Sexuelle Übergriffe in Mainzer Kita

12.06.2015: Süddeutsche Zeitung

Kinderschutzbund richtet Krisenstab ein

  • In Mainz ist eine Kita geschlossen worden, in der es zu sexuellen Übergriffen zwischen Kindern gekommen sein soll.
  • Der zuständige Prälat spricht von „Perversitäten sexueller Gewalt“ und zeigt sich fassungslos.
  • Erst der Brief einer Mutter an die Pfarrei hat nach Angaben des Bistums zur Schließung der Einrichtung geführt.

Sexueller Übergriffe zwischen Kindern

Nach der Serie sexueller Übergriffe unter Kindern in einer Kita in Mainz läuft die Betreuung von Eltern und Kindern an. Der Kinderschutzbund richtete dazu einen Krisenstab ein. „Eine Handvoll hat hier das Beratungsangebot in Anspruch genommen“, sagte Geschäftsführer Uwe Hinze. Auch die Uniklinik und eine Fachklinik bieten Betreuung an. Fast alle der 55 Kinder sollen in irgendeiner Art betroffen sein.

Über Monate hinweg soll es in der katholischen Kita zu sexuellen Übergriffen und Gewaltdrohungen unter Kindern gekommen sein. „Wir können uns kaum erklären, wie diese Vorfälle über einen langen Zeitraum unbemerkt bleiben konnten“, sagte Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann. Obwohl die Erzieher schon früh Hinweise erhalten hätten, sei nichts nach außen gedrungen.

Es habe sich um ein geschlossenes System gehandelt. Ein System, das nun offenbar traumatisierte Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren hinterlassen hat. Erst am Montag der vergangenen Woche will die Pfarrei, die der Träger der Kita ist, von den sexuellen Übergriffen erfahren haben. Der Brief einer Mutter sei beim Pfarrer gelandet. Vorher sollen alle Hinweise nur bis zu den Erziehern und der Kita-Leitung vorgedrungen sein – ohne Konsequenzen.

Mitarbeiter entlassen – Bistum entschuldigt sich

Seit vergangener Woche ist die Kita nun geschlossen, den sieben Mitarbeitern wurde fristlos gekündigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten. „Wie es geschehen kann, dass ein Gesamtgeist einer Einrichtung so umkippt und so im Grunde genommen verroht, weiß ich auch nicht“, sagt Giebelmann. Er nennt das, was passiert ist, „Perversitäten sexueller Gewalt“ – und beschreibt Handlungen, die mancher sich nur im Fall harter Pornografie vorstellen kann, sowie üble Gewaltandrohungen.

Die Staatsanwaltschaft schildert einige konkrete Vorwürfe. Demnach sollen Kinder andere Kinder unter Androhung von Gewalt genötigt haben, ihre Geschlechtsteile zu zeigen oder Gegenstände in den Anus einzuführen. Zudem habe es Fälle von „schlichter“ Körperverletzung gegeben. Mehrere Kinder seien von anderen gezwungen worden, Spielzeug von zu Hause mitzubringen und abzugeben. Dem SWR zufolge waren 53 von 55 Kindern betroffen. Weiter lesen…

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4 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    Eigentlich dürfte sadistische Gewalt auch unter Kindern keinen mehr wundern:

    Obrigkeiten orientieren sich nur am geschäftlichen Aspekt.
    Abhängige im Job dürfen sich nur wie die drei Affen verhalten.
    Geschlossene Systeme auch dieses Rechtsstaates überfahren jeden, der sich dagegen auflehnt. Amts-Eide sichern Betriebsgeheimnisse ab. Nichts darf raus.
    Politiker hecheln durch Parlamentszeiten. Alle wussten es. Irgendwie. In Kirche und Staat.
    Genau da ‚ist der Hund begraben‘!
    Überall nur Schweigen bis zum Eklat – Stillstand in Erstarrung.

