Die Erzieher wollen keine Einigung mit der Kirche

07.07.2015: DIE WELT

Nach dem sexuellen Missbrauch unter Kindern an einer Mainzer Kita wurden die Erzieher gekündigt. Einige haben gegen ihre Entlassung geklagt. Sie wollen keinen Vergleich, sondern einen Prozess.

Der Streit über die fristlose Kündigung von sieben Erziehern, in deren Kindertagesstätte im Mainzer Stadtteil Weisenau es zu sexuellem Missbrauch unter Kleinkindern gekommen war, geht weiter. Sechs der Kinderbetreuer haben ihren bisherigen Arbeitgeber, das Bistum Mainz, verklagt und die fristlose Entlassung angefochten. Weiter lesen…

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Mainzer Kindertagesstätte ‘Maria Königin‘

9 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    Nach diesem Kammertermin werden die Fakten kaum an die Öffentlichkeit gelangen.
    Nach unseren Erfahrungen wird der Staat Transparenz mal wieder zu umgehen wissen um die Kirche nicht zu belasten.
    Nach jeder Logik müsste jetzt die Kanzlerin die zuständigen Verfassungsorgane mit der Überprüfung ihrer Staats-Kirchen-Verträge beauftragen; eine Aufgabe, die nach 200 Jahren nun endlich fällig wird, weil KINDER unter der Verantwortung des staatlich beauftragten Vertragspartners RKK verwahrlosen – nicht nur in Mainz.

    Schon Sören Kierkegaard übte Kritik am offiziellen kirchlichen Christentum und forderte eine konsequente Trennung von Staat und Kirche.
    Seine – für mich – sehr plausiblen Gründ vermittelte in der Sendereihe „Tag für Tag“ Rüdiger Achenbach heute in Teil 3: http://www.deutschlandfunk.de/soeren-kierkegaard-teil-3-das-christentum-ist-keine-lehre.886.de.html?dram:article_id=324829

    Am Wohl eines Kindes scheiden sich die Geister – das sollte Frau Merkel grundsätzlich für ihre Richtlinienpolitik im Umgang mit ALLEN Betroffenen, aus aktuellem Anlass ganz neu bedenken, so ihr denn ‚das Kind’/’der Mensch‘ in der Rangfolge VOR Wirtschaft und Banken rangieren sollten!
    Bisher haben sogenannte „Unabhängigen Beauftragten“ bzgl. sexualisierter Gewalt scheitern müssen, nämlich an all ihren ABHÄNGIGKEITEN …

  2. hildegard schreibt am :

    … Gewalt, Demütigung und Erpressung unter Drei- bis Sechsjährigen.
    Vielleicht brauchte es geradezu den krassen Hinweis von KINDERN, die einer am Rand der Besinnungslosigkeit ‚ferngesteuerten‘ Umgebung ihr schockierendes SPIEGELSPIEL aufführen MUSSTEN, damit endlich alle aufmerken, erkennen und Staat und Kirchen nun umsteuern KÖNNEN …
    Dann mag auch das Pflänzchen ‚Versöhnung‘ sprießen.

  3. Saskia schreibt am :

    zu Hildegard..ich zitiere…Gewalt ,Demütigung und Erpressung….
    ich habe in einer einer Fachzeitschrift gelesen…
    dass Mobbing an Kindern, sei es durch Erwachsene oder Kinder,verbal oder durch das Internet,kann ähnliche Symtome, Krankheitsbilder und gestörte Verhaltensmuster wie sexualer Missbrauch hervorrufen,
    das Ausmass an Gewalt an Kindern ist leider sehr groß.

  4. Michaela schreibt am :

    Ich rege mich immer noch über die Berichterstattung auf. Auch wenn es langsam etwas erträglicher wird, weil teilweise bessere /die richtigen Worte benutzt werden bzw. ein akkurateres Bild gezeichnet wird. Das Wort Täter im Zusammenhang mit Kindern wird in Anführungsstriche gesetzt. Es wird in Erwägung gezogen, dass einige der übergriffigen Kinder sexuelle Gewalt im Vorfeld erlebt haben und diese dorthin getragen / gespiegelt haben.

    Aber was soll der Satz „Das Mainzer Bistum will sich nun intensiver um das schwierige und tabubeladene Thema frühkindliche Sexualität kümmern“? In diesem Kindergarten hat Gewalt stattgefunden und das Bistum will sich jetzt um frühkindliche Sexualität kümmern? Hier wird wieder etwas vermischt, was nicht zusammengehört. Gewalt vs. Sexualität. Wenn ich jemanden mit der Bratpfanne eins überziehe, werde ich auch nicht zum Kochkurs geschickt. Es ist Gewalt. Das Ding mit dem ich etwas ausübe definiert nicht die Sache an sich.

