DIE WENIGEN MUTIGEN LEHRER ZU TÄTERN GEMACHT

27.09.2014: PISAVERSTEHER

von Christian Füller

Mit Christoph Röhls „Die Auserwählten“ kommt das Missbrauchs-Verbrechen der Odenwaldschule in die Wohnzimmer. Der Film versimplifiziert und verfälscht die Taten an dem Elite- und Vorzeigeinternat des besseren Deutschland – und er klagt die Falschen an

Missbrauch abends viertel nach acht im Wohnzimmer. Sexuelle Gewalt nach Vesper und Bierchen, und zwar ausschließlich dieses Thema in einem Spielfilm: Das ist hartes Brot und der bisherige Höhepunkt einer ganz unwahrscheinlichen Karriere des Themas in den Medien. Christoph Röhl hat den Film gedreht. Der Regisseur und ehemalige Hilfslehrer an der berühmten Odenwaldschule in Oberhambach kann für sich beanspruchen, bereits das zweite wichtige filmische Dokument dieses Jahrhundertverbrechens* vorgelegt zu haben. Die Fragen, die man an den Film richten muss, der am Mittwoch um 20:15 Uhr ausgestrahlt wird, sind drei: Erstens, ist es ein guter Film geworden. Zweitens, welche historische Bedeutung hat er und, drittens, am unbequemsten, wieso hat auch dieses Werk erneut keine strafrechtlichen Konsequenzen?

Zur Ästhetik: Natürlich ist „Die Auserwählten“ kein schöner Film, obschon es so viele idyllische und schöne Bilder aus dem Hambachtal gibt, in das die Hexenhäuschen der Schule gesetzt sind. Immerhin geht es um sexualisierte Gewalt, also die aus der Machtdifferenz entstehende Verführung und Vergewaltigung von Jungen und Mädchen (in diesem Fall: meistens Jungen) zwischen zehn und circa 16 Jahren. Röhl zeigt die Taten nicht so konkret, dass des Zuschauers Scham verletzt würde. Man kann streiten, ob das ein zulässiges Stilmittel ist. Jedenfalls wird deutlich genug, was die Jungen zu erleiden hatten, die den Musiklehrer täglich mehrfach melken mussten und die der Schulleiter Gerold Becker (gespielt von Ulrich Tukur), der Sonnengott der Schule, überfiel, missbrauchte und einschüchterte.

Ruppig und holzschnittartig – wie die Odenwaldschule

Insgesamt scheint der Film zu ruppig und zu holzschnitzartig geraten als Erzählung. Der Zuschauer stolpert von einer Missbrauchsszene zur nächsten, ohne dass es auch etwas anderes gäbe. Freilich muss man, wenn man die Verhältnisse kennt, zugestehen, dass die kriminelle Seite der sozialen Wirklichkeit der Odenwaldschule so platt und so himmelschreiend war, wie Röhl sie zeigt. Die Banalität des Bösen bestand bei Adolf Eichmann darin, dass er mit Ärmelschoner und Frühstücksdose den Transport von Millionen Juden in die Gaskammern organisierte. Die Banalität des Bösen an der Odenwaldschule bestand darin, dass der Schulleiter die Schüler mit guten Noten, Joints, Schnaps und hin und wieder einem Paar neuer Turnschuhe bestach – und sie sich dann in der öffentlichen Dusche, im Mehrbettzimmer oder inmitten einer Party in seiner Wohnung griff.

Auch dass die Lehrer davor die Augen verschlossen wirkt im Film zu einfach, beinahe unglaublich, irreal. Aber es war so. Sie waren geblendet von der Ideologie der Reformpädagogik, erfüllt vom libertären Zeitgeist der sexuellen Befreiung vom Adenauerismus und vor allem waren sie schlicht und ergreifend Straftäter, die sich wegen unterlassener Hilfeleistung und verletzter Fürsorgepflicht strafbar machten. Selbstverständlich wurde bis heute keiner von ihnen bestraft oder auch nur zur Rechenschaft gezogen. Es ist gut, dass Röhls Film den Finger erneut in diese Wunde legt. Ganz egal, ob er cineastisch gelungen ist, ob er exemplarisch genug ist – das ist das große Verdienst Röhls, das ihm keiner mehr nehmen kann.

