Opfer haben gute Chancen auf Schadensersatz

22.11.2018: Deutschlandradio

Jura-Professor Reinhard Merkel zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche:

Opfer haben gute Chancen auf Schadensersatz

Der Hamburger Jura-Professor Reinhard Merkel hat Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Amtsträger ermutigt, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Das sei auch dann möglich, wenn der Täter nicht mehr am Leben sei, erklärte Merkel im Deutschlandfunk. „Ich meine, die Chancen wären gut, wenigstens einen Schadensersatzanspruch in Verbindung mit einem fairen Anspruch auf Schmerzensgeld von der Kirche einzuklagen“, so Merkel. Das richte sich nicht nur gegen den jeweiligen Täter, sondern auch gegen die Institution. Die Institution „treffe gegebenenfalls ein eigenes Verschulden, mindestens ein Überwachungsverschulden“. Überwachung hätte sexuellen Missbrauch unmöglich gemacht oder deutlich erschwert, so Merkel.

Merkel gehört zu einer Gruppe von sechs Strafrechtlern, die am 26. Oktober Strafanzeigen bei den Staatsanwaltschaften eingereicht haben, die für die 27 Diözesen in Deutschland zuständig sind. Sie sehen die Staatsanwaltschaften in der Pflicht, bei hinreichendem Tatverdacht auf Akten kirchlicher Archive zuzugreifen. Nach dem Erscheinen der sogenannten MHG-Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Amtsträger, die die Deutsche Bischofskonferenz am 25. September vorgestellt hat, forderten sie die Staatsanwaltschaften auf, „Ermittlungsmaßnahmen zur Überführung der Täter“ einzuleiten.

Das Interview mit Reinhard Merkel gehört zu den Recherchen von Sebastian Engelbrecht (Dlf Reporter) für die Sendung Tag für Tag – Aus Religion und Gesellschaft zu den Folgen der MHG- Studie für Betroffene und Beschuldige, insbesondere im Bistum Hildesheim und im Erzbistum Berlin. Die Ergebnisse sind am Donnerstag, dem 22. November sowie am Montag, dem 3. Dezember jeweils um 9.35 Uhr im Deutschlandfunk zu hören.

Quelle: Deutschlandfunk 

2 Kommentare

  1. hildegard schreibt am :

    Nur zu, kämpft JETZT für euer Recht- das Recht steht auf eurer Seite!
    Die Justiz wollte nie die Anzeigepflicht, beschloss nicht die komplette Aufhebung von Verjährung, Politiker spielten auf Zeit.
    Pokern, bis alle Altbetroffenen verstorben sein würden …?
    Wir sagen: NEIN, nicht mit uns!

    Die Politik sei einfach noch nicht so weit, meinte noch im September Frau Tilmann https://www.deutschlandfunk.de/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-juristin-tilmann-der.886.de.html?dram:article_id=430051 – nach ihrer Aussage “…kann eine aktive Vertuschung ein Straftatbestand werden, wenn sie zur Vereitelung einer Strafe wird. Also, die Strafvereitelung ist ein Straftatbestand, aber dann muss aktiv vertuscht werden.”Zitatende.
    Aktiv sagt der Buchstabe – passiv gebot der Zwang.

    Damals sah sie “die Politik aufgerüttelt” – etwa darüber, dass aktiv – oder dass passiv im perfiden Kirche-Staat-Spielchen vertuscht und geschwiegen und geleugnet und – mit verschuldet wurde?

    Nun scheint es so weit – oder sind doch noch nicht alle aufgewacht?

    Gewaltexzesse, massenhaften Seelenmorde der Vergangenheit hätten ja die frühere JuristInnen mit zu verantworten gehabt, so viel scheint wohl allen klar.
    Bundesdeutsche “Nachgeborene” müssen jetzt Haltung zeigen, in und für ganz EUROPA! Die rückwirkende Anzeigepflicht mit uns zu fordern samt kompletter Aufhebung der Verjährung – das wird zweifellos den ganz großen Mut kosten: Um im Sinn der Wahrheitsfindung, des Rechtes, der Gerechtigkeit für den diesbezüglichen Rechtsfrieden zu sorgen! Die ehrliche, offene Bereitschaft dazu könnte die gesellschaftlich unterschwellige Gewalteskalation ausbremsen helfen – Vollbremsung sei dem Vatikan empfohlen …
    VERSÖHNUNG wäre der Nebeneffekt. Gewinnen würden alle.
    Also: Fürchtet euch nicht!

  2. hildegard schreibt am :

    Ganze Gesellschaften wurden aus dieser Weltkirche heraus missbraucht – auch innerhalb dieser Weltkirche. Angst und Gewalt schaukelten sich hoch, immer höher und höher.

    In solchen Männerbünden dürfen wir keinem Küster länger das Reinemachen allein überlassen! – Es sei denn: Kirchen und all die anderen Täterschutz-Institutionen, die Täter und Mitwisserinnen besinnen sich. Sie alle verantworten sich vor den (ohnehin schon völlig überlasteten) Staatsanwaltschaften. Sie zahlen den Preis für das global vererbte Desaster!!

    Ansonsten wird in Frauen- und in Kinderherzen kein Friede wachsen können. Wo menschliches Elend heute einen solchen Ursprung hatte, hat kein Politiker mehr das Recht weiter zu schweigen!
    Das Schweigen hat Täter gierig, unmoralisch, asozial, kriminell gemacht.
    Die Folgen der falschen Vorbilder in Robe und Talar sind unermesslich. Angst und Gewalt sind unübersehbar in der ‘normalen Familie’ angekommen. Pandemisch!
    Und die ganze Gesellschaft trug/trägt die Kosten.

    Nach der heutigen Veröffentlichung werden alle erinnern, wie wir in unserem ehemaligen Kinderglauben in oder neben damaligen Beichtstühlen sämtlich missbraucht worden sind – wer hätte das Recht schweigen zu dürfen …?

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