Sexualisierte Gewalt: Des Rudels Kern

07.01.2016: SPIEGEL ONLINE

Eine Kolumne von Margarete Stokowski

Die rassistische Hysterie nach den Übergriffen in verschiedenen deutschen Städten schadet den Opfern, weil sie eine wirkliche Debatte über sexualisierte Gewalt verhindert.

Es ist so ekelhaft. Die Debatte um muslimische Migranten hat ihren bisherigen Hysterie-Höhepunkt erreicht. Die Opfer der Übergriffe in Köln, Hamburg, Stuttgart oder Frankfurt sind in dieser Debatte denen, die sich am meisten aufregen, vollkommen egal. Sie sind gerade gut genug für reißerische Beschreibungen von zerfetzter Unterwäsche und Fingern an Körperöffnungen und gut genug als Grund, sich als besorgter Bürger zum edlen Ritter und Frauenbeschützer aufzuschwingen. Weiter lesen…

5 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    Personal-Notstand – allmählich entlarvt das perfide Ablenkungsmanöver von uralten Systemfehlern sich selbst:
    Wo das Recht jedes einzelnen Menschen staatlich zu schützen wäre, da sparte der Staat über Mangelbesetzung und Mittelkürzungen. Seit langer Zeit beklagen dies die Polizeien, Schulen, Kliniken, Altenheime etc. – anderes hat Vorrang.

    Waren es nicht lauter ur-deutsche Staatsbürger gewesen, die unter den Augen des Grundgesetzes seit faschistischen Zeiten Frauen und Kinder ausbeuten durften? Inmitten der demokratischen Gesellschaft. Folgenlos blieben die Verbrechen wegen des Verjährungskalküls.

    Wie mächtig muss ihr Einfluss und der ihrer Rechtsabteilungen gewesen sein, dass sie auf Biegen und Brechen die gesamte Sexualverbrecher-Bande der Verantwortung entziehen konnten. Die Täter-Lobby blüht noch.

    Politiker hätten die Beachtung der Grundrechte gesetzlich einzufordern. Was hat sie daran gehindert?

    Politiker hätten die offensichtliche Unrechts-Verjährung längst aufheben müssen. Es waren Angriffe auf Leib und Leben zahlloser Kinder und Jugendlicher – unschwer zu erkennen an den Folgen, neuro-logisch nachgewiesen.

    Alle Täter wussten was sie taten, ausnahmslos.

    Rückwirkende Aufgehebung von Verjährung bei Seelenmord stünde heute jedem damaligen Opfer sexualisierter Gewalt in angemessener Wiedergutmachung zu.

    Politiker haben endlich die Verantwortung zu übernehmen. Davon wird hier abgelenkt – Sündenböcke suchen kann jeder.

    Die Politik braucht die offene Mitsprache mündiger Beamten vor Ort – ohne Maulkorb. Da liegt der Hase im Pfeffer!

  2. Beate Lindemann schreibt am :

    Sicherlich ist es wichtig, nicht zu pauschalisieren und immer wieder die Kraft aufzubringen zu differenzieren. Dabei darf man aber auch nicht den Fehler machen einen Teil der Täter deren Motivation zu einem Teil aus deren Aufwachsen resultiert zu negieren. Ein Aufwachsen nicht nur in einer anderen Kultur/Religion/Tradition MUSS nicht, aber KANN eine ROlle spielen. NIE wieder Sündenböcke, aber auch NIE wieder Täterschutz. Differenzieren heisst auch, die Augen nicht davor zu verschließen dass es Menschen gibt, die sich unserem hohen Gut der Freiheit und unseren Errungenschaften(auch wenn diese bei Leibe verbesserungswürdig sind und bleiben!) die hart erkämpft wurden, nicht anpassen können. Hier pauschal zu sagen, alle, die auf die nicht Anpassungsfähigen/Wollenden, abheben, seien rechts, sind ebenso pauschal wie Diejenigen, die wirklich alle in einen Topf werfen. Darum bitte etwas mehr Differenzierung. Ausländer sind nicht per SE Opfer. Der Schutzreflex der Bevölkerung sollte den Frauen gelten und dann den ausländischen MItmenschen die wirklich diffamiert werden. NICHT den Tätern.