Problematische Historisierung

Dennoch ist der Film sicher problematisch, denn er beginnt zugleich damit, das Thema zu historisieren. Er erzeugt hin und wieder ein mildes Zeitgeist-Lächeln, das retrospektiv ist, also den Eindruck erweckt: Ja, so war das halt. Damals konnte eben man die Lehrer duzen und um eine Zigarette anschnorren, auch wenn man erst 13 war. Oder den VW-Bus des Schulleiters bis oben hin mit Bier und Schnaps beladen. Ja, so war das – nur gibt’s da nichts zu lächeln. Denn die Nachfahren dieser idiotischen Non-Pädagogik treiben ja bis heute ihr Unwesen. Etwa indem sich erwachsene Lehrer mit ihren Schülern auf Facebook duzen, liken und gemein machen und es eine große Gemeinde von Lehrern gibt, die das lustig und harmlos finden.

Der Film hat echte Fehler, was für den Film als Zuschauerfilm okay ist, weil er eine Geschichte nicht historisch vollkommen korrekt erzählen muss und auch nicht kann. Er muss eine Botschaft vermitteln, das gelingt Röhl sicherlich. Dennoch sind hier Fehler begangen worden, die in der Tat problematisch sind – für den Inhalt und, vor allem, für die Ethik. Denn tatsächlich war eben keine Lehrerin und kein Lehrer so mutig wie Frau Grust alias Julia Jentsch, den Missbrauch zu recherchieren und offen in der Konferenz der Schule als solchen zu benennen. Diesen Gefallen darf man den Lehrern der Odenwaldschule nicht tun, dass einer von ihnen den Mumm besessen hätte, gegen den Missbrauch zu rebellieren und den Rektor anzuzeigen. Das sagt ganz viel noch über die aktuelle Lehrerschaft. Noch heute sitzen ein paar Mitwisser, Profiteure und naive Augenverschließer oben an der Odenwaldschule. Jedenfalls einige von ihnen.

Hier zeigt sich die grundsätzlichste und wichtigste Problematik des Films: Dadurch, dass er so nah an die echte Odenwaldschule heranfährt, dass er die Schule selbst als Kulisse wählt, die Opfer genau wie das leitende Personal kaum verhüllt repliziert, ist er gefangen: Er kommt aus diesem Käfig der Realitäten nicht zu größeren Deutungen heraus. Und er läuft dabei stets Gefahr, dass ihm Fehler vorgeworfen werden.

Röhl hat kein Kino gemacht

Was Röhl gemacht hat, ist gar kein Kino, sondern eine Puppenstube des Horrors einzurichten, nicht Cinema, sondern Journalismus, bei dem die Personen erst kopiert und dann umbenannt werden. Röhl fügt dem praktisch nichts eigenes Fiktionales hinzu. Der Stoff ist so stark, dass er daran kleben bleibt. Und wenn Röhl fiktionalisiert, dann tut er so schwach, dass er unglücklicherweise die Sache verfälscht.

Das geht bis hin zu Simon Pistorius aka Gerold Becker, gespielt von Ulrich Tukur. Gerold Becker war ein Chamäleon, ein Verwandlungskünstler, einer der Menschen lesen und sich darauf blitzschnell einstellen konnte. Tukur aber hat fast immer die gleiche kumpelhafte Mimik drauf, der große Menschenfreund. Tukur sagte mir in einem kurzen Gespräch, er spiele diesen dämonischen Schulleiter von der Odenwaldschule. Nun, der Gerold Becker von damals war kein Dämon, sondern ein sehr brutaler Päderast. Und ein bisschen dämonischer und brutaler hätte man ihn vielleicht dann doch spielen mögen. Bei Teddy, Tod und Teufel, das jedes Portrait enthalten soll, kommt Beckers Teufelei jedenfalls zu kurz. Becker abends vor seinem Billigcognac Mariakron, das war kein jovialer Typ, der seinem geistigen Gespielen schlagfertige Antworten gibt, sondern einfach ein besoffener Kerl. Und Becker wendete, wenn er allein mit Schülern war, brutale Gewalt an, viel brutaler als Tukur es spielt, und das gehört vielleicht dazu, auch um 20 Uhr 15 in der ARD: Missbrauch ist nicht onanieren in der Dusche, sich gegenseitig einen runterholen, Missbrauch ist Vergewaltigung, seelische wie reale.

