Perfide Strategie der Charité

26.11.2015: netzwerkB Pressemitteilung

netzwerkB-Vorsitzender Norbert Denef über die perfide Strategie der Charité.

Interviewanalyse zum Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ (als PDF herunterladen)  

Sie kennen das Präventionsprojekt „Kein Täter werden“. Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden?

Ich habe das Projekt von seinen Anfängen an – es begann ja 2005 als erste Dunkelfeldstudie – beobachtet. Ich habe mich mit Herrn Prof. Beier schon am 10.10.2006 in der ARD Fernsehsendung ‘Menschen bei Maischberger‘ und dann wieder am 2.10.2007 in der ZDF Fernsehsendung Johannes B. Kerner‘ gestritten.

Wie war Ihr erster Eindruck von dem Projekt? Wie hat es auf Sie gewirkt?

Herr Prof. Beier postuliert, dass ‚Pädophilie‘ (wir lehnen diesen Begriff ab – es ist Pädokriminalität) eine sexuelle Präferenz ist – gleichzusetzen mit Heterosexualität und Homosexualität und, dass diese bei ca. 1% von Männern vorkommt, ungefähr 250 bis 280 000 Männern. Sie sei zu behandeln als chronische Erkrankung.

Das Programm macht Werbung mit dem Slogan „Lieben sie Kinder mehr als ihnen lieb ist“. Für uns bei netzwerkB ist dieser Slogan eine Verhöhnung der Opfer, da Vergewaltigung ein Verbrechen ist und mit Liebe nichts zu tun hat.

Außerdem wird durch dieses Projekt Mitleid mit dem Täter erzeugt – was wiederum die Kriminalität des Tuns ignoriert und den Fokus von den wirklichen Opfern wegnimmt.

Generell unterstützen wir von netzwerkB alles was effektiven Kinderschutz unterstützen kann, einschließlich der Arbeit mit Tätern. Dieses Projekt ist aber kein Beitrag zum Schutz von Kindern, da es die Wirkung des Opfer-Täter-Opfer-Täter Kreislaufes nicht adressiert und somit keine Basis hat, nachhaltig Prävention gegen Gewalt gegen Kinder zu betreiben.

Wie beurteilen Sie die Aufnahmekriterien im Präventionsprojekt?
(Stichworte: Präferenzstörung Pädophilie, bisher nicht justizbekannt, Dunkelfeld, nur Männer)

Dieses Projekt adressiert lediglich eine verschwindend geringe Zahl an Tätern, die Kinder „missbrauchen“ (Missbrauch ist das falsche Wort, denn es handelt sich hier um Gewalt, um sexualisierte Gewalt). Der „Therapie“ Ansatz lässt jegliche Verbindung aus, die mit einer Viktimisierung von Tätern in ihrer eigenen Kindheit zu tun haben könnte. Den Tätern bzw. potentiellen Tätern wird ein Label aufgedrückt und Gründe für ihr Verhalten bzw. ihre Orientierung werden nicht untersucht. Somit erhält das Projekt zwar einen hohen politischen und öffentlichen Aufmerksamkeitsgrad und viele öffentliche Gelder, wird aber einen verschwindend geringen Effekt auf den Schutz von Kindern haben.

Was halten Sie davon, dass Männer mit ausgeprägter Intelligenzminderung und/ oder schweren psychischen Erkrankungen davon ausgeschlossen werden?

Bei Personen mit solcher Art Symptomen, die zu den Diagnosen „Intelligenzminderung“ führen, ebenso bei „Schizophrenie“ bspw. oder alle Arten von „Persönlichkeitsstörungen“ besteht die Angst, dass diese Personen das statistische Outcome des Gesamtprojekts herunterreißen, wenn man sie mit einbezöge. Somit wird eine mögliche Zielgruppe ausgeschlossen, die den (selbstproklamierten) Erfolg der Projektgruppe mindern würde.

Das Präventionsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, das Risiko eines erstmaligen oder auch fortgesetzten sexuellen Kindesmissbrauchs zu verringern, indem es mit potentiellen und realen sog. Dunkelfeldtätern arbeitet.
Denken Sie, dass das Projekt geeignet ist, dieses Ziel zu erreichen (während der Therapie und in der Zeit danach)?

