Bis zu vier übergriffige Kinder in Mainzer Kita

23.06.2015: DIE WELT

Aufarbeitung des Mainzer Kita-Skandals: Kinder sollen sich in einer Einrichtung gegenseitig erpresst und sexuell gedemütigt haben. In Zukunft sollen Täter und Opfer deshalb streng getrennt werden.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern in einer Mainzer Kindertagesstätte haben deutschlandweit Schlagzeilen gemacht – intern geht die Aufarbeitung weiter. Vermutlich seien bis zu vier Kinder „übergriffig geworden“, sagte die kommissarische Leiterin der katholischen Kita, Anja Zerbe, am Montag. Sie bekräftigte, dass beim angebotenen Wechsel der Kinder in andere katholische Kitas keine mutmaßlichen Anführer mit Opfern zusammenkommen sollten. Das gelte auch für die Einschulung nach dem Sommer: „Wir haben das alles im Blick.“

In einer neuen Rundmail an die Eltern habe sie auf noch freie Plätze in anderen Kindergärten und auf Hilfen wie psychologische Betreuung hingewiesen, sagte Zerbe. „Außerdem überlegt der Kinderschutzbund, einmal in der Woche ein Elterncafé anzubieten.“ Weiter lesen…

4 Kommentare

  1. Lisbeth schreibt am :

    Diese dpa Meldung erscheint mir nichts anderes zu sein als eine geschickt platzierte Meldung, die den ganzen Skandal in der Mainzer Kita (und dies lässt erahnen welche Dimension potentiell dahinter steckt) abwiegeln und ein Signal setzen soll, dass alles unter Kontrolle sei, dass es nur eine kleine Anzahl von Tätern (Kinder!) gäbe, die aber wiederum auch unter Kontrolle seien, dass die kindlichen Opfer und ihre Eltern Ansprechpartner und weitere Verarbeitungsmöglichkeiten bekommen (da mischt dann wieder der Kinderschutzbund mit) und dass eben alles gut ist. Wie es so schön im Text heißt: ‚intern geht die Aufarbeitung weiter‘. Das Bistum Mainz steht also fast blütenweiß da.

    Ein ganzer Katalog von Fragen wird aber auf diese Art und Weise nicht gestellt:

    Wie viele Kinder waren nun wirklich in Täter-Ausagieren involviert (es war ja schließlich von einer Bandenbildung die Rede)? Was ist der jeweilige individuelle Hintergrund – darf man doch mit der Annahme arbeiten, dass Kinder nicht als Täter geboren werden? Waren die Kinder die alleinigen ‚Täter‘ oder waren doch Erwachsene involviert? Wie lief das ‚System Kita‘ in der Mainzer Kindertagesstätte? Was sind die Strukturen, die solcherlei Übergriffe über einen so langen Zeitraum ermöglichten, die Kommunikations- und die Arbeitskultur – innerhalb der Kita, der Verwaltung von Kitas in der Diözese, im Bistum? Was sind die Führungsstrukturen, bzw. wer sind die Verantwortlichen in der Hierarchie der Verwaltung? (sieben Mitarbeiter einfach zu feuern ist ja nun wirklich billig)

    Wer (Mitarbeiter, Vorgesetzte, Eltern, Kinder) wusste wann was? Wer hat wann was bei wem moniert (und blieb ungehört)? Wie lange geht das Ganze schon so? Wie war die Fluktuation in der Kita in der Vergangenheit, bzw. Kinder, die rausgenommen wurden in der Vergangenheit, warum geschah das? Gab es Mitarbeiterwechsel, wann, warum?
    Und letztendlich: wie sieht es in den anderen Kitas im Bistum aus? Wie in Kitas generell? Sollte man nicht das ganze Konzept der ‚Prävention‘ (es werden ja fleißig Schulungen angeboten und durchgeführt) überdenken? Etc. etc.

    Ein Suggerieren von ‚Aufarbeitung‘ und ‚alles unter Kontrolle‘ und ‚alle versorgt‘ ist eher ein Hinweis darauf, dass das Bistum nach dem Spruch agiert: Klappe zu, Affe tot.