  5. Michaela schreibt am :

    Wie handlungsfähig oder -unfähig macht mich/uns die Begrifflichkeit Sexualität in diesem Zusammenhang? Wenn ich die Realität mit den benutzten Worten falsch abbilde, wie ist es uns dann möglich wütend zu sein, Grenzen zu setzen, kraftvoll in eine Richtung zu steuern?
    Was dann ist, ist Verwirrung.
    Wer möchte das?

    Mich macht das wütend.

  6. Angela Ebert schreibt am :

    Michaela,
    Wut ist ein gesundes Gefühl, ein persönliches Unrechtsbewußtsein hat mit Würde zu tun! (Luise Reddemann)
    Das es an Unrechtsbewußtsein erheblich mangelt ist seit in Kraft-Setzung der Hartz 4-Gesetzgebung mehr als deutlich, da ist Zwang und Gewalt die ZIELFÜHRUNG, aus rein wirtschaftlichen Gründen!!!
    Die Deffinition von Gewalt ist längst überfällig, nicht nur der sexuellen Gewalt, es fehlt an der allgemein gültigen Deffinition. Eigentlich im StGB nachzulesen, ein freundlicher Hinweis meinerseits, auch sehr leicht zu verstehen für die gesamte deutsche Richter-Elite. Die scheint wieder einmal auf beiden Augen blind….arme Justizia der BRD! Ja, die Weisungen, von oben, vom Präsidenten, Ministerium und von der Richtlinienkompetenz (in) höchst selbst, vermutlich.
    Wir können über den Rechtschutz des Grundgesetzes und der Bügerrechte nur noch Vermutungen anstellen, das ist ein Fakt, leider.
    Vorsicht ist die Mutter der Porzelan-Kiste 😉

  7. hildegard schreibt am :

    Die Bratpfanne von Michaela trifft das Problem – das Ding an sich fehlt bei sexualisierter Gewalt.
    Es ist der unfassbare Mix aus verbal-psychisch-mental-physischen Übergriffen, von dem ein Kind attackiert und total überschwemmt wird, von dem es lebensbedrohlich gelähmt und in seiner Entwicklung gestoppt, gekappt wird. Erwachsene Täter und Täterinnen wissen was sie tun:
    Penetrante, perfide Verbrechen gegen Mensch, Menschheit, Menschlichkeit. Kinder spiegeln „nur“ …

    Und Staat und Kirche tun alles zur Verschleierung von Wahrheit und Klarheit …

  8. Michaela schreibt am :

    Naja, die Pfanne gibt es ja scheinbar schon, weil sexuelle Gewalt so oft mit Sexualität „verwechselt“ wird. Wie jetzt wohl auch bei die Mainzer Bischofkonferenz. Die sich aufgrund der Vorfälle in der Kindertagesstätte um Sexualität kümmern möchte.

    Und diese „Verwirrung“ herrscht ja nicht nur beim Staat und der Kirche. Sie herrscht scheinbar bei vielen von uns. Ich musste darüber auch erst nachdenken, wie man das benennen muss; was da passiert; was die Krux ist.

    Vielleicht gibt es so eine Art kollektives Trauma; vielleicht spricht auch oft die Tätersicht aus dieser sprachlichen Falschnutzung/Diffamierung der Realität.

    Es ist wichtig zu sagen, was es ist.

  9. hildegard schreibt am :

    … ein sehr komplexes kollektives Trauma!

    Mir scheint, dass zur Aufarbeitungsproblematik in Deutschland der Blick in unsere Nachkriegsgeschichte immer unverzichtbarer wird, je länger wichtige Änderungen auf sich warten lassen.
    Die Alliierten vertrauten nach den Nazis Adenauer und überließen dieser ersten Bundesregierung weitgehend freie Hand. Allen war bekannt, dass das ganz ohne Nazis nie würde funktionieren können. Führungskräfte aus der NS-Zeit mussten rekrutiert werden – wie auch anders … !
    Dass dann Lippenbekenntnisse nach den Persilscheinen fällig, zahlreiche Gedenkreden ‚gemacht‘ und manche Krokodilstränen vergossen wurden – das war nach den Zusammenbruch leicht zu haben. Man war ‚es‘ der skeptischen Weltöffentlichkeit schuldig. Man konnte sein Gewissen mit gewichtiger Mine besänftigen. Man nannte das dann Aufarbeitung der Vergangenheit, was im Ausland wohl auch geglaubt wurde.
    Eigentlich aber wollte das Inland die lästigen Albträume verjagen. Und das Ausland war es irgendwann Leid Täter zu jagen. Man arrangierte sich, man tauchte unter, man legte sich krumm. Alles für eine bessere Zukunft. An ungeschriebene Gesetze musste man sich unbedingt halten: Nur ja keine heißen Eisen anpacken, nur ja niemanden kompromittieren – das hätte unweigerlich den Bumerang bedeutet, denn alle waren mit schuldig geworden. Schließlich gab es ja den Wiederaufbau und den Wirtschaftsaufschwung … aktuell: nach 70 Jahren will man weiter Fälle verfolgen!