Das Projekt hat erhebliche wissenschaftliche Mängel. Das Projekt stellt sich selbst als erfolgreich dar, aber die Ergebnisse nach nur 12 monatiger Laufzeit – ein Zeitraum, der für eine Prognose von Langzeiteffekten zu kurz ist – können nicht als wertig angesehen werden, da entgegen dem anerkannten wissenschaftlichen Standard der Präventionsforschung die Zahl der Abbrecher nicht miteinbezogen wurde. Mit 56,4% (180 Teilnehmer, die die Therapiemaßnahme gleich zu Beginn ablehnten oder vorzeitig abbrachen) von 310 Bewerbern ist diese aber recht substantiell – und forensisch-kriminologische Forschung hat gezeigt, dass gerade unter Abbrechern die höheren Rückfallquoten zu finden sind.

Der ‚Erfolg‘ der Therapie wurde durch Selbstaussagen der Teilnehmer zu einer Serie von Risikofaktoren gemessen und zeigte bis auf eine moderate Verbesserung der Empathie-Werte keine wirklich überzeugenden Unterschiede zwischen der Kontrollgruppe und der Gruppe von Teilnehmern der Therapie.

Die Forscher um Beier betonen, dass keiner der Teilnehmer laut Selbstaussagen strafrechtlich auffällig geworden sei, verzichteten aber auf jegliche Bemühung, dies in irgendeiner Form nachzuprüfen.

Die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie bisher sind widersprüchlich und erlauben daher keine Aussagen darüber, ob die durchgeführte primär präventive Therapie die Wahrscheinlichkeit von sexueller Gewalt gegen Minderjährige erhöht, reduziert oder unbeeinflusst lässt. Eine Selbstevaluation der Therapiemaßnahme durch die anbietende Institution legt zudem immer auch die Vermutung eines Interessenkonfliktes nahe. (s. Andrej König, Kein Täter werden-Keine Effekte?)

Dieses Projekt sollte also ob seiner Wissenschaftlichkeit kritisch hinterfragt werden, und wir halten es dafür auch nicht für eine geeignete Präventionsmaßnahme.

(http://netzwerkb.org/2015/04/13/charite-programm-kein-tater-werden-zeigt-erhebliche-wissenschaftliche-mangel/)

Das Projekt wirbt mit kostenloser Teilnahme, Verschwiegenheit (Schweigepflicht) und spricht den Leidensdruck der pädophilen Männer an.

a)Halten Sie dieses Vorgehen für erfolgversprechend, um die Zielgruppe zu erreichen?

Dies stellt sich dar als eine Maßnahme, die Hemmschwelle für eine Teilnahme niedriger zu setzen, um möglichst viele Probanden zur Durchführung einer Studie mit sehr heiklem Thema zu bekommen.

b) Kann nach Ihrer Einschätzung die Plakatwerbung wie das Projekt selbst die Allgemeinbevölkerung sensibilisieren und somit mehr Verständnis für die Problematik herstellen?

Der Fokus ist falsch: es geht nicht um Liebe, es geht um Gewalt. Der Gebrauch des Wortes ‚Liebe‘ wenn es um die Vergewaltigung von Kindern geht ist eine Verhöhnung der Opfer.

Es geht damit auch an der Aufgabe völlig vorbei, die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, was Gewalt ist, wo Gewalt anfängt und wie tief verwurzelt Gewalt gegen Kinder in unserer Gesellschaft ist und dass es eine gesellschaftliche Hauptaufgabe sein sollte, Kinder in Zukunft wirklich zu schützen.

„Kein Täter werden“ spricht davon, dass pädophile Männer, die ihre sexuelle „Neigung“ auf der Verhaltensebene ausleben, zur Verantwortung gezogen werden müssen. Es werden jedoch auch pädophile Männer im Projekt aufgenommen, die bereits sexuelle Übergriffe auf Kinder im sogenannten „Dunkelfeld“ ausgeübt haben. Es kommt durch die Schweigepflicht zu keiner strafrechtlichen Verfolgung bereits begangener Taten.

a) Kann das Projekt Ihrer Meinung nach dann noch seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden?

