Papst Franziskus empfängt erstmals Missbrauchsopfer

08.07.2014: Blick.ch

Rom/Vatikanstadt – Papst Franziskus hat erstmals Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche getroffen und sie um Vergebung «für diese Sünden und schweren Verbrechen» gebeten. Er feierte mit sechs Betroffenen aus Deutschland, Irland und Grossbritannien eine Morgenmesse.

Papst Franziskus verurteilte die «Mittäterschaft» der katholischen Kirche beim sexuellen Missbrauch durch Geistliche. Die Verbrechen seien lange «verheimlicht und vertuscht worden, durch eine Mittäterschaft, die nicht zu erklären ist», sagte der Pontifex am Montag.

«In der Geistlichkeit ist kein Platz für jene, die Missbrauch begehen», sagte er und bekräftigte, Vergehen an Minderjährigen nicht tolerieren zu wollen. Die Universalkirche müsse Minderjährige schützen und auch über die Priester-Ausbildung solche Sünden aus der Kirche verbannen.

Der Papst dankte mehrmals den sechs Missbrauchsopfern, je zwei aus Deutschland, Irland und Grossbritannien, die vom Bostoner Erzbischof Kardinal Sean O’Malley zu dem Treffen eingeladen wurden. «Ihre Anwesenheit hier ist ein Wunder der Hoffnung, das die tiefe Dunkelheit durchbricht», erklärte Franziskus.

Die Messe feierten der Papst und die Betroffenen in der kleinen Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta. Danach kam der Papst mit jedem Missbrauchsopfer zu einem persönlichen Gespräch zusammen, das jeweils etwa eine halbe Stunde dauerte, wie Vatikan-Sprecher Federico Lombardi berichtet.

Die Betroffenen wurden je von einem Angehörigen oder einer Vertrauensperson begleitet, die bei der Übersetzung der Predigt half. Am Ende des Treffens wurde die Gruppe zum Mittagessen mit dem Papst im Gästehaus Santa Marta eingeladen, in dem Franziskus wohnt.

Zur Gruppe gehört auch die Irin Marie Collins, Mitglied einer Kommission zum Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, die der Papst im März eingesetzt hatte.

Die aus Dublin stammende Collins war in den 1960er Jahren von einem katholischen Priester sexuell missbraucht worden und engagiert sich seit längerem für einen besseren Schutz von Kindern in Einrichtungen der katholischen Kirche.

«Die Aktion von Papst Franziskus ist ein weiteres Stück Symbolismus», kritisierte das deutsche Netzwerk Betroffener von sexueller Gewalt. Der Papst schare lieber strenggläubige Missbrauchsopfer um sich und bete mit ihnen, anstatt die Betroffenen angemessen zu entschädigen, so der Vorsitzende des Netzwerkes, Norbert Denef.
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Ein Kommentar

  1. Stephan May schreibt am :

    wenn Papst Franziskus es wirklich ernst meinen würde, müssten alle Geistlichen und Mitarbeiter die Kinder sexuell Belästigen oder missbrauchen egal wo und in welchen Ländern vor Gericht und auch verurteilt werden und dürften nie wieder ein Amt in der kath. Kirche begleiten oder ausüben. Aber auch sofortige Hilfe für die Betroffenen und der Angehörigen ohne bürokratische Hürden.Und nicht die Täter schützen,sondern als erstes Betroffene. Aber davon sind die Kirchen weit weg. Leider!!!!

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