Aufruf zur Bewerbung im Betroffenenrat

21.10.2014: netzwerkB Pressemitteilung

Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs
Johannes-Wilhelm Rörig
Glinkastraße 24
10117 Berlin

Sehr geehrter Herr Rörig,

haben Sie vielen Dank für Ihren Aufruf zur Bewerbung im Betroffenenrat.

In Ihrer Pressemitteilung vom 20. Oktober 2014 fällt uns auf, dass Sie stets von „Betroffenen“ im Sinne von Einzelpersonen sprechen.

Betroffenenverbände werden von Ihnen als Missbrauchsbeauftragter ausdrücklich nicht erwähnt, genauso wie Betroffenenverbände von einer Teilnahme auf gleicher Augenhöhe am Runden Tisch ebenfalls ausgeschlossen blieben.

netzwerkB besteht in seiner heutigen Form als Betroffenenverband seit 2010. Unsere Interessenvereinigung, die ja nicht nur die Aufgabe hat, den Betroffenen eine Stimme zu geben, sondern deren Belange auf eine Stimme zu vereinen, arbeitet deutschlandweit und vertritt mittlerweile die Interessen von 24.792 Personen.

Wir möchten Sie um eine Erläuterung bitten, wie Sie das Mitwirkungsmodell in unserer demokratischen Gesellschaft interpretieren. Wir sind auch gerne bereit, diese Grundsatzfrage mit Ihnen inhaltlich zu erörtern.

Der enorme Zuwachs bei netzwerkB hat natürlich damit zu tun, dass die Betroffenen sehen, wie sie von der Politik in der Praxis ausgegrenzt werden.

Wir regen daher eine Diskussion darüber an, wie Sie uns als Interessenvereinigung zukünftig nicht mehr ausschließen, sondern auf gleicher Augenhöhe einbinden können.

Nach unserem Eindruck ist, wie Sie den Betroffenenrat darstellen, hier eine einzelne Person alleine überfordert und wird letztlich in der Rolle eines Vorzeige-Opfers festgeschrieben.

Hierzu hätten wir gerne Ihre persönliche Meinung gehört.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr netzwerkB Team

Betroffenenrat ein Rohrkrepierer

Aufruf Betroffenenrat Bewerbungsbogen.pdf

Pressemitteilung Start-Bewerbungsverfahren-Betroffenenrat.pdf

Für Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)163 1625091

16 Kommentare

  1. Mäusemelker schreibt am :

    Betroffenenrat klingt ja erst mal gut, geht aber völlig an der Realität vorbei. Sobald man sich outet, ist man medizinisch auch immer auf der gleichen Schiene gelandet. Körperliche Probleme, die definitiv körperliche Ursachen haben, werden da auch gleich als „psychisch“ abgetan, keine weitere adäquate Behandlung meist. Und dann ist es „zu spät“. … Nur schönes Blabla von seiten „Offizieller“, Augenwischerei, … Bin inzwischen sowas von erbost, das kann man sich schon gar nicht mehr vorstellen, wie sehr. Ist zum Mäusemelken.
    Ist doch ein systemisches Problem, das ein einzelner überhaupt nicht bewältigen kann. Soll wohl wieder nur Vereinzelung werden, damit ja nicht zu viele zu Wort kommen. Damit man den Einzelnen wieder totreden (usw.) kann.

  2. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Die Betroffenen werden ausgegrenzt und irgendwelche „Fachleute“ sollen dann über deren Köpfe hinweg entscheiden und die Betroffenen wieder ruhigstellen ,sodass das Wahlvolk glaubt ,das Problem sexuelle Gewalt sei gelöst von unserer Obrigkeit sozusagen „von Amts wegen“-also weg bürokratisiert.

  3. Sehr gute Einschätzung! Ich werde das gleich mal auf unsere Facebookseite stellen!
    Vielen Dank!

  4. Prospero schreibt am :

    Die Zerissenheit bei den deutschen Überlebendenverbänden macht sich auch an einer anderen Stelle bemerkbar:

    ohne groß in der Öffentlichkeit aufgefallen zu sein agiert seit dem 10.07. 2013 ein anderes Netzwerk , der Betroffenenbeirat des ErweitertenHilfeSystems -FSM, der sich hier http://glasbrechen.de/wp-content/uploads/In_Rueckschau-was_sich_bew%C3%A4hrt_hat.pdf mit seinen nun 25 Mitgliedern vorstellt.

    Und ich vermute, dass sich ein großer Teil davon im neuen Betroffenenrat wieder zusammenfinden wird.

    Uneinigkeit ist die größte Schwäche bei unserem Kampf gegen sexualisierte Misshandlung – und Undurchsichtigkeit dazu, imho.