Die deutsche Ärztezeitung publizierte jüngst eine Zusammenfassung der Studie unter dem Titel ‚Pädophilie Prävention zeigt Wirkung‘.

Ergebnis der Studie ist aber, dass gerade diese Wirkung relativ gering ist:

  • 5 von 25 Missbrauchstätern berichteten von fortbestehendem Kindesmissbrauch während der Therapie
  • 29 von 32 Verwendern von kinderpornographischem Material taten dies auch weiterhin.

Einbezogen in das Therapieprogramm werden u.a. auch Männer, die bereits sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen haben, aber den Strafverfolgungsbehörden (noch) nicht bekannt sind (reale ‚Dunkelfeld-Täter‘), hieß es dazu seinerzeit in einer Mitteilung des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité.

Indem diese Studie mit Männern arbeitet, die bereits sexuelle Übergriffe begangen haben, den Strafverfolgungsbehörden aber nicht bekannt sind (also reale Dunkelfeld-Täter) verweigern Beier und Co. den kindlichen Opfern den Schutz.

Diese erleiden weiterhin Gewalt und ihnen wird jegliche Hilfe verweigert. Dies ist Täterschutz und aus unserer Sicht ein Skandal.

http://netzwerkb.org/2014/12/30/charite-programm-kein-tater-werden-im-ethisch-rechtlichen-dunkelfeld/

b) Stellt das Präventionsprojekt damit nicht vielmehr – provokativ gesagt – „einen Schutz für pädophile Täter im Dunkelfeld“ dar?

Genau! Prof. Beier und seine Projektarbeiter machen sich damit zu Mitwissern und somit zu Mittätern. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist so nachhaltig verwoben in unsere Gesellschaft, da sie vom Schweigen der Mitwisser genauso profitiert wie vom Schweigen der Täter und der Opfer.

Das Therapieprogramm sieht eine Erhöhung der Verhaltenskontrolle vor. Das soll unter anderem durch eine Aktivierung sozialer Ressourcen und die Einbeziehung naher Bezugspersonen erreicht werden.
Wie beurteilen Sie das?

Das klingt sicherlich sehr gut. Aber: das Beier‘sche Projekt geht dezidiert NICHT an das Thema einer eigenen Viktimisierung der Täter in ihrer Kindheit heran. Es ist nun wirklich keine neue Entdeckung, dass Gewalt aus der Erfahrung von Gewalt entsteht. Indem man den Opfer-Täter-Opfer-Täter Kreislauf aus der Betrachtung und Behandlung auslässt, befinden sich die Ansätze zur Verhaltenskontrolle auf dünnem Eis.

Zudem: wenn die Täter lernen sollen, Verantwortung für ihr eigenes Tun zu übernehmen, dann müsste das zwingend auch bedeuten, dass die, die schon Gewalt ausgeübt haben, sich selbst anzeigen und damit erst beweisen, dass sie Verantwortung übernehmen und Empathie für die Opfer aufbringen.

Wie schätzen Sie es ein, dass sich nur 1/5 der Teilnehmer des Projektes dazu entschieden hat sich medikamentös behandeln zu lassen, um sexuelle Impulse abzudämpfen bzw. zu verringern, obwohl das zu einem wichtigen Teil der Behandlung im Projekt definiert ist?

Es ist interessant, dass die Projektleiter willens sind vom Behandlungsreglement derartig häufig abzusehen. Es scheint – wieder einmal – dass das Ziel der Studie eher ein anderes ist als das welches ausgewiesen wurde – also: Erfolg, bzw. gute Statistiken für das Programm rangieren über dem Verhindern von Täterschaft. Und dies wiederum macht dann insgesamt keinen seriösen Eindruck.

Denken Sie, dass die Therapiedauer von rund einem Jahr im Präventionsprojekt ausreichend ist?