Es gab kein j’accuse!

Warum ist der Fehler so bedeutsam, dass kein Lehrer es gewagt hat, den Missbrauch offen zu thematisieren? Weil Röhl den Tatraum dadurch versimplifiziert. Wenn man den Missbrauch damals offen hätte ansprechen können, ohne dass er beendet worden wäre, dann wäre die Schule selbstverständlich kein Kuschelinternat mehr gewesen, sondern ein Gulag. Es braucht den schönen Schein, und sei er noch so dünn und trügerisch, um ein Verbrechen dieses Ausmaßes über 20 Jahre hinweg möglich zu machen, und dieser Schein ist die Ideologie der Reformpädagogik a la Landerziehungsheim. Hat man sie nicht, braucht man in der Tat dicke Klostermauern und die Zwangsmittel eines physisch repressiven Systems. Die totale Institution Odenwaldschule aber brauchte keine Mauern, sie war ein hoch manipulatives System für Schüler wie für Lehrer. Ihr Zwangsmittel war das zähe sinnenverklebende Gespinst der Nähe zum Kind, der Pädagogik auf Augenhöhe, der Beziehung usw. usf. Schüler, die den Vergewaltiger Pistorius verprügeln, ein Trägervereinsvorsitzender, der den Schulleiter zur Rede stellt, eine Lehrerin, die offen „J´accuse“ sagt, zerrisse das Gespinst.

Röhls Fehler ist übrigens sehr real ein Problem – denn es macht die ganz wenigen mutigen Lehrer von damals, die sich gegen das System Gerold Becker auflehnten, plötzlich zu Mitwissern und zu Verbrechern, zu ganz realen Straftätern, die sich nicht um ihre Schüler kümmerten. Darin steckt eine Anklage, die einfach ungeheuerlich ist. Denn die Wolfgang Edelsteins, Uwe und Herta Laus, die Salman Ansaris, die sich so vehement gegen Becker wehrten, sie wussten nicht, dass es Missbrauch gab. Sie ahnten, dass etwas nicht stimmte. Sie hatten viele Indizien, aber in ihrem Kopf den Schritt zu gehen, dass Becker Kinder vergewaltigte, den gingen sie nicht. Den konnten sie nicht gehen, das war in der Tat außerhalb ihrer Vorstellungswelt. Auch weil sie es damals nicht gesehen hatten.

Lehrer als Miläufer, Mitwisser, Profiteure

Es gab an der Odenwaldschule sehr wohl Lehrer, die es sahen. Aber die waren entweder Mittäter, in den Hochzeiten gab es sechs Pädokriminelle von ihnen, die zugleich ihr Unwesen trieben; oder es waren Mitläufer und Stillhalter, die heimlichen Profit aus ihrem Mitwissen schlugen – indem sie etwa mit Schülerinnen Beziehungen unterhalten konnten; oder diese Lehrer haben heimlich, still und leise den Dienst quittiert, sie haben die Schule zu verlassen – und das System lief weiter. Egal, welcher Kategorie sie angehörten, sie alle haben die Schüler, ihre Schutzbefohlenen, aufs Schändlichste verraten. Aber nicht die Mutigen, die Christoph Röhl nun im nachhinein zu Schuldigen macht.

Warum wird niemand verhört und niemand festgenommen?

Bislang ist keiner aufgeklärt und festgenommen worden. Warum nicht? Warum gelingt es Großbritannien 40 Jahre nach Missbrauchstaten (Mit-)Täter anzuklagen, aber in Deutschland gelingt dies nicht? Wieso schafft das Königreich es, offizielle Missbrauchs-Berichte zu recherchieren und zu schreiben und dabei die Mitwisser zu befragen und zu demaskieren – aber in Deutschland hat bislang keine Behörde auch nur einen Lehrer von damals peinlich befragt?

Das ist eine Frage, die wir endlich beantworten müssen.

