Evaluation des norwegischen Sexkaufverbots

13.08.2014

Norwegen hat 2009 ein Sexkaufverbot nach schwedischem Vorbild eingeführt. Nach 5 Jahren wurde nun eine Evaluation durch ein unabhängiges Forschungsinstitut (VISTA Analyse) vorgelegt.

Die zentralen Feststellungen lauten:

Das Gesetz hat zu einem Rückgang der Nachfrage nach Prostitution und damit auch zu einem Rückgang der Prostitution in Norwegen geführt. Norwegen ist weniger interessant für Menschenhändler und Zuhälter geworden. Dies entspricht genau den Intentionen des Gesetzes und es handelt sich nicht um ungeplante Nebeneffekte. Es gibt keine Anzeichen für eine Zunahme von Gewalt gegen prostituierte Personen nach Einführung des Gesetzes.

Verkleinerung des Prostitutionsmarktes in Norwegen:

  • Es kann eine klare Verkleinerung des Prostitutionsmarktes festgestellt werden
  • Direkt nach dem Gesetz war der Markt auf einem Tiefpunkt, dann hat er sich auf einem niedrigeren Level als 2009 stabilisiert
  • Der größte Rückgang wurde in der Osloer Straßenprostitution sichtbar: Der Rückgang beträgt hier 40-65%
  • Straßenprostitution ist auch in Bergen und Stavanger deutlich zurückgegangen
  • Indoor-Prostitution ist schätzungsweise zwischen 10 und 20 Prozent zurückgegangen

Da die europäische Wirtschaftskrise ab 2008 in Norwegen nicht so durchgeschlagen hat wie in anderen europäischen Ländern und Prostitution häufig mit ökonomischen Zwängen verbunden ist, war nicht mit einer Zunahme von prostituierten norwegischen Personen zu rechnen.  Durch das Gesetz hielt sich jedoch auch die Zunahme der Zahl von prostituierten Personen aus dem Ausland (insbesondere zwangsprostituierter Personen) in Grenzen. Es wird geschätzt, dass ohne das Gesetz der Markt 15% über dem Markt von 2008 und 45% über dem heutigen Markt läge.

Auch in Norwegen kommen die meisten Prostituierten aus armen und sehr armen Ländern. Ökonomische Gründe und Menschenhandel/Zwangsprostitution sind die Haupteinstiegsgründe, weshalb es einen Bedarf an noch mehr Sprachkursen, Praktika und Arbeitsalternativen geben muss. Hier schlägt VISTA eine Verstärkung der bereits vorhandenen, guten, Angebote vor.

Das Gesetz hat bereits nach 2 Jahren einen normativen Effekt auf die Einstellungen der Männer, insbesondere der jungen Männer, gehabt. In Oslo ist die Ablehnung von Sexkauf am höchsten.
Die Preise für Prostitution sind seit dem Gesetz gesunken, was die Expert_innen jedoch auf die Krise zurückführen, da dies für die gesamte EU und nicht nur für Norwegen gilt.

Die Nachfrage nach Sex ist gesunken, prostituierte Personen sprechen von einem verkleinerten „Käufermarkt“.

Norwegen ist weniger attraktiv für Menschenhändler und Zuhälter, da in deren Kosten-Nutzen-Rechnung die Kosten durch das Gesetz gestiegen sind.

Das Gesetz hat die Rechte der prostituierten Personen gestärkt. Sie können Kunden nun anzeigen, die gewalttätig sind. Subjektiv betrachtet ist dies jedoch noch nicht bei allen prostituierten Personen angekommen. Viele fürchten, dass eine Anzeige später auf sie zurückfallen könnte. Dennoch gibt es keinerlei Anzeichen für einen Anstieg der Gewalt gegen die Prostituierten.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden (norwegisch, kurze englische Zusammenfassung)

Quelle: http://abolition2014.blogspot.de/2014/08/evaluation-des-norwegischen.html

netzwerkB-Positionspapier:
Prostitution, kein Beruf wie jeder andere

4 Kommentare

  1. Ist doch mal löblich! Bleibt die Frage: warum schaffen das andere Länder nicht auch? Es ist schon erstaunlich, daß irgendwie immer die skandinavischen Länder bei Bildung, Sozialem oder auch hier bei Themen in der Grauzone die Vorreiter sind.