Beier argumentiert, dass ‚Pädophilie‘ als chronische Krankheit einzustufen sei. Und damit geht es um lebenslange Verhaltenskontrolle.

Während es relativ einfach ist, einem Diabetiker beizubringen, wie er sich selbst Insulin spritzt, ist es ein größeres Unterfangen, einem Täter das Instrumentarium zu vermitteln, keine weiteren Taten zu begehen, bzw. nicht anzufangen, aktiv als Täter zu agieren. Ein Jahr Behandlungsdauer scheint deshalb eher lächerlich.

Da aber in unserem Dafürhalten der Beier‘sche Ansatz ohnehin nicht zielführend ist, ist es nicht relevant wie lange oder wie kurz die Behandlungsdauer ist.

Bei nur knapp der Hälfte der Personen, die sich bis Juni 2009 für das Projekt gemeldet hatten (936 Personen), konnte eine Diagnostik abgeschlossen werden. Von diesen Personen schlossen ca. 10 % die Therapie ab, ca. 5,9 % befanden sich noch im Projekt und ca. 2,5 % warteten noch auf einen Therapieplatz im Projekt.

Wie interpretieren Sie den vergleichbar geringen Anteil der effektiven Teilnehmer im Projekt im Vergleich zu
a) den gemeldeten Personen (Interessenten für das Projekt)?
b) den die Diagnostik abgeschlossenen Personen?

Es sieht ja tatsächlich so aus, als ob diese Studie sehr selektiv arbeitet, um sich höhere Erfolgsraten zu sichern. Und selbst dann ist die Zahl derer, die das Programm erfolgreich durchlaufen verschwindend gering.

http://netzwerkb.org/2014/07/17/faktencheck-padophilie-praventionsprojekt-kein-tater-werden/

Am 6. Juli 2014 hat netzwerkB in dem Artikel ‘Pädophilie.Präventionsprojekt „Kein Täter werden“‘ unter anderem folgendes geschrieben:

Zitat:
„Seit dem Start 2005 haben sich nach Klinikumsangaben fast 2000 Männer bei der Charité gemeldet, weil sie sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlten. Rund 400 erhielten ein Therapieangebot, 180 haben damit begonnen. Rund 95 haben die Therapie bereits abgeschlossen.“ (Quelle: www.t-online.de)

2000 minus 400 = 1600. 1600 haben in 9 Jahren die „Aufnahmeprüfung“ nicht bestanden und wurden nach Hause geschickt. Was machen die denn heute so?

400 von den 2000 haben also innerhalb von 9 Jahren die „Aufnahmeprüfung“ bestanden. 220 wollten dann aber innerhalb von 9 Jahren dann doch nicht so richtig und haben sich anderweitig umorientiert.

Da waren’s dann nur noch 180 von den 2000, die sich innerhalb von 9 Jahren in einer Therapie befinden. 85 von 2000 versuchen seit 9 Jahren die „Abschlussprüfung“ zu bestehen. 95 von 2000 haben innerhalb von 9 Jahren die Therapie erfolgreich? abgeschlossen. Das sind 4,75 % in 9 Jahren. Zitatende

Die Charité teilte uns mit Schreiben vom 8. Juli 2014 mit, dass angeblich dieser Text die Zahlen des Projektes falsch wiedergibt – richtig sei:

Zitat:
Insgesamt wurde bis heute ca. 400 Personen ein Therapieangebot unterbreitet. Davon lehnten rund 220 den Platz ab (hauptsächlich wegen zu weiter Anreisewege innerhalb Deutschlands; auch hier konnten wir oftmals weitervermitteln), 34 sind aktuell in Therapie, 51 haben abgebrochen (was einer normalen Abbruchquote in Psychotherapien entspricht) und fast 100 haben die Therapie abgeschlossen. 14 nehmen das Angebot der Nachsorge in Anspruch. Zitatende

Wie schätzen Sie die Erweiterung des Präventionsprojektes im Jahr 2009 um potenzielle und reale Nutzer von Kinderpornografie ein?
Kann diese Zielgruppenerweiterung zur Optimierung der Prävention beitragen?