    … wo diese armen Kinder das wohl gelernt haben? Wo soll denn ein einsam-vorm-TV-geparktes-(Klein-) Kind hin mit all den Gewalteindrücken? Wohin mit der Angstüberflutung durch Gewaltszenen aus Bildern und Real-Erleben? Der gesamte Giftmüll der Geschichte darf ungefiltert aus Medien und Realität direkt in die Kinderseelen triefen.
    Eltern, Erzieherinnen etc. haben nur ihrem Sklavenjob nachzukommen. – Den Gehorsam gebieten die Machthaber, die nur die eine Richtung kennen.
    Ganz unten funktionieren Menschen oder – sie verlieren …
    Verinnerlichte Gewalt aus Generationen. Mensch sein ohne bei sich selbst sein zu dürfen?
    Hat sich wirklich etwas geändert? Weiter so, Deutschland? Nein.
    Merken wir was?
    Anpassung führte in diese PANDEMIE, über die ausgerechnet Kleriker sich hier wundern?

    Anfang der ’90er wurde E. Drewermann abgestraft. Mit Predigtverbot. Seine aufgedeckten Wahrheiten in „Kleriker“, „Strukturen des Bösen“ etc. waren erzkonservativen Katholiken und Oberhierarchen zum Dorn im Auge geworden. Das Schweigekartell der RKK hat jeden Hinweis auf kirchliche Missstände abgewürgt. Der Kritiker wurde gnadenlos gefeuert.
    Damals gab es einen beachtlichen Solidaritätskreis um E.D. Wir zogen vor das Erzbischöfliche Palais – aber die Tür blieb zu. Die Demo wurde ignoriert. Widerstand gegen diesen monolithischen Block schien zwecklos. Klassische Gewaltstruktur. Kadaver-Gehorsam in Kirche wie Staat.
    Weiter so, Deutschland? Nein.
    Resignation? Nein.
    Wachsam werden wir bleiben müssen, wie Mainz zeigt. Erwachen müssen noch viel mehr und widerständig werden.
    Staat-im-Staat-spielen darf Kirche nie wieder!

  2. Angela Ebert schreibt am :

    Hildegard,
    es scheint für die „Leistungsträger“ und „Eliten“ eine Übersetzung zu brauchen, Realität, Ursache und Wirkung, diese Mechanismen sind offensichtlich unbekannt. Und das obwohl E. Drewermann doch für jedermann/frau verständlich spricht, auch Arno Grün ist für jeden Menschen verständlich in seinen Erklärungen und Ausführungen, so wie viele andere auch.
    So wie man den Staatlichen Institutionen das GG nicht „auf den Bauch binden“ kann, schon gar nicht den Berufs-Juristen!, so kann man Bischöfen auch nicht das menschliche näher bringen. Den Berg „Verständnis“ muss doch jeder Mensch selbst besteigen. Es scheint so eine riesige Grenzenlosigkeit pandemisch ausgebrochen zu sein. Mal gucken was so geht, alles was gesetzlich nicht verboten ist, ist erlaubt. Alles was ich noch schreiben könnte bestätigt diese DEINE Worte!

    Prof.Dr. Gerald Hüther, Dr. Gunther Schmidt, und so viele andere schreiben tatsächlich richtige Bücher, veröffentlichen auf YouTube, muss nur einer zuhören.
    Es scheint die Angst ist so groß, das die Abwehr unüberwindlich wird.
    Einzige Antwort ist die Strukturelle Gewalt, das nennt man immer noch Zivilisation.

    N E I N !!

  3. klaraklara schreibt am :

    sie können es auch dadurch gelernt haben, dass sie selbst so misshandelt wurden, wobei dann „lernen“ ein zu schwaches Wort ist.
    Übrigens ist es auch sexueller Missbrauch, wenn man ein Kind/Jugendlichen zum Ansehen pornographischer Szenen zwingt. Was die gängigen Fernsehsender tagsüber bringen, finde ich auch sehr verroht, und es befördert sicherlich ein generell gewaltsames Klima in unserer Gesellschaft, aber für direkt körperliche, sadistische Quälerei von Kindern dürfte es nicht so viele „Vorbilder“ liefern.

  4. hildegard schreibt am :

    Angela,
    Bergsteigen hat Hochsaison – gilt auch für Abstürze, wenn es um Leichtsinn und Hochstapeln geht!
    Auch ‚Hausberge‘ im Hochgebirge haben ihre Tücken, wenn Realität, Ursache und Wirkung unbekannt sind oder unberücksichtigt bleiben.

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