Wir wollen Recht, kein Lügentheater

20.07.2017: netzwerkB

netzwerkB Pressemitteilung vom 20.07.2017

im Streit zwischen Kardinal Müller und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung geht es um die verschleppte Aufarbeitung des Domspatzen-Skandals. Der Missbrauchsbeauftragte Rörig sorgt sich angeblich für die Opfer. Er hoffe sehr, dass nach seinem Eindruck, insbesondere auf die Abwehr zielende Reaktion von Kardinal Müller, dies bei Betroffenen nicht zu erneuten Belastungen führt und Ihnen dadurch der Weg versperrt wird, für sich abschließen zu können. Kardinal Müller solle sich entschuldigen fordert Rörig. Müller weist den Vorwurf der Verschleppung zurück, weil er den Tatsachen diametral widersprechen würde.

Der Vorsitzende von netzwerkB, Norbert Denef, nimmt dazu wie folgt Stellung:

Dieser Streit ist aus unserer Sicht ein heuchlerisches Manöver, um an der aktuellen Situation der Opfer von sexualisierter Gewalt nichts ändern zu wollen.

Im vorliegenden Fall des Domspatzen-Skandals konnte Polizei und Staatsanwaltschaft nicht ermitteln, so dass sich gegebenenfalls Kardinal Müller und weitere mutmaßliche Täter vor einem Gericht hätten verantworten müssen, sondern lediglich nur ein von der Kirche beauftragter Anwalt – weil alle Taten verjährt sind.

Selbst wenn die Taten noch nicht verjährt gewesen wären, hätte man niemanden für verschleppte Aufarbeitung schuldig sprechen können, weil es in Deutschland für Straftaten von sexualisierter Gewalt keine Anzeige- und Meldepflicht gibt.

Anstatt sich an diesem scheinheiligen Streit von Müller und Rörig zu beteiligen, fordern wir die Medien auf, sich für die Einführung der Anzeige- und Meldepflicht, so wie für die Aufhebung der Verjährungsfristen einzusetzen.

Die katholische Kirche wird nicht freiwillig ihre Opfer angemessen mit einer Million Euro entschädigen, sondern nur über den gerichtlichen Weg. Dafür ist die Aufhebung der Verjährungsfristen unumgänglich.

Mutmaßliche Mitwisser, Verleugner und Vertuscher, wie im Fall des Domspatzen-Skandals, können nur zur Rechenschaft gezogen werde, wenn es in Deutschland eine Anzeige- und Meldepflicht gibt.

Einen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, der sich lieber mit Kardinal Müller streitet, anstatt sich für die Einführung der Anzeige- und Meldepflicht, so wie für die Aufhebung der Verjährungsfrist einsetzt, brauchen wir nicht.

Wir von netzwerkB sind für die Unschuldsvermutung, auch für Kardinal Müller und seine Mitstreiter.

Wir wollen Recht, kein Lügentheater.

Weiterführende Information:
Anzeige und Meldepflicht
Argumente zur Aufhebung der Verjährungsfristen

Für Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)160 2131313
presse [at] netzwerkb.org
www.netzwerkB.org

14 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    Wir warten auf Recht in der Gesetzgebung. Und Richter dürfen sich da nicht draus halten!

  2. kar schreibt am :

    Warum eigtl. nicht mal öffentlichkeitswirksam einen Negativpreis etablieren? Den Pinocchio, o. die lange Lügennase bspw.

  3. Das ist ein ausgezeichneter Kommentar, der sich für eine menschliche, wahre Justiz einsetzt, die Kinder achtet und ihre Menschenwürde respektiert; die sie als gleichwertige, gleichberechtigte Menschen ansieht; und die den Schutz, die Rechte und das Wohlergehen misshandelter Kinder ernst nimmt. Das ist so unfassbar überfällig, und das wird so grausam missachtet, dass es ein Verbrechen und ein Skandal ist, der gen Himmel schreit.

  4. elfi schreibt am :

    Recht, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit! Etwas Würde zurückgeben, die uns genommen wurde, durch die brutalen Taten, Diskriminierungen, kann nur durch angemessene Entschädigung erfolgen, da meist die Taten verjährt sind, was dringendst geändert werden muss.
    Wer solche Taten – dann noch öffentlich, wie Gloria von Thurn und Taxis in BR1 – sollte mit Bußgeld „belohnt werden“.