Wohl kaum. Da wir den Ansatz des Projektes im Kern kritisieren, sehen wir auch die Erweiterung um das Thema Kinderpornographie als nicht zielbringend.

Es stellt sich uns eher so dar, dass das Projekt den Markt der Helferindustrie dadurch noch verstärken will – anstatt nach den Ursachen zu forschen, wird weiterhin Symptombehandlung fortgeschrieben.

Das Präventionsprojekt vergleicht die pädophile und hebephile Präferenzstörung mit chronischen Erkrankungen, wie Migräne oder Neurodermitis, und schlägt ein „Chronikerprogramm“ im Gesundheitssystem vor.
Was halten sie davon?

Man sperrt die Menschen in ihre Diagnose ein, ohne an den Ursprung – Gewalterfahrung in der Kindheit – zu gehen. Wenn es gelingen sollte, dieses in das Gesundheitssystem aufgenommen zu bekommen, kann die Helferindustrie gut davon leben.

Die Opfer von Gewalt in der Kindheit haben es nach wie vor schwer, therapeutische Hilfe zu bekommen.

Wie beurteilen bzw. schätzen Sie die Effektivität des gewählten Projektnamens „Kein Täter werden“ ein?

Der Projektname ist in Bezug auf seine Medienwirksamkeit geschickt gewählt – aber: das Projekt beherbergt Täter und schützt sie durch die Schweigepflicht. Zudem kann dann gar nicht mehr festgestellt werden, ob die Täter nicht aktiv wurden, da dies lediglich durch Eigenaussagen der Teilnehmer festgestellt wird.

Wie wirkt der Slogan „lieben sie Kinder mehr, als ihnen lieb ist?“ auf Sie?
Stellt der Begriff „Liebe“ für Sie eher eine Verharmlosung dar oder ist dieser aufgrund der lebenslangen sexuellen „Neigung“ genau richtig gewählt, um die Problematik besser darzustellen?

s.o. Es geht nicht um Liebe – Vergewaltigung von Kindern ist Gewalt. Den Begriff ‚Liebe‘ hier einzubringen, ist eine Verhöhnung der Opfer.

Was wird nach Ihrer Ansicht im Präventionsprojekt besonders gut umgesetzt?

Das Projekt betreibt ein sehr erfolgreiches Marketing – und ist mittlerweile als Präventionsnetzwerk in mehreren Bundesländern vertreten. Während es mit Stiftungsgeldern, u.a. von der Volkswagenstiftung seinen Anfang machte, war die politische Lobbyarbeit recht erfolgreich und so erhält das Projekt unter anderem auch Gelder durch das Bundesjustizministerium.

An welchen Stellen sollte man das Projekt nochmals nachbessern oder ggf. auch erweitern?

Da wir eine fundamentale Kritik an diesem Projekt üben, sind wir auch der Meinung, dass es keine Nachbesserung bzw. Erweiterung geben sollte.

Es ist schade, dass so viele Gelder in dieses Projekt fließen, die besser angewandt würden, um Opfern zu helfen und um echte Prävention der Art zu betreiben, dass der Gewaltkreislauf angegangen wird.

So wie es derzeit ist bedient dieses Projekt das Bedürfnis der Politik das Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder abzuhaken: Gelder fließen in die Forschung und in zweifelhafte oder ineffektive Präventionsmaßnahmen während die Betroffenen oft am Existenzminimum leben und ihnen essentielle Hilfen verweigert werden.