  2. Michaela schreibt am :

    Ich kann nicht glauben, dass irgendjemand die Annahme hat, und gerade nicht hier (!), dass ein 5jähriges Kind ein (echter, originärer) Täter sein kann. Oder ein 4jähriges, oder 6jähriges. Es muss von einem Erwachsenen ausgehen. Was auch immer in dieser Tagesstätte vorgegangen ist, die Kinder haben sich das nicht ausgedacht. Irgendwo, an welcher Stelle auch immer, _sind_ Erwachsene als Täter involviert. So kleine Kinder sind keine Täter. Sie agieren was aus. Ich wurde mit 3,4 Jahren auch von einem vielleicht 5 oder 6 jährigen Nachbarskind drangsaliert. Ihr wurde von Ihrem Opa sexuelle Gewalt angetan, was sie damals wohl geäußert hat (ich kann mich daran nicht mehr erinnern) und ihre Mutter hat nur zugeguckt. Dann hat sie wohl das Gefühl gehabt, sie müsste mit ihrem etwas größeren Cousin etwas davon weitergeben. Ich weiß nicht, ob sie als Erwachsene ein besserer Mensch geworden ist, nach dem was sich damals abzeichnete. Ich habe sie als Teenager mal wieder gesehen und habe sie als verschlossene junge Frau wahrgenommen, die sich darüber freut, mich, als ehemaliges „Opfer“ wiederzusehen, weil es ihr diese Machtgefühl gibt. Aber so welche Sachen, denkt sich kein Kind aus. Woher sollen die Kinder das nehmen? Die Welt eines Kindes endet bei seinem direkten Umfeld (Eltern, Kindergarten etc.) Das ist die Welt eines Kindes, größer ist sie nicht. Irgendwo, in der Welt dieser Kinder, gibt es Gewalt, die von Erwachsenen ausgeht. (Sexuelle) Gewalt ist ja nicht irgendeine Blase im Körper, mit der jedes Kind zur Welt kommt und bei manchen platzt sie und bei anderen nicht und dann sind diese ganzen Bilder und Phantasien da, die ausagiert werden wollen. Hier versuchen sich doch alle Erwachsene aus der Nummer rauszuziehen und den schwarzen Peter bei den Kindern zu lassen. Das ist unglaublich. Dass das auch noch so geschluckt wird.

  3. klaraklara schreibt am :

    Hallo Michaela und Lisbeth,
    ich bin mir nicht sicher, ob ich in diesem Thread alles verstehe. Michaela, hast du den Eindruck, dass Lisbeth Kinder regelrecht in Verantwortung sieht, wenn sie davon schreibt, dass sie in „Täter-Ausagieren involviert“ waren? Lisbeth, hast du das so gemeint?

    Ich persönlich bin mir sicher, dass Kinder, wenn sie sich gewaltsam zu anderen Kindern verhalten, aufgrund von leidvollen und gewaltsamen Vorerfahrungen so geworden sind, oder auch dass ein Kind aktuell in das Spiel eines erwachsenen Gewalttäters eingebunden wird.
    Was mir mal auffiel, als ich in schlecht geführten pädagogischen Einrichtungen arbeitete: sich ausreichend mnit den Kindern zu beschäftigen, wurde als „Erziehung zur Selbständigkeit“ bezeichnet, und wenn die Kinder dann etwas Dummes gemacht hatten, wurde gemeckert …

    Einige Kinder erfahren auch, dass es Körperkontakt fast nur beim Kitzeln gibt, und unterdrücken dann das Unbehagen, wenn sie gekitzelt werden, um ein bisschen Körperkontakt zu erfahren. Ich hatte selbst als Kind einmal eine Freundin sehr ausgiebig gekitzelt, bis mir plötzlich irgendwie klar wurde, dass ich gerade eine Grenze überschritten hatte.

  4. klaraklara schreibt am :

    mich korrigiere: sich NICHT ausreichend mit den Kindern zu beschäftigen …

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