Sexuelle Übergriffe – Teil der „Reformpädagogik“

03.05.2015

Ein Kommentar von Lilly Maier

Sexuelle Übergriffe von Lehrern an Schülerinnen und Schülern waren von Anfang an Teil der „Reformpädagogik“ und der Odenwaldschule.

Paul Geheeb hätte ohne seine (zweite) Ehe mit Edith Cassirer, Tochter aus reichem Hause, gar keine Odenwaldschule gründen können. Sein Schwiegervater Max Cassirer hat das Grundstück im Odenwald gekauft, den Bau der Häuser und die Schulgründung finanziert sowie von Beginn an bis über mehr als 20 Jahre rund 1,5 Millionen Mark in das Überleben der Odenwaldschule gesteckt. Schon immer also brauchte die OSO finanzkräftige Förderer. Dabei denkt man, dass etwas so Populäres und Hochgelobtes wie die Reformpädagogik, bzw. Odenwaldschule doch einen wahren Ansturm an Schülern hätte haben müssen…

Es ist zudem mehr als fraglich, ob Geheeb und andere „Reformpädagogen“ von ihren Persönlichkeiten her überhaupt in der Lage waren, die schwülstigen Idealisierungen der reformpädagogischen Erziehung (= Theorie und Mythos) tatsächlich umzusetzen (= Praxis). Geheeb wird (u.a. von Oelkers) als Machtmensch portraitiert, der die Menschen um sich herum zu manipulieren und notfalls auch zu dominieren wusste. Dass dies nicht selten mit einer äußerlich schillernden bzw. charismatischen Persönlichkeit einhergeht, ist keine Neuigkeit mehr. Auch seine Beziehungs- und damit Erziehungsfähigkeit darf in Frage gestellt werden: Geheeb pflegte intensive außereheliche Verbindungen, die er aber oft auch wieder sehr abrupt und rücksichtlos beendete. Er hatte laut Oelkers unter den Mitarbeiterinnen und älteren Schülerinnen „immer Lieblinge“, der Umgang mit ihnen wird von anderen Autoren als „übergriffig“ bezeichnet (s. Oelkers, S. 201).

Von 1918 bis 1935 war Otto Kiefer Lehrer an der Odenwaldschule, ein bekannter Publizist u.a. von pro-pädophilen Schriftwerken. An der OSO wurde 1933 der Lehrer Erich Schramm unter Hinweis auf mögliche Missbrauchsfälle entlassen.

Hermann Lietz, Gründer des ersten Landerziehungsheims „Ilsenburg“, hatte „ein deutlich erotisches Verhältnis zu bestimmten Schülern“, und fühlte sich isb. „zu den Zehn- bis Zwölfjährigen hingezogen“ (Oelkers).

Gustav Wyneken, Leiter der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, hatte ebenfalls eine „Vorliebe für Knaben“ und wurde nicht nur einmal offen der sexuellen Übergriffigkeit gegenüber Schülern bezichtigt. 1921 wurde er sogar wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Ab 1914 war Ernst Schertel Lehrer in Wickersdorf. Er war u.a. „Pionier des Nackttheaters“ und musste die Schule 1916 verlassen, weil er den Schülern „die menschenbildende und kulturfördernde Kraft der mannmännlichen Liebe“ nahebringen wollte. An derselben Schule (Wickersdorf) lehrte Georg Hellmuth Neuendorff, der 1924 wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. 1931 wurde Joachim Georg Boeckh aus Wickersdorf wegen „sexueller Verfehlungen“ entlassen. Der Spitzensportler Otto Peltzer unterrichtete von 1926 bis 1933 in Wickersdorf und musste die Schule wegen sexuellen Missbrauchs an zwei Schülern verlassen. 1935 stand er wegen Sittlichkeitsverbrechen in acht Fällen vor Gericht.

Über sexuellen Missbrauch im Landerziehungsheim Haubinda berichtet u.a. der Theaterwissenschaftler A.-G. Kuckhoff.

Es ist davon auszugehen, dass es unter dem Deckmantel der „Reformpädagogik“ weit mehr Fälle sexueller Gewalt gegen Schülerinnen und Schüler gab. Immer wurde darauf solange es nur ging mit Schweigen, Wegschauen, Herunterspielen und Vertuschen reagiert. „Der pädagogische Eros“, schreibt Oelkers, „war dabei das Theorem der Rechtfertigung wie des Wegschauens gleichermaßen. Es war das perfekte Alibiargument“. Und funktioniert bis weit in unsere Zeit hinein.

Auch deshalb vergingen nach „dem ersten Hilfeschrei Betroffener noch einmal unfassbare 11 Jahre, bis der Skandal öffentlich wurde“ (taz-Artikel http://www.taz.de/Ende-einer-Reformschule/!159214/). Weil bis heute – aus ganz unterschiedlichen, aber mächtigen Interessen – lieber der Mythos gepflegt als sich mit den Tatsachen beschäftigt wird. Diese Gefahr ist weiter aktuell. Nicht nur hinsichtlich der „Reformpädagogik“. Auch andere Ideologien und „Befreiungsbewegungen“ (Wandervogelbewegung, „sexuelle Revolution“, Pro-Pädophile Strömungen in den 1980ern, usw. – siehe u.a. Füller https://dierevolutionmissbrauchtihrekinder.wordpress.com/) verdecken (noch) die zahlreichen Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder in ihren Reihen bzw. unter ihrem Mythos.

Schließt die Pädophilen-Lobby

3 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    … „Teil der „Reformpädagogik““?? – das halte ich für eine unzulässige Verallgemeinerung.
    Fakt ist:
    Das was die ‚Regel‘ in der OSO und ebenso in ungezählten Regelschulen in Stadt und Land.

  2. Saskia schreibt am :

    @zu Hildegard,
    Sie sprechen mir aus der Seele….

    wo fangen Übergriffe an,
    wo -wann -ist die Würde verletzt,
    wo -wann –sind die Anfänge zu bemängeln,die Achtung vor dem Anderen,sprich einfach ,der Mensch
    oft ist es Ausdrucksweise,
    die verletzend sein kann,geschieht nicht immer mit Absicht usw.,
    vieles .ach so vieles muss sich zum Guten wenden…

  3. rebner schreibt am :

    gut recherchiert!

    Vergehen noch 11 Jahre bis netzwerkB das millionen Male wiederholte Quälen von Kindern im Mutterleib auffasst?

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