Alles verjährt

15.10.2016

In der Zeit 1964 – 1968 war ich im Internat. Ich hatte Erlebnisse, die ich keinem wünsche. Es gab aus nichtigen Gründen Schläge mit dem Bambusstock im Zimmer von Pater Udo „Standard 10 Stück“. Beschämend waren solche Schläge im Klassenzimmer. Vor allen Mitschülern musste man die Hosen runter ziehen, sich über das Pult beugen und erhielt auf nackten Hintern 10 Stück. Manchmal war es so schlimm, dass es blutete. Diese Strafe gab es für fehlerhafte Hausaufgaben oder schlecht eingeräumte Schultasche.

Ein anderer Pater bat dich in sein Zimmer und du solltest dich auf seinen Schoss setzen. Dann begrapschte er dich. Diese Sachen wiederholten sich ständig. Ein anderes mal musste ich einen ganzen Nachmittag vor einem Teller Suppe sitzen bleiben, nur weil mir die Suppe nicht schmeckte.

Einmal klimperte ich auf einen Klavier rum. Zur Strafe musste ich den Nachmittag im „Musikzimmer“ verbringen. Dieses Zimmer war im Speicher ohne Heizung mitten im Winter mit normaler Hauskleidung.

All diese Strafen wiederholten sich ständig. Das schlimme daran war, dass es zu Hause niemand glaubte. Es hieß nur „sowas machen die nicht.

Als ich diese Tatsachen der Kirche (Bistum Regensburg) mitteilte, hiess es lediglich, es tut ihnen leid, die Patres von damals leben nicht mehr, ausserdem sei das alles verjährt. Soviel zur Nächstenliebe und zur Aufarbeitung.

Lange Zeit habe ich unter diesen Umständen gelitten. Ich bin heute noch geprägt mit Misstrauen, innerer Kälte und argwöhnisch gegenüber Vorgesetzten.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Hartl

2 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    …auch heute Abend in „Fakt“ im Ersten – wieder ist Kirche mit von-der-Partie:
    Für „Merck“-versuche lässt sie Kinder quälen.
    Mit freien Markt-Wirtschaftlern, KZ-Ärzten, Nazijuristen und (nicht zuletzt!)dem Segen der Kirchen wurde damals jede Brutalität möglich gemacht.
    Man gewöhnte sich, „es“ wurde normal die Menschenrechte zu ignorieren. Die Hüter der Grundgesetze schliefen. Sie schliefen und schliefen …

    Ganz interessant für die ganz allgemeine – und für unsere spezielle – Gewaltthematik fand ich die Buchbesprechung „Tiere denken: Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“, nachzuhören und zu lesen ist das Interview unter http://www.deutschlandfunk.de/richard-david-precht-ueber-den-umgang-mit-tieren.886.de.html?dram:article_id=368290
    – hier könnte der Schlüssel liegen, der vor 2000 Jahren gänzlich verloren ging. Die „Auserwählten“ mochten Tiere nicht mehr neben sich dulden, dünkten sich gottgleich und die große Realitätsverschiebung führte die schwächere Kreatur in die Sklaverei …

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