Für Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)160 2131313

12 Kommentare

  1. Angela Ebert schreibt am :

    Ich vereinfach einmal die „Einstellung“ der Verantwortlichen und Zuständigen:
    Interesse und Anerkennung wiederfährt auch dem größten derzeit bekannten Steuer-Betrüger (BK zollt großen Respekt!), wie auch den Sexual-Straftätern hier in diesem Bereich, sehr be-merkenswert, wie ich finde.
    Eine Schutz der Kinder als Opfer von sexueller Gewalt kann ich darin nicht erkennen, im Gegenteil!
    Prävention geht anders, meine Meinung, Straftaten werden billigend in Kauf genommen, vermutlich sogar geschützt. Die Gründe sind beliebig.
    Der Gewalt-Kreislauf wird damit gefördert, wie mit der Agenda-Ideologie per Gesetz zielführend weiter betrieben, mein Eindruck.
    Davor gilt es sich auf Dauer zu schützen, Recht-Schutz von Grund- und Bürger-Rechten für Kinder wird damit der Lächerlichkeit preis-gegeben.
    Jede/r Betroffene/r muss da die eigenen Schlüsse ziehen!!!
    Den Opfern von Gewalt die Anerkennung verweigern bietet gute Möglichkeiten sich nur einem kleinen Teil der Täter widmen zu müssen, Kosten zu sparen, so herum wird es vielleicht verständlicher?!
    Alles klar??

  2. Wee Lanchee Anwa schreibt am :

    Ich kann Norbert Denef nur in allen Punkten zustimmen. Gewalt, sexualisierte Gewalt gegen Kinder als Liebe zu bezeichnen- da fehlen mir die Worte. Schon die Psychologin und Aufklärerin Alice Miller hat eines ihrer Bücher so treffend mit „Du sollst nicht merken“ überschrieben. Das gilt auch für die Verleugnung der Ursachen, die aus ehemaligen Opfern Täter und auch Täterinnen machen können. Dieses an den Symptomen Herumzudoktern ohne Ursachenanalyse hilft weder den Opfern, noch den(potenziellen)Tätern. Dabei lege ich als ehemaliges Opfer und mittlerweile Genesende den Schwerpunkt weiterhin darauf, dass in erster Linie den kindlichen und erwachsenen Opfern geholfen werden muss, zumal unsere Gesellschaft auf diesem Auge noch immer blind ist. Bei der sexualisierten Gewalt ist die Sexualität das Mittel zur Gewalt und nicht die Ursache. Es geht immer um Macht und Ohnmacht, wobei der Täter seine Macht über ein wehrloses und von ihm abhängiges Kind oder über einen abhängigen Jugendlichen ausübt. Vielleicht um den Schmerz seiner eigenen Vergewaltigung nicht spüren zu müssen. Das ist aber keine Entschuldigung für sein kriminelles Handeln.

  3. Eva schreibt am :

    Mit dem Projekt will man angeblich möglichen Tätern helfen.

    Wo ist die Hilfe für Opfer ? Nicht selten werden Opfer mit Psychopharmaka vollgesstoft und die Opfer nehmen extrem durch diese Medikamente zu. > 20Kg sind keine Seltenheit. Das ist in meinen Augen ein weiteres Verbrechen und die Pharmaindustrie verdient daran.

  4. Claudia schreibt am :

    Diesen Slogan kannte ich nicht. Konnte gar nicht glauben, dass damit geworben wird.
    Mein Täter hat mir wiederholt erklärt, dass das doch aus Liebe geschehen würde. Und ich vermute, solche Sätze haben viele von uns gehört. Neben den Drohungen, der Gewalt, dem Schmerz, der Demütigung…. Ich war und bin fassungslos, dass diese Organisation soetwas als Rechtfertigung gelten lässt.

    Ich habe eine recht emotionale Email geschrieben, an den Herrn für Öffentlichkeitsarbeit. Und als Antwort schrieb er unter anderem:“Unser oberstes Ziel ist es sexuellen Kindesmissbrauch zu verhindern!“ In dem man jedem Opfer erklärt, dass der Täter es ja gut gemeint hat?????

    So jedenfalls habe ich reagiert. Spontan.

    Täterschutz, das fällt mir dazu ein. Rechtfertigung.

    Aber das ist wohl so, in einer Welt, in der man immer nur oberflächlich suggeriert, man würde etwas für die Kinder tun wollen…

  5. hildegard schreibt am :

    … ein weiteres Verbrechen – NICHT NUR die Pharmaindustrie verdient daran – schwarze Nullen täuschen und befördern damit das Elend – auf dass wieder findige Helfer-Industrien entstehen für weitere Konflikte und Krisen …

  6. Zara schreibt am :

    „Kinderpornografie“ gibt es nicht! In Gedenken an die verstorbene Sprachwissenschaftlerin Monika Gerstendörfer („Der verlorene Kampf um die Wörter“, 2007) möchte ich darauf hinweisen, dass es noch immer viel zu viele verschleiernde Begriffe für sexualisierte Kindesmisshandlung gibt. „Pädophilie“ ist eines davon, „Kinderpornografie“ ein anderes.