    Ganz ähnlich spielt sich die heutige Missbrauchs-Aufklärung ab.
    Obrigkeiten in Kirche und Staat sind sich einig:
    Man will eigentlich überhaupt nichts damit zu tun haben – aber man muss ja was tun. Wenigstens muss man so tun als ob man was tut. Das Volk soll ’s glauben. Es sei doch wohl kein Aktionismus, wenn lauter amtierende Kabinetts-Frauen und obendrein auch noch eine gestandene ehemalige Ministerin aus der Opposition den wichtigsten Posten einnimmt, unabhängig, alle ziehen doch an einem Strang …!
    Zwei Haken werden übersehen:
    Opfer bleiben ohne Stimme.
    Verjährungsfristen.

    Wer sich für die Opfer einsetzt und Transparenz fordert, macht sich verdächtig. Nur ein Querulant kann doch den Willen der Regentin zu Wahrheit und Klarheit infrage stellen!
    Warum sonst stellen nicht die Medien diese Fragen? Wer hat ein Interesse daran, dass systematisch die ‚alten‘ ungezählten verstörten Kinderseelen aus allen Schichten der Gesellschaft in all den vergangenen Jahrzehnten heute noch ignoriert werden? Warum hat keinem einzigen dieser Geschöpfe auch nur ein Mensch geglaubt? Warum konnte sich kein Kind seinem näheren Umfeld mit seinem hoch-not-peinlichen Problem mehr anvertrauen? – Keine Hilfe. Kein Mitleid. Gnadenlose Zurückweisung völlig wehrloser Kinder.
    Alle wussten sie es, dass das Kind vor der ÜBERMACHT der drei beteiligten TAT-Ebenen kapitulieren musste – vor Tätern, Mitwissern und der insgesamt gewissenlos gewordenen Gesamtgesellschaft.
    Diese drei Ebenen (speziell in Deutschland) lagen in ihren nie abgelegten Schuldgefühlen wie in Fesseln.
    Nie hatten sie sich der Mühe wirklicher Aufklärung ihrer eigenen Beteiligung am Massenmorden der Nazis unterzogen. Kriegsheimkehrer hatten Sonderstatus, hatten Verletzung, Entbehrung und Leid für Volk und Vaterland hingenommen …
    TRAUMATISIERTE also waren es, die nun (nicht nur) ihre eigenen Kinder schwer traumatisierten, erlebte Gewalt an Frauen und Kinder weiterreichten, die wiederum die Schwächeren vergewaltigten …
    Sollten/konnten/durften DIE angezeigt, verurteilt und unter Strafe gestellt werden?
    Der Untertan schwieg – anders der Denunziant im Krieg – Kriege entwickeln ihre gewalttätige Eigendynamik. Und jede/jeder hatte in irgend einer Weise mit dem Dilemma zu tun.

    Vor lauter äußerem Aufbau ging die klare Sicht für Recht und Würde verloren – sowohl bei Politikern, Klerikern, Intellektuellen als auch in der breiten Bevölkerung.
    Wer hätte einem Kind das glauben dürfen …?

    2010 erst wirbelte der ‚Tsunami‘ diese Bedenken auf. Da erst war die Zeit reif. Da erst konnten die klaren Worte eines Klerikers, da erst konnte mit dem Mut der Zerzweiflung endlich auch Norbert Denef sich und den zahlreichen anderen Betroffenen das nötige Gehör verschaffen. Es kam notwendigerweise zu Konfrontationen vor allem mit den Klerikern, die plötzlich wie in „Kaisers neuen Kleidern“ da standen. Sie konnten – erbärmlich genug – immer nur stückweise genau das zugeben, was nun an die Öffentlichkeit befördert wurde.
    Gibt es unter Kirchenführern kein Rechtsempfinden?
    Brauchen Christen eigene Rechtsabteilungen …?

    KINDER sind es wieder einmal, die nun den Staat zur inneren Ordnung mahnen.
    Der Staat steht heute nicht weniger nackt da …

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