  5. Gertrud Tammena schreibt am :

    Eigentlich dürften in diesem Rat ja wohl nur „nachgewiesene“ Betroffene sitzen, also solche mit amtskräftigem Gerichtsurteil oder eidlich bezeugter „Anerkennung“.Und sie wären angreifbar für Jedweden: wem nicht passt, was sie fordern, der macht sie öffentlich klein,klein,klein und beschmeisst sie. .Und für wen sprechen sie, wenn sie nicht von Organisationen als Gewählte delegiert würden ? Legitimation, Datenschutz, Basis-Wählbarkeit, Transparenz und Persönlichkeitsschutz sind dabei schwierig zu gewährleistende Standards.Es bleibt weiterhin ein Problem des Misstrauens und der Macht. Nur Legitimierte sollten professionell abgesichert dafür auf Regierungsebene einstehen.

  6. Karl Görtz schreibt am :

    Das sollte man jetzt nicht überbewerten. Der abhängig Unabhängige zieht mit diesem Betroffenenrat nur durch, was die Notstandskoalition letztes Jahr in den Notstandsvertrag geschrieben hat. Und überhaupt: Über was soll da eigentlich geredet und beraten werden. Die Schicksalsschläge und daraus folgenden Forderungen und Maßnahmen sind allen Beteiligten seit Jahren bekannt. Bis 2019 wollen die das noch in die Länge ziehen und obligatorisch Öffentlichkeitsarbeit leisten. In den Öffentlich Rechtlichen hört man von denen eh fast Nichts. Und dann folgt wieder mal ein obligatorischer Abschlussbericht. Das war’s dann. Schafft die Verjährungsfristen ab, sorgt für eine Anzeigepflicht, eine konsequente Strafverfolgung, eine frühzeitige Aufklärung mit Tageslichteinfall und eine ordentlich staatliche Entschädigung für die Leidenden der Vergangenheit in Höhe von mindestens mehreren Zehntausendern. So, jetzt brauche ich mich schon mal nicht mehr zu bewerben. Übrigens: Die Betroffenenbegutachtungsjury besteht nur aus Frauen. Das ist jetzt aber nicht gerade Geschlechterparitätisch. Und eine Geschäftsordnung sollte von Bewerbern einsehbar sein bevor man sich das antun will, sich da zu bewerben. Oder habe ich da was überlesen?

  7. Lotosritter schreibt am :

    Da gibt es eine Markierung im Bewerbungsbogen: Vom Missbrauch betroffen durch rituelle/organisierte Gewalt.
    Es gibt jedoch keinen belegten Fall ritueller Gewalt – gemeint ist damit Missbrauch durch Satanssekten. Die bekannten angeblichen Fälle haben sich allesamt als falsch herausgestellt. Der von der Enquetekommission des Bundestages geschilderte Fall ist erwiesenermaßen ein therapeutischer Missbrauch. Therapeutischer Missbrauch kommt in der Liste allerdings nicht vor.

    Auch die Ankündigung, der Betroffenenrat soll gendergerecht besetzt werden, ist angesichts der Tatsache, dass die Jury nur aus Frauen besteht seltsam. Überhaupt sollte die Gendermainstreamideologie aus diesem Verfahren herausgehalten werden.

    Mir käme es schon aus diesen Gründen gar nicht in den Sinn mich dort zu bewerben; obgleich ich der Meinung bin, dass ich durch meine Geschichte, durch Therapie und meine Beschäftigung mit dem Thema ausreichend Expertise besitze, um wichtige Fingerzeige zu geben.

  8. Ingo schreibt am :

    @Lotusritter

    nur so nebenbei, weil es hier Offtopic wäre; Mit rituellem Missbrauch ist nicht explizit der Missbrauch durch Satanssekten gemeint, sondern Missbrauch (bzw. sexualisierte Gewalt) durch jegliche Sekte, bzw. Sektenähnliche Gruppierungen.
    Hierzu empfehele ich entweder als Lektüre „Handbuch rituelle Gewalt von Fiß und Igney, bzw. sich einmal den Film „Höllenleben“ anzuschauen (Achtung: Extremste Triggergefahr)

    Ingo

  9. Beate Lindemann-Weyand schreibt am :

    Hallo Lotosritter. Auch mich hat Ihr Hinweis in Bezug auf rituellen Missbrauch irritiert, und ich wollte Ihnen das Gleiche empfehlen wie es Ingo nun getan hat. Man sollte immer darauf gefasst sein, dass nicht nur die Dunkelziffer der unentdeckt gebliebenen sexualisierten Gewalttaten gegen Kinder sehr hoch ist. Auch die Zahlen der Fälle, in denen nichts nachgewiesen werden konnte, die sexuelle Gewalt aber dennocht stattfand dürfte leider sehr hoch sein. Täter- und Tätergruppen- sind natürlich sehr interessiert daran nicht entdeckt zu werden.

  10. Doro schreibt am :

    BRAVO, Karl Görtz! Damit ist eigentlich alles gesagt.