    Unter „Pornografie“ versteht man im Allgemeinen, dass sich hier (mehr oder weniger) professionelle ERWACHSENE Darsteller*innen (mehr oder weniger) FREIWILLIG und meist gegen Bezahlung bei sexuellen Handlungen filmen oder fotografieren lassen.

    Wer diesen Begriff im Zusammenhang mit Abbildungen von sexualisierter Kindesmisshandlung verwendet, transportiert implizit diese Vorstellungen von (Erwachsenen)Pornografie mit, nämlich Freiwilligkeit, Bezahlung, Darstellung (statt „echter“ sexueller Handlungen). Und verschleiert somit, dass es sich um etwas ganz anderes handelt, nämlich um Vergewaltigung.

    Kein (nicht vorgeschädigtes) Kind wird sich freiwillig sexuell misshandeln lassen, und kein Kind möchte Erregungsvorlage für fremde Menschen sein. Insofern haben wir es hier eben nicht mit „Kinderpornografie“ zu tun, sondern mit Abbildungen von sexualisierter Kindesmisshandlung, bzw. sexuellen Kindesmissbrauchs.

    Wer Kinder zum Zwecke der EIGENEN Interessen („pädophile“, finanzielle, aggressive, neurotische, fürs Familienalbum, usw.) nackt fotografiert oder filmt, verletzt die Persönlichkeitsrechte von Kindern und begeht MISSBRAUCH. Weil er keineswegs davon ausgehen kann, im Interesse des Kindes zu handeln. Das Kind ist – das ist längst geklärt – aufgrund seines Entwicklungsstandes nicht zu einer „informierten Zustimmung“ fähig, weder zu konkreten sexuellen Handlungen mit einem Erwachsenen, noch zu Nacktfotos, -filmen etc. von sich.

    Ich wünsche mir, dass der Begriff „Kinderpornografie“ bzw. „kinderpornografisches Material“ (siehe Text) genauso aus dem gesellschaftlichen Wortschatz verschwindet wie das Wort „Pädophilie“. Es wird Zeit, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen.

  7. kar schreibt am :

    „Ich wünsche mir, dass der Begriff „Kinderpornografie“ bzw. „kinderpornografisches Material“ (siehe Text) genauso aus dem gesellschaftlichen Wortschatz verschwindet wie das Wort „Pädophilie“. Es wird Zeit, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen.“

    Vorschlag meinerseits, vielleicht sollten Vorschläge für ersetzende Wörter gesammelt und über eine Informationsquelle bzw. als thematisches Lexikon veröffentlicht werden.

  8. Vivian schreibt am :

    Ein Vorschlag: Vor etlichen Jahren bin ich über den Begriff „dokumentierte Kindesvergewaltigung“ begegnet. Diese Beschreibung finde ich sehr treffend.

  9. hildegard schreibt am :

    „Zeit ist kein Maß für Seriosität“, so titelte das KiZ-Interview kürzlich und meinte die Glaubwürdigkeit von OPFER-Aussagen nach langem Verschweigen – wohl wahr. Aber Vorsicht ist geboten!
    Vorsicht, wo Täter von sich selbst sagen sich selbst im Griff zu haben, nicht mehr übergriffig geworden zu sein. Vorsicht, wenn Ärzte und Therapeuten tollkühn behaupten tolle Behandlungserfolge bei Pädokriminellen erzielt zu haben.
    Welcher PTh könnte hinter die Absichten und Aussagen seiner Klienten und in deren seelische Abgründe hinein so abgesichert geguckt haben? Wie würde Herr Deininger die von ihm behaupteten Erfolge „lupenrein belegen“ können? Wie alias Beier/Charité … ? Und Medien dürfen beliebig mit blendenden Schlagzeilen die Opfer und ihre geschundenen Seelen in den Schmuddelecken der Gesellschaft verschwinden lassen? Volks-Beruhigung vor dem Hochfest der Heiligen Familie? Alles wird gut?

