WIR BEWEGEN WAS!

05.09.2016: netzwerkB

Liebe Mitglieder und Freunde von netzwerkB,

täglich mehrere Stunden Meditation, Yoga, Chigong, Schwimmen, Trampolinspringen, Reck- und Ringeturnen, sowie gesundes Essen, sind meine Begleiter schon seit vielen Jahren. Dennoch hatte ich das Gefühl – es ist noch nicht ganz rund was ich mache, dachte ich – und so kam ich auf den Hula-Hoop-Reifen.

Den Reifen um die Hüfte drehen, wie in den 60iger Jahren üblich, ist nicht so einfach wenn der Rücken gebeugt ist, da fällt der Reifen schnell wieder herunter. Und außerdem hatte ich noch den falschen Reifen: zu klein, zu leicht, zu hart. Nach fünf Minuten verließen mich meine Kräfte.

„Geht nicht, gibt‘s nicht“ war ein Spruch aus meiner Theaterzeit: Lösungen müssen her damit der Vorhang pünktlich um 20 Uhr aufgeht. Diese Einstellung drängte mich dazu, mich intensiver mit der Geschichte von Hula Hoop zu beschäftigen.

Wie man mit dem Reifen im antiken Griechenland um 500 v. Chr. umging, gefiel mir sehr, denn der fiel ja nicht ständig zu Boden wie bei mir.Bildschirmfoto 2016-09-04 um 10.57.55

Ich fing an Reifen selbst herzustellen, experimentierte mit unterschiedlichen Materialstärken und Durchmessergrößen. Den alten Griechen wollte ich es nachmachen und baute mir einen in der gleichen Größe. In dieser Haltung fiel der Reifen nicht mehr auf den Boden wie bisher, sondern gab mir stattdessen das Gefühl für einen geraden Rücken. So gelang es mir dann später auch, den Reifen um mich herum zu drehen. Die ersten Erfolgserlebnisse stellten sich ein.

„85 Prozent der Deutschen bewegen sich zu wenig“

Immer wenn ich am Strand an der Ostsee in Scharbeutz trainiere und die vielen unterschiedlichen Reifen drehen lasse, kommt es zu Gesprächen mit Menschen die wissen wollen, warum ich so verrückte Sachen mache. Meine Antwort ist immer wieder die selbe:

„Ich bin der Vorsitzende von netzwerkB, das ist ein Verein Betroffener von sexualisierte Gewalt – WIR BEWEGEN WAS – deshalb müssen wir immer in Bewegung bleiben und der Reifen hilft uns dabei.

Symbolisch überreichen wir bei unseren Gesprächen mit Bischöfen und Politikern als Gastgeschenke Hula-Hoop-Reifen, von netzwerkB selbst hergestellte, passend für Größe und Umfang des Gesprächspartners – damit Bewegung in die Gespräche kommt.“

Nach dem Spruch: „Das kann ich nicht!“ Was immer wieder meine Gesprächspartner am Strand äußern, wenn ich sie frage, ob sie das mit dem Reifen auch mal probieren wollen, sage ich: „Wetten, dass Sie das in einer Minute können?“

Nein, nicht gleich drehen, sage ich dann, sondern erst mal den Reifen spüren, was er mit einem macht. Sich strecken und sich einfach nur dabei wohlfühlen. Die Sonne, das Meer und die vorbeifliegenden Möwen wahrnehmen. Und dann gerade stehen, den Reifen um die Hüften herum mit den Händen einen Schwung geben, mit dem Körper sonst nichts weiter machen, sondern nur den Reifen spüren und ihn in aller Ruhe zu Boden fallen lassen.

Beim Wiederholen dieser Übung stellt man fest, dass der Reifen für eine gewisse Zeit selbst oben bleibt, so lange man keine falschen Bewegungen macht, nämlich versucht mit krummem Rücken den Reifen zu bewegen. Oft, sehr oft stellen sich dann schon vor ‘einer Minute‘ Erfolgserlebnisse ein.

Eine 82 jährige Frau hatte noch nie in ihrem Leben einen Hula-Hoop-Reifen in der Hand. „Ich kann das nicht“ war auch ihre Reaktion – nach einer Minute strahlte sie und wollte gar nicht wieder aufhören.

Mit dem Thema Gewalt beweglicher, offener und freier umzugehen, dies kann mit dem Hula-Hoop-Reifen erleichtert  werden.

WIR BEWEGEN WAS!

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Herzliche Grüße

Norbert Denef, Vorsitzender von netzwerkB

Ein Kommentar

  1. N.A. schreibt am :

    Zum Reifen: spannend finde ich auch, dass man auf diese Art genau die Körperregion „benutzt“, und zwar mit gutem Körpergefühl etc pp, die besetzt ist von Angst, Scham, Lähmung, Verstecken… Auch nach therapeutischer Aufarbeitung, oder während, ist ja immer das Problem, wie man all die kleinen Schritte körperlich verankert, im leiblichen Gedächtnis; Dinge um-polt, neu festlegt. Das ist so zäh… Immer wieder lässt einen „Körper“ scheinbar im Stich, weil er so treu jede Erfahrung „verleiblicht“.
    Dass grundsätzlich jede Körperarbeit gut ist, ist klar, aber hier ist z.B. gegeben: man kann es auch drinn machen, keiner sieht zu (Scham kann schon von einfachem Gehen abhalten) und man muss gezielt den Unterleib beachten und steuern, ohne dass es etwas mit Essen oder Sexualität zu tun hat. Geht ja auch beim Tanzen, aber ein Reifen, auf den zu achten ist, bewahrt vor Dissoziation, Abtauchen in Bewegungstrance oder Umgebung.

    Außerdem könnte die Kopf/Halsbewegung auch eine Rolle spielen, das rhythmische Hin-und Her.
    Eine richtig gute Sache also!

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