  11. Bernd Rohlfs schreibt am :

    Nun ja, wie können sich Betroffene denn als Betroffene ausweisen, wenn die Verjährungsfristen strafrechtlich und zivilrechtlich den meisten Betroffenen schwerster sexueller Gewalt (und auch oft in Verbindung mit weiteren Formen von Gewalt) in Kindheit und Jugend keine Chance der Anerkennung vor Gericht erlauben?

    Für die Betroffenen von interpersoneller Gewalt jeder Art sollten die Verjährungsfristen ganz abgeschafft werden. Solche Betroffenen leiden gesundheitlich ihr Leben lang unter den Folgen, auch mit entsprechenden gesundheitlichen Spätfolgen, psychischen Problemen, beruflichen Problemen, sozialen Folgen. Der Hilfebedarf sowie das Recht auf Anerkennung und Entschädigung ist lebenslang unverzichtbar.

    In der Tat, wenn man mit solchen Forderungen dorthin gehen würde, wie sie Karl Görtz völlig korrekt auflistet, kann man sich wahrscheinlich die Bewerbung bei Herrn Rörig und Co. KG sparen.

    Das Wesentliche aber ist, dass von den Betroffenen gewählte demokratisch bzw. legitimierte Vertreter/innen nach Berlin entsandt werden können, die dann auch das Ansinnen der Betroffenen korrekt vertreten. Alles andere ist Augenwischerei und Täterschutz.

  12. Karl Görtz schreibt am :

    Hallo Doro,

    früher hab ich oft den Zeilen des Wellenreiters von BAB gelauscht und versucht, danach zu handeln. Ist mir nicht gelungen, weil die Scheiße zu tief in mir verwurzelt war. Erst im besten Alter erfuhr ich durch ein überlebtes akutes Trauma, dass ich seit meiner Kindheit immer dieser Depp war. Ein Ja- Sager der nie Nein sagen konnte. Heute ist das andersrum. Ich sage Nein zum befürwortenden Täterschutz der Legislative, Judikative und Exekutive. Alle wissen der Untaten der Vergangenheit und keiner von denen will ernsthaft aufklären und strafverfolgen und den bis heute Leidenden wirklich helfen. Diese ganze Schauspielerdemokratie verachte ich zutiefst.

  13. hildegard schreibt am :

    „Der abhängig Unabhängige zieht mit diesem Betroffenenrat nur durch, was die Notstandskoalition letztes Jahr in den Notstandsvertrag geschrieben hat. Und überhaupt: Über was soll da eigentlich geredet und beraten werden.“ (danke, K.G.!)

    Wir sollen mit unseren berechtigten Erwartungen einmal mehr vor alle Wände laufen, die die Politik uns, den Kinder-Opfern seit 1949, eiskalt berechnend und zur eigenen Absicherung aufbaute und weil das so gut funktionierte obendrein auch noch mit zünftigen Armierungen in Beton gegossen hat …

    Wer die Petition „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ v. 2012 unterschrieb, wird den Beschluss des Bundestags v. 25.09.2014 erhalten haben und ahnen, wer dahinter die Feder geführt hat: Betonköpfe. Menschenwürde? Menschlichkeit? – Keine Chance!
    Kinder hatten bisher keinerlei Rechte. Hoffen wir, dass unseren Rufern in dieser Wüste der Atem nicht ausgehen wird, bis es aus der Gesellschaft heraus DEN AUFSCHREI gegen die unerhörte staatliche und kirchliche Verblendung gibt, damit dieses Lügengebäude endlich einstürzt!

    In Sachen Menschenrechte sind „Unabhängige …“ nur unsichtbar-ABhängige ihrer jeweiligen Obrigkeiten.
    Und der angebliche Souverän hat – auch bei überwiegender Mehrheit! – rein gar nichts zu melden.
    Er hat nur noch zu konsumieren, siehe auch http://www.change.org/p/zeigt-allen-respekt-schafft-das-bild-girl-ab-bildsexism-bild-de?recruiter=25075177&utm_campaign=signature_receipt&utm_medium=email&utm_source=share_petition

  14. Lotosritter schreibt am :

    @Ingo
    Die Doku Höllenleben ist weitgehend Fiktion. Der einzige ermittelte Fakt ist, dass Nicki von ihrem Stiefvater missbraucht wurde.
    Selbst in dem Artikel zu ritueller Gewalt auf Wikipedia blieb nach einem mehrjährigen Editwar nur der Fall Eschner übrig.
    Ich denke, unser erlittener Missbrauch ist für sich höllisch genug, da brauchen wir keine abgründigen Phantasmen.

  15. Hubert schreibt am :

    Wozu denn noch ein Rat?
    Runder, eckiger, nun noch ein ovaler Tisch?
    Es ist längst genug zum Them diskutiert und zusammengetragen worden. Die Fakten und Gründe liegen alle auf dem Tisch.
    Es müssen nun endlich die Gesetze sinngemäß verändert werden. Das bedarf keines weitern Rates mit noch mehr Zeitaufschiebung!

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