    Nein, gar nichts wird gut! Kein Respekt vor Betroffenen in Sicht. Betroffene werden gesetzlich genötigt zu schweigen. Künstlich hochgejubelte Strategien der Psychobranche in unseren Medien düpieren erneut Betroffene(, deren Lebensqualität damit um kein Lot verbessert wurde!).

    Besser wird es dann, wenn sensibilisierte Berufsverbände die allbekannte Nicht-Beweisbarkeit-in-Sachen-Seele eingestehen. Von angeblichen Erfolgsquoten zu reden ist schlicht unseriös. Diese Tatsache muss deutlich öffentlich betont werden. Nur das wäre ein Ansatz zu professioneller Solidarität mit der Seite zahlloser Altopfer, die selbstredend nichts mehr beweisen können und daher nichts mehr melden, nichts mehr anzeigen dürfen – wegen Verjährung.

    Gut werden kann es dann, wenn der unselige Justizirrtum (der Täter reihenweise stärkte, schützte, gewähren ließ und der deutschen Gesellschaft MILLIONEN Betroffene „bescherte“) – wenn also Verjährung Vergangenheit geworden sein wird! Verbrecher unter Staatsschutz zu stellen – das war die PERVERSION von Recht und Freiheit.
    Seriöse Politik muss hier und heute für klare Sprache sorgen. Die Lebenswirklichkeit der Kinder wurde gewaltsam zerstört. Die verschüttete Lebendigkeit der Opfer lastet schwer auf mitmenschlichen Beziehungen. Die gesamte Gesellschaft wurde kontaminiert.

    Mein vorweihnachtlicher Wunsch ist ‚fair-play‘ und Versöhnung, statt Verjährungsirrsinn!

  10. hildegard schreibt am :

    … und dennoch – Dr. Deininger erläuterte verständlich, wie Missbrauchstäter ticken und die Besonderheiten von Priestern, die Kinder und Jugendliche sexuell ausbeuten. Sein Fazit – Zitat – „… dass eine grundlegende Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie für manche Berufsgruppen Pflicht sein sollte. Kleriker, Pädagogen und Polizisten sind Berufsgruppen, bei denen ich das für sinnvoll halten würde. Prävention muss dahin gehen, dass in „Erst- Interviews“ und Gruppensitzung alle … sich zunächst mit ihrem eigenen Leben auseinandersetzen.“ – halte ich für akzeptabel und für zielführend.

  11. Doro schreibt am :

    „Tätertherapie wurde in den 90er Jahren zum großen Stichwort, zum großen Versprechen. Die Bürgerinitiative Natalie hatte erreicht, daß Therapie zur Auflage bei Verurteilungen gemacht wurde, der DSKB versprach erfolgreiche Behandlung außerhalb des Strafrahmens, doch es fehlen noch immer gültige Standards, spezialisierte Ausbildungen, ausreicchendes Wissen über die Täter und die (mögliche) Wirkung von Therapie auf sie. Daß „Pädophile“ als therapieresistent gelten, ist ein Allgemeinplatz (vgl. Wiederholt). Es fehlen Berwertungsmaßstäbe, Kontrolle der Therapieprozesse, der TherapeutInnen sowie der Täter, die existenten Rückfallstudien sind unzulänglich hinsichtlich zuverlässiger Aussagen über wirkungsvolle Maßnahmen. Hohe Empathie mit dem Täter als hilfebedürftigem Patienten versperrt TherapeutInnen oftmals einen angemessenen Zugang zur Straftat sowie eine angemessene Bewertung dieser Tat im Verhaltensrepertoire des Täters“.

    Anita Heiliger, 2007 (!!!)

    (http://www.anita-heiliger.de/htm/Sexueller%20Missbrauch.%2030%20Jahre%20%D6ffentlichkeit,%20Aufkl%E4rung,%20Ma%DFnahmen.pdf).

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