  2. Stephan May schreibt am :

    Es wäre ein guter Schritt! Besonders in den grossen Städten wäre es schon wichtig. 1km von mir ist der Bahnhof Zoo in Berlin wo immer noch zu sehen ist,was käuflicher Sex mit den jungen Menschen macht. Unsere Länder sind nicht soweit was gegen käuflichen Sex zu tun. Besonders schlimm empfinde ich das noch nicht mal die Bezirke in Berlin was gegen das Problem unternehmen.

  3. hildegard schreibt am :

    EMMA informierte im Newsletter darüber, wer die deutsche Regierung berät:

    „…Recht aufschlussreich in Bezug auf das Klima in der Berliner Politik ist ein am Freitag auf BILD.de erschienener Artikel, der zeigt, dass die PolitikerInnen sich von aktiven Dominas und Lobbyistinnen der Prostitutionsbranche „beraten“ lassen. Da muss dringend gegengehalten werden.
    Es wäre großartig, wenn Sie so weit wie möglich einwirken würden auf die Debatte, damit wir endlich ein Gesetz bekommen, das die 95 bis 98 Prozent Elendsprostituierter schützt und den Handel mit der Ware Frau erschwert. Engagieren Sie sich weiter! Tragen Sie bei zum Druck auf die Parteien, damit Deutschland nicht länger „das Bordell Europas“ und die „Drehscheibe des Menschenhandels“ ist!“
    … und:
    http://www.emma.de/artikel/prostitution-welche-rolle-spielt-die-spd-317545
    Alice Schwarzer fragt in http://www.aliceschwarzer.de/artikel/liebe-befuerworterinnen-der-freiwilligen-prostitution-317539
    „…Glaubt ihr, Prostitution sei identisch mit Sexualität? – Dann solltet ihr mal Prostituierte und Freier nach ihren wahren Motiven und wahren Gefühlen fragen (nicht die, die sie ihren Kunden vorspielen).Frauen, die sich prostituieren, geht es ums Geld, meist haben sie keine andere Wahl. Freiern geht es um Machtausübung: Einmal nicht diskutieren bzw. nach ihrem Begehren fragen, sondern einfach fordern.
    Glaubt ihr, es gäbe Prostituierte, denen das Spaß macht? – Dann solltet ihr mal die wunden Vaginas und zerrissenen Münder der Prostituierten sehen, die zehn, zwanzig Freier am Tag für 20, 30 Euro pro Nummer akzeptieren müssen. Fürs schiere Überleben. …“
    … und ein Staatsanwalt in Palermo, der die Mafia in Italien bekämpft, ist fassungslos und fragt Kriminalhauptkommissar a.D. und Menschenhandels-Experten im Auftrag der EU, Manfred Paulus:
    „Merkt ihr eigentlich nicht, was bei euch passiert? Seid ihr immer noch nicht bereit, andere Gesetze zu schaffen?“ http://www.emma.de/artikel/prostitution-menschenhandel-sind-untrennbar-317541

  4. Armin Kresse schreibt am :

    Wer hat denn den Bericht gelesen?

    Schon beim Überfliegen der englischen Zusammenfassung dürften zumindest einige Unsicherheiten im Jubel entstehen.

    Es wird in der Zusammenfassung deutlich gesagt, dass die Zahlen schwer zu ermitteln sind und es tlw. auch keine zuverlässigen Zahlen gibt.

    Weiter wird ausgeführt, dass man bezüglich der „indoor-Prostitution“ noch schlechtere Zahlen hat. Es ist zu vermuten, dass sich die Prostitution aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und nun noch verborgener statt findet.

    Des weiteren wird ausgesagt, dass männliche und weibliche Prostituierte nun noch härter arbeiten müssen als zuvor, um ihr Einkommen zu sichern.

    Außerdem seien die Preise gefallen. Man weiß um die Bedeutung dieser Tatsache… Je wenger ein Kunde einbringt, umso mehr Kunden müssen bedient werden.

    Die Zahlen sind schön gefärbt um ein stimmiges Bild zu malen. Bevor ich keine zuverlässigen Zahlen gelesen habe, glaube ich eher daran, dass die Prostitution nun eher im verborgenenen statt findet und die Prostituierten jetzt noch härter anschaffen müssen.

    Mir fehlt auch der Bezug zu Straftaten. Da aber Vergewaltigung nicht zuverlässig statistisch erfasst wird, wird man anhand dieser Zahlen auch NICHTS ablesen können.

    Desweiteren ist anzumerken, dass es keine Lösung ist, den Dealer laufen zu lassen und den Abhängigen zu bestrafen.

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