Sexualisierte Gewalt: Rücktritt nach Streit über Anzeigepflicht

19.12.2014: Lübecker Nachrichten

Zweite Vorsitzende des OSV schmeißt hin. Landes-Sportjugend rät zu Besonnenheit.

von Christina Düvell-Veen

Scharbeutz. Im Vorstand des 350 Mitglieder zählenden Ostseesportvereins (OSV) Scharbeutz- Haffkrug-Sierksdorf ist ein Streit darüber entbrannt, wie mit den Fällen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder umzugehen ist. Die Auseinandersetzungen gipfelten in dem sofortigen Rücktritt der zweiten Vorsitzenden Veronika Denef. Sie hatte erst im Juni vergangenen Jahres entscheidend dazu beigetragen, dass der Verein nach turbulenten Ereignissen im Vorstand weiter existiert.

Ursprung der Differenzen sind die vom Landessportverband (LSV) herausgegebenen „Handlungsempfehlungen für Sportvereine“. Die eindeutige und nach außen sichtbare Haltung des Sportvereins gegenüber diesem Thema könne potenzielle Täter und Täterinnen abschrecken, heißt es dort, und weiter: „Der Sportverein macht deutlich, dass sexualisierte Gewalt nicht geduldet wird.” Es wird ein ausformulierter „Ehrenkodex“ angeboten, der von allen ehrenamtlich und hauptberuflich Tätigen in Sportvereinen unterzeichnet werden kann, und es gibt Adressen, an die sich die Sportvereine wenden können. Die Sportjugend Schleswig-Holstein wird ebenso aufgeführt wie der Deutsche Kinderschutzbund.

Und gerade das macht Veronika Denef so fassungslos. „Ich bin der Meinung, dass sexualisierte Gewaltverbrechen angezeigt werden sollten, denn es ist ein Offizialdelikt, welches in Deutschland eine Straftat ist, die von der Staatsanwaltschaft von Amts wegen verfolgt werden muss.” Veronika Denef ist Mitglied in dem von ihrem Ehemann Norbert gegründeten Verein „netzwerkB“, der sich schon seit mehreren Jahren für eine Anzeige und Meldepflicht einsetzt.

Die bisherige zweite Vorsitzende erfuhr im November während einer Vorstandssitzung von dem Seminar „Aktiv im Kinderschutz — Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport“, an dem der OSV-Vorsitzende Stephan Peters teilgenommen hatte. Der habe mitgeteilt, dass es zukünftig zwei Ansprechpartner oder -partnerinnen im Verein geben soll,die zuständig seien, wenn Fälle von sexualisierter Gewalt zur Sprache kommen würden. Zudem sollten diese Fälle nicht den staatlichen Behörden angezeigt werden. Vielmehr solle „lediglich nur der Kinderschutzbund informiert werden“. Weiter lesen…

3 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    Veronika Denef fühlt, denkt, handelt konsequent im Sinne des Grundgesetzes und im Interesse der Kinder.
    DAS ist aktiver Kinderschutz.

    Eltern dürften jetzt zum Schutz ihrer Kinder reihenweise dem netzwerkB beitreten und – beispielhaft für alle Vereinsmitglieder – sich für strikte Transparenz einsetzen. Genau so!

    Denn Vereinsvorstände, Schulleitungen, Kirchenvorstände etc. waren (und sind offenbar immer noch) genau auf diesem Auge blind. Wissen sie nicht was sie tun?
    Wo immer nur zögerlich von Annahmen und Gerüchten die Rede ist und Kindern nicht geglaubt wird, da ist zumindest vorsorglicher Täterschutz zu vermuten.

    Gäbe es denn in Deutschland so viele Opfer in den Institutionen, wenn Anzeigepflicht bestünde?
    Gäbe es so viel Gewalt in Familien, wenn man AUCH in besagten Institutionen MERKEN DÜRFTE, was Kindern angetan wird?

    Chapeau für Frau Denef!

  2. Lisbeth schreibt am :

    Wir befinden uns im Jahre 2014. Es gibt in Deutschland keine Anzeige- und Meldepflicht bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Alle Vereine, ihre Vorstände und ihre Mitglieder machen bei dieser Vertuschung und Verleugnung von Verbrechen gegen Kinder mit.

    Alle?
    Nein! Eine unbeugsame mutige Frau hört nicht auf Widerstand zu leisten!

    Gratulation Veronika Denef! Sie sind meine Heldin des Tages.

    Danke dass ihre Form der Besonnenheit nicht heißt, Verdachtsfälle von sexualisierter Gewalt in ihrem Sportverein zu vertuschen oder kleinzureden: Man habe ja schließlich einen Ehrenkodex und es gibt Adressen an die man sich wenden kann und man könne ja den Kindeschutzbund informieren.

    Hallo??????

    Besonnenheit sollte am Werke sein, NACHDEM die Situation zur Anzeige gebracht wurde und dann staatsanwaltschaftlich aufgeklärt wird.
    Wenn ich eine Bank ausraube, den Chef umbringe, jemandes Fahrzeug demoliere – da werden auch keine vertrauenswürdigen Mitarbeiter eingeschaltet – da wird die Polizei gerufen und der Fall wird aufgenommen und die rechtsstaatlichen Mühlen fangen an zu mahlen.
    Wenn es um eine mögliche Gefährdung von Kindern geht, soll aber weiterhin „Diskretion“ angewandt werden?
    Das ist Täterschutz!

    Und ich würde mir so sehr mehr mutige Vereinsvorstände in ganz Deutschland wünschen.
    Für die Sicherheit unserer Kinder.

  3. Camilla schreibt am :

    Ausgerechnet der Kinderschutzbund als Ansprechpartner bei pädokriminellen Vorfällen in Sportvereinen! Da steckt doch System dahinter! Bis in die 90er Jahre war im Kinderschutzbund unter dem Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden Prof. Walter Bärsch aktiver Täterschutz angesagt. Haben die ihre Positition eigentlich jemals offiziell revidiert? Wie gehen der Kinderschutzbund aktuell mit Pädokriminalität um? Das wäre doch interessant zu wissen.

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