  3. Gertrud Tammena schreibt am :

    Es bleibt also an uns Opfern, dem allgemeinen Hype um die Silvesterübergriffe in Köln und den anderen angegebenen Tatorten,die Ermahnung zu Sachlichkeit und Differenzierung entgegenzustellen. Es war so bezeichnend, wie im heutigen DLF-Mittagsprogramm der Moderator seinen kompetenten Interviewpartnerinnen einseitig und antizipierend ins Wort fiel, von Hure und Madonna und phantasierten Übergriffspraktiken schwadronierte und den Bericht über die langjährige Vertuschung der Verbrechenszahlen von deutschen schwer übergriffigen Männern an den Regensburger Domspatzen zeitlich und inhaltlich so eingrenzte, daß unter ferner liefen kaum noch über solches Unrecht berichtet wurde.Über die Verrohungen in unserer übersexualisierten „Feier“-Gesellschaft spricht auch niemand.Die Unverletzlichkeitswerte und Würdewahrung unseres Grundgesetzes sollten Zuwanderern wie auch den Hiergeborenen, Jedwedem in Presse und Politik immer wieder und von Anfang an verdeutlicht werden. Aber jeder sollte auch wissen: Vorverurteilung und üble Verallgemeinerung ist auch strafbares Unrecht und Abschiebungen in Herkunftsländer mit Folter und Todesstarfe sind obsolet, auch bei Trickdiebstahl und sexualisierten Übergriffen.Können wir gegen Vergehen nur die Verbalkeulen schwingen oder sollten wir nicht eingreifen, präventiv wirken , überzeugen und Straftaten angemessen sanktionieren ? Soll bei Strafe für Asylanten hinfort das Racheprinzip gelten ohne Besserungsansatz ? Dieser Hype ist zum Kotzen.

  4. hildegard schreibt am :

    zu Evas Link, 7.1.:
    Herr Kubicki schreibt „Recht gilt für alle – oder für keinen. Dann muss man die Norm ändern oder abschaffen …“
    Einschüchterungen, Belästigungen und Unterdrückungen von Frauen und Kindern HÄTTEN NIE Teil dieser freiheitlichen Gesellschaftsordnung nach ’49 werden dürfen!
    Die Ausweitung der sexualisierten Parallelgesellschaft ließ damals dieser Rechtsstaat unter hochrichterlicher Nachnazijustiz nicht nur zu – man ließ kindliche und jugendliche Opfer des Seelenmords allein, ließ die Verbrechen verjähren, ließ die Kinderschänder gewähren, man ließ die Politik das Grundgesetz ignorieren! Worin bestand hier die “höherwertige Moral”? Staatlich geschützt zu sein wurde das Vorrecht, ein „Mehrwert“ für Täter per Gesetz – die Schwächsten sind es niemandem WERT gewesen.
    “Nur wenn der Rechtstaat in jeder Situation für jedermann gilt, kann gesellschaftliche Freiheit und Humanität bewahrt werden.” Herr Kubicki, genau da beginnen Sie doch bitte jetzt gleich mit Ihrem Einfluss zur rückwirkenden Aufhebung dieser fatal falschen Gesetzgebung von Seelenmord-Verjährungen durch den Staat. Auch Ihre Partei war – wie alle anderen – daran beteiligt wider besseres Wissen.

    Wir Altopfer warten auf die echt freien (!) Demokraten, die nun endlich eine irregeführte dt. Gesellschaft gemeinsam mit uns von falschen Einschätzungen des Seelenmords befreien.
    Gerade jetzt nach all diesen Rudelattacken braucht es klare Haltung unserer Politiker.

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