Ritzen und Schneiden: Wenn Jungen sich selbst verletzen

10.11.2014: SPIEGEL ONLINE

Das tun doch nur Mädchen! Jungen, die sich selbst verletzen, kämpfen nicht nur mit ihren Problemen, sondern auch mit Ignoranz. Aufgrund alter Rollenklischees finden sie oft keine Hilfe. Dabei benötigen sie speziellen Beistand.

Florian war elf Jahre alt, als er sich das erste Mal selbst verletzte. Erst kratzte er sich nur die Haut auf, inzwischen schneidet sich der nun 15-Jährige mit Rasierklingen, manchmal mehrmals am Tag. Martin geht es ähnlich. Als Kind wurde er von einem Mann sexuell missbraucht. Seither schlägt der heute 17-Jährige immer wieder mit seiner Faust gegen Wände um die Anspannung loszuwerden. Weiter lesen…

3 Kommentare

  1. Gertrud Tammena schreibt am :

    Subtiler kann auch das ständige und wiederholende Hautaufpulen, Quetschen und Aufkratzen heilender Wunden, Nägelbeissen, Nagelhautverletzen, Lippenaufbeissen, Zähneknirschen und
    -abscharren kann in diesen Zusammenhang solcher Selbstverletzungen gehören.

  2. Elvira schreibt am :

    Unter SELBSTVERLETZUNG fallen ebenfalls alle ARTEN von
    SUCHT, TOD auf RATEN z.B. auch die Arbeitssucht um von anderen anerkannt zu werden…bis zum BURN-OUT…diese Art von SUCHT ist besonders gefährlich, weil jemand, der viel arbeitet, in unserer Gesellschaft mit Bewunderung und reichlich LOB manipuliert wird.
    Zum Be-denken von ELVIRA

  3. Karl Görtz schreibt am :

    Die Schnittwunden an meinen Unterarmen sind besonders in den Sommermonaten markant sichtbarer als in den Wintermonaten. Wenn meine Haut sich dann von der Sonne bräunt, durchkreuzen diese Bräune weiße Striche, die wie Gitterstangen in einem Knast aussehen. Kreuz und Quer. Und so fühle ich mich auch bis heute. Nicht wirklich frei. Zugefügt habe ich mir diese Verletzungen in einer PTBS im Alter von 44 Jahren, also nicht mehr im jugendlichen Alter. Warum so spät, warum nicht früher?. Na ja, da habe ich mir meine Selbstverletzungen so beigebracht, dass diese nicht aufgefallen sind, obwohl sie für alle sichtbar waren. Das war im Alter von 13 Jahren aufwärts in dem Fußballverein, der für diese Verletzungen verantwortlich ist und meines Wissens bis zum Jahr 2001 gegen dieses massiv subtile Tätertreiben nicht vorgegangen ist.

    Nun, wie habe ich es gemacht, diese Selbstverletzungen? Es war die rote Asche auf den Fußballplätzen der 70’er und 80’er. Heute gibt es fast nur noch Rasenplätze oder Kunstrasen damit Spieler weicher fallen. Rasenplätze in den unteren Kreis – und Bezirksklassen waren früher die Ausnahme. In jedem! Sonntagsspiel habe ich mir mit voller Absicht die rote Asche in meinen rechten Oberschenkel getrieben indem ich in die Beine meines Gegner mit meinem rechten Bein reingerätscht bin. Ob er danach Schmerzen hatte, war mir egal, Hauptsache ich hatte Schmerzen. Da war dann dieser Eiter, der sich nach dem Spiel mit meiner Jeans verklebte und die ich nur mühevoll zur Nachtzeit von meiner Haut trennen konnte. Morgens war der Eiter an der rechten Seite der Jeans verhärtet. Ich zog sie trotzdem noch mal am nächsten Morgen an weil meine Mutter sie erst einen Tag zuvor gewaschen hatte. Die körperlichen Schmerzen ließen nach, die seelischen Schmerzen nahmen wieder zu bis zum nächsten Spiel, indem ich die körperlichen Schmerzen wieder auffrischte.

    Ich hätte jetzt damals zu mir selbst sagen können: Das mache ich nicht noch einmal. Diese Schmerzen füge ich mir nicht nochmals zu.

    Es ist müßig, mit mir selber deswegen heute nochmals ins Gericht zu gehen. Ich hatte keine andere Wahl weil ich damals nicht wusste, warum ich es wirklich tat. Der Täter allerdings, der von der Bande aus den Spielen zusah, der wusste bestimmt, warum ich es tat. Da bin ich mir heute sicher.

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