  5. hildegard schreibt am :

    … und der wöchentliche Blick in die Welt am 21. Juni 2017 um 21.30 Uhr https://www.3sat.de/page/?source=/auslandsjournal/129295/index.html – zeigte die erschreckende Gewaltentwicklung, in die KINDER heute – nicht nur wie im Beitrag ‚Irak: Ausbildung zu Kämpfern‘ IN Kriegen – gezwungen werden.
    Was ist dieser Fakt anders als das große Lügentheater weltweit forcierter/geduldeter Gewalt in Endlosschleife? Wir mussten es NACH den Kriegen als Kinder überleben …
    Aufhören muss diese Arroganz, diese Ignoranz von Brutalitäten einer irrenden Weltpolitik! Einer selbstgerechten Weltreligion!
    Was rettet auch nur ein einziges Kind vor sich wiederholender Gewalt im Teufelskreis der Mächtigen, wenn frustrierendes, „fürstlich“ relativierendes Weglächeln den Hilferufen betroffener Kinder 7×77 Male die höhnische Fratze zeigt?!
    Wir waren als Kinder die Diskriminierten.
    Unsere Traumata blieben unbeachtet.
    Allmählich wacht hier oder da eine Politikerin auf – Kleriker aber? …?

    Auch Diskriminierte anderer Regionen dürfen nicht länger im Kreisverkehr der Gewalt bleiben: RECHT braucht ein Kind und LIEBE! – und ein ganzes Dorf, das sich um sein Wohlergehen kümmert!

  6. hildegard schreibt am :

    @ kar – Richter für Arbeitsrecht war er einmal, der Herr Rörig – Arbeit gibt es genug, um die Verjährung als Unrecht nach Seelenmord anzuprangern – keine Kommission kann diesen Sachverhalt klären, es sei denn, sie bestünde aus diesem und anderen Juristen …

  7. Hubert schreibt am :

    Gerechtigkeit in dieser Welt?
    Eine Märchenvorstellung …

  8. kar schreibt am :

    Hildegard, das der vormals auf Arbeitsrecht spezialisierter Jurist war, war mir nicht bekannt.

    Irgendwie „passt“ das wieder einmal. Man holt irgendwen, am besten mit keiner und/oder anderer Erfahrung, stilisiert ihn vor der Öffentlichkeit zum bestestmöglichen Experten und sitzt weiter aus. So funktioniert in Deutschland Politik mittlerweile. Ein logischeres Ergebnis? Unerwünscht… Bloss keine wirkliche Lösung und gut ist. 😈

    https://m.youtube.com/watch?v=2sVdXg0aYYw 🙉🙈🙊

  9. Ex-Odenwaldschüler schreibt am :

    Auch der „Missbrauchsskandal“ an der Odenwaldschule wurde nie aufgeklärt,insbesondere nicht die Verwicklungen in Politik und VIP-Kreise.Heute ist Schweigen im Walde.Als Betroffener gab es für mich nie eine Entschuldigung,keine Aufklärung und keinen Cent Entschädigung….ich werde weiterhin belogen und betrogen.Für die Presse ist die Odenwaldschule mittlerweile uninteressant.Herr Röhrig:Sie leisten schlechte Arbeit!!!!!

  10. Hubert schreibt am :

    fast stumm raffen viele Geschädigte dahin, während die auf der anderen Seite zusehen, wie sie möglichst viel Geld einsparen können…

  11. hildegard schreibt am :

    Giftpfeilpolitik – Gewaltspirale

    Kein Kind konnte ungestraft sprechen über erlittene Rechts-Verletzungen – “rechtsstaatlicher” Seelenmord, inklusive all seiner Folgen – Täter wurden gesetzlich geschützt – Haftung für Schäden an Leib und Leben trägt kein Täter – Verantwortung haben allein die Opfer zu übernehmen – staatlich und kirchlich installierte Scheinaufklärer bezahlt der Steuerzahler.

    Keine Chance für Gerechtigkeit bedeutet Gift für die Gesellschaft!