Der Fehler, den Christoph Röhl und seine hochgelobten Drehbuchautoren begehen, ist daher nicht als dramaturgischer Kniff zu rechtfertigen. Es ist ein schwerer und unverzeihlicher Fehler. Es wäre wichtig gewesen, nicht die komplette Schule als Missbrauchspfuhl darzustellen. Sonst tut man der noch immer sehr aktiven und sehr blinden reformpädagogischen Gemeinde einen Gefallen, der zu groß ist: Dass sie sich weiter selbst belügen mit dem schönen Schein einer Pädagogik auf Augenhöhe, die in Wahrheit so gefährlich wie eine Rasierklinge ist. Im Netzwerk Blick über den Zaun, an der Laborschule in Bielefeld und so weiter glaubt man – nun auch dank Röhls Film – immer noch, die an der Oso seien zu 100 Prozent Verbrecher gewesen, und deswegen sei ihre dolle Reformpädagogik doch irgendwie aus dem Gulag zu retten.

Und das ist sie sicher nicht.

Quelle: http://pisaversteher.com/2014/09/27/2779/

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8 Kommentare

  1. Hamlet schreibt am :

    Lieber Christian.

    Na da schreib ich dir doch noch mal „halb“ öffentlich. Vieles was du hier an Forderungen zum Ende aufstellst, kann ich direkt unterschreiben, ist aber mehr Folge einer vollkommen verkorksten Aufarbeitung, wenn man überhaupt für den Prozess das Wort Aufarbeitung verwenden will.

    Das nun diesem Film anzulasten, schwierig. Der hätte anders sein können, sein müssen, – oder die nun unterstellten Konsequenzen wären unerheblicher -, wäre die Geschichte in den letzten vier Jahren nicht so zielsicher vergeigt worden. Mit meiner Frau habe ich gerade kurz darüber gesprochen und unser Kommentar war: So ein Filmprojekt hat alle Karten zu scheitern und wenige zu gelingen, in jedweder Konstellation. Angesichts der Klein- und Wankelmütigkeit des verantwortlichen Umfelds, scheint mir das Wagnis eines Films geradezu erfrischend.

    Dem Film nun die Versäumnisse der Institutionen, der Behörden, der Pädagogik, der Wissenschaft, der Gesellschaft anzulasten, geht für mich ein Stück zu weit. Du forderst in deiner Kritik regelrecht, dass der Film auch das zu leisten und zu lösen habe. Hat er das? Hier spricht wohl eher Enttäuschung über die Geschichte der letzten vier Jahre aus dir, du verlangst zu viel.

    Ich will dich nun nicht mit meiner Kritik an Einzelheiten quälen, aber da hier hart geschossen wird: mir tut’s weh, hier Wolfgang Edelstein wieder als Aufrechten auferstehen zu sehen. Gerade der wäre mit den Kenntnissen, die er hatte, – hoffentlich gestehst du mir zumindest das zu -, berufen gewesen, einzuschreiten, hätte den Betroffenen spätestens ab Ende der 90er bedingungslos helfen müssen. Der hat aber, als sich seine Verdachtsmomente aus den 70er Jahren bestätigten, ab 1998, 1999 in Kenntnis „tapfer“ weiter geschwiegen, als Verantwortlicher im Trägerverein und als Second-best-Doyen der deutschen Pädagogik. Erst als es für’s eigene Renommee unumgänglich war, weil öffentlichkeitswirksam, hat der Kerl ein Stussinterview sondergleichen rausgehauen, mit dem bezeichnenden Titel: „Ich weiss, dass diese Hand verbrennen kann“. Ja, die Schwurhand ist verbrannt.

    Auch wir Schüler von damals haben „geschwiegen“ und ausser mir gab’s viele, die dies ahnten oder auch mit Bestimmtheit wussten, mein Bruder, ich, meine Schwester, Lehrerkinder, Mitschüler und ja, auch Lehrer, nicht nur nutznießende Lehrer. Ich habe zwar nie einen Hehl daraus gemacht, das auch erzählt, aber wirklich aktiv geworden bin ich erst, als Betroffene dies 2010 öffentlichkeitswirksam publik machten. Insofern bin ich keinen Deut besser als Wolfgang Edelstein, aber zumindest schwöre ich nicht heilig nichts gewusst oder geahnt zu haben, wenn das Gegenteil schon aus eigener Zeugnis, auch bei Edelstein, bekannt ist.

