Mit 9 Monaten Bearbeitungszeit eine schwere Geburt

27.08.2014

gegen-missbrauch e.V.:
Pressemitteilung zum Fonds Sexueller Missbrauch der Bundesregierung

Betroffene sexualisierter Gewalt, die Leistungen aus dem Fonds Sexueller Missbrauch (FSM) beantragen, warten zurzeit durchschnittlich ganze 9 Monate auf einen Leistungsbescheid! Zahlreiche Betroffene haben uns auf diesen Missstand aufmerksam gemacht. Sie empfinden eine derzeit lange Bearbeitungszeit als eine schwere Zumutung.

Als Verein, der sich für Betroffene sexualisierter Gewalt einsetzt, betreuen wir zurzeit über 100 Betroffene in ihrem Antragsverfahren zum FSM. Für viele Betroffene ist eine Kostenübernahme durch den FSM oft die einzige Möglichkeit, um z. B. eine notwendige Psychotherapie zu beginnen oder fortzuführen, wenn die Kosten hierfür von der gesetzlichen Krankenkasse nicht oder nicht mehr übernommen werden.
Der FSM wurde im Mai 2013 von der Bundesregierung mit dem Ziel eingerichtet, die bestehenden Lücken in den Regelsystemen (Krankenkassen, Opferentschädigungsgesetz, etc.) kurzfristig zu schließen. Den Betroffenen sexualisierter Gewalt wurden schnelle und unbürokratische Hilfen versprochen. Die Realität sieht heute anders aus.
Da jeder Antrag einer Clearingstelle vorgelegt wird und die Mitglieder der zurzeit insgesamt 6 Clearingstellengremien ehrenamtlich arbeiten, dauert die Bearbeitung der einzelnen Anträge verständlicherweise entsprechend lang. Dieser Umstand darf aber nicht zu Lasten der Betroffenen gehen!
Wir fordern Bundesministerin Manuela Schwesig deshalb eindringlich auf, sich persönlich dafür einzusetzen, dass weitere Clearingstellen eingerichtet werden bzw. Voraussetzungen zu schaffen, damit Anträge zum FSM zukünftig zeitnah bearbeitet werden können.

Quelle: http://www.gegen-missbrauch.de

6 Kommentare

  1. Wilma schreibt am :

    Die Bearbeitung meines Antrags dauerte 11 Monate. Mir wurde ein Urlaub genehmigt, außerdem wurde ich aufgefordert, einen Antrag auf alternative Therapien zu stellen. Die Formulierungen des Bescheids sind sehr unsensibel. Trotz schwerer Erkrankung wurde kein Härtefall anerkannt (?????) Außerdem steht drin, dass kein öffentliches Interesse daran besteht, dass ich am gesellschaftlichen Leben teilnehme. Ich war sehr geschockt. Wer beansprucht hier, das öffentliche Interesse vertreten zu dürfen?

  2. Sabrina schreibt am :

    @Wilma
    Kommt drauf an, was man als „öffentliches Interesse“ bezeichnet. Opfer haben keine Rechte; das ist der verdammte Täterschutz hier in Deutschland.
    JEDER Mensch hat ein Recht darauf, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
    Lass‘ dich von dem Bescheid bitte nicht so herunterziehen!!! Das ist doch Sinn und Zweck des Ganzen; uns hier alle fertigzumachen….

  3. Tom schreibt am :

    In diesem Zusammenhang bin ich gerade auf dieses aktuelle Dokument gestossen:
    http://glasbrechen.de/wp-content/uploads/In_Rueckschau-was_sich_bew%C3%A4hrt_hat.pdf

    Dort steht dann u.a.:“Der EHS-Betroffenenbeirat bildet ein Beratungsgremium für Missbrauchsbetroffene, die in
    den Lenkungsausschüssen der EHS-Fonds mitarbeiten. Gleichzeitig sind alle Beiräte über
    offizielle und informelle Initiativen und Netzwerke verzahnt.
    Alle betroffenen KooperationspartnerInnen verstehen sich als ErfahrungsexpertInnen. Das,
    womit wir uns beschäftigen, haben wir buchstäblich am eigenen Leib erlebt. Unser Blick aufs
    Thema ist der von innen heraus. Im Gegensatz zu dem der Fachleute, die eine Außensicht
    beisteuern…“
    Schau ich mir dann die Unterzeichner an wird mir doch so einiges klar.
    Dann frage ich nämlich wo die größeren Organisationen sind, denn diese könnten ev. was ausrichten.
    Tom

  4. Stephan May schreibt am :

    Meine Schwester hat auch einen Antrag gestellt und wartet auch schon eine ganze weile.
    Für Betroffene ist es belastend wenn sie nicht wissen was passiert.

    Die Anträge sind oft schon schwierig zu beantworten.
    Das Ausfüllen der Anträge müsste leichter sein und die Fragen nach den Taten müssen deutlich reduziert werden.

  5. Fr. R. schreibt am :

    Hallo,

    die Bearbeitungszeit, aber auch das permanente Nachfordern von neuen Argumenten ist eine Zumutung.

    Ich habe höchstens 1000 Euro aus dem Fonds bekommen und mein Anwalt kann fast nichts machen.

    Die Bescheide sind sehr hart und belastend und um nicht weiter retraumatisiert zu sein, verzichte ich auf weitere Anträge beim Fonds.Trotz meiner Notlage

    Für mich hat der Fonds fast nichts gebracht.Genauso fürchterlich wie Hartz IV.

  6. rasch schreibt am :

    Es ist der Hammer..die Familie millionenschwere..

    Keine Chance auf Transparenz..Gebrochene Flügel und Überleben in Slums ist das was bleibt..

    Schande..

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