    Kirchliche Oberverdränger und ein verbreiteter Oberflächen-Journalismus schreiben wieder ‘Vergebung’ ganz groß – das Volk nimmt’s hin, gähnt und soll weiter schlafen – brave Opfer haben zu vergeben.
    Wer erwähnt auch nur unsere Forderung nach rückwirkender Aufhebung der Verjährung?

    Prof. Dr. Harald Dreßing ‚funktioniert‘ (im Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim) genau so wie Rörig und seine Kommission für Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Sie sind Sand im Getriebe unserer Grundrechte, so lange sie nicht – verständlich für die gesamte Gesellschaft – die Wurzel des Übels anprangern, den Täterschutz infolge falscher Gesetzgebung. Sie alle dürften es jetzt besser wissen, dass es uns um unsere verlorenen Leben, unsere vergessenen Kinderrechte, um verbriefte Menschenrechte in der Verfassung geht. http://www.deutschlandfunk.de/missbrauchsfaelle-in-der-katholischen-kirche-unser.886.de.html?dram:article_id=391265 – nach Prof. Pfeiffer hatte die Deutsche Bischofskonferenz Herrn Dreßing mit der Aufklärung beauftragt. Er selbst scheint zu glauben: “… wenn wir im September 2018 unsere wirklich komplexen und vielfältigen Ergebnisse publizieren werden, das wird auf großes Interesse in der Öffentlichkeit, bei den Betroffenen, aber auch, so hoffen wir zumindest, bei Verantwortlichen in der katholischen Kirche führen.” …

    Bei der Gründung der BRD sorgten missbräuchliche Machenschaften für ein Maulkorb-Gesetz. Verjährungsfrist -festgeschrieben wie ein Kartellrecht – unangefochten bis heute – Haftung und Verantwortung wurden konterkariert.
    So sehen damalige KINDER die Lücke im Rechtsstaat, die höchst-selbst diesem Staat für den an ihnen vollzogenen Seelenmord als Schuldner zu dienen hatten, seit 1949. Unsere Persönlichkeitsentwicklungen wurden zerstört, Menschenrechte missachtet, Leib und Leben verletzt.

    Was führte in die Gewaltspirale? Was kann den Rechtsfrieden wieder herstellen?

    Noch fehlen Einsichten in Kausalitäten. Staat und Kirche brauchen Mut zu einer Justiz, die für sämtliche Missbrauchs-Fälle in der BRD den “Testfall des Rechtsstaates” ausruft:
    Wie Mord ist auch der Seelenmord zu bewerten. Die Verjährung ist komplett aufzuheben.

    Ein guter Anfang für echten Rechtsfrieden, für Entgiftung, für Gewaltlosigkeit.

  12. Hubert schreibt am :

    Es soll ja in Antragstellungsverfahren Gutachter geben, welche den Patienten derart verbal zusetzen, dass ihnen dann aufgrund der Reaktionen weiterführende diffamierende Diagnosen bescheinigt werden können.
    Diese Diagnosen könnten dann benutzt werden, um eine Art Entmündigung in die Wege zu leiten.
    Damit wäre ein Querulant, der sich gegen Ungerechtigkeiten wehrt, definitiv ruhig gestellt.
    Dreht der Patient verständlicherweise dabei durch,
    hätte man diese Diagnose somit auch noch bewiesen.
    In dieser Form wird nicht selten mit Antragstellern verfahren.
    Beweisen kann das ein Patient nur schwer, da nach wie vor Aufzeichnungsgeräte in Begutachtungen offiziell nicht zugelassen sind.
    Hier besteht dringender Nachholbedarf.
    Und dann wären auch sicher mehr bereit, den schweren Weg der Antragstellung zu wagen.

  13. hildegard schreibt am :

    Recht statt Lügentheater hier – Recht statt Suizid anderswo wie in Jordanien: hunderte Frauen werden jährlich vergewaltigt. Solange Männer wissen, dass sie ungeschoren davonkommen können, wird diese Zahl nicht sinken. Ziehen wir jetzt den Schlussstrich:
    Niemand soll seinen Vergewaltiger heiraten müssen.
    Unterzeichnen und verbreiten Sie die Aktion!

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