    Nein, die Rolle vieler Lehrer ist unglaublich schwerer und zugleich banaler: sie zeigt wie schwierig es ist überhaupt in verantwortlichen Lebenszusammenhängen Zivilcourage aufzubringen. Christoph Röhl hat die Tragik, die ich häufig angesprochen habe, dieser Tage in einigen Interviews bemüht, dass die Generation, die gegen das Schweigen und Verschweigen, gegen das Mitläufertum der eigenen Elterngeneration aufbegehrt hat, sich selbst nun in ihrem Heiligtum des besseren Deutschlands in Essenz genau so verhalten hat. Und die Odenwaldschule war dieses Heiligtum. Dass nun die Laborschule Bielefeld, die sich größter pädagogischer Verbrechen schuldig macht, – sie arbeitet wissenschaftlich höchst unsauber und verdient das Attribut Labor so wenig wie die Sondermittel, die sie dafür einheimst -, an ihrer zuvor abgöttisch bewunderten Odenwaldschule nur noch Verbrecher sehen will, das ist kindisch, schon auf Grund der Verflechtungen des Lehr- und Wissenschaftspersonals. Für’s Aufrechte fehlt uns fast allen was. Die nennt man gemeinhin Helden und die gibt’s eigentlich gar nicht. Das nun gerade die verwaisten und zurückgebliebenen Reformpädagogen auf Helden spielen wollen, nun ja, das ist kitschiger als es dieser Film je sein kann, ungesehen.

    Natürlich wussten auch viele der „aufrechten“ Lehrer damals mehr. Wie auch wir heute, in unserem Alltag um vieles wissen und doch kaum bis keine Solidarität zeigen. Warum können wir das nicht? Warum können wir das genau so wenig, wie vor 60, 70 Jahren, warum nicht an der Odenwaldschule, selbst wenn die Katastrophe offensichtlich ist? Das auf Papier einzufordern, da war gerade die Reformpädagogik stark drin, das nun in der Kritik nachzumachen, ist nicht mein Ding.

    So, am Mittwoch, nach Sichtung des Werks, so ich’s denn sehen kann, vielleicht mehr.

    Grüsse.

  2. Hamlet schreibt am :

    Da mich heftige Kritik erreicht hat, stellen wir das mal klar:

    Es ist unendlich traurig, dass Menschen, von mir aus auch Edelstein, in den 70er Jahren nicht mehr bewegt haben, bewegen konnten. Das macht sie nicht zu Verbrechern. Zu Arschlöchern werden sie, wenn sie dann später nur auf ihre Reputation achten und das auch noch als Heldentat verkaufen. Edelstein hat von Becker das Versprechen!!! abverlangt, dass den Schülern nichts passiert. Selbstaussage! Muss ich nichts recherchieren, gibt’s Schwarz auf Weiss gedruckt! Und der hat geschwiegen und geschwiegen und geschwiegen wie ein deutscher Volkskäfer läuft und läuft und läuft und erst als es opportun war, hat er öffentlichkeitswirksam verkündet, aber ich hab was unternommen. Wenn das Resultat null ist, was traurig ist und ich danach, im Wissen, dass das Versprechen gebrochen ist, meine Reputation und meine Stellung den Betroffenen verweigere, dann stört mich das, ja verstört mich regelrecht. Erinnert an die vielen herausragenden Mitläufer, die gar nicht so sehr Mitläufer waren, sondern notwendig, damit das System bestehen konnte, wie’s bestand. Der hat mal kurz sein Leben gerade gerückt auf dem Rücken der Betroffenen! Schäbig.

