwaeldern Mastodons jagte, bestand sie aus kleinen Grueppchen, von denen 4% ein Einzelindividum ausmachte, wenn ueberhaupt. Wenn die Population jedoch aus 100,000 Menschen besteht , dann machen 4% 400 Menschen aus.
    1 Soziopath ist gefaehrlich, 4 Soziopathen sind noch gefeahrlicher, aber sie sind noch keine Gruppe, sondern verkruemeln sich sozusagen in der Gesellschaft (wo sie immer noch genugend Leid ausrichten koennen) . 400 Soziopathen jedoch fangen an eine Gruppe zu sein, die sich als solche organisieren kann. Dann kommt es zu einer synergistischen Gruppendynamik (Das Ganze ist mehr als die Summe seine Einzelteile )

    Hinzu kommt noch, dass durch die Technologie des MEnschen, die Spezies Mensch sich einen Multiplikator Effekt zusammengebastelt hat (ein Stueck Wild mit einem Stein erlegen vs. mit Pfeil und Bogen vs. Gewehr etc),(ein Hitler haette in einer 20 koepfigen Bande, die durch die Urwaelder des Jahres 10,000 v. CH. streifte, keinen grossen Schaden anrichten koennen) durch die das Resultat jeder Tat/Aktion asymptotisch gesteigert werden kann.

    Die Idee einer organisierten Gruppe von Soziopathen, mit Multiplikator Effekt als Werkzeug zur Erreichung ihrer Ziele ist fuer mich knochenerschuetternd beaengstigend. Es ist ein echter Blick hinter Blaubart’s Tuere. Eine grosse Tuere. In meinen Augen ist dies die groesste Bedrohung fuer die Menschheit und den Planeten und das “ Einzaeunen“ die wichtigste und brennendste Aufgabe der Menschheit, wenn wir und dieser Planet ueberleben wollen. (Kinderpronographiebanden im planetspannenden Internet sind nur ein kleiner Anfang)

    Dazu muessen wir erst einmal anfangen, zu verstehen, und dazu muessen wir erst einmal in den Abgrund schauen. Wie Dr. Federn dies so mutig getan hat.

    Ich vermute, dass dies auch eine Form der Bewaeltigung ist, das erfahrene Trauma zu „metabolisieren“ und in den eigenen Lebenslauf zu integrieren.

    Wuenche Euch allen eine schoene Woche.

    Eva Phoenix

    :
    .

  34. Gertrud Tammena schreibt am :

    Guter Beitrag, Eva Phoenix.Erschütternde Nachrichten der letzten Zeit zeigen immer wieder, wie gefährlich diese/r „Blaubart“ ist, und so sehr es um Aufarbeitung der „Altfälle“ geht, muß Opferschutz – auch bei Outings und Anklagen – und Prävention für Kinder,ganz wichtig im Fokus stehen, denn die Mordlust geht weiter.

  35. Gertrud Tammena schreibt am :

    @eva phoenix
    Auch der Namensgeber für das Böse,der Philosoph Marquis de Sade hat ja diese dem – jedem – Menschen immanente Abseitigkeit bereits im 18. Jhdt. erkannt und propagiert, wurde aber nachfolgend missverstanden und z.T.ganz bewußt und lustvoll fehlinterpretiert.Er war ein überzeugter Gegner der Todesstrafe und ein gnadenloser Realist und Mahner, auch gegenüber den Grausamkeiten seiner postrevolutionären Epoche (Jakobiner).

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