Die Eliteschule wird geschlossen

29.04.2015: netzwerkB

Eine Kolumne von Hildegard Verhees

Wer würde wegen Gewalt eine Normalschule schließen?

Von zehn Kindern pro Klasse träumt die Mehrheit des Lehrpersonals, das sich mit 30 ausgeprägten Individuen pro Klasse auseinander setzen muss. Lernstoff muss jedem Kind vorschriftsmäßig vermittelt, muss oftmals im Gleichschritt erarbeitet werden. Für die Förderung des einzelnen Kindes – gleich auf welchem Leistungsstand – bleibt kaum Zeit.

Ahnungslose Eltern aufbegehrender Schüler fragen, wie Noten zustande kommen, Probleme entstehen und gelöst werden …

In allen Schulen gibt es überforderte und unterforderte, angepasste und unangepasste, am Ende oft „aus der Rolle fallende“ Kinder und Jugendliche.

Die Kinder aber, die besonders viel Hilfe brauchen, um ihre individuellen Chancen zu ergreifen, über sich und ihre Herkunft hinauszuwachsen, können keine Privatschule besuchen. Über sie wird gar nicht erst gesprochen. Auch an ihren Schulen würden wir Probleme wie die der Eliteschule finden, wenn wir danach suchen würden.

Wir sehen nur die größten sozialen Brennpunkte. Wir hören nur von den unwürdigsten Unterkünften.

Aber es bröckelt von vielen ‘christlichen’-, von ‘sozial’- und ‘liberal’-politischen Fassaden. Dahinter steht der Mangel an Geld, Kompetenz und Engagement.

Wir erkennen, wie die parlamentarischen Mehrheiten sich ‘durch dick und dünn’ mogeln, immer hart an der Grenze des Verantwortbaren, immer nach Maßgabe des BMF.

Schule braucht überall Erneuerung.

Das Erziehungssystem wird seit Jahrzehnten an Macht und Wirtschaftlichkeit ausgerichtet – vom Kinderzimmer bis in Lehrwerkstatt und Hörsaal.

Muss ein Kind sich am Maßstab des Neoliberalismus messen lassen? NEIN.

Muss ein Kind schon mit zehn Jahren sich in den üblichen Wirtschaftskreislauf einreihen, im Konkurrenzkampf gegen Gleichaltrige? Nein.

Wollen Jugendliche aus sich heraus aggressiv sein? Nein.

Verein und Schule aber fordern genau dies.

Hier werden Konkurrenten und Machthaber künstlich erzeugt, selbst wenn das ohne Absicht geschieht.

Wo bleibt der Aufschrei der Gesellschaft, die die Folgen dieser Fehlentwicklung trägt?

Wehret den Anfängen der Gewalt, die unsere Kinder krank macht und einem System ausliefert, das Verlierer produziert.

Die Kinder unterliegen in einem System, das nach „immer-weiter-mehr-und-höher“ ruft, das zu viele Kinder alleine lässt – sei es mit sexualisierter Gewalt, Vernachlässigung, Verwahrlosung.

Man müsste sich trauen, viel genauer hinzusehen.

Man müsste sich auch trauen, die zu fragen, die Antworten aus der Praxis geben könnten.

Einzelne private „Eliteschulen“ kann man öffentlichkeitswirksam schließen.

Aber wie verhindert man Gewalt an der „ganz normalen Schule“ um die Ecke oder gar die Missstände, die durch unser Bildungssystem verordnet sind?

Schließen kann man nicht alle Schulen …

Die Gesellschaft ist gefragt. Die aber schläft.

Früher brauchte es ein ganzes Dorf ein Kind zu begleiten. Heute hat ein Kind oftmals weder Vater noch Mutter noch Lehrer, die die Muße, Kraft, Ausdauer und Zeit für seine Bedürfnisse aufbringen könnten – selbst wenn sie es wollen und sich jede erdenkliche Mühe machen.

Für alle Kinder an allen Schulen müssten wir Geld haben, um der Gefahr wachsender Aggressivität und Gewalt vorzubeugen!

Nicht-Handeln wird sich rächen, weil die Rechnung unserer Finanzjongleure niemals aufgehen kann: Symptome werden bekämpft statt deren Ursachen.

Es braucht mehr Geld und Zeit für intensive Einzelbetreuung, helle schöne Lern- und Lebensräume, persönliche Beziehungen, sinnvolle Stundenpläne, guten Unterricht.

Und das alles braucht JEDES Kind, bis es auf eigenen Füßen stehen und sich FREI bewegen kann.

Bestehende Qualität sollte gesucht und gefunden, bewahrt und geschützt, unterstützt und weiter entwickelt werden; selbst die aber „geht vor die Hunde“ wegen der Kosten …

Am Anfang einer jeden Revolution gab es Missstände und am Ende Klärung, Umdenken, Neuanfang.

Ganz grundsätzlich wäre jetzt mit einer Revolte gegen das bestehende Bildungs- und Sozialwesen des Staates zu beginnen, damit jedes Kind zu seinem Recht kommt, seine Chancen wahrnehmen kann und Eigenverantwortung lernt statt Opferdasein.

Schließt die Pädophilen-Lobby

Ein Kommentar

  1. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Echo online meldet,dass die Odenwaldschule um sich zu retten ihr Vermögen in einen Immobilienfond übertragen will.Der soll dann 30 Millionen Euro wert sein!!!!!Aber für die Betroffenen hatte man kein Geld bzw. nur Almosen übrig!!!!!!

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