    Warum hat Edelstein 1998/1999 als er definitiv wusste, dass das Versprechen gebrochen war, nicht reagiert? Darf man aber nicht fragen, obwohl ja Lehrer und Verantwortliche gemäss Beitrag angeblich schmerzhaft „peinlich“ zu befragen sind. Zitat Wolfgang Edelstein: „1973 fuhr ich nach Oberhambach, um Becker mit meinen Bedenken zu konfrontieren. Er bekannte sich zu seiner Neigung, schwor aber, dass er nie etwas tun würde, was seiner Verantwortung als Pädagoge widersprechen würde.“

  3. Hamlet schreibt am :

    Handelt sich übrigens um den selben Wolfgang Edelstein, der Daniel Cohn-Bendit als den grössten Erfolg seines pädagogischen Strebens betrachtet und der ein Jahr vor Daniel Cohn-Bendit, 2012, mit dem Theodor-Heuss-Preis von genau dem Netzwerk bedacht wurde, von dem er auf die Frage, ob es sich um eine protestantische Mafia handelt, sagt:
    „Mafia würde ich es nicht nennen, aber es gab ein protestantisches Netzwerk um Hellmut Becker, in dem Namen wie Carlo Schmid, Richard von Weizsäcker, Marion Gräfin Dönhoff oder auch der Pädagoge Georg Picht eine Rolle spielten. Eine aus dem Krieg oder der Nachkriegszeit stammende Beziehungswelt, eine Elite, die sich selbst reproduziert hat. Dieses Netzwerk auf die Pädophilie zu beziehen, ist vollkommen unangebracht. Aber Loyalitäten wurden bis zum Exzess getrieben, der das Beschweigen des Missbrauchs möglich machte.“

    Angeblich hat er das Schwierigste getan, was man sich überhaupt vorstellen kann, das Gespräch mit einem ausgewiesenen Gegner gesucht, um mit diesem über dessen problematische Sexualität zu sprechen und diesbezüglich ein Versprechen in Bezug auf die Schüler einzufordern.

    Und obwohl er danach noch mehr als 35 Jahre im Aufsichtsgremium der Odenwaldschule sitzt, hat er sich für das Gespräch, die Folgen, die Schüler und das Versprechen selbst nicht mehr interessiert. Das ist lächerlich! Scheint eher so, dass die „protestantische Mafia“ ihn ebenso opportun „heim- und abgeholt“ hat…

  4. Ex_odenwaldschuelerin schreibt am :

    Sehr geeehrter Herr Fueller,ich hatte keine Beziehung zu einem Lehrer.Ich wurde Missbraucht wie die vielen Jungs auch.Wieso der Unterschied?Ich kam sogar deshalb eine Woche in ein Krankenhaus,eine somatische Klinik!!!Ich kenne einige andere betroffene Mitschuelerinnen die heute schweigen,denn durch das Konstrukt der Beziehung macht man sie zu Schuldigen!!!

  5. Ex_odenwaldschuelerin schreibt am :

    Und ich wurde verhoert und fast festgenommen im Jahr 2009 in >Deutschland wegen der Odenwaldschule und verurteilt und ich muss weiter auf der Hut sein!!!Odenwaldschule ist lebenslaenglich§§§§

  6. Ex_odenwaldschuelerin schreibt am :

    Und noch etwas:Fuer mich war und ist die Odenwaldschule das allerletzte und ich habe jede sekunde dort gehasst!!!!Ich hoffe der Puff macht bald dicht§§§§§Alles andere ist unertraeglich!!!!!!!!

  7. Ex_odenwaldschuelerin schreibt am :

    Und diese sogenannten Aufklaererinnen der Odenwaldschule sind wohl auf eienm Auge blind_naemlich auf de’m der weiblichen OPfer

  8. hildegard schreibt am :

    Christian Füller bemerkt, dass das Königreich recherchiert, befragt, demaskiert – und WIR in Deutschland müssten die Warum-Frage stellen.
    Warum wurde bis heute keiner der Täter bestraft oder auch nur zur Rechenschaft gezogen? Ehrlicherweise hätten wir etwa so zu antworten:

    Recht und Gesetz weisen in Deutschland in eine entschieden andere Richtung als in anderen Nationen. Hier verjähren die allerschwerwiegendsten Verbrechen an Kindern.

    Dieses Tabu benutzten deutsche Behörden wie in einer Verschwörung, um die totsicher funktionierenden Scham-Schweigen-Reflexe abzusichern mit einer hinterhältigen „Fristen-Lösung“.
    Der Staat ließ das Verschweigen zu, gebot das Schweigen danach, verbot seinen unter Eid stehenden Lakaien etwas nach außen zu tragen. Regierungen manipulierten seither jede „Rechtssprechung“ FÜR den Täterschutz.
    Deutschlands Kanzlerin versprach vor 20 Jahren bereits als Familienministerin alles für die Aufklärung zu tun. 2010 forderte sie Wahrheit und Klarheit. Kennt sie die Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Dienstgraden in den verschiedenen Ressorts? Weiß sie die Abhängigkeiten einzuschätzen? Will sie die Lage von ca 10 Mio. Geschädigten überhaupt verbessern?

    Deutschlands Juristen spielten von Anfang an ihre verlogene Rolle – was interessiert den Justizminister heute noch sein Brief von vor fast fünf Jahren?

    Deutschlands Lehrer dürfen erst dann reden, wenn untere und obere Hierarchen das auf dem Dienstweg für den Einzelfall gestatten. Anderenfalls reden sie sich um ihre Existenz. Abhängige sind sie, wie die Arbeits-Sklaven mit Maulkorb, Fußfesseln und Handschellen. Und Ahnungslose Anfänger im Schuldienst werden vor die „viel wichtigeren“ äußeren Herausforderungen gestellt. Das was da drinnen ist, geht niemand was an! Wer aber könnte innerhalb des Systems die – im Film von Röhl gut aufgezeigten – Systemfehler je aufdecken ohne selbst gechasst zu werden? Wer haftet für die staatlich mit verursachten Folgeschäden? Wer hätte in diesem Verwaltungsapparat eine reelle Chance vor der Gerichtsbarkeit gehabt?

    Deutschlands Schulleiter wollen entweder ihre „Idylle“ nicht ins Gerede bringen – oder sie wollen bedingungslos allein herrschen. Unter den gegebenen Umständen ist jede Willkür möglich. Das System schaffte die Voraussetzung!

    Deutschlands Aufsichtsbehörden werden allererst sich selbst peinlichst nach ihrem hoheitlichen Versagen befragen lassen müssen [von wem eigentlich? Dagegen steht die Staatsraison]. Nachwehen des „Dritten Reiches“, das heute noch Hirne betoniert, Herzen versteinert, Hände lähmt. Der Staat als Pseudo-Demokratie. Das Recht des Stärkeren. Offenes Wort unerwünscht. Echte Debattenkultur fehlt. Schwarze Zahlen sind erstes Gebot.
    Und diesem Zerrbild sind Kinder und Jugendliche mit ihrem Gespür für Lug und Trug täglich ausgesetzt, nämlich jenen Beamten und Angestellten, deren Herz für Kinder erkalten wird vor eigener realer Existenzangst.

    Investigative Journalisten werden diese Seite des Problems sehr gut kennen – werden wissen auch um diese unsichtbare Schweigemauer. Amtlicher Machtmissbrauch nach preussischem Muster im demokratischen Staat – auch an all den anderen Schulen im Land. Sie werden auch wissen, wie viele Lehrer/innen in dem todkranken System bereits verschlissen wurden, wie viele scheiterten und kaputt gingen. – Andere Pädagogen glaubten sich vor den Problemen retten zu können. Sie sprangen rechtzeitig ab in die Politik, wo sie ihr veraltetes Insider-Wissen – oft gegen jede Vernunft – in Verordnungen und Gesetze gießen dürfen, unreflektiert mit fatalen Folgen (interessant wäre, wie hoch deren Anteil eigentlich in Bund, Ländern und Kommunen ist).

    Deutschlands neoliberale Politik sorgt für florierende Wirtschaft, für funktionierende Banken, führt global die Menschenrechte an – löst sie aber an den Kindern im eigenen Land nicht ein. Das käme zu teuer!

    Die deutsche Gesellschaft wirkt derweil schlecht gelaunt. Sie ahnt/spürt die Lüge, friert vor Frust, flüchtet vor sich selbst in ‚wärmere Länder‘, fühlt sich wohl und lebendig nur noch auf Events …

    Welch‘ Erbe für unsere Enkel…! Eine gründliche Strukturänderung ist längst überfällig.

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